Spielkiste €uro Magazin ➵ SHOW ROOM

€URO 12|23122 Berufstätige Ruheständler Familien Anleger Steuern & Sparen Stichtag 31. Dezember Die eigenen Figuren clever und so schnell wie möglich ins Ziel bringen. Wer bei seinen steu- erlichen Gestaltungsmöglich- keiten die Vorgaben des Brettspielklassi- kers beherzigt, kann bis zum 31. Dezem- ber noch signi!ikant Abgaben sparen. Anleger, Berufstätige, Familien und Ruheständler brauchen dabei nicht auf Geschenke des Steuergesetzgebers oder von Finanzgerichten zu warten. Sie müs- sen nur selbst rechtzeitig vor Jahresende clevere !iskalische Spielzüge tätigen. Zum einen können sich Steuerpflich- tige in Veranlagungs- und Einspruchs- verfahren auf alle offenen Musterprozes- se vor dem Bundes!inanzhof (BFH) be- rufen, die ihre Lebenssituation betref- fen. Die relevantesten davon !inden Sie in 22 konkreten Spartipps auf den folgen- den Seiten. Sämtliche dort aktuell an- hängigen Verfahren sind zudem über die Website bundes!inanzhof.de abrufbar. Um künftig tatsächlich von steuerzah- lerfreundlichen Urteilen zu pro!itieren, sollten Bürger die maßgeblichen Belege des laufenden Jahres aufbewahren — auch wenn sie diese nur noch stichpro- benartig und auf Anforderung des Fi- nanzamts vorlegen müssen. Wer bis Jahresende die richtigen Züge macht, kann seine Steuerlast noch senken. Wie Anleger, Berufstätige, Familien und Ruheständler spielend sparen VON STEFAN RULLKÖTTER

€URO 12|23 123 Kosten für Büroausstattung und Arbeitskleidung sind absetzbar, wenn sie zu mehr als 90 Prozent beruflich genutzt werden und die- ses Jahr in der Gesamtsumme der Ausgaben über der Werbungskos- tenpauschale (1230 Euro) liegen. Sind die selbst bezahlten Arbeits- mittel teurer als 952 Euro brutto (800 Euro netto), sind sie anteilig über die Nutzungsdauer absetz- bar. Alle Ausgaben für Hard- und Software sind dagegen so- fort vollständig abziehbar. Arbeitsmittel Aufwendungen für ein Arbeits- zimmer, das den Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit bildet, sind ab 2023 auch dann abziehbar, wenn ein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Pauschal sind 1260 Euro für das Gesamtjahr absetzbar. Berufstätige müssen ab diesem Jahr Arbeitszimmer- kosten nur nach Aufforderung des Finanzamts nachweisen. Arbei- ten beide Ehepartner in einem Zimmer, kann ab 2023 jeder den Pauschbebetrag geltend machen. Arbeitszimmer Wer dieses Jahr an seinem aus- wärtigen Beschäftigungsort eine Zweitwohnung mietet, kann Kos- ten von bis zu 1000 Euro monat- lich absetzen. Ausgaben für Ein- richtungsgegenstände und – als Pauschalbeträge – Verpflegungs- kosten in den ersten drei Monaten nach Bezug der Zweitwohnung kommen obendrauf. Auch Ledige, die eine Wohnung im Elternhaus haben, können Kosten für doppel- te Haushaltsführung geltend ma- chen, so der BFH (Az. VI R 39/19). Doppelter Haushalt Fahrten und Fußwege zur ersten Arbeitsstätte sind pauschal mit 30 Cent je Entfernungskilometer absetzbar, maximal aber 4500 Euro pro Jahr. Ab dem 21. Kilome- ter gilt eine erhöhte Entfernungs- pauschale von 38 Cent. Ab einer Gesamtwegstrecke von 15 000 Ki- lometern sollten Belege gesam- melt werden. Höhere Kosten sind nur bei Nutzung öffentlicher Ver- kehrsmittel absetzbar. Die Pau- schale gilt bei Pendlern nur für Ta- ge, in denen sie im Betrieb waren. Fahrtkosten Verbrenner sind pauschal mit einem Prozent des Bruttolisten- preises monatlich als geldwer- ter Vorteil zu versteuern, wenn sie 2023 auch privat genutzt werden. Für Elektroautos gilt der ermäßig- te Faktor von 0,25 Prozent, für Plug-in-Hybride von 0,5 Prozent. Haben Arbeitnehmer Stellplatz- kosten für das Firmenauto, können diese den geldwerten Vorteil min- dern, so der BFH (Az. VIII R 29/20). Dies gilt u. U. auch bei Abschrei- bungen einer Privatgarage. Firmenwagen Wer als Selbstständiger oder Ge- werbetreibender dieses Jahr Ge- schäftspartner beschenkt, kann Präsente bis zum Kaufpreis von 35 Euro als Betriebsausgaben ab- ziehen. Waren die Geschenke in der Anschaffung teurer, sind sie nur absetzbar, wenn Empfänger sie für die eigene berufliche Tätig- keiten nutzen können. Ratsam ist es auch, Fotos der Präsente mit der Rechnung zu machen, um Ausgaben bei Beleganforderung des Fiskus nachweisen zu können. Geschenke Wer im Heimbüro arbeitet, kann für seine Ausgaben 2023 sechs Euro für bis zu 210 Tage pauschal absetzen. Ebenfalls wichtig: Die Homeoffice-Pauschale gibt es 2023 erstmals auch dann, wenn Berufstätige am selben Tag teil- weise von zu Hause aus und teil- weise bei Kunden oder im Unter- nehmen arbeiten. Voraussetzung für die Anerkennung in dieser Kon- stellation: Im Betrieb ist kein Ar- beitsplatz vorhanden, an dem die Büroarbeit erledigt werden kann. Homeoffice Wer dieses Jahr nebenberuflich als Übungsleiter, Dozent, Betreuer oder Erzieher arbeitet, kann Ein- künfte bis zu 3000 Euro steuer- frei einstreichen. Der Umfang der Nebentätigkeit darf ein Drittel der Arbeitszeit im Hauptberuf nicht überschreiten und bei maxi- mal 14 Wochenstunden liegen. Wer sich in Vereinen engagiert, kann für Aufwandsentschädigun- gen zusätzlich eine steuerfreie Ehrenamtspauschale von 840 Euro beanspruchen. Nebentätigkeiten Eilige Terminsache BILD: ZAKOKOR/ISTOCK

€URO 12|23124 Wer 2023 als Eigentümer oder Mieter Handwerkerleistungen für Arbeiten an oder in seinem Privathaushalt in Auftrag gegeben hat und durchführen ließ, kann 20 Prozent der unbar bezahlten Beträge für Arbeitskosten bis zu 6000 Euro direkt von der Steuer- schuld abziehen, maximal also 1200 Euro. Eine prozentuale Auf- teilung des Rechnungsbetrags in Arbeits- und Materialkosten wird bei einer Beleganforderung vom Finanzamt akzeptiert. Handwerkerkosten Die im laufenden Jahr per Bank- überweisung gezahlten Kosten für haushaltsnahe Dienstleistungen können zu 20 Prozent (maximal in Höhe von 4000 Euro) direkt von der Steuerschuld abgezogen wer- den. Neben Ausgaben für Haus- haltshilfen, Gärtner, Winterräum- dienste, Gehwegreinigung entlang der Immobilie, für Altenpfleger, Au-pairs und Hausmeister gilt diese Abzugsmöglichkeit auch für Haustierbetreuer – und für enga- giertes Personal bei Hauspartys. Haushaltsdienste Eltern können Betreuungskosten, die sie dieses Jahr unbar bezahlt haben, für Kinder bis zum Alter von 1 4 Jahren als Sonderausga- ben absetzen. Abzugsfähig sind zwei Drittel der Aufwendungen, maximal 4000 Euro pro Kind. Von Finanzämtern nicht als Be- treuungskosten anerkannt wer- den Ausgaben für Klassenfahrten, Ferienlager, Musikunterricht sowie für Sport- und Freizeitaktivitäten und die Aufwendungen für Ver- pflegung und Nachhilfe. Kinderbetreuung Wer im laufenden Jahr Anspruch auf Kindergeld oder Kinderfreibe- träge hat, kann unter Umständen noch einen weiteren fiskalischen Bonus nutzen: 30 Prozent des ge- zahlten Schulgelds für den Nach- wuchs sind als Sonderausgaben absetzbar, maximal 5000 Euro pro Kind. Auch Schulgebühren in EU- und EWR-Staaten (Norwegen) und assoziierten Ländern wie der Schweiz sowie global für deutsche Lehrinstitute sind bei gleichwerti- gem Schulabschluss abzugsfähig. Schulgelder Bei Gehaltserhöhungen oder Ar- beitsplatzverlusten sollten Ehe- partner ihre Steuerklasse vor dem Jahreswechsel überprüfen. Den Wechsel der Steuerklasse oder die Anwendung des Faktorverfahrens (Kombinationen 3/5: Verdienst- gefälle oder 4/4: ähnlich hohe Einkünfte) können Ehepartner je- weils bis Monatsende für den Fol- gemonat beim Finanzamt bean- tragen. Seit 2020 können Zusam- menveranlagte ihre Steuerklassen auch mehrmals im Jahr wechseln. Steuerklassenwechsel Unterhaltszahlungen an geschie- dene oder getrennt lebende Ehe- partner sind dieses Jahr bis zur Höhe von 13 805 Euro als Son- derausgaben absetzbar. Alterna- tiv sind diese als außergewöhnli- che Belastung bis zur Höhe von 10 908 Euro zu berücksichtigen. Damit können mehr erbrachte Bar- oder Sachleistungen, die etwa für die Berufsausbildung un- terhaltsberechtigter Personen anfallen, als noch im Vorjahr geltend gemacht werden. Unterhaltszahlungen Vergangenes Jahr erhielten Berufs- tätige und Ruheständler 300 Euro Energiepreispauschale. Jetzt gibt es Zweifel, ob dies steuerpflichtig war. Keine Zahlung „brutto für netto“ Im September 2022 haben Erwerbs- tätige über ihre Gehaltsabrechnung eine Energiepreispauschale in Höhe von 300 Euro brutto erhalten, Rent- ner und Versorgungsempfänger erhielten die Leistung mit ihren Be- zügen für Dezember 2022. Diese Einnahmen mussten sie als Einkünf- te aus nicht selbstständiger Arbeit (Arbeitnehmer und Pensionäre) oder sonstige Einkünfte (Selbst- ständige und Rentner) versteuern. Fragwürdige Abgabenpraxis Steuerexperten wie der frühere Rich- ter am Bundesfinanzhof Hans- Joachim Kanzler halten eine Besteu- erung der Energiepreispauschale für unzulässig: Die Leistung sei zum einen eine „Subvention“ und keine „Einkunftsart im Sinne des Steuer- rechts“. Zum anderen sei fraglich, ob der Bund bei der Pauschale die Gesetzgebungskompetenz für der- artige Steuervorschriften hatte. Einspruch gegen Besteuerung Das Finanzgericht Münster wird in einem ersten Musterverfahren klä- ren, ob eine entsprechende Besteu- erung der Energiepreispauschale zulässig ist (Az. 14 K 1425/23 E). Berufstätige und Ruheständler soll- ten Steuerbescheide für das Veran- lagungsjahr 2022 in diesem Punkt unter Hinweis auf dieses Aktenzei- chen via Einspruch offenhalten. Er kann innerhalb eines Monats nach Zugang des Bescheids kostenlos beim Finanzamt eingelegt werden. Energiepreis- pauschale

€URO 12|23 125 Wer am 1. Januar 2023 mindes- tens das 64. Lebensjahr vollendet hatte, kann steuermindernd einen sogenannten Altersentlastungs- betrag für Arbeitseinkommen, Miet- und Kapitaleinkünfte geltend machen. Abhängig vom Geburts- jahr gibt es dann Steuerfreibeträ- ge zwischen 646 und 1900 Euro (bei Vollendung des 64. Lebens- jahres im Jahr 2005 oder früher). Dafür müssen Ruheständler die Anlage KAP ausfüllen und eine „Günstigerprüfung“ beantragen. Altersentlastung Wer dieses Jahr sämtliche selbst getragenen Gesundheitskosten für Zahnersatz, Brillen, Medika- mente, Fahrten zu Arztpraxen und Kuren bündelt oder Ausgaben vor- zieht, kann sie in vielen Fällen als außergewöhnliche Belastungen später in der Steuererklärung für 2023 geltend machen. Finanzäm- ter berechnen den zumutbaren Ei- genanteil prozentual im Verhältnis zu den Gesamteinkünften und er- mitteln diesen einkommens- abhängig in drei Tarifstufen. Gesundheitsausgaben Wer als Ruheständler 2023 zu versteuernde Einkünfte unter dem Grundfreibetrag (10 908 Euro Alleinstehende, zusammen veran- lagte Partner 21 918 Euro) hatte, kann sich via Nichtveranlagungs- bescheinigung („NV“) von der Ab- geltungsteuer befreien lassen. Der Steuervorteil muss beim Fi- nanzamt beantragt und den Kapi- talerträge auszahlenden Banken vorgelegt werden. Eine „NV-Be- scheinigung“ gilt in der Regel drei Jahre ab Bewilligung. „NV“-Bescheinigung Im Jahr 2023 gezahlte Beiträge zu Riester-Verträgen sind als Sonder- ausgaben abzugsfähig, maximal 2100 Euro. Für die volle Riester- Förderung sind in der Regel jähr- lich mindestens vier Prozent des rentenversicherungspflichtigen Einkommens einzuzahlen. Bei Rürup-Verträgen sind für dieses Jahr erstmals 100 Prozent der gezahlten Beiträge zur privaten Basisrente bis zu 26 528 Euro (bei zusammen veranlagten Partnern bis zu 53 056 Euro) absetzbar. Riester- & Rürup-Rente Zinsen, Dividenden und realisierte Kursgewinne bleiben 2023 in grö- ßerem Umfang steuerfrei. Der Sparerpauschbetrag wuchs von 801 auf 1000 Euro (Singles) und von 1602 auf 2000 Euro (Zusam- menveranlagte). Damit dies bei Gutschrift von Kapitalerträgen be- rücksichtigt wird, müssen Anleger einen Freistellungsauftrag er- teilen. Unbefristet erteilte Freistel- lungsaufträge werden automa- tisch prozentual erhöht, können aber nachjustiert werden. Sparerpauschbetrag Wer Wertpapierdepots bei meh- reren Instituten hat und für 2023 realisierte Verluste aus Aktien- verkäufen via Steuererklärung mit anderweitigen Aktiengewinnen bankübergreifend verrechnen will, muss eine Verlustbescheini- gung vorlegen, die bis 15. Dezem- ber 2023 bei den depotführen- den Stellen zu beantragen ist. Gleiches gilt, wenn zusammenver- anlagte Partner dieses Jahr reali- sierte Verluste depotüber- greifend verrechnen wollen. Verlustbescheinigung Wer dieses Jahr mit Aktien und Co Verluste realisiert hat, sollte auf diese steuerlichen Details achten. Verlustverrechnung bei Aktien In diesem Jahr realisierte Kursver- luste mit Aktien sind bis auf Weiteres nur mit Gewinnen aus anderweitigen Aktienverkäufen verrechenbar, nicht aber mit realisierten Kursgewinnen aus Fonds und Anleihen sowie mit Zinserträgen und Dividenden. Musterverfahren in Karlsruhe Wer seine Aktienverluste aus 2023 mit anderen Kapitaleinkünften ver- rechnen will, könnte noch von einem beim Bundesverfassungsgericht anhängigen Musterverfahren (Az. 2 BvL 3/21) profitieren. Alle Bescheide ab 2009 ergehen zur Frage, ob die Verlustverrechnungsbeschränkung verfassungsgemäß ist, nur vorläufig. Ausfüllen der Anlage KAP Damit betroffene Aktionäre von einer möglicherweise steuerzahler- freundlichen Entscheidung der Ver- fassungsrichter reibungslos profitie- ren, sollten sie stets die Anlage KAP ausfüllen und mit ihrer Steuererklä- rung einreichen. Seit Einführung der Abgeltungsteuer 2009 ist dieses Formular nicht immer erforderlich. Miese aus anderen Anlagen Verluste aus Termingeschäften, CFDs, Swaps, Forwards, Futures und Devisendeals sind nur bis 2000 Euro pro Jahr mit realisierten Kursgewinnen verrechenbar. Glei- ches gilt für Totalverluste. Nicht be- rücksichtigte Miese sind hier nur auf Folgejahre vortragbar. Auch diese Verrechnungspraxis steht indirekt in Karlsruhe auf dem Prüfstand. Verrechnung von Verlusten Stichtag 31. Dezember Steuern & Sparen

14 €URO 11|24 Bis zu den Präsidentschafts- und Kongresswahlen in den USA am 5. November werden das Land, seine Einwohner und vor allem seine Politiker so gut ausgeleuchtet wor- den sein wie noch nie zuvor. Reporter dürften jede größere Gemeinde in den !ür die Präsidentschaft wahlentschei- denden „Swing States“ Arizona, Georgia, Michigan, Nevada, North Carolina, Penn- sylvania und Wisconsin aufgesucht ha- ben. Um herauszu!inden, ob es dort ei- ne hauchdünne Mehrheit !ür die Kandi- datin der Demokraten, Kamala Harris, geben könnte oder !ür den Kandidaten der Republikaner, Donald Trump. Verschuldung? War da was? Ein The- ma aber wird fast überall nur am Rand erwähnt. Dass keiner der Präsident- schaftskandidaten sparen will, sondern dass beide das bereits gigantische Haus- haltsde!izit noch vergrößern werden, und das auf unabsehbare Zeit. €uro ana- lysiert, warum auch ein US#Präsident oder eine -Präsidentin als angeblich mächtigster Mann oder mächtigste Frau der Welt einen noch Mächtigeren !ürch- ten muss, der schon einmal einen vor Selbstbewusstsein strotzenden US#Präsi- denten in ein schlotterndes Nervenbün- del verwandelt hat. Den Anleihemarkt. Oder besser, seine Akteure, Investoren, die Bond-Wächter. Das ist auch gut so, denn sonst droht auf lange Sicht nicht we- niger als ein neues Geldsystem. Wobei man den USA eines lassen muss: Mit den De!iziten der Vergangenheit haben sie auch etwas aufgebaut — und das sparsa- me Europa brutal abgehängt (s. Seite 18). Es klang bereits an: Die Wirtschafts- vorschläge von Donald Trump und Ka- mala Harris werden auf die Goldwaage gelegt und Aktien und Branchen identi- !iziert, die von ihren Programmen nach einem Wahlsieg pro!itieren sollten (sie- he dazu aus!ührlich €uro 5/2024 und 9/2024). Dabei ist es eher die Ausnahme, dass ein Präsident sein Programm gleich- sam in Reinstform umsetzen kann. Weil keineswegs sicher ist, dass der Präsident und die Mehrheit sowohl im Repräsen- tantenhaus als auch im Senat das glei- che Parteibuch besitzen (siehe Gra!ik Seite 16). Das war zuletzt in der ersten Hälfte der bislang ersten Präsidentschaft von Donald Trump der Fall, als er so un- ter anderem eine große Steuerreform durchsetzen konnte. Die UBS setzt nun die Wahrschein- lichkeit eines „blauen Durchmarschs“ mit Kamala Harris ins Weiße Haus und ➝ Politik & Wirtschaft US-Wahl und Schulden BILD: DNY59/ISTOCK, ALEX WONG/GETTY IMAGES, JULIA NIKHINSON/AP/ PICTURE ALLIANCE [M], COMPOSING: JULIAN MEZGER/BÖRSENMEDIEN Marionetten der Ob Donald Trump oder Kamala Harris – wer am 5. November zur mächtigsten Person der Welt gewählt wird, treibt die US-Verschuldung weiter in die Höhe. Aber nur so lange, bis ein noch Mächtigerer eingreift – der Anleihemarkt VON FRANK MERTGEN einem komplett demokratisch kontrol- lierten Kongress nur mit 15 Prozent an. 40 Prozent Wahrscheinlichkeit billigt sie einer Präsidentin Harris mit einem ge- spaltenen Kongress zu — Mehrheit !ür die Republikaner im Senat, !ür die Demokra- ten im Repräsentantenhaus. Auf 35 Pro- zent wird der rote Durchmarsch taxiert, ein Präsident Donald Trump, dessen Re- publikaner zugleich beide Kammern des Parlaments beherrschen. Zehn Prozent Wahrscheinlichkeit gibt es !ür Trump im Weißen Haus, der mit einer Republika- ner-Mehrheit im Senat und einem von Demokraten dominierten Repräsentan- tenhaus regieren müsste. Gerade geteilte Macht würde auch die direkten Folgen der Wahl !ür die Finanz- märkte limitieren (s. Tabelle Seite 17 un- ten). Selbst der rote Durchmarsch wür- de das Aktienbarometer S & P 500 nur um drei Prozent nach oben bewegen, wo- hingegen eine blaue Demokraten-Welle den Leitindex um neun Prozent drücken soll — wegen höherer Firmensteuern. Was die Börse liebt. „Wenn wir einen vollständigen Sieg der Demokraten oder einen vollständigen Sieg der Republika- ner bekommen, denke ich nicht, dass der Markt diese Art von Regimen posi- Bond-Wächter

Überschuss €URO 11|24 15 Noch an der langen, bald an der kurzen Leine: Gegen einen Käuferstreik am Bondmarkt sind selbst US-Präsidenten machtlos – man frage nur Bill Clinton Stichtag: !".#$.!#!%; Quelle: OMB, Apollo-Chefökonom Torsten Slok Jedes Jahr über eine Billion Dollar Defizit – das wird die Regel. Überschüsse? Gab es zuletzt in den 90ern bei Clinton !,"# !,$# -!,$# -!,"# -%,$# -%,"# -$,$# -$,"# -&,$# -&,"# !,"# !,$# -!,$# -!,"# -%,$# -%,"# -$,$# -$,"# -&,$# -&,"# ’89 ’92 ’95 ’98 ’01 ’04 ’07 ’10 ’13 ’16 ’19 ’22 ’25 ’28 ’31 Jährliche US-Neuverschuldung in Bill. US-$ Bisherige De&izite Prognostizierte De&izite

%'$( %'&) %'&$ %'*! %'*( %'** %'#$ %'"$ %'#) %')( %')! %')* %'(* %'") %'') %''$ %'(( $!!! $!!( $!!* $!%$ $!%) $!$! $!$$ $!$* %'(! €URO 11|2416 tiv sehen wird“, sagt der erfahrene Ed Yardeni von Yardeni Research. „Ich den- ke, der Markt bevorzugt vielmehr eine Pattsituation.“ Ein solches Patt im Kapi- tol !ührt oft zu träger Gesetzgebung, „die die Märkte bevorzugen, da dies weniger Unsicherheit und weniger regulatorische Überraschungen zur Folge hat“, so Yar- deni. Tatsache ist, dass etwa große Steu- erreformen häu!ig beschlossen wurden, wenn eine Partei Weißes Haus und Kon- gress beherrschte (siehe Gra!ik oben). Seid verschlungen, Billionen. Eines ist sicher: Beide Präsidentschaftskan- didaten machen Versprechungen, die es schwieriger machen würden, den Haus- halt auszugleichen. Zwei Beispiele: Do- nald Trump schlägt vor, die teilweise Einkommensbesteuerung von Sozialver- sicherungsleistungen abzuschaffen, was das De!izit laut Committee for a Respon- sible Federal Budget über einen Zeit- raum von zehn Jahren um 1,7 Billionen Dollar erhöhen würde. Auf der anderen Seite würde der von Vizepräsidentin Harris veröffentlichte „Plan zur Senkung der Kosten !ür amerikanische Familien“ das De!izit in ähnlichem Maß erhöhen. Lasten: Sozialkassen und Zinsen. Ge- mäß dem Congressional Budget Of!ice (CBO), das dem Kongress überparteiliche Berechnungen vorlegt, könnte das De!i- zit, das im Haushaltsjahr 2023/24 satte 7,9 Prozent des BIP erreichte, in den nächsten zehn Jahren nicht unter 5,5 Prozent sinken. Wer soll all die US#Staats- Stichtag: '#.#$.!#!%; ( TCJA: Tax Cuts and Jobs Act, Steuersenkungen von Donald Trump; ! ARPA: American Rescue Plan Act, Bidens Corona-Stimulus-Programm; Quelle: BNP Paribas Geteilt Seit 2006 hatten Präsidenten oft den Kongress (oder eine Kammer) gegen sich, konnten nicht durchregieren Ray Dalio: Große Schuldenkrisen Plassen Verlag, 472 Seiten, 49,90 € ISBN: 978-3-86470-735-3 Hedgefonds-Legende Ray Dalio zeigt, wie Investoren ihr Kapital in Schuldenkrisen bewahren können. Präsident Senat Repräsentantenhaus „New Deal“ von Roosevelt Steuererleichterungen unter Kennedy und Johnson Reagans Steuerreformen Bush senkt Steuern TCJA 1 (2017) ARPA 2 (2021) BILD: DNY59/ISTOCK, NERTHUZ/ISTOCK [M] Kapitol: Das Haus- haltsrecht ist das vornehmste Recht eines Parlaments. Macht es die Schul- denorgien mit, spürt es ebenso die Macht der Bond-Wächter Welche Partei seit 1928 den Präsidenten stellte und Senat sowie Repräsentantenhaus beherrschte Republikaner Demokraten

€URO 11|24 17 US-Wahl und Schulden Politik & Wirtschaft anleihen kaufen, die da!ür ausgegeben werden müssen? Die größten Gläubiger Japan und China reduzieren schon ihre Bestände an Treasuries. Und: Neun Billi- onen Dollar an US#Staatsanleihen wer- den in den kommenden zwölf Monaten !ällig. Die nominalen Ausgaben der USA werden von 6,8 Billionen Dollar 2024 bis 2034 auf 10,3 Billionen Dollar anschwel- len, schätzt das CBO. Etwa 87 Prozent dieses Anstiegs sind auf die Sozialver- sicherung, staatliche Gesundheitsaus- gaben und die Zinszahlungen auf die Staatsschulden zurückzu!ühren. Das hat Konsequenzen. Das CBO schätzt, dass ein zusätzlicher Dollar De- !izitausgaben private Investitionen um 33 Cent reduziert. Die Ratingagenturen könnten die Kreditwürdigkeit der USA weiter herabstufen, bei zwei Bonitäts- wächtern, S & P und Fitch, hat das Land die Bestnote „AAA“ bereits verloren. „Beide — Kamala Harris und Donald Trump — können ihre Versprechen aus dem Wahlkampf als Präsidentin oder Präsident kaum halten“, sagt Vermö- gensverwalter Johannes Hirsch von An- tea. Unter den letzten beiden Präsiden- ten Joe Biden und Donald Trump ist die Staatsverschuldung bereits enorm ge- stiegen. Hirsch: „Inzwischen hat sie ein Ausmaß erreicht, das selbst einem US#Präsidenten die Hände bindet.“ Hirsch und weitere Kritiker der Schul- denorgie warnen vor einem Vertrauens- verlust, bei dem abrupte Ausgaben- kürzungen oder Steuererhöhungen nö- tig würden, um eine Krise zu vermeiden. Das britische Beispiel. Hirsch erinnert an Großbritannien: „Als die frühere bri- tische Premierministerin Liz Truss und ihr Finanzminister Kwasi Kwarteng vor zwei Jahren ankündigten, die Steuern drastisch zu senken, hätte es beinahe einen Kollaps an den Finanzmärkten ge- geben. Das britische Pfund brach ein, britische Staatsanleihen wurden massiv verkauft, am Ende musste die Bank von England einschreiten und erklären, dass sie im Zweifel Staatspapiere ohne Ober- grenze aufkauft.“ Finanzminister Kwar- teng wurde entlassen, die Steuersenkun- gen wurden zurückgenommen. Die Wächter und das Massaker. Tho- mas Mayer, Chef des Flossbach von Storch Research Institute, verweist auf die US#Geschichte Anfang der 1990er- Jahre. „Die Clinton-Regierung wurde mit einem Rentenmarkt konfrontiert, der nicht mehr willens war, all die Neuemis- sionen geräuschlos zu absorbieren.“ Sei- nerzeit bildete sich das Wort der „Bond Vigilantes“, der Bond-Wächter. Sie sorg- ten !ür ein wahres Massaker bei den Zins- papieren. „Der Markt hat die weitere Auf- nahme von US#Staatsanleihen verwei- gert“, erläutert Mayer. Ein Berater von Präsident Bill Clinton sagte seinerzeit, er wolle im Fall der Wiedergeburt nicht etwa als Papst oder etwas anderes Groß- artiges wiedergeboren werden, sondern als Anleihemarkt, erinnert sich Mayer. „Denn das sei das mächtigste Instru- ment, das auch eine Regierung in Schach halten könne.“ Tatsächlich habe die Clin- ton-Regierung dann die De!izite redu- ziert und die Verschuldung eingedämmt. Der Ruf nach der Zentralbank. Mayer denkt aber weiter. Wenn die Anleger re- agieren, gibt es eine Art Teufelskreis. Die Zinsen steigen, es wird noch schwieriger, den Schuldendienst zu leisten, er könn- te gar unmöglich werden. „Dann kommt der Ruf nach der Zentralbank, die am Markt nicht mehr absetzbaren Anleihen auf ihre Bilanz zu nehmen. Das ist zu- nächst die Lösung. Geldschaffung er- setzt Anleiheemissionen.“ Dann blähe sich die zuletzt gut kontrollierte Geld- menge wieder auf, werde wieder höher als das reale Bruttoinlandsprodukt, es kommt zu Inflation. Mayer: „Diesen Me- chanismus konnte man in der Geschich- te immer wieder beobachten, wenn der Staat unter extremen Finanzstress kam, in den USA im Fall von Bürgerkrieg (Lockerung der Goldbindung) und Viet- nam-Krieg (endgültig weg vom Gold). Erst kommt die Geldschöpfung aus dem Nichts — und dann wechselt die Politik kurzerhand das Geldsystem.“ ➝ ’00 ’02 ’04 ’06 ’16’08 ’10 ’12 ’14 ’18 ’20 ’22 1400 1200 1000 800 600 400 200 0 Japan China Stichtag: $".!(.$!$*; Quelle: Torsten Slok (Apollo) 50 45 40 35 30 25 20 15 10 5 0 USA Kanada Großbritannien Deutschland Italien Frankreich Treasuries raus Großgläubiger bauen Bestände an US-Staatsanleihen ab 2020 2024 2030 2034 135 130 125 120 115 110 105 100 95 90 85 Stichtag: %!.!'.$!$*; Quelle: Lombard Odier Steuern sind in den USA am gerings- ten, Spielraum für Erhöhung wäre da Stichtag: &!.!(.$!$*; Quelle: BNP Paribas Schuldenberg Er wächst weiter stark, egal in welcher Konstellation Roter Durchmarsch Blauer Durchmarsch Trump/geteilte Macht Harris/geteilte Macht Schulden/BIP Gehaltene US-Staatsbonds in Mrd. US-$ Anteil der Steuereinnahmen am BIP in % US-Staatsverschuldung in % des BIP Wahlfolgen für die Märkte Effekte seien nur gering, so BNP Paribas Szenario €/US-$ in % US-Staats- bonds (# J. in bp* S & P *## in % Firmen- bonds in bp* Blauer Durchmarsch -%,& +&! -' +$' Harris-Sieg (geteilte Regierung) +!,$ -# +! -% Trump-Sieg (geteilte Regierung) -!,$ +# +! ! Roter Durchmarsch -%,

€URO 11|2418 Politik & Wirtschaft US-Wahl und Schulden Es kommt schon drauf an, was man aus einem Kredit macht. In Deutsch- land ist der Baukredit für das Eigen- heim (Investition) sicher besser angese- hen als der Ratenkredit für die Traumreise (Konsum). „Während die Märkte dazu tendieren, die aufgehäuften Schulden ins Blickfeld zu rücken, glauben wir, dass Anleger sich darauf konzentrieren sollten, wofür das Geld genutzt wird“, sagen die Experten von Lombard Odier und lenken den Blick auf die Volkswirtschaften und die Verwendung des geliehenen Geldes. Und da werden gerade verstärkt Verglei- che zwischen den Vereinigten Staaten und der EU gezogen, seit der frühere EZB- Chef Mario Draghi in einem Bericht über die Wettbewerbsfähigkeit des Kontinents von einer „existenziellen Herausforde- rung“ spricht. Frankreichs Präsident Em- manuel Macron spart gerade nicht an ätzender Kritik an der EU (siehe Seite 13). Die Experten von Berenberg rechnen vor: „2007 hatte Europa eine ähnlich große Wirtschaft und Unternehmenslandschaft (Nettogewinn und Marktkapitalisierung börsennotierter Unternehmen) wie die USA. Heute ist die US-Wirtschaft 50 Pro- zent größer als die EU-Wirtschaft, wäh- rend der US-Aktienmarkt mehr als dreimal so groß ist wie der europäische Aktien- markt“ (siehe auch Grafiken unten). In die- sen Bereichen seien die USA in den letzten 15 bis 20 Jahren eine herausragende Er- folgsgeschichte; Europa aber zurückge- blieben. Die USA hätten seit 2007 „von ei- nem kombinierten monetären und fiska- lischen Impuls in Höhe von ca. 30 Billionen US-Dollar“ profitiert, das entspricht etwa einem Betrag von rund fünf Billionen Dol- lar in Europa. „Dies wird unserer Meinung nach unterschätzt; was kam zuerst, die Überperformance der USA oder die außer- gewöhnliche politische Unterstützung?“, fragen die Berenberg-Experten um Aktien- stratege Jonathan Stubbs. Bemerkens- wert ist, wie in dieser Rechnung Haushalts- politik und Geldpolitik ineinandergreifen. Draghi schlägt in seinem Bericht vor, jähr- lich 750 bis 800 Milliarden Euro für In- vestitionen aufzubringen, um die EU wie- der produktiver und damit wettbewerbs- fähiger zu machen. Die Chancen einer Realisierung? Vielleicht zehn Prozent. In den USA droht die Verschuldung aus dem Ruder zu laufen. Aber mit den Defiziten der Vergangenheit haben die Amerikaner ihrer Wirtschaft einen Turbo zugeschaltet – und die EU-Staaten uneinholbar abgehängt Schulden-USA lassen Spar-Europa alt aussehen ’07 ’09 ’11 ’13 ’15 ’17 ’19 ’21 ’23 30 28 26 24 22 20 18 16 14 12 USA Europa ’07 ’09 ’11 ’13 ’15 ’17 ’19 ’21 ’23 55 50 45 40 35 30 25 20 15 10 5 USA Europa ’07 ’09 ’11 ’13 ’15 ’17 ’19 ’21 ’23 30 25 20 15 10 5 0 USA Europa Stichtag: %&.!'.$!$*; Quelle: Berenberg Wirtschaftsleistung Die USA zogen der EU seit 2007 davon Börsenwert Bei der Marktkapitalisie- rung der Börse ist Europa deklassiert Anschub Die USA zündeten mit Schul- den und Notenbankgeld den Turbo BILD: XDNY59/ISTOCK, FREDERICK FLORIN/AFP/GETTY IMAGES [M], COMPOSING: JULIAN MEZGER/BÖRSENMEDIEN BIP in Bill. US-$ Marktwert in Bill. US-$ Schulden- und Zentralbankimpuls in Bill. US-$

€URO 06|2366 W as macht man, wenn man zu spät zur Party kommt? Wieder nach Hause ge- hen oder sich ins Getüm- mel stürzen? In der Finanzbranche lau- ten die Fragen derzeit ähnlich. Da tobt eine ETF!Party, auf der Anbieter wie iS- hares, SPDR oder Vanguard schon lange tanzen, während andere Unternehmen noch abseitsstehen. Doch wie können große Häuser wie Fidelity und JP Morg- an den ETF!Markt aufrollen, wenn sie bislang nur Fonds angeboten haben? „Wenn wir einen weiteren ETF auf den Euro Stoxx 50 oder den S & P 500 Index auf legen, ist der Mehrwert begrenzt“, sagt Stefan Kuhn, der seit April 2022 den ETF!Vertrieb von Fidelity in Europa leitet. Den großen Markt #ür die Stan- dard-ETFs haben iShares, SPDR oder Vanguard längst unter sich aufgeteilt. Bei Fidelity und JP Morgan hat man dennoch eine Antwort gefunden und vertreibt nun sogenannte aktive ETFs. „Aktive Aus zwei mach eins Aktive ETFs möchten die Vorteile von aktiven Fonds und passiven ETFs verbinden. €uro klärt auf, ob sie für Anleger tatsächlich das Beste aus zwei Welten liefern VON RALF FERKEN ETFs bieten das Beste aus zwei Welten“, lautet die Botschaft der beiden angel- sächsischen Anbieter, womit sie das Bes- te aus aktiven Fonds und passiven ETFs meinen. Denn bislang umgab diese ein Manko: Aktive Fonds wollen ihren Index übertreffen, schaffen dies wegen der ho- hen Kosten aber kaum. Passive ETFs sind zwar günstig, folgen aber nur einem Index. Aktive ETFs wollen beides: ihren Index übertreffen und die Anleger dabei nur mit niedrigen Kosten belasten.

€URO 06|23 67 Relaxtes Anlegen: Aktive ETFs sollen die Vorteile von akti- ven Fonds und passiven ETFs vereinen Börse & Investments Aktive ETFs Sinan Krieger: Die besten ETF-Strategien der Welt Börsenbuchverlag, 240 S., 24,90 € ISBN: 978-3-86470-907-4 In seinem Buch beleuchtet der Finanz- journalist und ETF-Experte Sinan Krieger 17 ETF-Strategien, die nachweislich funk- tionieren. Von simpel bis raffiniert. Von „Buy & Hold“ bis zu flexiblem Timing. ➝ BILD: MALTE MUELLER/FSTOP/GETTY IMAGES [M] Niedrige Kosten. Bei den Kosten haben die Anbieter der aktiven ETFs bislang geliefert. Das zeigen zwei Beispiele #ür US!Aktien. Fidelity offeriert den Fidelity Sustainable Research Enhanced US Equi- ty ETF (ISIN: IE 00B KSB GS4 4) #ür lau- fende Kosten von 0,30 Prozent pro Jahr. Bei JP Morgan kostet der vergleichbare JP Morgan US Research Enhanced Index Equity ESG ETF (IE 00B F4G 707 6) pro Jahr 0,20 Prozent. Das ist nahe dran an den 0,05 Prozent, die minimal #ür einen S & P!500!ETF anfallen, aber weit ent- fernt von den 1,50 bis 2,00 Prozent, die meist #ür einen aktiv gemanagten US- Aktienfonds verlangt werden. Doch kön- nen beide ETFs auch besser abschneiden als der S & P 500 Index? Seit Juni 2020 lag der JP Morgan-ETF knapp vor dem Index, der Fidelity-ETF knapp dahinter. „Ein aktiver ETF kann #ür Anleger jedoch mit- tel- bis langfristig einen Mehrwert lie- fern, weil Fidelity seine aktive Expertise auch bei ETFs einbringen kann“, betont Kuhn. Im Vergleich zum Index würden die Fidelity-Experten dazu einzelne Ak- tien leicht über- und untergewichten. Denn die aktiven ETFs von Fidelity sol- len nah am Index bleiben. „Das ist auch so gewollt, um Anlegern die Chance auf eine Outperformance zu geben und zu- gleich einen klar de#inierten Zugang zu einem Markt“, sagt Kuhn. Bei JP Morgan denkt man ähnlich. Auf den beiden folgenden Seiten stellt €uro einen aktiven ETF von Ossiam und von Invesco vor, die stärker vom S & P 500 beziehungsweise vom MSCI World Index abweichen — und die ihre Indizes beide übertreffen konnten.

Anteil der größten Einzelpositionen in % 8,7 5,6 4,4 3,4 3,0 Microsoft Alphabet Merck & Co Adobe Texas Instruments Anteil der größten Einzelpositionen in % 5,0 4,8 4,6 4,2 4,2 Microsoft Apple Amazon Sysco McDonald’s Anteil der größten Einzelpositionen in % 7,1 6,3 3,4 2,7 2,0 Apple Microsoft Alphabet Amazon Nvidia Wasauchimmer in % IT 26 Gesundheit 14 Finanzwerte 13 Nichtzyklischer Konsum 10 Industrie 9 Andere 28 Anteil der Sektoren in % Wasauchimmer in % IT 24 Gesundheit 18 Finanzwerte 17 Nichtzyklischer Konsum 11 Kommunikation 9 Andere 21 Anteil der Sektoren in % Wasauchimmer in % Nichtzyklischer Konsum 28 IT 27 Zyklischer Konsum 22 Finanzwerte 20 Andere 3 Anteil der Sektoren in % €URO 06|2368 ISIN LU 000 630 688 9 Auflegung 02.08.1993 Dividenden ausschüttend Volumen in Mio. Euro 2199 Laufende Kosten p. a. 1,58 % Anzahl Einzelwerte 40 FondsNote 1 Wertentwicklung 3 Jahre 53,2 % ISIN IE 00B 6YX 5C3 3 Auflegung 19.03.2012 Dividenden ausschüttend Volumen in Mio. Euro 4822 Laufende Kosten p. a. 0,09 % Anzahl Einzelwerte 503 FondsNote 2 Wertentwicklung 3 Jahre 51,4 % ISIN IE 00B F92 LR5 6 Auflegung 05.04.2018 Dividenden thesaurierend Volumen in Mio. Euro 727 Laufende Kosten p. a. 0,75 % Anzahl Einzelwerte 89 FondsNote – Wertentwicklung 3 Jahre 55,6 % Stichtag: !"."#.$"$!; Quelle: Anbieter, Bloomberg Stichtag: !"."#.$"$!; Quelle: Anbieter, BloombergStichtag: !"."#.$"$!; Quelle: Anbieter, Bloomberg Mit dem Schroder US Large Cap können Anleger derzeit in 40 US-Standardwerte wie Alphabet oder Microsoft investieren. Fonds- manager Frank Thormann setzt im Portfolio nicht gezielt auf Growth- oder Value-Werte, sondern investiert flexibel in US-Aktien mit einer hohen Marktkapitalisierung. Bei den Einzelwerten weicht er bisweilen deutlich vom S & P 500 Index ab. So verzichtet der in Frankfurt am Main arbeitende Fondsmana- ger zum Beispiel auf die Aktien von Berkshire Hathaway, ExxonMobil oder Nvidia, die im S & P 500 Index hoch gewichtet sind. Im Ge- genzug gewichtet der Schroders-Fondsma- nager Unternehmen wie Adobe, Merck & Co und Texas Instruments höher als im US- Leitindex. Momentan bewertet €uro den Schroder US Large Cap mit FondsNote 1. Gemessen an seinem Rendite-Risiko-Profil zählte er in den vergangenen vier Jahren damit zu den besten US-Aktienfonds. Der Dow Jones Industrial Average Index ist wohl immer noch der bekannteste Index für US-Aktien und enthält 30 US-Standardwerte wie Boeing, Goldman Sachs und Home De- pot. Mittlerweile ist der S & P 500 Index aber relevanter, da er den US-Aktienmarkt mit seinen 500 Titeln umfassender abbildet. Zu- dem haben Anleger mehr Kapital in Aktien- ETFs auf den S & P 500 Index investiert. So verwaltet der SPDR S & P 500 ETF derzeit rund 4,8 Milliarden Euro. Seine größten Ein- zelwerte sind Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon und Nvidia. Hier gilt die Regel: Je größer der Börsenwert einer Firma ist, desto höher ist ihr Anteil im Index. So weist Apple einen Börsenwert von über zwei Billionen US-Dollar auf und ist daher höher im S & P 500 Index gewichtet als Nvidia, dessen Bör- senwert bei unter einer Billion Euro liegt. Für viele Fonds und aktive ETFs ist der S & P 500 Index die Benchmark, die es zu schlagen gilt. Der Ossiam ESG Low Carbon Shiller Barclays CAPE US Sector ETF ist ein ak- tiver ETF, der sein Portfolio besonders aktiv verwaltet. So investiert der Ossiam-ETF je- den Monat nur in vier von elf möglichen Sek- toren, die am günstigsten bewertet sind. Hierzu berücksichtigt er die CAPE-Ratio, die Nobelpreisträger Robert Shiller entwickelt hat. CAPE steht für Cyclically Adjusted Price Earning oder für das zyklisch bereinigte Kurs-Gewinn-Verhältnis, das die inflations- bereinigten Firmengewinne der vergangenen zehn Jahre erfasst. Derzeit stammen die 89 Aktien im ETF aus den Sektoren Finanz- werte, IT sowie zyklischer- und nichtzykli- scher Konsum. Zudem agiert der Ossiam- ETF nachhaltig, worauf das „ESG Low Car- bon“ im Namen hinweist. Relevant ist beim Ossiam-ETF aber der CAPE-Ansatz, mit dem er in den vergangenen drei Jahren vor dem Schroders-Fonds und dem SPDR-ETF lag. €URO-EMPFEHLUNG €URO-EMPFEHLUNG€URO-EMPFEHLUNG 1 11AKTIVER FONDS (USA) PASSIVER ETF (USA)AKTIVER ETF (USA) Börse & Investments Aktive ETFs Stichtag: !%."!.$"$!; Quelle: Anbieter Stichtag: !%."!.$"$!; Quelle: AnbieterStichtag: !%."!.$"$!; Quelle: Anbieter

Anteil der größten Einzelpositionen in % 5,2 4,5 3,6 3,0 3,0 Microsoft Alphabet Visa Adobe Astrazeneca Anteil der größten Einzelpositionen in % 2,8 1,9 1,7 1,6 1,6 Microsoft Merck & Co Cisco Systems Microchip Technology Pepsico Anteil der größten Einzelpositionen in % 4,9 3,8 2,2 1,8 1,3 Apple Microsoft Alphabet Amazon Nvidia Anteil der Länder in % USA 68 Japan 6 Großbritannien 4 Frankreich 4 Kanada 3 Andere 15 Wasauchimmer in % USA 64 Japan 8 Kanada 5 Deutschland 5 Großbritannien 5 Andere 13 Anteil der Länder in % Wasauchimmer in % USA 62 Großbritannien 5 Niederlande 4 Japan 4 Honkong 3 Andere 22 Anteil der Länder in % €URO 06|23 69 ISIN LU 022 528 327 3 Auflegung 29.07.2005 Dividenden thesaurierend Volumen in Mio. Euro 2194 Laufende Kosten p. a. 1,84 % Anzahl Einzelwerte 51 FondsNote 1 Wertentwicklung 3 Jahre 45,7 % ISIN IE 00B 4L5 Y98 3 Auflegung 25.09.2009 Dividenden thesaurierend Volumen in Mio. Euro 41208 Laufende Kosten p. a. 0,20 % Anzahl Einzelwerte 1510 FondsNote 2 Wertentwicklung 3 Jahre 47,4 % ISIN IE 00B JQR DN1 5 Auflegung 31.07.2019 Dividenden thesaurierend Volumen in Mio. Euro 75 Laufende Kosten p. a. 0,30 % Anzahl Einzelwerte 222 FondsNote – Wertentwicklung 3 Jahre 52,3 % Stichtag: !"."#.$"$!; Quelle: Anbieter, Bloomberg Stichtag: !"."#.$"$!; Quelle: Anbieter, BloombergStichtag: !"."#.$"$!; Quelle: Anbieter, Bloomberg Nicht nur den Schroder US Large Cap (siehe links), sondern auch den Schroder Global Equity Alpha bewertet €uro derzeit mit FondsNote 1. In den vergangenen vier Jahren gehörte der Schroder Global Equity Alpha in puncto Rendite-Risiko-Verhältnis somit zu den erfolgreichsten globalen Aktienfonds. Aus dem Begriff „Alpha“ können Anleger herauslesen, dass die Fondsmanager Alex Tedder und Frank Thormann mit dem Schro- ders-Fonds auf mittlere bis längere Sicht besser abschneiden möchten als der MSCI World Index. Deshalb halten Tedder und Thormann im Portfolio lediglich 51 Titel, un- ter denen sie Microsoft und Alphabet aktuell am höchsten gewichten. Ungewöhnlicher ist jedoch, dass sie Adobe, Astrazeneca und Visa ebenfalls hoch gewichten, die im MSCI World Index nicht zu den zehn größten Titeln zählen. Überdies verzichten beide Manager komplett auf Immobilienwerte. Der iShares Core MSCI World ETF zählt momentan zu den Lieblingen der Anleger. So verwaltet der europaweit angebotene Aktien-ETF von iShares über 40 Milliarden Euro und war im vergangenen März bei den ETF-Anlegern der Onlinebank Comdirect einer der beliebtesten Einmal- und Sparplan- Anlagen. Mit einem ETF auf den MSCI World Index setzen Anleger auf circa 1500 Aktien, die aus 23 Industrieländern stammen. Mit rund 68 Prozent dominieren US-Aktien das Portfolio, weil sie meist höhere Börsenwerte aufweisen als europäische oder japanische Titel. Denn wie beim S & P 500 Index (siehe rechts) gilt beim MSCI World Index die Regel: Je höher der Börsenwert eines Unterneh- mens, desto höher ihr Anteil am Index. In den vergangenen Jahren hat sich der MSCI World Index immer mehr zu einer Benchmark für globale Aktienfonds entwickelt, die diese nur schwer übertreffen können. Seit 25 Jahren arbeitet Manuela von Ditfurth bei Invesco und steuert quantitativ gema- nagte Fonds. Seit Sommer 2019 wendet sie diesen Ansatz auch bei einem aktiven ETF an, dem Invesco Quantitative Strategies ESG Global Equity Multi-Factor ETF. Im ersten Schritt schließen von Ditfurth und ihre Kollegen jene Titel aus, die den hauseigenen ESG-Kriterien nicht entsprechen. Im zwei- ten Schritt suchen sie quantitativ jene Titel heraus, die die Faktoren günstige Bewertung, hohe Qualität und starkes Momentum am besten vereinen. Am Ende dieses „integrier- ten ESG-Multi-Faktor-Ansatzes“ steht ein Portfolio aus rund 75 Titeln, das vom MSCI World Index deutlich abweichen kann. „Wir möchten die Risiken im Portfolio aber kon- trollieren und Klumpenrisiken vermeiden“, sagt die Invesco-Expertin. Daher gewichtet das quantitative Modell die Einzelwerte gleichmäßiger als etwa im MSCI World Index. €URO-EMPFEHLUNG €URO-EMPFEHLUNG€URO-EMPFEHLUNG 1 11AKTIVER FONDS (GLOBAL) PASSIVER ETF (GLOBAL)AKTIVER ETF (GLOBAL) Stichtag: !%."!.$"$!; Quelle: Anbieter Stichtag: !%."!.$"$!; Quelle: AnbieterStichtag: !%."!.$"$!; Quelle: Anbieter

€URO 06|2472 Sie sind die Überflieger am Aktien- markt schlechthin: Die Pharmakon- zerne Eli Lilly und Novo Nordisk pro!itieren weiter von der ungeheu- ren Nachfrage nach Abnehmspritzen. Nach Umsatz- und Gewinnsprüngen im ersten Quartal erhöhten nun beide Hersteller ih- re Jahresziele. Die Aktien sind weiter im Höhenflug. Wie lange hält der Boom? Eine eindeutige Antwort auf die drän- gende Frage, wann die Abnehmpille und damit der nächste klare Kurstreiber auf den Markt kommt, gab es bei Vorlage der Zwischenbilanzen nicht. Dort wurden lediglich neue Superlative !ür Umsatz und Gewinn ausgerufen. Doch der US"Sender CNBC hatte kürzlich berichtet, der dänische Konzern Novo Nordisk wolle in der zweiten Jahreshälfte mit ei- ner Phase-II"Studie !ür die heiß ersehnte Abnehmpille begin- nen. Ergebnisse seien Anfang 2026 zu erwarten. Bei dem Anbieter der auf dem Wirkstoff Semaglu- tid basierenden Abnehmspritze Wegovy schnellte der operative Gewinn im ersten Quartal vor allem wegen der enorm hohen Nachfrage in den USA um mehr als ein Drittel auf umgerechnet 4,27 Milliarden Euro nach oben. Für das laufende Jahr rechnet er nun mit einem Umsatzzuwachs von bis zu 27 und einem Gewinnplus von bis zu 30 Prozent. Absolute Zahlen nannte er nicht. Aktuell kommen die Dänen mit der Produktion ihres Zaubermittels Semaglutid kaum hinterher. Die nächste große Welle verspricht das Mittel in Tabletten- form: Die komfortablere Einnahme könnte den poten- ziellen Markt noch erheblich vergrößern. Zudem wä- re eine Tablette einfacher und günstiger herzustellen. Hoffen auf die Abnehmpille. Bei einem Investoren- treffen im März hatte Novo erste Daten !ür das oral ein- zunehmende Mittel Amycretin vorgelegt: Die Wirkwei- se der Pille ähnelt dem Prinzip der Spritze. Sie ahmt das Darmhormon GLP"1 nach und sorgt !ür ein schnel- leres Sättigungsge!ühl. Da die Tablette zusätzlich auf ein Hormon der Bauchspeicheldrüse abzielt, das das Hungerge!ühl reguliert, soll sie noch effektiver sein. Bei Studienteilnehmern habe Amycretin nach nur zwölf Wochen einen Gewichtsverlust von 13,1 Prozent bewirkt. Bei einer Person mit 110 Kilo Ausgangsgewicht wären das knapp 14,5 Kilo. Welcher langfristige Abnehm- erfolg mit Novo Nordisks Pille erzielt wer- den kann, muss sich noch zeigen: Die Stu- die be!indet sich erst in der Anfangsphase, die Daten sind nicht öffentlich zugänglich. Novo-Nordisk-Entwicklungschef Martin Holst Lange sagte der Nachrichtenagen- tur Reuters, er sei sehr zuversichtlich, die Pille noch in diesem Jahrzehnt auf den Markt bringen zu können. Die Geduld könnte sich auszahlen: Laut Investoren zeige die Nachricht, dass Novo Nordisk mehr in der Pipe- line habe. Seit Wegovy Mitte 2021 in den USA auf den Markt kam, hat sich der Aktienkurs mehr als ver- dreifacht. Längst ist der dänische Konzern das wertvollste Unter- nehmen Europas. Und auch der US"Konzern Eli Lilly treibt die Entwicklung einer Diätpille Rundum gesund Das Geschäft mit den Abnehmspritzen lässt die Gewinne sprudeln. Warum der Hype nicht endet und sich der Einstieg bei den Pionieren immer noch lohnt VON SONJA FUNKE Börse & Investments Abnehmspritzen

€URO 06|24 73 voran und konnte mit seinem Wirk- stoffkandidaten Orforglipron in einer klinischen Phase-II"Studie bereits posi- tive Ergebnisse erzielen. Die Probanden verloren im Zeitraum von neun Monaten 9,4 bis 14,7 Prozent Gewicht. Noch pro!itie- ren die Amerikaner vor allem von der hohen Nachfrage nach dem Diabetesmittel Mounja- ro und der Abnehmspritze Zepbound. Eli Lilly zog mit seiner Börsenbewertung mittlerweile am Elektroautobauer Tesla und der Supermarkt- kette Walmart vorbei. Nach einem Umsatz- und Gewinnsprung im ersten Quartal peilt Eli Lilly mit bis zu 43,6 Milliarden Dollar nun zwei Milliarden Dollar mehr Umsatz mehr an als bisher. Der Gewinn je Aktie soll von 6,32 auf bis zu 14 Dollar steigen. Die neuen Ziele übertreffen die Erwartungen der Ana- lysten deutlich, die Aktie stieg in der Spitze um knapp zehn Prozent. Allein seit Morgan-Stanley-Analyst Terence Flynn das Kursziel !ür Eli Lilly im Februar auf 950 US"Dollar angehoben und gefragt hatte, ob Eli Lilly der erste Pharmagigant mit einer Billion Dol- lar Börsenwert werden könne, stieg diese Kennziffer bis April um 22 Milliarden auf 688 Milliarden Dollar. Gigantischer Markt. Um die steigende Nachfrage zu bewältigen, baut Eli Lilly die Produktionskapa- zitäten weiter aus. Im rheinland-p!älzischen Alzey entsteht eine neue Produktionsstätte, die 2027 den Betrieb aufnehmen soll. Unterdessen schwillt der Markt !ür Abnehmpräparate weiter an — ohne da- bei die Dominanz der beiden Platzhirsche zu ge!ähr- den: Die World Obesity Federation schätzt, dass 2035 mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung übergewich- tig sein wird. Im vergangenen Jahr wurden laut Bloom- berg Intelligence (BI) mit Abnehmspritzen weltweit 2,5 Milliarden Dollar erlöst. Bis 2030 soll der Markt um mehr als das Dreißigfache auf 80 Milliarden Dollar zu- legen. Eli Lilly und Novo Nordisk werden dann voraus- sichtlich 49 und 43 Prozent des globalen Umsatzes ein- fahren. Die verbliebenen acht Prozent dürften Wettbe- werber wie Amgen, Altimmune, Innovent und Zealand unter sich aufteilen, deren Wirkstoffe voraussichtlich 2027 zugelassen werden. Als Amgen Anfang Mai ermu- tigende Zwischenergebnisse zu seinem experimentel- len Adipositas-Medikament andeutete, schnellten die Papiere gleich um knapp 15 Prozent nach oben. Neue Therapiegebiete. Die Pioniere im Abnehmge- schäft !icht das nicht an: Sie bauen ihre Kapazitäten aus, investieren in künftige Abnehmpräparate und er- forschen ihre bewährten und neue Wirkstoffe im an- gestammten Bereich und weiteren Therapiegebieten. Novo Nordisk etwa dehnt den Fokus auf Herz-Kreis- lauf-Erkrankungen aus und übernimmt !ür mehr als eine Milliarde Euro das Biotech-Start-up Cardior Phar- maceuticals aus Hannover. Dessen Hauptentwick- lungsprodukt ist ein Wirkstoff gegen Herzinsuf!izienz infolge eines Herzinfarkts. Im März hatte die US"Arz- neimittelbehörde FDA Wegovy auch zur Vorbeugung von Herzinfarkten und Schlagan!äl- len bei Risikopatienten zugelassen. Dies könnte sich positiv auf eine mögli- che künftige Erstattung durch die Kran- kenkassen auswirken — und das wiederum die Aktien pushen. Zudem erforschen die Dänen weitere Therapiegebiete, etwa chro- nische Nierenerkrankung, nicht alkoholische Fettleberentzündung und Alzheimer. Auch gibt es unabhängige Studien zur Wirkung des Wirkstoffs GLP"1 auf das Verlustverlangen im Ge- hirn. Hinweise auf einen positiven Einfluss bei Alkohol- und anderen Suchterkrankungen we- cken Hoffnung auf noch mehr Therapiegebiete. Der US"Wettbewerber Eli Lilly meldete kürzlich ebenfalls positive Studienergebnisse zu seiner Abnehmspritze. Das Präparat erwies sich demnach als wirksam gegen Atemprobleme im Schlaf. Die Schlafapnoe sei in Studien im Schnitt um 63 Prozent gesunken. Auch Eli Lilly investiert in das Forschungs- feld Alzheimer sowie in die Bereiche Gehörverlust und starke Schmerzen, außerdem laufen Projekte in der Krebsbehandlung und der Immunologie. Eli Lilly und Novo Nordisk bleiben auf lange Sicht die Markt!ührer im Bereich Übergewicht und Adi- positas. Allein dieses Therapiegebiet verspricht schier unerschöpfliches Wachstum. Die erhöhten Jahresziele untermauern das Potenzial. Beide Ak- tien bleiben langfristig ein klarer Kauf, Kursrück- setzer bieten Einstiegsgelegenheiten. BILD: KUP1984/ISTOCK Favoriten Die beiden erfolgreichsten Produzenten von Abnehmspritzen stecken Milliarden in den Ausbau, die Forschung und die Entwicklung Aktie WKN Kurs in € !"-Wochen- Hoch in € !"-Wochen- Tief in € KGV ! "#"$ KBV " Dividenden- rendite in % Börsenwert in Mrd. € Bemerkung Eli Lilly %$%$&# '#(,(# '#%,&# )%),"# *#,(& &$,) #,' &*(,# Der US-Pharmakonzern baut in Rheinland-Pfalz für ",) Milliarden Euro ein neues Werk Novo Nordisk A)EU&F ++&,'# +"$,'" &',&& "(,& )',# +,* $#),) Der dänische Pharmakonzern übernimmt das deutsche Biotech-Start-up Cardior Pharmaceuticals Stichtag: #'.#$."#"*; # erwartetes Kurs-Gewinn-Verhältnis: Je niedriger der Wert, desto günstiger ist die Aktie bewertet; " Kurs-Buch-Verhältnis: Werte unter + gelten

€URO 06|1966 Börse & Investments Strategie Was tun? Wenn die Kurse fallen, steigen viele Anleger aus. Andere wiederum nutzen gefallene Kurse zum Nachkaufen

€URO 06|19 67 BILD: MARTINS RUDZITIS/MOMENT RF/GETTY IMAGES Der Mai ist in vielen Dingen ein Spitzenmonat: Etwa wenn es um den Sonnenschein geht oder die Produktivität der Na- tur. An der Börse ist es wie so oft anders. Da hat der Mai einen eher schlechten Ruf, rät doch die unter Börsianern be- kannte Regel „Sell in May“ dazu, sich im Wonnemonat von Wertpapieren zu trennen. Erst am Ende des Sommers soll man wiederkommen: „and remember to come back in September“, wie der zwei- te Teil der Börsenweisheit lautet. In der Tat ist der Mai mit Blick auf den DAX ein eher grauer Monat, in dem bis- her eher negative Kursentwicklungen überwogen. Verluste standen meist auch im Juni und im August zu Buche, weshalb die These von der lohnenden Sommer- pause !ür Börsianer verlockend ist. Tatsächlich war die strikte Befolgung der Mai-Regel während der vergangenen 30 Jahre !ür DAX"Anleger ertragreich, wie Berechnungen des britischen Ver- mögensverwalters Fidelity belegen. So hat ein Investor, der Anfang 1989 exakt 10 000 Euro in den DAX investierte und seither jedes Jahr am 30. April aus- und am 1. September wieder einstieg, ohne Transaktionskosten bis Ende vergange- nen Jahres 31,5 Prozent mehr Rendite erzielt, als wenn er permanent investiert geblieben wäre. Unter dem Strich ein Plus von über 28 000 Euro. Ein üppiger Betrag. Dennoch warnen Experten, an einen Automatismus zu glauben. „In 17 Jahren hat die Regel funk- tioniert, in 13 nicht“, sagt Fidelity-Anlage- experte Andreas Telschow. „Auch wenn sich ‚Sell in May‘ über 30 Jahre ausge- zahlt hat — diese Regel zu befolgen, ist riskant. Der Zufall spielt dabei eine nicht unwesentliche Rolle. Es mögen Sonder- faktoren gewesen sein, die in jedem Jahr zu den Ausschlägen ge!ührt haben.“ Wie etwa 1988. Da entwickelte sich der DAX von Mai bis September so stark, dass auf 30"Jahres-Sicht ein Anleger mit der Mai-Strategie nur um 17 Prozent besser gefahren wäre anstatt um 31,5 Prozent wie von 1989 bis 2018. Heftige Ausschläge. Die Renditeaus- wirkungen sind teilweise heftig: Wäh- rend 2001 und 2002 ein Ausscheiden im Mai mit einer Extrarendite von 17 und 26 Prozent belohnt wurde, hatte die Stra- tegie 2003 ein Minus von 18 Prozent zur Folge. 2009 verpassten Mai-Aussteiger einen großen Teil (15 Prozent) des nach der Finanzkrise beginnenden Bullen- markts. Hinzu kommt, dass sich aus Da- ten der Vergangenheit nicht auf die Zu- kunft schließen lässt: „Ab morgen“, so Telschow, „kann alles anders sein.“ Zudem !ällt auf, dass ein positiver Sell- in-May-Effekt anders als beim DAX bei anderen Indizes nicht nachweisbar ist. Wer der Mai-Regel etwa beim britischen FTSE 30 folgte, musste sich nach Berech- nungen von Fidelity über die vergange- nen 30 Jahre mit acht Prozent weniger Gewinn zufrieden geben als ein Dauerin- vestor. Nach Daten von HSBC Trinkaus & Burkhardt brachte der Ausstieg im Früh- jahr auch beim Dow Jones kaum Vortei- le. Beim Nasdaq mussten Anleger sogar spürbar auf Gewinne verzichten. Eines aber haben alle betrachteten In- dizes gemeinsam: In den Monaten Mai bis September ist die Performance im historischen Vergleich überall unter- durchschnittlich. Das heißt, dass im ers- ten Quartal, Anfang des zweiten und im vierten die Märkte meist besser laufen. Da!ür gibt es Gründe: Viele Unterneh- men schütten einmal im Jahr Dividenden aus — meist im Zeitraum April bis Juni. Das lockt Anleger an und treibt die Kur- se. Mit Auszahlung der Aktionärsbetei- ligung oder — bei hohen Kursen — schon vorher steigen viele wieder aus. Zudem nehmen in den Sommermonaten traditi- onell die Handelsvolumina ab. Die Um- sätze sind niedrig, weil Marktteilnehmer in Urlaub sind. In der Vergangenheit kam es häu!ig vor, dass sich Anleger im Som- mer von ihren Beständen trennten, um ihre Ferien unbeschwert zu genießen. Niedrigere Umsätze bedeuten aber auch, dass die Märkte !ür Kursbewegun- gen an!älliger sind. Schlechte Nachrich- ten können dadurch doppelt wirken. Zum einen werden sie stärker wahrge- nommen, weil im Sommer generell Nachrichtenflaute herrscht. Damit sor- gen sie zum anderen bei geringeren Bör- senumsätzen !ür größere Ausschläge. Meist hat sich das im September noch nicht geändert. Der letzte Sommermonat ist historisch gesehen der schlechteste des Jahres. „Es wäre sinnvoller, den zwei- ten Teil der Mai-Regel zu ändern in ,re- member to come back in October‘“, sagt Matthias Hüppe, Chef der HSBC"Deriva- teabteilung. „Aber das reimt sich nicht.“ Mit all diesen Informationen im Hin- terkopf können Anleger sich !ür die po- tenziell ertragsschwächeren Monate im Jahr wappnen. Und es gibt auch die- Profite in der Pause Die Börsenkurse entwickeln sich im Frühjahr und Sommer oft schwächer als im Rest des Jahres. Investoren können diesen Trend mit mehreren Strategien nutzen VON OLIVER RISTAU ➝

€URO 07|2362 ! " # $ % & -% -$ -# -" -! ’'& ’'" ’'( ’(# ’(' ’)% ’)! ’)) ’&# ’&' ’%% ’%! ’%) Stichtag: %(.&".$&$#; Quelle: UBS Slowflation ist definiert als eine Phase schwachen Wachstums (keine Stagnation) bei hoher (aber nicht sehr hoher) Inflation. In Europa traten solche Phasen seit 1970 fünf Mal auf. Stag*lation Slow*lation Wachstum Index In*lation Index Wachstum und In!lation in Europa, indexiert (Skala: Standardabweichungen)

€URO 07|23 63 Im chinesischen Horoskop gibt es zwölf Tierkreiszeichen, die ver- schiedene Eigenschaften verkör- pern und jeweils ein Jahr prägen. Auch an den Kapitalmärkten sind tie- rische Wesen wie Bulle und Bär keine Unbekannten. Eine weitere Gemeinsam- keit: Es gibt auch in der Wirtschaft Pha- sen, die ideal durch Tiere symbolisiert werden. Aktuell ist das die Schnecke. Für Anleger ist sie allemal attraktiver als etwa das Faultier. Denn sie bewegt sich immerhin, und das ein wenig schnel- ler als noch im letzten Winter erwartet. So hat die EU!Kommission Mitte Mai ih- re Wachstumsprognose "ür das laufende und das kommende Jahr angehoben. Die Brüsseler Behörde rechnet "ür 2023 mit einem Plus von 1,0 Prozent statt 0,8 Pro- zent wie noch im Februar. 2024 sollen es 1,7 Prozent werden statt 1,5 Prozent. Und auch in Deutschland beschleunigt die Schnecke: Statt 0,2 soll es laut Bundesre- gierung nun ein Wachstum von 0,4 Pro- zent geben. Allerdings: Mit einer Loko- motive wie in den früheren Jahren hat das Tierchen weiterhin nichts zu tun. Dazu kommt die Inflation: Sie dürfte zwar geringer ausfallen als im Vorjahr, als die Teuerung auf 9,2 Prozent hoch- schnellte. Doch sie bleibt hartnäckig auf Höhen, die sich vor wenigen Jahren kaum jemand hat vorstellen können. Auch einen Namen gibt es "ür diese Peri- ode der Wirtschaft: Slowflation — also niedriges Wachstum bei relativ hoher In- flation. Warum wir genau jetzt eine sol- che Phase erleben und wie Anleger sich richtig da"ür positionieren, erklären wir auf den folgenden Seiten. Keine Stagflation – zum Glück. Das ist ein Hoffnungsschimmer, denn bis vor Kurzem erwarteten viele Beobachter noch ein anderes Szenario: die bedroh- liche Stagflation, eine Phase, in der hohe Inflation mit stagnierender Wirtschaft einhergeht — Gift "ür die Börse. Dennoch ist auch eine Slowflation eine im Vergleich zu früheren Rosarot- Jahren eine herausfordernde Zeit. Wie sollen sich Anleger jetzt positionieren? Dieser Frage hat sich die Schweizer Groß- bank UBS angenommen: ganz ohne Ho- roskop, da"ür mit viel Datenanalyse. Zunächst ging es den Schweizer Ana- lysten darum, das Phänomen einzufan- gen, also Parameter zu de"inieren, um es exakt zu beschreiben. Grundsätzlich gilt bei Slowflation: Langsames ökonomi- sches Wachstum, gekoppelt mit mäßig hoher Inflation, genauer de"iniert Das Jahr der Schnecke In der Wirtschaft geht es nur langsam voran, doch die Teuerung hält sich hartnäckig. Worauf Anleger in einer solchen Phase der Slowflation setzen VON OLIVER RISTAU Riesenschnecke: Die Geschichte lehrt, wie Anleger in Zeiten investieren sollten, in denen eine gefähr- liche Stagflation ver- mieden werden kann ➝ Börse & Investments Slowflation BILD: ICHADSGN/SHUTTERSTOCK, ULIMI/ISTOCK

€URO 07|2364 schrumpfen. Die Inflation sollte als zwei- te Kennzahl nicht höher sein als 4,5 Pro- zent — verglichen mit dem 30-jährigen Mittel von 2,4 Prozent. Deutsche Erfahrungen. Solche Zeiten hat es in der Historie einige gegeben. Für Europa haben die Banker "ünf an der Zahl ermittelt. Zum Beispiel Anfang der 1980er-Jahre, als eine Phase von Stagfla- tion und anschließender Slowflation in Deutschland zum Ende der soziallibera- len Koalition unter Helmut Schmidt "ühr- te. Auch Anfang der 2000er-Jahre gab es zwei Slowflation-Phasen, die 2008 schließlich Angela Merkel statt Gerhard Schröder in das Kanzleramt spülten. Die Schuldenkrise in Europa steht ebenfalls "ür eine solche Periode niedrigen Wachs- tums bei relativ hoher Inflation. Und 2023, so die UBS, sei die Lage ähnlich. Diese statistische Einordnung der aktuellen Situation ist kein Selbstzweck. Aufgabe der Analysten war es vielmehr zu ermitteln, welche Aktien und Anlage- klassen sich in diesem Umfeld am besten entwickeln. Dabei zeigt sich im histori- schen Rückblick, dass Konsumgüter und der Gesundheitssektor unter den Aktien in den USA und Europa am besten ab- geschnitten haben. Das ist keine Überraschung, schließ- lich müssen die Menschen unabhängig vom Zustand der Wirtschaft bestimmte Produkte kaufen und auch zum Arzt gehen. Dahinter folgen Energie und Ver- sorger. Auch davon können viele Men- schen aktuell ein Lied singen: Strom und Gas müssen bezahlt werden, egal wie hoch der Preis ist und ob die Wirtschaft boomt. Am schwächsten performten übrigens der Tech-Sektor, Immobilienak- tien sowie Banken und Versicherungen. Um aber im aktuellen Jahr der Schne- cke die richtigen Aktienentscheidungen zu treffen, reicht der Blick in den Rück- spiegel nicht. Experten haben sich des- halb auch den derzeitigen Zustand der Sektoren und Titel angesehen. In die Be- wertung floss, wenn auch im geringeren Maß, die Bewertung und das Gewinn- Momentum ein. Für alle drei Kriterien verlieh die UBS Punkte. Unter dem Strich "ührte die Kombination zu einer anderen Gewichtung der Branchen. Vorn rangiert nun der Energiesektor vor den Versorgern, Konsumgütern und der Gesundheit. Am Ende liegen Rohstof- fe, Immobilien und Finanzen. Wichtig dabei: Der Ansatz ist rein datenbasiert. Nicht immer leuchten die Ergebnisse so- fort ein, etwa beim Blick auf die am bes- ten performenden Börsen in Slowflation- Zeiten. Warum ausgerechnet Mexiko, Australien und Südafrika vorn liegen, bleibt im Vagen. Möglicherweise fließen Palacio de Bellas Artes in Mexico City: Historisch hat die Bör- se in Mexiko in Zeiten geringen Wachstums bei erhöhter Inflation im Vergleich mit am besten abgeschnitten – neben Australien und Südafrika durch einen bestimmten Abstand vom jeweils langfristigen Trend. „Wir schau- en da"ür zurück auf 50 Jahre Markthisto- rie in den USA sowie 25 Jahre in Europa und dem asiatisch-pazi"ischen Raum APAC“, sagt Nicolas Le Roux, der die Stu- die bei der UBS feder"ührend betreut hat. Für jedes dieser Jahre hat sein Team die Wachstums- und Inflationsrate in eine Matrix eingetragen. Aus diesen Werten hat es dann die Standardabweichung er- mittelt, den durchschnittlichen Wert al- ler vom Mittelwert abweichenden Daten. Was kompliziert klingt, soll ein klare- res Bild von der Wirklichkeit zeichnen, denn nahezu jedes Jahr wird vom Mit- telwert einer 25- oder 50!Jahres-Periode abweichen. Bei einer Slowflation ver- läuft die Wirtschaftsentwicklung per UBS!De"inition schwächer, und zwar in einem Band zwischen null und der ein- fachen Standardabweichung. Die Infla- tion bewegt sich dagegen zwischen null und der anderthalbfachen Standard- abweichung oberhalb des Trends. Heruntergebrochen auf konkrete Zahlen heißt das "ür die letzten 30 Jahre: Das Wirtschaftswachstum muss mindes- tens bei 0,23 Prozent im Jahr liegen. Das ist deutlich weniger als die 2,5 Prozent, die die Ökonomie im Durchschnitt pro Jahr zugelegt hatte. Aber immerhin: Bei einer Stagflation würde die Wirtschaft BILD: XLHBOUCAULT/123RF

€URO 07|23 65 Investitionen überproportional in Schwellen- und Rohstoffländer, wenn es im Westen kriselt. Interessant ist in je- dem Fall, dass sich auch aktuell wieder mexikanische Aktien deutlich besser entwickeln als etwa die in DAX und Dow. Apropos: Der DAX zeigte sich in Slow- flation-Phasen im Mittelfeld, lag aber vor US!Standardpapieren. Die ertragreichs- ten europäischen Titel kamen aus der Schweiz. Auch noch gut im Rennen wa- ren europäische Bluechips. Und wer waren nun die Gewinner un- ter den Einzeltiteln? Die UBS hat "ür die USA, Europa und Asien-Pazi"ik jeweils zwei Ranglisten "ür das Aktienuniver- sum erstellt, das die Bank beobachtet. Eine enthält Werte, die von Slowflation- Phasen grundsätzlich pro"itieren. Die andere fokussiert sich auf die Verlierer. Die großen Profiteure. In Europa er- reichte der Schweizer Maschinenbauer Bucher die höchste Punktzahl. Knapp dahinter rangieren die schwedische Svenska Handelsbanken und der briti- sche Versicherer Hiscox, vor allem we- gen aktuell niedriger Bewertung. Es fol- gen der französische Kantinenspezialist Sodexo und die auf Büroimmobilien spezialisierte britische Derwent. Die schlechtesten Aussichten bescheinigt die UBS im aktuellen Umfeld King"isher, Bachem, Generali und Rentokil. In den USA liegt das Reiseportal Booking an der Slowflation-Spitze vor dem Unterhal- tungskonzern Activision Blizzard und dem Modespezialisten Ralph Lauren. Abgeschlagen am Ende: Paramount, Ro- binson Worldwide und Ford. Im asiati- schen Raum haben Hyundai Insurance, DB Insurance und LG die besten Aussich- ten. Das Gegenteil gilt "ür Furukawa, AMP und Sumitomo. Ganz wichtig "ür Anleger: Auch "ür die besten Werte erwartet die UBS kei- nen Himmelssturm. Schließlich ist das ökonomische Umfeld angeschlagen. „Im Durchschnitt sollten Aktien immer noch positive Erträge liefern, allerdings 40 Prozent niedriger als im historischen Vergleich“, sagte Studienautor Le Roux dem Magazin €uro. Sechs attraktive Ti- tel aus der UBS!Analyse hat sich €uro da- bei näher angeschaut (siehe Seite 66/67). Und bei Währungen und Anleihen? Auch diese Sektoren hat die Bank nach den gleichen Kriterien durchforstet. Da- bei zeigt sich wenig überraschend, dass Investoren Staatsanleihen als sichere Häfen aufsuchen. Gleichzeitig steigen die nominalen Kupons im Zuge der Inflation an. Und anders als in Stagflation-Phasen kommt es laut UBS!Analyse nicht zu ei- nem Ausverkauf der Staatsbonds. Unter den sechs größten Volkswirtschaften waren zehnjährige US-, australische und kanadische Bonds historisch besonders gefragt. Aktuell emp"iehlt die UBS neben australischen Staatspapieren insbeson- dere zehnjährige britische Gilts. Die Vorliebe "ür Großbritannien in der aktuellen Phase zeigt sich auch bei den Währungen. Das Pfund hat histo- risch leicht aufgewertet. Unter Berück- sichtigung aktueller Bewertungskriteri- en ist es zusammen mit dem Singapur- Dollar und dem Schweizer Franken der UBS!Favorit. Diese Währungsräume ver- sprechen Stabilität und Chancen und sollten deshalb Kapitalzuflüsse verzeich- nen. Das gilt in abgeschwächter Form "ür den Dollar. Der Euro dürfte aufgrund der Heterogenität seiner Mitglieder neutral performen. Am anderen Ende stehen der chinesische Yuan, der israelische Sche- kel, die Rupie und der peruanische Sol. Begehrte Agrarrohstoffe. Bleibt die Frage nach der Preisentwicklung bei den Rohstoffen. Mit Ausnahme des Öls haben sich historisch alle börsennotierten Roh- stoffe verteuert. Das gilt weniger "ür die Edelmetalle Gold und Silber als vor allem "ür die Agrarrohstoffe. Neben Sojaöl besonders beliebt in den Jahren der Schnecke: Mais und Weizen. Kein Wun- der: Nahrungsmittel sind das Letzte, auf das die Menschen beim Konsum ver- zichten. Das gilt tatsächlich auch "ür die Weichtiere mit dem Kalkhäuschen selbst, von denen Biologen sagen, dass neben Salat auch Getreide bisweilen auf ihrer Speisekarte steht. ➝ Slowflation Börse & Investments Stichtag: %(.&".$&$#; Quelle: UBS Branchenfavoriten Wie Sektoren des Stoxx 600 bei Slowflation performen Über-/Untergewichtung in % Energie #,# Gesundheitswesen $,$ Pharma und Biotech %,( Nahrungsmittel, Getränke, Tabak %,# Versorger %,% Autos und Zulieferer &,) Ernährung &,) Haushaltsgüter &,) Hotel/Freizeit &,+ Banken &,! Technik-Hardware &,# Medien &,% Software &,% Immobilien &,% Rohstoffe-&,% Kommunik.-Dienste-&,) langleb. Konsum-%,# Einzelhandel-%,# Transport-%," Versicherungen-%,+ Finanzdienste-%,) Halbleiter-%,) Telekommunik.-$,% Investitionsgüter-$,(

€URO 06|2088 Null Risiko ... ... und magere Renditechancen: Die Corona-Krise zeigt Stärken und Schwächen neuartiger Lebensversicherungen. €uro hat Indexpolicen und Co getestet VON MARTIN REIM

€URO 06|20 89 hen werfen derzeit kaum noch etwas ab, oft sind sogar Negativzinsen !ällig. Lösung: Der Kunde kann die Über- schussbeteiligung nutzen, um auf Um- wegen die Chance auf mehr Rendite zu bekommen. Hier!ür haben die Versiche- rer in den vergangenen Jahren eine Fül- le von neuen Produkten auf den Markt gebracht, die sich unter dem Begriff „Neue Garantiepolicen“ zusammenfas- sen lassen. Ihre Gemeinsamkeiten: Es existieren zwar Garantien auf das einge- zahlte Kapital, doch liegen diese unter- halb des gesetzlichen Garantiezinses von 0,9 Prozent pro Jahr. Und der Versiche- rer legt das Kundengeld zumindest teil- weise in Eigenregie an; die Mittel fließen also — anders als bei Fondspolicen — nicht komplett in externe Fonds. Von diesen Neuen Garantiepolicen gibt es — grob gesagt — zwei Spielarten. Eine sind die Indexpolicen. Hier können sich Kunden an der Wertentwicklung ei- nes Index beteiligen, zumeist am Aktien- markt. Sammelsurium an Konstruktionen. Die zweite Spielart wird „Moderne Klas- sik“ genannt. Es existiert hier ein Sam- melsurium an Konstruktionen, von de- nen die meisten recht nah an klassischen Policen mit gesetzlichem Garantiezins sind. So ist der Anlagemix bei der Moder- nen und der Alten Klassik oft der gleiche, denn das Investment erfolgt in beiden Fällen im sogenannten Sicherungsver- mögen des Anbieters. Die höhere Rendi- te soll allein dadurch erzielt werden, dass der Versicherer durch die gekürz- ten Garantien weniger Kapital beiseite- legen muss. Entsprechend wird eine hö- here Überschussbeteiligung in Aussicht gestellt. All diesen Angeboten ist gemein- sam, dass es keine Orientierung an ei- nem Index gibt (konkretes Beispiel auf den Seiten 91 und 92). Die Neuen Garantieprodukte verkau- fen sich wie geschnitten Brot. Nach An- gaben des Versichererverbands GDV ➝ Steuern & Sparen Neue Lebensversicherungen V iele Aktienbesitzer verzeich- nen aufgrund der Corona-Kri- se herbe Verluste. Der DAX !iel zeitweise auf den niedrigs- ten Stand seit sieben Jahren. Solche Ab- schläge bleiben Kunden erspart, die durch eine moderne Spielart von Lebensversicherungen an den Weltbör- sen engagiert sind. Gemeint sind sogenannte Indexpo- licen, die in den vergangenen Jahren im- mer stärker in Mode gekommen sind. Hier garantieren die Versicherer, dass das eingesetzte Kapital erhalten bleibt (wenn man von den Kosten !ür Vertrieb und Verwaltung absieht) — komme, was wolle. Allerdings sind andersherum die Chancen eng begrenzt, wenn es an den Weltbörsen nach oben geht. Das liegt daran, dass Gewinne bei Indexpolicen zumeist gedeckelt sind (die exakte Kon- struktion !inden Sie auf Seite 91). Generell sind die prozentualen Ge- winnchancen recht gering, wenn man sie mit jenen direkter Aktieninvestments vergleicht. Deshalb ähneln Indexpolicen eher traditionellen Lebensversicherun- gen als Indexfonds, auch wenn sie mit Ersteren den Namen teilen. Warum gibt es sie dann überhaupt? Das versteht man am besten mit einer Parallele aus der Automobilbranche. Autohersteller greifen gern zum Turbo- lader, wenn ein Motor leistungsschwach ist. Er verhilft zu mehr PS, ohne dass die gesamte Konstruktion geändert werden muss. Denn das eingebaute Teil wird von den Abgasen des Motors angetrieben und sorgt so !ür zusätzliche Power. Die Assekuranzbranche verfolgt der- zeit dasselbe Prinzip. Eine wachsende Zahl von Anbietern baut quasi einen Turbo in die klassischen Lebensversi- cherungen ein. Denn deren Renditen schrumpfen. Hauptgrund der Schwäche: Das Geld der Kunden muss überwiegend in Staatsanleihen investiert sein, um in jedem Fall die garantierte Verzinsung zu erwirtschaften — doch Euro-Staatsanlei- machten sie 2019 weit über die Hälfte des gesamten Absatzes von Lebensversiche- rungen aus. Grund genug, die Angebote auf Herz und Nieren zu prüfen. €uro hat in Zusammenarbeit mit der Ratingagen- tur Morgen & Morgen nun schon zum vierten Mal den umfangreichsten Test am deutschen Markt ins Werk gesetzt (Ergebnisse auf den Seiten 91 bis 101). Und siehe da: Die Unterschiede sind ge- waltig. Beispiel Indexpolicen: Beim Tarif „FlexRente index-safe“ der Stuttgarter ist unter bestimmten Rahmenbedingun- gen und bei zwölf Jahren Laufzeit gut ein Drittel mehr zu erwarten als bei der „DAX$Rente“ der Nürnberger. Bei 30 Jah- ren Laufzeit beträgt das Plus sogar über 100 Prozent. Zwar handelt es sich bei diesem Beispiel um einen Extremfall, in den extreme Annahmen bezüglich der Wertentwicklung eingeflossen sind. Un- ter anderen Vorgaben fallen die Unter- schiede kleiner aus. Aber eines ist klar: Eine gute Police kann zu Vertragsende wesentlich mehr einbringen als eine schlechte. Die Kategorie „Performance“, also alles rund um die Wertentwicklung, floss denn auch mit einem Gewicht von 50 Prozent in die Endnote ein. Doch nicht nur die Auszahlungen zäh- len. Ist ein Vertrag unflexibel, wird er seinem Besitzer möglicherweise wenig Freude bereiten, selbst wenn er Rendite bringt. Beispiele: enge Grenzen !ür Zu- zahlungen während der Vertragslaufzeit od

Ungleich: Die durchschnitt- lichen Löhne von Männern und Frauen unterscheiden sich stark. Das hat massive Folgen im Alter Geburt: Ob Junge oder Mädchen – das kann mit entscheidend dafür sein, wie viel man spä- ter verdient Gründung einer Familie: Bis zum Alter von 30 Jahren steigt der durchschnittliche Stundenlohn von Män- nern und Frauen etwa gleich schnell, der von Frauen liegt jedoch auf einem niedrigeren Niveau. Mit 30 bekom- men Frauen im Schnitt ihr erstes Kind – ein wichtiger Faktor, wa- rum die Stundenlöhne ab hier immer weiter auseinanderdriften Ausbildung: Frauen haben bei der Schul- bildung in Deutschland mittlerweile die Nase vorn, bei der beruf- lichen Qualifikation gibt es fast keine Unter- schiede

€URO 07|20 97 ALLE BILDER: WOLFGANG KRIEGBAUM FÜR €URO Die Corona-Krise könnte die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen wieder vergrößern. Auch vor der Pandemie war der Gender Pay Gap riesig VON JULIA PFANNER Da fehlt was Es ging offenbar ziemlich schnell: Kaum waren in der Corona-Krise Schulen und Kindertagesstätten ge- schlossen, ver!ielen viele Deutsche wieder verstärkt in alte Rollenmuster. Laut einer Umfrage des Wirt- schafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der ge- werkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung im April unter rund 7700 Erwerbstätigen hatten in Haushalten mit mindestens einem Kind unter 14 Jahren 27 Prozent der Frauen in der Krise ihre Arbeitszeit verringert, um sich um die Kinder zu küm- mern, doch nur 16 Prozent der Männer. Besonders oft traten Frauen in Haushalten mit kleinem oder mittlerem Einkommen kürzer. Sie können oft nicht auf das Gehalt des Mannes verzich- ten, denn das ist in vielen Fällen deutlich höher. Das ist kein deutsches Phänomen. Und die Situation wird sich nicht bessern, im Gegenteil. Schlecht bezahlte Jobs sind durch die Krise besonders ge!ährdet und werden mehrheitlich von Frauen ausgeübt. Experten !ürchten nun, dass die Corona- Krise die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen, den soge- nannten Gender Pay Gap, vergrößert. Dabei war die Lage schon vor Corona alles andere als gut. Der Gender Pay Gap ist GENDER PAY GAP DOSSIER Rente: Aus der Lohn- lücke wird später eine Rentenlücke. Derzeit bekommen Frauen in Deutschland 46 Pro- zent weniger Rente als Männer ➝

€URO 07|2098 Dossier Gender Pay Gap ein weltweites Phänomen. In Deutschland lag der unbereinig- te Gender Pay Gap, der die Bruttostundenverdienste von Män- nern und Frauen gegenüberstellt, ohne beispielsweise Teilzeit, Berufe oder andere Faktoren zu berücksichtigen, 2019 bei 20 Prozent. Zuletzt ist diese Lücke kaum kleiner geworden. Auf den Stundenlohn gerechnet heißt das: Frauen verdienten hier- zulande im vergangenen Jahr im Schnitt 17,72 Euro brutto pro Stunde, Männer 22,16 Euro. Frauen bringen in Deutschland im Schnitt viel mehr Zeit !ür unbezahlte Aufgaben auf als Männer. Sie betreuen die Kinder, machen den Haushalt, pflegen Angehörige. Das sind auch wichtige Gründe, warum viele Frauen in Teilzeit arbeiten. In Deutschland waren das 2018 rund 47 Prozent der erwerbstä- tigen Frauen. Bei den Männern waren dagegen nur rund neun Prozent in Teilzeit beschäftigt. Viele Frauen würden gern mehr arbeiten, aber wer kümmert sich derweil um die Kinder? Die hohe Teilzeitquote ist ein wichtiger Faktor beim Gender Pay Gap. Dazu kommt etwa, dass Frauen seltener in Führungs- positionen sind. Auch die Berufswahl spielt eine Rolle. Berufe, die von Frauen dominiert werden, wie zum Beispiel Pflege- berufe, sind oft schlechter bezahlt als männerdominierte. Auf geringere Anforderungen und Belastungen ist das längst nicht immer zurückzu!ühren: So lautet etwa ein Ergebnis des soge- nannten Comparable Worth Index, den Forscherinnen von WSI und der Uni Duisburg-Essen entwickelt haben, dass Berufe mit gleichen Anforderungen und Belastungen oft schlechter be- zahlt werden, wenn sie weiblich dominiert sind. Zugleich zeigt sich nicht zuletzt in der Krise, dass klassische Frauenjobs im Einzelhandel oder in der Krankenpflege systemrelevant sind. Teil des unbereinigten ist auch der bereinigte Gender Pay Gap. Das ist der Anteil, den Frauen bei vergleichbarer Quali!i- kation, Tätigkeit und Erwerbsbiogra!ie weniger verdienen als Männer. Dieser Wert wird in Deutschland recht selten erho- ben, das letzte Mal !ür 2014. Damals lag er bei rund sechs Pro- zent. Im Vergleich mit anderen EU"Ländern steht die Bundes- republik damit sogar noch gut da. Später wird aus der auf den ersten Blick vergleichsweise klei- nen Lohnlücke aber eine riesige Rentenlücke. Frauen bekom- men in Deutschland im Schnitt nur gut halb so viel Rente wie Männer. Die Gefahr, im Alter arm und abhängig etwa vom Ehe- partner zu sein, ist groß. Elterngeld, mehr Kitaplätze, ein Ge- setz !ür die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Män- nern an Führungspositionen oder zur Brückenteilzeit, Entgelttransparenzgesetz — vieles soll helfen, die Gleichberech- tigung von Frauen zu verbessern. Bisher haben diese Maßnah- men etwa an der Lohnlücke wenig geändert. Doch bis 2030 will die Bundesregierung sie auf zehn Prozent drücken. Bis der Gen- der Pay Gap weltweit verschwindet, würde es beim heutigen Tempo noch 70 Jahre dauern, so die Frauenorganisation der Vereinten Nationen vor der Corona-Krise. Die Krise verstärkt die Benachteiligung von Frauen nicht nur beim Geld. Sie zeigt sich nicht nur in mehr Arbeitslosigkeit oder mehr unbezahlter Sorgearbeit, sondern auch in dem, was die Vereinten Nationen „Schattenpandemie“ nennen: in mehr häuslicher Gewalt gegen Frauen. Die Gleichberechtigung könn- te um Jahrzehnte zurückgeworfen werden. Lebenserwerbseinkommen Eine Studie der Bertelsmann Stiftung ergab: Übers ganze Erwerbsleben liegt der erwartete Verdienst von Frauen im Westen bei im Schnitt rund 830 000 Euro. Damit würden die heute Mitte 30-Jährigen circa 45 Prozent weniger verdienen als Männer. Im Osten, wo der Gender Pay Gap mit sieben Prozent viel geringer ist als im Westen, etwa weil auch die Löhne der Männer hier niedriger sind und mehr Frauen Vollzeit arbeiten, liegt die Lücke bei rund 40 Prozent Gender Pay Gap Deutschland 2019 lag der unbereinigte Gender Pay Gap bei 20 Prozent. Der bereinigte Gender Pay Gap (Lohnlücke bei vergleichbarer Qualifikation, Tätigkeit und Erwerbsbiografie) wird seltener erhoben, zuletzt für 2014. Da lag er bei sechs Prozent 2006 2010 2014 2018 2019 23 % 22 % 22 % 21 % 20 % 8 % 7 % 6 % Westdeutschland Ostdeutschland 830 000 € 660 000 € Unbereinigter Gender Pay Gap Bereinigter Gender Pay Gap Frauen Männer Durchschnittliches Lebenserwerbseinkommen

1 Industrie, Baugewerbe und Dienstleistungen, ohne öffentliche Verwaltung, Verteidigung und Sozialversicherung; Unternehmen mit zehn oder mehr Mitarbeitern, außer Tschechien, hier Unternehmen mit mindestens einem Mitarbeiter; 2 Daten von 2017; 3 Daten von 2014; Quelle: Bertelsmann Stiftung/DIW/FU Berlin, Destatis, Eurostat, OECD, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung Gender Pay Gap EU 1 Dass es besser geht als in Deutschland, zeigt der Vergleich mit anderen europäischen Ländern. Deutschland landete 2018 – der unbereinigte Gender Pay Gap lag damals bei rund 21 Prozent – auf einem der hintersten Plätze Prozent der erwerbs- tätigen Frauen arbeiteten 2018 in Deutschland in Teilzeit – im EU-Vergleich (30,8 Prozent) überdurchschnittlich viele. Von den Männern taten das rund neun Prozent (EU: 8,0) der Frauen in Haushalten mit mindestens einem Kind unter 14 haben laut einer Umfrage in der Corona- Krise ihre Arbeitszeit reduziert, bei den Männern taten das nur 16 Prozent. Die Hans-Böckler-Stiftung befragte dafür zwischen dem 3. und 14. April 2020 rund 7700 Erwerbspersonen ihrer gesamten Arbeitszeit machen bei Frauen unbezahlte Aufgaben wie Kinder- betreuung, Pflege von Angehörigen oder die Führung des Haushalts aus. Bei den Männern sind es 28 Prozent etwa beträgt der Anteil von Frauen in Deutschland in mittleren und höheren Führungspositionen. Die Bundesrepublik liegt damit EU-weit im unteren Drittel weniger Rente bedeutet die Lohnlücke am Ende des Berufslebens für Frauen über 65 heute im Schnitt. Das ist das Ergebnis einer OECD-Studie. Der Durchschnitt bei den 27 untersuchten OECD-Ländern lag bei rund 25 Prozent, Deutschland hatte von diesen den schlechtesten Wert47 %27 %45 %46 % 30 % Estland 22,7 Deutschland 20,9 Tschechien 20,1 Großbritannien 19,9 Österreich 19,6 Slowakei 19,4 Schweiz 17,0 2 Finnland 16,3 Portugal 16,2 Frankreich 15,5 EU-27 14,8 Niederlande 14,8 Dänemark 14,5 Irland 14,4 2 Lettland 14,1 Spanien 14,0 Litauen 14,0 Norwegen 14,0 Zypern 13,7 Island 13,7 Bulgarien 13,5 Griechenland 12,5 3 Schweden 12,2 Malta 11,7 Ungarn 11,2 Kroatien 10,5 Polen 8,8 Slowenien 8,7 Belgien 6,0 5,0 2 4,6 3,0 Luxemburg Italien Rumänien 1 500 000 € 1 100 000 €

€URO 12|21130 Memory für Steuerzahler Alle Jahre wieder lassen sich vor dem 31. Dezember in vielen Bereichen noch kräftig Abgaben sparen. Vorausgesetzt, man nutzt rechtzeitig vor Jahresende die steuerlichen Gestaltungsspielräume. Die besten Sparmöglichkeiten für Anleger, Berufstätige, Familien und Ruheständler VON STEFAN RULLKÖTTER BILD: RORYGEZ FRESH/ISTOCK, WHITE BEAR STUDIO/ISTOCK Miet- und Ausstattungskosten von häuslichen Arbeitszimmern sind bis zur Höhe von 1250 Euro jährlich absetzbar, wenn sie den Mittelpunkt beruflicher Tätigkeit bilden. Darun- ter fallen zum Beispiel anteilig die Ausgaben für Wohnungsmiete, Ab- schreibungen auf die Wohnimmobi- lie, Strom-, Heizungs- und Wasser- kosten, aber auch Müllgebühren. Arbeitsecken in Zimmern und Flur- nischen sind nicht absetzbar. ARBEITSZIMMER Wer im Jahr 2021 berufsbezogene Seminare und Fortbildungen per- sönlich besucht oder online daran teilgenommen hat, kann die in dem Zusammenhang selbst getragenen Ausgaben als Werbungskosten ab- setzen. Bei relativ hohen Beträgen sollten die Ausgaben und Sachmit- tel für Weiterbildung als eine Art „Beleg-Back-up“ formlos doku- mentiert und danach in einer Ge- samtsumme deklariert werden. BILDUNGSKOSTEN Kosten für Büroausstattung, Com- puterequipment und Arbeitsklei- dung sind absetzbar, wenn sie zu mehr als 90 Prozent beruflich ge- nutzt werden und in Summe über der Werbungskostenpauschale (1000 Euro) liegen. Sind 2021 neu oder gebraucht gekaufte Arbeits- mittel teurer als 952 Euro brutto (800 Euro netto), sind sie mit Aus- nahme von IT-Ausgaben über die Nutzungsdauer anteilig absetzbar. ARBEITSMITTELBerufstätige Ruheständler Familien Anleger eilige Terminsache

€URO 12|21 131 ➝ Steuern & Sparen Stichtag 31.12. BILD: 2DESIGNBCN - STOCK.ADOBE.COM, PROSTOCK-STUDIO/ISTOCK, VELIAVIK/ISTOCK, STUARTBUR/ISTOCK Hat ein Arbeitgeber dieses Jahr Fahrräder oder E-Bikes als Dienst- fahrzeuge spendiert, ist die Privat- nutzung für Beschäftigte unter ei- ner Bedingung steuerfrei: Das Un- ternehmen muss die Kosten zusätz- lich zum Gehalt übernehmen. Eine bloße Entgeltumwandlung reicht dafür nicht aus. Andernfalls ist der „geldwerte Vorteil“ bei Diensträdern mit 0,25 Prozent des Bruttolisten- preises zu versteuern. DIENSTRÄDER Arbeitnehmer müssen elektrische Dienstwagen pauschal mit nur 0,25 Prozent des Bruttolistenprei- ses monatlich als geldwerten Vorteil versteuern, wenn sie diese auch pri- vat nutzen. Bei Plug-in-Hybriden gilt ein Faktor von 0,5 Prozent, bei Ver- brennern von 1,0 Prozent. Alternativ können sie ein Fahrtenbuch führen, das berufliche und private Fahrten getrennt listet, sich aber nur lohnt, wenn viel dienstlich gefahren wird. FIRMENWAGEN Wer als Selbstständiger oder Ge- werbetreibender Geschäftsfreunde zu Weihnachten beschenkt, kann Präsente bis zum Kaufpreis von 35 Euro als Betriebsausgaben ab- ziehen. Waren die Geschenke teu- rer, sind sie nur absetzbar, wenn die Empfänger diese für ihre beruflichen Tätigkeiten nutzen können. Auch bei Präsenten zu persönlichen Anlässen, etwa Geburtstage, ist der Steuer- abzug auf 35 Euro gedeckelt. GESCHENKE Fahrten und Fußwege zur ersten Arbeitsstätte sind pauschal mit 30 Cent je Entfernungskilometer absetzbar, maximal 4500 Euro pro Jahr. Seit diesem Jahr steigt die Pauschale ab dem 21. Entfernungs- kilometer auf 35 Cent. Höhere Kos- ten werden nur bei Nutzung öffentli- cher Verkehrsmittel anerkannt. Die Pauschale gilt nur für Arbeitstage, die im Betrieb verbracht wurden, nicht aber für Zeiten im Homeoffice. FAHRTKOSTEN Wer Handwerkerleistungen für Arbeiten an oder in seinem Privat- haushalt durchführen ließ, kann 20 Prozent des unbar bezahlten Be- trags für Arbeitskosten direkt von der Steuerschuld abziehen, maxi- mal 1200 Euro. Der Anteil der Ar- beitskosten muss in der Rechnung gesondert ermittelt werden können. Eine prozentuale Aufteilung des Rechnungsbetrags in Arbeitskosten und Materialkosten ist zulässig. HANDWERKERKOSTEN

€URO 12|21132 Steuern & Sparen Stichtag 31.12. Um die erschwerten Bedingungen während der Corona-Zeit für Berufs- tätige etwas abzufedern, gelten zwei zeitlich befristete Steuervorteile: HOMEOFFICE-PAUSCHALE Für jeden Tag im Heimbüro können Arbeitnehmer fünf Euro steuermin- dernd geltend machen. Die Home- office-Pauschale ist bei 600 Euro pro Jahr gedeckelt. Das entspricht 120 Heimarbeitstagen. Der Steuer- bonus wird zudem nicht zusätzlich zum Arbeitnehmer-Pauschbetrag (1000 Euro) gewährt. Da die Home- office-Pauschale zeitlich begrenzt nur für 2020 und 2021 eingeführt wurde, ist nach aktueller Gesetzes- lage ab 2022 für Heimarbeiter kein pauschaler Abzug mehr zulässig. CORONA-BONUSZAHLUNGEN Arbeitgeber können Beschäftigten wegen der Pandemie noch bis zum 31. März 2022 Beihilfen und Unter- stützungen insgesamt bis zu 1500 Euro steuerfrei als Corona-Bonus auszahlen. Die Leistungen müssen als Barzuschuss und Sachbezug zusätzlich zum Arbeitslohn gewährt werden. Eine Entgeltumwandlung, etwa von Weihnachtsgeld, ist unzu- lässig. Der Corona-Bonus muss nicht auf einmal gezahlt werden. Die seit dem März 2020 zu addierenden Zah- lungen dürfen den Maximalbetrag 1500 Euro nur nicht überschreiten. Pandemiefolgen richtig absetzen Für Beschäftigte von Start-ups und anderen Kleinunternehmen ist es seit Juli 2021 attraktiver, Anteile an ihrer Firma zu übernehmen. Im „Fondsstandortgesetz“ ist geregelt, dass sich der steuerfreie Höchst- betrag für Vermögensbeteiligungen von 360 Euro pro Jahr mit Wirkung zum 1.7.2021 auf 1440 Euro ver- vierfacht. Die Regelung kann bei Verhandlungen über einen Jahres- bonus steuerlich vorteilhaft sein. MITARBEITERAKTIEN Für 2021 sind 92 Prozent der priva- ten Basisrenten-Beitragszahlungen (in der Regel „Rürup-Verträge“) bis zur Höhe von 25 787 Euro absetzbar, bei zusammen Veranlagten sind es bis zu 51 574 Euro. Damit können Selbstständige bis zu 23 724 Euro ihrer Beitragszahlungen im laufen- den Jahr als Sonderausgaben gel- tend machen. Zusammenveranlag- te Partner haben hier den doppelten Steuerbonus (bis zu 47448 Euro). RÜRUP-VERTRÄGE Wer als Arbeitnehmer dieses Jahr erhebliche Kinderbe- treuungs- oder Unterhaltskosten hat oder weit zur Arbeit fährt, be- zahlt bei Ausgaben von mindestens 600 Euro jährlich jeden Monat zu viel Lohnsteuer. Noch bis 30. No- vember kann man dafür Lohn- steuerfreibeträge beim zuständigen Wohnsitzfinanzamt eintragen las- sen. Mit dem Dezember-Nettoge- halt reduziert sich so die Steuerlast. STEUERKARTE Wer im laufenden Jahr aus berufli- chen Gründen umzieht, kann die Kosten auch pauschal absetzen. Die Kostenpauschale für Umziehen- de stieg am 1.4.2021 von 860 auf 870 Euro, für jede weitere Person im Haushalt (Ehegatte, Lebenspart- ner und Kinder) sind es 590 Euro (zuvor 573 Euro). Wer erstmals eine eigene Wohnung bezieht oder diese auflöst, kann seit 1. April pauschal 174 Euro (zuvor 172 Euro) absetzen. UMZUGSKOSTEN Wer am 1.1.2021 mindestens das 64. Lebensjahr vollendet hatte, kann für das zu Ende gehende Jahr einen Altersentlastungsbetrag für Arbeitseinkommen, Mieteinkünfte und Kapitalerträge geltend machen. Abhängig vom Geburtsjahr gibt es maximal einen Steuerfreibetrag von 722 bis 1900 Euro. Damit der Fiskus dies berücksichtigt, ist in der Steu- ererklärung 2021 die Anlage KAP mit Günstigerprüfung auszufüllen. ALTERSENTLASTUNG BILD: DEAGREEZ/ISTOCK, ALEKSANDAR JOCIC/ISTOCK, ZELENENKA/ISTOCK

€URO 12|21 133 Wer dieses Jahr negative Kapitalein- künfte hat, sollte bei der Verrechnung mit Gewinnen diese Details beachten REALISIERTE KURSVERLUSTE Realisierte Kursverluste mit Aktien sind nur mit Gewinnen aus anderen Aktienverkäufen verrechenbar, nicht aber mit realisierten Kursgewinnen aus Fonds und Anleihen sowie mit Zinserträgen und Dividenden. TOTALVERLUSTE AN DER BÖRSE Mit Aktien, Anleihen und Zertifikaten erlittene Totalverluste sind schon seit 2020 jährlich nur noch bis zur Höhe von 20000 Euro jährlich mit reali- sierten Gewinnen verrechenbar. Nicht berücksichtigte Verluste sind nur auf die Folgejahre vortragbar. TERMINGESCHÄFTSVERLUSTE Auch realisierte Verluste aus Termin- geschäften sind ab 2021 nur noch bis zur Höhe von 20 000 Euro pro Jahr verrechenbar. Anlagezertifikate, Op- tionsscheine und Knock-out-Produk- te werden steuerlich nicht den Ter- mingeschäften zugeordnet, sondern als „sonstige Kapitalforderungen“ eingestuft. Sie fallen damit grund- sätzlich nicht unter die jährliche Verlustverrechnungsgrenze. CFDs („Contracts for Difference“), Swaps, Forwards, Futures und Devisenge- schäfte werden dagegen als Termin- geschäfte eingestuft. Zudem sind Verluste aus dem Verfall von Optio- nen nur noch mit Gewinnen aus Termingeschäften und Erträgen aus Stillhaltergeschäften verrechenbar. Verluste optimal verrechnen Wer selbst getragene Gesundheits- kosten für Zahnersatz, Brillen, Me- dikamente, Fahrten zu Arztpraxen und Kuren 2021 bündelt, kann sie oft als außergewöhnliche Belastung absetzen. Der Fiskus berechnet den „zumutbaren Eigenanteil“ des Steu- erpflichtigen in Prozent der Gesamt- einkünfte und ermittelt ihn einkom- mensabhängig in drei Tarifstufen. Beim Bundesfinanzhof sind dazu mehrere Musterklagen anhängig. GESUNDHEITSKOSTEN Die steuerfreie Übungsleiterpau- schale ist in diesem Jahr von 2400 auf 3000 Euro erhöht worden. Zahlungen können gegebenenfalls entsprechend geschoben werden. Auch die Ehrenamtspauschale, die Tätigkeiten als Vereinsvorstand, Schatzmeister, Platzwart, Geräte- wart, Reinigungskraft oder als Fah- rer zu Auswärtsspielen von Sport- vereinen begünstigt, ist nun von 720 auf 840 Euro angehoben worden. SOZIALES ENGAGEMENT Wer als Ruheständler 2021 weniger als den Grundfreibetrag (9744 Euro) als zu versteuerndes Einkommen zu erwarten hat, kann sich per Nicht- veranlagungsbescheinigung von der Abgeltungsteuer befreien lassen. Sie muss beim Finanzamt beantragt und der Hausbank nebst Steuer-ID vorgelegt werden, die dann Kapital- erträge steuerfrei gutschreibt. Die NV-Bescheinigung gilt ab der Bewil- ligung in der Regel für drei Jahre. NV-BESCHEINIGUNG Wer 2021 an seinem auswärtigen Beschäftigungsort eine Zweitwoh- nung hatte, kann dafür bis zu 1000 Euro monatlich absetzen. Abzugs- fähig sind auch Ausgaben für Ein- richtung und Garage sowie eine Fa- milienheimfahrt pro Woche (30 Cent je Entfernungskilometer). Der Bun- desfinanzhof klärt, ob Kosten einer Dienstwohnung unabhängig von de- ren Größe „notwendige Mehrauf- wendungen“ sind (Az. VI R 20/21). DOPPELTER HAUSHALT Wer dieses Jahr Wohnimmobilien an Angehörige neu vermietet, muss nur noch mindestens 50 Prozent (zuvor 66 Prozent) der ortsüblichen Miete verlangen, um Werbungskos- ten wie Kreditzinsen und Renovie- rungsausgaben voll absetzen zu können. Maßstab ist die für eine ver- gleichbare Wohnung erzielbare Kalt- miete zuzüglich umlagefähiger Ne- benkosten. Eine Mietreduktion bei Altverträgen ist hier nicht ratsam. FAMILIENVERTRÄGE Wer 2021 an gemeinnützige Organi- sationen spendet, kann die Beträge als Sonderausgaben absetzen. Ab- zugsfähig ist auch ein für Flugreisen freiwillig bezahlter CO²-Ausgleich. Bei Spendenbeiträgen bis zu 300 Euro reicht als Nachweis der Konto- auszug – falls das Finanzamt Belege anfordert. Parteispenden sind zu je 50 Prozent direkt von der Steuer- schuld und als Sonderausgaben ab- ziehbar, pro Jahr bis zu 1650 Euro. SPENDEN BILD: PROSTOCK-STUDIO/ISTOCK ➝ Eltern können im Jahr 2021 selbst getragene Betreuungskosten für Kinder bis zum Alter von 14 Jahren als Sonderausgaben absetzen. Ab- zugsfähig sind zwei Drittel der Auf- wendungen, maximal 4000 Euro pro Kind. Das Finanzamt akzeptiert nur unbar bezahlte Ausgaben. Auf- wendungen für die Verpflegung des Nachwuchses, Ausgaben für Nach- hilfe, Sport- und Freizeitaktivitäten sind hier nicht steuerlich absetzbar. KINDERBETREUUNG

€URO 01|2278 Eine hellblaue Jacht, dazu noch Schmuck und edle Pelze — die Wunschliste, um die sich der frivole Weihnachtshit „Santa Baby“ aus den 1950er-Jahren dreht, hat es in sich. Die dahingehauchten Zeilen der US!Sängerin Eartha Kitt sind eine schöne Persiflage auf den Materialismus, mit dem wir uns üblicherweise in die be- sinnlichen Tage stürzen. 522 Euro pla- nen deutsche Verbraucher laut Statisti- schem Bundesamt in diesem Jahr "ür Weihnachtsgeschenke ein — das sind fast 200 Euro mehr als vor zehn Jahren. Ne- ben Dauerbrennern wie Kleidung, Spiel- zeug und Technik liegt in Deutschland besonders häu"ig Bares unter dem Baum. Das hatte Kitt zwar damals nicht auf dem Wunschzettel — da"ür aber etwas ande- res, das noch heute eine ziemlich cleve- re Geschenkidee ist: ein Wertpapier. Als Belohnung "ür ihr stets tadelloses Ver- halten bat der Nachtclubstar den Weih- nachtsmann nämlich auch um Anteile an einer Platinmine. Aktien als Weihnachtsgeschenk? Das klingt ungewöhnlich, ist aber um Welten besser als das allseits beliebte Bargeld. Denn Bares ist nicht nur ein bemerkens- wert unkreatives und unpersönliches Präsent, sondern verliert in Zeiten der Inflation auch deutlich an Reiz. Und ein Sparbuch, das dank Niedrigzinsen so gut wie keine Renditen bringt, wirkt ohne- hin wie aus der Zeit gefallen. Am Kapital- markt anzulegen, ist als Alternative in- dessen immer beliebter geworden. Wer also über ein Depot ver"ügt, "ür den ist ein Aktiengeschenk eine gute Idee. „Gerade Eltern und Großeltern sind oft daran interessiert, einen ETF!Spar- plan "ür den Nachwuchs zu verschen- ken“, berichtet Jacob Hetzel vom Online- broker Scalable Capital. Da"ür müssen Schenker — je nach Bank — unterschied- liche Mindestbeträge investieren. Bei Scalable kann ein solches Kinderdepot entweder ab einem Einmalbetrag von 1000 Euro bespart werden oder ab mo- natlich 20 Euro. Wenn nun der Großva- ter oder die Patentante ein solches Depot im Namen des Kindes einrichten möch- te, ist die Unterschrift eines Elternteils Pflicht. Zum 18. Geburtstag kann das an- gesparte kleine Vermögen dann ausbe- zahlt werden. „Einen solchen Sparplan zu schenken, ist unkompliziert und lässt sich gut pünktlich zum Weihnachts- oder Geburtstag timen“, sagt Hetzel. Mehr Schritte sind nötig, wenn man andere Erwachsene mit Aktien oder Fondsanteilen beglücken will. Möchte man dem volljährigen Bruder beispiels- weise eine Apple-Aktie schenken, muss man sie zuerst selbst kaufen. Sie kostet derzeit rund 150 Euro plus Handels- gebühren, der Depotübertrag ist da"ür meist kostenlos. Anschließend benötigt man die Depotnummer des Bruders, um via Online- oder Schriftformular einen Übertrag in die Wege zu leiten. Bis der Titel in seinem Depot auftaucht, kann das aber dauern — je nach Bank zwischen zwei und vier Wochen, weiß Hetzel. „Dass der Beschenkte an Heiligabend seine Banking-App öffnet und die Aktie überraschend zum perfekten Zeitpunkt vor"indet, ist eher unwahrscheinlich.“ Übrigens: Nicht alle Banken und Neobro- ker bieten Wertpapierüberträge an. Hier sollte man sich rechtzeitig informieren. Der Fiskus sitzt mit am Gabentisch. Als Nächstes gilt es, Steuern zu vermei- den: Seit 2009 wird hierzulande auf Ka- pital- und Zinserträge eine Abgeltung- steuer von 25 Prozent plus Soli und ge- gebenenfalls Kirchensteuer erhoben. Überträgt man zum Beispiel Wertpapie- re an seine Kinder, wird die Abgeltung- steuer automatisch ausgelöst. Das lässt sich aber vermeiden: „Bevor Sie die Pa- piere auf das Depot eines anderen über- tragen, müssen Sie Ihre Bank schriftlich informieren, dass es sich um eine Schen- kung handelt“, sagt Rechtsanwalt Rendite im Paket Die Deutschen verschenken an Weihnachten gern Bargeld. Aktien und Fonds unter dem Weihnachtsbaum haben eine persönlichere Note und sind lukrativer VON ANNE HÜNNINGHAUS ➝ BILD: SOLARISIMAGES/ISTOCK [M]

€URO 01|22 79 Börse & Investments Wertpapiere als Geschenk

€URO 01|2280 und Steuerberater Helmut Cramer. Man- che Anbieter wie zum Beispiel die Con- sorsbank fragen in ihren Formularen zum Übertrag sogar selbst ab, ob dieser eine Schenkung ist. Bleibt das Thema Schenkungsteuer: Sie variiert je nach Verwandtschafts- grad, Steuerklasse und Wert der Schen- kung. In der Regel bleibt man bei einem Wertpapier-Weihnachtsgeschenk aber locker unter den Freibeträgen, muss al- so nichts an den Fiskus abdrücken. Bei Ehe- oder eingetragenen Lebenspart- nern gilt ein Freibetrag von einer halben Million Euro. Bei (Stief-)Kindern bleiben Wertpapierpräsente von bis zu 400 000 Euro unversteuert, bei Enkeln liegt die Grenze bei 200 000 Euro. Bei allen an- ner Firma verschenkt, die sich schlecht entwickelt und deren Aktienkurs ein- bricht. Da"ür kann man das Präsent mit Einzelaktien vielleicht genauer auf den Beschenkten zuschneiden, etwa weil das Unternehmen seine Lieblingsmarke ist oder weil die Produkte zu seinem Alltag gehören. Ideen "ür solide Aktien und Fonds "ür "iktive Personen "inden sich auf den folgenden Seiten. Bleibt die Verpackungsfrage: Wer zum Beispiel an seine Tochter die Aktie von L’Oréal verschenkt, kann etwa den Ausdruck des Anteils in einem kleinen Schmink- oder Kosmetikset platzieren oder ihn zu einem überdimensionalen Lippenstift rollen. Hier muss aber wohl jeder selbst kreativ werden. Börse & Investments Wertpapiere als Geschenk BILD: ERICA LANSNER/REDUX/LAIF, NIKOLAY ZAIARNYI/ISTOCK [M] Anna ist 13 Jahre alt, Schülerin und engagiert sich bei Fridays for Future. Nicht nur beim geschenkten Pullover achtet die Teenage- rin auf Umweltverträglichkeit und faire Produktionsbedingungen. Ihre Großeltern wollen langfristig für sie Geld anlegen, das Finanz- produkt unterm Weihnachtsbaum muss unbedingt strenge öko- logische und soziale Standards einhalten. Für Anna passend: der Aktienfonds Ökoworld Klima (ISIN: LU 030 115 244 2), der für rund 130 Euro pro Anteil zu haben ist und von einem glaubwürdi- gen Pionier im Bereich der Ökofonds stammt. Der global anlegen- de Fonds investiert in Unternehmen, die im Klima- und Umwelt- schutz tätig sind – etwa in Bereichen wie erneuerbare Energien, Recycling, nachhaltige Landwirtschaft oder Energieeffizienz – und machte in fünf Jahren hervorragende 150 Prozent Gewinn. Eine Alternative, die vor allem bei Sparplänen gern genommen wird: der MSCI World SRI ETF, lieber von BNP als vom um- strittenen Fondsgiganten Blackrock (LU 129 110 864 2). Das „SRI“ im Titel des global anlegenden Aktien-ETFs steht für vergleichs- weise strenge Ausschlusskriterien, die unter anderem Kohle, Waffen, Kernkraft, Gentechnik sowie Unternehmen mit zu hohem CO!-Ausstoß betreffen. Als Einzelaktie könnte zu Anna auch Tomra Systems (NO 000 566 890 5) aus Norwegen passen. Die aussichtsreiche Aktie des Herstellers von Leergutautomaten und Sortiermaschinen, die etwa im Recycling gebraucht werden, läuft seit Jahren gut. Bei all diesen Investments ist zwar langer Atem gefragt, für Anna ist das aber kein Problem: Sie muss ohnehin noch ein paar Jahre warten, bis sie Zugriff auf ihr Depot erhält. Anna, 13 Die Klimaschützerin ➼ Ökofonds, Umweltaktien deren wird, egal ob Eltern, Geschwister, Partner oder Freunde, schon ab Ge- schenken von 20 000 Euro etwas abge- zwackt. Die Freibeträge lassen sich aller- dings alle zehn Jahre aufs Neue nutzen. Ob man nun Fonds, Aktien oder An- leihen verschenken möchte, spiele beim Depotübertrag keine Rolle, sagt ein Spre- cher der Consorsbank: „Bei Fonds eini- ger Gesellschaften kann es mitunter aber länger dauern, da die Überträge direkt über die Kapitalanlagegesellschaft abge- wickelt werden.“ Dennoch raten Exper- ten dazu, eher Fondsanteile als Einzelak- tien zu verschenken. In Fonds und ETFs sind nämlich viele Aktien enthalten. Durch diese Risikostreuung sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass man Anteile ei-

€URO 01|22 81 ➝ BILD: WESTEND61/MAURITIUS IMAGES, IHOR PUKHNATYY/123RF Ella ist gerade 18 geworden und macht bald ihr Abitur. Neben der Schule frönt sie ihrer Leidenschaft: Make-up- und Beautytrends ausprobieren – gern vor laufender Kamera. Ihre Tante hat sie dabei unterstützt, ein Depot zu eröffnen, und überlegt nun, welche Titel den Geschmack der Nichte treffen. Recht tief in die Tasche greifen muss sie für eine Aktie des Kosmetikkonzerns L’Oréal aus Frank- reich (ISIN: FR 000 012 032 1), die mit gut 400 Euro zu Buche schlägt. Die Kursziele des Weltmarktführers liegen aber weit darüber, der Schönheitsmarkt wächst nämlich zu- sehends und schiebt auch die Aktie kräftig an. Zudem weist der solide aufgestellte Konzern, zu dem Marken wie Garnier, Maybelline Jade, Vichy oder die Parfüms von Giorgio Arma- ni gehören, eher geringe Risiken auf. Für circa 80 Euro rela- tiv günstig kann sie Ella auch einen Anteilschein des Berliner Fashion- und Kosmetikhändlers Zalando schenken (DE 000 ZAL 111 1). Für den Modeversand ging es zuletzt auf und ab. Zwar profitierte der DAX-Neuling von den Corona-Lockdowns samt eingeschränkter Shopping- Möglichkeiten, die Erwartungen konnte er aber nicht immer erfüllen. Analysten zufolge sieht es für die kommenden Monate aber wieder besser aus. Langfristig könnte der Titel also interessant sein. Als breiteres Investment bietet sich für Ella der Global Luxury ETF (LU 168 104 863 0) von Amundi an. Ein Anteil kostet rund 220 Euro und enthält zum Beispiel die Aktien des Luxuskonglomerats LVMH, des Mo- dekonzerns Hermès, des Kosmetikproduzenten Estée Lau- der, aber auch von Nike oder vom E-Autobauer Tesla. Tobias ist 24, IT-Student und leidenschaftlicher Online- gamer. Während der Pandemie hat er, wie viele andere auch, noch einmal mehr Zeit vor PC und Konsole verbracht. Die Branche wächst, und das macht sie auch für Anleger zunehmend interessant. Statt also ein neues Spiel zu schenken, setzt sein Vater zu Weihnachten lieber auf ein passendes Wertpapier. Günstig für ihn: Nach extrem starker Entwicklung zu Beginn der Pandemie gab es Gewinnmitnahmen und Korrekturen bei vielen Titeln, die nun trotz langfristig guter Aussichten wieder günstig sind. Für unter 50 Euro bekommt er einen Anteil des Video Gaming and eSports ETFs (ISIN: IE 00B YWQ WR4 6) von VanEck Vectors. In dem Themenfonds finden sich 33 Unter- nehmen, die ihren Umsatz hauptsächlich mit Videospielen erzielen, darunter etwa der Spieleproduzent Activision Blizzard oder das Konsolen-Urgestein Nintendo. Bei den Einzelaktien interessant ist der US-Chip- und Grafikkarten- konzern Nvidia (US 670 66G 104 0), der am steigenden Bedarf in der Gamingbranche verdient, aber zum Beispiel auch an die Autoindustrie liefert. Knapp 300 Euro kostet der Anteilschein. Möchte Tobias’ Vater weniger Geld ausge- ben, kann er zum Beispiel die rund 100 Euro teure Sony- Aktie schenken (JP 343 500 000 9). Das japanische Unter- nehmen steckt hinter dem Konsolen-Liebling Playstation, wo es derzeit aber wie bei vielen Technikprodukten wegen Chipmangels Lieferschwierigkeiten gibt. Sony ist aber auch beim Video- und Musik-Streamingboom mit dabei. Ella, 18 Die Beautyqueen ➼ Kosmetik, Mode, Design, Luxusgüter Tobias, 24 Der Zocker ➼ Videospiele, Digitales

€URO 01|2282 BILD: ZINKEVYCH/123RF, EVA-KATALIN/ISTOCK, FLAMINGOIMAGES/ISTOCK, NIKOLAY ZAIARNYI/ISTOCK [M] Der 38-jährige David ist Ingenieur bei einem Automobilkonzern. E-Mobilität und Innovationen, die für eine nachhaltigere und digitale Zukunft sorgen, faszinieren den Familienvater. Das möchte seine Frau unterstützen – mit den passenden Titeln für sein Portfolio. Die Tesla-Aktie wäre ein naheliegendes Geschenk, ist ihr aber mit beinahe 1000 Euro zu teuer für eine Weih- nachtsüberraschung. Nun hat sie den Electric Vehicles and Driving Techno- logy ETF (ISIN: IE 00B GL8 6Z1 2) von der Blackrock-Tochter iShares im Blick. Der ist für weniger als zehn Euro zu haben, hier kann sie also gleich mehrere Anteile erwer- ben. Tesla hat im erst 2019 aufgelegten ETF einen Anteil von rund drei Prozent, da- neben ist er in andere Technologie- und Automobilunternehmen investiert, darunter der japanische Hybridspezialist Toyota, der chinesische Batterie- und E-Autobauer BYD, der Chip- und Grafikkar- tenproduzent Nvidia oder der Zulieferer Aptiv, der auf alles spezialisiert ist, was man für autonomes Fahren braucht. Eine andere Möglichkeit ist für rund 75 Euro der deutlich breiter aufgestellte World Tech- nology Fund (LU 005 650 844 2) von Blackrock, der seit vielen Jahren mit den Riesen der Technologiebranche wie Apple, Microsoft, ASML oder Tesla verlässlich gigantische Gewinne macht. Als Einzel- aktie könnte David vielleicht die Aktien von Fanuc (JP 380 240 000 6) von seiner Frau geschenkt bekommen. Die Japaner pro- duzieren Roboter für die Industrie. Pas- send, schließlich bastelt David mit seinem Sohn nicht nur an Modellautos, sondern auch immer wieder an Robotern herum. David, 38 Der Technikfan ➼ E-Autos, Technologie

€URO 01|22 83 Wertpapiere als Geschenk Börse & Investments Helmut ist 69 und hat eigentlich alles, was er braucht. Börse macht ihm aber Spaß, er liest gern Finanzmagazine und surft auf Börsenwebseiten. Daher möchten seine Kinder dem Rentner zu Weihnachten Titel für sein Depot schenken. Fonds hat er schon einige, es kommen also nur Einzelaktien infrage. Senioren wird gern geraten, verstärkt auf sogenannte Subs- tanzwerte zu setzen. Sie schwanken weniger als die Aktien stark wachsender Unternehmen. Schließlich wollen Menschen wie Helmut nicht im hohen Al- ter das Kapital verzocken, das sie eigent- lich für den Lebensabend brauchen oder später ihren Kindern und Enkeln vererben wollen. Dividendenstarke Aktien sind für Helmut deshalb eine gute Idee, da sie re- gelmäßige Ausschüttungen versprechen. Ihre Kurse legen vielleicht nicht so dyna- misch zu, dafür bleiben sie in Krisen relativ stabil. Zu den Unternehmen, die nachhaltig Gewinne erwirtschaften und ih- re Aktionäre am Erfolg beteiligen, gehört der Versicherungskonzern Allianz (ISIN: DE 000 840 400 5). Er gilt als sichere Bank für Anleger und gehört regelmäßig zu den großen Dividendenzahlern im DAX. Selbst im Corona-Jahr 2020 gab es 9,60 Euro je Aktie. Aktuell kostet der Wert rund 200 Euro. Auch der Chemiekonzern BASF (DE 000 BAS F11 1) gehört – selbst in Krisenzeiten – zu den soliden Dividenden- zahlern. Für das Papier spricht trotz klei- nerer Kursknicke in jüngerer Zeit das es sehr günstig ist, sein Kurs-Gewinn-Verhält- nis liegt bei einem guten Wert von etwa zehn. Der Kurs steht zurzeit bei rund 60 Euro, was die Aktie zu einem doppelt erschwinglichen Geschenk macht. Leila, 43 Die Gesundheits- bewusste ➼ Medizin, Pharma Helmut, 69 Der Sicher- heitsorientierte ➼ Dividenden Die 43-jährige Leila ist Zahnärztin. Daher sammelt ihr Bruder Geschenkideen zu ih- ren favorisierten Themen Medizin und Bio- technologie. Ein Kandidat für Leilas Wunschliste ist die Aktie von Envista Hol- dings (ISIN: US 294 15F 104 9), die aktuell rund 36 Euro kostet. Das 2018 gegründete US-Medtech-Unternehmen liefert Ausrüs- tung für Dentallabore und Zahnarztpraxen und setzt mit seinen Implantaten und kieferorthopädischen Produkten auf den Trend in westlichen Nationen, immer mehr Geld für gute und vor allem auch schöne Zähne auszugeben. Eine Wachstums- nische! Auch spannend für Leila: Siemens Healthineers (DE 000 SHL 100 6). Die Siemens-Auskopplung bietet sowohl neue Ansätze für Labordiagnostik und Bildge- bung als auch digitale Gesundheits- lösungen an – ein aufstrebender Sektor. Vor allem in der Krebstherapie will das Medizintechnik-Unternehmen wachsen, auch Zukäufe sind geplant. Zurzeit kostet die Aktie rund 65 Euro. Die sehr gute Wertentwicklung im vergangenen Jahr war zwar durch eine Sonderkonjunk- tur mit Corona-Schnelltests befeuert worden, Analysten raten aber weiter zum Kauf des Papiers. Ein geringeres Risiko weist der Health Care UCITS ETF (IE 00B M67 HK7 7) von Xtrackers auf, ein Anteil kostet gut 40 Euro. Im ETF findet sich ein Mix aus Gesundheits- und Phar- makonzernen, von United Health und Ab- bott Laboratories über Johnson & John- son bis Roche oder Pfizer.