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SHOW ROOM➵Titelgeschichten €uro Magazin

DI VI DEN DEN€URO 03|2534

€URO 03|25 35 BILD: YELLOW MAN/ISTOCK , SONJA CRISPINO [M] Dank des Wunders wachsender Dividenden zum zweiten Gehalt: die besten Systeme VON STEPHAN BAUER, GREGOR DOLAK, RALF FERKEN, SONJA FUNKE, STEFAN GÄTZNER, SINAN KRIEGER, FRANK MERTGEN UND STEFAN RULLKÖTTER 36 EINLEITUNG Jährliche Gehaltserhöhung, ohne dafür einen Chef überzeugen zu müssen 38 DIVIDENDENSTARS Depot mit 15 hart ausgewählten Aktien, die die Dividende alle 5 Jahre verdoppeln 54 DEUTSCHE FAVORITEN Heimische Auszahlungskünstler mit bis zu 17 Prozent Dividendenrendite 48 SHAREHOLDER YIELD Wie die Kombination von Dividende und Aktienrückkauf Aktionäre beglückt 58 HV-KALENDER Überblick zu DAX, MDAX und SDAX: Wer bietet wann welche Gewinnbeteiligung? 52 EINZELANALYSE Im Check: die Ausschüttungsfähigkeit des Lebensmittelkonzerns Danone 60 LEBENSMODELLE Optimale Lösungen mit ETFs und Fonds für 25-, 50- und 65-Jährige Titel Dividendeneinkommen Ihr Start zur Sonnenseite des Lebens 72 STEUERWISSEN So kommt vom Kapitalertrag möglichst viel bei Ihnen an – und wenig beim Fiskus 64 KÖNIGSSTRATEGIE Ziel: Die Ausschüttung von bewährten Dividendenaktien noch vervielfachen

€URO 03|2536 K ennen Sie eine Anlagestrate- gie, die eigentlich nur Vorzüge bietet? Hier ist sie: auf Dividen- denwachstums-Aktien setzen. Ihr Zusatzeinkommen aus diesem Invest- ment wird im Lauf der Zeit voraussicht- lich erheblich steigen, weil die Unterneh- men ihre Stärke mit höheren Auszahlun- gen demonstrieren wollen. Und damit wirkt der Zinseszinseffekt, der gerade auf lange Frist !ür wahre Wunder sorgt. Das ergibt eine jährliche Gehaltserhö- hung, ohne dass Sie einen Chef überzeu- gen müssten, und das mit überschau- barem Aufwand. Zudem bieten Dividen- denstrategien dank ihrer Ausschüttungs- stärke mehr Stabilität in unruhigen Zeiten — und solche machen die Märkte garantiert wieder durch. Weil die Vorteile so eindeutig und viel!ältig sind, stellt €uro hier mehrere Strategien vor, um sich mit Ausschüttun- gen ein zweites Einkommen zu sichern. Depotwert vervierfachen. Strategie 1: Wir haben aus 1328 Unternehmen aus Europa, den USA und Japan in einem auf- wendigen Filterverfahren 31 Aktien er- mittelt, deren Pro!itabilität und Wachs- tum ein starkes Geschäftsmodell spie- geln. Diese Unternehmen haben zudem bewiesen, dass sie dank hoher und ste- tig wachsender Barmittelzuflüsse (Cash- flow) ihre Dividenden fortlaufend und deutlich steigern können — deswegen wird ihnen das auch über die nächsten Jahre zugetraut. Wir haben daraus ein diversi!iziertes Depot mit 15 Aktien zusammenstellt. Diese Titel haben im Schnitt ihre Dividenden in den vergan- genen Jahren um fast 15 Prozent gestei- gert — mit dieser Rate verdoppelt sich die Ausschüttung alle !ünf Jahre! Auch die Gesamtrendite des Depots der letzten zehn Jahre (inklusive reinves- tierter Dividenden) kann sich sehen las- sen: Bei einer Rendite von 14,8 Prozent per annum werden aus 15 000 Euro An- fangsinvestition binnen zehn Jahren 60 000 Euro — eine Steigerung um 300 Prozent. Das Depot stellen wir ab Seite 38 aus!ührlich vor. Apropos Rendite: Immer stärkere Beachtung !indet die Shareholder Yield, die Gesamtrendite aus der Addition von Dividendenrendite und der Rendite, die sich !ür den Aktionär aus Aktienrück- käufen ergibt. Kauft ein Konzern Aktien zurück, senkt er deren Gesamtzahl, und Gewinn sowie Ausschüttung pro Aktie steigen. Mercedes-Benz kommt zum Bei- spiel auf eine Shareholder Yield von rund elf Prozent (siehe Seite 48). Damit sind wir bei deutschen Dividen- denaktien, die oft schon mit der Dividen- de allein überragende Ausschüttungsren- diten bieten. Beispiel: der Medienkonzern RTL. Dank einer erwarteten Sonderaus- schüttung bietet er eine Dividendenren- dite von mehr als 17 Prozent. Selbst wenn die Sonderdividende etwas verspätet fließt, sichert die reguläre Dividende eine Rendite von zehn Prozent. Freenet kommt ohne Sonderertrag auf mehr als sieben Prozent, und wir haben weitere Top-Wer- te ausgesucht (siehe Seite 54). Zusätzli- cher Service !ür den Dividenden-Heimat- markt Deutschland: Auf den Seiten 58/59 !inden Sie den Dividendenkalender !ür die 160 Unternehmen aus DAX, MDAX und SDAX. Er dient als Planungshilfe und enthält die bereits angekündigten oder von Analysten im Durchschnitt erwarte- ten Dividenden, die daraus resultierende Rendite, den Vergleich zum Vorjahr sowie den Termin der Hauptversammlung, nach der die Auszahlung erfolgt. 3 8 D IVID EN D ENSTA RS 5 8 H V-K A L EN D ER 3 6 E IN LE IT U N GTitel Dividendeneinkommen BILD: SONJA CRISPINO Der GebertBrief: Vertrauen Sie auf über 20 Jahre Er- fahrung. Mit dem GebertBrief bauen Sie Ihr Vermögen mit geringem Risiko auf. Der Erfolgsindikator, um den DAX langfristig zu schlagen. Mehr erfahren Sie unter www.gebertbrief.de

-20,0% 0,0% 20,0% 40,0% 60,0% 80,0% 100,0% 120,0% 140,0% 160,0% 04.09.2019 04.09.2020 04.09.2021 04.09.2022 04.09.2023 04.09.2024 ANZEIGE Anleger haben die Möglichkeit, sich die Dividende direkt auszahlen zu lassen oder zum Beispiel die vierteljährlichen Überweisungen von US$Dividendenkö- nigen zu nutzen, um damit eine Strate- gie !ür hohe Zusatzerträge zu verfolgen. Dividendenkönige haben die Beteiligung der Aktionäre am Gewinn mindestens 50 Jahre nacheinander gesteigert, ein ab- soluter Qualitätsausweis. Solche Unter- nehmen gibt es in Europa nicht. Die Di- videnden steckt der Anleger in unserem Vorschlag in Aktien von Unternehmen, die sich nach den Kriterien der Investo- renlegende Peter Lynch verzehnfachen können („Tenbagger“). Eine ganz neue Strategie, die wir ab Seite 64 vorstellen. Bei den besten Dividendenstrategien dürfen aktiv gemanagte Fonds und ETFs mit ihrer breiten Streuung nicht fehlen. Wir sagen zum einen, wie man breit diversi!iziert als 25$Jähriger Vermögen aufbaut, das später als Grundlage eines Zusatzeinkommens dient. Für eine zwei- te Fallkonstellation rechnen wir vor, wie man mit 50 ein Zusatzeinkommen von 2000 Euro bezieht, das etwa die Ausbil- dung der Kinder !inanziert. Schließlich zeigen wir drittens, wie man sich im Ru- hestand mit einem aufgebauten Vermö- gen von 500 000 Euro ein zweites Gehalt von 4000 Euro brutto !ür 20 Jahre aus- zahlen lassen kann. Eine Dividenden- analyse in die Tiefe beim Nahrungsmit- telriesen Danone (siehe Seite 52) sowie die besten Steuerratschläge (siehe Sei- te 72) runden diese Strategien ab. Wir hoffen, dass Sie nach der Lektüre zustimmen: Solche Dividendensysteme bieten wirklich nur Vorteile. 6 0 D EP OTS F Ü R 3 L EB ENSL AG EN 4 8 D IVID EN D EN & RÜ CK K ÄU F E 5 2 EINZEL A N A LYSE 6 4 KÖ NI GS ST R AT EG IE 5 4 D EU TSCH E FAVO RIT EN 72 ST EU ERWIS SEN ➝ Peter Lynch, John Rothchild: Lynch 3 Börsenbuchverlag 336 Seiten, 17,00 € ISBN: 978-3-86470-685-1 Wall-Street-Legende Peter Lynch erklärt die Gesetze der Vermögens- mehrung, warum der Aktienmarkt dafür die besten Chancen bietet – und welche Rolle Dividenden dabei spielen können.

€URO 03|2538 So geht Vermögen Man nehme globale Dividendenaktien, suche die Crème de la Crème heraus und komponiere ein diversifiziertes Depot. Willkommen im Club 3 8 D IVID E N D E NS TARS 5 8 H V-K A L EN D ER 3 6 EIN L EIT U N GTitel Dividendeneinkommen

€URO 03|25 39 Doch welche Unternehmen sind die besten Zahler? Die Höhe der Dividenden- rendite ist hier nicht das zentrale Krite- rium. Allzu oft wird diese Kennziffer durch eine Kursschwäche aufgeblasen. Weit mehr wert ist die Nachhaltigkeit der Ausschüttungen. Denn um dauerhaft zu zahlen, brauchen Unternehmen funda- mentale Stärke — eine grundsolide Bilanz und ein Geschäftsmodell, das qualitativ heraussticht. Hohe Hürden. Auf der Suche nach ge- eigneten Bausteinen !ür ein Depot zählt deshalb neben exzellenten Kennziffern die Dividendenhistorie zu den wichtigs- ten Indizien. Die Redaktion hat darauf basierend bei ihrer Suche nach den bes- ten Dividendentiteln ein anspruchsvol- les Pro!il erstellt. Wir suchten große Un- ternehmen mit etablierten und zugleich wachstumsträchtigen Geschäftsmodel- len, die Stabilität und Resilienz mit Dy- namik verbinden. Wachstum sollte mit überproportionalen Zuwächsen beim Gewinn einhergehen — und beim freien Cashflow. Das ist bekanntlich jener Teil des Mittelzuflusses, der nach den Inves- titionen verbleibt und !ür die Ausschüt- tungen zu Ver!ügung steht. BILD: NUTHAWUT SOMSUK/ISTOCK ➝ Logarithmische Darstellung; Quelle: UBS Die Dividende macht’s Aus einem Dollar, angelegt im Jahr 1900 in US-Aktien, wurden inflationsbereinigt 2443 Dollar bis Ende 2023 – wenn die Dividenden reinvestiert wurden. Ohne die Wiederanlage waren es 18,20 Dollar Er weiß, wie es geht: Warren Buffett hat in den fast 80 Jah- ren, in denen er sich mit der Börse beschäftigt, alles Erdenk- liche erlebt. Eines aber hat in den Augen der Investmentlegende Bestand: „Wenn du kein Geld im Schlaf verdienst, wirst du bis zu deinem Lebensende schuften“, räsoniert Buffett. Will sagen: Passives Einkommen ist extrem wichtig, um Wohlstand aufzubauen. Am besten geht das mit Aktien, der auf lange Sicht lukrativsten aller Anlage- klassen. Der Unterschied mit und ohne Dividenden ist dabei immens — und je länger der Zeithorizont, desto größer wird er. In den vergangenen zehn Jahren hat etwa der DAX, bei dessen Berech- nung die Dividenden rechnerisch re- investiert werden, mit rund 107 Prozent Rendite fast doppelt so viel gebracht wie der Kurs-DAX, der die Ausschüttungen ausklammert. Auf 30 Jahre liegt der Leit- index um den Faktor 2,5 vorn. Laut einer Langfriststudie der UBS zu US"Aktien multiplizierten Dividenden von 1900 bis 2023 den Ertrag gar mit Faktor 134: Aus einem Dollar wurden so real 2443 Dol- lar, wenn Dividenden reinvestiert wur- den. Ohne waren es 18,20 Dollar. 1000 100 10 1 0,11900 2000’20 ’20’40 ’60 ’80 6 0 D EP OTS F Ü R 3 L EB ENSL AG EN 4 8 D IVID EN D EN & RÜ CK K ÄU F E 5 2 EINZEL A N A LYSE 6 4 KÖ NI GS ST R AT EG IE 5 4 D EU TSCH E FAVO RIT EN 72 ST EU ERWIS SEN Reale Entwicklung US-Börse (1900–2023) mit Dividende in US-$ Reale Entwicklung US-Börse (1900–2023) ohne Dividende in US-$ 2443 18,2

Feine Filter Aus den wichtigsten Indizes der USA, Europas und Japans haben wir in neun Schritten 31 Dividendentitel aussortiert. Die Kriterien sichern Größe, geringe Schwankungen, bilanzielle Stärke, solide Dividen- denpolitik, überproportionales Gewinnwachstum und starken Cashflow €URO 03|2540 BILD: BILD: NUTHAWUT SOMSUK/ISTOCK, IKHWAN ABDULLAH/ISTOCK [M], SONJA CRISPINO [M] Um künftige Ertragsstärke zu sichern, sollte die Dividendenpolitik ausgewogen sein. Wir forderten zwar eine Mindest- Dividendenrendite. Übermäßige Aus- schüttungen zulasten der Substanz woll- ten wir aber ausschließen. Die Ausschüt- tungsquote sollte deshalb 65 Prozent des Gewinns nicht übersteigen. Überdies sollten die Aktienkurse im Schnitt weni- ger stark schwanken als der Markt. Erlesene 31. Insgesamt haben wir 1328 Aktien aus den USA, Europa und Japan unter die Lupe genommen. Das Anforde- rungspro!il mit neun Kriterien (siehe links) er!üllten nur 31 Werte. Mit Linde, Tesco und Vinci kommen lediglich drei Titel nicht aus den USA. Bis auf !ünf schafften es nur Unternehmen mit einer prozentual zweistelligen operativen Ge- winnmarge in die Auswahl, Indiz !ür die Qualität der Geschäftsmodelle. 24 der Aktien, die den Auswahlprozess absol- vierten, weisen auf zehn Jahre gesehen eine prozentual zweistellige Gesamtper- formance auf. Der Bauzulieferer Pool Corp, der Krankenversicherer United- Health und der Börsenbetreiber Nasdaq erreichen sogar Durchschnittsrenditen von knapp 20 Prozent. Alles sehr gute Aktien — doch welche sind die Besten der Besten? Um das zu er- mitteln, haben wir die Kandidaten nach !ünf Kennziffern gerankt, gemäß den Stichtag: XX.XX.XXXX; Quelle: xxxxxxxxxxx 3 8 D IVID E N D E NS TARS 5 8 H V-K A L EN D ER 3 6 EIN L EIT U N GTitel Dividendeneinkommen S & P !"", Dow Jones Index, Stoxx #"", Nikkei $$! %&$' Marktkapitalisierung > %" Mrd. US-$ '!% Nettoverschuldungsgrad < % (Schulden minus Barmittel < Eigenkapital) &'( Ausschüttungsquote < #! % $"% Dividendenrendite ) % % %$& Ø Dividendensteigerung ! Jahre p. a. ) & % (% Ø Umsatzsteigerung ! Jahre p. a. ) & % '" Ø Gewinnsteigerung (Gewinn/Aktie) ! Jahre p. a. ) ! % #" Ø Free-Cash*low-Steigerung ! Jahre p. a. ) ! % &% Betafaktor < % !!!

€URO 03|25 41 Einzelrankings Punkte verteilt und ein Top-Ranking erstellt (siehe Seite 43). Die Punktbesten einer Branche haben wir schlussendlich !ür ein Portfolio ausge- wählt. Diese 15 Aktien erlauben es Anle- gern, sich ein nach Sektoren diversi!i- ziertes Dividendendepot zu erstellen. Im Folgenden erklären wir die Ge- schäftsmodelle der 15 Branchenbesten in der Reihenfolge der erreichten Punkte. UNITEDHEALTH Der größte Krankenversicherer der USA ist mit knapp 470 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung unter unseren Fa- voriten der größte Wert. 1977 wurde Uni- tedHealth gegründet, in den vergange- nen 30 Jahren wuchs der Konzern durch Übernahmen sehr stark. Zukäufe wie zuletzt LHC Group oder DaVita Medical waren stets essenzieller Teil der Stra- tegie. Heute dominiert die Assekuranz aus Minnesota den US"Markt !ür private Krankenversicherungen. Versicherte üben immer wieder Kritik wegen unzu- reichender oder abgelehnter Leistun- gen. Trotz des Wachstumstempos über- zeugen die betriebswirtschaftlichen Kennziffern: In den vergangenen !ünf Jahren kletterte der Umsatz im Schnitt um rund elf Prozent, der Gewinn pro Aktie stieg um rund 13 Prozent. Der freie Cashflow legte sogar fast dreimal so schnell zu, UnitedHealth ist hier die Nummer 1 unter unseren Favoriten. Die Dividende wurde in !ünf Jahren durch- schnittlich um 14 Prozent erhöht, die Ausschüttungen stiegen seit 15 Jahren. Die Gesamtrendite lag in zehn Jahren im Schnitt über 19 Prozent. CONOCOPHILLIPS Die Nummer 3 der US"Energiebranche bringt die Größe mit, die es braucht, um im schwankungsintensiven Umfeld zu bestehen. Das Unternehmen, das auf eine Gründung im Jahr 1875 zurückgeht, konzentriert sich auf das Upstream-Ge- schäft. Darunter versteht man Explora- tion von Erdöl- und Erdgasfeldern sowie die Produktion. ConocoPhillips ist in der Vermarktung von Rohöl, Bitumen und Flüssigerdgas aktiv. Der Konzern aus Houston erzielt rund 80 Prozent des Um- satzes im Heimatmarkt und ist zugleich der größte Rohölproduzent Alaskas. Die Texaner !ördern in der norwegischen Nordsee und betreiben Gasaktivitäten im Mittleren Osten, etwa in Katar. Die Sektorzyklik schlägt auf die Kennziffern durch, 2020 und 2023 sank der Gewinn in den Ölpreis-Baissen deutlich. Im Schnitt der vergangenen !ünf Jahre lag das jährliche Plus des Gewinns pro Aktie bei 16 Prozent. Die Dividendenhistorie ist volatil, weist aber acht Jahre in Folge Stei- gerungen auf. Im zyklischen Energie- sektor ist eine Durchschnittsrendite von rund sieben Prozent auf zehn Jahre ein guter Wert. POOL CORP Das Unternehmen aus Louisiana ist der größte Händler von Swimmingpools in den USA. Pool Corp erlebte in der vom Rückzug ins Private geprägten Pandemie einen Ansturm von Häuslebauern, die sich ein eigenes Schwimmbad gönnen wollten, der Umsatz schoss um gut ein Viertel in die Höhe. Dem Extraschub folgte die Konsolidierung. Nach Umsatz- rückgängen 2023 und wohl auch 2024 rechnen Analysten !ür dieses und nächs- tes Jahr mit soliden Umsatzsteigerungen. Der Gewinn wuchs in den vergangenen !ünf Jahren im Schnitt um elf Prozent und stieg damit deutlich dynamischer als der Umsatz. Der freie Cashflow legte jährlich um rund 18 Prozent zu. Im ver- gangenen Herbst lockte das lukrative Asset einen alten Bekannten: Warren Buffett. Der Grund: Pool Corp steigerte die Dividende in !ünf Jahren um je 17 Pro- zent und erhöht sie seit 14 Jahren in Fol- ge. Die Aktie brachte in zehn Jahren rund 19 Prozent Gesamtrendite pro Jahr. ➝ 6 0 D EP OTS F Ü R 3 L EB ENSL AG EN 4 8 D IVID EN D EN & RÜ CK K ÄU F E 5 2 EINZEL A N A LYSE 6 4 KÖ NI GS ST R AT EG IE 5 4 D EU TSCH E FAVO RIT EN 72 ST EU ERWIS SEN

€URO 03|2542 CHUBB Als hätte Buffett hier persönlich bei der Aktienauswahl mitgespielt: Auch der amerikanische Versicherungskonzern Chubb zählt seit einiger Zeit zu den Be- teiligungen von Berkshire Hathaway, der Holding der Börsenlegende. Das ist ein Prädikat, denn Buffett gilt als ein aus- gewiesener Kenner der Branche. Mit In- vestments wie dem US"Autoversicherer Geico begründete er den Aufstieg von Berkshire. Chubb ist eine der größten US"Assekuranzen, das Unternehmen mit Sitz in der Schweiz ist im Erst- sowie im Rückversicherungsgeschäft tätig. Der Schwerpunkt liegt auf Sachversicherun- gen !ür Industrie, Unternehmen und Pri- vate. Knapp 60 Prozent des Umsatzes er- zielt Chubb in den USA. Die Kennziffern überzeugen: Gewinn und freier Cash- flow wuchsen in !ünf Jahren im Schnitt jeweils um rund 17 Prozent pro Jahr und damit deutlich überproportional zum Geschäftsvolumen, das durchschnitt- lich zehn Prozent Zuwachs auswies. Der Versicherer ist mit einer Serie von 32 Steigerungen einer der Dividendenaris- tokraten der Wall Street — sicher ein Ar- gument auch !ür Buffetts Entscheidung. ADP Automatic Data Processing, kurz ADP, ist so etwas wie die Datev der USA. Der Kon- BILD: NUTHAWUT SOMSUK/ISTOCK 3 8 D IVID E N D E NS TARS 5 8 H V-K A L EN D ER 3 6 EIN L EIT U N GTitel Dividendeneinkommen 1: Umsatzwachstum Aktie Ø Wachstum Umsatz ! Jahre p. a. in % Punkte Cincinnati Financial !",# #! Nasdaq !$,% #& Intercontinental !$,& $' Garmin !!,$ $( Newmont !!,$ $) Elevance Health !!,! $% ConocoPhillips !!,& $* UnitedHealth !&,( $" Chubb !&,( $# Rollins !&,* $$ Pool Corp ',( $! Erie Indemnity '," $& Accenture ',# !' Vinci ',$ !( Travelers Compan. (,$ !) EOG Resources ),) !% Lennar )," !* Blackrock ),! !" Pfizer %,' !# Automatic Data %,) !$ Ameriprise Finan. %,* !! CF Industries *,) !& Abbott Laborat. *,) ' Paccar Inc. *,# ( Quest Diagnostic ",' ) Snap-on ",( % Hartford Fin. Serv. ",( * CME Group "," " Tesco ",& # Linde #,% $ Baker Hughes #,# ! Stichtag: !#.&!.$&$*; Quelle: BO Data 2: Gewinnwachstum Aktie Ø Wachstum Gew./Aktie ! Jahre p. a. in % Punkte CF Industries "",* #! Travelers Comp. $',% #& Baker Hughes $(,) $' EOG Resources $(,* $( Newmont !(,& $) Chubb !%,) $% ConocoPhillips !*,' $* Ameriprise Fin. !*,* $" Linde !*,# $# Rollins !*,$ $$ Lennar !#,' $! Unitedhealth !#,! $& Accenture !$,# !' Automatic Data !!,' !( Garmin !!,) !) Hartford Fin. Sv. !!,) !% Elevance Health !!,% !* Erie Indemnity !!,$ !" Pool Corp !&,' !# Nasdaq !&,* !$ Tesco !&,$ !! Vinci ',( !& Abbott Laborat. ',( ' Intercontinental ',) ( Paccar Inc. ',) ) Snap-on ',% % Pfizer (,) * Blackrock (,$ " CME Group ),% # Cincinnati Fin. *,( $ Quest Diagn. *," ! Stichtag: !#.&!.$&$*; Quelle: BO Data 3: Wachstum Free Cashflow Aktie Ø Wachstum Free Cashflow ! Jahre p. a. in % Punkte UnitedHealth #),* #! Baker Hughes #%,% #& Paccar Inc. ##,* $' ConocoPhillips #$,% $( EOG Resources $(,* $) Ameriprise Finan. $#,# $% CF Industries $!,* $* Snap-on $!,$ $" Cincinnati Fin. !',! $# Pool Corp !(," $$ Chubb !),# $! Travelers Comp. !),$ $& Automatic Data !%,% !' Nasdaq !%,$ !( Linde !*,% !) Tesco !*,& !% Erie Indemnity !#,' !* Elevance Health !#,! !" Intercontinental !&,% !# Blackrock ',& !$ Newmont (,) !! Pfizer (,* !& Quest Diagnostic (,$ ' Vinci (,& ( Rollins (,& ) Hartford Fin. Sv. ),$ % Abbott Laborat. ),$ * Garmin %,% " Lennar %,& # Cme Group *,$ $ Accenture *,& ! Stichtag: !#.&!.$&$*; Quelle: BO Data

€URO 03|25 43 Die Besten der Besten 31 Aktien wurden nach fünf Kennziffern gerankt: Platz 1 ergab jeweils 31 Punkte, Platz 31 einen Punkt. Die Punkte wurden addiert und ein Top-Ranking erstellt. In das Dividendendepot schaffen es die jeweils Punktbesten einer Branche (siehe Seite 47) ➝ 6 0 D EP OTS F Ü R 3 L EB ENSL AG EN 4 8 D IVID EN D EN & RÜ CK K ÄU F E 5 2 EINZEL A N A LYSE 6 4 KÖ NI GS ST R AT EG IE 5 4 D EU TSCH E FAVO RIT EN 72 ST EU ERWIS SEN 4: Dividendenwachstum Aktie Ø Wachstum Div./Aktie ! Jahre p. a. in % Punkte Lennar %*,) #! EOG Resources $*,' #& ConocoPhillips $&,# $' Pool Corp !%,' $( Rollins !*," $) Elevance Health !*,# $% Snap-on !"," $* UnitedHealth !",$ $" Accenture !#,! $# Newmont !$,# $$ Automatic Data !$,! $! Abbott Laborat. !!," $& CF Industries !&,( !' Intercontinental !&," !( Linde ',) !) Hartford Fin. Sv. '," !% Blackrock ',! !* Nasdaq (,' !" Ameriprise Finan. (,( !# Cme Group (,& !$ Cincinnati Finan. ),) !! Erie Indemnity ),$ !& Quest Diagnostic ),$ ' Paccar ),! ( Vinci *,' ) Garmin *,% % Travelers Comp. *,! * Tesco ",( " Chubb #,' # Pfizer #,! $ Baker Hughes #,! ! Stichtag: !#.&!.$&$*; Quelle: BO Data 5: Jahre Dividendensteigerung Aktie Jahre Dividenden- steigerung in Folge Punkte Cincinnati Fin. %" #! Abbott Laborat. *$ #& Automatic Data "' $' Erie Indemnity #" $( Chubb #$ $) Linde #! $% Travelers Compan. $& $* Ameriprise Fin. $& $" Cme Group !' $# Paccar !% $$ Pfizer !* $! UnitedHealth !* $& Blackrock !" !' Pool Corp !" !( Snap-on !" !) Hartford Fin. Sv. !" !% Elevance Health !" !* Accenture !# !" Quest Diagnostic !$ !# Nasdaq !$ !$ ConocoPhillips ( !! Garmin ) !& EOG Resources % ' Rollins * ( Vinci " ) CF Industries # % Baker Hughes # * Intercontinental Hot. $ " Tesco ! # Lennar ! $ Newmont & ! Stichtag: !#.&!.$&$*; Quelle: BO Data Top-Ranking mit Branchen Aktie Branche Punkte UnitedHealth Krankenversicherung !!' ConocoPhillips Energie !!( EOG Resources Energie !!& Pool Corp Handel !&$ Chubb Versicherung !&& Automatic Data Software '' Ameriprise Fin. Finanzdienstleister '( Cincinnati Fin. Versicherung '( Travelers Compan. Versicherung ') Elevance Health Krankenversicherung '% CF Industries Rohstoffe '! Newmont Rohstoffe (( Erie Indemnity Versicherung () Rollins Dienstleistungen (% Nasdaq Börsenbetreiber (% Linde Industrie (* Snap-on Industrie )( Accenture Unternehmensber. )% Paccar Automobil )" Abbott Laborat. Healthcare/Pharma )# Intercontinental Dienstleistungen )$ Lennar Bau )$ Baker Hughes Energie %% Garmin Technologie %* Blackrock Finanzdienstleister %" Hartford Fin. Sv. Finanzdienstleister *' Pfizer Healthcare/Pharma *! Vinci Bau *& Cme Group Börsenbetreiber "" Quest Diagnostic Healthcare/Pharma #' Tesco Handel #) Stichtag: !#.&!.$&$*; Quelle: BO Data

€URO 03|2544 zern hat sich seit seiner Gründung in den 1950er-Jahren auf Software !ür Lohn- und Gehalts- sowie Steuerabrechnungen spezialisiert. Darüber hinaus über- nimmt ADP Aufgaben wie Anwesen- heitskontrolle, Prämienmanagement oder die Pensions- und Rentenverwal- tung und hilft bei der Rekrutierung. Inzwischen ist ADP einer der weltgröß- ten Softwaredienstleister der Personal- abteilungen von Unternehmen. Beinahe 90 Prozent des Umsatzes von zuletzt rund 20 Milliarden Dollar stam- men aus dem Heimatmarkt. Die Firma aus Roseland, New Jersey, setzt auf Basis ihrer Cloud-basierten Lösungen stark auf den Einsatz künstlicher Intelligenz. Die eigene Buchhaltung hat ADP dabei bes- tens im Griff: Die liquiden Mittel über- steigen die Höhe der Schulden bei Wei- tem, was zu einer Nettocash-Position von geschätzt 2,5 Milliarden Dollar 2025 !ührt. Das Gewinnplus lag in !ünf Jahren im Schnitt bei zwölf Prozent, die Divi- denden stiegen gleichermaßen rasch. Exzellent ist auch die Kontinuität der Ausschüttungen: ADP erhöhte die Divi- dende 49 Jahre in Folge. Im laufenden Jahr wird der Konzern somit voraussicht- lich in die Riege der Dividendenkönige aufsteigen. AMERIPRISE FINANCIAL Hierzulande sind die Amerikaner zwar vergleichsweise unbekannt, doch in den USA ist Ameriprise Financial ein etablierter Traditionskonzern, dessen Gründung auf das Jahr 1894 zurückgeht. Der Finanzdienstleister zählt mit rund 1,4 Billionen Dollar Anlagesumme zu den größten Vermögensverwaltern der USA. Das Unternehmen betreut rund zwei Millionen Kunden, der Fokus liegt dabei vornehmlich auf vermögenden Privatleu- ten und Unternehmen in den USA. In der Vermögensverwaltung greift der Kon- zern aus Minneapolis auf die Dienste zahl- reicher Tochter!irmen und selbstständi- ger Anlageberater zurück. Die Hauptspar- te steht !ür rund 60 Prozent der Erlöse, daneben zählen noch eine Fondssparte sowie eine Assekuranz zum Portfolio. Mit dem gestiegenen Zinsniveau hat sich der freie Mittelzufluss gegenüber dem Vor-Corona-Niveau auf 4,6 Milliar- den Dollar in etwa verdoppelt, im Schnitt zog der Cashflow um über 20 Prozent pro Jahr an. Die Bilanz ist felsenfest, Ameriprise hat eine Netto-Cashposition von zuletzt über acht Milliarden Dollar aufgebaut. Die Dividende wurde in den vergangenen 20 Jahren stets erhöht. CF INDUSTRIES Glamour bietet das Geschäft dieses Di- videndenfavoriten sicher nicht, da!ür aber jede Menge Substanz: CF Indust- ries ist einer der größten Produzenten von Düngemitteln der USA. Der Schwer- punkt liegt in der Produktion von Stick- stoff- und Phosphatdünger. Drei Viertel des Umsatzes erzielt das Unternehmen aus Northbrook im US"Bundesstaat Illi- nois im Heimatmarkt. Zudem erwirt- schaftet CF Industries in Kanada und Großbritannien nennenswerte Erlös- anteile. Die Produktion ist auf die Hauptabsatzgebiete verteilt. Im domi- nierenden Heimatmarkt pro!itiert CF Industries von den Kostenvorteilen günstiger Preise !ür Erdgas, das zur Herstellung der Dünger benötigt wird. Die Nachfrage auf dem Weltmarkt dürf- te hoch bleiben und Düngerpreise könnten so steigen, weil mit China ei- ner der weltgrößten Dünger- produzenten das Angebot beschränkt. CF Industries !ährt eine großzügige Ak- tienrückkaufpolitik !ür Anteilseigner. Der Cashflow wurde in !ünf Jahren im Schnitt um gut 20 Prozent gesteigert, die Dividende kletterte jährlich über zehn Prozent. BILD: STEVY/ISTOCK , NUTHAWUT SOMSUK/ISTOCK, BEGIMAI IMAMIDIN KYZY/ISTOCK, FAR700/ISTOCK, TERDPONG PANGWONG/ISTOCK 3 8 D IVID E N D E NS TARS 5 8 H V-K A L EN D ER 3 6 EIN L EIT U N GTitel Dividendeneinkommen

€URO 03|25 45 ROLLINS Das Arbeitsfeld dieses US"Unterneh- mens wirkt auf den ersten Blick alles an- dere als appetitlich: Der Dienstleister übernimmt !ür Unternehmen und Haus- halte die Bekämpfung ausgesprochen lästiger Zeitgenossen wie Termiten, Moskitos oder Bettwanzen. Seit 1948 jagt der US"Konzern im Kundenauftrag Schäd linge, im Heimatmarkt behauptet er sich heute mit rund 20 Prozent Anteil. Das Unternehmen aus Atlanta verstärkt sich regelmäßig durch Zukäufe und be- dient mit rund 19 000 Mitarbeitern über 2,8 Millionen Kunden weltweit. So resilient wie manches Insekt erwies sich in der Vergangenheit das Konzern- wachstum: Seit 1996 zog der Umsatz je- des Jahr weiter an — auch während der Finanzkrise oder der Pandemie gab es keinen Einbruch. Und seit 1998 schreibt Rollins durchgehend Gewinne. Die Divi- denden wurden 2020 und 2022 leicht zum Vorjahr gesenkt, zugleich liegt das Wachstum im Fünf-Jahres-Zeitraum im Schnitt bei über 15 Prozent. Die Aktie ist zwar teuer. Doch sie brachte Anlegern in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt jährlich gut 18 Prozent Gesamt- rendite. NASDAQ INC. Regelmäßig bewundern Touristen die weltberühmte Videowand des Nasdaq Tower am New Yorker Times Square. Die hier erzielten Werbeeinnahmen sind aber nur ein verschwindend kleiner Teil des Geschäfts der New Yorker Computer- börse: Ihr Besitzer, Nasdaq Inc., ist einer der größten US"Börsenbetreiber. Über ihre Handelsplattformen erwirtschaften die New Yorker Transaktionserlöse, die einen Gutteil der Erlöse liefern. Daneben vermarktet das Unternehmen Indizes wie den bekannten Nasdaq 100, verkauft Handelsdaten und erstellt Marktanaly- sen, die auch mittels künstlicher Intelli- genz aufbereitet werden. Eine Reihe wei- terer Dienstleistungen !ür Finanzinsti- tute komplettieren das Angebot. Wie bei den meisten Börsenbetreibern sind die operativen Margen sehr hoch, hier liegen sie bei über 40 Prozent. Nasdaq steiger- te den Umsatz in den vergangenen !ünf Jahren im Schnitt um rund 13 Prozent, der freie Cashflow stieg um gut 16 Pro- zent pro Jahr. Der Konzern erhöhte sei- ne Dividende inzwischen zwölf Jahre in Folge. Die Aktie ist mit rund 19 Prozent Gesamtrendite im Schnitt von zehn Jah- ren sehr attraktiv. LINDE Der Firmensitz in München und die DAX"Mitgliedschaft sind schon eine ge- raume Weile passé. Heute !irmiert der ehemals deutsche Industriezulieferer und Anlagenbauer im steuergünstigen Irland. Auch die Börsennotiz in Frank- furt hat Linde im Zuge der konsequenten Internationalisierung aufgegeben. Die Fusion mit dem US"Wettbewerber Prax- air verschob zuvor den Umsatzschwer- punkt in die USA. Die Kunden des Bran- chenprimus kaufen Gase wie Argon, Helium oder Stickstoff. Das Geschäft ist konjunkturabhängig, auch wenn Linde zugleich in der stabileren Gesundheits- branche aktiv ist. Weltweite Aufstellung und hohe Skaleneffekte verschaffen dem Markt!ührer große Kostenvorteile, die der Pro!itabilität zugutekommen. Linde ist auch Pro!iteur des Trends zu Wasser- stoff, einem Energiespeicher der Zu- kunft. Aus moderaten knapp vier Pro- zent Umsatzwachstum im Schnitt der vergangenen !ünf Jahre schöpfte Linde rund 15 Prozent Zuwachs bei Gewinn und freiem Cashflow. Die Dividende stieg im Zeitraum um durchschnittlich rund zehn Prozent. Linde steigert seine Divi- dende seit 31 Jahren. ➝ 6 0 D EP OTS F Ü R 3 L EB ENSL AG EN 4 8 D IVID EN D EN & RÜ CK K ÄU F E 5 2 EINZEL A N A LYSE 6 4 KÖ NI GS ST R AT EG IE 5 4 D EU TSCH E FAVO RIT EN 72 ST EU ERWIS SEN

€URO 03|2546 ACCENTURE Mit über 210 Milliarden Dollar Marktka- pitalisierung ist Accenture einer unserer größten Favoriten. Die ehemalige Ander- son Consulting mit Sitz in Dublin be- schäftigt über 733 000 Mitarbeiter in 120 Ländern und ist damit die größte Strategieberatung weltweit. Das Unter- nehmen hat tiefe Expertise in verschie- denen Branchen aufgebaut. Der Fokus liegt auf dem Technologiebereich, der Finanzindustrie, der Gesundheitsbran- che und dem öffentlichen Sektor. Accen- ture übernimmt Outsourcing-Dienste !ür Kunden etwa im Bereich IT. Der Konzern baut seine Kompetenzen durch Über- nahmen weiter aus, integriert die Zukäu- fe in aller Regel rasch und ef!izient. Über !ünf Milliarden Dollar flossen im Jahr 2024 in Akquisitionen, das Thema KI ist dabei ein bedeutender Treiber. Den Megatrend KI nutzen die Amerikaner konsequent, viele Kunden sind an KI"Pro- jekten interessiert. Auch Analysten rech- nen mit einem starken Umsatzschub durch langfristige Transformationsver- träge in Verbindung mit KI. Accenture erhöhte die Ausschüttung in !ünf Jahren im Schnitt um 13 Prozent. Das Unterneh- men steigert seine Dividende seit 13 Jah- ren in Folge. PACCAR Der Hersteller von Nutzfahrzeugen be- legt hinter Daimler Truck die Position Nummer 2 im US"Markt. Paccar ist mit den Marken Kenworth, Peterbilt und DAF vor allem auf schwere Lkw speziali- siert. Dazu zählen die typischen „Semis“, große Sattelzüge mit einem zulässigen Gesamtgewicht von über 15 Tonnen. In diesem Segment liegt der Marktanteil in den USA über 30 Prozent. In Europa kommt die Marke DAF auf rund 16 Pro- zent Anteil. Das Unternehmen mit Haupt- sitz nahe Seattle entwickelt zusammen mit Toyota Brennstoffzellen-Technologie !ür Nutzfahrzeuge. Auch rein batterie- elektrisch angetriebene Laster wie den DAF XD hat Paccar bereits auf den Markt gebracht. Der Konzern ist bilanziell sehr solide aufgestellt. Das Geschäft der Ame- rikaner weist deutlich höhere Umsatz- renditen auf als das des Branchenprimus Daimler Truck. In den vergangenen !ünf Jahren wuchs der Gewinn um im Schnitt knapp zehn Prozent und damit fast dop- pelt so schnell wie der Umsatz. Den frei- en Cashflow steigerte das Unternehmen mehr als dreimal so dynamisch wie den Gewinn. Bemerkenswert ist die Stabili- tät angesichts der Zyklik im Nutzfahr- zeuggeschäft: Paccar schreibt seit über 35 Jahren durchgehend Gewinne und steigert seine Ausschüttung (Sonder- dividenden nicht mit eingerechnet) seit 16 Jahren in Folge. ABBOTT LABORATORIES Der US"Konzern ähnelt von seiner Struk- tur her einem Breitband-Antibiotikum: BILD: ARTISTICCO/ISTOCK 3 8 D IVID E N D E NS TARS 5 8 H V-K A L EN D ER 3 6 EIN L EIT U N GTitel Dividendeneinkommen

€URO 03|25 47 Das Gros des Umsatzes erzielt Abbott Laboratories in der Diagnostik und ist hier bei Testsystemen und Diagnose- Instrumenten aktiv. Rund ein weiteres Viertel ent!ällt auf medizintechnische Produkte zur Ge!äßerweiterung oder Endoprothesen wie künstliche Gelenke. Daneben stellt der Konzern aus Chicago medizinische Ernährung her sowie eine Reihe pharmazeutischer Produkte. Wie alle Hersteller, die in der Pande- mie vom Verkauf von Corona-Tests pro- !itierten, erlebte auch Abbott Laborato- ries nach dem Boom eine spürbare Um- satzdelle. Diese haben die Amerikaner inzwischen hinter sich gelassen. Trotz des vorübergehenden Einbruchs wuchs das Unternehmen in den vergangenen !ünf Jahren um durchschnittlich knapp sechs Prozent pro Jahr. Noch wichtiger: Der freie Cashflow legte mit sieben Pro- zent jährlich stärker zu. Die Dividende wurde um durchschnittlich elf Prozent angehoben. Abbott Laboratories zählt zu den begehrten Dividendenkönigen der Wall Street mit mindestens 50 Jah- ren an Steigerungen (siehe Seite 64): Der US"Healthcare-Konzern erhöht seine Ausschüttung schon seit 52 Jahren. LENNAR Das Unternehmen aus Miami ist einer der größten amerikanischen Wohnungs- und Häuserbauer. Im Heimatmarkt er- zielt Lennar über 90 Prozent des Umsat- zes. Kunden sind vor allem Einsteiger und Erstkäufer am US"Immobilien- markt, denen Lennar vereinzelt auch Finanzierungen anbietet. Der Konzern ist dabei, sich über ein Spin-off seiner Grundstückstochter Millrose Properties schlanker aufzustellen. Hierdurch sollen Kennzahlen wie die Gesamtkapital- und Eigenkapitalrendite geliftet werden. Das Spin-off und die erste Börsennotierung von Millrose waren !ür Anfang Februar geplant. Mit dem zufließenden Kapital können Schulden abgebaut oder Aktien zurückgekauft werden. Die Bilanz ist bereits sehr solide, Len- nar hat knapp !ünf Milliarden Dollar Nettocash. Von der Finanzkrise bis 2019 fuhr der Konzern die Ausschüttungen stark zurück. Zuletzt zeigte sich das Unternehmen aus Florida deutlich spen- dabler: In den vergangenen !ünf Jahren wurden die Dividenden im Schnitt um mehr als 60 Prozent pro Jahr erhöht. GARMIN Seit Jahren macht Garmin mit GPS"Navi- gationsgeräten exzellente Geschäfte, der Fitness-Trend beflügelt den Absatz von Smartwatches. Die Sportuhren sind bei Läufern, Wanderern oder Bikern be- gehrt, Garmin besetzt auch lukrative Nischen und bedient Segler und Golfer. Der Konzern mit Sitz in Schaffhausen und operativer Zentrale im US"Bundes- staat Kansas erhöht die Kundenbindung durch ein Ökosystem und eine App-ba- sierte digitale Plattform. Hier speichern, analysieren und teilen Nutzer ihre Akti- vitäten. Außerhalb der beiden größten Sparten Outdoor und Fitness beliefert Garmin erfolgreich die Automobilindus- trie sowie Boots- und Flugzeughersteller mit GPS"Geräten. Die Bilanz ist grund- solide, der Cashbestand von zuletzt rund 3,5 Milliarden Dollar übersteigt die Schulden. Die Dividende wuchs in !ünf Jahren im Schnitt um knapp sechs Pro- zent. Im Gegensatz zu anderen Tech- Unternehmen schütten die Schweizer schon lange aus. In den vergangenen 19 Jahren gab es keine Senkung, seit sie- ben Jahren klettert die Dividende. ➝ 6 0 D EP OTS F Ü R 3 L EB ENSL AG EN 4 8 D IVID EN D EN & RÜ CK K ÄU F E 5 2 EINZEL A N A LYSE 6 4 KÖ NI GS ST R AT EG IE 5 4 D EU TSCH E FAVO RIT EN 72 ST EU ERWIS SEN 15 Top-Werte – das Dividendendepot Aktie WKN Branche Punkte Ø Div.-Steigerung ! Jahre p. a. in % Dividendenrendite in % Dividendensteigerung Jahre Ø Gesamtwertentwickl. %" Jahre p. a." in % UnitedHealth (%' *%! Krankenversicherung ""# !",$ !,* !* !',# ConocoPhillips *)* #&$ Energie ""$ $&,# $,' ( ),! Pool Corp A&J MVJ Handel "%& !%,' !," !" !',% Chubb A&Q %#% Versicherung "%% #,' !," #$ !!,# Automatic Data Processing (*& #") Software ## !$,! $,& "' !*,' Ameriprise Financial A&F **S Finanzdienstleister #$ (,( !,! $& !),* CF Industries A&E S'N Rohstoffe #" !&,( $,# # ),% Rollins (*' &&$ Dienstleistungen $' !*," !,# * !(," Nasdaq (!# *!% Börsenbetreiber $' (,' !,$ !$ !',& Linde A#D )VW Industrie $( ',) !,# #! !",% Accenture A&Y AQA Unternehmensberater )' !#,! !,* !# !%,% Paccar (%! !!" Automobil )* ),! ",! !% !$,' Abbott Laboratories (*& !&# Healthcare/Pharma )+ !!," $,& *$ !!,( Lennar (*! &$$ Bau )& %*,) !,* ! !$,) Garmin A!C &%B Technologie '( *,% $,* ) !(,$ Stichtag: !#.&!.$&$*; % Wertentwicklung einschließlich Dividenden; Quelle: BO Data, Sure Dividend Aufgenommen wurden nur die punktbesten Dividendenwerte der jeweiligen Branchen – sie ergeben ein diversifiziertes Portfolio

€URO 03|2548 Bettina Orlopp, Che!in der Com- merzbank, sieht sich einem lei- denschaftlichen Verehrer ge- genüber. Andrea Orcel hat ein Auge auf das zweitgrößte deutsche Kre- ditinstitut geworfen, der Vorstand der italienischen Unicredit erwarb große Aktienpakete sowie Derivate !ür den Zukauf weiterer Anteile. Auch Orlopp handelt, unter anderem kauft die Coba seit Monaten eigene Aktien zurück. Mit- te Januar wurde eine Tranche über 600 Millionen Euro abgeschlossen, weitere Rück käufe im Wert von 400 Millionen Euro sollen folgen. Die Che!in will dem Kapitalmarkt zeigen, dass die Coba solo attraktiv genug !ür Aktionäre sein kann. BILD: NUTHAWUT SOMSUK/ISTOCK, PETER PENCIL/ISTOCK Nicht nur Bares ist Wahres Schon mal über Shareholder Yield nachgedacht? Aktienrückkäufe schieben Kurse an und erhöhen die Langfrist-Performance – im Doppelpass mit der Dividende ein echter Treffer Im Herbst stellte Orlopp in Aussicht, mindestens 70 Prozent des Gewinns des Jahres 2024 über Rückkäufe und Divi- denden an Anteilseigner weiterzurei- chen. Hält die Bank ihre Gewinnprogno- se, so flössen insgesamt rund 1,7 Milliar- den Euro. Bezogen auf die Marktkapi- talisierung entsprächen die geplanten Rückkäufe einem Anteil von rund !ünf Prozent, rechnet man die geplante Divi- dende hinzu, so kämen Anteilseigner auf eine Zuwendung von fast neun Prozent. Eine hübsche Rendite. Ob das Ange- bot auch alle Aktionäre überzeugt? So viel ist sicher: Die Coba-Che!in greift auf ein bekanntes Konzept zurück — „Shareholder Yield“, die „Aktionärsren- dite“. Diese erweitert die Dividendenren- dite um das Instrument der Aktienrück- käufe und die sogenannte „Buyback Yield“ (siehe De!inition unten). Schönere Ziffern. Was bringen Aktien- rückkäufe Anteilseignern konkret? Un- ternehmen steigern damit die Nachfrage nach eigenen Aktien, was den Kurs ten- denziell treibt. Die Reduzierung der Ak- tienanzahl erhöht zugleich den Gewinn pro Aktie, Bewertungskennziffern wie das KGV fallen günstiger aus. Zudem steigt die Dividendenrendite bei gleicher absoluter Dividendensumme, die Aus- schüttung verteilt sich ja auf weniger Pa- piere. Aktienrückkäufe werden zudem Bei Shareholder Yield (Aktionärsrendite) wird zur Dividendenrendite die Rückkaufrendite (Buyback Yield) addiert. Diese definiert sich als Wert der Rückkäufe in Relation zur Marktkapitalisierung. Im Beispiel der Commerzbank: Bei einem Börsenwert von rund 20 Milliarden Euro, einer Ausschüttung von rund 700 Millionen Euro und Rückkäufen im Volumen von einer Milliarde Euro ergäbe sich eine Aktionärsrendite von 8,5 Prozent, wobei die Divi- dendenrendite bei 3,5 und die Rückkaufrendite bei fünf Prozent liegen. In einer breiter gefassten Variante wird der Aktionärsrendite auch die Ren- dite des Schuldenabbaus hinzugerechnet. Hier schlagen eingesparte Zinsen zu Buche. SHAREHOLDER YIELD 3 8 D IVID EN D ENSTA RS 5 8 H V-K A L EN D ER 3 6 EIN L EIT U N GTitel Dividendeneinkommen

€URO 03|25 49 ten Umgang mit dem Instrument. Über Jahre hinweg überstiegen die Rückkäufe den Gewinn auf Kosten der Investitio- nen. Das rächt sich jetzt: Der Konzern hat viele Baustellen und zudem hohen Kapi- talbedarf. Inzwischen gibt der Konzern mehr eigene Aktien aus als er kauft und hat so eine negative Rückkaufrendite. Das Wahre zählt. Dass sinnvoller Akti- enerwerb die Kurse tatsächlich ankur- belt, zeigen Analysen des renommierten Family Of!ice HQ Trust. Ausgehend von den Aktien des MSCI All Country World Index lag demnach die Gesamtperfor- mance von US"Aktien in den zehn Jahren von 2013 bis 2022 bei im Schnitt 13,7 Pro- zent jährlich. Rückkäufe sind laut HQ Trust ursächlich !ür 3,5 Prozentpunkte und somit !ür ein gutes Viertel des Zu- wachses. In Europa gingen 1,8 Prozent- punkte des Jahresplus von im Schnitt 6,8 Prozent auf das Konto der Maßnahmen. Die Extraportion Rendite gibt es aber längst nicht überall. Unternehmen, die voluminöse Rückkaufprogramme ➝ oft als Signal des Managements interpre- tiert, dass es an die Zukunft des Unter- nehmens glaubt. Das kann das Vertrau- en des Kapitalmarkts stärken. Bei Aktio- nären, die ihre Aktien halten, erhöhen sie den Anteil am Unternehmen. Aktio- näre zahlen im Unterschied zu Dividen- den auch keine Steuern darauf. Rückkäufe haben indes auch Makel. Zuallererst steht das verwendete Geld nicht mehr !ür Investitionen zur Ver!ü- gung. Kritiker von Rückkäufen wenden ein, dass der Erwerb eigener Papiere oft Ausdruck von Ideenlosigkeit und man- gelnder Risikobereitschaft des Manage- ments sei und durch die Kurswirkung die wahre Entwicklung des Unternehmens verschleiert würde. Rückkäufe, die mit Fremdkapital !inanziert werden, können überdies verzerrend wirken: Sie erhöhen die Verschuldung, während steigende Kurse Anlegern !älschlicherweise Pros- perität vorgaukeln. Ein Missbrauch kann gerade in Krisen ge!ährlich werden. Der US"Flugzeugbau- er Boeing gilt als Beispiel !ür zweifelhaf- Prozent der Gesamt- performance brachten Rückkäufe bei US-Aktien im Schnitt pro Jahr. Quelle: HQ Trust 26,0 6 0 D EP OTS F Ü R 3 L EB ENSL AG EN 4 8 D IVID E N D E N & RÜ CKK ÄU FE 5 2 EINZEL A N A LYSE 6 4 KÖ NI GS ST R AT EG IE 5 4 D EU TSCH E FAVO RIT EN 72 ST EU ERWIS SEN

€URO 03|2552 Danone zählt zu den ganz gro- ßen Namen in der Lebensmit- telbranche. Der französische Konzern bringt täglich in Mil- lionen Haushalten Milchprodukte auf den Tisch. Für viele Verbraucher ist die Traditionsmarke seit Jahrzehnten zum Inbegriff !ür Joghurt geworden. Doch zuletzt lief es nicht immer rund: Wach- sende Konkurrenz, veränderte Konsum- trends und strategische Fehltritte ließen den Marktanteil schrumpfen. Nun soll die Wende gelingen: Unter dem Motto „Renew Danone“ ist das Unternehmen auf dem Weg zu einer tiefgreifenden Um- strukturierung. Schlankerer Aufbau und ein stärkerer Markenfokus sollen Dano- ne wieder an die Spitze bringen. Gehaltvoll aus Tradition Danones Produkte sind weltweit etabliert. Nun muss sich der Lebensmittelkonzern neuen Herausforderungen stellen Gewinn je Aktie in € *Prognose 1,70 1,90 1,94 2,10 1,94 1,94 2,00 2,10* 2,19* 3,90 3,63 2,97 3,01 2,97 1,48 1,37 3,40* 3,59* ’17 ’18 ’19 ’20 ’21 ’22 ’23 ’24 ’25 Dividende je Aktie in € Stichtag: !".!#.#!#$; Quelle: BO Data Gewinn und Dividende Danone schüttet verlässlich Gewinnanteile aus D I E € U R O - D I V I D ENDENANALYSE Danone Titel Dividenden- einkommen 3 8 D IVID EN D ENSTA RS 5 8 H V-K A L EN D ER 3 6 EIN L EIT U N G

2021 2022 2023 2024 ’252020 70 65 60 55 50 45 40 €URO 03|25 53 und die Fokussierung auf die starken Marken sollten daher zur ersten Säule der Neustrukturierung werden. Die zweite besteht in einem radikalen Ein- schnitt !ür ein französisches Unterneh- men: Statt zentralistischer Steuerung aus dem Pariser Stammsitz setzt Danone nun stärker auf lokale Entscheidungs- kompetenz. Regionale Märkte — etwa in Nordamerika, Asien oder Europa — er- halten mehr Autonomie, um schneller auf Konsumententrends reagieren zu können. Die dritte Säule schließlich ist strikte Kostendisziplin und Ef!izienzstei- gerung durch einfachere Strukturen. Da- bei stellt der Danone-Chef Pro!itabilität vor Umsatzwachstum. Erfolgsrezept. Erste Ergebnisse des Programms sind bereits sichtbar. Der Ge- winn pro Aktie hat sich seit 2022 mehr als verdoppelt. Vom damaligen Tiefstand hat sich auch der Aktienkurs erholt und ist wieder um über 40 Prozent gestiegen. Für das Gesamtjahr 2024 peilt das Unter- nehmen ein organisches Umsatzwachs- tum von drei bis !ünf Prozent sowie eine moderate Steigerung der operativen Marge an. Stabiler als der Kurs hat sich die Dividende entwickelt, die denn auch überwiegend zur Gesamtrendite beiträgt. In den vergangenen 20 Jahren überwies Danone beständig Gewinnan- teile an die Aktionäre, in 17 davon erhöh- ten die Franzosen die Ausschüttung (zur Quellensteuer auf französische Dividen- den siehe Seite 73). Die aktuelle Dividen- denrendite liegt bei über drei Prozent. Damit ist Danone !ür Anleger interes- sant, die sich eine klassische Dividenden- aktie ins Depot legen möchten. ➝ Bereits 1919 gegründet, stieg Danone ab den 1970er-Jahren zu einem globalen Unternehmen auf. Heutzutage beschäf- tigt der Lebensmittelkonzern in 120 Län- dern über 100 000 Menschen. Der Name steht !ür eine viel!ältige, global ver!üg- bare Markenwelt. Die Palette reicht vom Joghurtdrink Actimel über die Milch- nahrung Milupa bis zum Mineralwasser Volvic. Im Gegensatz zu den größeren und breiter aufgestellten Konkurrenten Nestlé und Unilever verfolgt Danone eine spezialisierte Strategie. Der Konzern will mit gesunden, funktionellen Lebensmit- teln und Getränken punkten. „Danone hat eine ganz klare Mission: Gesundheit durch Essen !ür so viele Menschen wie möglich“, erklärt CEO Antoine de Saint- Affrique den Leitgedanken. Das Geschäft teilt sich in drei Berei- che auf: An erster Stelle stehen die klas- sischen Milchprodukte und ihre pflanz- lichen Alternativen wie Soja- und Man- delmilch. Dann folgt Mineralwasser — auch hier gehören die Franzosen zu den größten Anbietern weltweit. Und schließ- lich die Spezialnahrung: Mit Babynah- rung, medizinischer Ernährung und Se- niorenprodukten bietet Danone hoch- spezialisierte Lebensmittel an. Erneuerung läuft. Seit 2022 stellt sich der Konzern mit „Renew Danone“ ef!izi- enter auf, um gegen Rivalen wie Unilever und Nestlé wieder Boden gutzumachen. „Zehn Jahre lang hatten wir Marktan- teile verloren“, so CEO de Saint-Affrique. Beim Kassensturz nach seinem Amtsan- tritt 2021 stellt er fest, dass 25 Prozent des Markenportfolios Verlustbringer waren. Eine Konsolidierung der Produktpalette WKN 851 194 Kurs 67,06 € Börsenwert 45,57 Mrd. € KGV 2025 (erwartet) 17,7 Kurs-Buchwert-Verhältnis 2,6 Kurs-Cashflow-Verhältnis 10,1 Dividendenrendite 3,3 % Gesamtrendite 10 Jahre p. a. 4,4 % Stichtag: !".!#.#!#$; Quelle: BO Data Rendite Wer die Aktie von Danone vor 20 Jah- ren gekauft hat, streicht heute eine Rendite von mehr als elf Prozent ein Heute 3,3 % Vor 10 Jahren 5,0 % Vor 20 Jahren 11,1 % Quelle: BO Data BILD: NUTHAWUT SOMSUK/ISTOCK, SONJA CRISPINO [M] 6 0 D EP OTS F Ü R 3 L EB ENSL AG EN 4 8 D IVID EN D EN & RÜ CK K ÄU F E 5 2 E IN Z E L ANALYSE 6 4 KÖ NI GS ST R AT EG IE 5 4 D EU TSCH E FAVO RIT EN 72 ST EU ERWIS SEN Kurs in €

€URO 03|2554 Gute Nachrichten !ür Anleger: Trotz eines insgesamt leichten Rückgangs locken am deut- schen Aktienmarkt auch in diesem Jahr wieder hohe Dividenden. Experten schätzen die Ausschüttungs- summe der deutschen Top-Unterneh- men auf knapp 60 Milliarden Euro. Noch ist die genaue Ausschüttungs- summe unklar, denn ihre Höhe speist sich aus dem Gesamtgewinn des voran- gegangenen Geschäftsjahres, der meist im Februar oder März publiziert wird. In diesen zwei Monaten werde über knapp drei Viertel der erwarteten Gesamt- ausschüttungen entschieden, schreibt Top-Dividende aus Deutschland Deutschlands erste Börsenliga erfreut Anleger auch 2025 mit üppigen Gewinnbeteiligungen. Welche der hiesigen Ausschüttungsriesen künftig das größte Potenzial bieten DZ"Bank-Analyst Stephen Schneider in einer Studie. Gezahlt wird die Dividende !ür das abgelaufene Geschäftsjahr je- weils nach der Hauptversammlung. Klar ist bereits jetzt: An die Rekord- summe des Vorjahres wird der Geld- segen !ür die Aktionäre in dieser Saison nicht heranreichen. Erstmals seit der Covid-Pandemie wird die Ausschüt- 3 8 D IVID EN D ENSTA RS 5 8 H V-K A L EN D ER 3 6 EIN L EIT U N GTitel Dividendeneinkommen

€URO 03|25 55 Von den 40 DAX"Konzernen will laut DZ und Dekabank mehr als die Hälfte ih- re Dividende erhöhen. Mit knapp 5,9 Mil- liarden Euro dürfte der Versicherungs- konzern Allianz in diesem Jahr die höchste Summe im DAX ausschütten. Seine Dividende fließt seit 1982 zuver- lässig, mit Ausnahme des Finanzkrisen- jahres 2008 blieb sie mindestens stabil. Künftig sollen Allianz-Anleger noch üp- piger bedacht werden (siehe Seite 56). Analysten rechnen damit, dass die Münchner in diesem Jahr 15 Euro je Ak- tie ausschütten — das wäre eine Erhö- hung von neun Prozent. Gemeinsam mit Munich Re und Hannover Rück schicke sich der Versicherungssektor an, der Au- tobranche die „Poleposition unter den Dividendenzahlern“ streitig zu machen, stellt die Dekabank fest. Den höchsten absoluten Zuwachs bei der Dividendensumme traut die Deka- bank dieses Jahr der Deutschen Telekom zu: Mit erwarteten zusätzlichen knapp 650 Millionen Euro dürfte der Bonner Konzern 2025 den zweiten Rang hin- sichtlich der Gesamtsumme belegen. Auf Platz 3 sollte nach Erhöhung der eigenen Ausschüttungen um fast 400 Millionen Euro und Kürzungen bei den großen Autobauern Siemens folgen. Die 50 im MDAX gelisteten Unternehmen werden laut Dekabank-Berechnungen !ür das abgelaufene Geschäftsjahr zusammen 6,85 Milliarden Euro Dividende aus- schütten und damit knapp sieben Pro- zent mehr als im vorangegangenen Jahr. Kennziffern. Auch wenn die Ausschüt- tungssumme hierzulande vom Rekord- wert des Vorjahrs abweicht, werden in Deutschland und Europa vergleichs- weise hohe Summen ausgezahlt. Dar- über hinaus gilt der DAX im Vergleich zum US"Index S & P 500 als günstig be- wertet. Eine Kennziffer, um die Bewer- tung zu messen, ist das Kurs-Gewinn-Ver- hältnis (KGV), das die erwartete künfti- ge Gewinnentwicklung des Markts abbil- det: Je höher es liegt, desto teurer gelten die Aktien. Das KGV des S & P 500 beträgt gemessen an den !ür die kommenden zwölf Monate erwarteten Gewinnen der dort versammelten 500 Unternehmen also im Schnitt 28,7. Das ist recht hoch und liegt über dem Schnitt der vergan- genen drei Jahre. Das DAX"KGV liegt bei deutlich niedrigeren 19,1, gilt also als günstiger. Noch ausgeprägter ist die Bewertungsdifferenz beim breiter aufge- stellten Euro Stoxx 50, dessen KGV bei 15,4 rangiert. Gute Aussichten. Neben Kursgewin- nen tragen Dividenden auf lange Sicht er- heblich zur Gesamtrendite bei. Und be- reits 2026 dürfte die Ausschüttungssum- me der 40 DAX"Unternehmen laut Deka- bank den Rekordwert von 2024 wieder übertreffen. Auch die Experten von Alli- anz Global Investors sind zuversichtlich: „70 Milliarden Euro könnten es 2026 sein.“ Wir stellen auf den folgenden Sei- ten Aktien mit hoher Dividendenrendite und hohem Kurspotenzial vor. ➝ tungssumme der 160 größten börsen- notierten deutschen Unternehmen, die im sogenannten HDAX gelistet sind, sin- ken. Obwohl laut DZ Bank zwei Drittel der deutschen Firmen ihre Dividende anheben dürften, rechnen die Experten wegen der Probleme in der Autobranche insgesamt mit einem Rückgang der Aus- schüttungssumme von 65,4 Milliarden Euro im Vorjahr auf 59,1 Milliarden Euro im laufenden Jahr. Die auf den DAX fokussierten Erwar- tungen der Dekabank-Analysten sind ähnlich. Kapitalmarktexperte Joachim Schallmayer ist allerdings überzeugt: Trotz der Schwäche der Autoindustrie werde bei den 40 DAX"Konzernen der Rekordwert von 55 Milliarden Euro aus dem Vorjahr mit voraussichtlich 52,2 Milliarden Euro „nur knapp verfehlt“. Gewinner und Verlierer. Traditionell schütten die drei großen Automobilher- steller BMW, Mercedes und Volkswagen besonders großzügige Gewinnbeteili- gungen aus. Doch bei ihnen kriselt es be- kanntlich. Nach 13,9 Milliarden Euro im vergangenen Jahr dürften die DAX"Auto- bauer nach Schätzungen der Dekabank dieses Jahr zusammen 9,9 Milliarden Euro an ihre Aktionäre auszahlen. Damit würde 2025 nicht einmal mehr jeder !ünfte „Dividenden-Euro“ von diesem Trio ausgeschüttet werden, nachdem es 2024 noch mehr als jeder vierte war, schreibt Dekabank-Experte Schallmayer in einer Analyse. BILD: NUTHAWUT SOMSUK/ISTOCK (2) 6 0 D EP OTS F Ü R 3 L EB ENSL AG EN 4 8 D IVID EN D EN & RÜ CK K ÄU F E 5 2 EINZEL A N A LYSE 6 4 KÖ NI GS ST R AT EG IE 5 4 D E U TSCH E FAVO RITE N 72 ST EU ERWIS SEN

’20 ’21 ’22 ’23 ’24 ’25 45 40 35 30 25 20 15 10 ’20 ’21 ’22 ’23 ’24 ’25 350 300 250 200 150 100 50 ’20 ’21 ’22 ’23 ’24 ’25 110 100 90 80 70 60 50 40 30 20 €URO 03|2556 WKN DWS 100 Kurs 40,80 € Börsenwert 8,1 Mrd. € KGV 2025 (erwartet) 9,7 Kurs-Buchwert-Verhältnis 0,9 Kurs-Cashflow-Verhältnis 8,9 Dividendenrendite 1 4,6 % Gesamtrendite 5 Jahre 94,1 % Stichtag: !".!#.#!#$; Quelle: BO Data Mit einer attraktiven Dividendenrendite lockt auch der Vermögensverwalter DWS. Die im SDAX notierte Fondstochter der Deutschen Bank profitiert vom Boom der Indexfonds, die sie unter der Marke Xtrackers vertreibt, und baut ihr Geschäft unter der Führung von Vorstandschef Stefan Hoops erfolgreich aus: Das verwal- tete Vermögen überschritt erstmals die Billion-Euro-Grenze. Ein geringeres Zins- niveau in Kombination mit einer anhalten- den Börsenhausse dürfte die Attraktivität des Kapitalmarkts fördern und die Nach- frage weiter ankurbeln. Auf Basis des für 2025 geschätzten Gewinns ist die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 9,7 historisch günstig. Dank ihrer schlanken Struktur strebt die DWS eine Ausschüttungsquote von 65 Prozent an. €URO-EMPFEHLUNG 1DWS WKN 840400 Kurs 302,10 € Börsenwert 116,1 Mrd. € KGV 2025 (erwartet) 10,9 Kurs-Buchwert-Verhältnis 1,8 Kurs-Cashflow-Verhältnis 7,9 Dividendenrendite 1 4,8 % Gesamtrendite 10 Jahre 248,0 % Stichtag: !".!#.#!#$; Quelle: BO Data Großzügig hat der Versicherungskonzern seine Anleger Ende 2024 überrascht: Er will sie künftig noch stärker an der Ge- schäftsentwicklung teilhaben lassen und änderte erneut seine Ausschüttungspoli- tik. In den nächsten drei Jahren wollen die Münchner mindestens drei Viertel ihres Nettogewinns über Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufe an ihre Anleger wei- terreichen. Grundsätzlich bleibt der DAX- Konzern dabei, 60 Prozent des Nettoge- winns nach Anteilen Dritter direkt auszu- schütten. Dabei soll die Dividende je Aktie stets auf Höhe des Vorjahres liegen – zu- letzt waren das 13,80 Euro. Von 2025 bis 2027 sollen zusätzlich im Schnitt mindes- tens 15 Prozent des Gewinns an die An- leger gehen, etwa über Aktienrückkäufe oder eine Sonderdividende. €URO-EMPFEHLUNG 1ALLIANZ WKN 519 003 Kurs 72,45 € Börsenwert 47,7 Mrd. € KGV 2025 (erwartet) 5,7 Kurs-Buchwert-Verhältnis 0,6 Kurs-Cashflow-Verhältnis 2,8 Dividendenrendite 1 6,7 % Gesamtrendite 10 Jahre 72,0 % Stichtag: !".!#.#!#$; Quelle: BO Data Seit 25 Jahren zahlt BMW ununterbrochen eine Dividende. Nun droht dem Stabilitäts- ausweis des DAX-Konzerns eine Schram- me: Gut möglich, dass die Münchner we- gen der Krise in der Autobranche auf ihrer Hauptversammlung im Mai eine geringe- re Ausschüttung vorschlagen. Wir rech- nen mit fünf Euro. Nichtsdestotrotz: Bei einem prognostizierten Nettogewinn von 8,5 nach 11,3 Milliarden Euro im Vorjahr errechnet sich eine Ausschüttungssum- me von 2,5 bis 3,4 Milliarden Euro. Mit einer Ziel-Ausschüttungsquote von 30 bis 40 Prozent und einer hohen Dividenden- rendite bleibt die Aktie attraktiv. Mit sei- nen E-Autos hängt BMW viele Rivalen ab. Die dafür nötigen Investitionen sollten ihren Peak überschritten haben. Für Anleger: gute Perspektiven. €URO-EMPFEHLUNG 1BMW VZ. 1 erwartete Dividende für das Geschäftsjahr 2024, auszuzahlen 2025; 2 mit Sonderdividende 3 8 D IVID EN D ENSTA RS 5 8 H V-K A L EN D ER 3 6 EIN L EIT U N GTitel Dividendeneinkommen Kurs in €Kurs in € Kurs in €

’20 ’21 ’22 ’23 ’24 ’25 35 30 25 20 15 10 ’20 ’21 ’22 ’23 ’24 ’25 50 45 40 35 30 25 20 ’20 ’21 ’22 ’23 ’24 ’25 45 40 35 30 25 20 15 €URO 03|25 57 WKN A0Z 2ZZ Kurs 28,46 € Börsenwert 3,4 Mrd. € KGV 2025 (erwartet) 8,3 Kurs-Buchwert-Verhältnis 2,1 Kurs-Cashflow-Verhältnis 8,3 Dividendenrendite 1 7,1 % Gesamtrendite 10 Jahre 104,4 % Stichtag: !".!#.#!#$; Quelle: BO Data Mit hohen und verlässlichen Ausschüt- tungen hat Vorstandschef Christoph Vila- nek das MDAX-Unternehmen zu einer Di- videndenperle herausgeputzt. Er formte den Mobilfunkanbieter zu einem breit auf- gestellten Digital-Lifestyle-Provider, der im TV-Geschäft zweistellige Wachstums- raten erzielt. Erstmals veröffentlichten die Hamburger ermutigende Mittelfrist- ziele: Bis 2028 soll das Betriebsergebnis jährlich um vier Prozent wachsen, die Ak- tionäre weiter von einer steigenden Divi- dende profitieren. Auch künftig sollen 80 Prozent des Free Cash Flow ausgeschüt- tet, der Rest abhängig vom Geschäfts- ergebnis für Aktienrückkäufe genutzt wer- den. Inmitten wirtschaftlicher Unsicher- heit taugt Freenet als defensives Invest- ment mit glänzender Dividendenrendite. €URO-EMPFEHLUNG 1FREENET WKN A3E 5D6 Kurs 40,82 € Börsenwert 4,3 Mrd. € KGV 2025 (erwartet) 15,8 Kurs-Buchwert-Verhältnis 3,0 Kurs-Cashflow-Verhältnis 13,3 Dividendenrendite 1 2,8 % Gesamtrendite 10 Jahre 54,5 % Stichtag: !".!#.#!#$; Quelle: BO Data Der Schmiermittelhersteller Fuchs – einst mit dem Zusatz Petrolub – ist ein hiesiger Hidden Champion: Seit fast 100 Jahren bietet das Mannheimer Familienunter- nehmen Öle und Schmierstoffe für nahe- zu alle Industrien und Anwendungsberei- che, ob Automotoren oder Maschinen und Anlagen in Landwirtschaft und Lebens- mittelherstellung. Trotz kriselnder Auto- industrie läuft es rund für den weltweit größten unabhängigen Anbieter. E-Mobili- tät verändert den Markt und öffnet Chan- cen: Auch E-Autos brauchen Schmiermit- tel und Getriebeöle. Überdurchschnittlich wächst Fuchs in den Regionen Asien-Pa- zifik sowie Nord- und Südamerika. Mit der 23. Dividendensteigerung in Folge ist der MDAX-Konzern auf dem besten Weg, ein Dividendenaristokrat zu werden. €URO-EMPFEHLUNG 1FUCHS VZ. WKN 861 149 Kurs 27,95 € Börsenwert 4,30 Mrd. € KGV 2025 (erwartet) 10,0 Kurs-Buchwert-Verhältnis 1,3 Kurs-Cashflow-Verhältnis 6,1 Dividendenrendite 1, 2 17,7 % Gesamtrendite 10 Jahre -34,3 % Stichtag:!".!#.#!#$; Quelle: BO Data Eine enorme Dividendenrendite verheißt RTL Group: Der Medienkonzern gilt als verlässlicher Zahler hoher Dividenden und will trotz zuletzt enttäuschender Quartalszahlen weiter 80 Prozent seines Gewinns ausschütten. Anleger wurden zudem bisher auch an Gewinnen aus Son- derverkäufen in gleichem Umfang betei- ligt. Aktuell ist ein Deal in Sicht, der eine Superdividende verspricht: Das TV-Ge- schäft in den Niederlanden wurde an DPG Media verkauft, der Gewinn beträgt 800 Millionen Euro. Insgesamt wäre eine Aus- schüttung von mehr als sechs Euro pro Aktie möglich. Doch noch steht die Frei- gabe der Kartellbehörden aus. Erfolgt die nicht bis zur Erstellung der Bilanz, gibt es immer noch eine üppige Rendite von rund zehn Prozent. €URO-EMPFEHLUNG 1RTL ➝ BILD: FANDSRABUTAN/ISTOCK, KBEIS/ISTOCK 6 0 D EP OTS F Ü R 3 L EB ENSL AG EN 4 8 D IVID EN D EN & RÜ CK K ÄU F E 5 2 EINZEL A N A LYSE 6 4 KÖ NI GS ST R AT EG IE 5 4 D E U TSCH E FAVO RITE N 72 ST EU ERWIS SEN Kurs in €Kurs in €Kurs in €

€URO 03|2560 Lösungen für jedes Alter Wie vorteilhaft Dividenden wirken können, zeigt €uro für drei Lebenslagen. Jung Vermögen aufbauen – und mit 50 Jahren oder dann im Ruhestand profitieren Manchmal scheinen Ren- ditezahlen abstrakt, selbst wenn sie angenehm hoch sind. Willkommen im wirk- lichen Leben — konkret bei breit diversi- !izierten ETFs und aktiv gemanagten Fonds, die !ür jedes Lebensalter viel!äl- tige Vorzüge vorweisen können. Fürs Leben. So zeigen wir, wie ein 25"Jähriger bis zur Rente ein Vermögen aufbaut, obwohl die eigenen Einzahlun- gen nicht einmal ein Siebtel der schönen Geldsumme ausmachen (siehe Gra!ik rechts). Und rechnen vor, wie Eltern um die 50 dank Dividenden die Ausbildung ihrer Kinder !inanzieren können, ohne die eigene Vermögensbasis angreifen zu müssen (Seite 62). Oder wie ab 65 satte 4000 Euro Zusatzrente fließen können, 20 Jahre lang, Monat !ür Monat (Seite 63). BILD: NUTHAWUT SOMSUK/ISTOCK (2) 3 8 D IVID EN D ENSTA RS 5 8 H V-K A L EN D ER 3 6 EIN L EIT U N GTitel Dividendeneinkommen

25€URO 03|25 61 400 000 300 000 200 000 100 000 0 2020201520102005200019951990 Stichtag: !"."#.#$#%; Quelle: BO Data Ansparen Mit 100 Euro im Monat konnten Anleger binnen 40 Jahren ein Vermögen von fast 400 000 Euro aufbauen In dieser Titelgeschichte können Anleger verschiedene Ansätze kennenlernen, um bestmöglich von ausgeschütteten Dividenden zu profitieren. Wer 25 Jahre alt ist und nach dem Uni-Abschluss ins Berufsleben startet, muss zunächst ein Vermögen aufbauen, aus dem regelmäßi- ge laufende Ausschüttungen resultieren. Dafür eignen sich Aktien am besten, weil Anleger damit über die Jahrzehnte hin- weg ein stattliches Vermögen aufbauen können. €uro hat dies an einem realen Beispiel durchgerechnet und dafür den populären Aktienfonds UniGlobal (ISIN: DE 000 849 105 1) von Union Investment herangezogen, mit dem Anleger seit An- fang 1960 weltweit in Aktien investieren können. Hätten Anleger von Anfang 1985 bis Ende 2024 jeden Monat 100 Euro in den UniGlobal investiert, hätten sie am Ende der 40-jährigen Ansparphase über ein Vermögen von 386 636 Euro ver- fügen können – und das, obwohl sie nur 48 000 Euro eingezahlt hätten (siehe Gra- fik). Umgerechnet hätte sich das einge- zahlte Kapital in den vergangenen 40 Jah- ren um rund 8,7 Prozent pro Jahr ver- mehrt. Der UniGlobal schüttet die Divi- denden indes aus, was für die Ansparpha- se nicht ideal ist. Anleger müssen die aus- gezahlten Dividenden dann immer wieder in das Fondsvermögen zurückinvestieren, damit sie sich erneut vermehren können. Um von diesem Aufzinsungseffekt zu profitieren, eignen sich thesaurierende Fonds und ETFs am besten, die die Divi- denden automatisch wiederanlegen. Möglich ist das zum Beispiel mit dem MSCI World ETF von SPDR (siehe Tabel- le). Damit können Anleger kostengünstig in rund 1400 Aktien aus 23 Industrielän- dern investieren. Wer auch Aktien aus den Schwellenländern beimischen möch- te, kann zum Vanguard FTSE All-World ETF greifen und auf diese Weise in rund 3650 Titel investieren. Mit dem SPDR MSCI ACWI IMI ETF können Anleger ihr Kapital darüber hinaus weltweit in Neben- werte anlegen. Der dazugehörige Index enthält sogar 8640 Titel. Auch mit über- zeugenden Aktienfonds können Anleger ein Vermögen aufbauen. Infrage kommt dafür etwa der JP Morgan Global Focus, der in rund 60 Aktien aus den Industrie- und Schwellenländern investiert und ver- gleichbare ETFs in den vergangenen drei und fünf Jahren übertroffen hat. Wer jeden Monat 100 Euro in einen Fonds oder ETF investiert, kann ein Vermögen von bis zu 400 000 Euro aufbauen. €uro sagt, wie ein 25-jähriger Jobanfänger das schaffen kann Der perfekte Plan für Jobanfänger ➝ 6 0 D E P OTS F Ü R 3 LE BE NSL AG E N 4 8 D IVID EN D EN & RÜ CK K ÄU F E 5 2 EINZEL A N A LYSE 6 4 KÖ NI GS ST R AT EG IE 5 4 D EU TSCH E FAVO RIT EN 72 ST EU ERWIS SEN Voll in Aktien investiert Globale Fonds und ETFs eignen sich am besten, um ein Vermögen aufzubauen Fonds/ETF ISIN Wertentwicklung in % Kosten p. a. in %! Jahre " Jahre JP Morgan Global Focus ! LU $#" $&! %## ' %&,$ (),) ",'" SPDR MSCI ACWI IMI ETF ! IE $$B !YL TY) ) !),) '#,$ $,"' SPDR MSCI World ETF ! IE $$B FY$ GT" % %!,( *&,' $,"# Vanguard FTSE All-World ETF ! IE $$B K&B QT* $ !*,# '%,* $,## Stichtag: !".$".#$#&; # thesaurierend; Quelle: Anbieter, BO Data Depotwert in € Summe der Einzahlungen in €

50€URO 03|2562 250 000 200 000 150 000 100 000 50 000 0 2020 2021 2022 2023 2024 Stichtag: !"."#.#$#%; Quelle: BO Data Kapital erhalten Aus guten Fonds kann man pro Monat 2000 Euro entnehmen, ohne dass das Kapital schmilzt Wer mitten im Leben steht, hat oft schon ein Vermögen aufgebaut oder besitzt eine selbst genutz- te Immobilie. Zudem kann ein großzü- giges Erbe die finanzielle Lage nochmals verbessern, um damit zum Beispiel die studierenden Kinder zu unterstützen. Einen solchen Fall hat €uro durchgerech- net. So könnte ein Elternpaar womöglich 200 000 Euro geerbt haben und fragt sich jetzt, wie viel Geld es monatlich an seine beiden Kinder überweisen kann, oh- ne dass die geerbte Summe weniger wird. Als Beispiel ziehen wir dafür wieder den UniGlobal (ISIN: DE 000 849 105 1) heran. Nehmen wir an, dass die Eltern die ge- erbte Summe von 200 000 Euro Anfang 2020 in den UniGlobal investiert hätten. Dann hätten sie danach monatlich 2000 Euro entnehmen können und hätten Ende 2024 noch über 201 437 Euro verfügt. Je- des Kind hätten sie somit mit 1000 Euro pro Monat unterstützen können, ohne fi- nanzielle Einbußen zu erleiden. Möglich war dies, weil der UniGlobal in dieser Zeit nicht nur Dividenden ausgeschüttet, son- dern auch hohe Kursgewinne erzielt hat. Rechnet man beides zusammen, hat der UniGlobal von Anfang 2020 bis Ende 2024 um 87,5 Prozent zugelegt. Umge- rechnet entspricht dies einer jährlichen Rendite von 13,4 Prozent. Ähnlich erfolg- reich war in den vergangenen fünf Jahren der Deka-GlobalChampions. Dort setzt Fondsmanager Mario Adorf vor allem auf Unternehmen aus Europa und den USA, die ihre Umsätze und Gewinne nicht nur im heimischen Markt, sondern welt- weit erzielen. Zudem investiert er bis zu 20 Prozent direkt in Aktien aus den Schwellenländern. Sowohl der Deka- GlobalChampions als auch der UniGlobal schütten die Dividenden aus. Allerdings setzen sie nicht gezielt auf Aktien, die überdurchschnittlich hohe Dividenden- renditen aufweisen. Dies ist der Fall beim JP Morgan Global Dividend. Dort sollen die 60 bis 80 Fondstitel eine höhere Divi- dendenrendite und ein höheres Dividen- denwachstum aufweisen als die rund 2650 Aktien im MSCI ACWI Index. Ver- gleichbar agiert der Vanguard FTSE All-World High Dividend Yield ETF. An- leger setzen mit dem Vanguard-ETF auf 2147 Aktien, die unter den 4247 Titeln im FTSE All-World Index die höchsten Dividendenrenditen aufweisen. Wer 200 000 Euro erbt, kann pro Monat 2000 Euro an seine Kinder überweisen – und hat am Ende immer noch genauso viel Geld wie vorher. €uro erklärt, wie das geht So hilft man seinen Kindern BILD: NUTHAWUT SOMSUK/ISTOCK (3) 3 8 D IVID EN D ENSTA RS 5 8 H V-K A L EN D ER 3 6 EIN L EIT U N GTitel Dividendeneinkommen Kursgewinne und Dividenden Anleger können weltweite Fonds und ETFs für Auszahlpläne nutzen Fonds/ETF ISIN Wertentwicklung in % Kosten p. a. in %! Jahre " Jahre Deka-GlobalChampions ! DE $$$ DK$ ECU * %&,$ *%,( ",&$ JP Morgan Global Dividend ! LU $!# (#$ #"' ( #*,* '"," ",') UniGlobal ! DE $$$ *%( "$& " %"," (",' ",%& Vanguard World High Div. ETF ! IE $$B *GK DB" $ #(," &%,$ $,#( Stichtag: !".$".#$#&; # ausschüttend; Quelle: Anbieter, BO Data Depotwert in € Summe der Auszahlungen in €

65€URO 03|25 63 1 000 0000 750 000 500 000 250 000 0 2006 2008 2010 2012 2014 2016 2018 2020 2022 2024 Stichtag: !"."#.#$#%; Quelle: BO Data Kapital verzehren Beim UniGlobal konnte man 20 Jahre lang monatlich 4000 Euro entnehmen Wer seinen verdienten Ruhestand erreicht hat, bekommt fortan seine gesetzliche Rente ausge- zahlt und kann vielleicht auch monatliche Einnahmen aus der betrieblichen Alters- vorsorge vereinnahmen. Wer dazu noch ein privates Vermögen von 500 000 Euro angespart hat, muss seinen gewohnten Lebensstandard kaum einschränken. Man könnte in dieser Lage sogar über- legen, sein privates Vermögen in Höhe von 500 000 Euro binnen der nächsten 20 Jahre komplett zu verzehren. Auch dieses Beispiel hat €uro anhand des UniGlobal (ISIN: DE 000 849 105 1) durch- gerechnet. In diesem Fall betrachten wir den Zeitraum von Anfang 2005 bis Ende 2024. In dieser Zeit hätte man pro Monat 4000 Euro aus dem UniGlobal entneh- men können und sein Kapital in dieser Zeit fast verzehrt. Übrig geblieben wäre eine Restsumme von rund 45 000 Euro. Eine monatliche Entnahme von 4000 Eu- ro ist sehr üppig und war möglich, weil der UniGlobal in den vergangenen 20 Jahren inklusive der Dividenden um fast zehn Prozent pro Jahr zugelegt hat. Anleger sollten aber in Betracht ziehen, dass Akti- enfonds vorübergehend stark verlieren können. So büßte der UniGlobal im Jahr 2008 zum Beispiel rund 35 Prozent ein. Wer mit solchen Rückschlägen schlecht schlafen kann, sollte sich für defensivere Fonds entscheiden – auch wenn die 4000 Euro pro Monat damit nicht mehr erreichbar wären. Beim Allianz Dynamic Multi Asset Strategy SRI 75 hält Fonds- manager Marcus Stahlhacke nicht fix 75 Prozent in Aktien, sondern variiert diesen Anteil meist zwischen 50 und 100 Prozent. Derart flexible Fonds über- zeugen nicht immer. Der Allianz-Fonds zählt auf lange Sicht aber zu den besten aktienlastigen Mischfonds. In den ver- gangenen drei und fünf Jahren übertraf er sogar den DWS Top Dividende, bei dem Fondsmanager Thomas Schüßler in aus- schüttungsstarke Aktien investiert und größere Rückschläge vermeiden möchte. Ähnlich vorsichtig investiert Fondsma- nager Jan Ehrhardt beim DJE Zins & Divi- dende, wobei er maximal bis zu 50 Pro- zent in Aktien anlegen darf (siehe auch Seite 76). Noch defensiver agiert der Allianz Income and Growth, der je ein Drittel in Aktien, Hochzinsanleihen und Wandelanleihen aus den USA hält. Haben Sie als Rentner 500 000 Euro auf der Seite liegen und können das Vermögen aufbrauchen? Dann sind pro Monat 4000 Euro Zusatzrente für Sie erzielbar So sind 4000 Euro Zusatzrente drin ➝ 6 0 D E P OTS F Ü R 3 LE BE NSL AG E N 4 8 D IVID EN D EN & RÜ CK K ÄU F E 5 2 EINZEL A N A LYSE 6 4 KÖ NI GS ST R AT EG IE 5 4 D EU TSCH E FAVO RIT EN 72 ST EU ERWIS SEN Ohne volles Risiko Wer das Risiko eines 100-prozentigen Aktienanteils scheut, kann zu diesen Fonds greifen Fonds ISIN Wertentwicklung in % Kosten p. a. in %! Jahre " Jahre Allianz D. Multi Asset SRI "# ! LU "$* ($* *!" " #&,% &%,) ",'& Allianz Income and Growth ! LU $() %*$ '*% & #%,( &",$ ",&& DJE Zins & Dividende ! LU $&& !") %'! " "#,# #'," ",)( DWS Top Dividende ! DE $$$ (*% *"" ( "),* #*,) ",%& Stichtag: !".$".#$#&; # ausschüttend; Quelle: Anbieter, BO Data Depotwert in € Summe der Auszahlungen in €

72 €URO 03|25 Dem Fiskus entkommen Wo es etwas für Anleger zu holen gibt, ist erfahrungsgemäß das Finanzamt nicht weit. Mit der richtigen Steuerstrategie können Aktionäre ihre Ausschüttungen 2025 optimieren 3 8 D IVID EN D ENSTA RS 5 8 H V-K A L EN D ER 3 6 EIN L EIT U N GTitel Dividendeneinkommen

73€URO 03|25 Zum Start der Hauptversamm- lungssaison 2025 steigt bei vie- len Anlegern die Vorfreude auf Dividendenzahlungen. Wer ein international ausgerichtetes Depot hat, sollte aber auch auf die !iskalischen Fein- heiten achten. Denn bei ausländischen Titeln können Quellensteuern die Netto- Dividendenrendite spürbar schmälern. Diese Grundregeln und Details bei der Besteuerung von Ausschüttungen soll- ten Aktionäre jetzt parat haben. Deutsche Dividenden. Auf Ausschüt- tungen behält der Fiskus 25 Prozent Ab- geltungsteuer ein. Zudem gehen 5,5 Pro- zent Solidaritätszuschlag und gegebe- nenfalls Kirchensteuer — je nach Bundes- land acht oder neun Prozent — ab. Daraus resultiert !ür Kapitalerträge eine Ge- samtsteuerlast von bis zu 27,99 Prozent. Depot!ührende Stellen !ühren die !älli- gen Abgaben an die zuständigen Finanz- ämter ab. Der Steuerabzug lässt sich ver- meiden oder zumindest abmildern. Da- !ür müssen Anleger Kapitaleinkünfte bei der Depotbank via Freistellungsauftrag bis zur Höhe ihres Sparerpauschbetrags (1000 Euro Alleinstehende, 2000 Euro zusammen veranlagte Partner) von der Pauschalabgabe befreien lassen. US-Dividenden. Besitzer von US"Aktien müssen auf Dividendenzahlungen pau- schal 30 Prozent der Ausschüttung als Quellensteuer an den amerikanischen Fiskus ab!ühren. Hat die Depotbank ge- genüber den US"Steuerbehörden den Sta- tus eines „Quali!ied Intermediary“, wird nur ein ermäßigter Satz von 15 Prozent einbehalten, der dann vom Fiskus voll auf die deutsche Steuerschuld (25 Pro- zent) angerechnet wird. Andernfalls ist eine Erklärung !ür „beschränkt Steuer- pflichtige“ in den USA nötig, um zu viel gezahlte Abgaben zurückzuholen. For- mulare sind hier unter irs.gov abrufbar. Französische Dividenden. Bei Aus- schüttungen gilt ein Quellensteuersatz von 30 Prozent. Davon werden 12,8 Pro- zent auf die deutsche Abgeltungsteuer (25 Prozent) angerechnet. Die verblei- benden 17,2 Prozent können sich Aktio- näre über ein Erstattungsverfahren in Frankreich zurückholen, benötigen da- !ür aber die Hilfe ihrer Depotbank und des Datendienstleisters Clearstream. Wegen der hohen Gebühren lohnt sich dies nur bei großen Dividendensummen. Großbritannien-Dividenden. In punc- to Quellensteuern auf Dividenden und Zinsen bleibt Großbritannien eine Insel der Seligen. Alle Ausschüttungen auf Konten ausländischer Anleger erfolgen vor Ort abgabenfrei. Ist der Freistellungs- auftrag in Deutschland ausreichend hoch, fließen Großbritannien-Dividen- den sogar komplett steuerfrei. Italien-Dividenden. Auf Ausschüttun- gen aus Bella Italia sind vor Ort 26 Pro- zent Quellensteuer !ällig. Davon werden von der Depotbank 15 Prozent auf die deutsche Abgeltungsteuer angerechnet. Die restlichen elf Prozent können Anle- ger innerhalb von vier Jahren vom ➝ BILD: NUTHAWUT SOMSUK/ISTOCK (2) 6 0 D EP OTS F Ü R 3 L EB ENSL AG EN 4 8 D IVID EN D EN & RÜ CK K ÄU F E 5 2 EINZEL A N A LYSE 6 4 KÖ NI GS ST R AT EG IE 5 4 D EU TSCH E FAVO RIT EN 7 2 S TE U E RWIS SE N

€URO 04|2528 30 EINLEITUNG Warum jetzt der ideale Zeitpunkt ist, in Dauersieger mit robusten Renditen zu investieren 32 BURGGRABEN Die Unternehmen mit den stärksten Geschäftsmodellen müssen keine Wettbewerber fürchten 38 MEGATRENDS Mit den richtigen Aktien an den wirklich mächtigen Entwicklungen unserer Zeit mitverdienen

€URO 04|25 29 BILD: MICROSTOCKHUB/ISTOCK [M] Stabil und seriös, innovativ und effizient: So wünscht sich der Investor Aktien zum Kaufen, Halten und langfristig Verdienen. €uro hat 25 solcher Perlen ausgewählt. Plus: die richtigen Fonds und ETFs fürs Leben VON STEPHAN BAUER, GREGOR DOLAK, RALF FERKEN UND FRANK MERTGEN 56 FONDS Vier Strategien, um mit ETFs und aktiv gemanagten Fonds für Jahrzehnte an hohen Aktienerträgen zu partizipieren 48 DOSSIER TECHNIK Tech-Trends von Chips bis Roboter in der Zahlenanalyse – mit besonderem Blick auf die Position Deutschlands 52 FAMILIENWERTE Wissenschaftlich bewiesen: An Börsen notierte Familienunternehmen sind langfristig besonders erfolgreich Titel Aktien fürs Leben AKTIEN FÜRS LEBEN

€URO 04|2530 3 0 EINLEITU N G Die Volatilität an den Aktien- märkten wird über die erwar- teten Kursschwankungen am Optionsmarkt gemessen, so werden die „Angst-Indizes“ VIX in den USA und VDAX!NEW errechnet. Beide In- dizes notierten Anfang März bei Werten um 20, die Märkte signalisierten damit noch ein recht ruhiges Marktumfeld. Dagegen sind Weltpolitik und deut- sche sowie europäische Politik volatil wie selten zuvor. Das liegt am irrlichtern- den US!Präsidenten Donald Trump. Jetzt muss in Europa bei der Stärkung der Ver- teidigungs"ähigkeit gelingen, was über Jahrzehnte verschleppt wurde. Der Rah- men "ür Wirtschaft und Finanzmärkte kann sich jederzeit schnell verändern. Beruhigende Klarheit. In diesem Um- feld erscheint nichts attraktiver als Aktien von Unternehmen mit klaren Strategien, "ähigem Management, über- legenen Geschäftsmodellen, Innovations- stärke und Ausrichtung am Aktionärs- interesse — zusammengefasst wahren Aktien "ürs Leben. €uro hat in drei Be- reichen 25 solcher Aktien "ür Sie identi- "iziert plus vier Strategien, um mit Fonds und ETFs auf Jahrzehnte von starken Aktienerträgen zu pro"itieren (Seite 56). Für die Aktien galt eine Vorgabe: Mög- lichst jede sollte in den vergangenen zehn Jahren eine Gesamtrendite (inklu- sive wiederangelegte Dividende) über den acht, neun Prozent erzielen, die Ak- tien im langjährigen Mittel erreichen. Nachhaltig im Vorteil. Die erste Grup- pe umfasst Unternehmen, die überra- gende Marktpositionen erobert haben und oft noch ausbauen. Nachhaltige Wettbewerbsvorteile schützen sie vor dem Wettbewerb wie ein mächtiger Burggraben. Eine starke Marke, unan- greifbare Patente, Netz werkeffekte und Kostenvorteile — der Stoff, aus dem An- legerträume bestehen. Beispiel "ür den Netzwerkeffekt ist Alphabet. Die Kali- fornier kommen mit der Suchmaschine Google auf 90 Prozent Marktanteil und sammeln darüber günstig einen giganti- schen Datenschatz, um ihre Position in der Ära der künstlichen Intelligenz noch auszubauen. Unsere Burggraben-Favori- ten von Apple bis Visa (Seite 32), echte Dauerbrenner, haben in den vergange- nen zehn Jahren im Schnitt eine Rendite von 24,2 Prozent erzielt. Mit dem Trend im Bund. Von der glo- balen Unruhe war schon die Rede, eine Lage, in der die Morgan-Stanley-Anlage- strategin Lisa Shalett im Februar ihren Kunden unter anderem empfahl, „sich auf Unternehmen zu konzentrieren, die mit langfristigen Markttrends überein- stimmen“. Das rät €uro auch, konkret den Einstieg in Aktien, die von Mega- trends pro"itieren, die unser Leben auf Jahrzehnte prägen werden. Sie verspre- chen langfristiges, strukturelles Wachs- tum. €uro hat zwölf Megatrends und je eine Aktie identi"iziert, um deren Chan- cen zu nutzen (Seite 38). Zum Beispiel den KI!Trend mit Meta und den Boom der Industrieroboter mit Rockwell Automa- tion. Im Schnitt kommen zehn der Kon- zerne "ür die letzten zehn Jahre auf einen Total Return von im Schnitt 23 Prozent. Family first. Unsere dritte Gruppe hochwertiger und beständiger Unter- nehmen hat eines gemeinsam: Familien haben dort einen beherrschenden Ein- fluss. „Ein Gründer ist per De"inition ein Unternehmer und "ördert eine Kultur der Innovation und agilen Entschei- dungs"indung“, schwärmt die Schweizer Bank Pictet. „Die besten Familienunter- 32 BURGG R ABEN 3 8 MEG ATRENDS Titel Aktien fürs Leben BILD: MICROSTOCKHUB/ISTOCK [M] Der GebertBrief: Vertrauen Sie auf über 20 Jahre Er- fahrung. Mit dem GebertBrief bauen Sie Ihr Vermögen mit geringem Risiko auf. Der Erfolgsindikator, um den DAX langfristig zu schlagen. Mehr erfah- ren Sie unter www.gebertbrief.de Andreas Lipkow: Erfolgreich strategisch anlegen Börsenbuch Verlag 320 Seiten, 29,90 € ISBN: 978-3-86470-930-2 Die Aktienanlage ist statistisch eine der sichersten Methoden, um Wohlstand aufzubauen. Börsenexperte Andreas Lipkow klärt auf.

Marketing-Anzeige Ausgezeichnet anlegen mit Dr. Jan Ehrhardt Dies ist eine Marketing-Anzeige. Bitte lesen Sie den Verkaufsprospekt des betreffenden Fonds und das PRIIPs-KID, bevor Sie eine endgültige Anlageentscheidung treffen. Darin sind auch die ausführlichen Informationen zu Chancen und Risiken enthalten. Diese Unterlagen können in deutscher Sprache kostenlos auf www.dje.de unter dem betreffenden Fonds abgerufen werden. Eine Zusammenfassung der Anlegerrechte kann in deutscher Sprache kostenlos in elektronischer Form auf der Webseite unter www.dje.de/zusammenfassung-der-anlegerrechte abgerufen werden. Alle hier veröffentlichten Angaben dienen ausschließlich Ihrer Information, können sich jederzeit ändern und stellen keine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung dar. Auszeichnungen und langjährige Erfahrung garantieren keinen Anlageerfolg. und dem ausgewogenen Mischfonds DJE-Zins & Dividende ANZEIGE nehmen haben bewiesen, dass sie diesen Unternehmergeist über Generationen hinweg bewahren können.“ Langfristige Wertschöpfung gelingt tatsächlich, und zwar weit besser als Börsen"irmen ohne Familieneinfluss, wie wissenschaftliche Studien zeigen (Seite 52). €uro hat sieben solcher Unter- nehmen ausgewählt, vom Mittelständler als Geheimtipp, der einer der Weltmarkt- "ührer seiner Branche ist (Maschinen- bauer Burckhardt Compression), bis hin zum umsatzstärksten Unternehmen der Welt, dem US!Handelsgiganten Walmart. Zehn Jahre 20 Prozent verdienen. Insgesamt erreichen 23 der 25 Aktien mit Zehn-Jahres-Historie in diesem Zeitraum eine durchschnittliche Jahresrendite von 20,1 Prozent. Auf die lange Frist von 20 Jahren schaffen unsere sieben Fami- lienaktien im Schnitt 15,2 Prozent Rendi- te per annum — damit würden in 16,5 Jah- ren aus 50 000 Euro satte 500 000 Euro. Die 17 Konzerne mit mindestens "ünf- jähriger Dividendenhistorie wiederum erhöhten im Schnitt die Ausschüttung in diesem halben Jahrzehnt um 13 Prozent jährlich. Werte "ürs Leben eben. Konzentrieren Sie sich auf Unternehmen, die mit langfristigen Markttrends übereinstimmen.“ Lisa Shalett, Chief Investment Officer im Wealth Management von Morgan Stanley 4 8 D OS SIER TECHNIK 52 FAMILIENWERTE 5 6 FO NDS ➝

€URO 04|2532 Formel-1-Legende: Ferrari ist mit 15 Weltmeister- und 16 Konstrukteurstiteln die erfolgreichste Marke des Rennzirkus Titel Aktien fürs Leben

€URO 04|25 33 Die Versuchung ist !ür Börsia- ner bisweilen groß. Da war etwa der Hype um Peleton: Die Aktie des Anbieters von In- door-Trainingsbikes verzehnfachte sich zwischen März 2020 und Januar 2021. Der Börsenüberflieger bot Onlinetrai- ning und -coaching !ür Radsportler an, in der Pandemie funktionierte die Ge- schäftsidee exzellent. Doch dann radel- te Peleton nur noch talwärts. Biker woll- ten an die frische Luft, Alternativen waren günstiger. Für das Weihnachts- quartal wies Peleton zuletzt weit höhere Verluste aus als erwartet. Vom Hoch bei 170 Dollar ist die Aktie mit einem Kurs um zehn Dollar so weit entfernt wie Hob- byradler von der Tour de France. Berkshire macht es vor. Warren Buf- fett wäre wohl niemals auf die Idee ge- kommen, Peleton zu kaufen. „Alle unse- re Beteiligungen haben eines gemein- sam: einen nachhaltigen Wettbewerbs- vorteil, der ihr Geschäft schützt“, sagt der Gründer von Berkshire Hathaway. Die Investorenlegende fordert einen „Moat“, einen Burggraben, von allen Investments der Holding. Anders als bei Peleton soll ihr Geschäftsmodell Jah- re, besser Jahrzehnte vor Angriffen ge- schützt sein. Haben Unternehmen große, breite Burggräben, dann taugen ihre Aktien bisweilen !ür ein ganzes Leben. Doch was genau de!iniert Breite und Tiefe sol- cher Gräben? Viele Anlagestrategen ha- ben sich, inspiriert von Buffetts Erfolg, mit Moats beschäftigt. Das US"Analyse- haus Morningstar entwickelte daraus einen systematischen Ansatz. Patrick Dorsey leitete über zehn Jahre das Ak- tienresearch von Morningstar und !ührt heute mit Dorsey Asset Management sei- ne eigene Vermögensverwaltung. „Im Lauf der Zeit werden überdurchschnitt- liche Kapitalrenditen in aller Regel durch den Wettbewerb verwässert“, sagt der Experte, der ausschließlich auf Moat-Ak- tien setzt. „Einige Firmen schaffen es mit ökonomischen Burggräben, diesen Zeit- raum deutlich zu verlängern“, so Dorsey. Vier Kerneigenschaften hat der Fondsmanager identi!iziert, die Dauer- haftigkeit erzeugen: Es sind immateriel- le Vermögenswerte wie Marke, Patente oder Zulassungen, zudem hohe Wechsel- kosten !ür Kunden, hinzu kommen Netz- werkeffekte und Kostenvorteile. Mehr als pure Marke. Ein sehr promi- nentes Beispiel ist Coca-Cola. Die Marke ist eine der bekanntesten weltweit, der Konzern hält das Rezept !ür die Brause seit fast 140 Jahren geheim. Kostenvor- teile des weltweiten Vertriebs- und Ab- !üllernetzes kommen hinzu. Es greifen also gleich mehrere Moat-Aspekte, die Aktie ist eines der ältesten Buffett-Invest- ments. Und doch gibt es einen Haken. „Bekanntheit, über viele Jahrzehnte mit Werbung teuer aufgebaut, kann heute schneller angegriffen werden. Über digi- tale Kanäle können neue Marken ef!izi- enter und schneller aufgebaut werden“, sagt Dorsey. Konsumgüter seien beson- ders angreifbar, so der Experte. Tatsäch- lich sinkt die Gesamtrendite der Aktie: Der Zehn-Jahres-Schnitt liegt bei acht Prozent, in den vergangenen !ünf Jahren !iel die Rendite unter !ünf Prozent. Nachhaltiger sind hohe Wechselkos- ten: Je tiefer Produkte oder Dienste in Produktionsabläufe von Unternehmen oder in Lebensgewohnheiten der Men- schen eingebettet sind, desto aufwen- diger wird es, sie zu ersetzen. Allerdings sei es wichtig, dass Unternehmen einen solchen Vorteil nicht durch übermäßige Preiserhöhungen strapazierten, so Dor- sey. Bei Kostenvorteilen ist es ein Unter- schied, ob Firmen günstiger produzie- ren, weil sie sich neuer Verfahren be- dienen, oder ob sie echte Skaleneffekte haben. Methoden, so Dorsey, könnten Konkurrenten auch schnell überneh- men, falls sie nicht patentgeschützt sind. Wirkliche Größe sei hingegen deut- Die Kunst des Vorsprungs Warren Buffett liebt Unternehmen mit speziellem Schutz. Die Börsenlegende nennt es „Burggraben“ – es geht dabei stets darum, Marktposition und Margen lange zu behaupten BILD: FERRARI Robert G. Hagstrom: Warren Buffett Börsenbuch Verlag, 352 Seiten, 24,99 € ISBN: 978-3-86470-375-1 Die Investmentmethode des Meis- ters, verdeutlicht anhand vieler Bei- spiele. Alle wichtigen Käufe in der Karriere von Warren Buffett wer- den skizziert und analysiert. Ganz normale Investoren profitieren so von Buffetts einzigartigem Erfolg. ➝ 32 BU RGGR ABEN

€URO 04|2538 Meta-Chef Mark Zuckerberg: KI verschafft Besitzern der Ray-Ban-Datenbrille tiefere Einsichten – bislang aber erst in den USA Titel Aktien fürs Leben

€URO 04|25 39 Sprach man vor zehn Jahren über Megatrends, so !ielen Begriffe wie Digitalisierung, Elektri!izie- rung, Klimawandel oder Urbani- sierung. Diese Strömungen wirken nach wie vor dynamisch auf die Wirtschaft. Doch heute zieht sich eine Querschnitts- technologie wie ein roter Faden durch eine Reihe rasch wachsender Märkte: künstliche Intelligenz. Die KI"Revolution, die an Tausenden von Anknüpfungspunkten in der Wirt- schaft wirkt, lässt sich vielfach kaum von Trends trennen. KI hilft bei alltäglichen Vorgängen wie der Internetsuche oder dem Videodreh !ür die Social-Media- Plattform, sie erhöht weltweit die Nach- frage nach elektrischer Energie, lässt Autos autonom fahren und macht auto- matisierte Produktion intelligent. KI lässt Schadsoftware und Hacker- angriffe wie auch physische Attacken in Kriegsgebieten kritischer denn je wer- den und erzeugt eigene Gefahren. Sie unterstützt zugleich Mediziner bei der Behandlung von Krankheiten oder bei der Wirkstoffforschung und ermöglicht ef!iziente Hightech-Landwirtschaft. Mit KI-gestützten Simulationen schätzen Ma- thematiker die Risiken von Schadenser- eignissen durch den Klimawandel weit- aus exakter ein und erleichtern so das Management einer Rückversicherung. Megatrend der Megatrends. KI treibt die Geschäfte von Millionen Unterneh- men. Den kalifornischen Tech-Riesen Meta Platforms haben wir im Folgenden beim Megatrend KI herausgehoben, weil der Konzern selbst große Sprachmodel- le entwickelt und zugleich sein gesamtes Geschäftsmodell auf KI-optimierten Al- gorithmen aufbaut. Die Entwicklung ei- ner Datenbrille in Zusammenarbeit mit dem italienischen Optikkonzern Essilor- Luxottica unter dessen Marke Ray-Ban, die als KI"Übersetzer !ür unterwegs ge- dacht ist oder von ihrem Träger betrach- tete Objekte gleich in dessen Kommuni- kation einbindet, ist da nur die Kirsche auf der Torte. Der Begriff Megatrend steht !ür eine als nachhaltig befundene Tendenz be- stimmter Märkte, die sonstigen wirt- schaftlichen Aktivitäten zu überragen. Megatrend-Märkte stechen mit beson- ders hohem wie nachhaltigem Potenzial heraus, sie wachsen deutlich dynami- scher als die globale Ökonomie. Deshalb eignen sich Aktien von Unternehmen, die auf solchen Märkten exzellent posi- tioniert sind, besonders gut als lang- fristige, womöglich auch als lebenslange Depotpositionen. Dynamik gesucht. Der Blick in die Zu- kunft, die Einschätzung des Potenzials, ist dabei naturgemäß durch Unschärfen und Unsicherheiten getrübt. Prognosen sind fließend, die teilweise enorme Vari- anz der Erwartungen spiegelt das wider. Beispiel KI: Die Analysten der Bank of America etwa schätzen das Wachstum des globalen Umsatzes mit der Techno- logie bis 2027 auf jährlich rund 19 Pro- zent. Die US"Marktforscher von Grand View Research rechnen dagegen bis zum Jahr 2030 mit beinahe dem doppelten Tempo. Ob die von ihnen geschätzte Be- schleunigungsrate von fast 37 Prozent pro Jahr näher an der geschäftlichen Wirklichkeit liegt, wird sich zeigen. Mit Weitblick zum Vermögen Nichts hilft bei der Aktienanlage mehr als nachhaltiges Wachstum. !uro analysiert zwölf globale Megatrends – und jeweils ein Unternehmen, das besonders stark profitiert ➝ BILD: DAVID PAUL MORRIS/BLOOMBERG Michael W. Covel: Das Trendfollowing-Mindset Börsenbuch Verlag, 288 Seiten, 29,90 € ISBN: 978-3-86470-786-5 Michael Covel erklärt mit dem be- kannten Investor Tom Basso, was Trendfolge ist und warum sie so gut funktioniert. Zudem gibt Covel An- leitungen zum Aufbau eines Han- delssystems, Positionsgrößen und Work-Life-Balance eines Traders. Prozent soll der globale Umsatz mit KI-Techno- logie im Schnitt pro Jahr bis 2030 wachsen. Quelle: Grand View Research 36,6 3 8 MEGATRENDS

USA 50 Südkorea 14 EU 13 Japan 9 Taiwan 7 China 7 Taiwan 72 Südkorea 9 China 6 USA 5 Andere 8 ’17 ’18 ’19 ’20 ’21 ’23’22 ’24 650 600 550 500 450 400 Halbleiter €URO 04|2548 Aufholjagd in Digitalien Roboter, Computerchips, Datenwolke, Hard- und Software: Wie gut sich der Tech-Standort Deutschland im internationalen Vergleich behauptet VON GREGOR DOLAK Quelle: Semiconductor Industry Association, Statista, Gartner, Firmenbilanzen Designer. US-Firmen entwickeln Halb- leiter, lassen viel in Asien produzieren Taiwan führt. TSMC produziert für Apple, Broadcom, Qualcomm, Nvidia Wachstumsmarkt. Ohne Prozessoren kommen Handys, PCs und KI nicht aus Chip-Hunger. Anbieter sind auf Kunden aus der Auto- oder Elektronikindustrie spezialisiert. Viele lassen ihre Produkte von Foundries wie TSMC herstellen 90,0 Taiwan Semiconductor Manufacturing Co. 32,4 Qualcomm 18,9Apple 12,6 NXP Semiconductors 7,1 United Microelectronics Corp. 66,5 Samsung Electronics 27,8Micron Technology 16,0In!ineon 9,4 Analog Devices 6,8 Global Foundries27,6Broadcom 15,6 Texas Instruments 8,9 Renesas 6,4 Rapidus 3,2 Kioxia 42,8 SK Hynix 23,9 AMD 13,3 ST Microelectronics 7,4 SMIC 3,7 ARM 1,4 Tower Semiconductor 53,1Intel 46,0 Nvidia Titel Aktien fürs LebenTitel Aktien fürs Leben Anteile am weltweiten Halbleiterverkauf in % Anteile an Halbleiterproduktion in % Umsatz weltweit mit Halbleitern in Mrd. US-$ Börsennotierte Halbleiter!irmen nach Umsatz 2024 in Mrd. US-$ USA Taiwan Südkorea Deutschland Schweiz Niederlande Japan Großbritannien China Israel

PrognoseCloud KI ’20 ’21 ’22 ’23 ’24 ’26 ’27’25 ’28 150 125 100 75 50 25 0 €URO 04|25 49 ➝ Quelle: Cushman & Wake!ield, Bilanzen der Unternehmen, Statista KI-Fokus. Datenzentren werden stärker auf künstliche Intelligenz ausgelegt Big Tech investiert. Die führenden US-Firmen bauen ihre Datenpower massiv aus. Mit Abstand folgen SAP oder Rechenzentrenspezialist Equinix USA Anzahl Rechenzentren: 5381 Rechenpower in Gigawatt (GW): 17 Größtes Ökosystem nach Rechenpower in Megawatt: Virginia: 4907 BILD: BUAKHIAO/STOCK.ADOBE.COM, TARRAS79/ISTOCK "#$% "#"&"#"$"#"# "#"'"#"" "#"( 4 8 D OS SIER TECHNIK Rechenzentren Weltweiter Umsatz mit Cloud- und KI- Rechenzentren in Mrd. US-$ Zugang Strom- generatoren Arbeitsplätze Mitarbeiter Tech-Unternehmen nach Investitionen in Rechenzentren in Mrd. US-$ Größte Datenverarbeiter. Hinter den USA reihen sich Europa, Asien, Rest-Amerika ein Land Anzahl Rechenzentren Rechenpower in GW Größtes Ökosystem, Rechenpower in GW USA "#$% $),# Virginia ',% Deutschland "&% &,$ Frankfurt #,) Großbritannien "%' &,& London $,$ China ''( &,% Peking ",% Kanada ##) ',# Toronto #,& Frankreich #%" "," Paris #,( Australien #*+ $," Sydney #,* Niederlande &(+ ",( Amsterdam $,# Japan &%( &,& Tokio ",) Mexiko %+* $,# Querétaro #,$ Italien %)$ #,) Mailand #," Indien %"& $,$ Mumbai #,) Spanien %'# #,+ Madrid #," Singapur "% $,# Hongkong '$ #,+ Stand: Mitte 2024 $&# $"# $$# $## %# *# )# +# (# '# &# "# $# # Zentrale Einheit: RechenserverSicherheitsschleuse Kühlaggregate Microsoft, USA SAP, D Alphabet, USA Dell, USA Amazon, USA Oracle, USA Meta, USA Equinix, USA

’14 ’15 ’16 ’17 ’18 ’19 ’20 ’21 ’23’22 ’24 5 4 3 2 1 0 €URO 04|2550 4 8 D OS SIER TECHNIK Quelle: Statista, Int. Federation of Robotics Je billiger, desto Roboter. Seit Mitte der 1990er-Jahre ist der durchschnittliche Preis für einen Industrieroboter auf ein Zehntel geschrumpft. Der weltweite Absatz der Hightech-Maschinen hat sich derweil nahezu verzehnfacht $"# ### *# ### Kollege Maschine. Am stärksten automatisiert sind Südkoreas Fabriken Metallarbeiter. Hightech-Maschinen in Fertigung, Logistik, Dienstleistung !"!# Südkorea $!%Japan $&"China '"( Dänemark #%) USA &&"Singapur '$& Schweden $#%Deutschl. '"# Schweiz #($ Niederlande '# ###$## ### +# ### "# ### Robotik Titel Aktien fürs Leben Roboterdichte 2023 in Einheiten je 10 000 Arbeitnehmer Roboter in Fabrikhallen weltweit in Mio. Stück Roboterpreis in US-$ Verkaufte Stückzahl 4,7 Millionen Roboter weltweit ((# ### (## ### '(# ### '## ### &(# ### &## ### "(# ### "## ### $(# ### $## ### (# ### # ’%( ’%& ’%* ’%% ’"" ’"! ’"# ’"' ’"$ ’") ’"% ’!" ’!! ’!# ’!' ’!$ ’!) ’!( ’!& ’#" ’#$ ’"( ’"& ’"* In dieser Ära standen die meisten Roboter in Fabriken der Autoindustrie Zur Jahrtausendwende sind 742 500 Industrie- roboter weltweit im Ein- satz. Mehr als die Hälfte davon in Japan Amazon setzt in seinen Lagern Roboter ein Bereits 45 000 Roboter bei Amazon Rund 1,8 Millionen Industrieroboter weltweit. Südkorea hat inzwischen die höchste Auto- matendichte Schätzung

Offene Stellen: $)# ### Offene Stellen: ""# ### Offene Stellen: '*# ### China 40 Taiwan 12 Hongkong 11 USA 10 Mexiko 7 Vietnam 7 Niederlande 4 Deutschland 4 Tschechien 3 Singapur 2 Offene Stellen: $"# ### €URO 04|25 51 Quelle: World Top Exports, Firmenbilanzen, Statista, Precedence, Axios Bauteilmeister. Chinas Firmen fungieren als Zulieferer für andere !&*,& '!,) $&,* Asiens Riesen. Mit günstigen Rechnern fluten die Hersteller die Welt !*,) !',% )',' '",) $$,& !&,* !#,& China Mexiko Hongkong Niederlande Tschechien Taiwan Vietnam USA Deutschland Singapur PC, Laptop, Tablet, Handy, Konsole. Alles, worauf Nutzer tippen und spielen BILD: PHONLAMAIPHOTO/ISTOCK, ACER Hard- und Software Marktanteil Hardware und Zubehör nach Ländern in % Umsätze von Hardware-Markenherstellern in Mrd. US-$ Exporte von Computer-Hardware und -Zubehör 2023 in Mrd. US-$ #*,&"#"' #',""#$* #(,""#"" #$,)"#"# #',%"#$% #),("#"$ #&,&"#"& "#"'"#$* "#$% "#"# "#"$ "#"" "#"& +&#,+ +",* +"%,% -"$,$ +"(,& -*,' -$&,% -",( Veränderung 2018–2024 in % Fest in Amerikas Hand. US-Firmen dominieren den Software-Markt ($,* '$,# )'," !(,' !!," (#,% #!,) '&,# !#," (,# Microsoft SAP Oracle Intuit ServiceNow IBM Adobe Salesforce ADP Dassault Systèmes Top Ten Software-Hersteller nach Umsatz 2024 in Mrd. US-$ Coder gesucht. Wer programmiert, zählt zu den begehrten Arbeitnehmern Software-Entwickler weltweit nach Anzahl in Mio. USA Deutschland Frankreich Digitalexpansion. Programme für Computer erzielen Rekordumsätze Software-Umsatz weltweit in Mrd. US-$ "#"#: )'# "#"$: )&) "#"": (!" "#"': &"# "#"(: *#$ "#"+: %#! "#"&: ()% "#"): !"'" Foxconn, TaiwanLenovo, China Nintendo, JapanSony, Japan Micro-Star Int., TaiwanIBM, USA Fujitsu, JapanDell, USA Apple, USA Hewlett Packard, USA ##),* *," #),% )*,) $),$ &%,( )(,% %!,' &,* ##,' )',( )(,% (#,* &',% %',% #%$,% Prognose

€URO 04|2552 Wahrer Generationenvertrag Langfristiges Denken, Unternehmertum, Kapitaldisziplin, starke Bilanzen: Vielfältige Vorzüge börsennotierter Familienfirmen prädestinieren sie als Investments fürs Leben Haben Sie Kinder? Enkel? Dann denken Sie vermutlich öfter an das, was den Nachwuchs in den nächsten Jahrzehnten erwarten könnte. Familien denken eben langfristig, in Generationen — das gilt auch !ür Familien!irmen. Und das macht die Aktien von Familienunternehmen auch zu wahren Aktien !ürs Leben. €uro erklärt, was Familienkonzerne an der Börse auszeichnet, und stellt sieben Fa- milienaktien vor — vom Giganten bis zum kleineren Mittelständler. Unternehmen, bei denen die Eigen- tümerfamilie eine wichtige Rolle in Ma- nagement und/oder Aufsichtsrat ein- nimmt, spielen eine bedeutende Rolle. Ein Drittel der DAX#Konzerne und 900 börsennotierte Firmen in Europa sind fa- milienge!ührt. „Eigentümerge!ührte Un- ternehmen priorisieren Projekte und In- vestitionen, die langfristigen Wert schaf- fen, und tun dies in der Regel unter Bei- behaltung einer soliden Bilanz“, lobt die Schweizer Bank Pictet in einer Ende Fe- b ruar erschienenen Analyse. Ein weite- rer Vorteil sind kurze Entscheidungswe- ge, da Kapital und Führung häu!ig in einer Hand liegen. Zudem konzentrieren sich diese Firmen stärker auf ihr Kernge- schäft, was oft die Pro!itabilität erhöht. All das !ührt zu besseren Renditechan- cen !ür Anleger. So hat eine Studie des Canadian Pension Plan Investment Board von 2020 gezeigt, dass börsennotierte Unternehmen, die von ihren Gründern kontrolliert werden, in einem 15#Jahres- Zeitraum fast doppelt so gute Ergebnis- se erzielten wie die annualisierte Per- Titel Aktien fürs Leben

€URO 04|25 53 Werbekampagne eines Inditex- Labels: Ein wichtiger Vorteil eines Family Business sind kurze Entscheidungswege nen Euro. Stifel-Analysten betonen, dass zentrale Faktoren eine Rückkehr zu historischen Wachstumsraten ermögli- chen könnten: Der Windows-11#Umstieg dürfte eine Hardware-Erneuerungswel- le auslösen. Zudem könnten öffentliche Auftraggeber, die 35 Prozent des Umsat- zes ausmachen, in der zweiten Jahres- hälfte 2025 wieder mehr Aufträge verge- ben. Kunden müssen in KI, Cloud und Cybersecurity investieren — gut !ür die Margen. Die Aktie ist günstig bewertet. BIOMÉRIEUX Die Franzosen entwickeln, produzieren und vertreiben diagnostische Lösungen, bestehend aus Reagenzien, Geräten, Software und Service, zum Einsatz in Medizin und Industrie. Die neues- ➝ BILD: 2024 WESTEND61 ON OFFSET/SHUTTERSTOCK/ZARA formance des breiteren Markts. „Bei der Gesamtrendite schneiden Familienunter- nehmen im Schnitt mit 7,0 Prozent jähr- lich deutlich besser ab als die Nicht-Fa- milienunternehmen mit 5,6 Prozent“, er- gab eine Studie !ür die deutsche Stiftung Familienunternehmen von 2022. BECHTLE Der IT#Dienstleister, der in Europa mehr als 100 Systemhäuser unterhält, steht vor der Erholung: Bechtle hatte 2024 sei- ne Prognose kassiert und auf Investitions- zurückhaltung verwiesen. Doch laut DZ Bank bleiben die strukturellen Wachs- tumstreiber intakt. Für dieses Jahr er- wartet die Bank einen Bechtle-Umsatz von 6,485 Milliarden Euro und einen Vorsteuergewinn von knapp 353 Millio- Prozentpunkte mehr Rendite pro Jahr als Firmen ohne Familieneinfluss schaffen börsennotierte Familienunternehmen. Gilt für Europa; Quelle: Stiftung Familienunternehmen 1,4 5 2 FAMILIENWERTE

€URO 04|2554 ten Diagnosesysteme erlauben die Iden- ti!ikation mehrerer Krankheitserreger oder biologischer Marker in nur einer Analyse. Der Markt !ür Labordiagnostik soll von zuletzt drei Milliarden US#Dollar Umsatz bis 2027 um ein Drittel zule- gen. Der bekannte Value-Fondsmanager Frank Fischer lobt die „super Produkt- Pipeline“ von Biomérieux. Berenberg erwartet binnen zwei Jahren einen Ge- winnsprung um 27 Prozent. BURCKHARDT COMPR. Burckhardt Compression ist bei Kolben- kompressoren einer der Weltmarkt!üh- rer. Hochleistungskompressoren wer- den weltweit vor allem in der Erdöl- und Erdgasindustrie (Flüssiggas), der chemi- schen und petrochemischen Industrie sowie in der Wasserstoffwirtschaft ver- wendet, etwa bei Wasserstofftankstel- len. Berenberg glaubt, dass die Wasser- stoffwirtschaft ab 2030 der neue Wachs- tumsträger sein wird. Eine der Stärken der Schweizer: das extrem verlässliche Wartungsgeschäft mit hohen Margen. Wie viele westliche Konzerne versucht die Firma aus Winterthur, von China un- abhängiger zu werden, und investiert verstärkt in den USA und Indien. Für das bis Ende März laufende Geschäftsjahr 2024/25 erwartet die UBS eine Gewinn- steigerung um zwölf Prozent. Das Kurs- Gewinn-Verhältnis liegt ein Fünftel un- ter dem Schnitt der Wettbewerber. DO & CO Haben Sie mal ein Fußballspiel des FC Bayern München in der Allianz Arena besucht? Die Stadion-Gastronomie orga- nisiert Do & Co — und will sich auch das Catering !ür die Fußball-WM 2026 in den USA schnappen. Das Event Catering ist aber nur der zweitgrößte Geschäftsbe- reich. Denn Do & Co beliefert auch rund um die Welt Fluglinien mit höherwer- tigen Essensmenüs und Getränken. Zu den Kunden zählen 60 Carrier, darunter Emirates, Qatar Airways und Lufthansa. Die dritte Sparte umfasst Restaurants, Lounges und Hotels mit Namen wie der k. u .k. Hofzuckerbäckerei Demel. In den ersten drei Quartalen des Geschäftsjah- res 2024/25 steigerte Do & Co den Um- satz um 30 Prozent auf 1,77 Milliarden Euro, der Gewinn sprang um 61 Prozent Erbin Alice Walton: Dank Walmart reichste Frau der Welt (Vermögen laut Bloomberg: 117 Milliarden Dollar) und zugleich Mitglied der reichsten Familie der Welt nach oben. Die Zahl der Flugpassagiere soll weltweit 2025 um sechs Prozent zu- legen, die Wiener nehmen den nach teu- ren Übernahmen teils deutlich verschul- deten Rivalen weiter Marktanteile ab. FERROVIAL Gerade Großinvestoren können sich !ür Infrastruktur-Investments regelrecht be- geistern, lieben sie doch stabile, über lan- ge Zeit vorhersehbare Cashflows. Genau darauf ist Ferrovial spezialisiert. Das Un- ternehmen entwickelt und betreibt welt- weit Flughäfen und Autobahnen, besitzt eigene Bau!irmen und gilt über die pol- nische Tochter Budimex auch als einer der Gewinner eines Friedens in der Ukra- ine (siehe auch Seite 22). 2024 setzten die Spanier 9,1 Milliarden Euro um (plus sie- ben Prozent), bei einem auf 3,2 Milliar- den Euro versiebenfachten Gewinn. Ei- ne Autobahnkonzession läuft schon mal 52 Jahre, etwa bei einem Teilstück in Dal- las, Texas. Die UBS erwartet !ür das wich- tige US#Autobahngeschäft sechs Prozent Umsatzwachstum bis 2060. Das hat sei- nen Preis, die Aktie ist nicht billig. INDITEX Aus armen Verhältnissen zu einem der reichsten Männer Europas aufzusteigen, das geht mit einem erfolgreichen Fami- lienunternehmen. Amancio Ortega Gao- na arbeitete schon mit 13 Jahren als Lauf- bursche !ür einen Hemdenmacher in der spanischen Textilmetropole La Coruña. Der Gründer und Hauptaktionär des Modeimperiums Inditex revolutionierte mit seinem Label Zara das Einkaufsver- halten junger Käuferschichten. Bei Zara gibt es von jeder Kollektion nur relativ kleine Stückzahlen, weil große Teile der Mode zweimal die Woche ausgewechselt werden. Neben Zara gehören Marken wie Pull & Bear, Massimo Dutti, Bershka, Stradivarius oder Oysho zum Konzern. Die „Markendiversi!ikation deckt eine breite Altersgruppe ab und !ördert die BILD: KYM ILLMAN/GETTY IMAGES Titel Aktien fürs Leben

KQH HEKUHQ Zahlen Sie noch Depotgebühren? www.merkur-privatbank.de Wir haben sie abgeschafft. ANZEIGE Gewinnung zukünftiger Zara-Kunden“, lobt die DZ Bank. So schaffte Inditex im dritten Quartal seines Geschäftsjahres 2024/25 (lief bis zum 31. Januar 2025) trotz eines Umfelds mit Konsumzurück- haltung ein überdurchschnittliches Um- satzwachstum. Die Onlineverkäufe, die rund ein Viertel des Unternehmensum- satzes ausmachen, werden weiter stär- ker wachsen als das Geschäft in den 5659 Filialen (Stand: Ende des dritten Quartals 2024). Das waren im Vorjahres- vergleich 63 Läden weniger. „Dies ent- spricht der Strategie, sich auf größere und ef!izientere Standorte zu konzen- trieren“, so die DZ Bank. WALMART Als die Prognose des US#Handelsriesen !ür 2025 bei der Bilanzvorlage am 20. Februar schwächer aus!iel als von der Wall Street erwartet, knickte die Ak- tie um 6,5 Prozent ein. Jedes der drei noch lebenden Kinder von Walmart- Gründer Sam Walton verlor dadurch mehr als sechs Milliarden Dollar an Ver- mögen. Die Waltons kontrollieren weiter- hin einen bedeutenden Teil des Unter- nehmens und sind mit einem geschätz- ten Gesamtvermögen von rund 400 Mil- liarden Euro die wohlhabendste Familie der Welt. Mancher Analyst erhöhte nach den Zahlen sein Kursziel — Jefferies etwa auf 115,00 Dollar (aktueller Kurs 98,27 Dollar). Die Amerikaner sind weit mehr als ein reiner Supermarktbetreiber. Mit über 10 600 Filialen weltweit und einer wachsenden Onlinepräsenz setzt Wal- mart verstärkt auf KI und fordert On- line-Primus Amazon heraus. In den Wa- renhäusern wie auch im Web !inden Kunden alles, was sie zum Leben benö- tigen, von Lebensmitteln über Kleidung und Haushaltswaren bis zu Unterhal- tungselektronik. Verglichen mit dem sta- tionären Handel ist die Marge im E#Com- merce, der 2024 um 16 Prozent wuchs, mit elf Prozent doppelt so hoch. ➝ 5 2 FAMILIENWERTE Family first Auf die Vorzüge von Familienfirmen wie den €uro-Favoriten bauen auch aktiv gemanagte Fonds wie der Bellevue Entrepreneur Europe Small, der Deka-UnternehmerStrategie Europa CF und der GS & P Fonds Family Business Aktien WKN Kurs in € !"-Wochen- Hoch in € !"-Wochen- Tief in € KGV ! "#"$ KBV " Dividenden- rendite in % Börsenwert in Mrd. € Gesamtrendite inklusive wieder angelegter Dividenden p. a. in % ! Jahre #$ Jahre "$ Jahre Bechtle $%$ &'# ((,&# $",)" "&,') %*,) ",( ",% ),( -%,' %(,# %),' Biomérieux A"D XZH %%),(# %%',*# &&,"$ "$,% %(,( #,& %(,* ',$ %$,( %(,+ Burckhardt Compression A#J (NX *+#,## ')),## $(',## "%,* *,) ",) ",( "&,' +,# %'," % Do & Co +%$ "%# "%*,## """,## %(#,*# "$,# *,( #,' ",( "",' %(,% %+,( Ferrovial A(E G#H )",(" )(,** (",+) )),* $,% %,+ (#,* %(,( %%,) %(,# Inditex A%% &'( $%,)& $*,() (+,$) "'," &,& ",* %*#,& %$,' &,' %$,' Walmart &*# &$( +(,+( %#%,%) $(,&* (',% &,) #,+ '$",$ %",' %*,( %",' Fonds ISIN Kurs in € Wertentwicklung in % Agio max. in % Fonds- Note TER # in % Bemerkung # Jahr % Jahre ! Jahre Bellevue Entrepreneur LU #*( %&$ +$' $ (*),(& &,# %),$ )*,( $,## " #,+# Small Caps, aktuell )* Positionen, Do & Co ist ein Topwert Deka-UnternehmerStrat LU %&' *%$ )#" + %&*,*# +," +,' *+," (,*# $ %,&# Standard- und Nebenwerte, Ferrovial ist eine Top-Position GS & P Family Business LU #"' ((' (#+ % +),#& -"," -),( (&,( (,## – %,"$ Schwerpunkt ist Deutschland mit mehr als $$ Prozent Anteil Stichtag: #(.#(."#"$; # erwartetes Kurs-Gewinn-Verhältnis: Je niedriger der Wert, desto günstiger ist die Aktie bewertet; " Kurs-Buch-Verhältnis: Werte unter % gelten als günstig; $ seit "(.#*."##$; & TER = Total Expense Ratio (Gesamtkostenquote); Quelle: BO Data, €uro

€URO 04|2556 Titel Aktien fürs Leben Stichtag: !".#!.!#!$; Quelle: BO Data Aktien Mit einigen ETFs können Anleger in über 3000 Aktien investieren. Fonds wie der Morgan Stanley Global Brands investieren dagegen gezielt in wenige Aktien US-Quote Viele Fonds und ETFs halten mittlerweile über 70 Prozent in US-Aktien. Einen Gegenentwurf dazu bietet der Equity-ETF von Legal & General und Gerd Kommer Länder Der MSCI World Index enthält 1396 Aktien aus 23 Industrieländern. Ohne die USA verbleiben im MSCI World ex USA 806 Aktien aus 22 Ländern !"#! $#%% !%&& '& Morgan Stanley Global Brands Xtrackers MSCI USA ETF iShares Dow Jones Global Titans 50 ETF Morgan Stanley Global Brands L & G Gerd Kommer Multifactor Equity ETF Aktien im Portfolio US-Quote in % Länder im Portfolio Vanguard ESG Global All Cap ETF MSCI World Index MSCI World ex USA Index L & G Gerd Kommer Multifactor Equity ETF SPDR MSCI All Country World Investable Market ETF MSCI USA Index (&& )! )) #$ %% '% (

€URO 04|25 57 5 6 FO NDS Von 40 bis 5877 Aktien Mithilfe von Fonds und ETFs können Anleger auch in „Aktien fürs Leben“ investieren. €uro stellt dazu vier clevere Strategien vor Fast alle Anleger würden wohl gern „Aktien !ürs Leben“ besit- zen, die sie nie mehr verkaufen müssen und die ihnen über die Jahre und Jahrzehnte hohe Erträge be- scheren. Anleger können dazu zum Bei- spiel Titel wie Apple oder Ferrari kaufen, die wir auf den vorherigen Seiten bespro- chen haben. Oder sie setzen auf Fonds oder ETFs, mit denen sie dieses Ziel er- reichen können. €uro möchte hier vier Strategien vorstellen, die dazu beson- ders gut geeignet sind. Maximal streuen Bei der ersten Strategie holen Anleger mit einem Aktien-ETF so viele Titel ins Depot wie möglich — und gemeint sind damit nicht Hunderte, sondern Tausen- de Titel. Zwar investieren Anleger dann vielleicht auch in Firmen wie Hypo Real Estate oder Wirecard, mit denen sie 2008 oder 2020 einen Totalverlust erlit- ten hätten. Doch würde das bei Tausen- den Aktien kaum ins Gewicht fallen. Wichtiger ist, dass zu den Tausenden Aktien auch Überflieger wie Apple, Ama- zon oder Nvidia gehören können, die klein anfangen, um dann immer größer und wertvoller zu werden. Diese Titel kommen irgendwann automatisch in den ETF hinein, ohne dass Anleger sie selbst heraussuchen müssen. Viele Investoren haben bereits einen MSCI World ETF, mit dem sie auf 1396 große und mittelgroße Aktien aus den Industrieländern setzen. Das ist keine schlechte Wahl. Wer maximal breit streuen möchte, hat aber noch andere Möglichkeiten. Das gilt vor allem !ür den SPDR MSCI All Country World Investable Market ETF (siehe Tabelle Seite 58), der bis vor Kurzem noch SPDR MSCI ACWI IMI ETF hieß. Der All-Country-ETF von SPDR bildet einen Index mit 8629 Aktien ab. Mehr geht momentan nicht !ür An- leger in Deutschland. Im Gegensatz zum MSCI World in- vestieren Anleger beim All-Country-ETF auch in große und mittelgroße Aktien aus den Schwellenländern. Dazu kom- men kleine Aktien (Small Caps) aus den Industrie- und Schwellenländern. Um Kosten zu sparen, hält der All-Country- ETF jedoch nicht alle 8629 Indextitel, sondern nur 3683. Der ETF stellt diese 3683 Aktien aber so zusammen, dass sie den MSCI Index möglichst exakt abbil- den. Fachleute sprechen hier von einer optimierten Sampling-Methode. Auch der Vanguard ESG Global All Cap ETF setzt auf diese Methode. Der Vanguard-ETF bildet einen weltweiten Index mit 8469 Aktien ab und hält 5877 Titel im Portfolio. Im Gegensatz zum SPDR#ETF schließt der Vanguard-ETF Ölaktien wie Chevron und Exxon Mobil jedoch aus, weil sie seinen nachhaltigen ESG#Kriterien nicht entsprechen. In Deutschland verzichtet der ETF unter anderem auf den Chemiewert BASF und den Versorger Eon. Der Vorteil !ür Anleger: Mit den bei- den ETFs von SPDR und Vanguard kön- nen sie in die „Welt-AG“ investieren, die im Gegensatz zu einzelnen Firmen nicht pleitegehen kann. Dabei gewichtet der jeweilige Index gut laufende Aktien au- tomatisch höher und schlecht laufen- de Aktien automatisch niedriger. Das ist ideal !ür eine Kaufen-und-halten-Strate- gie — oder !ür „buy and hold“, wie die Bri- ten und Amerikaner sagen. Markt!ührer kaufen Bei der zweiten Strategie geht es nicht um möglichst viele Aktien, sondern um ganz bestimmte — die sogenannten Markt!ührer. Hier lautet die Idee grob ge- sagt: Was soll ich mit schlechten Aktien, wenn ich nur die besten kaufen kann? Auf dieses Prinzip setzt der Fonds ➝ BILD: MICROSTOCKHUB/ISTOCK [M]

€URO 06|2530 Was lässt sich nicht einfach auf Knopf- druck inflationieren und entwerten? Gold und Bitcoin werden immer wichtiger, um das Vermögen zu schützen und zu mehren. €uro analysiert den Aufstieg des Alternativgelds und sagt, wo und wie Anleger richtig die neuen Werte kaufen VON STEPHAN BAUER, GREGOR DOLAK, FRANK MERTGEN UND STEFAN RULLKÖTTER 32 EINLEITUNG Edelmetall und Kryptowährung erhalten eine größere Rolle im Vermögensmix 34 GOLD Die neue Geopolitik stärkt den sicheren Hafen Gold. Die Kursziele werden immer höher. So verdienen Investoren mit 40 REINGEWINN Die wahre Steueroase Edelmetall 42 RUN AUF MÜNZEN Trends beim physischen Gold GOLD

€URO 06|25 31 BILD: STEVE SUCSY/ISTOCK, STUDIOCASPER/ISTOCK, MARTA ORTIZ/ISTOCK 44 BITCOIN Das digitale Asset sichert Werte und Freiheit 50 HANDELS- PLATTFORMEN Bitcoin-Bedienungsanleitung 54 INTERVIEW Krypto als Zahlungsmittel 56 ABGABENFREI Bitcoin und Co richtig steuern Titel Die Kombi für Ihr Vermögen BITCOIN

€URO 06|2532 Die Welt wandelt sich wahrlich in atemberaubendem Tempo, wie Ende April wirklich in je- der Bilanz der ersten 100 Tage der zweiten Amtszeit des neuen US!Prä- sidenten zu lesen war. Und jetzt bleiben Donald Trump ab Mitte Mai gerechnet noch rund 1340 Tage. Vermögensaufteilung modern. Die Dramatik der Umschwünge, die die rea- le Welt auch an den Finanzmärkten aus- löst, lässt sich gut mit Veränderungen von empfohlenen Portfolio-Aufteilungen illustrieren: Das sogenannte 60 : 40!Port- folio — 60 Prozent in Aktien, 40 Prozent in Anleihen — ist eine seit Jahrzehnten bewährte Struktur #ür ein Depot, die auch €uro immer wieder verwendet hat. Die Experten der Privatbank Berenberg schlagen seit einiger Zeit jedoch eine ganz andere Aufteilung vor: Anleger soll- ten 35 Prozent in Aktien investieren, nur zehn Prozent in Anleihen, weitere zehn Prozent in alternative Assets wie Infra- struktur (in der Gra#ik rechts „Sonstige“ genannt) — und nicht weniger als 35 Pro- zent in einen großen Block mit Cash, Gold und Bitcoin. Eine Verschiebung, die es in sich hat — und der auch €uro viel abgewinnen kann. Deswegen legen wir in dieser Titelgeschichte einen Schwer- punkt auf die nicht inflationierbaren Assets Gold und Bitcoin (ab Seite 34), die Vermögen zugleich zu schützen und zu steigern vermögen. Ergänzt sei aber auch: So wie Beren- berg Aktien eine entscheidende Rolle zu- weist, so stellen auch wir weiter exzel- lente Aktieninvestments #ür die neue Ära vor: zum Beispiel ein Super-sicher-Depot aus zehn Aktien, die zusammen in wirk- lich jedem der vergangenen Zehn-Jah- res-Zeiträume eine positive Rendite ge- bracht haben, und zwar im Schnitt kaum schlagbare 20 Prozent per annum (siehe Seite 66). Oder, ebenfalls perfekt #ür die neue Ära der Unsicherheit, Fonds und ETFs, die Monat #ür Monat Geld überwei- sen — ideal, um sich ein zweites Gehalt zu organisieren (siehe Seite 78). Und wir sagen Ihnen, wie Sie die Lehren des größ- ten Investors der Gegenwart, Warren Buffett, der seinen Abschied #ür 2026 an- gekündigt hat, #ür Ihr Vermögen nutzen (siehe Seite 8). Goldene Ära. Doch zurück zum gelben Edelmetall, das im April mit gut 3500 Dollar je Feinunze einen neuen Rekord erreicht und seither leicht korrigiert hat. Die Unsicherheiten sind so groß wie nie, politisch, militärisch, wirtschaftlich. Das begann schon 2022 mit dem russi- schen Angriff auf die Ukraine. „Die Un- sicherheit über die weitere Eskalation, mögliche Sekundärkonflikte sowie die Zukunft der NATO!Ausrichtung verstär- ken die Suche nach ‚sicheren Häfen‘ — Gold pro#itiert davon unmittelbar“, schrieb M. M. Warburg Ende April in ei- ner Goldanalyse. Dazu kommt der neue Zollfuror der USA, eine auf#ällige plötz- liche Dollar-Schwäche, eine Missachtung des Rechts und von Institutionen (Noten- bank Fed) im Inneren und von interna- tionalen Organisationen in der Außen- politik. Warburg: „Für die Märkte bedeu- tet dies eine fundamentale Ungewissheit über zukünftige Rahmenbedingungen — Titel Gold & Bitcoin Stichtag: !".#!.$#$%; Quelle: Berenberg Alt und neu Eine traditionelle Depot- mischung lautet 60 Prozent Aktien, 40 Prozent Anleihen. Berenberg schlägt für das aktuelle Umfeld 35 Pro- zent Aktieninvestments und zehn Pro- zent Bonds vor, weitere zehn Prozent in Alternativen wie Rohstoffe – und hohe 35 Prozent für eine Liquiditäts- absicherung mit Gold, Cash, Bitcoin Gold plus Krypto Prinzip des ETPs von Bytetree: Je schwankungsfreudiger der Bitcoin gegenüber dem Edelmetall ist, desto geringer wird das Gewicht der Digitalwährung (30.04.2025: 29,3 Prozent). Das Produkt wird monatlich neu gewichtet Kombi-Anlage ISIN Kurs in € Wertentwicklung in % TER ! in % p. a. Bemerkung ! Jahr " Jahre # Jahre "!Shares Bytetree Bold ETP CH !!" '(( $)# ( )',#* )(,$ – – !,"* Produkt gewichtet Gold/Bitcoin anhand Volatilität, Gold überwiegt Incrementum Crypto Gold Fund LI !!# ##" "$* * !)#,*' !%,# $*,) – $,+' Kombi aus Gold, Silber und Kryptos, je zu etwa einem Drittel gewichtet Stichtag: #%.#%.$#$%; ! TER = Total Expense Ratio (Gesamtkostenquote); Quelle: BO Data, €uro Depotaufteilung in % Xxxxxxxxxxxxx xx,x Xxxxxxxxx xx,x Xxxxxxxxx xx,x Xxxxxxxxxxxxxx xx,x Aktien "#Sonstige !$ Anleihen !$ Gold/ Cash/ Bitcoin %# Xxxxxxxxxxxxx xx,x Xxxxxxxxx xx,x Xxxxxxxxx xx,x Xxxxxxxxxxxxxx xx,x Aktien &$Anleihen %$

ANZEIGE und #ür Gold einen anhaltenden Nach- frage-Impuls als wertstabiles Gegenstück in einem politisch unberechenbaren Umfeld.“ Das Edelmetall ist gefragter denn je, von Notenbanken, Finanzinvestoren, Si- cherheit suchenden Anlegern, die Warte- schlangen bei Goldhändlern verursa- chen. Alle Hintergründe und die besten Goldinvestments #inden Sie ab Seite 34. Natürlich fehlt auch nicht der richtige Steuerrat #ür Gold, das nach einem Jahr Haltedauer wie bei Bitcoin steuerfrei ist. Digitales Gold. Verglichen mit Gold, seit Jahrtausenden als das bessere Geld bekannt, ist der Bitcoin blutjung und hat da#ür schon eine erstaunliche Karriere gemacht. Sein Algorithmus macht ihn Überlegener Doppelsparplan. Da Gold und vor allem Bitcoin große Kurs- schwankungen zeigen, bieten sie sich #ür Sparpläne an. Wer monatlich 100 Euro in Gold investiert hätte, hätte über #ünf Jahre bis Ende April 2025 19,1 Prozent Rendite erzielt, über zehn Jahre 14,1 Pro- zent. Ein Bitcoin-Sparplan hätte binnen #ünf Jahren kaum vorstellbare 50,2 Pro- zent per annum und binnen zehn Jahren noch schwerer greifbare 75 Prozent Rendite gebracht. Ein gleich gewichte- ter Sparplan aus Gold und Bitcoin hätte also über den Zeitraum der vergangenen 60 Monate mehr als 30 Prozent jährliche Rendite erzielt. Diese Raten sind #ür die Zukunft natürlich nicht garantiert, aber sie zeigen zumindest das Potenzial, das Gold und Kryptowährung bergen. BILD: ANDRII SHELENKOV/ISTOCK, JULIAN MEZGER/MIDJOURNEY/KI-GENERIERT (9) ➝ knapp wie Edelmetall, seine digitale Na- tur zu einem Werkzeug der Freiheit. „Bit- coin kann man als Code überall mit hin- nehmen auf der Welt. Darum ist er be- weglicher als Geld, Gold oder Diaman- ten“, sagt Fondsmanager Hendrik Leber von Acatis. Die erstaunliche Bitcoin-Re- silienz in Börsenkrisen überzeugt mehr und mehr Anleger, auch die Großinves- toren. Euro analysiert seinen Aufstieg, nennt die besten Handelsplattformen und Investments (ab Seite 44). Anleger #inden heute Anlagen, die auf Edelmetall und Bitcoin setzen, wie der Incrementum-Fonds (siehe Tabelle). Der sehr spekulative 21Shares Bytetree Bold ETP in derselben Tabelle investiert so, dass in seinen beiden Assets Bitcoin und Gold identische Risiken abgebildet sind.

€URO 06|2534 W er schon länger auf Gold setzt, !ühlt sich derzeit wie Krösus. Die ersten Goldmünzen mit verläss- lichem Gewicht und Reinheit wurden um 500 v. Chr. auf Befehl von König Krösus von Lydien (heute Türkei) ge- prägt mit Motiven von Löwen und Stie- ren (siehe Leiste oben mit historischen Daten). Der Preis !ür eine Feinunze Gold (31,1 Gramm) überstieg im April auf dem Höhepunkt der Zollwirren und Donald Trumps Angriffen auf die Unabhängig- keit der US#Notenbank erstmals 3500 Dollar, sank dann wieder. Dennoch ist Gold etwa dreimal so teuer wie noch vor zehn Jahren. Jeder Rückgang eine Chance. Trotz des starken Anstiegs im Verlauf dieses Jahres (wie schon 2024) bleibt das Edel- metall attraktiv, gerade auch langfristig. Mit einem durchschnittlichen US#Zoll- satz, der von zuvor 2,4 Prozent auf über 20 Prozent Anfang April 2025 gestiegen ist, „sind die Inflationsrisiken nach oben gerichtet, während die Wachstumsper- spektiven eher nach unten gerichtet sind“, urteilt die Schweizer Bank Vonto- bel. „In einem solchen Umfeld sollte Gold pro!itieren, und wir glauben, dass jeder Rückgang des Goldpreises ein attraktiver Einstiegspunkt ist.“ Zudem: Wenn der US#Aktienmarkt als Weltleitmarkt über ganze Quartale hin- weg Verluste erleidet, legt das Edelme- tall typischerweise zu und schafft einen Ausgleich (siehe Gra!ik) — genau das, was sich Anleger in einer von hoher Unsicher- heit geprägten Welt wünschen. €uro ana- lysiert die wichtigsten Treiber des Gold- preises und listet die attraktivsten Invest- ments in das Edelmetall auf. Zudem sagen wir, was Investoren in puncto Steu- ern beachten müssen (siehe Seite 40). Gold hat einen Lauf — in diesem Jahr- hundert, diesem Jahrzehnt, diesem Jahr. Das Edelmetall behält seinen Wert bei allen heftigen Schwankungen über Ge- nerationen, ja Jahrtausende. Bestes Bei- spiel: Für eine Unze Gold gab es im alten Rom eine schicke Toga, heute einen ed- len Maßanzug. Gold hat auch kein Gegen- parteirisiko: Wer es besitzt, ver!ügt über einen echten, liquiden Wert — ohne Ab- hängigkeit von Vertragspartnern, Zah- lungsversprechen oder Finanzsystemen. Und nie war der einzigartige Schutz wichtiger als heute, wo die wichtigste Währung der Welt, der US#Dollar, mehr und mehr infrage gestellt wird. Einen neuen Nachfrageschub erhielt das gelbe Metall 2022 und wird seitdem noch stär- BILD: MAROG-PIXCELLS/ISTOCK, ALAMY/ROBERTHARDING/MAURITIUS IMAGES, SAMMLUNG MONEY MUSEUM, 2025 MEISTERDRUCKE.DE Geldige Geschichte Das Edelmetall wird erwiesenermaßen seit mehr als 5000 Jah- ren geschätzt – ein historischer Abriss Titel Gold & Bitcoin

3,22 3,88 -6,77 -14,78 10 5 0 -5 -10 -15 Gold in % S & P 500 in % S & P 500 20 schlechteste Quartale S & P 500 negative Quartale €URO 06|25 35 ➝ Die beste Vermögensversicherung und ein exzellenter Renditebringer zugleich – warum das Edelmetall heute jedes Portfolio bereichert Das wahre Geld ker von der Geopolitik angetrieben: „Die Goldkäufe östlicher Zentralbanken ha- ben seit 2022 deutlich zugenommen — nicht aus Renditegründen, sondern als strategischer Schritt zur Diversi!ikation ihrer Währungsreserven“, erläutert Guy Wagner, Chefstratege der BLI — Banque de Luxembourg. „Die Blockade russi- scher Devisenreserven wirkte als Kata- lysator !ür den Wunsch vieler Staaten, ihre Abhängigkeit vom US#Dollar zu re- duzieren und Gold als neutralen Vermö- genswert zu halten.“ Gold werde zum strategischen Wert- speicher, der nicht von US#Sanktionen oder Wechselkursmanipulationen be- troffen sei, hebt auch Jan Mooren von M.M. Warburg hervor: Die Zentralban- ken Chinas, Russlands und anderer BRICS#Staaten würden ihre Goldbestän- de gezielt erhöhen, um sich gegen die „Weaponization“ des Dollars — also den Einsatz der US#Währung als geopoliti- sches Druckmittel — abzusichern. „Gold bietet ihnen eine Reserve, die außerhalb des westlichen Finanzsystems funktio- niert und als Basis !ür alternative Zah- lungssysteme dienen kann“, erläutert der M.M. Warburg-Fachmann. Der Status des Dollars, der den internationalen Handel unangefochten dominiert hat, wird teils infrage gestellt. Der Dollar- Anteil an den Reserven der Zentralban- ken, im Jahr 2016 noch bei 65 Prozent, ist auf 57 Prozent gesunken. Volkswirtschaftliche Folterkammer. Donald Trump wünscht sich einen nied- rigeren Dollar, was der US#Industrie, die mit der Zollpolitik wieder aufgebaut wer- den soll, Exporte erleichtern soll. „Nüch- tern betrachtet kann das nur gelin-Stichtag: !".#!.$#$%, Quelle: HSBC Retter In negativen Quartalen von US-Aktien legte Gold im Schnitt zu 3000 v. Chr. Die Sumerer im heutigen Südirak stellen handwerklich sehr hochwertigen Goldschmuck her 1500 v. Chr. Die Goldregion Nubien macht Ägypten reich. Das Edelmetall etabliert sich als Standard für den Austausch im internationalen Handel ca. 500 v. Chr. König Krösus lässt in Lydien (heutige Türkei) Goldmünzen mit einheitlichem Gewicht und einem speziellen Stempel prägen S & P 500 vs. Gold seit dem Jahr 1971

20192018 Goldpreis in US-$ (linke Skala) 2020 2021 2022 2023 2024 2025 3500 3000 2500 2000 1500 1000 4000 3600 3200 2800 2400 2000 Globale ETF-Goldbestände in t (rechte Skala) €URO 06|2536 gen, wenn man die US#Währung als Re- servewährung demontiert oder zumin- dest schwächt“, schreibt M. M. Warburg. „Die dazu vorgeschlagenen Instrumente lesen sich aber nun wie Werkzeuge aus einer volkswirtschaftlichen Folterkam- mer. So wird ernsthaft vorgeschlagen, ‚Nutzungsgebühren‘ !ür US#Treasuries einzu!ühren oder bestehende US#Trea- suries in sehr lang laufende Anleihen umzuwandeln“, gruselt es den Hambur- ger Bankern vor einem Vorschlag des Trump-Beraters Stephen Miran. Der Vorschlag ist bekannt geworden als „Mar-a-Lago-Plan“, benannt nach Trumps Residenz in Florida. Eine solche einseitige Änderung von Zinssätzen oder Laufzeiten würde einen Zahlungsaus- fall bedeuten, und die Welt kann nur hoffen, dass aus solchen Plänen nie Wirklichkeit wird. „Gold würde die Rol- le einer Fluchtwährung übernehmen, die niemand abwerten kann. Das macht 2027 in Richtung der Kaufkraftparität bei 1,30 Dollar steigen wird. Hinter dem Mar-a-Logo-Plan steht auch der verzweifelte Wunsch, das US#Schuldenproblem in den Griff zu be- kommen und niedrigere Zinsen zahlen zu können. Denn die Staatsschulden der Vereinigten Staaten, die die jährliche Wirtschaftsleistung bereits deutlich übersteigen, wachsen bei jährlichen De- !iziten von rund sechs Prozent des Brut- toinlandsprodukts mit beängstigendem Tempo weiter. Hohe neue Schulden be- deuten mehr Nachfrage und mehr Infla- tion. Ein weiterer Faktor, der die Dyna- mik von Gold stützt, ist eben auch der erwartete Anstieg der Inflation — zumal viele Experten infolge der Erhöhung der Zölle auf importierte Güter mit einem ra- schen Anstieg des Preisniveaus rechnen. Der Zollirrsinn — heute verhängt, morgen zurückgenommen, jeder Zoll- satz mit jedem Land einzeln neu verhan- Stichtag: #!.#&.$#$%; Quelle: Flossbach von Storch Käufer sind zurück Finanzinvestoren kaufen meist goldgedeckte ETFs – und erwerben jetzt wieder mehr Anteile 50 v. Chr. Rom gibt die Goldmünze Aureus aus. Acht Jahre zuvor sichert sich Caesar in Gallien so viel Gold, dass Rom alle Schulden tilgen kann es so attraktiv“, sagt LFDE#Fondsmana- ger Alexis Bienvenu. Nur raus aus US-Staatsanleihen. Je- denfalls !ällt auf, dass es auf dem Höhe- punkt der Zollturbulenzen Anfang April nicht zu einer Flucht in US#Staatsanlei- hen kam, die doch noch vor Kurzem weltweit als besonders sicher galten. Stattdessen wurden Treasuries abge- stoßen, die Kurse der Staatspapiere san- ken, und die Renditen schossen nach oben. Daten des japanischen Finanz- ministeriums zeigen beispielsweise, dass private Investoren in Japan in der Woche bis zum 4. April langfristige US#Anleihen im Wert von 17,5 Milliarden US#Dollar verkauft haben. Die Prognosen !ür eine Dollar-Abwer- tung häufen sich bereits. Nur ein Bei- spiel: Die Devisenstrategen der Deut- schen Bank gehen inzwischen davon aus, dass der Euro-Dollar-Kurs bis Ende Titel Gold & Bitcoin

€URO 06|25 37 delt — verunsichert zudem Wirtschaft und Verbraucher. „Die Trump-Politik und auch die Fiskalpakete in Europa und China sprechen weiter !ür das von uns seit Jahren beschriebene Umfeld erhöh- ter Inflation und Inflationsvolatilität“, !ühlen sich die Fachleute von Berenberg in ihren Be!ürchtungen bestätigt. Kreditgeld und Toilettenpapier. Mit den Fiskalpaketen in Europa ist vor al- lem Deutschland gemeint, das sich ein schulden!inanziertes 500#Milliarden- Euro-Paket !ür die Infrastruktur gönnt und !ür Verteidigungsausgaben die Schuldenbremse faktisch aufhebt — da kommt in den nächsten Jahren leicht eine Billion Euro an Mehrausgaben zu- sammen. „Und leider besteht die Gefahr, dass Deutschlands Schulden-Mania als Hebel benutzt wird, die Schuldenregeln überall in Europa außer Kraft zu set- zen“, warnt Robert Halver, Leiter Kapi- talmarktanalyse bei der Baader Bank. „Technisch betrachtet, ist Kreditgeld zu drucken so einfach wie die Herstel- lung von Toilettenpapier. Bei Anlegern sorgt das !ür wachsenden Vertrauens- schwund, ob die Schuldentrag!ähigkeit, die Bonität, noch gewährleistet ist. Das spricht !ür das nicht beliebig vermehr- bare Gold.“ Neue Käufer. Auch tauchten neue In- teressenten auf: „So gestattete Peking beispielsweise Versicherungsfonds eine Anlage in Gold, während globale Zentral- banken den Anteil von Gold an ihren Gesamtreserven systematisch steigern“, analysierte die UBS Ende April in einem Bericht. Neben den Zentralbanken mel- den sich Finanzinvestoren zurück (siehe Gra!ik links). „Unsere Erwartung !ür Net- tokäufe von börsengehandelten Gold- fonds im Jahr 2025 haben wir von 300 auf 450 Tonnen angehoben“, so die UBS. Zugleich lässt sich das Angebot von Gold eben gerade nicht beliebig er- weitern. Auf der Angebotsseite sei mit keinem signi!ikanten Zuwachs zu ➝ BILD: WIKIPEDIA/IRA & LARRY GOLDBERG COINS & COLLECTIBLES, INC., MDM MÜNZHANDELSGESELLSCHAFT MBH & CO. KG DEUTSCHE MÜNZE, LIBRARY OF CONGRESS Der Edelmetall-Brief Profitieren Sie mit exklusiven Ge- heimtipps von der Edelmetall-Rally. Setzen Sie auf die besten Gold-, Silber- und Rohstoffaktien. Mehr erfahren unter www.goldfolio.de 1900 Die USA führen einen Goldstandard ein, der für den Umtausch des Dollar in andere Währungen gilt 1377 Großbritannien führt ein Gold- system ein, das auf Gold und Silber beruht. Schon 1066 war die Silber- Währung Pfund etabliert worden Für die Performance Gold- und Silberminen sowie Fonds und ETFs, die auf sie setzen, blieben jahrelang hinter der Entwicklung der Edelmetalle selbst zurück. In den vergangenen Monaten aber holten Minenaktien auf Aktien WKN Kurs in € !"-Wochen- Hoch in € !"-Wochen- Tief in € KGV ! $#$( KBV " Dividenden- rendite in % Börsenwert in Mrd. € Bemerkung Agnico Eagle Mines )(# !$% **,%) ""#,*% %),!% "+,+ $,% ",& &*,* Wächst durch geschickte Übernahme von Rivalen First Majestic Silver A#L HKJ %,!* +,+% &,#$ $#,) – #,$ $,( Rekordproduktion in Q" mit !,+ Mio. Unzen Silber Newmont Mining )%! )$! &(,!! %&,%* !%,&* "",) ",) ",* %$,+ Mit rund %,% Mio. Unzen weltgrößter Goldförderer Pan American Silver )+( ("+ $#,*$ $%,$+ "(,(& "$,* ",+ $,# +,( Betreibt Minen in Mexiko, Peru, Bolivien, Argentinien Wheaton Precious Met. A$D RBP +$,$# +(,%( &),$* !),# &,+ #,) !$,) „Streamer“: Bezahlt Minen vorab für Lieferungen Fonds ISIN Kurs in € Wertentwicklung in % Agio in % Fonds- Note TER # in % Bemerkung # Jahr $ Jahre ! Jahre DJE Gold & Ressourcen PA LU #"% *%% ##+ + $"(,!$ "+,$ "!,# &(,% %,## " ",*& Agnico und Wheaton unter Top-!-Positionen Franklin Gold & Precious M. LU #&* (!( +&" + *,*! %",! $(,# +*,) %,+% ! ",)% Gold mit )# Prozent Anteil klarer Schwerpunkt Konwave Gold Equity LU #"+ %%+ ($* ( &#),(! &&,+ %+,$ ""%," ",%# $ ",+) Auch zwei Silberwerte unter Top-Positionen Nestor Gold B LU #"& ++) &&( % !"!,$" &#,) %(,) "#$,! !,# " $,"! Fokus ist Gold, First Majestic Silver zweitgrößter Wert Schroder Global Gold A LU "$$ !#) $"* ( $#!,%& &&," &),% (#,) %,## $ ",)& Goldminen dominieren mit )) Prozent im Portfolio Stichtag: #%.#%.$#$%; # erwartetes Kurs-Gewinn-Verhältnis: Je niedriger der Wert, desto günstiger ist die Aktie bewertet; " Kurs-Buch-Verhältnis: Werte unter " gelten als günstig; $ TER = Total Expense Ratio (Gesamtkostenquote); Quelle: BO Data

€URO 06|2538 rechnen, konstatiert Wagner von der BLI — Banque de Luxembourg: „ESG#Auf- lagen, strategische Zurückhaltung vieler Produzenten und das Ausbleiben grö- ßerer Neuentdeckungen begrenzen die Minenproduktion.“ Preisindikatoren bis 7000 Dollar. Wachsende Nachfrage und knappes An- gebot — das veranlasst Experten, in die- sem Jahr ihre Preisprognosen am laufen- den Band anzuheben. Goldman Sachs er- wartet bis zum Jahresende einen Anstieg bis auf 3700 US#Dollar, hält bei einer Eskalation des Handelskriegs aber auch 4500 US#Dollar !ür möglich. Yardeni Research sieht den Goldpreis in einem langfristigen Aufwärtstrend und pro- gnostiziert einen weiteren Anstieg auf etwa 4000 US#Dollar pro Feinunze bis zum Jahresende. Bis Ende 2026 könne der Preis sogar die 5000#Dollar-Marke erreichen. Nahe dieser Marke, konkret 4800 Dollar, liegt auch das Kursziel der Liechtensteiner Vermögensverwaltung Incrementum, allerdings erst !ür 2030. Man kann auch anders rechnen, wie Incrementum auf einer Folie aus dem jährlichen großen Bericht „In Gold We Trust“, Mitte Mai erschienen: Der Gold- bullenmarkt von 2000 bis 2012 brachte einen Anstieg von insgesamt 550 Pro- zent, lässt sich dieser Folie entnehmen. Wenn man dieses Potenzial auf den ak- tuellen Bullenmarkt überträgt, hätte der Goldpreis sogar Luft bis in den Bereich von 7000 Dollar. Immerhin ein Indiz, wohin es langfristig gehen kann. Wie viel Gold darf es denn sein? Beim Investieren haben Anleger Nachholbe- darf. Beispiel USA: „Der Prozentsatz von Gold-ETFs bezogen auf alle ETFs oder im Vergleich zu Aktien-ETFs ist mit Sätzen von ein bis zwei Prozent gering“, rechnet Vermögensverwalter Jens Ehrhardt vor. Die UBS lobt Gold als „effektive Portfolio- diversi!ikation und -absicherung“ und emp!iehlt „eine Allokation von !ünf Pro- zent in dem Edelmetall im Rahmen eines ausgewogenen und gut diversi!izierten Portfolios“. Zu einem Edelmetallanteil „zwischen !ünf und 15 Prozent des liqui- den Vermögens überwiegend in Gold“ rät Mirko Schmidt, Gründer des Gold- händlers pro aurum, im €uro-Interview (siehe Seite 38). Silber könne je nach Ri- sikoneigung bis zu 20 Prozent des Edel- metallanteils ausmachen. Incrementum rät zu 14 bis 18 Prozent in Edelmetall, ab- geleitet aus einer Analyse der einschlägi- gen Studien zum Thema. Auch die Aussichten !ür das angespro- chene Silber gelten als hervorragend, zu- mal Silber gemessen an Gold wegen der schwächeren Kursentwicklung sehr günstig ist. In der Spitze war Gold zuletzt 100-mal teurer als Silber, während der langfristige Durchschnitt bei 70 liegt. Wenn Silber die Marke von 35 Dollar !ür die Unze überspringt, steht der Weg zu den alten Hochs bei 50 US#Dollar offen. €uro nennt deswegen auch die Preise !ür physisches Silber (siehe Seite 42) und lis- tet Aktien und Aktienfonds sowie ETFs !ür ein Engagement auch im kleinen Bru- der von Gold auf. Viel aufzuholen. Die Kurse der Minen sind weit hinter den Metallen selbst zu- rückgeblieben. Da sie hohe Fixkosten ha- ben, wirkt sich ein Anstieg der Gold- und Silberpreise meist direkt auf ihre Renta- bilität und Cashflow-Generierung aus. „Momentan setzen diese Unternehmen viel Liquidität frei, zahlen Dividenden und sind im Vergleich zur Vergangenheit auf der Grundlage von Kennzahlen wie dem Preis-Cashflow-Verhältnis unter- bewertet“, sagt Ned Naylor-Leyland, Ma- nager des Jupiter Gold & Silver Fund. Wer statt auf solch risikoreiches „Per- formance-Gold“ wie Minen und Minen- fonds zu „Sicherheitsgold“ greifen will, kann auf Münzen und Barren oder, mit mehr Flexibilität, auf Xetra-Gold (WKN: A0S 9GB) oder Euwax Gold II (EWG 2LD). setzen. Rechtlich sind beide Exchange Traded Commodities (ETCs) Schuldver- schreibungen. Hier liegt jeweils das Gold, das die Anleger erwerben, in Tre- soren, und man kann es sich auch auslie- fern lassen. Der Vorteil: Wie bei Gold- münzen oder -barren fallen bei einem Verkauf nach einem Jahr keine Steuern an. Ein positiver Aspekt, den sonst in die- ser Form kaum ein Investment bieten kann — mit Ausnahme des Bitcoin. 1933 In den Vereinigten Staaten wird jeder private Besitz von Gold- münzen, Goldbarren und Gold- zertifikaten verboten Markus Bußler: Gold – Player, Märkte, Chancen Börsenbuch Verlag 208 Seiten, 12,90 € ISBN: 978-3-86470-720-9 Das Edelmetall zieht die Menschen seit Jahrhunderten in seinen Bann. In „Gold – Player, Märkte, Chan- cen“ entführt Markus Bußler Sie in die faszinierende Welt von Gold – egal ob als Münzen, Barren oder Goldminenaktien. Titel Gold & Bitcoin ➝ BILD: BILDAGENTUR-ONLINE/PICTURE ALLIANCE, UPI/PICTURE-ALLIANCE/DPA, LITTLECLIE/ISTOCK, JULIAN MEZGER/MIDJOURNEY/KI-GENERIERT

2029 2034 2039 80 000 70 000 60 000 50 000 40 000 30 000 20 000 10 000 0 -10 000 Gold in € Gewinn Summe Einzahlungen €URO 06|25 39 Stichtag: !"."$.$#$&; Quelle: Solit, Basis: Wertentwicklung der vergangenen $# Jahre ("",*( Prozent p. a.) Reich auf Raten Der Zinseszinseffekt treibt langfristig den WertzuwachsSo erfreulich kann sich ein Investment auszahlen: Die Grafik rechts zeigt, wie sich ein Goldsparplan mit 100 Euro Ein- zahlung im Monat entwickelt, wenn die Rendite der vergangenen 20 Jahre wie- derholt werden kann. Die Tabelle unten listet die Jahresrendite von Gold auf, wenn Anleger es jeweils zum Ende des angegebenen Monats gekauft und bis Ende März 2025 gehalten haben. Bei- spiel: Kauf Ende Januar 2007 ergab 9,0 Prozent Rendite jährlich bis 31.03.25. GLÄNZENDE PERFORMANCE 1999 Einführung des Euro. Die Reserven der Europäischen Zentralbank beruhen zu 15 Prozent auf dem Edelmetall 1944 Das Bretton-Woods-Ab- kommen etabliert einen Gold- Devisen-Standard, der im Jahr 1971 von den USA gesprengt wird Mögliche Entwicklung eines Goldsparplans mit 100 Euro Einzahlung monatlich Schöne Erträge Wer in diesem Jahrtausend Gold erworben und bis Ende des ersten Quartals 2025 gehalten hat, liegt bei einem Jahr Mindesthaltedauer immer im Plus. Die höchste Rendite brachte bislang ein Kauf im Februar 2024 Jahr Januar Februar März April Mai Juni Juli August September Oktober November Dezember "$$$ "#,#" % *,*" % "#,"% % "#,$+ % "#,!! % "#,#) % "#,!$ % "#,!% % "#,&& % "#,(! % "#,%) % "#,%* % "$$! "#,+& % "#,+% % "#,*% % "#,)* % "#,)* % "#,)% % "#,*( % "#,)+ % "#,(# % "#,)( % "#,** % "#,*% % "$$" "#,*& % "#,+& % "#,() % "#,(& % "#,&# % "#,($ % "#,)& % "#,+! % "#,(# % "#,+& % "#,+( % "#,!) % "$$# "#,"! % "#,&! % "#,(% % "#,(( % "#,!& % "#,(& % "#,%( % "#,!$ % "#,$! % "#,$) % "#,"& % *,*+ % "$$% "#,"+ % "#,$* % *,*% % "#,%# % "#,&! % "#,&* % "#,%) % "#,!+ % "#,!" % "#,$$ % *,** % "#,"* % "$$& "#,&! % "#,!" % "#,&% % "#,&" % "#,(* % "#,%# % "#,(" % "#,%* % "#,$" % "#,!" % "#,#" % *,+* % "$$' *,!# % *,&" % *,$! % ),($ % ),+% % *,#) % ),*$ % *,#! % *,!% % *,!" % ),*( % *,"" % "$$( *,## % ),)* % ),** % ),*# % *,"" % *,$( % *,"+ % *,"$ % ),%% % ),"+ % ),!" % +,*( % "$$) +,!% % +,#+ % +,&* % +,)% % +,++ % +,%& % +,(( % ),!$ % ),#% % *,!$ % ),%+ % ),"$ % "$$* +,)# % +,+$ % +,*( % ),$& % +,(# % ),#! % +,)+ % +,*& % +,%) % +,!( % (,%( % +,"" % "$!$ +,$% % +,#( % +,"$ % (,+% % (,%+ % (,&% % (,)( % (,%" % (,") % %,*& % %,)& % %,(* % "$!! (,$# % %,)# % %,+& % %,"# % %,$) % %,&) % &,)* % &,#& % &,*+ % &,%) % &,&( % %,!( % "$!" &,%% % &,+) % &,*& % %,## % %,%( % %,!* % %,!% % %,## % &,(& % &,*$ % &,*) % %,$$ % "$!# %,!$ % %,)# % %,+% % (,&* % +,"# % ),$! % +,(& % +,$# % +,+! % +,)" % ),&# % ),)! % "$!% ),(# % ),#& % ),&$ % ),&! % ),)" % ),$* % ),+# % ),+& % *,&( % *,)% % *,** % *,*! % "$!& *,"% % *,)& % "#,"* % "#,$) % "#,!" % "#,%+ % "",&% % "","% % "",&( % "",$) % "$,$! % "$,!) % "$!' "",)( % "#,+! % "#,)* % "#,!* % "",$) % "#,!! % "#,"( % "#,(+ % "#,+# % "",$" % "$,&+ % "$,)( % "$!( "$,!" % "$,#" % "$,"& % "$,#( % "$,"* % "$,(& % "$,&( % "$,#" % "$,(& % "$,)) % "!,## % "$,)$ % "$!) "$,&) % "$,*( % "!,#& % "!,!$ % "!,+" % "&,%# % "%,#* % "%,(! % "%,*) % "%,)( % "%,*+ % "%,!# % "$!* "&,*) % "%,!" % "%,)% % "(,$$ % "(,"! % "&,)& % "%,#" % "!,++ % "&,(( % "&,!" % "%,$+ % "&,+& % "$"$ "!,*( % "&,$) % "&,+! % "!,&& % "!,#% % "$,%( % "#,!$ % "#,%) % "",)+ % "$,$" % "!,*# % "$,&% % "$"! "!,&% % "%,%" % "(,!# % "%,($ % "!,+& % "(,!% % "%,*) % "(,!) % "+,)+ % "+,)! % "),%# % "+,*" % "$"" "*,#) % "+,!! % "+,$( % "),(% % $#,(# % $$,#$ % $!,)( % $(,$& % $),++ % !#,++ % $+,(# % $(,** % "$"# $&,*& % $*,!& % $%,*) % $(,%$ % $),)% % !$,#( % !$,#) % !%,#* % &",)( % !+,)" % !+,)& % !*,!( % "$"% &&,$! % &+,*& % !*,*# % Stichtag: !".#!.$#$%; Quelle: Incrementum #–"" % ""–$" % $"–!" % !"–%# %

€URO 06|2540 Goldinvestments werden in Deutschland steuerlich weit- aus differenzierter behandelt als Aktien, Anleihen und Spar- guthaben. Der Fiskus unterscheidet beim gelben Edelmetall zwischen physi- schen Anlageformen sowie Finanzpro- dukten mit und ohne Auslieferungsan- sprüchen. Folgende !iskalische Beson- derheiten sollten Anleger beachten. Goldbarren und Goldmünzen. Gewin- ne aus dem Verkauf von physischem Gold bleiben steuerfrei, wenn Anleger sie als Sachwertanlagen mindestens ein Jahr gehalten haben. Werden Goldbar- ren oder -münzen innerhalb dieser Spe- kulationsfrist verkauft, gilt der Gewinn als privates Veräußerungsgeschäft und unterliegt dem persönlichen Einkom- mensteuersatz (14 bis 45 Prozent), sofern dieser über der Steuerfreigrenze !ür Sachwerte (1000 Euro pro Jahr) liegt. Gold-ETCs. Wer mit physischem Gold hinterlegte Goldanleihen (ETCs) im De- pot hat, kann Kursgewinne in vielen Fäl- len nach einem Jahr Haltedauer eben- falls steuerfrei kassieren. Dies hat der Bundes!inanzhof (BFH) !ür Xetra-Gold entschieden (Az. VIII R 4/15; VIII R 35/14). Das Bundes!inanzministerium (BMF) hat die BFH#Urteile durch Erlasse bestätigt. Biss für Biss steuerbar Gold ist nicht gleich Gold. Zumindest in puncto Steuern. Bei den Anlageformen des Edelmetalls gibt es relevante fiskalische Unterschiede Härtetest: Nicht nur Anleger, son- dern auch Finanz- ämter prüfen Gold- anlagen genau Titel Gold & Bitcoin

€URO 06|25 41 Demnach müssen Finanzämter Gewinne aus dem Verkauf von Gold-ETCs (Ex- change Traded Commodities), die einen Lieferanspruch auf physisches Gold grammgenau verbriefen, nach einem Jahr Haltedauer als steuerfrei behan- deln. Das trifft beispielsweise auch auf das bei Anlegern beliebte Produkt Eu- wax Gold II zu. Im Gegenzug sind hier außerhalb der Jahresfrist realisierte Ver- luste !ür diese Produkte nicht mehr steu- ermindernd verrechenbar (Gz. IV C 1 — S 2252/08/10004:017). Goldfonds. Gemanagte Investment- fonds und ETFs, die in Goldminenbetrei- ber und deren Zulieferer und Ausrüster investieren, bietet dagegen keinen Lie- feranspruch auf physisches Gold. Reali- sierte Gewinne gelten als Einkünfte aus Kapitalvermögen und sind unabhängig von der Haltedauer abgeltungsteuer- pflichtig, dazu kommen noch der Soli- Zuschlag und gegebenenfalls Kirchen- steuer (insgesamt bis zu 27,99 Prozent). Gold-Sammlermünzen. Für den Kauf und Verkauf von Goldmünzen gibt es eine weitere steuerliche Besonderheit: Haben sie einen „münzkundlichen Wert“, sind beim Kauf statt 19 nur sieben Prozent Umsatzsteuer !ällig. „Auf die steuerpflichtigen Umsätze mit Sammler- münzen aus Edelmetallen ist der ermä- ßigte Umsatzsteuersatz anzuwenden, wenn die Bemessungsgrundlage !ür die Umsätze dieser Gegenstände mehr als 250 Prozent des unter Zugrundelegung des Feingewichts berechneten Metall- werts ohne Umsatzsteuer beträgt“, wird in einem Schreiben des Bundes!inanzmi- nisteriums von Dezember 2024 erläutert (Gz. III C 2 — S 7246/19/10002:001). Für Anleger, die regelmäßig Silber- münzen erwerben, ist es schon länger ein Ärgernis: Auf Silberlinge, die keine Sammlerstücke von „münz- kundlichem Wert“ darstellen, sind fast immer 19 Prozent Umsatzsteuer fällig. Ausnahmeregelung. Bis Ende des Jahres 2013 galt hier der ermäßigte Satz von sieben Prozent. Seit 2014 werden regulär 19 Prozent erhoben. Damals wurde jedoch parallel eine Sonderregelung für Silbermünzen eingeführt, die aus Nicht-EU-Ländern importiert wurden, etwa aus Kanada, Australien und den USA. „Differenzbesteuerung“. Bei diesen Silbermünzen wendeten Edelmetall- händler seitdem die sogenannte Diffe- renzbesteuerung an – und berechneten die Umsatzsteuer nur auf ihre Marge. Dadurch blieb die Abgabe für derartige Silbermünzen bei rund sieben Prozent. Auch für importierte Münzbarren aus Silber galt der Steuervorteil. Auf nor- male Silberbarren ohne Münzprägung wird hingegen seit mehr als acht Jahren der reguläre Umsatzsteuersatz von 19 Prozent fällig. Ab diesem Jahr entfällt die Differenzbesteuerung für neu in die EU importierte Silbermünzen voll- ständig – sie unterliegen nun der Regel- besteuerung mit 19 Prozent Mehrwert- steuer auf den vollen Verkaufspreis. Neuregelung. Aus Sicht des BMF ist die vereinfachte Regelung in der Ver- gangenheit, die sich ausschließlich auf Sammlerstücke von hohem Wert be- ziehen sollte, oftmals falsch angewen- det worden. Dieser Steuervorteil gilt ab 2025 auch deshalb nur noch bei Sammlermünzen, deren Wert mehr als 250 Prozent über dem Materialpreis liegt. Bei der Ermittlung des Metall- werts von Silbermünzen kann man statt der jeweiligen Tagesnotierung aus Ver- einfachungsgründen den letzten im Monat November festgestellten Preis je Kilogramm Feinsilber für das gesamte folgende Kalenderjahr zugrunde legen. Für das Kalenderjahr 2025 ist die Wert- ermittlung dabei nach einem Silber- preis (ohne Umsatzsteuer) von 910 Euro je Kilogramm vorzunehmen. Übergangsregelung. Für Silbermün- zen, die bereits vor dem Jahr 2025 in die Europäische Union eingeführt wur- den und die der Differenzbesteuerung unterliegen, gilt eine Übergangsrege- lung: Sie können weiterhin „differenz- besteuert“ verkauft werden, solange sie sich im Lagerbestand des Händlers befinden. Darüber hinaus bleibt die Differenzbesteuerung für Silbermün- zen aus Privatankäufen bestehen. Bei diesen wird weiterhin nur die Differenz zwischen An- und Verkaufspreis mit 19 Prozent besteuert. SILBERMÜNZEN Auch wer in Silberlinge investiert, muss auf fiskalische Besonder- heiten achten. Das ist der Stand bei der „Differenzbesteuerung“ BILD: SIMON POTTER/IMAGE SOURCE/GETTY IMAGES, TEMMUZCAN/ISTOCK ➝

€URO 06|2544 Bitcoin bietet einen größeren Anlageschutz, als es Papierwäh- rungen bieten können“, sagt Hendrik Leber, Gründer der Fondsgesellschaft Acatis. Seit Jahren ist Leber ein Fan der Kryptowährung. Da ist die unglaubliche Performance des nach Börsenwert weltgrößten Coins. Seit dem Start durch einen Unbekannten mit dem Pseudonym Satoshi Nakamoto bescher- te der Bitcoin Besitzern im Schnitt weit über 100 Prozent Rendite pro Jahr. Der Star-Fondsmanager schätzt die !ührende Digitalwährung jedoch noch aus einem weiteren Grund. Für Leber ist die Kryptowährung auch ein Stück Frei- heit. „Bitcoin kann man als Code überall mit hinnehmen auf der Welt. Darum ist er beweglicher als Geld, Gold oder Dia- manten“, so der Finanzpro!i. Sieht man von den komplexen Details ab, ist das vielen Ländern seit der Finanzkrise 2009 wurde durch Corona und Energie- und Rohstoffmangel sowie andere Ver- sorgungsengpässe noch einmal be- schleunigt. Und Millionen von Europä- ern brauchen seit Ausbruch des Ukrai- ne-Kriegs wenig Fantasie, sich die Folgen militärischer Eskalationen auszumalen. Mit der zweiten Trump-Administra- tion ist ein weiterer Risikofaktor hinzu- gekommen: die Irrationalität des mäch- tigsten Mannes der Welt. Die rigide Zoll- politik des US"Präsidenten trieb nicht bloß die weltweiten Aktienmärkte in ei- nen Crash. Trumps erratische Wirt- schaftspolitik ließ US"Staatsanleihen einbrechen, das mit rund 30 Billionen Dollar Volumen größte Anlage-Asset überhaupt. „Trumps Team spielt mit flüssigem Nitroglyzerin“, kommentierte der renommierte Wall-Street-Stratege Ed BILD: MAROG-PIXCELLS/ISTOCK, LASZLO HANYECZ/TWITTER, CSÁK ISTVÁN/STOCK.ADOBE.COM Kurze Geschichte des Bitcoin Die Historie der wichtigsten Kryptowährung der Welt begann erst vor gut 16 Jahren Prinzip simpel: Smartphone plus Smart- card oder Speicherstick !ür einen per- sönlichen Schüssel genügen, um Millio- nenwerte im Notfall auch über nationa- le Grenzen zu bringen. Kryptowährun- gen werden überdies sieben Tage die Woche gehandelt. Wer will oder es aus einer Notsituation heraus muss, macht sie rund um die Uhr zu Geld. Multikrisen schaffen Nachfrage. Auch wenn manche Staaten Einzahlun- gen und Entnahmen von Digitalwährun- gen regulieren — viele möchten diese Op- tion nicht mehr missen. Denn selbst er- fahrene Anleger mussten zuletzt einiges lernen. In der Corona-Krise wurden per- sönliche Freiheiten eingeschränkt und Ausgehverbote erlassen. Preise stiegen danach erschreckend schnell. Eine ex- zessiv wachsende Staatsverschuldung in Titel Gold & Bitcoin

1 BTC = 1 US-$ €URO 06|25 45 Sein Algorithmus macht ihn knapp wie Gold. Finanzprofis schätzen die Sicherheit und Freiheit, die die Digitalwährung bietet. Und ihre erstaunliche Resilienz in Börsenkrisen Abseits katastrophaler Szenarien bietet die Digitalwährung Anlegern zudem eine Eigenschaft, die man ihr auf den ersten Blick nicht zutrauen würde. Ob nach dem Ausbruch der Pandemie, dem Beginn des Ukraine-Kriegs oder den Turbulenzen der US"Regionalbankenkrise im Frühjahr 2023 — das Muster der Kursreaktion wiederholte sich: Kurzfristig bewegte sich die Kryp- towährung mehr oder weniger synchron zu den Börsen, verlor teils stärker und schwang volatiler noch als Technologiewerte. Mittel- und langfristig aber zeigte der Coin erstaunliche Stehauf-Qualitäten: Bereits 60 Tage nach dem Covid-Crash etwa notierte die Digitalwährung gut 20 Prozent über ihrem Vorkrisenniveau. Zu diesem Zeitpunkt hatte der US"Index S & P 500 so eben erst sein Ausgangsni- veau erreicht (siehe Tabelle Seite 46 links unten). Einen ähnlichen Vorsprung 3. Januar 2009 Genesis-Block (Block 0) wird von einem Unbe- kannten mit Pseudonym Satoshi Nakamoto gemined, offizieller Start 22. Mai 2010 Bitcoin Pizza Day – Laszlo Hanyecz kauft zwei Pizzen für 10 000 BTC, erste dokumentierte Transaktion im echten Leben Februar 2011 Der Bitcoin erreicht erstmals die Parität mit dem US-Dollar, was seine Bekanntheit fördert Der Anti-Krisen-Coin Yardeni die Flucht aus US"Treasuries. Ein Einbruch am US"Bondmarkt könne das Welt!inanzsystem ins Wanken bringen, warnen Finanzpro!is. „Es wäre der größ- te anzunehmende Unfall, ein GAU“, so LBBW"Chefvolkswirt Moritz Kraemer gegenüber der „Börsen-Zeitung“. Wenn aber die globale Ankerwäh- rung US"Dollar nicht mehr sicher scheint, dann ist das Vertrauen in das sogenann- te „Fiatgeld“ der Notenbanken ernsthaft erschüttert. Im Prinzip ist es bloß Papier, was weltweite Zentralbanken seit vielen Jahrzehnten ausgeben. Physisch knappe Ressourcen wie Gold oder der per Algo- rithmus regelmäßig verknappte Bitcoin (siehe Seite 46) gewinnen da in den Augen vieler, die ihr Vermögen sichern wollen. Die 1869 gegründete US"Invest- mentbank Goldman Sachs, die Erfahrun- gen aus den Börsenkrisen der vergange- ➝ nen 156 Jahre sammelte, sieht in der Kryptowährung einen „ef!izienten Con- trarian-Hedge bei Überschuldungs- szenarien“. Auch der Vorstandschef des weltgrößten Vermögensverwalters lobt den Bitcoin ausdrücklich als vertrauens- würdiges neues Geld. „Verwenden Sie das Instrument, wenn Sie Angst vor der Entwertung Ihrer Währung oder Sorge um die Stabilität Ihres Landes haben“, riet Blackrock-Chef Larry Fink. Bitcoin-ETPs So lässt sich die größte Kryptowährung einfach handeln Emittent ISIN TER ! in % Bitwise DE !!! A"A ER# $ !,$! iShares (Blackrock) XS $%" !"# #&' # !,'( Wisdomtree GB !!B JYD H$) * !,'( Stichtag: !'.!(.$!$(; ! Total Expense Ratio (Gesamt- kostenquote); Quelle: JustETF

’10 ’11 ’12 ’13 ’14 ’15 ’16 ’17 ’18 ’19 ’20 ’21 ’22 ’23 ’24 ’25 100 000 10 000 1 000 100 10 1 0,1 ’22’20’18’16’14’12 ’21 ’23 ’24’17 ’19’13 ’15 1,0 0,8 0,6 0,4 0,2 0,0 -0,2 -0,4 -0,6 -0,8 -1,0 1 BTC = 20 000 US-$ €URO 06|2546 Null: keine Korrelation, unabhängig, ': bewegt sich wie Nasdaq; Quelle: Incrementum Stichtag: !'.!(.$!$(; Quelle: BO Data Kurs in logarithmischer Darstellung Verzehnfacht heißt konstanter Abstand Korrelation zu Techs Kurzfristig bewegt sich der Bitcoin ähnlich wie US-Techs, langfristig ist die Korrelation gering DAS BITCOIN-PRINZIP Basis des Bitcoin (BTC) ist wie bei allen Kryptowährungen die Blockchain, eine verkettete Liste von Datenblöcken, die dezentral auf vielen Computern gespeichert ist. Der Kon- sensmechanismus ist „Proof of Work“, ein mathematisches Rätsel muss gelöst werden. Wird ein Block beendet, gibt es eine Entlohnung in BTC, sie wird im Abstand von etwa vier Jahren halbiert. Seit dem vierten „Halving“ 2024 sind es 3,125 BTC. Durch den Algorithmus ist die Anzahl der Bitcoin auf 21 Millionen Stück begrenzt. Diese Verknappung schafft eine Parallele zum begrenzt verfügbaren physischen Gold. Ende 2017 Der Bitcoin erreicht gut sechs Jahre nach der Dollar-Parität erstmals einen Wert von rund 20 000 Dollar und weltweite Bekanntheit 11. November 2022 Insolvenz der Krypto- börse FTX, Gründer Sam Bankman-Fried tritt zurück und wird später wegen Betrugs verklagt und verurteilt – Vertrauenskrise Februar 2014 Mt.-Gox-Hack – 850 000 BTC werden aus der Krypto- börse Mt. Gox gestohlen, es folgen Insolvenz und Vertrauenskrise Krisen Nach Covid oder Ukraine-Krieg war der BTC kurz schwächer als US-Aktien, erholte sich dann aber schneller Nach !" Tagen Nach #" Tagen Ereignis Datum S & P $"" in % BTC in % S & P $"" in % BTC in % USA-Iran-Eskalation !&.!'.$!$! $ '$ -* $! Covid-Ausbruch ''.!&.$!$! -$! -$( $ $' Turbulenzen US-Wahl "#"# !&.''.$!$! * '% '$ '&' Russlands Überfall auf Ukraine $".!$.$!$$ ' -# & '( US-Regionalbankenkrise !%.!&.$!$& -$ $( " &$ Yen-Carry-Trade-Turbulenzen !(.!).$!$" $ ! * & Quelle: Blackrock Bitcoin in US-$ Rollierende 6-Monats-Korrelation BTC/Nasdaq 28. November 2012: Erste Halbie- rung der Miner-Entlohnung 9. Juli 2016: Zweites Halving 11. Mai 2020: Drittes Halving 20. April 2024: Viertes Halving

M J J A S O N D J F M A 500 450 400 350 300 250 200 150 €URO 06|25 47 ➝ WKN A2U RSJ Kurs 282,53 € Hoch/Tief 52 W. 497,63 €/172,00 € Stichtag: !(.!(.$!$(; Quelle: BO Data Im von unserem Schwestermagazin BÖRSE ONLINE entwickelten Index fin- den sich zehn der wichtigsten Kryptowäh- rungen. Neben der weltweit größten Digi- talwährung Bitcoin sind alternative Coins (Altcoins) wie XRP, Polkadot, Solana oder Ethereum (siehe Seite 48) im Korb ent- halten. Auch der Meme-Coin (eine Spaß- währung) des Tesla-Gründers Elon Musk hat es wegen des vergleichsweise hohen Marktgewichts in die Auswahl geschafft. €URO-EMPFEHLUNG 1BO BEST OF KRYPTO INDEX zugänglich machen“, sagt Ashley Oerth, globale Marktstrategin bei Invesco. Sparplan bringt’s. In Deutschland wer- den inzwischen etliche sogenannte Exchange Traded Products (ETPs) auf Kryptowährungen gehandelt. Der Ein- stieg ist damit auch abseits des Krypto- handels bei speziellen Plattformen (siehe Seite 50 bis 53) analog zu Aktien oder ETFs problemlos möglich. Sparern kommt die leichtere Handel- barkeit der Kryptos zugute. Manchen mag zwar die kurzfristig hohe Volatilität schre- cken. Bei unglücklichem Einstieg verloren Bitcoin-Anleger in der Spitze in der Histo- rie teils über 90 Prozent. Sparplanbesit- zer aber machten auch bei schlechtem Timing ihren Schnitt: Wer etwa auf dem Hoch am 9. November 2021 einen monat- lichen Sparplan mit 100 Euro gestartet und bis heute durchgezogen hat, holte aus 4200 Euro Einsatz in Bitcoin 9683 Euro — macht im Schnitt rund 130 Prozent Rendi- te. Wer seit zehn Jahren jeden Monat 100 Euro investiert hat, erzielte eine jährliche Rendite von im Schnitt fast 48 Prozent. Die Trump-Administration könnte !ür zusätzliche Nachfrage nach Bitcoin sor- gen. Noch sind die Signale aus dem Wei- ßen Haus zwar nebulös, dennoch deuten sie in eine Richtung: Der Bitcoin, wie auch die alternativen Kryptos Cardano, Ether, Solana und XRP (siehe Seite 48), haben durchaus Chancen, Teil einer US"Digital- reserve zu werden ähnlich den nationalen Ölvorräten — oder dem berühmten Gold- schatz in Fort Knox. gegenüber dem breiten US"Index fuhren Bitcoin-Anleger rund zwei Monate nach Russlands Februar-Attacke 2022 ein. Die Anziehungskraft des Bitcoin fußt somit auf Rendite, auf der Suche nach Freiheitsgraden — und auf einem hohen Maß an Resilienz in Börsenkrisen. Für professionelle Investoren ist die Krypto- währung überdies zu einer wertvollen Ergänzung zu den traditionellen Assets Aktien, Anleihen, Immobilien und Gold geworden. Wer den Bitcoin bloß als neues Risiko-Investment begreife, sei auf dem Holzweg, erklärt etwa Samara Cohen, Investmentche!in !ür ETFs und Index Investments bei Blackrock. „Lang- fristig ist der Bitcoin etwa mit US"Aktien kaum korreliert“, stellt Cohen fest. Mehr Sicherheit. Vielmehr handle es sich um eine eigene Assetklasse mit nied- riger Korrelation zu den anderen Ver- mögenswerten, so Cohen. Digitalwäh- rungen nutzt der US"Finanzriese, um sei- ne 11,5 Billionen Dollar an verwaltetem Vermögen zusätzlich zu diversi!izieren und das Risiko !ür die Kunden zu senken. Im Finanz-Establishment sind die Kryptos, und vor allen anderen der Bit- coin, angekommen. Im Januar 2024 gab die damals kryptokritische US"Börsen- aufsicht SEC ihren Widerstand auf Druck institutioneller Anleger auf und geneh- migte die ersten Spotpreis-ETFs auf Bit- coin. Die höhere Liquidität hat die Zu- gänglichkeit !ür institutionelle Anleger entscheidend verbessert. Viele US"Fonds und Vermögensver- walter legten seither Spot-Preis-ETFs auf. Bis Ende März kauften diese fast 1,2 Mil- lionen Bitcoin, bis Ende 2024 flossen net- to rund 35 Milliarden Dollar in den Coin. Der Kapitalstrom dürfte anhalten. „2025 könnten weitere Länder Spot-ETFs !ür ein breiteres Anlegerpublikum zulassen und weitere Kryptos über ETF"Produkte Der Preis der Finanzinstrumente wird von einem Index als Basiswert abgeleitet. Die Börsenmedien AG hat diesen Index entwickelt und hält die Rech- te hieran. Mit dem Emittenten der dargestellten Wertpapiere hat die Börsenmedien AG eine Ko- operationsvereinbarung geschlossen, wonach sie dem Emittenten eine Lizenz zur Verwendung des Index erteilt. Die Börsenmedien AG erhält inso- weit von dem Emittenten Vergütungen. 11. Januar 2024 SEC-Zulassung des ersten Spot-Preis-ETFs in den USA. Institutionelle Investoren etablieren BTC am traditionellen Kapitalmarkt 20. Januar 2025 Inauguration von US-Präsident Trump, der eine US- Kryptoreserve verspricht: bisheriges Allzeithoch bei über 109 000 Dollar Gerd Weger: Krypto-Kompendium Börsenbuch Verlag 736 Seiten, 79,00 € ISBN: 978-3-86470-957-9 Gerd Weger ist seit den 1980ern erfolgreich an den Märkten aktiv. Seine ganze Expertise zu den Be- wertungsfaktoren von Bitcoin und Co, den Ansätzen zur Fundamental- analyse und Steueroptimierung. Titel Gold & Bitcoin BILD: SETH WENIG/AP/PICTURE ALLIANCE, BLOOMBERG/GETTY IMAGES, CHIP SOMODEVILLA/AP/PICTURE ALLIANCE Kurs in €

M J J A S O N D J F M A 280 260 240 220 200 180 160 140 120 100 M J J A S O N D J F M A 3,5 3,0 2,5 2,0 1,5 1,0 0,5 0,0 M J J A S O N D J F M A 4500 4000 3500 3000 2500 2000 1500 1000 €URO 06|2548 Börsenwert Solana 76,0 Mrd. US-$ Emittent ETP Coinshares ISIN GB 00B NRR FY3 4 Kurs ETP 14,20 € Gesamtkostenquote 0,0 % Börsenwert XRP 128,1 Mrd. US-$ Emittent ETP Wisdomtree ISIN GB 00B RXH Q42 5 Kurs ETP 17,41 € Gesamtkostenquote 0,5 % Börsenwert Ether 220,8 Mrd. US-$ Emittent ETP Wisdomtree ISIN GB 00B JYD H39 4 Kurs ETP 15,82 € Gesamtkostenquote 0,35 % Stichtag: !(.!(.$!$(; Quelle: BO DataStichtag: !(.!(.$!$(; Quelle: BO DataStichtag: !(.!(.$!$(; Quelle: BO Data Die Blockchain wurde im März 2020 ge- startet. Solana nutzt den Konsensmecha- nismus „Proof of Stake“ zur Bestätigung der Blocks. Dabei werden keine mathe- matischen Rätsel gelöst („gemint“). Sola- na-Besitzer, die ihre Coins dafür einset- zen („staken“), werden ausgelost. Sie erhalten Staking-Gewinne. Solana kom- biniert dieses Verfahren mit „Proof of History“ (PoH), eine integrierte, krypto- grafische Uhr, die den Zeitstempel der Transaktionen beweisbar macht. Das be- schleunigt das Netzwerk. Die schnelle Blockchain wird für dezentralisierte Fi- nanzdienste (DeFi) und Smart Contracts genutzt. Viele Spiele laufen auf Solana, auch NFTs werden mit Solana gezahlt. Die Transaktionsgebühren, die bei Block- chains als Ausgleich für die Rechenleis- tung verlangt werden, sind niedriger als etwa bei Ethereum. Die Angebotsmenge wird durch Burning kontrolliert. Der Konsensmechanismus setzt auf ver- trauenswürdige Validierer von der Unique Node List (UNL). Transaktionen in der Blockchain werden bestätigt, wenn min- destens 80 Prozent zustimmen. Die Va- lidierer sind unabhängige Server von Un- ternehmen oder Privaten. Die Konsens- findung erfolgt alle paar Sekunden. Es gibt somit keine Mining- oder Staking-Be- lohnungen, neue XRP werden nicht er- zeugt. Alle 100 Milliarden XRP existieren seit Start des Netzwerks, 80 Prozent hält das Unternehmen Ripple Labs, einen Großteil in Treuhandkonten, um die Men- ge zu steuern. XRP wurde als Brücken- währung konzipiert für schnellen und günstigen Transfer über verschiedene Währungen und Zahlungssysteme hin- weg. XRP gilt als eine der am weitesten akzeptierten Kryptowährungen im Ban- kensektor und wird von zahlreichen Insti- tutionen weltweit genutzt oder getestet. Ether ist nach Börsenwert die zweitgröß- te Kryptowährung nach Bitcoin. Die Ethe- reum-Blockchain wird für dezentrale digi- tale Anwendungen (dApps) genutzt. Fi- nanzdienste wie die Kreditvergabe über Smart Contracts ohne Beteiligung von Banken oder Versicherungen sind ein Bei- spiel. Verbreitet sind Smart Contracts etwa bei der Übertragung von NFTs (Non- Fungible Tokens, nicht austauschbare digitale Objekte) wie Kunstwerken. Via Blockchain werden hier NFTs gegen Zah- lung von Ether verkauft. Bei Eingang des Zahlungsmittels erfolgt automatisch die Übertragung. Die Ethermenge ist nicht begrenzt. Seit dem London-Update von 2021 wird bei jeder Transaktion ein Teil der Ether verbrannt. Mit dem Wechsel des Konsensmechanismus von „Proof of Work“ zu „Proof of Stake“ im September 2022 wurde die benötigte Energiemenge reduziert, die Entlohnung damit ebenfalls. SOLANAXRPETHER Titel Gold & Bitcoin ➝ Kurs Solana in US-$Kurs XRP in US-$Kurs Ether in US-$

0 300 600 900 1200 BNBRippleTetherEthereumBitcoin 1371 159 130 94 71 €URO 06|2550 Exotische Digitalmünzen wie der GoSleep ZZZ locken wohl vor- wiegend Schlafmützen an. Wa- che Krypto-Neueinsteiger set- zen eher auf eine der großen Digital- währungen mit hoher Marktkapitalisie- rung — Bitcoin, Ethereum und Co. Sobald sie ihr Anlageziel ausgemacht haben, sollten sie überprüfen, welche der vielen Handelsplattformen dieses zu möglichst günstigen Konditionen an- bietet. Die Möglichkeit eines Sparplans könnte ETF-erfahrenen Sparern helfen, an eine gute Gewohnheit anzuknüpfen. Auch ob Staking möglich ist, also der Ver- leih zur technischen Absicherung der jeweiligen Blockchain, zählt zu den Kri- terien. Denn darüber können sie Be- lohnungen, eine Art „Verzinsung“ ihrer Guthaben, generieren. Da Gewinne aus den Kryptogeschäf- ten steuerlich relevant sind (siehe auch Seite 56), bieten sich Plattformen mit Sitz in Deutschland an. Anders als etwa US-amerikanische liefern sie die Steuer- belege passgenau und oft kostenlos mit. Drei Schritte ins Kryptoversum Anleger haben die Wahl: Welches Digitalgeld sie ansparen wollen, wie sie Gewinne versteuern, welche Handelsplattform sie bevorzugen. Eine Bitcoin-Bedienungsanleitung Im Cybernetzwerk: Der Bitcoin ist auf dem Weg, zum Zahlungsmittel der Zukunft aufzusteigen. Viele Anleger suchen Zugang BILD: REDPHOTOGRAPHER/ISTOCK Stichtag: !!."#.!"!$; Quelle: Coin Market Cap Digitale Assets Mehr als 11 000 Kryptowährungen existieren bislang. Bitcoin ist die bei Weitem populärste Titel Gold & Bitcoin Kryptowährungen nach Marktkapitalisierung in Mrd. %

€URO 06|25 51 ➝ 1.Krypto aussuchen: Bitcoin ist populär, an- dere sind technisch avan- cierter. Die Tokenisierung in der Blockchain kann künftig den Wert treiben. 2.Steuer bedenken: Versteuern Anleger in Deutschland, müssen sie Gewinne/Verluste doku- mentieren. Manche Kryptoplattformen helfen. 3.Plattform wählen: Nach Vielfalt an Kryp- tos, Handelskosten und ihrer Transparenz aussu- chen. Depot eröffnen – und los kann’s gehen. Schritt für Schritt: Die Auswahl scheint klar – ist aber nicht trivial. Bitcoin ist aktuell die größte Digitaldevise, in die das meiste Geld fließt. Andere Währungen könnten jedoch in Zukunft relevanter werden, weil sie die Möglichkeiten der zugrunde liegenden Blockchain-Technologie klarer in einen Wert verwandeln Über die Plattform: Coinbase Global bietet seit 2015 den Handel mit Bitcoin, später auch mit vielen anderen Kryptos an. Im April 2021 ging das Unterneh- men an die Börse. Die Plattform bietet neben dem Handel auch die kostenlose Verwahrung in einer Cyberwallet. In diesem digitalen Geldbeutel bleiben Bitcoin, Ethereum und Co stets Vermö- genswerte, also Eigentum der Depot- besitzer. Außerdem bietet die Platt- form eine Programmiererschnittstelle für Entwickler und Verkäufer. Testsie- ger im Finanzmagazin BÖRSE ONLINE im Juli 2024: „Beste Krypto-Plattform“. Über die Plattform: Die Kryptobörse bietet seit 2013 den Handel mit Bitcoin und Litecoin an. Später kamen weitere Währungen und Margin-Handel dazu. Inzwischen verzeichnet Kraken neun Millionen Nutzer weltweit. In Deutsch- land hat Kraken den Handel an die Frankfurter DLT Finance ausgelagert, die von der Bafin beaufsichtigt wird. Seit 2023 bietet Kraken auch den Han- del mit NFTs, also digitalen Kunstwer- ken und Sammlerobjekten, an. Die Ver- wahrung digitaler Assets ist seit März über „Kraken Financial“, eine hauseige- ne digitale Bank, möglich. Hauptsitz San Francisco (Kalifornien) Zahl handelbarer Kryptowährungen 240 digitale Assets Kosten Wenig transparent. Kein Preis- und Leistungsverzeichnis auf der Website. Handelsgebühren und Spreads variieren. Staking Ja Kryptosparpläne Ja ETN Nein Jahressteuerbescheinigung Kompliziert. Coinbase empfiehlt eine „kryptofreundliche Steuersoftware“. Hauptsitz San Francisco (Kalifornien) Zahl handelbarer Kryptowährungen 381 Assets Kosten Wenig transparent. Handelsgebühren und Spreads variieren. Staking Ja Kryptosparpläne Ja ETN Nein Jahressteuerbescheinigung Nein, auch keine Gewinn- und Verlustaufstellung. Kraken empfiehlt, einen deutschen Steuerberater zu konsultieren.

€URO 06|2556 Zwei Verordnungen des Bundes- !inanzministeriums (BMF) sind die essenziellen „Steuer-Guide- lines“ !ür Krypto-Investoren. Bereits im Mai 2022 wurde ein Anwen- dungsschreiben veröffentlicht, das zu- vor offene Steuerfragen bei Krypto-In- vestments präzisiert hatte (Gz. IV C 1 — S2256/19/10003: 001). Grundsätzlich gilt seitdem !ür alle mit Kryptowährungen erzielten Gewinne verbindlich eine Spe- kulationsfrist von einem Jahr. Wer Coins erst nach Ablauf dieser Haltedauer ver- kauft, kassiert realisierte Gewinne „brut- to !ür netto“. Aber auch wer Bitcoins in andere Kryptowährungen wie Ethereum tauscht oder Waren und Dienstleistun- gen damit bezahlt, tätigt ein „privates Veräußerungsgeschäft“. Ein neues BMF"Schreiben von März 2025 liefert ein Steuer-Update !ür Kryp- towerte (Gz. IV C 1 — S2256/00042/064/ 043). Es soll Krypto-Investoren Hilfe- stellungen bei der Dokumentation und Deklaration ihrer Einkünfte geben. Auch Sachbearbeiter der Finanzämter erhal- ten Hinweise zur Prüfung entsprechen- der Angaben in den Steuererklärungen. Steuerliche Besonderheiten. Wer über Finanzprodukte in Kryptowerte in- vestiert, muss zudem auf !iskalische Eigenarten achten (siehe Kästen rechts). Zu beachten: Die in den USA erhältlichen Bitcoin-ETFs sind in Deutschland bisher nicht zugelassen. Nach den Fonds-Richt- linien müssen hierzulande ETFs mehre- re Basiswerte aufweisen und beziehen sich in der Regel auf Börsenindizes. Kryptowerte clever steuern Wer in Bitcoin und Co direkt oder über Finanzprodukte investiert, sollte mit den wichtigsten Steuerregeln vertraut sein. Diese fiskalischen Grundsätze sind zu beachten Physischer Bitcoin: One Bitcoin Cent BTC Bitcent Silver Plated Coin Token BILD: YURCHELLO108/ISTOCK Titel Gold & Bitcoin

€URO 06|25 57 ➝ Wer in Bitcoin, Ethereum und Co direkt investiert, kann von Steu- ervorteilen profitieren, sollte aber fiskalische Fallen kennen Grundsätzlich gilt für alle mit Kryptowährungen erzielten Ge- winne eine Spekulationsfrist von einem Jahr. Wer Coins nach Ablauf die- ser Haltedauer verkauft, kassiert Ge- winne steuerfrei. Die Kehrseite: Nach Ablauf der Jahresfrist realisierte Verlus- te sind nicht mehr steuermindernd mit anderweitigen Gewinnen verrechenbar. Steuerliche Behandlung. Werden Krypto-Direktanlagen innerhalb von zwölf Monaten veräußert, gilt für reali- sierte Gewinne die Steuerfreigrenze für private Veräußerungsgeschäfte (1000 Euro) – denn steuerrechtlich gelten Bitcoin und Co als „anderes Wirt- schaftsgut“. Fällt der Gewinn aber auch nur einen Euro höher aus, ist in dieser Konstellation auf den gesamten reali- sierten Wertzuwachs der persönliche Steuersatz fällig (14 bis 45 Prozent, ab- hängig vom individuell zu versteuern- den Einkommen). Bei der steuerlichen Gewinnermittlung wird der Anschaf- fungs- vom Veräußerungspreis abge- zogen. Anleger haben die Wahl zwi- schen zwei Berechnungsarten: Bei der FIFO-Methode („First in – first out“) gel- ten Coins, die zuerst gekauft wurden, auch als Erstes wieder als veräußert. Bei der Durchschnittsmethode wird der Gewinn anhand des Durchschnitts- preises, etwa von allen angeschafften Bitcoins, ermittelt. Eine Alternative zu Direktinvest- ments sind Krypto-ETPs. Diese fiskalischen Bestimmungen sollten Anleger dabei beachten Die meisten Onlinebroker haben inzwischen ETPs (Exchange Traded Products) in ihrer Pro- duktpalette. Die Krypto-Finanzproduk- te werden auch in der engeren Katego- rie „Exchange Traded Notes“ (ETNs) angeboten und sind für Krypto-Anleger auch aus steuerlicher Sicht interessant. Rechtlicher Status. ETPs und ETNs sind börsengehandelte Inhaberschuld- verschreibungen, die eine Forderung des Anlegers gegenüber dem Emitten- ten verbriefen. Den Vorteil von ETFs (Exchange Traded Funds), deren Kapi- tal als Sondervermögen vor Insolven- zen geschützt ist, bieten ETPs nicht. Steuerliche Behandlung. Bedingun- gen für die steuerliche Gleichbehand- lung mit Direktanlagen sind die Hinter- legung und eine physische Ausliefe- rungsoption für die ETP-Assets. Bei Krypto-Baskets muss klar sein, in wel- chem Umfang das Investment aufzu- teilen ist, etwa zwischen Bitcoin und Ethereum, sonst fällt die Zuordnung fis- kalisch schwer, und der Anspruch auf die Auslieferung läuft möglicherweise mangels einer Bestimmbarkeit ins Leere. Sind diese Voraussetzungen er- füllt, werden Krypto-ETPs steuerlich wie Direktinvestments in Kryptowäh- rungen behandelt: Verkaufsgewinne sind nach einer Haltedauer von mindes- tens zwölf Monaten steuerfrei, bei frü- herer Veräußerung werden sie mit dem persönlichen Einkommensteuersatz des Anlegers (14 bis 45 Prozent) belegt. KRYPTO-DIREKTANLAGEN KRYPTO-ETPS Inhaber von Kryptowährungen können auch Gratiszuteilungen erhalten. Bei „Airdrops“ gibt es steuerliche Besonderheiten Für Freude bei Anlegern können „Airdrops“ sorgen. Inhaber einer Kryptowährung erhalten weitere Einheiten via „Abwurf aus der Luft“ – kostenlos und ohne weiteres Zutun. Steuerliche Behandlung. Bei derarti- gen Gratiszuteilungen geht die Finanz- verwaltung bereits beim „Drop“ von ei- nem steuerlich relevanten Vorgang aus. Die Sachbearbeiter der Finanzämter sind angewiesen, eine Verknüpfung mit einer digitalen Brieftasche („Wallet“) bereits als ausreichende „Mitwirkung“ zu werten, um Airdrops als „sonstige Einkünfte“ einzuordnen. Der erhaltene Gratis-Coin ist dann mit dem Marktwert zu bestimmen. Auch Airdrops können erst nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei verkauft werden, wenn die 1000-Euro-Freigrenze beim Gewinn überschritten wird. Ein fiskalischer Fall- strick: Bricht der Kurs des Airdrops nach Zuteilung ein und wird binnen Jahresfrist verkauft, ist eine Verlust- verrechnung aufgrund der unterschied- lichen Einkunftsarten nicht möglich. GRATIS-KRYPTOS/„AIRDROPS“