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DI VI DEN DEN€URO 03|2534
€URO 03|25 35 BILD: YELLOW MAN/ISTOCK , SONJA CRISPINO [M] Dank des Wunders wachsender Dividenden zum zweiten Gehalt: die besten Systeme VON STEPHAN BAUER, GREGOR DOLAK, RALF FERKEN, SONJA FUNKE, STEFAN GÄTZNER, SINAN KRIEGER, FRANK MERTGEN UND STEFAN RULLKÖTTER 36 EINLEITUNG Jährliche Gehaltserhöhung, ohne dafür einen Chef überzeugen zu müssen 38 DIVIDENDENSTARS Depot mit 15 hart ausgewählten Aktien, die die Dividende alle 5 Jahre verdoppeln 54 DEUTSCHE FAVORITEN Heimische Auszahlungskünstler mit bis zu 17 Prozent Dividendenrendite 48 SHAREHOLDER YIELD Wie die Kombination von Dividende und Aktienrückkauf Aktionäre beglückt 58 HV-KALENDER Überblick zu DAX, MDAX und SDAX: Wer bietet wann welche Gewinnbeteiligung? 52 EINZELANALYSE Im Check: die Ausschüttungsfähigkeit des Lebensmittelkonzerns Danone 60 LEBENSMODELLE Optimale Lösungen mit ETFs und Fonds für 25-, 50- und 65-Jährige Titel Dividendeneinkommen Ihr Start zur Sonnenseite des Lebens 72 STEUERWISSEN So kommt vom Kapitalertrag möglichst viel bei Ihnen an – und wenig beim Fiskus 64 KÖNIGSSTRATEGIE Ziel: Die Ausschüttung von bewährten Dividendenaktien noch vervielfachen
€URO 03|2536 K ennen Sie eine Anlagestrate- gie, die eigentlich nur Vorzüge bietet? Hier ist sie: auf Dividen- denwachstums-Aktien setzen. Ihr Zusatzeinkommen aus diesem Invest- ment wird im Lauf der Zeit voraussicht- lich erheblich steigen, weil die Unterneh- men ihre Stärke mit höheren Auszahlun- gen demonstrieren wollen. Und damit wirkt der Zinseszinseffekt, der gerade auf lange Frist !ür wahre Wunder sorgt. Das ergibt eine jährliche Gehaltserhö- hung, ohne dass Sie einen Chef überzeu- gen müssten, und das mit überschau- barem Aufwand. Zudem bieten Dividen- denstrategien dank ihrer Ausschüttungs- stärke mehr Stabilität in unruhigen Zeiten — und solche machen die Märkte garantiert wieder durch. Weil die Vorteile so eindeutig und viel!ältig sind, stellt €uro hier mehrere Strategien vor, um sich mit Ausschüttun- gen ein zweites Einkommen zu sichern. Depotwert vervierfachen. Strategie 1: Wir haben aus 1328 Unternehmen aus Europa, den USA und Japan in einem auf- wendigen Filterverfahren 31 Aktien er- mittelt, deren Pro!itabilität und Wachs- tum ein starkes Geschäftsmodell spie- geln. Diese Unternehmen haben zudem bewiesen, dass sie dank hoher und ste- tig wachsender Barmittelzuflüsse (Cash- flow) ihre Dividenden fortlaufend und deutlich steigern können — deswegen wird ihnen das auch über die nächsten Jahre zugetraut. Wir haben daraus ein diversi!iziertes Depot mit 15 Aktien zusammenstellt. Diese Titel haben im Schnitt ihre Dividenden in den vergan- genen Jahren um fast 15 Prozent gestei- gert — mit dieser Rate verdoppelt sich die Ausschüttung alle !ünf Jahre! Auch die Gesamtrendite des Depots der letzten zehn Jahre (inklusive reinves- tierter Dividenden) kann sich sehen las- sen: Bei einer Rendite von 14,8 Prozent per annum werden aus 15 000 Euro An- fangsinvestition binnen zehn Jahren 60 000 Euro — eine Steigerung um 300 Prozent. Das Depot stellen wir ab Seite 38 aus!ührlich vor. Apropos Rendite: Immer stärkere Beachtung !indet die Shareholder Yield, die Gesamtrendite aus der Addition von Dividendenrendite und der Rendite, die sich !ür den Aktionär aus Aktienrück- käufen ergibt. Kauft ein Konzern Aktien zurück, senkt er deren Gesamtzahl, und Gewinn sowie Ausschüttung pro Aktie steigen. Mercedes-Benz kommt zum Bei- spiel auf eine Shareholder Yield von rund elf Prozent (siehe Seite 48). Damit sind wir bei deutschen Dividen- denaktien, die oft schon mit der Dividen- de allein überragende Ausschüttungsren- diten bieten. Beispiel: der Medienkonzern RTL. Dank einer erwarteten Sonderaus- schüttung bietet er eine Dividendenren- dite von mehr als 17 Prozent. Selbst wenn die Sonderdividende etwas verspätet fließt, sichert die reguläre Dividende eine Rendite von zehn Prozent. Freenet kommt ohne Sonderertrag auf mehr als sieben Prozent, und wir haben weitere Top-Wer- te ausgesucht (siehe Seite 54). Zusätzli- cher Service !ür den Dividenden-Heimat- markt Deutschland: Auf den Seiten 58/59 !inden Sie den Dividendenkalender !ür die 160 Unternehmen aus DAX, MDAX und SDAX. Er dient als Planungshilfe und enthält die bereits angekündigten oder von Analysten im Durchschnitt erwarte- ten Dividenden, die daraus resultierende Rendite, den Vergleich zum Vorjahr sowie den Termin der Hauptversammlung, nach der die Auszahlung erfolgt. 3 8 D IVID EN D ENSTA RS 5 8 H V-K A L EN D ER 3 6 E IN LE IT U N GTitel Dividendeneinkommen BILD: SONJA CRISPINO Der GebertBrief: Vertrauen Sie auf über 20 Jahre Er- fahrung. Mit dem GebertBrief bauen Sie Ihr Vermögen mit geringem Risiko auf. Der Erfolgsindikator, um den DAX langfristig zu schlagen. Mehr erfahren Sie unter www.gebertbrief.de
-20,0% 0,0% 20,0% 40,0% 60,0% 80,0% 100,0% 120,0% 140,0% 160,0% 04.09.2019 04.09.2020 04.09.2021 04.09.2022 04.09.2023 04.09.2024 ANZEIGE Anleger haben die Möglichkeit, sich die Dividende direkt auszahlen zu lassen oder zum Beispiel die vierteljährlichen Überweisungen von US$Dividendenkö- nigen zu nutzen, um damit eine Strate- gie !ür hohe Zusatzerträge zu verfolgen. Dividendenkönige haben die Beteiligung der Aktionäre am Gewinn mindestens 50 Jahre nacheinander gesteigert, ein ab- soluter Qualitätsausweis. Solche Unter- nehmen gibt es in Europa nicht. Die Di- videnden steckt der Anleger in unserem Vorschlag in Aktien von Unternehmen, die sich nach den Kriterien der Investo- renlegende Peter Lynch verzehnfachen können („Tenbagger“). Eine ganz neue Strategie, die wir ab Seite 64 vorstellen. Bei den besten Dividendenstrategien dürfen aktiv gemanagte Fonds und ETFs mit ihrer breiten Streuung nicht fehlen. Wir sagen zum einen, wie man breit diversi!iziert als 25$Jähriger Vermögen aufbaut, das später als Grundlage eines Zusatzeinkommens dient. Für eine zwei- te Fallkonstellation rechnen wir vor, wie man mit 50 ein Zusatzeinkommen von 2000 Euro bezieht, das etwa die Ausbil- dung der Kinder !inanziert. Schließlich zeigen wir drittens, wie man sich im Ru- hestand mit einem aufgebauten Vermö- gen von 500 000 Euro ein zweites Gehalt von 4000 Euro brutto !ür 20 Jahre aus- zahlen lassen kann. Eine Dividenden- analyse in die Tiefe beim Nahrungsmit- telriesen Danone (siehe Seite 52) sowie die besten Steuerratschläge (siehe Sei- te 72) runden diese Strategien ab. Wir hoffen, dass Sie nach der Lektüre zustimmen: Solche Dividendensysteme bieten wirklich nur Vorteile. 6 0 D EP OTS F Ü R 3 L EB ENSL AG EN 4 8 D IVID EN D EN & RÜ CK K ÄU F E 5 2 EINZEL A N A LYSE 6 4 KÖ NI GS ST R AT EG IE 5 4 D EU TSCH E FAVO RIT EN 72 ST EU ERWIS SEN ➝ Peter Lynch, John Rothchild: Lynch 3 Börsenbuchverlag 336 Seiten, 17,00 € ISBN: 978-3-86470-685-1 Wall-Street-Legende Peter Lynch erklärt die Gesetze der Vermögens- mehrung, warum der Aktienmarkt dafür die besten Chancen bietet – und welche Rolle Dividenden dabei spielen können.
€URO 03|2538 So geht Vermögen Man nehme globale Dividendenaktien, suche die Crème de la Crème heraus und komponiere ein diversifiziertes Depot. Willkommen im Club 3 8 D IVID E N D E NS TARS 5 8 H V-K A L EN D ER 3 6 EIN L EIT U N GTitel Dividendeneinkommen
€URO 03|25 39 Doch welche Unternehmen sind die besten Zahler? Die Höhe der Dividenden- rendite ist hier nicht das zentrale Krite- rium. Allzu oft wird diese Kennziffer durch eine Kursschwäche aufgeblasen. Weit mehr wert ist die Nachhaltigkeit der Ausschüttungen. Denn um dauerhaft zu zahlen, brauchen Unternehmen funda- mentale Stärke — eine grundsolide Bilanz und ein Geschäftsmodell, das qualitativ heraussticht. Hohe Hürden. Auf der Suche nach ge- eigneten Bausteinen !ür ein Depot zählt deshalb neben exzellenten Kennziffern die Dividendenhistorie zu den wichtigs- ten Indizien. Die Redaktion hat darauf basierend bei ihrer Suche nach den bes- ten Dividendentiteln ein anspruchsvol- les Pro!il erstellt. Wir suchten große Un- ternehmen mit etablierten und zugleich wachstumsträchtigen Geschäftsmodel- len, die Stabilität und Resilienz mit Dy- namik verbinden. Wachstum sollte mit überproportionalen Zuwächsen beim Gewinn einhergehen — und beim freien Cashflow. Das ist bekanntlich jener Teil des Mittelzuflusses, der nach den Inves- titionen verbleibt und !ür die Ausschüt- tungen zu Ver!ügung steht. BILD: NUTHAWUT SOMSUK/ISTOCK ➝ Logarithmische Darstellung; Quelle: UBS Die Dividende macht’s Aus einem Dollar, angelegt im Jahr 1900 in US-Aktien, wurden inflationsbereinigt 2443 Dollar bis Ende 2023 – wenn die Dividenden reinvestiert wurden. Ohne die Wiederanlage waren es 18,20 Dollar Er weiß, wie es geht: Warren Buffett hat in den fast 80 Jah- ren, in denen er sich mit der Börse beschäftigt, alles Erdenk- liche erlebt. Eines aber hat in den Augen der Investmentlegende Bestand: „Wenn du kein Geld im Schlaf verdienst, wirst du bis zu deinem Lebensende schuften“, räsoniert Buffett. Will sagen: Passives Einkommen ist extrem wichtig, um Wohlstand aufzubauen. Am besten geht das mit Aktien, der auf lange Sicht lukrativsten aller Anlage- klassen. Der Unterschied mit und ohne Dividenden ist dabei immens — und je länger der Zeithorizont, desto größer wird er. In den vergangenen zehn Jahren hat etwa der DAX, bei dessen Berech- nung die Dividenden rechnerisch re- investiert werden, mit rund 107 Prozent Rendite fast doppelt so viel gebracht wie der Kurs-DAX, der die Ausschüttungen ausklammert. Auf 30 Jahre liegt der Leit- index um den Faktor 2,5 vorn. Laut einer Langfriststudie der UBS zu US"Aktien multiplizierten Dividenden von 1900 bis 2023 den Ertrag gar mit Faktor 134: Aus einem Dollar wurden so real 2443 Dol- lar, wenn Dividenden reinvestiert wur- den. Ohne waren es 18,20 Dollar. 1000 100 10 1 0,11900 2000’20 ’20’40 ’60 ’80 6 0 D EP OTS F Ü R 3 L EB ENSL AG EN 4 8 D IVID EN D EN & RÜ CK K ÄU F E 5 2 EINZEL A N A LYSE 6 4 KÖ NI GS ST R AT EG IE 5 4 D EU TSCH E FAVO RIT EN 72 ST EU ERWIS SEN Reale Entwicklung US-Börse (1900–2023) mit Dividende in US-$ Reale Entwicklung US-Börse (1900–2023) ohne Dividende in US-$ 2443 18,2
Feine Filter Aus den wichtigsten Indizes der USA, Europas und Japans haben wir in neun Schritten 31 Dividendentitel aussortiert. Die Kriterien sichern Größe, geringe Schwankungen, bilanzielle Stärke, solide Dividen- denpolitik, überproportionales Gewinnwachstum und starken Cashflow €URO 03|2540 BILD: BILD: NUTHAWUT SOMSUK/ISTOCK, IKHWAN ABDULLAH/ISTOCK [M], SONJA CRISPINO [M] Um künftige Ertragsstärke zu sichern, sollte die Dividendenpolitik ausgewogen sein. Wir forderten zwar eine Mindest- Dividendenrendite. Übermäßige Aus- schüttungen zulasten der Substanz woll- ten wir aber ausschließen. Die Ausschüt- tungsquote sollte deshalb 65 Prozent des Gewinns nicht übersteigen. Überdies sollten die Aktienkurse im Schnitt weni- ger stark schwanken als der Markt. Erlesene 31. Insgesamt haben wir 1328 Aktien aus den USA, Europa und Japan unter die Lupe genommen. Das Anforde- rungspro!il mit neun Kriterien (siehe links) er!üllten nur 31 Werte. Mit Linde, Tesco und Vinci kommen lediglich drei Titel nicht aus den USA. Bis auf !ünf schafften es nur Unternehmen mit einer prozentual zweistelligen operativen Ge- winnmarge in die Auswahl, Indiz !ür die Qualität der Geschäftsmodelle. 24 der Aktien, die den Auswahlprozess absol- vierten, weisen auf zehn Jahre gesehen eine prozentual zweistellige Gesamtper- formance auf. Der Bauzulieferer Pool Corp, der Krankenversicherer United- Health und der Börsenbetreiber Nasdaq erreichen sogar Durchschnittsrenditen von knapp 20 Prozent. Alles sehr gute Aktien — doch welche sind die Besten der Besten? Um das zu er- mitteln, haben wir die Kandidaten nach !ünf Kennziffern gerankt, gemäß den Stichtag: XX.XX.XXXX; Quelle: xxxxxxxxxxx 3 8 D IVID E N D E NS TARS 5 8 H V-K A L EN D ER 3 6 EIN L EIT U N GTitel Dividendeneinkommen S & P !"", Dow Jones Index, Stoxx #"", Nikkei $$! %&$' Marktkapitalisierung > %" Mrd. US-$ '!% Nettoverschuldungsgrad < % (Schulden minus Barmittel < Eigenkapital) &'( Ausschüttungsquote < #! % $"% Dividendenrendite ) % % %$& Ø Dividendensteigerung ! Jahre p. a. ) & % (% Ø Umsatzsteigerung ! Jahre p. a. ) & % '" Ø Gewinnsteigerung (Gewinn/Aktie) ! Jahre p. a. ) ! % #" Ø Free-Cash*low-Steigerung ! Jahre p. a. ) ! % &% Betafaktor < % !!!
€URO 03|25 41 Einzelrankings Punkte verteilt und ein Top-Ranking erstellt (siehe Seite 43). Die Punktbesten einer Branche haben wir schlussendlich !ür ein Portfolio ausge- wählt. Diese 15 Aktien erlauben es Anle- gern, sich ein nach Sektoren diversi!i- ziertes Dividendendepot zu erstellen. Im Folgenden erklären wir die Ge- schäftsmodelle der 15 Branchenbesten in der Reihenfolge der erreichten Punkte. UNITEDHEALTH Der größte Krankenversicherer der USA ist mit knapp 470 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung unter unseren Fa- voriten der größte Wert. 1977 wurde Uni- tedHealth gegründet, in den vergange- nen 30 Jahren wuchs der Konzern durch Übernahmen sehr stark. Zukäufe wie zuletzt LHC Group oder DaVita Medical waren stets essenzieller Teil der Stra- tegie. Heute dominiert die Assekuranz aus Minnesota den US"Markt !ür private Krankenversicherungen. Versicherte üben immer wieder Kritik wegen unzu- reichender oder abgelehnter Leistun- gen. Trotz des Wachstumstempos über- zeugen die betriebswirtschaftlichen Kennziffern: In den vergangenen !ünf Jahren kletterte der Umsatz im Schnitt um rund elf Prozent, der Gewinn pro Aktie stieg um rund 13 Prozent. Der freie Cashflow legte sogar fast dreimal so schnell zu, UnitedHealth ist hier die Nummer 1 unter unseren Favoriten. Die Dividende wurde in !ünf Jahren durch- schnittlich um 14 Prozent erhöht, die Ausschüttungen stiegen seit 15 Jahren. Die Gesamtrendite lag in zehn Jahren im Schnitt über 19 Prozent. CONOCOPHILLIPS Die Nummer 3 der US"Energiebranche bringt die Größe mit, die es braucht, um im schwankungsintensiven Umfeld zu bestehen. Das Unternehmen, das auf eine Gründung im Jahr 1875 zurückgeht, konzentriert sich auf das Upstream-Ge- schäft. Darunter versteht man Explora- tion von Erdöl- und Erdgasfeldern sowie die Produktion. ConocoPhillips ist in der Vermarktung von Rohöl, Bitumen und Flüssigerdgas aktiv. Der Konzern aus Houston erzielt rund 80 Prozent des Um- satzes im Heimatmarkt und ist zugleich der größte Rohölproduzent Alaskas. Die Texaner !ördern in der norwegischen Nordsee und betreiben Gasaktivitäten im Mittleren Osten, etwa in Katar. Die Sektorzyklik schlägt auf die Kennziffern durch, 2020 und 2023 sank der Gewinn in den Ölpreis-Baissen deutlich. Im Schnitt der vergangenen !ünf Jahre lag das jährliche Plus des Gewinns pro Aktie bei 16 Prozent. Die Dividendenhistorie ist volatil, weist aber acht Jahre in Folge Stei- gerungen auf. Im zyklischen Energie- sektor ist eine Durchschnittsrendite von rund sieben Prozent auf zehn Jahre ein guter Wert. POOL CORP Das Unternehmen aus Louisiana ist der größte Händler von Swimmingpools in den USA. Pool Corp erlebte in der vom Rückzug ins Private geprägten Pandemie einen Ansturm von Häuslebauern, die sich ein eigenes Schwimmbad gönnen wollten, der Umsatz schoss um gut ein Viertel in die Höhe. Dem Extraschub folgte die Konsolidierung. Nach Umsatz- rückgängen 2023 und wohl auch 2024 rechnen Analysten !ür dieses und nächs- tes Jahr mit soliden Umsatzsteigerungen. Der Gewinn wuchs in den vergangenen !ünf Jahren im Schnitt um elf Prozent und stieg damit deutlich dynamischer als der Umsatz. Der freie Cashflow legte jährlich um rund 18 Prozent zu. Im ver- gangenen Herbst lockte das lukrative Asset einen alten Bekannten: Warren Buffett. Der Grund: Pool Corp steigerte die Dividende in !ünf Jahren um je 17 Pro- zent und erhöht sie seit 14 Jahren in Fol- ge. Die Aktie brachte in zehn Jahren rund 19 Prozent Gesamtrendite pro Jahr. ➝ 6 0 D EP OTS F Ü R 3 L EB ENSL AG EN 4 8 D IVID EN D EN & RÜ CK K ÄU F E 5 2 EINZEL A N A LYSE 6 4 KÖ NI GS ST R AT EG IE 5 4 D EU TSCH E FAVO RIT EN 72 ST EU ERWIS SEN
€URO 03|2542 CHUBB Als hätte Buffett hier persönlich bei der Aktienauswahl mitgespielt: Auch der amerikanische Versicherungskonzern Chubb zählt seit einiger Zeit zu den Be- teiligungen von Berkshire Hathaway, der Holding der Börsenlegende. Das ist ein Prädikat, denn Buffett gilt als ein aus- gewiesener Kenner der Branche. Mit In- vestments wie dem US"Autoversicherer Geico begründete er den Aufstieg von Berkshire. Chubb ist eine der größten US"Assekuranzen, das Unternehmen mit Sitz in der Schweiz ist im Erst- sowie im Rückversicherungsgeschäft tätig. Der Schwerpunkt liegt auf Sachversicherun- gen !ür Industrie, Unternehmen und Pri- vate. Knapp 60 Prozent des Umsatzes er- zielt Chubb in den USA. Die Kennziffern überzeugen: Gewinn und freier Cash- flow wuchsen in !ünf Jahren im Schnitt jeweils um rund 17 Prozent pro Jahr und damit deutlich überproportional zum Geschäftsvolumen, das durchschnitt- lich zehn Prozent Zuwachs auswies. Der Versicherer ist mit einer Serie von 32 Steigerungen einer der Dividendenaris- tokraten der Wall Street — sicher ein Ar- gument auch !ür Buffetts Entscheidung. ADP Automatic Data Processing, kurz ADP, ist so etwas wie die Datev der USA. Der Kon- BILD: NUTHAWUT SOMSUK/ISTOCK 3 8 D IVID E N D E NS TARS 5 8 H V-K A L EN D ER 3 6 EIN L EIT U N GTitel Dividendeneinkommen 1: Umsatzwachstum Aktie Ø Wachstum Umsatz ! Jahre p. a. in % Punkte Cincinnati Financial !",# #! Nasdaq !$,% #& Intercontinental !$,& $' Garmin !!,$ $( Newmont !!,$ $) Elevance Health !!,! $% ConocoPhillips !!,& $* UnitedHealth !&,( $" Chubb !&,( $# Rollins !&,* $$ Pool Corp ',( $! Erie Indemnity '," $& Accenture ',# !' Vinci ',$ !( Travelers Compan. (,$ !) EOG Resources ),) !% Lennar )," !* Blackrock ),! !" Pfizer %,' !# Automatic Data %,) !$ Ameriprise Finan. %,* !! CF Industries *,) !& Abbott Laborat. *,) ' Paccar Inc. *,# ( Quest Diagnostic ",' ) Snap-on ",( % Hartford Fin. Serv. ",( * CME Group "," " Tesco ",& # Linde #,% $ Baker Hughes #,# ! Stichtag: !#.&!.$&$*; Quelle: BO Data 2: Gewinnwachstum Aktie Ø Wachstum Gew./Aktie ! Jahre p. a. in % Punkte CF Industries "",* #! Travelers Comp. $',% #& Baker Hughes $(,) $' EOG Resources $(,* $( Newmont !(,& $) Chubb !%,) $% ConocoPhillips !*,' $* Ameriprise Fin. !*,* $" Linde !*,# $# Rollins !*,$ $$ Lennar !#,' $! Unitedhealth !#,! $& Accenture !$,# !' Automatic Data !!,' !( Garmin !!,) !) Hartford Fin. Sv. !!,) !% Elevance Health !!,% !* Erie Indemnity !!,$ !" Pool Corp !&,' !# Nasdaq !&,* !$ Tesco !&,$ !! Vinci ',( !& Abbott Laborat. ',( ' Intercontinental ',) ( Paccar Inc. ',) ) Snap-on ',% % Pfizer (,) * Blackrock (,$ " CME Group ),% # Cincinnati Fin. *,( $ Quest Diagn. *," ! Stichtag: !#.&!.$&$*; Quelle: BO Data 3: Wachstum Free Cashflow Aktie Ø Wachstum Free Cashflow ! Jahre p. a. in % Punkte UnitedHealth #),* #! Baker Hughes #%,% #& Paccar Inc. ##,* $' ConocoPhillips #$,% $( EOG Resources $(,* $) Ameriprise Finan. $#,# $% CF Industries $!,* $* Snap-on $!,$ $" Cincinnati Fin. !',! $# Pool Corp !(," $$ Chubb !),# $! Travelers Comp. !),$ $& Automatic Data !%,% !' Nasdaq !%,$ !( Linde !*,% !) Tesco !*,& !% Erie Indemnity !#,' !* Elevance Health !#,! !" Intercontinental !&,% !# Blackrock ',& !$ Newmont (,) !! Pfizer (,* !& Quest Diagnostic (,$ ' Vinci (,& ( Rollins (,& ) Hartford Fin. Sv. ),$ % Abbott Laborat. ),$ * Garmin %,% " Lennar %,& # Cme Group *,$ $ Accenture *,& ! Stichtag: !#.&!.$&$*; Quelle: BO Data
€URO 03|25 43 Die Besten der Besten 31 Aktien wurden nach fünf Kennziffern gerankt: Platz 1 ergab jeweils 31 Punkte, Platz 31 einen Punkt. Die Punkte wurden addiert und ein Top-Ranking erstellt. In das Dividendendepot schaffen es die jeweils Punktbesten einer Branche (siehe Seite 47) ➝ 6 0 D EP OTS F Ü R 3 L EB ENSL AG EN 4 8 D IVID EN D EN & RÜ CK K ÄU F E 5 2 EINZEL A N A LYSE 6 4 KÖ NI GS ST R AT EG IE 5 4 D EU TSCH E FAVO RIT EN 72 ST EU ERWIS SEN 4: Dividendenwachstum Aktie Ø Wachstum Div./Aktie ! Jahre p. a. in % Punkte Lennar %*,) #! EOG Resources $*,' #& ConocoPhillips $&,# $' Pool Corp !%,' $( Rollins !*," $) Elevance Health !*,# $% Snap-on !"," $* UnitedHealth !",$ $" Accenture !#,! $# Newmont !$,# $$ Automatic Data !$,! $! Abbott Laborat. !!," $& CF Industries !&,( !' Intercontinental !&," !( Linde ',) !) Hartford Fin. Sv. '," !% Blackrock ',! !* Nasdaq (,' !" Ameriprise Finan. (,( !# Cme Group (,& !$ Cincinnati Finan. ),) !! Erie Indemnity ),$ !& Quest Diagnostic ),$ ' Paccar ),! ( Vinci *,' ) Garmin *,% % Travelers Comp. *,! * Tesco ",( " Chubb #,' # Pfizer #,! $ Baker Hughes #,! ! Stichtag: !#.&!.$&$*; Quelle: BO Data 5: Jahre Dividendensteigerung Aktie Jahre Dividenden- steigerung in Folge Punkte Cincinnati Fin. %" #! Abbott Laborat. *$ #& Automatic Data "' $' Erie Indemnity #" $( Chubb #$ $) Linde #! $% Travelers Compan. $& $* Ameriprise Fin. $& $" Cme Group !' $# Paccar !% $$ Pfizer !* $! UnitedHealth !* $& Blackrock !" !' Pool Corp !" !( Snap-on !" !) Hartford Fin. Sv. !" !% Elevance Health !" !* Accenture !# !" Quest Diagnostic !$ !# Nasdaq !$ !$ ConocoPhillips ( !! Garmin ) !& EOG Resources % ' Rollins * ( Vinci " ) CF Industries # % Baker Hughes # * Intercontinental Hot. $ " Tesco ! # Lennar ! $ Newmont & ! Stichtag: !#.&!.$&$*; Quelle: BO Data Top-Ranking mit Branchen Aktie Branche Punkte UnitedHealth Krankenversicherung !!' ConocoPhillips Energie !!( EOG Resources Energie !!& Pool Corp Handel !&$ Chubb Versicherung !&& Automatic Data Software '' Ameriprise Fin. Finanzdienstleister '( Cincinnati Fin. Versicherung '( Travelers Compan. Versicherung ') Elevance Health Krankenversicherung '% CF Industries Rohstoffe '! Newmont Rohstoffe (( Erie Indemnity Versicherung () Rollins Dienstleistungen (% Nasdaq Börsenbetreiber (% Linde Industrie (* Snap-on Industrie )( Accenture Unternehmensber. )% Paccar Automobil )" Abbott Laborat. Healthcare/Pharma )# Intercontinental Dienstleistungen )$ Lennar Bau )$ Baker Hughes Energie %% Garmin Technologie %* Blackrock Finanzdienstleister %" Hartford Fin. Sv. Finanzdienstleister *' Pfizer Healthcare/Pharma *! Vinci Bau *& Cme Group Börsenbetreiber "" Quest Diagnostic Healthcare/Pharma #' Tesco Handel #) Stichtag: !#.&!.$&$*; Quelle: BO Data
€URO 03|2544 zern hat sich seit seiner Gründung in den 1950er-Jahren auf Software !ür Lohn- und Gehalts- sowie Steuerabrechnungen spezialisiert. Darüber hinaus über- nimmt ADP Aufgaben wie Anwesen- heitskontrolle, Prämienmanagement oder die Pensions- und Rentenverwal- tung und hilft bei der Rekrutierung. Inzwischen ist ADP einer der weltgröß- ten Softwaredienstleister der Personal- abteilungen von Unternehmen. Beinahe 90 Prozent des Umsatzes von zuletzt rund 20 Milliarden Dollar stam- men aus dem Heimatmarkt. Die Firma aus Roseland, New Jersey, setzt auf Basis ihrer Cloud-basierten Lösungen stark auf den Einsatz künstlicher Intelligenz. Die eigene Buchhaltung hat ADP dabei bes- tens im Griff: Die liquiden Mittel über- steigen die Höhe der Schulden bei Wei- tem, was zu einer Nettocash-Position von geschätzt 2,5 Milliarden Dollar 2025 !ührt. Das Gewinnplus lag in !ünf Jahren im Schnitt bei zwölf Prozent, die Divi- denden stiegen gleichermaßen rasch. Exzellent ist auch die Kontinuität der Ausschüttungen: ADP erhöhte die Divi- dende 49 Jahre in Folge. Im laufenden Jahr wird der Konzern somit voraussicht- lich in die Riege der Dividendenkönige aufsteigen. AMERIPRISE FINANCIAL Hierzulande sind die Amerikaner zwar vergleichsweise unbekannt, doch in den USA ist Ameriprise Financial ein etablierter Traditionskonzern, dessen Gründung auf das Jahr 1894 zurückgeht. Der Finanzdienstleister zählt mit rund 1,4 Billionen Dollar Anlagesumme zu den größten Vermögensverwaltern der USA. Das Unternehmen betreut rund zwei Millionen Kunden, der Fokus liegt dabei vornehmlich auf vermögenden Privatleu- ten und Unternehmen in den USA. In der Vermögensverwaltung greift der Kon- zern aus Minneapolis auf die Dienste zahl- reicher Tochter!irmen und selbstständi- ger Anlageberater zurück. Die Hauptspar- te steht !ür rund 60 Prozent der Erlöse, daneben zählen noch eine Fondssparte sowie eine Assekuranz zum Portfolio. Mit dem gestiegenen Zinsniveau hat sich der freie Mittelzufluss gegenüber dem Vor-Corona-Niveau auf 4,6 Milliar- den Dollar in etwa verdoppelt, im Schnitt zog der Cashflow um über 20 Prozent pro Jahr an. Die Bilanz ist felsenfest, Ameriprise hat eine Netto-Cashposition von zuletzt über acht Milliarden Dollar aufgebaut. Die Dividende wurde in den vergangenen 20 Jahren stets erhöht. CF INDUSTRIES Glamour bietet das Geschäft dieses Di- videndenfavoriten sicher nicht, da!ür aber jede Menge Substanz: CF Indust- ries ist einer der größten Produzenten von Düngemitteln der USA. Der Schwer- punkt liegt in der Produktion von Stick- stoff- und Phosphatdünger. Drei Viertel des Umsatzes erzielt das Unternehmen aus Northbrook im US"Bundesstaat Illi- nois im Heimatmarkt. Zudem erwirt- schaftet CF Industries in Kanada und Großbritannien nennenswerte Erlös- anteile. Die Produktion ist auf die Hauptabsatzgebiete verteilt. Im domi- nierenden Heimatmarkt pro!itiert CF Industries von den Kostenvorteilen günstiger Preise !ür Erdgas, das zur Herstellung der Dünger benötigt wird. Die Nachfrage auf dem Weltmarkt dürf- te hoch bleiben und Düngerpreise könnten so steigen, weil mit China ei- ner der weltgrößten Dünger- produzenten das Angebot beschränkt. CF Industries !ährt eine großzügige Ak- tienrückkaufpolitik !ür Anteilseigner. Der Cashflow wurde in !ünf Jahren im Schnitt um gut 20 Prozent gesteigert, die Dividende kletterte jährlich über zehn Prozent. BILD: STEVY/ISTOCK , NUTHAWUT SOMSUK/ISTOCK, BEGIMAI IMAMIDIN KYZY/ISTOCK, FAR700/ISTOCK, TERDPONG PANGWONG/ISTOCK 3 8 D IVID E N D E NS TARS 5 8 H V-K A L EN D ER 3 6 EIN L EIT U N GTitel Dividendeneinkommen
€URO 03|25 45 ROLLINS Das Arbeitsfeld dieses US"Unterneh- mens wirkt auf den ersten Blick alles an- dere als appetitlich: Der Dienstleister übernimmt !ür Unternehmen und Haus- halte die Bekämpfung ausgesprochen lästiger Zeitgenossen wie Termiten, Moskitos oder Bettwanzen. Seit 1948 jagt der US"Konzern im Kundenauftrag Schäd linge, im Heimatmarkt behauptet er sich heute mit rund 20 Prozent Anteil. Das Unternehmen aus Atlanta verstärkt sich regelmäßig durch Zukäufe und be- dient mit rund 19 000 Mitarbeitern über 2,8 Millionen Kunden weltweit. So resilient wie manches Insekt erwies sich in der Vergangenheit das Konzern- wachstum: Seit 1996 zog der Umsatz je- des Jahr weiter an — auch während der Finanzkrise oder der Pandemie gab es keinen Einbruch. Und seit 1998 schreibt Rollins durchgehend Gewinne. Die Divi- denden wurden 2020 und 2022 leicht zum Vorjahr gesenkt, zugleich liegt das Wachstum im Fünf-Jahres-Zeitraum im Schnitt bei über 15 Prozent. Die Aktie ist zwar teuer. Doch sie brachte Anlegern in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt jährlich gut 18 Prozent Gesamt- rendite. NASDAQ INC. Regelmäßig bewundern Touristen die weltberühmte Videowand des Nasdaq Tower am New Yorker Times Square. Die hier erzielten Werbeeinnahmen sind aber nur ein verschwindend kleiner Teil des Geschäfts der New Yorker Computer- börse: Ihr Besitzer, Nasdaq Inc., ist einer der größten US"Börsenbetreiber. Über ihre Handelsplattformen erwirtschaften die New Yorker Transaktionserlöse, die einen Gutteil der Erlöse liefern. Daneben vermarktet das Unternehmen Indizes wie den bekannten Nasdaq 100, verkauft Handelsdaten und erstellt Marktanaly- sen, die auch mittels künstlicher Intelli- genz aufbereitet werden. Eine Reihe wei- terer Dienstleistungen !ür Finanzinsti- tute komplettieren das Angebot. Wie bei den meisten Börsenbetreibern sind die operativen Margen sehr hoch, hier liegen sie bei über 40 Prozent. Nasdaq steiger- te den Umsatz in den vergangenen !ünf Jahren im Schnitt um rund 13 Prozent, der freie Cashflow stieg um gut 16 Pro- zent pro Jahr. Der Konzern erhöhte sei- ne Dividende inzwischen zwölf Jahre in Folge. Die Aktie ist mit rund 19 Prozent Gesamtrendite im Schnitt von zehn Jah- ren sehr attraktiv. LINDE Der Firmensitz in München und die DAX"Mitgliedschaft sind schon eine ge- raume Weile passé. Heute !irmiert der ehemals deutsche Industriezulieferer und Anlagenbauer im steuergünstigen Irland. Auch die Börsennotiz in Frank- furt hat Linde im Zuge der konsequenten Internationalisierung aufgegeben. Die Fusion mit dem US"Wettbewerber Prax- air verschob zuvor den Umsatzschwer- punkt in die USA. Die Kunden des Bran- chenprimus kaufen Gase wie Argon, Helium oder Stickstoff. Das Geschäft ist konjunkturabhängig, auch wenn Linde zugleich in der stabileren Gesundheits- branche aktiv ist. Weltweite Aufstellung und hohe Skaleneffekte verschaffen dem Markt!ührer große Kostenvorteile, die der Pro!itabilität zugutekommen. Linde ist auch Pro!iteur des Trends zu Wasser- stoff, einem Energiespeicher der Zu- kunft. Aus moderaten knapp vier Pro- zent Umsatzwachstum im Schnitt der vergangenen !ünf Jahre schöpfte Linde rund 15 Prozent Zuwachs bei Gewinn und freiem Cashflow. Die Dividende stieg im Zeitraum um durchschnittlich rund zehn Prozent. Linde steigert seine Divi- dende seit 31 Jahren. ➝ 6 0 D EP OTS F Ü R 3 L EB ENSL AG EN 4 8 D IVID EN D EN & RÜ CK K ÄU F E 5 2 EINZEL A N A LYSE 6 4 KÖ NI GS ST R AT EG IE 5 4 D EU TSCH E FAVO RIT EN 72 ST EU ERWIS SEN
€URO 03|2546 ACCENTURE Mit über 210 Milliarden Dollar Marktka- pitalisierung ist Accenture einer unserer größten Favoriten. Die ehemalige Ander- son Consulting mit Sitz in Dublin be- schäftigt über 733 000 Mitarbeiter in 120 Ländern und ist damit die größte Strategieberatung weltweit. Das Unter- nehmen hat tiefe Expertise in verschie- denen Branchen aufgebaut. Der Fokus liegt auf dem Technologiebereich, der Finanzindustrie, der Gesundheitsbran- che und dem öffentlichen Sektor. Accen- ture übernimmt Outsourcing-Dienste !ür Kunden etwa im Bereich IT. Der Konzern baut seine Kompetenzen durch Über- nahmen weiter aus, integriert die Zukäu- fe in aller Regel rasch und ef!izient. Über !ünf Milliarden Dollar flossen im Jahr 2024 in Akquisitionen, das Thema KI ist dabei ein bedeutender Treiber. Den Megatrend KI nutzen die Amerikaner konsequent, viele Kunden sind an KI"Pro- jekten interessiert. Auch Analysten rech- nen mit einem starken Umsatzschub durch langfristige Transformationsver- träge in Verbindung mit KI. Accenture erhöhte die Ausschüttung in !ünf Jahren im Schnitt um 13 Prozent. Das Unterneh- men steigert seine Dividende seit 13 Jah- ren in Folge. PACCAR Der Hersteller von Nutzfahrzeugen be- legt hinter Daimler Truck die Position Nummer 2 im US"Markt. Paccar ist mit den Marken Kenworth, Peterbilt und DAF vor allem auf schwere Lkw speziali- siert. Dazu zählen die typischen „Semis“, große Sattelzüge mit einem zulässigen Gesamtgewicht von über 15 Tonnen. In diesem Segment liegt der Marktanteil in den USA über 30 Prozent. In Europa kommt die Marke DAF auf rund 16 Pro- zent Anteil. Das Unternehmen mit Haupt- sitz nahe Seattle entwickelt zusammen mit Toyota Brennstoffzellen-Technologie !ür Nutzfahrzeuge. Auch rein batterie- elektrisch angetriebene Laster wie den DAF XD hat Paccar bereits auf den Markt gebracht. Der Konzern ist bilanziell sehr solide aufgestellt. Das Geschäft der Ame- rikaner weist deutlich höhere Umsatz- renditen auf als das des Branchenprimus Daimler Truck. In den vergangenen !ünf Jahren wuchs der Gewinn um im Schnitt knapp zehn Prozent und damit fast dop- pelt so schnell wie der Umsatz. Den frei- en Cashflow steigerte das Unternehmen mehr als dreimal so dynamisch wie den Gewinn. Bemerkenswert ist die Stabili- tät angesichts der Zyklik im Nutzfahr- zeuggeschäft: Paccar schreibt seit über 35 Jahren durchgehend Gewinne und steigert seine Ausschüttung (Sonder- dividenden nicht mit eingerechnet) seit 16 Jahren in Folge. ABBOTT LABORATORIES Der US"Konzern ähnelt von seiner Struk- tur her einem Breitband-Antibiotikum: BILD: ARTISTICCO/ISTOCK 3 8 D IVID E N D E NS TARS 5 8 H V-K A L EN D ER 3 6 EIN L EIT U N GTitel Dividendeneinkommen
€URO 03|25 47 Das Gros des Umsatzes erzielt Abbott Laboratories in der Diagnostik und ist hier bei Testsystemen und Diagnose- Instrumenten aktiv. Rund ein weiteres Viertel ent!ällt auf medizintechnische Produkte zur Ge!äßerweiterung oder Endoprothesen wie künstliche Gelenke. Daneben stellt der Konzern aus Chicago medizinische Ernährung her sowie eine Reihe pharmazeutischer Produkte. Wie alle Hersteller, die in der Pande- mie vom Verkauf von Corona-Tests pro- !itierten, erlebte auch Abbott Laborato- ries nach dem Boom eine spürbare Um- satzdelle. Diese haben die Amerikaner inzwischen hinter sich gelassen. Trotz des vorübergehenden Einbruchs wuchs das Unternehmen in den vergangenen !ünf Jahren um durchschnittlich knapp sechs Prozent pro Jahr. Noch wichtiger: Der freie Cashflow legte mit sieben Pro- zent jährlich stärker zu. Die Dividende wurde um durchschnittlich elf Prozent angehoben. Abbott Laboratories zählt zu den begehrten Dividendenkönigen der Wall Street mit mindestens 50 Jah- ren an Steigerungen (siehe Seite 64): Der US"Healthcare-Konzern erhöht seine Ausschüttung schon seit 52 Jahren. LENNAR Das Unternehmen aus Miami ist einer der größten amerikanischen Wohnungs- und Häuserbauer. Im Heimatmarkt er- zielt Lennar über 90 Prozent des Umsat- zes. Kunden sind vor allem Einsteiger und Erstkäufer am US"Immobilien- markt, denen Lennar vereinzelt auch Finanzierungen anbietet. Der Konzern ist dabei, sich über ein Spin-off seiner Grundstückstochter Millrose Properties schlanker aufzustellen. Hierdurch sollen Kennzahlen wie die Gesamtkapital- und Eigenkapitalrendite geliftet werden. Das Spin-off und die erste Börsennotierung von Millrose waren !ür Anfang Februar geplant. Mit dem zufließenden Kapital können Schulden abgebaut oder Aktien zurückgekauft werden. Die Bilanz ist bereits sehr solide, Len- nar hat knapp !ünf Milliarden Dollar Nettocash. Von der Finanzkrise bis 2019 fuhr der Konzern die Ausschüttungen stark zurück. Zuletzt zeigte sich das Unternehmen aus Florida deutlich spen- dabler: In den vergangenen !ünf Jahren wurden die Dividenden im Schnitt um mehr als 60 Prozent pro Jahr erhöht. GARMIN Seit Jahren macht Garmin mit GPS"Navi- gationsgeräten exzellente Geschäfte, der Fitness-Trend beflügelt den Absatz von Smartwatches. Die Sportuhren sind bei Läufern, Wanderern oder Bikern be- gehrt, Garmin besetzt auch lukrative Nischen und bedient Segler und Golfer. Der Konzern mit Sitz in Schaffhausen und operativer Zentrale im US"Bundes- staat Kansas erhöht die Kundenbindung durch ein Ökosystem und eine App-ba- sierte digitale Plattform. Hier speichern, analysieren und teilen Nutzer ihre Akti- vitäten. Außerhalb der beiden größten Sparten Outdoor und Fitness beliefert Garmin erfolgreich die Automobilindus- trie sowie Boots- und Flugzeughersteller mit GPS"Geräten. Die Bilanz ist grund- solide, der Cashbestand von zuletzt rund 3,5 Milliarden Dollar übersteigt die Schulden. Die Dividende wuchs in !ünf Jahren im Schnitt um knapp sechs Pro- zent. Im Gegensatz zu anderen Tech- Unternehmen schütten die Schweizer schon lange aus. In den vergangenen 19 Jahren gab es keine Senkung, seit sie- ben Jahren klettert die Dividende. ➝ 6 0 D EP OTS F Ü R 3 L EB ENSL AG EN 4 8 D IVID EN D EN & RÜ CK K ÄU F E 5 2 EINZEL A N A LYSE 6 4 KÖ NI GS ST R AT EG IE 5 4 D EU TSCH E FAVO RIT EN 72 ST EU ERWIS SEN 15 Top-Werte – das Dividendendepot Aktie WKN Branche Punkte Ø Div.-Steigerung ! Jahre p. a. in % Dividendenrendite in % Dividendensteigerung Jahre Ø Gesamtwertentwickl. %" Jahre p. a." in % UnitedHealth (%' *%! Krankenversicherung ""# !",$ !,* !* !',# ConocoPhillips *)* #&$ Energie ""$ $&,# $,' ( ),! Pool Corp A&J MVJ Handel "%& !%,' !," !" !',% Chubb A&Q %#% Versicherung "%% #,' !," #$ !!,# Automatic Data Processing (*& #") Software ## !$,! $,& "' !*,' Ameriprise Financial A&F **S Finanzdienstleister #$ (,( !,! $& !),* CF Industries A&E S'N Rohstoffe #" !&,( $,# # ),% Rollins (*' &&$ Dienstleistungen $' !*," !,# * !(," Nasdaq (!# *!% Börsenbetreiber $' (,' !,$ !$ !',& Linde A#D )VW Industrie $( ',) !,# #! !",% Accenture A&Y AQA Unternehmensberater )' !#,! !,* !# !%,% Paccar (%! !!" Automobil )* ),! ",! !% !$,' Abbott Laboratories (*& !&# Healthcare/Pharma )+ !!," $,& *$ !!,( Lennar (*! &$$ Bau )& %*,) !,* ! !$,) Garmin A!C &%B Technologie '( *,% $,* ) !(,$ Stichtag: !#.&!.$&$*; % Wertentwicklung einschließlich Dividenden; Quelle: BO Data, Sure Dividend Aufgenommen wurden nur die punktbesten Dividendenwerte der jeweiligen Branchen – sie ergeben ein diversifiziertes Portfolio
€URO 03|2548 Bettina Orlopp, Che!in der Com- merzbank, sieht sich einem lei- denschaftlichen Verehrer ge- genüber. Andrea Orcel hat ein Auge auf das zweitgrößte deutsche Kre- ditinstitut geworfen, der Vorstand der italienischen Unicredit erwarb große Aktienpakete sowie Derivate !ür den Zukauf weiterer Anteile. Auch Orlopp handelt, unter anderem kauft die Coba seit Monaten eigene Aktien zurück. Mit- te Januar wurde eine Tranche über 600 Millionen Euro abgeschlossen, weitere Rück käufe im Wert von 400 Millionen Euro sollen folgen. Die Che!in will dem Kapitalmarkt zeigen, dass die Coba solo attraktiv genug !ür Aktionäre sein kann. BILD: NUTHAWUT SOMSUK/ISTOCK, PETER PENCIL/ISTOCK Nicht nur Bares ist Wahres Schon mal über Shareholder Yield nachgedacht? Aktienrückkäufe schieben Kurse an und erhöhen die Langfrist-Performance – im Doppelpass mit der Dividende ein echter Treffer Im Herbst stellte Orlopp in Aussicht, mindestens 70 Prozent des Gewinns des Jahres 2024 über Rückkäufe und Divi- denden an Anteilseigner weiterzurei- chen. Hält die Bank ihre Gewinnprogno- se, so flössen insgesamt rund 1,7 Milliar- den Euro. Bezogen auf die Marktkapi- talisierung entsprächen die geplanten Rückkäufe einem Anteil von rund !ünf Prozent, rechnet man die geplante Divi- dende hinzu, so kämen Anteilseigner auf eine Zuwendung von fast neun Prozent. Eine hübsche Rendite. Ob das Ange- bot auch alle Aktionäre überzeugt? So viel ist sicher: Die Coba-Che!in greift auf ein bekanntes Konzept zurück — „Shareholder Yield“, die „Aktionärsren- dite“. Diese erweitert die Dividendenren- dite um das Instrument der Aktienrück- käufe und die sogenannte „Buyback Yield“ (siehe De!inition unten). Schönere Ziffern. Was bringen Aktien- rückkäufe Anteilseignern konkret? Un- ternehmen steigern damit die Nachfrage nach eigenen Aktien, was den Kurs ten- denziell treibt. Die Reduzierung der Ak- tienanzahl erhöht zugleich den Gewinn pro Aktie, Bewertungskennziffern wie das KGV fallen günstiger aus. Zudem steigt die Dividendenrendite bei gleicher absoluter Dividendensumme, die Aus- schüttung verteilt sich ja auf weniger Pa- piere. Aktienrückkäufe werden zudem Bei Shareholder Yield (Aktionärsrendite) wird zur Dividendenrendite die Rückkaufrendite (Buyback Yield) addiert. Diese definiert sich als Wert der Rückkäufe in Relation zur Marktkapitalisierung. Im Beispiel der Commerzbank: Bei einem Börsenwert von rund 20 Milliarden Euro, einer Ausschüttung von rund 700 Millionen Euro und Rückkäufen im Volumen von einer Milliarde Euro ergäbe sich eine Aktionärsrendite von 8,5 Prozent, wobei die Divi- dendenrendite bei 3,5 und die Rückkaufrendite bei fünf Prozent liegen. In einer breiter gefassten Variante wird der Aktionärsrendite auch die Ren- dite des Schuldenabbaus hinzugerechnet. Hier schlagen eingesparte Zinsen zu Buche. SHAREHOLDER YIELD 3 8 D IVID EN D ENSTA RS 5 8 H V-K A L EN D ER 3 6 EIN L EIT U N GTitel Dividendeneinkommen
€URO 03|25 49 ten Umgang mit dem Instrument. Über Jahre hinweg überstiegen die Rückkäufe den Gewinn auf Kosten der Investitio- nen. Das rächt sich jetzt: Der Konzern hat viele Baustellen und zudem hohen Kapi- talbedarf. Inzwischen gibt der Konzern mehr eigene Aktien aus als er kauft und hat so eine negative Rückkaufrendite. Das Wahre zählt. Dass sinnvoller Akti- enerwerb die Kurse tatsächlich ankur- belt, zeigen Analysen des renommierten Family Of!ice HQ Trust. Ausgehend von den Aktien des MSCI All Country World Index lag demnach die Gesamtperfor- mance von US"Aktien in den zehn Jahren von 2013 bis 2022 bei im Schnitt 13,7 Pro- zent jährlich. Rückkäufe sind laut HQ Trust ursächlich !ür 3,5 Prozentpunkte und somit !ür ein gutes Viertel des Zu- wachses. In Europa gingen 1,8 Prozent- punkte des Jahresplus von im Schnitt 6,8 Prozent auf das Konto der Maßnahmen. Die Extraportion Rendite gibt es aber längst nicht überall. Unternehmen, die voluminöse Rückkaufprogramme ➝ oft als Signal des Managements interpre- tiert, dass es an die Zukunft des Unter- nehmens glaubt. Das kann das Vertrau- en des Kapitalmarkts stärken. Bei Aktio- nären, die ihre Aktien halten, erhöhen sie den Anteil am Unternehmen. Aktio- näre zahlen im Unterschied zu Dividen- den auch keine Steuern darauf. Rückkäufe haben indes auch Makel. Zuallererst steht das verwendete Geld nicht mehr !ür Investitionen zur Ver!ü- gung. Kritiker von Rückkäufen wenden ein, dass der Erwerb eigener Papiere oft Ausdruck von Ideenlosigkeit und man- gelnder Risikobereitschaft des Manage- ments sei und durch die Kurswirkung die wahre Entwicklung des Unternehmens verschleiert würde. Rückkäufe, die mit Fremdkapital !inanziert werden, können überdies verzerrend wirken: Sie erhöhen die Verschuldung, während steigende Kurse Anlegern !älschlicherweise Pros- perität vorgaukeln. Ein Missbrauch kann gerade in Krisen ge!ährlich werden. Der US"Flugzeugbau- er Boeing gilt als Beispiel !ür zweifelhaf- Prozent der Gesamt- performance brachten Rückkäufe bei US-Aktien im Schnitt pro Jahr. Quelle: HQ Trust 26,0 6 0 D EP OTS F Ü R 3 L EB ENSL AG EN 4 8 D IVID E N D E N & RÜ CKK ÄU FE 5 2 EINZEL A N A LYSE 6 4 KÖ NI GS ST R AT EG IE 5 4 D EU TSCH E FAVO RIT EN 72 ST EU ERWIS SEN
€URO 03|2552 Danone zählt zu den ganz gro- ßen Namen in der Lebensmit- telbranche. Der französische Konzern bringt täglich in Mil- lionen Haushalten Milchprodukte auf den Tisch. Für viele Verbraucher ist die Traditionsmarke seit Jahrzehnten zum Inbegriff !ür Joghurt geworden. Doch zuletzt lief es nicht immer rund: Wach- sende Konkurrenz, veränderte Konsum- trends und strategische Fehltritte ließen den Marktanteil schrumpfen. Nun soll die Wende gelingen: Unter dem Motto „Renew Danone“ ist das Unternehmen auf dem Weg zu einer tiefgreifenden Um- strukturierung. Schlankerer Aufbau und ein stärkerer Markenfokus sollen Dano- ne wieder an die Spitze bringen. Gehaltvoll aus Tradition Danones Produkte sind weltweit etabliert. Nun muss sich der Lebensmittelkonzern neuen Herausforderungen stellen Gewinn je Aktie in € *Prognose 1,70 1,90 1,94 2,10 1,94 1,94 2,00 2,10* 2,19* 3,90 3,63 2,97 3,01 2,97 1,48 1,37 3,40* 3,59* ’17 ’18 ’19 ’20 ’21 ’22 ’23 ’24 ’25 Dividende je Aktie in € Stichtag: !".!#.#!#$; Quelle: BO Data Gewinn und Dividende Danone schüttet verlässlich Gewinnanteile aus D I E € U R O - D I V I D ENDENANALYSE Danone Titel Dividenden- einkommen 3 8 D IVID EN D ENSTA RS 5 8 H V-K A L EN D ER 3 6 EIN L EIT U N G
2021 2022 2023 2024 ’252020 70 65 60 55 50 45 40 €URO 03|25 53 und die Fokussierung auf die starken Marken sollten daher zur ersten Säule der Neustrukturierung werden. Die zweite besteht in einem radikalen Ein- schnitt !ür ein französisches Unterneh- men: Statt zentralistischer Steuerung aus dem Pariser Stammsitz setzt Danone nun stärker auf lokale Entscheidungs- kompetenz. Regionale Märkte — etwa in Nordamerika, Asien oder Europa — er- halten mehr Autonomie, um schneller auf Konsumententrends reagieren zu können. Die dritte Säule schließlich ist strikte Kostendisziplin und Ef!izienzstei- gerung durch einfachere Strukturen. Da- bei stellt der Danone-Chef Pro!itabilität vor Umsatzwachstum. Erfolgsrezept. Erste Ergebnisse des Programms sind bereits sichtbar. Der Ge- winn pro Aktie hat sich seit 2022 mehr als verdoppelt. Vom damaligen Tiefstand hat sich auch der Aktienkurs erholt und ist wieder um über 40 Prozent gestiegen. Für das Gesamtjahr 2024 peilt das Unter- nehmen ein organisches Umsatzwachs- tum von drei bis !ünf Prozent sowie eine moderate Steigerung der operativen Marge an. Stabiler als der Kurs hat sich die Dividende entwickelt, die denn auch überwiegend zur Gesamtrendite beiträgt. In den vergangenen 20 Jahren überwies Danone beständig Gewinnan- teile an die Aktionäre, in 17 davon erhöh- ten die Franzosen die Ausschüttung (zur Quellensteuer auf französische Dividen- den siehe Seite 73). Die aktuelle Dividen- denrendite liegt bei über drei Prozent. Damit ist Danone !ür Anleger interes- sant, die sich eine klassische Dividenden- aktie ins Depot legen möchten. ➝ Bereits 1919 gegründet, stieg Danone ab den 1970er-Jahren zu einem globalen Unternehmen auf. Heutzutage beschäf- tigt der Lebensmittelkonzern in 120 Län- dern über 100 000 Menschen. Der Name steht !ür eine viel!ältige, global ver!üg- bare Markenwelt. Die Palette reicht vom Joghurtdrink Actimel über die Milch- nahrung Milupa bis zum Mineralwasser Volvic. Im Gegensatz zu den größeren und breiter aufgestellten Konkurrenten Nestlé und Unilever verfolgt Danone eine spezialisierte Strategie. Der Konzern will mit gesunden, funktionellen Lebensmit- teln und Getränken punkten. „Danone hat eine ganz klare Mission: Gesundheit durch Essen !ür so viele Menschen wie möglich“, erklärt CEO Antoine de Saint- Affrique den Leitgedanken. Das Geschäft teilt sich in drei Berei- che auf: An erster Stelle stehen die klas- sischen Milchprodukte und ihre pflanz- lichen Alternativen wie Soja- und Man- delmilch. Dann folgt Mineralwasser — auch hier gehören die Franzosen zu den größten Anbietern weltweit. Und schließ- lich die Spezialnahrung: Mit Babynah- rung, medizinischer Ernährung und Se- niorenprodukten bietet Danone hoch- spezialisierte Lebensmittel an. Erneuerung läuft. Seit 2022 stellt sich der Konzern mit „Renew Danone“ ef!izi- enter auf, um gegen Rivalen wie Unilever und Nestlé wieder Boden gutzumachen. „Zehn Jahre lang hatten wir Marktan- teile verloren“, so CEO de Saint-Affrique. Beim Kassensturz nach seinem Amtsan- tritt 2021 stellt er fest, dass 25 Prozent des Markenportfolios Verlustbringer waren. Eine Konsolidierung der Produktpalette WKN 851 194 Kurs 67,06 € Börsenwert 45,57 Mrd. € KGV 2025 (erwartet) 17,7 Kurs-Buchwert-Verhältnis 2,6 Kurs-Cashflow-Verhältnis 10,1 Dividendenrendite 3,3 % Gesamtrendite 10 Jahre p. a. 4,4 % Stichtag: !".!#.#!#$; Quelle: BO Data Rendite Wer die Aktie von Danone vor 20 Jah- ren gekauft hat, streicht heute eine Rendite von mehr als elf Prozent ein Heute 3,3 % Vor 10 Jahren 5,0 % Vor 20 Jahren 11,1 % Quelle: BO Data BILD: NUTHAWUT SOMSUK/ISTOCK, SONJA CRISPINO [M] 6 0 D EP OTS F Ü R 3 L EB ENSL AG EN 4 8 D IVID EN D EN & RÜ CK K ÄU F E 5 2 E IN Z E L ANALYSE 6 4 KÖ NI GS ST R AT EG IE 5 4 D EU TSCH E FAVO RIT EN 72 ST EU ERWIS SEN Kurs in €
€URO 03|2554 Gute Nachrichten !ür Anleger: Trotz eines insgesamt leichten Rückgangs locken am deut- schen Aktienmarkt auch in diesem Jahr wieder hohe Dividenden. Experten schätzen die Ausschüttungs- summe der deutschen Top-Unterneh- men auf knapp 60 Milliarden Euro. Noch ist die genaue Ausschüttungs- summe unklar, denn ihre Höhe speist sich aus dem Gesamtgewinn des voran- gegangenen Geschäftsjahres, der meist im Februar oder März publiziert wird. In diesen zwei Monaten werde über knapp drei Viertel der erwarteten Gesamt- ausschüttungen entschieden, schreibt Top-Dividende aus Deutschland Deutschlands erste Börsenliga erfreut Anleger auch 2025 mit üppigen Gewinnbeteiligungen. Welche der hiesigen Ausschüttungsriesen künftig das größte Potenzial bieten DZ"Bank-Analyst Stephen Schneider in einer Studie. Gezahlt wird die Dividende !ür das abgelaufene Geschäftsjahr je- weils nach der Hauptversammlung. Klar ist bereits jetzt: An die Rekord- summe des Vorjahres wird der Geld- segen !ür die Aktionäre in dieser Saison nicht heranreichen. Erstmals seit der Covid-Pandemie wird die Ausschüt- 3 8 D IVID EN D ENSTA RS 5 8 H V-K A L EN D ER 3 6 EIN L EIT U N GTitel Dividendeneinkommen
€URO 03|25 55 Von den 40 DAX"Konzernen will laut DZ und Dekabank mehr als die Hälfte ih- re Dividende erhöhen. Mit knapp 5,9 Mil- liarden Euro dürfte der Versicherungs- konzern Allianz in diesem Jahr die höchste Summe im DAX ausschütten. Seine Dividende fließt seit 1982 zuver- lässig, mit Ausnahme des Finanzkrisen- jahres 2008 blieb sie mindestens stabil. Künftig sollen Allianz-Anleger noch üp- piger bedacht werden (siehe Seite 56). Analysten rechnen damit, dass die Münchner in diesem Jahr 15 Euro je Ak- tie ausschütten — das wäre eine Erhö- hung von neun Prozent. Gemeinsam mit Munich Re und Hannover Rück schicke sich der Versicherungssektor an, der Au- tobranche die „Poleposition unter den Dividendenzahlern“ streitig zu machen, stellt die Dekabank fest. Den höchsten absoluten Zuwachs bei der Dividendensumme traut die Deka- bank dieses Jahr der Deutschen Telekom zu: Mit erwarteten zusätzlichen knapp 650 Millionen Euro dürfte der Bonner Konzern 2025 den zweiten Rang hin- sichtlich der Gesamtsumme belegen. Auf Platz 3 sollte nach Erhöhung der eigenen Ausschüttungen um fast 400 Millionen Euro und Kürzungen bei den großen Autobauern Siemens folgen. Die 50 im MDAX gelisteten Unternehmen werden laut Dekabank-Berechnungen !ür das abgelaufene Geschäftsjahr zusammen 6,85 Milliarden Euro Dividende aus- schütten und damit knapp sieben Pro- zent mehr als im vorangegangenen Jahr. Kennziffern. Auch wenn die Ausschüt- tungssumme hierzulande vom Rekord- wert des Vorjahrs abweicht, werden in Deutschland und Europa vergleichs- weise hohe Summen ausgezahlt. Dar- über hinaus gilt der DAX im Vergleich zum US"Index S & P 500 als günstig be- wertet. Eine Kennziffer, um die Bewer- tung zu messen, ist das Kurs-Gewinn-Ver- hältnis (KGV), das die erwartete künfti- ge Gewinnentwicklung des Markts abbil- det: Je höher es liegt, desto teurer gelten die Aktien. Das KGV des S & P 500 beträgt gemessen an den !ür die kommenden zwölf Monate erwarteten Gewinnen der dort versammelten 500 Unternehmen also im Schnitt 28,7. Das ist recht hoch und liegt über dem Schnitt der vergan- genen drei Jahre. Das DAX"KGV liegt bei deutlich niedrigeren 19,1, gilt also als günstiger. Noch ausgeprägter ist die Bewertungsdifferenz beim breiter aufge- stellten Euro Stoxx 50, dessen KGV bei 15,4 rangiert. Gute Aussichten. Neben Kursgewin- nen tragen Dividenden auf lange Sicht er- heblich zur Gesamtrendite bei. Und be- reits 2026 dürfte die Ausschüttungssum- me der 40 DAX"Unternehmen laut Deka- bank den Rekordwert von 2024 wieder übertreffen. Auch die Experten von Alli- anz Global Investors sind zuversichtlich: „70 Milliarden Euro könnten es 2026 sein.“ Wir stellen auf den folgenden Sei- ten Aktien mit hoher Dividendenrendite und hohem Kurspotenzial vor. ➝ tungssumme der 160 größten börsen- notierten deutschen Unternehmen, die im sogenannten HDAX gelistet sind, sin- ken. Obwohl laut DZ Bank zwei Drittel der deutschen Firmen ihre Dividende anheben dürften, rechnen die Experten wegen der Probleme in der Autobranche insgesamt mit einem Rückgang der Aus- schüttungssumme von 65,4 Milliarden Euro im Vorjahr auf 59,1 Milliarden Euro im laufenden Jahr. Die auf den DAX fokussierten Erwar- tungen der Dekabank-Analysten sind ähnlich. Kapitalmarktexperte Joachim Schallmayer ist allerdings überzeugt: Trotz der Schwäche der Autoindustrie werde bei den 40 DAX"Konzernen der Rekordwert von 55 Milliarden Euro aus dem Vorjahr mit voraussichtlich 52,2 Milliarden Euro „nur knapp verfehlt“. Gewinner und Verlierer. Traditionell schütten die drei großen Automobilher- steller BMW, Mercedes und Volkswagen besonders großzügige Gewinnbeteili- gungen aus. Doch bei ihnen kriselt es be- kanntlich. Nach 13,9 Milliarden Euro im vergangenen Jahr dürften die DAX"Auto- bauer nach Schätzungen der Dekabank dieses Jahr zusammen 9,9 Milliarden Euro an ihre Aktionäre auszahlen. Damit würde 2025 nicht einmal mehr jeder !ünfte „Dividenden-Euro“ von diesem Trio ausgeschüttet werden, nachdem es 2024 noch mehr als jeder vierte war, schreibt Dekabank-Experte Schallmayer in einer Analyse. BILD: NUTHAWUT SOMSUK/ISTOCK (2) 6 0 D EP OTS F Ü R 3 L EB ENSL AG EN 4 8 D IVID EN D EN & RÜ CK K ÄU F E 5 2 EINZEL A N A LYSE 6 4 KÖ NI GS ST R AT EG IE 5 4 D E U TSCH E FAVO RITE N 72 ST EU ERWIS SEN
’20 ’21 ’22 ’23 ’24 ’25 45 40 35 30 25 20 15 10 ’20 ’21 ’22 ’23 ’24 ’25 350 300 250 200 150 100 50 ’20 ’21 ’22 ’23 ’24 ’25 110 100 90 80 70 60 50 40 30 20 €URO 03|2556 WKN DWS 100 Kurs 40,80 € Börsenwert 8,1 Mrd. € KGV 2025 (erwartet) 9,7 Kurs-Buchwert-Verhältnis 0,9 Kurs-Cashflow-Verhältnis 8,9 Dividendenrendite 1 4,6 % Gesamtrendite 5 Jahre 94,1 % Stichtag: !".!#.#!#$; Quelle: BO Data Mit einer attraktiven Dividendenrendite lockt auch der Vermögensverwalter DWS. Die im SDAX notierte Fondstochter der Deutschen Bank profitiert vom Boom der Indexfonds, die sie unter der Marke Xtrackers vertreibt, und baut ihr Geschäft unter der Führung von Vorstandschef Stefan Hoops erfolgreich aus: Das verwal- tete Vermögen überschritt erstmals die Billion-Euro-Grenze. Ein geringeres Zins- niveau in Kombination mit einer anhalten- den Börsenhausse dürfte die Attraktivität des Kapitalmarkts fördern und die Nach- frage weiter ankurbeln. Auf Basis des für 2025 geschätzten Gewinns ist die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 9,7 historisch günstig. Dank ihrer schlanken Struktur strebt die DWS eine Ausschüttungsquote von 65 Prozent an. €URO-EMPFEHLUNG 1DWS WKN 840400 Kurs 302,10 € Börsenwert 116,1 Mrd. € KGV 2025 (erwartet) 10,9 Kurs-Buchwert-Verhältnis 1,8 Kurs-Cashflow-Verhältnis 7,9 Dividendenrendite 1 4,8 % Gesamtrendite 10 Jahre 248,0 % Stichtag: !".!#.#!#$; Quelle: BO Data Großzügig hat der Versicherungskonzern seine Anleger Ende 2024 überrascht: Er will sie künftig noch stärker an der Ge- schäftsentwicklung teilhaben lassen und änderte erneut seine Ausschüttungspoli- tik. In den nächsten drei Jahren wollen die Münchner mindestens drei Viertel ihres Nettogewinns über Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufe an ihre Anleger wei- terreichen. Grundsätzlich bleibt der DAX- Konzern dabei, 60 Prozent des Nettoge- winns nach Anteilen Dritter direkt auszu- schütten. Dabei soll die Dividende je Aktie stets auf Höhe des Vorjahres liegen – zu- letzt waren das 13,80 Euro. Von 2025 bis 2027 sollen zusätzlich im Schnitt mindes- tens 15 Prozent des Gewinns an die An- leger gehen, etwa über Aktienrückkäufe oder eine Sonderdividende. €URO-EMPFEHLUNG 1ALLIANZ WKN 519 003 Kurs 72,45 € Börsenwert 47,7 Mrd. € KGV 2025 (erwartet) 5,7 Kurs-Buchwert-Verhältnis 0,6 Kurs-Cashflow-Verhältnis 2,8 Dividendenrendite 1 6,7 % Gesamtrendite 10 Jahre 72,0 % Stichtag: !".!#.#!#$; Quelle: BO Data Seit 25 Jahren zahlt BMW ununterbrochen eine Dividende. Nun droht dem Stabilitäts- ausweis des DAX-Konzerns eine Schram- me: Gut möglich, dass die Münchner we- gen der Krise in der Autobranche auf ihrer Hauptversammlung im Mai eine geringe- re Ausschüttung vorschlagen. Wir rech- nen mit fünf Euro. Nichtsdestotrotz: Bei einem prognostizierten Nettogewinn von 8,5 nach 11,3 Milliarden Euro im Vorjahr errechnet sich eine Ausschüttungssum- me von 2,5 bis 3,4 Milliarden Euro. Mit einer Ziel-Ausschüttungsquote von 30 bis 40 Prozent und einer hohen Dividenden- rendite bleibt die Aktie attraktiv. Mit sei- nen E-Autos hängt BMW viele Rivalen ab. Die dafür nötigen Investitionen sollten ihren Peak überschritten haben. Für Anleger: gute Perspektiven. €URO-EMPFEHLUNG 1BMW VZ. 1 erwartete Dividende für das Geschäftsjahr 2024, auszuzahlen 2025; 2 mit Sonderdividende 3 8 D IVID EN D ENSTA RS 5 8 H V-K A L EN D ER 3 6 EIN L EIT U N GTitel Dividendeneinkommen Kurs in €Kurs in € Kurs in €
’20 ’21 ’22 ’23 ’24 ’25 35 30 25 20 15 10 ’20 ’21 ’22 ’23 ’24 ’25 50 45 40 35 30 25 20 ’20 ’21 ’22 ’23 ’24 ’25 45 40 35 30 25 20 15 €URO 03|25 57 WKN A0Z 2ZZ Kurs 28,46 € Börsenwert 3,4 Mrd. € KGV 2025 (erwartet) 8,3 Kurs-Buchwert-Verhältnis 2,1 Kurs-Cashflow-Verhältnis 8,3 Dividendenrendite 1 7,1 % Gesamtrendite 10 Jahre 104,4 % Stichtag: !".!#.#!#$; Quelle: BO Data Mit hohen und verlässlichen Ausschüt- tungen hat Vorstandschef Christoph Vila- nek das MDAX-Unternehmen zu einer Di- videndenperle herausgeputzt. Er formte den Mobilfunkanbieter zu einem breit auf- gestellten Digital-Lifestyle-Provider, der im TV-Geschäft zweistellige Wachstums- raten erzielt. Erstmals veröffentlichten die Hamburger ermutigende Mittelfrist- ziele: Bis 2028 soll das Betriebsergebnis jährlich um vier Prozent wachsen, die Ak- tionäre weiter von einer steigenden Divi- dende profitieren. Auch künftig sollen 80 Prozent des Free Cash Flow ausgeschüt- tet, der Rest abhängig vom Geschäfts- ergebnis für Aktienrückkäufe genutzt wer- den. Inmitten wirtschaftlicher Unsicher- heit taugt Freenet als defensives Invest- ment mit glänzender Dividendenrendite. €URO-EMPFEHLUNG 1FREENET WKN A3E 5D6 Kurs 40,82 € Börsenwert 4,3 Mrd. € KGV 2025 (erwartet) 15,8 Kurs-Buchwert-Verhältnis 3,0 Kurs-Cashflow-Verhältnis 13,3 Dividendenrendite 1 2,8 % Gesamtrendite 10 Jahre 54,5 % Stichtag: !".!#.#!#$; Quelle: BO Data Der Schmiermittelhersteller Fuchs – einst mit dem Zusatz Petrolub – ist ein hiesiger Hidden Champion: Seit fast 100 Jahren bietet das Mannheimer Familienunter- nehmen Öle und Schmierstoffe für nahe- zu alle Industrien und Anwendungsberei- che, ob Automotoren oder Maschinen und Anlagen in Landwirtschaft und Lebens- mittelherstellung. Trotz kriselnder Auto- industrie läuft es rund für den weltweit größten unabhängigen Anbieter. E-Mobili- tät verändert den Markt und öffnet Chan- cen: Auch E-Autos brauchen Schmiermit- tel und Getriebeöle. Überdurchschnittlich wächst Fuchs in den Regionen Asien-Pa- zifik sowie Nord- und Südamerika. Mit der 23. Dividendensteigerung in Folge ist der MDAX-Konzern auf dem besten Weg, ein Dividendenaristokrat zu werden. €URO-EMPFEHLUNG 1FUCHS VZ. WKN 861 149 Kurs 27,95 € Börsenwert 4,30 Mrd. € KGV 2025 (erwartet) 10,0 Kurs-Buchwert-Verhältnis 1,3 Kurs-Cashflow-Verhältnis 6,1 Dividendenrendite 1, 2 17,7 % Gesamtrendite 10 Jahre -34,3 % Stichtag:!".!#.#!#$; Quelle: BO Data Eine enorme Dividendenrendite verheißt RTL Group: Der Medienkonzern gilt als verlässlicher Zahler hoher Dividenden und will trotz zuletzt enttäuschender Quartalszahlen weiter 80 Prozent seines Gewinns ausschütten. Anleger wurden zudem bisher auch an Gewinnen aus Son- derverkäufen in gleichem Umfang betei- ligt. Aktuell ist ein Deal in Sicht, der eine Superdividende verspricht: Das TV-Ge- schäft in den Niederlanden wurde an DPG Media verkauft, der Gewinn beträgt 800 Millionen Euro. Insgesamt wäre eine Aus- schüttung von mehr als sechs Euro pro Aktie möglich. Doch noch steht die Frei- gabe der Kartellbehörden aus. Erfolgt die nicht bis zur Erstellung der Bilanz, gibt es immer noch eine üppige Rendite von rund zehn Prozent. €URO-EMPFEHLUNG 1RTL ➝ BILD: FANDSRABUTAN/ISTOCK, KBEIS/ISTOCK 6 0 D EP OTS F Ü R 3 L EB ENSL AG EN 4 8 D IVID EN D EN & RÜ CK K ÄU F E 5 2 EINZEL A N A LYSE 6 4 KÖ NI GS ST R AT EG IE 5 4 D E U TSCH E FAVO RITE N 72 ST EU ERWIS SEN Kurs in €Kurs in €Kurs in €
€URO 03|2560 Lösungen für jedes Alter Wie vorteilhaft Dividenden wirken können, zeigt €uro für drei Lebenslagen. Jung Vermögen aufbauen – und mit 50 Jahren oder dann im Ruhestand profitieren Manchmal scheinen Ren- ditezahlen abstrakt, selbst wenn sie angenehm hoch sind. Willkommen im wirk- lichen Leben — konkret bei breit diversi- !izierten ETFs und aktiv gemanagten Fonds, die !ür jedes Lebensalter viel!äl- tige Vorzüge vorweisen können. Fürs Leben. So zeigen wir, wie ein 25"Jähriger bis zur Rente ein Vermögen aufbaut, obwohl die eigenen Einzahlun- gen nicht einmal ein Siebtel der schönen Geldsumme ausmachen (siehe Gra!ik rechts). Und rechnen vor, wie Eltern um die 50 dank Dividenden die Ausbildung ihrer Kinder !inanzieren können, ohne die eigene Vermögensbasis angreifen zu müssen (Seite 62). Oder wie ab 65 satte 4000 Euro Zusatzrente fließen können, 20 Jahre lang, Monat !ür Monat (Seite 63). BILD: NUTHAWUT SOMSUK/ISTOCK (2) 3 8 D IVID EN D ENSTA RS 5 8 H V-K A L EN D ER 3 6 EIN L EIT U N GTitel Dividendeneinkommen
25€URO 03|25 61 400 000 300 000 200 000 100 000 0 2020201520102005200019951990 Stichtag: !"."#.#$#%; Quelle: BO Data Ansparen Mit 100 Euro im Monat konnten Anleger binnen 40 Jahren ein Vermögen von fast 400 000 Euro aufbauen In dieser Titelgeschichte können Anleger verschiedene Ansätze kennenlernen, um bestmöglich von ausgeschütteten Dividenden zu profitieren. Wer 25 Jahre alt ist und nach dem Uni-Abschluss ins Berufsleben startet, muss zunächst ein Vermögen aufbauen, aus dem regelmäßi- ge laufende Ausschüttungen resultieren. Dafür eignen sich Aktien am besten, weil Anleger damit über die Jahrzehnte hin- weg ein stattliches Vermögen aufbauen können. €uro hat dies an einem realen Beispiel durchgerechnet und dafür den populären Aktienfonds UniGlobal (ISIN: DE 000 849 105 1) von Union Investment herangezogen, mit dem Anleger seit An- fang 1960 weltweit in Aktien investieren können. Hätten Anleger von Anfang 1985 bis Ende 2024 jeden Monat 100 Euro in den UniGlobal investiert, hätten sie am Ende der 40-jährigen Ansparphase über ein Vermögen von 386 636 Euro ver- fügen können – und das, obwohl sie nur 48 000 Euro eingezahlt hätten (siehe Gra- fik). Umgerechnet hätte sich das einge- zahlte Kapital in den vergangenen 40 Jah- ren um rund 8,7 Prozent pro Jahr ver- mehrt. Der UniGlobal schüttet die Divi- denden indes aus, was für die Ansparpha- se nicht ideal ist. Anleger müssen die aus- gezahlten Dividenden dann immer wieder in das Fondsvermögen zurückinvestieren, damit sie sich erneut vermehren können. Um von diesem Aufzinsungseffekt zu profitieren, eignen sich thesaurierende Fonds und ETFs am besten, die die Divi- denden automatisch wiederanlegen. Möglich ist das zum Beispiel mit dem MSCI World ETF von SPDR (siehe Tabel- le). Damit können Anleger kostengünstig in rund 1400 Aktien aus 23 Industrielän- dern investieren. Wer auch Aktien aus den Schwellenländern beimischen möch- te, kann zum Vanguard FTSE All-World ETF greifen und auf diese Weise in rund 3650 Titel investieren. Mit dem SPDR MSCI ACWI IMI ETF können Anleger ihr Kapital darüber hinaus weltweit in Neben- werte anlegen. Der dazugehörige Index enthält sogar 8640 Titel. Auch mit über- zeugenden Aktienfonds können Anleger ein Vermögen aufbauen. Infrage kommt dafür etwa der JP Morgan Global Focus, der in rund 60 Aktien aus den Industrie- und Schwellenländern investiert und ver- gleichbare ETFs in den vergangenen drei und fünf Jahren übertroffen hat. Wer jeden Monat 100 Euro in einen Fonds oder ETF investiert, kann ein Vermögen von bis zu 400 000 Euro aufbauen. €uro sagt, wie ein 25-jähriger Jobanfänger das schaffen kann Der perfekte Plan für Jobanfänger ➝ 6 0 D E P OTS F Ü R 3 LE BE NSL AG E N 4 8 D IVID EN D EN & RÜ CK K ÄU F E 5 2 EINZEL A N A LYSE 6 4 KÖ NI GS ST R AT EG IE 5 4 D EU TSCH E FAVO RIT EN 72 ST EU ERWIS SEN Voll in Aktien investiert Globale Fonds und ETFs eignen sich am besten, um ein Vermögen aufzubauen Fonds/ETF ISIN Wertentwicklung in % Kosten p. a. in %! Jahre " Jahre JP Morgan Global Focus ! LU $#" $&! %## ' %&,$ (),) ",'" SPDR MSCI ACWI IMI ETF ! IE $$B !YL TY) ) !),) '#,$ $,"' SPDR MSCI World ETF ! IE $$B FY$ GT" % %!,( *&,' $,"# Vanguard FTSE All-World ETF ! IE $$B K&B QT* $ !*,# '%,* $,## Stichtag: !".$".#$#&; # thesaurierend; Quelle: Anbieter, BO Data Depotwert in € Summe der Einzahlungen in €
50€URO 03|2562 250 000 200 000 150 000 100 000 50 000 0 2020 2021 2022 2023 2024 Stichtag: !"."#.#$#%; Quelle: BO Data Kapital erhalten Aus guten Fonds kann man pro Monat 2000 Euro entnehmen, ohne dass das Kapital schmilzt Wer mitten im Leben steht, hat oft schon ein Vermögen aufgebaut oder besitzt eine selbst genutz- te Immobilie. Zudem kann ein großzü- giges Erbe die finanzielle Lage nochmals verbessern, um damit zum Beispiel die studierenden Kinder zu unterstützen. Einen solchen Fall hat €uro durchgerech- net. So könnte ein Elternpaar womöglich 200 000 Euro geerbt haben und fragt sich jetzt, wie viel Geld es monatlich an seine beiden Kinder überweisen kann, oh- ne dass die geerbte Summe weniger wird. Als Beispiel ziehen wir dafür wieder den UniGlobal (ISIN: DE 000 849 105 1) heran. Nehmen wir an, dass die Eltern die ge- erbte Summe von 200 000 Euro Anfang 2020 in den UniGlobal investiert hätten. Dann hätten sie danach monatlich 2000 Euro entnehmen können und hätten Ende 2024 noch über 201 437 Euro verfügt. Je- des Kind hätten sie somit mit 1000 Euro pro Monat unterstützen können, ohne fi- nanzielle Einbußen zu erleiden. Möglich war dies, weil der UniGlobal in dieser Zeit nicht nur Dividenden ausgeschüttet, son- dern auch hohe Kursgewinne erzielt hat. Rechnet man beides zusammen, hat der UniGlobal von Anfang 2020 bis Ende 2024 um 87,5 Prozent zugelegt. Umge- rechnet entspricht dies einer jährlichen Rendite von 13,4 Prozent. Ähnlich erfolg- reich war in den vergangenen fünf Jahren der Deka-GlobalChampions. Dort setzt Fondsmanager Mario Adorf vor allem auf Unternehmen aus Europa und den USA, die ihre Umsätze und Gewinne nicht nur im heimischen Markt, sondern welt- weit erzielen. Zudem investiert er bis zu 20 Prozent direkt in Aktien aus den Schwellenländern. Sowohl der Deka- GlobalChampions als auch der UniGlobal schütten die Dividenden aus. Allerdings setzen sie nicht gezielt auf Aktien, die überdurchschnittlich hohe Dividenden- renditen aufweisen. Dies ist der Fall beim JP Morgan Global Dividend. Dort sollen die 60 bis 80 Fondstitel eine höhere Divi- dendenrendite und ein höheres Dividen- denwachstum aufweisen als die rund 2650 Aktien im MSCI ACWI Index. Ver- gleichbar agiert der Vanguard FTSE All-World High Dividend Yield ETF. An- leger setzen mit dem Vanguard-ETF auf 2147 Aktien, die unter den 4247 Titeln im FTSE All-World Index die höchsten Dividendenrenditen aufweisen. Wer 200 000 Euro erbt, kann pro Monat 2000 Euro an seine Kinder überweisen – und hat am Ende immer noch genauso viel Geld wie vorher. €uro erklärt, wie das geht So hilft man seinen Kindern BILD: NUTHAWUT SOMSUK/ISTOCK (3) 3 8 D IVID EN D ENSTA RS 5 8 H V-K A L EN D ER 3 6 EIN L EIT U N GTitel Dividendeneinkommen Kursgewinne und Dividenden Anleger können weltweite Fonds und ETFs für Auszahlpläne nutzen Fonds/ETF ISIN Wertentwicklung in % Kosten p. a. in %! Jahre " Jahre Deka-GlobalChampions ! DE $$$ DK$ ECU * %&,$ *%,( ",&$ JP Morgan Global Dividend ! LU $!# (#$ #"' ( #*,* '"," ",') UniGlobal ! DE $$$ *%( "$& " %"," (",' ",%& Vanguard World High Div. ETF ! IE $$B *GK DB" $ #(," &%,$ $,#( Stichtag: !".$".#$#&; # ausschüttend; Quelle: Anbieter, BO Data Depotwert in € Summe der Auszahlungen in €
65€URO 03|25 63 1 000 0000 750 000 500 000 250 000 0 2006 2008 2010 2012 2014 2016 2018 2020 2022 2024 Stichtag: !"."#.#$#%; Quelle: BO Data Kapital verzehren Beim UniGlobal konnte man 20 Jahre lang monatlich 4000 Euro entnehmen Wer seinen verdienten Ruhestand erreicht hat, bekommt fortan seine gesetzliche Rente ausge- zahlt und kann vielleicht auch monatliche Einnahmen aus der betrieblichen Alters- vorsorge vereinnahmen. Wer dazu noch ein privates Vermögen von 500 000 Euro angespart hat, muss seinen gewohnten Lebensstandard kaum einschränken. Man könnte in dieser Lage sogar über- legen, sein privates Vermögen in Höhe von 500 000 Euro binnen der nächsten 20 Jahre komplett zu verzehren. Auch dieses Beispiel hat €uro anhand des UniGlobal (ISIN: DE 000 849 105 1) durch- gerechnet. In diesem Fall betrachten wir den Zeitraum von Anfang 2005 bis Ende 2024. In dieser Zeit hätte man pro Monat 4000 Euro aus dem UniGlobal entneh- men können und sein Kapital in dieser Zeit fast verzehrt. Übrig geblieben wäre eine Restsumme von rund 45 000 Euro. Eine monatliche Entnahme von 4000 Eu- ro ist sehr üppig und war möglich, weil der UniGlobal in den vergangenen 20 Jahren inklusive der Dividenden um fast zehn Prozent pro Jahr zugelegt hat. Anleger sollten aber in Betracht ziehen, dass Akti- enfonds vorübergehend stark verlieren können. So büßte der UniGlobal im Jahr 2008 zum Beispiel rund 35 Prozent ein. Wer mit solchen Rückschlägen schlecht schlafen kann, sollte sich für defensivere Fonds entscheiden – auch wenn die 4000 Euro pro Monat damit nicht mehr erreichbar wären. Beim Allianz Dynamic Multi Asset Strategy SRI 75 hält Fonds- manager Marcus Stahlhacke nicht fix 75 Prozent in Aktien, sondern variiert diesen Anteil meist zwischen 50 und 100 Prozent. Derart flexible Fonds über- zeugen nicht immer. Der Allianz-Fonds zählt auf lange Sicht aber zu den besten aktienlastigen Mischfonds. In den ver- gangenen drei und fünf Jahren übertraf er sogar den DWS Top Dividende, bei dem Fondsmanager Thomas Schüßler in aus- schüttungsstarke Aktien investiert und größere Rückschläge vermeiden möchte. Ähnlich vorsichtig investiert Fondsma- nager Jan Ehrhardt beim DJE Zins & Divi- dende, wobei er maximal bis zu 50 Pro- zent in Aktien anlegen darf (siehe auch Seite 76). Noch defensiver agiert der Allianz Income and Growth, der je ein Drittel in Aktien, Hochzinsanleihen und Wandelanleihen aus den USA hält. Haben Sie als Rentner 500 000 Euro auf der Seite liegen und können das Vermögen aufbrauchen? Dann sind pro Monat 4000 Euro Zusatzrente für Sie erzielbar So sind 4000 Euro Zusatzrente drin ➝ 6 0 D E P OTS F Ü R 3 LE BE NSL AG E N 4 8 D IVID EN D EN & RÜ CK K ÄU F E 5 2 EINZEL A N A LYSE 6 4 KÖ NI GS ST R AT EG IE 5 4 D EU TSCH E FAVO RIT EN 72 ST EU ERWIS SEN Ohne volles Risiko Wer das Risiko eines 100-prozentigen Aktienanteils scheut, kann zu diesen Fonds greifen Fonds ISIN Wertentwicklung in % Kosten p. a. in %! Jahre " Jahre Allianz D. Multi Asset SRI "# ! LU "$* ($* *!" " #&,% &%,) ",'& Allianz Income and Growth ! LU $() %*$ '*% & #%,( &",$ ",&& DJE Zins & Dividende ! LU $&& !") %'! " "#,# #'," ",)( DWS Top Dividende ! DE $$$ (*% *"" ( "),* #*,) ",%& Stichtag: !".$".#$#&; # ausschüttend; Quelle: Anbieter, BO Data Depotwert in € Summe der Auszahlungen in €
72 €URO 03|25 Dem Fiskus entkommen Wo es etwas für Anleger zu holen gibt, ist erfahrungsgemäß das Finanzamt nicht weit. Mit der richtigen Steuerstrategie können Aktionäre ihre Ausschüttungen 2025 optimieren 3 8 D IVID EN D ENSTA RS 5 8 H V-K A L EN D ER 3 6 EIN L EIT U N GTitel Dividendeneinkommen
73€URO 03|25 Zum Start der Hauptversamm- lungssaison 2025 steigt bei vie- len Anlegern die Vorfreude auf Dividendenzahlungen. Wer ein international ausgerichtetes Depot hat, sollte aber auch auf die !iskalischen Fein- heiten achten. Denn bei ausländischen Titeln können Quellensteuern die Netto- Dividendenrendite spürbar schmälern. Diese Grundregeln und Details bei der Besteuerung von Ausschüttungen soll- ten Aktionäre jetzt parat haben. Deutsche Dividenden. Auf Ausschüt- tungen behält der Fiskus 25 Prozent Ab- geltungsteuer ein. Zudem gehen 5,5 Pro- zent Solidaritätszuschlag und gegebe- nenfalls Kirchensteuer — je nach Bundes- land acht oder neun Prozent — ab. Daraus resultiert !ür Kapitalerträge eine Ge- samtsteuerlast von bis zu 27,99 Prozent. Depot!ührende Stellen !ühren die !älli- gen Abgaben an die zuständigen Finanz- ämter ab. Der Steuerabzug lässt sich ver- meiden oder zumindest abmildern. Da- !ür müssen Anleger Kapitaleinkünfte bei der Depotbank via Freistellungsauftrag bis zur Höhe ihres Sparerpauschbetrags (1000 Euro Alleinstehende, 2000 Euro zusammen veranlagte Partner) von der Pauschalabgabe befreien lassen. US-Dividenden. Besitzer von US"Aktien müssen auf Dividendenzahlungen pau- schal 30 Prozent der Ausschüttung als Quellensteuer an den amerikanischen Fiskus ab!ühren. Hat die Depotbank ge- genüber den US"Steuerbehörden den Sta- tus eines „Quali!ied Intermediary“, wird nur ein ermäßigter Satz von 15 Prozent einbehalten, der dann vom Fiskus voll auf die deutsche Steuerschuld (25 Pro- zent) angerechnet wird. Andernfalls ist eine Erklärung !ür „beschränkt Steuer- pflichtige“ in den USA nötig, um zu viel gezahlte Abgaben zurückzuholen. For- mulare sind hier unter irs.gov abrufbar. Französische Dividenden. Bei Aus- schüttungen gilt ein Quellensteuersatz von 30 Prozent. Davon werden 12,8 Pro- zent auf die deutsche Abgeltungsteuer (25 Prozent) angerechnet. Die verblei- benden 17,2 Prozent können sich Aktio- näre über ein Erstattungsverfahren in Frankreich zurückholen, benötigen da- !ür aber die Hilfe ihrer Depotbank und des Datendienstleisters Clearstream. Wegen der hohen Gebühren lohnt sich dies nur bei großen Dividendensummen. Großbritannien-Dividenden. In punc- to Quellensteuern auf Dividenden und Zinsen bleibt Großbritannien eine Insel der Seligen. Alle Ausschüttungen auf Konten ausländischer Anleger erfolgen vor Ort abgabenfrei. Ist der Freistellungs- auftrag in Deutschland ausreichend hoch, fließen Großbritannien-Dividen- den sogar komplett steuerfrei. Italien-Dividenden. Auf Ausschüttun- gen aus Bella Italia sind vor Ort 26 Pro- zent Quellensteuer !ällig. Davon werden von der Depotbank 15 Prozent auf die deutsche Abgeltungsteuer angerechnet. Die restlichen elf Prozent können Anle- ger innerhalb von vier Jahren vom ➝ BILD: NUTHAWUT SOMSUK/ISTOCK (2) 6 0 D EP OTS F Ü R 3 L EB ENSL AG EN 4 8 D IVID EN D EN & RÜ CK K ÄU F E 5 2 EINZEL A N A LYSE 6 4 KÖ NI GS ST R AT EG IE 5 4 D EU TSCH E FAVO RIT EN 7 2 S TE U E RWIS SE N
€URO 04|2528 30 EINLEITUNG Warum jetzt der ideale Zeitpunkt ist, in Dauersieger mit robusten Renditen zu investieren 32 BURGGRABEN Die Unternehmen mit den stärksten Geschäftsmodellen müssen keine Wettbewerber fürchten 38 MEGATRENDS Mit den richtigen Aktien an den wirklich mächtigen Entwicklungen unserer Zeit mitverdienen
€URO 04|25 29 BILD: MICROSTOCKHUB/ISTOCK [M] Stabil und seriös, innovativ und effizient: So wünscht sich der Investor Aktien zum Kaufen, Halten und langfristig Verdienen. €uro hat 25 solcher Perlen ausgewählt. Plus: die richtigen Fonds und ETFs fürs Leben VON STEPHAN BAUER, GREGOR DOLAK, RALF FERKEN UND FRANK MERTGEN 56 FONDS Vier Strategien, um mit ETFs und aktiv gemanagten Fonds für Jahrzehnte an hohen Aktienerträgen zu partizipieren 48 DOSSIER TECHNIK Tech-Trends von Chips bis Roboter in der Zahlenanalyse – mit besonderem Blick auf die Position Deutschlands 52 FAMILIENWERTE Wissenschaftlich bewiesen: An Börsen notierte Familienunternehmen sind langfristig besonders erfolgreich Titel Aktien fürs Leben AKTIEN FÜRS LEBEN
€URO 04|2530 3 0 EINLEITU N G Die Volatilität an den Aktien- märkten wird über die erwar- teten Kursschwankungen am Optionsmarkt gemessen, so werden die „Angst-Indizes“ VIX in den USA und VDAX!NEW errechnet. Beide In- dizes notierten Anfang März bei Werten um 20, die Märkte signalisierten damit noch ein recht ruhiges Marktumfeld. Dagegen sind Weltpolitik und deut- sche sowie europäische Politik volatil wie selten zuvor. Das liegt am irrlichtern- den US!Präsidenten Donald Trump. Jetzt muss in Europa bei der Stärkung der Ver- teidigungs"ähigkeit gelingen, was über Jahrzehnte verschleppt wurde. Der Rah- men "ür Wirtschaft und Finanzmärkte kann sich jederzeit schnell verändern. Beruhigende Klarheit. In diesem Um- feld erscheint nichts attraktiver als Aktien von Unternehmen mit klaren Strategien, "ähigem Management, über- legenen Geschäftsmodellen, Innovations- stärke und Ausrichtung am Aktionärs- interesse — zusammengefasst wahren Aktien "ürs Leben. €uro hat in drei Be- reichen 25 solcher Aktien "ür Sie identi- "iziert plus vier Strategien, um mit Fonds und ETFs auf Jahrzehnte von starken Aktienerträgen zu pro"itieren (Seite 56). Für die Aktien galt eine Vorgabe: Mög- lichst jede sollte in den vergangenen zehn Jahren eine Gesamtrendite (inklu- sive wiederangelegte Dividende) über den acht, neun Prozent erzielen, die Ak- tien im langjährigen Mittel erreichen. Nachhaltig im Vorteil. Die erste Grup- pe umfasst Unternehmen, die überra- gende Marktpositionen erobert haben und oft noch ausbauen. Nachhaltige Wettbewerbsvorteile schützen sie vor dem Wettbewerb wie ein mächtiger Burggraben. Eine starke Marke, unan- greifbare Patente, Netz werkeffekte und Kostenvorteile — der Stoff, aus dem An- legerträume bestehen. Beispiel "ür den Netzwerkeffekt ist Alphabet. Die Kali- fornier kommen mit der Suchmaschine Google auf 90 Prozent Marktanteil und sammeln darüber günstig einen giganti- schen Datenschatz, um ihre Position in der Ära der künstlichen Intelligenz noch auszubauen. Unsere Burggraben-Favori- ten von Apple bis Visa (Seite 32), echte Dauerbrenner, haben in den vergange- nen zehn Jahren im Schnitt eine Rendite von 24,2 Prozent erzielt. Mit dem Trend im Bund. Von der glo- balen Unruhe war schon die Rede, eine Lage, in der die Morgan-Stanley-Anlage- strategin Lisa Shalett im Februar ihren Kunden unter anderem empfahl, „sich auf Unternehmen zu konzentrieren, die mit langfristigen Markttrends überein- stimmen“. Das rät €uro auch, konkret den Einstieg in Aktien, die von Mega- trends pro"itieren, die unser Leben auf Jahrzehnte prägen werden. Sie verspre- chen langfristiges, strukturelles Wachs- tum. €uro hat zwölf Megatrends und je eine Aktie identi"iziert, um deren Chan- cen zu nutzen (Seite 38). Zum Beispiel den KI!Trend mit Meta und den Boom der Industrieroboter mit Rockwell Automa- tion. Im Schnitt kommen zehn der Kon- zerne "ür die letzten zehn Jahre auf einen Total Return von im Schnitt 23 Prozent. Family first. Unsere dritte Gruppe hochwertiger und beständiger Unter- nehmen hat eines gemeinsam: Familien haben dort einen beherrschenden Ein- fluss. „Ein Gründer ist per De"inition ein Unternehmer und "ördert eine Kultur der Innovation und agilen Entschei- dungs"indung“, schwärmt die Schweizer Bank Pictet. „Die besten Familienunter- 32 BURGG R ABEN 3 8 MEG ATRENDS Titel Aktien fürs Leben BILD: MICROSTOCKHUB/ISTOCK [M] Der GebertBrief: Vertrauen Sie auf über 20 Jahre Er- fahrung. Mit dem GebertBrief bauen Sie Ihr Vermögen mit geringem Risiko auf. Der Erfolgsindikator, um den DAX langfristig zu schlagen. Mehr erfah- ren Sie unter www.gebertbrief.de Andreas Lipkow: Erfolgreich strategisch anlegen Börsenbuch Verlag 320 Seiten, 29,90 € ISBN: 978-3-86470-930-2 Die Aktienanlage ist statistisch eine der sichersten Methoden, um Wohlstand aufzubauen. Börsenexperte Andreas Lipkow klärt auf.
Marketing-Anzeige Ausgezeichnet anlegen mit Dr. Jan Ehrhardt Dies ist eine Marketing-Anzeige. Bitte lesen Sie den Verkaufsprospekt des betreffenden Fonds und das PRIIPs-KID, bevor Sie eine endgültige Anlageentscheidung treffen. Darin sind auch die ausführlichen Informationen zu Chancen und Risiken enthalten. Diese Unterlagen können in deutscher Sprache kostenlos auf www.dje.de unter dem betreffenden Fonds abgerufen werden. Eine Zusammenfassung der Anlegerrechte kann in deutscher Sprache kostenlos in elektronischer Form auf der Webseite unter www.dje.de/zusammenfassung-der-anlegerrechte abgerufen werden. Alle hier veröffentlichten Angaben dienen ausschließlich Ihrer Information, können sich jederzeit ändern und stellen keine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung dar. Auszeichnungen und langjährige Erfahrung garantieren keinen Anlageerfolg. und dem ausgewogenen Mischfonds DJE-Zins & Dividende ANZEIGE nehmen haben bewiesen, dass sie diesen Unternehmergeist über Generationen hinweg bewahren können.“ Langfristige Wertschöpfung gelingt tatsächlich, und zwar weit besser als Börsen"irmen ohne Familieneinfluss, wie wissenschaftliche Studien zeigen (Seite 52). €uro hat sieben solcher Unter- nehmen ausgewählt, vom Mittelständler als Geheimtipp, der einer der Weltmarkt- "ührer seiner Branche ist (Maschinen- bauer Burckhardt Compression), bis hin zum umsatzstärksten Unternehmen der Welt, dem US!Handelsgiganten Walmart. Zehn Jahre 20 Prozent verdienen. Insgesamt erreichen 23 der 25 Aktien mit Zehn-Jahres-Historie in diesem Zeitraum eine durchschnittliche Jahresrendite von 20,1 Prozent. Auf die lange Frist von 20 Jahren schaffen unsere sieben Fami- lienaktien im Schnitt 15,2 Prozent Rendi- te per annum — damit würden in 16,5 Jah- ren aus 50 000 Euro satte 500 000 Euro. Die 17 Konzerne mit mindestens "ünf- jähriger Dividendenhistorie wiederum erhöhten im Schnitt die Ausschüttung in diesem halben Jahrzehnt um 13 Prozent jährlich. Werte "ürs Leben eben. Konzentrieren Sie sich auf Unternehmen, die mit langfristigen Markttrends übereinstimmen.“ Lisa Shalett, Chief Investment Officer im Wealth Management von Morgan Stanley 4 8 D OS SIER TECHNIK 52 FAMILIENWERTE 5 6 FO NDS ➝
€URO 04|2532 Formel-1-Legende: Ferrari ist mit 15 Weltmeister- und 16 Konstrukteurstiteln die erfolgreichste Marke des Rennzirkus Titel Aktien fürs Leben
€URO 04|25 33 Die Versuchung ist !ür Börsia- ner bisweilen groß. Da war etwa der Hype um Peleton: Die Aktie des Anbieters von In- door-Trainingsbikes verzehnfachte sich zwischen März 2020 und Januar 2021. Der Börsenüberflieger bot Onlinetrai- ning und -coaching !ür Radsportler an, in der Pandemie funktionierte die Ge- schäftsidee exzellent. Doch dann radel- te Peleton nur noch talwärts. Biker woll- ten an die frische Luft, Alternativen waren günstiger. Für das Weihnachts- quartal wies Peleton zuletzt weit höhere Verluste aus als erwartet. Vom Hoch bei 170 Dollar ist die Aktie mit einem Kurs um zehn Dollar so weit entfernt wie Hob- byradler von der Tour de France. Berkshire macht es vor. Warren Buf- fett wäre wohl niemals auf die Idee ge- kommen, Peleton zu kaufen. „Alle unse- re Beteiligungen haben eines gemein- sam: einen nachhaltigen Wettbewerbs- vorteil, der ihr Geschäft schützt“, sagt der Gründer von Berkshire Hathaway. Die Investorenlegende fordert einen „Moat“, einen Burggraben, von allen Investments der Holding. Anders als bei Peleton soll ihr Geschäftsmodell Jah- re, besser Jahrzehnte vor Angriffen ge- schützt sein. Haben Unternehmen große, breite Burggräben, dann taugen ihre Aktien bisweilen !ür ein ganzes Leben. Doch was genau de!iniert Breite und Tiefe sol- cher Gräben? Viele Anlagestrategen ha- ben sich, inspiriert von Buffetts Erfolg, mit Moats beschäftigt. Das US"Analyse- haus Morningstar entwickelte daraus einen systematischen Ansatz. Patrick Dorsey leitete über zehn Jahre das Ak- tienresearch von Morningstar und !ührt heute mit Dorsey Asset Management sei- ne eigene Vermögensverwaltung. „Im Lauf der Zeit werden überdurchschnitt- liche Kapitalrenditen in aller Regel durch den Wettbewerb verwässert“, sagt der Experte, der ausschließlich auf Moat-Ak- tien setzt. „Einige Firmen schaffen es mit ökonomischen Burggräben, diesen Zeit- raum deutlich zu verlängern“, so Dorsey. Vier Kerneigenschaften hat der Fondsmanager identi!iziert, die Dauer- haftigkeit erzeugen: Es sind immateriel- le Vermögenswerte wie Marke, Patente oder Zulassungen, zudem hohe Wechsel- kosten !ür Kunden, hinzu kommen Netz- werkeffekte und Kostenvorteile. Mehr als pure Marke. Ein sehr promi- nentes Beispiel ist Coca-Cola. Die Marke ist eine der bekanntesten weltweit, der Konzern hält das Rezept !ür die Brause seit fast 140 Jahren geheim. Kostenvor- teile des weltweiten Vertriebs- und Ab- !üllernetzes kommen hinzu. Es greifen also gleich mehrere Moat-Aspekte, die Aktie ist eines der ältesten Buffett-Invest- ments. Und doch gibt es einen Haken. „Bekanntheit, über viele Jahrzehnte mit Werbung teuer aufgebaut, kann heute schneller angegriffen werden. Über digi- tale Kanäle können neue Marken ef!izi- enter und schneller aufgebaut werden“, sagt Dorsey. Konsumgüter seien beson- ders angreifbar, so der Experte. Tatsäch- lich sinkt die Gesamtrendite der Aktie: Der Zehn-Jahres-Schnitt liegt bei acht Prozent, in den vergangenen !ünf Jahren !iel die Rendite unter !ünf Prozent. Nachhaltiger sind hohe Wechselkos- ten: Je tiefer Produkte oder Dienste in Produktionsabläufe von Unternehmen oder in Lebensgewohnheiten der Men- schen eingebettet sind, desto aufwen- diger wird es, sie zu ersetzen. Allerdings sei es wichtig, dass Unternehmen einen solchen Vorteil nicht durch übermäßige Preiserhöhungen strapazierten, so Dor- sey. Bei Kostenvorteilen ist es ein Unter- schied, ob Firmen günstiger produzie- ren, weil sie sich neuer Verfahren be- dienen, oder ob sie echte Skaleneffekte haben. Methoden, so Dorsey, könnten Konkurrenten auch schnell überneh- men, falls sie nicht patentgeschützt sind. Wirkliche Größe sei hingegen deut- Die Kunst des Vorsprungs Warren Buffett liebt Unternehmen mit speziellem Schutz. Die Börsenlegende nennt es „Burggraben“ – es geht dabei stets darum, Marktposition und Margen lange zu behaupten BILD: FERRARI Robert G. Hagstrom: Warren Buffett Börsenbuch Verlag, 352 Seiten, 24,99 € ISBN: 978-3-86470-375-1 Die Investmentmethode des Meis- ters, verdeutlicht anhand vieler Bei- spiele. Alle wichtigen Käufe in der Karriere von Warren Buffett wer- den skizziert und analysiert. Ganz normale Investoren profitieren so von Buffetts einzigartigem Erfolg. ➝ 32 BU RGGR ABEN
€URO 04|2538 Meta-Chef Mark Zuckerberg: KI verschafft Besitzern der Ray-Ban-Datenbrille tiefere Einsichten – bislang aber erst in den USA Titel Aktien fürs Leben
€URO 04|25 39 Sprach man vor zehn Jahren über Megatrends, so !ielen Begriffe wie Digitalisierung, Elektri!izie- rung, Klimawandel oder Urbani- sierung. Diese Strömungen wirken nach wie vor dynamisch auf die Wirtschaft. Doch heute zieht sich eine Querschnitts- technologie wie ein roter Faden durch eine Reihe rasch wachsender Märkte: künstliche Intelligenz. Die KI"Revolution, die an Tausenden von Anknüpfungspunkten in der Wirt- schaft wirkt, lässt sich vielfach kaum von Trends trennen. KI hilft bei alltäglichen Vorgängen wie der Internetsuche oder dem Videodreh !ür die Social-Media- Plattform, sie erhöht weltweit die Nach- frage nach elektrischer Energie, lässt Autos autonom fahren und macht auto- matisierte Produktion intelligent. KI lässt Schadsoftware und Hacker- angriffe wie auch physische Attacken in Kriegsgebieten kritischer denn je wer- den und erzeugt eigene Gefahren. Sie unterstützt zugleich Mediziner bei der Behandlung von Krankheiten oder bei der Wirkstoffforschung und ermöglicht ef!iziente Hightech-Landwirtschaft. Mit KI-gestützten Simulationen schätzen Ma- thematiker die Risiken von Schadenser- eignissen durch den Klimawandel weit- aus exakter ein und erleichtern so das Management einer Rückversicherung. Megatrend der Megatrends. KI treibt die Geschäfte von Millionen Unterneh- men. Den kalifornischen Tech-Riesen Meta Platforms haben wir im Folgenden beim Megatrend KI herausgehoben, weil der Konzern selbst große Sprachmodel- le entwickelt und zugleich sein gesamtes Geschäftsmodell auf KI-optimierten Al- gorithmen aufbaut. Die Entwicklung ei- ner Datenbrille in Zusammenarbeit mit dem italienischen Optikkonzern Essilor- Luxottica unter dessen Marke Ray-Ban, die als KI"Übersetzer !ür unterwegs ge- dacht ist oder von ihrem Träger betrach- tete Objekte gleich in dessen Kommuni- kation einbindet, ist da nur die Kirsche auf der Torte. Der Begriff Megatrend steht !ür eine als nachhaltig befundene Tendenz be- stimmter Märkte, die sonstigen wirt- schaftlichen Aktivitäten zu überragen. Megatrend-Märkte stechen mit beson- ders hohem wie nachhaltigem Potenzial heraus, sie wachsen deutlich dynami- scher als die globale Ökonomie. Deshalb eignen sich Aktien von Unternehmen, die auf solchen Märkten exzellent posi- tioniert sind, besonders gut als lang- fristige, womöglich auch als lebenslange Depotpositionen. Dynamik gesucht. Der Blick in die Zu- kunft, die Einschätzung des Potenzials, ist dabei naturgemäß durch Unschärfen und Unsicherheiten getrübt. Prognosen sind fließend, die teilweise enorme Vari- anz der Erwartungen spiegelt das wider. Beispiel KI: Die Analysten der Bank of America etwa schätzen das Wachstum des globalen Umsatzes mit der Techno- logie bis 2027 auf jährlich rund 19 Pro- zent. Die US"Marktforscher von Grand View Research rechnen dagegen bis zum Jahr 2030 mit beinahe dem doppelten Tempo. Ob die von ihnen geschätzte Be- schleunigungsrate von fast 37 Prozent pro Jahr näher an der geschäftlichen Wirklichkeit liegt, wird sich zeigen. Mit Weitblick zum Vermögen Nichts hilft bei der Aktienanlage mehr als nachhaltiges Wachstum. !uro analysiert zwölf globale Megatrends – und jeweils ein Unternehmen, das besonders stark profitiert ➝ BILD: DAVID PAUL MORRIS/BLOOMBERG Michael W. Covel: Das Trendfollowing-Mindset Börsenbuch Verlag, 288 Seiten, 29,90 € ISBN: 978-3-86470-786-5 Michael Covel erklärt mit dem be- kannten Investor Tom Basso, was Trendfolge ist und warum sie so gut funktioniert. Zudem gibt Covel An- leitungen zum Aufbau eines Han- delssystems, Positionsgrößen und Work-Life-Balance eines Traders. Prozent soll der globale Umsatz mit KI-Techno- logie im Schnitt pro Jahr bis 2030 wachsen. Quelle: Grand View Research 36,6 3 8 MEGATRENDS
USA 50 Südkorea 14 EU 13 Japan 9 Taiwan 7 China 7 Taiwan 72 Südkorea 9 China 6 USA 5 Andere 8 ’17 ’18 ’19 ’20 ’21 ’23’22 ’24 650 600 550 500 450 400 Halbleiter €URO 04|2548 Aufholjagd in Digitalien Roboter, Computerchips, Datenwolke, Hard- und Software: Wie gut sich der Tech-Standort Deutschland im internationalen Vergleich behauptet VON GREGOR DOLAK Quelle: Semiconductor Industry Association, Statista, Gartner, Firmenbilanzen Designer. US-Firmen entwickeln Halb- leiter, lassen viel in Asien produzieren Taiwan führt. TSMC produziert für Apple, Broadcom, Qualcomm, Nvidia Wachstumsmarkt. Ohne Prozessoren kommen Handys, PCs und KI nicht aus Chip-Hunger. Anbieter sind auf Kunden aus der Auto- oder Elektronikindustrie spezialisiert. Viele lassen ihre Produkte von Foundries wie TSMC herstellen 90,0 Taiwan Semiconductor Manufacturing Co. 32,4 Qualcomm 18,9Apple 12,6 NXP Semiconductors 7,1 United Microelectronics Corp. 66,5 Samsung Electronics 27,8Micron Technology 16,0In!ineon 9,4 Analog Devices 6,8 Global Foundries27,6Broadcom 15,6 Texas Instruments 8,9 Renesas 6,4 Rapidus 3,2 Kioxia 42,8 SK Hynix 23,9 AMD 13,3 ST Microelectronics 7,4 SMIC 3,7 ARM 1,4 Tower Semiconductor 53,1Intel 46,0 Nvidia Titel Aktien fürs LebenTitel Aktien fürs Leben Anteile am weltweiten Halbleiterverkauf in % Anteile an Halbleiterproduktion in % Umsatz weltweit mit Halbleitern in Mrd. US-$ Börsennotierte Halbleiter!irmen nach Umsatz 2024 in Mrd. US-$ USA Taiwan Südkorea Deutschland Schweiz Niederlande Japan Großbritannien China Israel
PrognoseCloud KI ’20 ’21 ’22 ’23 ’24 ’26 ’27’25 ’28 150 125 100 75 50 25 0 €URO 04|25 49 ➝ Quelle: Cushman & Wake!ield, Bilanzen der Unternehmen, Statista KI-Fokus. Datenzentren werden stärker auf künstliche Intelligenz ausgelegt Big Tech investiert. Die führenden US-Firmen bauen ihre Datenpower massiv aus. Mit Abstand folgen SAP oder Rechenzentrenspezialist Equinix USA Anzahl Rechenzentren: 5381 Rechenpower in Gigawatt (GW): 17 Größtes Ökosystem nach Rechenpower in Megawatt: Virginia: 4907 BILD: BUAKHIAO/STOCK.ADOBE.COM, TARRAS79/ISTOCK "#$% "#"&"#"$"#"# "#"'"#"" "#"( 4 8 D OS SIER TECHNIK Rechenzentren Weltweiter Umsatz mit Cloud- und KI- Rechenzentren in Mrd. US-$ Zugang Strom- generatoren Arbeitsplätze Mitarbeiter Tech-Unternehmen nach Investitionen in Rechenzentren in Mrd. US-$ Größte Datenverarbeiter. Hinter den USA reihen sich Europa, Asien, Rest-Amerika ein Land Anzahl Rechenzentren Rechenpower in GW Größtes Ökosystem, Rechenpower in GW USA "#$% $),# Virginia ',% Deutschland "&% &,$ Frankfurt #,) Großbritannien "%' &,& London $,$ China ''( &,% Peking ",% Kanada ##) ',# Toronto #,& Frankreich #%" "," Paris #,( Australien #*+ $," Sydney #,* Niederlande &(+ ",( Amsterdam $,# Japan &%( &,& Tokio ",) Mexiko %+* $,# Querétaro #,$ Italien %)$ #,) Mailand #," Indien %"& $,$ Mumbai #,) Spanien %'# #,+ Madrid #," Singapur "% $,# Hongkong '$ #,+ Stand: Mitte 2024 $&# $"# $$# $## %# *# )# +# (# '# &# "# $# # Zentrale Einheit: RechenserverSicherheitsschleuse Kühlaggregate Microsoft, USA SAP, D Alphabet, USA Dell, USA Amazon, USA Oracle, USA Meta, USA Equinix, USA
’14 ’15 ’16 ’17 ’18 ’19 ’20 ’21 ’23’22 ’24 5 4 3 2 1 0 €URO 04|2550 4 8 D OS SIER TECHNIK Quelle: Statista, Int. Federation of Robotics Je billiger, desto Roboter. Seit Mitte der 1990er-Jahre ist der durchschnittliche Preis für einen Industrieroboter auf ein Zehntel geschrumpft. Der weltweite Absatz der Hightech-Maschinen hat sich derweil nahezu verzehnfacht $"# ### *# ### Kollege Maschine. Am stärksten automatisiert sind Südkoreas Fabriken Metallarbeiter. Hightech-Maschinen in Fertigung, Logistik, Dienstleistung !"!# Südkorea $!%Japan $&"China '"( Dänemark #%) USA &&"Singapur '$& Schweden $#%Deutschl. '"# Schweiz #($ Niederlande '# ###$## ### +# ### "# ### Robotik Titel Aktien fürs Leben Roboterdichte 2023 in Einheiten je 10 000 Arbeitnehmer Roboter in Fabrikhallen weltweit in Mio. Stück Roboterpreis in US-$ Verkaufte Stückzahl 4,7 Millionen Roboter weltweit ((# ### (## ### '(# ### '## ### &(# ### &## ### "(# ### "## ### $(# ### $## ### (# ### # ’%( ’%& ’%* ’%% ’"" ’"! ’"# ’"' ’"$ ’") ’"% ’!" ’!! ’!# ’!' ’!$ ’!) ’!( ’!& ’#" ’#$ ’"( ’"& ’"* In dieser Ära standen die meisten Roboter in Fabriken der Autoindustrie Zur Jahrtausendwende sind 742 500 Industrie- roboter weltweit im Ein- satz. Mehr als die Hälfte davon in Japan Amazon setzt in seinen Lagern Roboter ein Bereits 45 000 Roboter bei Amazon Rund 1,8 Millionen Industrieroboter weltweit. Südkorea hat inzwischen die höchste Auto- matendichte Schätzung
Offene Stellen: $)# ### Offene Stellen: ""# ### Offene Stellen: '*# ### China 40 Taiwan 12 Hongkong 11 USA 10 Mexiko 7 Vietnam 7 Niederlande 4 Deutschland 4 Tschechien 3 Singapur 2 Offene Stellen: $"# ### €URO 04|25 51 Quelle: World Top Exports, Firmenbilanzen, Statista, Precedence, Axios Bauteilmeister. Chinas Firmen fungieren als Zulieferer für andere !&*,& '!,) $&,* Asiens Riesen. Mit günstigen Rechnern fluten die Hersteller die Welt !*,) !',% )',' '",) $$,& !&,* !#,& China Mexiko Hongkong Niederlande Tschechien Taiwan Vietnam USA Deutschland Singapur PC, Laptop, Tablet, Handy, Konsole. Alles, worauf Nutzer tippen und spielen BILD: PHONLAMAIPHOTO/ISTOCK, ACER Hard- und Software Marktanteil Hardware und Zubehör nach Ländern in % Umsätze von Hardware-Markenherstellern in Mrd. US-$ Exporte von Computer-Hardware und -Zubehör 2023 in Mrd. US-$ #*,&"#"' #',""#$* #(,""#"" #$,)"#"# #',%"#$% #),("#"$ #&,&"#"& "#"'"#$* "#$% "#"# "#"$ "#"" "#"& +&#,+ +",* +"%,% -"$,$ +"(,& -*,' -$&,% -",( Veränderung 2018–2024 in % Fest in Amerikas Hand. US-Firmen dominieren den Software-Markt ($,* '$,# )'," !(,' !!," (#,% #!,) '&,# !#," (,# Microsoft SAP Oracle Intuit ServiceNow IBM Adobe Salesforce ADP Dassault Systèmes Top Ten Software-Hersteller nach Umsatz 2024 in Mrd. US-$ Coder gesucht. Wer programmiert, zählt zu den begehrten Arbeitnehmern Software-Entwickler weltweit nach Anzahl in Mio. USA Deutschland Frankreich Digitalexpansion. Programme für Computer erzielen Rekordumsätze Software-Umsatz weltweit in Mrd. US-$ "#"#: )'# "#"$: )&) "#"": (!" "#"': &"# "#"(: *#$ "#"+: %#! "#"&: ()% "#"): !"'" Foxconn, TaiwanLenovo, China Nintendo, JapanSony, Japan Micro-Star Int., TaiwanIBM, USA Fujitsu, JapanDell, USA Apple, USA Hewlett Packard, USA ##),* *," #),% )*,) $),$ &%,( )(,% %!,' &,* ##,' )',( )(,% (#,* &',% %',% #%$,% Prognose
€URO 04|2552 Wahrer Generationenvertrag Langfristiges Denken, Unternehmertum, Kapitaldisziplin, starke Bilanzen: Vielfältige Vorzüge börsennotierter Familienfirmen prädestinieren sie als Investments fürs Leben Haben Sie Kinder? Enkel? Dann denken Sie vermutlich öfter an das, was den Nachwuchs in den nächsten Jahrzehnten erwarten könnte. Familien denken eben langfristig, in Generationen — das gilt auch !ür Familien!irmen. Und das macht die Aktien von Familienunternehmen auch zu wahren Aktien !ürs Leben. €uro erklärt, was Familienkonzerne an der Börse auszeichnet, und stellt sieben Fa- milienaktien vor — vom Giganten bis zum kleineren Mittelständler. Unternehmen, bei denen die Eigen- tümerfamilie eine wichtige Rolle in Ma- nagement und/oder Aufsichtsrat ein- nimmt, spielen eine bedeutende Rolle. Ein Drittel der DAX#Konzerne und 900 börsennotierte Firmen in Europa sind fa- milienge!ührt. „Eigentümerge!ührte Un- ternehmen priorisieren Projekte und In- vestitionen, die langfristigen Wert schaf- fen, und tun dies in der Regel unter Bei- behaltung einer soliden Bilanz“, lobt die Schweizer Bank Pictet in einer Ende Fe- b ruar erschienenen Analyse. Ein weite- rer Vorteil sind kurze Entscheidungswe- ge, da Kapital und Führung häu!ig in einer Hand liegen. Zudem konzentrieren sich diese Firmen stärker auf ihr Kernge- schäft, was oft die Pro!itabilität erhöht. All das !ührt zu besseren Renditechan- cen !ür Anleger. So hat eine Studie des Canadian Pension Plan Investment Board von 2020 gezeigt, dass börsennotierte Unternehmen, die von ihren Gründern kontrolliert werden, in einem 15#Jahres- Zeitraum fast doppelt so gute Ergebnis- se erzielten wie die annualisierte Per- Titel Aktien fürs Leben
€URO 04|25 53 Werbekampagne eines Inditex- Labels: Ein wichtiger Vorteil eines Family Business sind kurze Entscheidungswege nen Euro. Stifel-Analysten betonen, dass zentrale Faktoren eine Rückkehr zu historischen Wachstumsraten ermögli- chen könnten: Der Windows-11#Umstieg dürfte eine Hardware-Erneuerungswel- le auslösen. Zudem könnten öffentliche Auftraggeber, die 35 Prozent des Umsat- zes ausmachen, in der zweiten Jahres- hälfte 2025 wieder mehr Aufträge verge- ben. Kunden müssen in KI, Cloud und Cybersecurity investieren — gut !ür die Margen. Die Aktie ist günstig bewertet. BIOMÉRIEUX Die Franzosen entwickeln, produzieren und vertreiben diagnostische Lösungen, bestehend aus Reagenzien, Geräten, Software und Service, zum Einsatz in Medizin und Industrie. Die neues- ➝ BILD: 2024 WESTEND61 ON OFFSET/SHUTTERSTOCK/ZARA formance des breiteren Markts. „Bei der Gesamtrendite schneiden Familienunter- nehmen im Schnitt mit 7,0 Prozent jähr- lich deutlich besser ab als die Nicht-Fa- milienunternehmen mit 5,6 Prozent“, er- gab eine Studie !ür die deutsche Stiftung Familienunternehmen von 2022. BECHTLE Der IT#Dienstleister, der in Europa mehr als 100 Systemhäuser unterhält, steht vor der Erholung: Bechtle hatte 2024 sei- ne Prognose kassiert und auf Investitions- zurückhaltung verwiesen. Doch laut DZ Bank bleiben die strukturellen Wachs- tumstreiber intakt. Für dieses Jahr er- wartet die Bank einen Bechtle-Umsatz von 6,485 Milliarden Euro und einen Vorsteuergewinn von knapp 353 Millio- Prozentpunkte mehr Rendite pro Jahr als Firmen ohne Familieneinfluss schaffen börsennotierte Familienunternehmen. Gilt für Europa; Quelle: Stiftung Familienunternehmen 1,4 5 2 FAMILIENWERTE
€URO 04|2554 ten Diagnosesysteme erlauben die Iden- ti!ikation mehrerer Krankheitserreger oder biologischer Marker in nur einer Analyse. Der Markt !ür Labordiagnostik soll von zuletzt drei Milliarden US#Dollar Umsatz bis 2027 um ein Drittel zule- gen. Der bekannte Value-Fondsmanager Frank Fischer lobt die „super Produkt- Pipeline“ von Biomérieux. Berenberg erwartet binnen zwei Jahren einen Ge- winnsprung um 27 Prozent. BURCKHARDT COMPR. Burckhardt Compression ist bei Kolben- kompressoren einer der Weltmarkt!üh- rer. Hochleistungskompressoren wer- den weltweit vor allem in der Erdöl- und Erdgasindustrie (Flüssiggas), der chemi- schen und petrochemischen Industrie sowie in der Wasserstoffwirtschaft ver- wendet, etwa bei Wasserstofftankstel- len. Berenberg glaubt, dass die Wasser- stoffwirtschaft ab 2030 der neue Wachs- tumsträger sein wird. Eine der Stärken der Schweizer: das extrem verlässliche Wartungsgeschäft mit hohen Margen. Wie viele westliche Konzerne versucht die Firma aus Winterthur, von China un- abhängiger zu werden, und investiert verstärkt in den USA und Indien. Für das bis Ende März laufende Geschäftsjahr 2024/25 erwartet die UBS eine Gewinn- steigerung um zwölf Prozent. Das Kurs- Gewinn-Verhältnis liegt ein Fünftel un- ter dem Schnitt der Wettbewerber. DO & CO Haben Sie mal ein Fußballspiel des FC Bayern München in der Allianz Arena besucht? Die Stadion-Gastronomie orga- nisiert Do & Co — und will sich auch das Catering !ür die Fußball-WM 2026 in den USA schnappen. Das Event Catering ist aber nur der zweitgrößte Geschäftsbe- reich. Denn Do & Co beliefert auch rund um die Welt Fluglinien mit höherwer- tigen Essensmenüs und Getränken. Zu den Kunden zählen 60 Carrier, darunter Emirates, Qatar Airways und Lufthansa. Die dritte Sparte umfasst Restaurants, Lounges und Hotels mit Namen wie der k. u .k. Hofzuckerbäckerei Demel. In den ersten drei Quartalen des Geschäftsjah- res 2024/25 steigerte Do & Co den Um- satz um 30 Prozent auf 1,77 Milliarden Euro, der Gewinn sprang um 61 Prozent Erbin Alice Walton: Dank Walmart reichste Frau der Welt (Vermögen laut Bloomberg: 117 Milliarden Dollar) und zugleich Mitglied der reichsten Familie der Welt nach oben. Die Zahl der Flugpassagiere soll weltweit 2025 um sechs Prozent zu- legen, die Wiener nehmen den nach teu- ren Übernahmen teils deutlich verschul- deten Rivalen weiter Marktanteile ab. FERROVIAL Gerade Großinvestoren können sich !ür Infrastruktur-Investments regelrecht be- geistern, lieben sie doch stabile, über lan- ge Zeit vorhersehbare Cashflows. Genau darauf ist Ferrovial spezialisiert. Das Un- ternehmen entwickelt und betreibt welt- weit Flughäfen und Autobahnen, besitzt eigene Bau!irmen und gilt über die pol- nische Tochter Budimex auch als einer der Gewinner eines Friedens in der Ukra- ine (siehe auch Seite 22). 2024 setzten die Spanier 9,1 Milliarden Euro um (plus sie- ben Prozent), bei einem auf 3,2 Milliar- den Euro versiebenfachten Gewinn. Ei- ne Autobahnkonzession läuft schon mal 52 Jahre, etwa bei einem Teilstück in Dal- las, Texas. Die UBS erwartet !ür das wich- tige US#Autobahngeschäft sechs Prozent Umsatzwachstum bis 2060. Das hat sei- nen Preis, die Aktie ist nicht billig. INDITEX Aus armen Verhältnissen zu einem der reichsten Männer Europas aufzusteigen, das geht mit einem erfolgreichen Fami- lienunternehmen. Amancio Ortega Gao- na arbeitete schon mit 13 Jahren als Lauf- bursche !ür einen Hemdenmacher in der spanischen Textilmetropole La Coruña. Der Gründer und Hauptaktionär des Modeimperiums Inditex revolutionierte mit seinem Label Zara das Einkaufsver- halten junger Käuferschichten. Bei Zara gibt es von jeder Kollektion nur relativ kleine Stückzahlen, weil große Teile der Mode zweimal die Woche ausgewechselt werden. Neben Zara gehören Marken wie Pull & Bear, Massimo Dutti, Bershka, Stradivarius oder Oysho zum Konzern. Die „Markendiversi!ikation deckt eine breite Altersgruppe ab und !ördert die BILD: KYM ILLMAN/GETTY IMAGES Titel Aktien fürs Leben
KQH HEKUHQ Zahlen Sie noch Depotgebühren? www.merkur-privatbank.de Wir haben sie abgeschafft. ANZEIGE Gewinnung zukünftiger Zara-Kunden“, lobt die DZ Bank. So schaffte Inditex im dritten Quartal seines Geschäftsjahres 2024/25 (lief bis zum 31. Januar 2025) trotz eines Umfelds mit Konsumzurück- haltung ein überdurchschnittliches Um- satzwachstum. Die Onlineverkäufe, die rund ein Viertel des Unternehmensum- satzes ausmachen, werden weiter stär- ker wachsen als das Geschäft in den 5659 Filialen (Stand: Ende des dritten Quartals 2024). Das waren im Vorjahres- vergleich 63 Läden weniger. „Dies ent- spricht der Strategie, sich auf größere und ef!izientere Standorte zu konzen- trieren“, so die DZ Bank. WALMART Als die Prognose des US#Handelsriesen !ür 2025 bei der Bilanzvorlage am 20. Februar schwächer aus!iel als von der Wall Street erwartet, knickte die Ak- tie um 6,5 Prozent ein. Jedes der drei noch lebenden Kinder von Walmart- Gründer Sam Walton verlor dadurch mehr als sechs Milliarden Dollar an Ver- mögen. Die Waltons kontrollieren weiter- hin einen bedeutenden Teil des Unter- nehmens und sind mit einem geschätz- ten Gesamtvermögen von rund 400 Mil- liarden Euro die wohlhabendste Familie der Welt. Mancher Analyst erhöhte nach den Zahlen sein Kursziel — Jefferies etwa auf 115,00 Dollar (aktueller Kurs 98,27 Dollar). Die Amerikaner sind weit mehr als ein reiner Supermarktbetreiber. Mit über 10 600 Filialen weltweit und einer wachsenden Onlinepräsenz setzt Wal- mart verstärkt auf KI und fordert On- line-Primus Amazon heraus. In den Wa- renhäusern wie auch im Web !inden Kunden alles, was sie zum Leben benö- tigen, von Lebensmitteln über Kleidung und Haushaltswaren bis zu Unterhal- tungselektronik. Verglichen mit dem sta- tionären Handel ist die Marge im E#Com- merce, der 2024 um 16 Prozent wuchs, mit elf Prozent doppelt so hoch. ➝ 5 2 FAMILIENWERTE Family first Auf die Vorzüge von Familienfirmen wie den €uro-Favoriten bauen auch aktiv gemanagte Fonds wie der Bellevue Entrepreneur Europe Small, der Deka-UnternehmerStrategie Europa CF und der GS & P Fonds Family Business Aktien WKN Kurs in € !"-Wochen- Hoch in € !"-Wochen- Tief in € KGV ! "#"$ KBV " Dividenden- rendite in % Börsenwert in Mrd. € Gesamtrendite inklusive wieder angelegter Dividenden p. a. in % ! Jahre #$ Jahre "$ Jahre Bechtle $%$ &'# ((,&# $",)" "&,') %*,) ",( ",% ),( -%,' %(,# %),' Biomérieux A"D XZH %%),(# %%',*# &&,"$ "$,% %(,( #,& %(,* ',$ %$,( %(,+ Burckhardt Compression A#J (NX *+#,## ')),## $(',## "%,* *,) ",) ",( "&,' +,# %'," % Do & Co +%$ "%# "%*,## """,## %(#,*# "$,# *,( #,' ",( "",' %(,% %+,( Ferrovial A(E G#H )",(" )(,** (",+) )),* $,% %,+ (#,* %(,( %%,) %(,# Inditex A%% &'( $%,)& $*,() (+,$) "'," &,& ",* %*#,& %$,' &,' %$,' Walmart &*# &$( +(,+( %#%,%) $(,&* (',% &,) #,+ '$",$ %",' %*,( %",' Fonds ISIN Kurs in € Wertentwicklung in % Agio max. in % Fonds- Note TER # in % Bemerkung # Jahr % Jahre ! Jahre Bellevue Entrepreneur LU #*( %&$ +$' $ (*),(& &,# %),$ )*,( $,## " #,+# Small Caps, aktuell )* Positionen, Do & Co ist ein Topwert Deka-UnternehmerStrat LU %&' *%$ )#" + %&*,*# +," +,' *+," (,*# $ %,&# Standard- und Nebenwerte, Ferrovial ist eine Top-Position GS & P Family Business LU #"' ((' (#+ % +),#& -"," -),( (&,( (,## – %,"$ Schwerpunkt ist Deutschland mit mehr als $$ Prozent Anteil Stichtag: #(.#(."#"$; # erwartetes Kurs-Gewinn-Verhältnis: Je niedriger der Wert, desto günstiger ist die Aktie bewertet; " Kurs-Buch-Verhältnis: Werte unter % gelten als günstig; $ seit "(.#*."##$; & TER = Total Expense Ratio (Gesamtkostenquote); Quelle: BO Data, €uro
€URO 04|2556 Titel Aktien fürs Leben Stichtag: !".#!.!#!$; Quelle: BO Data Aktien Mit einigen ETFs können Anleger in über 3000 Aktien investieren. Fonds wie der Morgan Stanley Global Brands investieren dagegen gezielt in wenige Aktien US-Quote Viele Fonds und ETFs halten mittlerweile über 70 Prozent in US-Aktien. Einen Gegenentwurf dazu bietet der Equity-ETF von Legal & General und Gerd Kommer Länder Der MSCI World Index enthält 1396 Aktien aus 23 Industrieländern. Ohne die USA verbleiben im MSCI World ex USA 806 Aktien aus 22 Ländern !"#! $#%% !%&& '& Morgan Stanley Global Brands Xtrackers MSCI USA ETF iShares Dow Jones Global Titans 50 ETF Morgan Stanley Global Brands L & G Gerd Kommer Multifactor Equity ETF Aktien im Portfolio US-Quote in % Länder im Portfolio Vanguard ESG Global All Cap ETF MSCI World Index MSCI World ex USA Index L & G Gerd Kommer Multifactor Equity ETF SPDR MSCI All Country World Investable Market ETF MSCI USA Index (&& )! )) #$ %% '% (
€URO 04|25 57 5 6 FO NDS Von 40 bis 5877 Aktien Mithilfe von Fonds und ETFs können Anleger auch in „Aktien fürs Leben“ investieren. €uro stellt dazu vier clevere Strategien vor Fast alle Anleger würden wohl gern „Aktien !ürs Leben“ besit- zen, die sie nie mehr verkaufen müssen und die ihnen über die Jahre und Jahrzehnte hohe Erträge be- scheren. Anleger können dazu zum Bei- spiel Titel wie Apple oder Ferrari kaufen, die wir auf den vorherigen Seiten bespro- chen haben. Oder sie setzen auf Fonds oder ETFs, mit denen sie dieses Ziel er- reichen können. €uro möchte hier vier Strategien vorstellen, die dazu beson- ders gut geeignet sind. Maximal streuen Bei der ersten Strategie holen Anleger mit einem Aktien-ETF so viele Titel ins Depot wie möglich — und gemeint sind damit nicht Hunderte, sondern Tausen- de Titel. Zwar investieren Anleger dann vielleicht auch in Firmen wie Hypo Real Estate oder Wirecard, mit denen sie 2008 oder 2020 einen Totalverlust erlit- ten hätten. Doch würde das bei Tausen- den Aktien kaum ins Gewicht fallen. Wichtiger ist, dass zu den Tausenden Aktien auch Überflieger wie Apple, Ama- zon oder Nvidia gehören können, die klein anfangen, um dann immer größer und wertvoller zu werden. Diese Titel kommen irgendwann automatisch in den ETF hinein, ohne dass Anleger sie selbst heraussuchen müssen. Viele Investoren haben bereits einen MSCI World ETF, mit dem sie auf 1396 große und mittelgroße Aktien aus den Industrieländern setzen. Das ist keine schlechte Wahl. Wer maximal breit streuen möchte, hat aber noch andere Möglichkeiten. Das gilt vor allem !ür den SPDR MSCI All Country World Investable Market ETF (siehe Tabelle Seite 58), der bis vor Kurzem noch SPDR MSCI ACWI IMI ETF hieß. Der All-Country-ETF von SPDR bildet einen Index mit 8629 Aktien ab. Mehr geht momentan nicht !ür An- leger in Deutschland. Im Gegensatz zum MSCI World in- vestieren Anleger beim All-Country-ETF auch in große und mittelgroße Aktien aus den Schwellenländern. Dazu kom- men kleine Aktien (Small Caps) aus den Industrie- und Schwellenländern. Um Kosten zu sparen, hält der All-Country- ETF jedoch nicht alle 8629 Indextitel, sondern nur 3683. Der ETF stellt diese 3683 Aktien aber so zusammen, dass sie den MSCI Index möglichst exakt abbil- den. Fachleute sprechen hier von einer optimierten Sampling-Methode. Auch der Vanguard ESG Global All Cap ETF setzt auf diese Methode. Der Vanguard-ETF bildet einen weltweiten Index mit 8469 Aktien ab und hält 5877 Titel im Portfolio. Im Gegensatz zum SPDR#ETF schließt der Vanguard-ETF Ölaktien wie Chevron und Exxon Mobil jedoch aus, weil sie seinen nachhaltigen ESG#Kriterien nicht entsprechen. In Deutschland verzichtet der ETF unter anderem auf den Chemiewert BASF und den Versorger Eon. Der Vorteil !ür Anleger: Mit den bei- den ETFs von SPDR und Vanguard kön- nen sie in die „Welt-AG“ investieren, die im Gegensatz zu einzelnen Firmen nicht pleitegehen kann. Dabei gewichtet der jeweilige Index gut laufende Aktien au- tomatisch höher und schlecht laufen- de Aktien automatisch niedriger. Das ist ideal !ür eine Kaufen-und-halten-Strate- gie — oder !ür „buy and hold“, wie die Bri- ten und Amerikaner sagen. Markt!ührer kaufen Bei der zweiten Strategie geht es nicht um möglichst viele Aktien, sondern um ganz bestimmte — die sogenannten Markt!ührer. Hier lautet die Idee grob ge- sagt: Was soll ich mit schlechten Aktien, wenn ich nur die besten kaufen kann? Auf dieses Prinzip setzt der Fonds ➝ BILD: MICROSTOCKHUB/ISTOCK [M]
€URO 06|2530 Was lässt sich nicht einfach auf Knopf- druck inflationieren und entwerten? Gold und Bitcoin werden immer wichtiger, um das Vermögen zu schützen und zu mehren. €uro analysiert den Aufstieg des Alternativgelds und sagt, wo und wie Anleger richtig die neuen Werte kaufen VON STEPHAN BAUER, GREGOR DOLAK, FRANK MERTGEN UND STEFAN RULLKÖTTER 32 EINLEITUNG Edelmetall und Kryptowährung erhalten eine größere Rolle im Vermögensmix 34 GOLD Die neue Geopolitik stärkt den sicheren Hafen Gold. Die Kursziele werden immer höher. So verdienen Investoren mit 40 REINGEWINN Die wahre Steueroase Edelmetall 42 RUN AUF MÜNZEN Trends beim physischen Gold GOLD
€URO 06|25 31 BILD: STEVE SUCSY/ISTOCK, STUDIOCASPER/ISTOCK, MARTA ORTIZ/ISTOCK 44 BITCOIN Das digitale Asset sichert Werte und Freiheit 50 HANDELS- PLATTFORMEN Bitcoin-Bedienungsanleitung 54 INTERVIEW Krypto als Zahlungsmittel 56 ABGABENFREI Bitcoin und Co richtig steuern Titel Die Kombi für Ihr Vermögen BITCOIN
€URO 06|2532 Die Welt wandelt sich wahrlich in atemberaubendem Tempo, wie Ende April wirklich in je- der Bilanz der ersten 100 Tage der zweiten Amtszeit des neuen US!Prä- sidenten zu lesen war. Und jetzt bleiben Donald Trump ab Mitte Mai gerechnet noch rund 1340 Tage. Vermögensaufteilung modern. Die Dramatik der Umschwünge, die die rea- le Welt auch an den Finanzmärkten aus- löst, lässt sich gut mit Veränderungen von empfohlenen Portfolio-Aufteilungen illustrieren: Das sogenannte 60 : 40!Port- folio — 60 Prozent in Aktien, 40 Prozent in Anleihen — ist eine seit Jahrzehnten bewährte Struktur #ür ein Depot, die auch €uro immer wieder verwendet hat. Die Experten der Privatbank Berenberg schlagen seit einiger Zeit jedoch eine ganz andere Aufteilung vor: Anleger soll- ten 35 Prozent in Aktien investieren, nur zehn Prozent in Anleihen, weitere zehn Prozent in alternative Assets wie Infra- struktur (in der Gra#ik rechts „Sonstige“ genannt) — und nicht weniger als 35 Pro- zent in einen großen Block mit Cash, Gold und Bitcoin. Eine Verschiebung, die es in sich hat — und der auch €uro viel abgewinnen kann. Deswegen legen wir in dieser Titelgeschichte einen Schwer- punkt auf die nicht inflationierbaren Assets Gold und Bitcoin (ab Seite 34), die Vermögen zugleich zu schützen und zu steigern vermögen. Ergänzt sei aber auch: So wie Beren- berg Aktien eine entscheidende Rolle zu- weist, so stellen auch wir weiter exzel- lente Aktieninvestments #ür die neue Ära vor: zum Beispiel ein Super-sicher-Depot aus zehn Aktien, die zusammen in wirk- lich jedem der vergangenen Zehn-Jah- res-Zeiträume eine positive Rendite ge- bracht haben, und zwar im Schnitt kaum schlagbare 20 Prozent per annum (siehe Seite 66). Oder, ebenfalls perfekt #ür die neue Ära der Unsicherheit, Fonds und ETFs, die Monat #ür Monat Geld überwei- sen — ideal, um sich ein zweites Gehalt zu organisieren (siehe Seite 78). Und wir sagen Ihnen, wie Sie die Lehren des größ- ten Investors der Gegenwart, Warren Buffett, der seinen Abschied #ür 2026 an- gekündigt hat, #ür Ihr Vermögen nutzen (siehe Seite 8). Goldene Ära. Doch zurück zum gelben Edelmetall, das im April mit gut 3500 Dollar je Feinunze einen neuen Rekord erreicht und seither leicht korrigiert hat. Die Unsicherheiten sind so groß wie nie, politisch, militärisch, wirtschaftlich. Das begann schon 2022 mit dem russi- schen Angriff auf die Ukraine. „Die Un- sicherheit über die weitere Eskalation, mögliche Sekundärkonflikte sowie die Zukunft der NATO!Ausrichtung verstär- ken die Suche nach ‚sicheren Häfen‘ — Gold pro#itiert davon unmittelbar“, schrieb M. M. Warburg Ende April in ei- ner Goldanalyse. Dazu kommt der neue Zollfuror der USA, eine auf#ällige plötz- liche Dollar-Schwäche, eine Missachtung des Rechts und von Institutionen (Noten- bank Fed) im Inneren und von interna- tionalen Organisationen in der Außen- politik. Warburg: „Für die Märkte bedeu- tet dies eine fundamentale Ungewissheit über zukünftige Rahmenbedingungen — Titel Gold & Bitcoin Stichtag: !".#!.$#$%; Quelle: Berenberg Alt und neu Eine traditionelle Depot- mischung lautet 60 Prozent Aktien, 40 Prozent Anleihen. Berenberg schlägt für das aktuelle Umfeld 35 Pro- zent Aktieninvestments und zehn Pro- zent Bonds vor, weitere zehn Prozent in Alternativen wie Rohstoffe – und hohe 35 Prozent für eine Liquiditäts- absicherung mit Gold, Cash, Bitcoin Gold plus Krypto Prinzip des ETPs von Bytetree: Je schwankungsfreudiger der Bitcoin gegenüber dem Edelmetall ist, desto geringer wird das Gewicht der Digitalwährung (30.04.2025: 29,3 Prozent). Das Produkt wird monatlich neu gewichtet Kombi-Anlage ISIN Kurs in € Wertentwicklung in % TER ! in % p. a. Bemerkung ! Jahr " Jahre # Jahre "!Shares Bytetree Bold ETP CH !!" '(( $)# ( )',#* )(,$ – – !,"* Produkt gewichtet Gold/Bitcoin anhand Volatilität, Gold überwiegt Incrementum Crypto Gold Fund LI !!# ##" "$* * !)#,*' !%,# $*,) – $,+' Kombi aus Gold, Silber und Kryptos, je zu etwa einem Drittel gewichtet Stichtag: #%.#%.$#$%; ! TER = Total Expense Ratio (Gesamtkostenquote); Quelle: BO Data, €uro Depotaufteilung in % Xxxxxxxxxxxxx xx,x Xxxxxxxxx xx,x Xxxxxxxxx xx,x Xxxxxxxxxxxxxx xx,x Aktien "#Sonstige !$ Anleihen !$ Gold/ Cash/ Bitcoin %# Xxxxxxxxxxxxx xx,x Xxxxxxxxx xx,x Xxxxxxxxx xx,x Xxxxxxxxxxxxxx xx,x Aktien &$Anleihen %$
ANZEIGE und #ür Gold einen anhaltenden Nach- frage-Impuls als wertstabiles Gegenstück in einem politisch unberechenbaren Umfeld.“ Das Edelmetall ist gefragter denn je, von Notenbanken, Finanzinvestoren, Si- cherheit suchenden Anlegern, die Warte- schlangen bei Goldhändlern verursa- chen. Alle Hintergründe und die besten Goldinvestments #inden Sie ab Seite 34. Natürlich fehlt auch nicht der richtige Steuerrat #ür Gold, das nach einem Jahr Haltedauer wie bei Bitcoin steuerfrei ist. Digitales Gold. Verglichen mit Gold, seit Jahrtausenden als das bessere Geld bekannt, ist der Bitcoin blutjung und hat da#ür schon eine erstaunliche Karriere gemacht. Sein Algorithmus macht ihn Überlegener Doppelsparplan. Da Gold und vor allem Bitcoin große Kurs- schwankungen zeigen, bieten sie sich #ür Sparpläne an. Wer monatlich 100 Euro in Gold investiert hätte, hätte über #ünf Jahre bis Ende April 2025 19,1 Prozent Rendite erzielt, über zehn Jahre 14,1 Pro- zent. Ein Bitcoin-Sparplan hätte binnen #ünf Jahren kaum vorstellbare 50,2 Pro- zent per annum und binnen zehn Jahren noch schwerer greifbare 75 Prozent Rendite gebracht. Ein gleich gewichte- ter Sparplan aus Gold und Bitcoin hätte also über den Zeitraum der vergangenen 60 Monate mehr als 30 Prozent jährliche Rendite erzielt. Diese Raten sind #ür die Zukunft natürlich nicht garantiert, aber sie zeigen zumindest das Potenzial, das Gold und Kryptowährung bergen. BILD: ANDRII SHELENKOV/ISTOCK, JULIAN MEZGER/MIDJOURNEY/KI-GENERIERT (9) ➝ knapp wie Edelmetall, seine digitale Na- tur zu einem Werkzeug der Freiheit. „Bit- coin kann man als Code überall mit hin- nehmen auf der Welt. Darum ist er be- weglicher als Geld, Gold oder Diaman- ten“, sagt Fondsmanager Hendrik Leber von Acatis. Die erstaunliche Bitcoin-Re- silienz in Börsenkrisen überzeugt mehr und mehr Anleger, auch die Großinves- toren. Euro analysiert seinen Aufstieg, nennt die besten Handelsplattformen und Investments (ab Seite 44). Anleger #inden heute Anlagen, die auf Edelmetall und Bitcoin setzen, wie der Incrementum-Fonds (siehe Tabelle). Der sehr spekulative 21Shares Bytetree Bold ETP in derselben Tabelle investiert so, dass in seinen beiden Assets Bitcoin und Gold identische Risiken abgebildet sind.
€URO 06|2534 W er schon länger auf Gold setzt, !ühlt sich derzeit wie Krösus. Die ersten Goldmünzen mit verläss- lichem Gewicht und Reinheit wurden um 500 v. Chr. auf Befehl von König Krösus von Lydien (heute Türkei) ge- prägt mit Motiven von Löwen und Stie- ren (siehe Leiste oben mit historischen Daten). Der Preis !ür eine Feinunze Gold (31,1 Gramm) überstieg im April auf dem Höhepunkt der Zollwirren und Donald Trumps Angriffen auf die Unabhängig- keit der US#Notenbank erstmals 3500 Dollar, sank dann wieder. Dennoch ist Gold etwa dreimal so teuer wie noch vor zehn Jahren. Jeder Rückgang eine Chance. Trotz des starken Anstiegs im Verlauf dieses Jahres (wie schon 2024) bleibt das Edel- metall attraktiv, gerade auch langfristig. Mit einem durchschnittlichen US#Zoll- satz, der von zuvor 2,4 Prozent auf über 20 Prozent Anfang April 2025 gestiegen ist, „sind die Inflationsrisiken nach oben gerichtet, während die Wachstumsper- spektiven eher nach unten gerichtet sind“, urteilt die Schweizer Bank Vonto- bel. „In einem solchen Umfeld sollte Gold pro!itieren, und wir glauben, dass jeder Rückgang des Goldpreises ein attraktiver Einstiegspunkt ist.“ Zudem: Wenn der US#Aktienmarkt als Weltleitmarkt über ganze Quartale hin- weg Verluste erleidet, legt das Edelme- tall typischerweise zu und schafft einen Ausgleich (siehe Gra!ik) — genau das, was sich Anleger in einer von hoher Unsicher- heit geprägten Welt wünschen. €uro ana- lysiert die wichtigsten Treiber des Gold- preises und listet die attraktivsten Invest- ments in das Edelmetall auf. Zudem sagen wir, was Investoren in puncto Steu- ern beachten müssen (siehe Seite 40). Gold hat einen Lauf — in diesem Jahr- hundert, diesem Jahrzehnt, diesem Jahr. Das Edelmetall behält seinen Wert bei allen heftigen Schwankungen über Ge- nerationen, ja Jahrtausende. Bestes Bei- spiel: Für eine Unze Gold gab es im alten Rom eine schicke Toga, heute einen ed- len Maßanzug. Gold hat auch kein Gegen- parteirisiko: Wer es besitzt, ver!ügt über einen echten, liquiden Wert — ohne Ab- hängigkeit von Vertragspartnern, Zah- lungsversprechen oder Finanzsystemen. Und nie war der einzigartige Schutz wichtiger als heute, wo die wichtigste Währung der Welt, der US#Dollar, mehr und mehr infrage gestellt wird. Einen neuen Nachfrageschub erhielt das gelbe Metall 2022 und wird seitdem noch stär- BILD: MAROG-PIXCELLS/ISTOCK, ALAMY/ROBERTHARDING/MAURITIUS IMAGES, SAMMLUNG MONEY MUSEUM, 2025 MEISTERDRUCKE.DE Geldige Geschichte Das Edelmetall wird erwiesenermaßen seit mehr als 5000 Jah- ren geschätzt – ein historischer Abriss Titel Gold & Bitcoin
3,22 3,88 -6,77 -14,78 10 5 0 -5 -10 -15 Gold in % S & P 500 in % S & P 500 20 schlechteste Quartale S & P 500 negative Quartale €URO 06|25 35 ➝ Die beste Vermögensversicherung und ein exzellenter Renditebringer zugleich – warum das Edelmetall heute jedes Portfolio bereichert Das wahre Geld ker von der Geopolitik angetrieben: „Die Goldkäufe östlicher Zentralbanken ha- ben seit 2022 deutlich zugenommen — nicht aus Renditegründen, sondern als strategischer Schritt zur Diversi!ikation ihrer Währungsreserven“, erläutert Guy Wagner, Chefstratege der BLI — Banque de Luxembourg. „Die Blockade russi- scher Devisenreserven wirkte als Kata- lysator !ür den Wunsch vieler Staaten, ihre Abhängigkeit vom US#Dollar zu re- duzieren und Gold als neutralen Vermö- genswert zu halten.“ Gold werde zum strategischen Wert- speicher, der nicht von US#Sanktionen oder Wechselkursmanipulationen be- troffen sei, hebt auch Jan Mooren von M.M. Warburg hervor: Die Zentralban- ken Chinas, Russlands und anderer BRICS#Staaten würden ihre Goldbestän- de gezielt erhöhen, um sich gegen die „Weaponization“ des Dollars — also den Einsatz der US#Währung als geopoliti- sches Druckmittel — abzusichern. „Gold bietet ihnen eine Reserve, die außerhalb des westlichen Finanzsystems funktio- niert und als Basis !ür alternative Zah- lungssysteme dienen kann“, erläutert der M.M. Warburg-Fachmann. Der Status des Dollars, der den internationalen Handel unangefochten dominiert hat, wird teils infrage gestellt. Der Dollar- Anteil an den Reserven der Zentralban- ken, im Jahr 2016 noch bei 65 Prozent, ist auf 57 Prozent gesunken. Volkswirtschaftliche Folterkammer. Donald Trump wünscht sich einen nied- rigeren Dollar, was der US#Industrie, die mit der Zollpolitik wieder aufgebaut wer- den soll, Exporte erleichtern soll. „Nüch- tern betrachtet kann das nur gelin-Stichtag: !".#!.$#$%, Quelle: HSBC Retter In negativen Quartalen von US-Aktien legte Gold im Schnitt zu 3000 v. Chr. Die Sumerer im heutigen Südirak stellen handwerklich sehr hochwertigen Goldschmuck her 1500 v. Chr. Die Goldregion Nubien macht Ägypten reich. Das Edelmetall etabliert sich als Standard für den Austausch im internationalen Handel ca. 500 v. Chr. König Krösus lässt in Lydien (heutige Türkei) Goldmünzen mit einheitlichem Gewicht und einem speziellen Stempel prägen S & P 500 vs. Gold seit dem Jahr 1971
20192018 Goldpreis in US-$ (linke Skala) 2020 2021 2022 2023 2024 2025 3500 3000 2500 2000 1500 1000 4000 3600 3200 2800 2400 2000 Globale ETF-Goldbestände in t (rechte Skala) €URO 06|2536 gen, wenn man die US#Währung als Re- servewährung demontiert oder zumin- dest schwächt“, schreibt M. M. Warburg. „Die dazu vorgeschlagenen Instrumente lesen sich aber nun wie Werkzeuge aus einer volkswirtschaftlichen Folterkam- mer. So wird ernsthaft vorgeschlagen, ‚Nutzungsgebühren‘ !ür US#Treasuries einzu!ühren oder bestehende US#Trea- suries in sehr lang laufende Anleihen umzuwandeln“, gruselt es den Hambur- ger Bankern vor einem Vorschlag des Trump-Beraters Stephen Miran. Der Vorschlag ist bekannt geworden als „Mar-a-Lago-Plan“, benannt nach Trumps Residenz in Florida. Eine solche einseitige Änderung von Zinssätzen oder Laufzeiten würde einen Zahlungsaus- fall bedeuten, und die Welt kann nur hoffen, dass aus solchen Plänen nie Wirklichkeit wird. „Gold würde die Rol- le einer Fluchtwährung übernehmen, die niemand abwerten kann. Das macht 2027 in Richtung der Kaufkraftparität bei 1,30 Dollar steigen wird. Hinter dem Mar-a-Logo-Plan steht auch der verzweifelte Wunsch, das US#Schuldenproblem in den Griff zu be- kommen und niedrigere Zinsen zahlen zu können. Denn die Staatsschulden der Vereinigten Staaten, die die jährliche Wirtschaftsleistung bereits deutlich übersteigen, wachsen bei jährlichen De- !iziten von rund sechs Prozent des Brut- toinlandsprodukts mit beängstigendem Tempo weiter. Hohe neue Schulden be- deuten mehr Nachfrage und mehr Infla- tion. Ein weiterer Faktor, der die Dyna- mik von Gold stützt, ist eben auch der erwartete Anstieg der Inflation — zumal viele Experten infolge der Erhöhung der Zölle auf importierte Güter mit einem ra- schen Anstieg des Preisniveaus rechnen. Der Zollirrsinn — heute verhängt, morgen zurückgenommen, jeder Zoll- satz mit jedem Land einzeln neu verhan- Stichtag: #!.#&.$#$%; Quelle: Flossbach von Storch Käufer sind zurück Finanzinvestoren kaufen meist goldgedeckte ETFs – und erwerben jetzt wieder mehr Anteile 50 v. Chr. Rom gibt die Goldmünze Aureus aus. Acht Jahre zuvor sichert sich Caesar in Gallien so viel Gold, dass Rom alle Schulden tilgen kann es so attraktiv“, sagt LFDE#Fondsmana- ger Alexis Bienvenu. Nur raus aus US-Staatsanleihen. Je- denfalls !ällt auf, dass es auf dem Höhe- punkt der Zollturbulenzen Anfang April nicht zu einer Flucht in US#Staatsanlei- hen kam, die doch noch vor Kurzem weltweit als besonders sicher galten. Stattdessen wurden Treasuries abge- stoßen, die Kurse der Staatspapiere san- ken, und die Renditen schossen nach oben. Daten des japanischen Finanz- ministeriums zeigen beispielsweise, dass private Investoren in Japan in der Woche bis zum 4. April langfristige US#Anleihen im Wert von 17,5 Milliarden US#Dollar verkauft haben. Die Prognosen !ür eine Dollar-Abwer- tung häufen sich bereits. Nur ein Bei- spiel: Die Devisenstrategen der Deut- schen Bank gehen inzwischen davon aus, dass der Euro-Dollar-Kurs bis Ende Titel Gold & Bitcoin
€URO 06|25 37 delt — verunsichert zudem Wirtschaft und Verbraucher. „Die Trump-Politik und auch die Fiskalpakete in Europa und China sprechen weiter !ür das von uns seit Jahren beschriebene Umfeld erhöh- ter Inflation und Inflationsvolatilität“, !ühlen sich die Fachleute von Berenberg in ihren Be!ürchtungen bestätigt. Kreditgeld und Toilettenpapier. Mit den Fiskalpaketen in Europa ist vor al- lem Deutschland gemeint, das sich ein schulden!inanziertes 500#Milliarden- Euro-Paket !ür die Infrastruktur gönnt und !ür Verteidigungsausgaben die Schuldenbremse faktisch aufhebt — da kommt in den nächsten Jahren leicht eine Billion Euro an Mehrausgaben zu- sammen. „Und leider besteht die Gefahr, dass Deutschlands Schulden-Mania als Hebel benutzt wird, die Schuldenregeln überall in Europa außer Kraft zu set- zen“, warnt Robert Halver, Leiter Kapi- talmarktanalyse bei der Baader Bank. „Technisch betrachtet, ist Kreditgeld zu drucken so einfach wie die Herstel- lung von Toilettenpapier. Bei Anlegern sorgt das !ür wachsenden Vertrauens- schwund, ob die Schuldentrag!ähigkeit, die Bonität, noch gewährleistet ist. Das spricht !ür das nicht beliebig vermehr- bare Gold.“ Neue Käufer. Auch tauchten neue In- teressenten auf: „So gestattete Peking beispielsweise Versicherungsfonds eine Anlage in Gold, während globale Zentral- banken den Anteil von Gold an ihren Gesamtreserven systematisch steigern“, analysierte die UBS Ende April in einem Bericht. Neben den Zentralbanken mel- den sich Finanzinvestoren zurück (siehe Gra!ik links). „Unsere Erwartung !ür Net- tokäufe von börsengehandelten Gold- fonds im Jahr 2025 haben wir von 300 auf 450 Tonnen angehoben“, so die UBS. Zugleich lässt sich das Angebot von Gold eben gerade nicht beliebig er- weitern. Auf der Angebotsseite sei mit keinem signi!ikanten Zuwachs zu ➝ BILD: WIKIPEDIA/IRA & LARRY GOLDBERG COINS & COLLECTIBLES, INC., MDM MÜNZHANDELSGESELLSCHAFT MBH & CO. KG DEUTSCHE MÜNZE, LIBRARY OF CONGRESS Der Edelmetall-Brief Profitieren Sie mit exklusiven Ge- heimtipps von der Edelmetall-Rally. Setzen Sie auf die besten Gold-, Silber- und Rohstoffaktien. Mehr erfahren unter www.goldfolio.de 1900 Die USA führen einen Goldstandard ein, der für den Umtausch des Dollar in andere Währungen gilt 1377 Großbritannien führt ein Gold- system ein, das auf Gold und Silber beruht. Schon 1066 war die Silber- Währung Pfund etabliert worden Für die Performance Gold- und Silberminen sowie Fonds und ETFs, die auf sie setzen, blieben jahrelang hinter der Entwicklung der Edelmetalle selbst zurück. In den vergangenen Monaten aber holten Minenaktien auf Aktien WKN Kurs in € !"-Wochen- Hoch in € !"-Wochen- Tief in € KGV ! $#$( KBV " Dividenden- rendite in % Börsenwert in Mrd. € Bemerkung Agnico Eagle Mines )(# !$% **,%) ""#,*% %),!% "+,+ $,% ",& &*,* Wächst durch geschickte Übernahme von Rivalen First Majestic Silver A#L HKJ %,!* +,+% &,#$ $#,) – #,$ $,( Rekordproduktion in Q" mit !,+ Mio. Unzen Silber Newmont Mining )%! )$! &(,!! %&,%* !%,&* "",) ",) ",* %$,+ Mit rund %,% Mio. Unzen weltgrößter Goldförderer Pan American Silver )+( ("+ $#,*$ $%,$+ "(,(& "$,* ",+ $,# +,( Betreibt Minen in Mexiko, Peru, Bolivien, Argentinien Wheaton Precious Met. A$D RBP +$,$# +(,%( &),$* !),# &,+ #,) !$,) „Streamer“: Bezahlt Minen vorab für Lieferungen Fonds ISIN Kurs in € Wertentwicklung in % Agio in % Fonds- Note TER # in % Bemerkung # Jahr $ Jahre ! Jahre DJE Gold & Ressourcen PA LU #"% *%% ##+ + $"(,!$ "+,$ "!,# &(,% %,## " ",*& Agnico und Wheaton unter Top-!-Positionen Franklin Gold & Precious M. LU #&* (!( +&" + *,*! %",! $(,# +*,) %,+% ! ",)% Gold mit )# Prozent Anteil klarer Schwerpunkt Konwave Gold Equity LU #"+ %%+ ($* ( &#),(! &&,+ %+,$ ""%," ",%# $ ",+) Auch zwei Silberwerte unter Top-Positionen Nestor Gold B LU #"& ++) &&( % !"!,$" &#,) %(,) "#$,! !,# " $,"! Fokus ist Gold, First Majestic Silver zweitgrößter Wert Schroder Global Gold A LU "$$ !#) $"* ( $#!,%& &&," &),% (#,) %,## $ ",)& Goldminen dominieren mit )) Prozent im Portfolio Stichtag: #%.#%.$#$%; # erwartetes Kurs-Gewinn-Verhältnis: Je niedriger der Wert, desto günstiger ist die Aktie bewertet; " Kurs-Buch-Verhältnis: Werte unter " gelten als günstig; $ TER = Total Expense Ratio (Gesamtkostenquote); Quelle: BO Data
€URO 06|2538 rechnen, konstatiert Wagner von der BLI — Banque de Luxembourg: „ESG#Auf- lagen, strategische Zurückhaltung vieler Produzenten und das Ausbleiben grö- ßerer Neuentdeckungen begrenzen die Minenproduktion.“ Preisindikatoren bis 7000 Dollar. Wachsende Nachfrage und knappes An- gebot — das veranlasst Experten, in die- sem Jahr ihre Preisprognosen am laufen- den Band anzuheben. Goldman Sachs er- wartet bis zum Jahresende einen Anstieg bis auf 3700 US#Dollar, hält bei einer Eskalation des Handelskriegs aber auch 4500 US#Dollar !ür möglich. Yardeni Research sieht den Goldpreis in einem langfristigen Aufwärtstrend und pro- gnostiziert einen weiteren Anstieg auf etwa 4000 US#Dollar pro Feinunze bis zum Jahresende. Bis Ende 2026 könne der Preis sogar die 5000#Dollar-Marke erreichen. Nahe dieser Marke, konkret 4800 Dollar, liegt auch das Kursziel der Liechtensteiner Vermögensverwaltung Incrementum, allerdings erst !ür 2030. Man kann auch anders rechnen, wie Incrementum auf einer Folie aus dem jährlichen großen Bericht „In Gold We Trust“, Mitte Mai erschienen: Der Gold- bullenmarkt von 2000 bis 2012 brachte einen Anstieg von insgesamt 550 Pro- zent, lässt sich dieser Folie entnehmen. Wenn man dieses Potenzial auf den ak- tuellen Bullenmarkt überträgt, hätte der Goldpreis sogar Luft bis in den Bereich von 7000 Dollar. Immerhin ein Indiz, wohin es langfristig gehen kann. Wie viel Gold darf es denn sein? Beim Investieren haben Anleger Nachholbe- darf. Beispiel USA: „Der Prozentsatz von Gold-ETFs bezogen auf alle ETFs oder im Vergleich zu Aktien-ETFs ist mit Sätzen von ein bis zwei Prozent gering“, rechnet Vermögensverwalter Jens Ehrhardt vor. Die UBS lobt Gold als „effektive Portfolio- diversi!ikation und -absicherung“ und emp!iehlt „eine Allokation von !ünf Pro- zent in dem Edelmetall im Rahmen eines ausgewogenen und gut diversi!izierten Portfolios“. Zu einem Edelmetallanteil „zwischen !ünf und 15 Prozent des liqui- den Vermögens überwiegend in Gold“ rät Mirko Schmidt, Gründer des Gold- händlers pro aurum, im €uro-Interview (siehe Seite 38). Silber könne je nach Ri- sikoneigung bis zu 20 Prozent des Edel- metallanteils ausmachen. Incrementum rät zu 14 bis 18 Prozent in Edelmetall, ab- geleitet aus einer Analyse der einschlägi- gen Studien zum Thema. Auch die Aussichten !ür das angespro- chene Silber gelten als hervorragend, zu- mal Silber gemessen an Gold wegen der schwächeren Kursentwicklung sehr günstig ist. In der Spitze war Gold zuletzt 100-mal teurer als Silber, während der langfristige Durchschnitt bei 70 liegt. Wenn Silber die Marke von 35 Dollar !ür die Unze überspringt, steht der Weg zu den alten Hochs bei 50 US#Dollar offen. €uro nennt deswegen auch die Preise !ür physisches Silber (siehe Seite 42) und lis- tet Aktien und Aktienfonds sowie ETFs !ür ein Engagement auch im kleinen Bru- der von Gold auf. Viel aufzuholen. Die Kurse der Minen sind weit hinter den Metallen selbst zu- rückgeblieben. Da sie hohe Fixkosten ha- ben, wirkt sich ein Anstieg der Gold- und Silberpreise meist direkt auf ihre Renta- bilität und Cashflow-Generierung aus. „Momentan setzen diese Unternehmen viel Liquidität frei, zahlen Dividenden und sind im Vergleich zur Vergangenheit auf der Grundlage von Kennzahlen wie dem Preis-Cashflow-Verhältnis unter- bewertet“, sagt Ned Naylor-Leyland, Ma- nager des Jupiter Gold & Silver Fund. Wer statt auf solch risikoreiches „Per- formance-Gold“ wie Minen und Minen- fonds zu „Sicherheitsgold“ greifen will, kann auf Münzen und Barren oder, mit mehr Flexibilität, auf Xetra-Gold (WKN: A0S 9GB) oder Euwax Gold II (EWG 2LD). setzen. Rechtlich sind beide Exchange Traded Commodities (ETCs) Schuldver- schreibungen. Hier liegt jeweils das Gold, das die Anleger erwerben, in Tre- soren, und man kann es sich auch auslie- fern lassen. Der Vorteil: Wie bei Gold- münzen oder -barren fallen bei einem Verkauf nach einem Jahr keine Steuern an. Ein positiver Aspekt, den sonst in die- ser Form kaum ein Investment bieten kann — mit Ausnahme des Bitcoin. 1933 In den Vereinigten Staaten wird jeder private Besitz von Gold- münzen, Goldbarren und Gold- zertifikaten verboten Markus Bußler: Gold – Player, Märkte, Chancen Börsenbuch Verlag 208 Seiten, 12,90 € ISBN: 978-3-86470-720-9 Das Edelmetall zieht die Menschen seit Jahrhunderten in seinen Bann. In „Gold – Player, Märkte, Chan- cen“ entführt Markus Bußler Sie in die faszinierende Welt von Gold – egal ob als Münzen, Barren oder Goldminenaktien. Titel Gold & Bitcoin ➝ BILD: BILDAGENTUR-ONLINE/PICTURE ALLIANCE, UPI/PICTURE-ALLIANCE/DPA, LITTLECLIE/ISTOCK, JULIAN MEZGER/MIDJOURNEY/KI-GENERIERT
2029 2034 2039 80 000 70 000 60 000 50 000 40 000 30 000 20 000 10 000 0 -10 000 Gold in € Gewinn Summe Einzahlungen €URO 06|25 39 Stichtag: !"."$.$#$&; Quelle: Solit, Basis: Wertentwicklung der vergangenen $# Jahre ("",*( Prozent p. a.) Reich auf Raten Der Zinseszinseffekt treibt langfristig den WertzuwachsSo erfreulich kann sich ein Investment auszahlen: Die Grafik rechts zeigt, wie sich ein Goldsparplan mit 100 Euro Ein- zahlung im Monat entwickelt, wenn die Rendite der vergangenen 20 Jahre wie- derholt werden kann. Die Tabelle unten listet die Jahresrendite von Gold auf, wenn Anleger es jeweils zum Ende des angegebenen Monats gekauft und bis Ende März 2025 gehalten haben. Bei- spiel: Kauf Ende Januar 2007 ergab 9,0 Prozent Rendite jährlich bis 31.03.25. GLÄNZENDE PERFORMANCE 1999 Einführung des Euro. Die Reserven der Europäischen Zentralbank beruhen zu 15 Prozent auf dem Edelmetall 1944 Das Bretton-Woods-Ab- kommen etabliert einen Gold- Devisen-Standard, der im Jahr 1971 von den USA gesprengt wird Mögliche Entwicklung eines Goldsparplans mit 100 Euro Einzahlung monatlich Schöne Erträge Wer in diesem Jahrtausend Gold erworben und bis Ende des ersten Quartals 2025 gehalten hat, liegt bei einem Jahr Mindesthaltedauer immer im Plus. Die höchste Rendite brachte bislang ein Kauf im Februar 2024 Jahr Januar Februar März April Mai Juni Juli August September Oktober November Dezember "$$$ "#,#" % *,*" % "#,"% % "#,$+ % "#,!! % "#,#) % "#,!$ % "#,!% % "#,&& % "#,(! % "#,%) % "#,%* % "$$! "#,+& % "#,+% % "#,*% % "#,)* % "#,)* % "#,)% % "#,*( % "#,)+ % "#,(# % "#,)( % "#,** % "#,*% % "$$" "#,*& % "#,+& % "#,() % "#,(& % "#,&# % "#,($ % "#,)& % "#,+! % "#,(# % "#,+& % "#,+( % "#,!) % "$$# "#,"! % "#,&! % "#,(% % "#,(( % "#,!& % "#,(& % "#,%( % "#,!$ % "#,$! % "#,$) % "#,"& % *,*+ % "$$% "#,"+ % "#,$* % *,*% % "#,%# % "#,&! % "#,&* % "#,%) % "#,!+ % "#,!" % "#,$$ % *,** % "#,"* % "$$& "#,&! % "#,!" % "#,&% % "#,&" % "#,(* % "#,%# % "#,(" % "#,%* % "#,$" % "#,!" % "#,#" % *,+* % "$$' *,!# % *,&" % *,$! % ),($ % ),+% % *,#) % ),*$ % *,#! % *,!% % *,!" % ),*( % *,"" % "$$( *,## % ),)* % ),** % ),*# % *,"" % *,$( % *,"+ % *,"$ % ),%% % ),"+ % ),!" % +,*( % "$$) +,!% % +,#+ % +,&* % +,)% % +,++ % +,%& % +,(( % ),!$ % ),#% % *,!$ % ),%+ % ),"$ % "$$* +,)# % +,+$ % +,*( % ),$& % +,(# % ),#! % +,)+ % +,*& % +,%) % +,!( % (,%( % +,"" % "$!$ +,$% % +,#( % +,"$ % (,+% % (,%+ % (,&% % (,)( % (,%" % (,") % %,*& % %,)& % %,(* % "$!! (,$# % %,)# % %,+& % %,"# % %,$) % %,&) % &,)* % &,#& % &,*+ % &,%) % &,&( % %,!( % "$!" &,%% % &,+) % &,*& % %,## % %,%( % %,!* % %,!% % %,## % &,(& % &,*$ % &,*) % %,$$ % "$!# %,!$ % %,)# % %,+% % (,&* % +,"# % ),$! % +,(& % +,$# % +,+! % +,)" % ),&# % ),)! % "$!% ),(# % ),#& % ),&$ % ),&! % ),)" % ),$* % ),+# % ),+& % *,&( % *,)% % *,** % *,*! % "$!& *,"% % *,)& % "#,"* % "#,$) % "#,!" % "#,%+ % "",&% % "","% % "",&( % "",$) % "$,$! % "$,!) % "$!' "",)( % "#,+! % "#,)* % "#,!* % "",$) % "#,!! % "#,"( % "#,(+ % "#,+# % "",$" % "$,&+ % "$,)( % "$!( "$,!" % "$,#" % "$,"& % "$,#( % "$,"* % "$,(& % "$,&( % "$,#" % "$,(& % "$,)) % "!,## % "$,)$ % "$!) "$,&) % "$,*( % "!,#& % "!,!$ % "!,+" % "&,%# % "%,#* % "%,(! % "%,*) % "%,)( % "%,*+ % "%,!# % "$!* "&,*) % "%,!" % "%,)% % "(,$$ % "(,"! % "&,)& % "%,#" % "!,++ % "&,(( % "&,!" % "%,$+ % "&,+& % "$"$ "!,*( % "&,$) % "&,+! % "!,&& % "!,#% % "$,%( % "#,!$ % "#,%) % "",)+ % "$,$" % "!,*# % "$,&% % "$"! "!,&% % "%,%" % "(,!# % "%,($ % "!,+& % "(,!% % "%,*) % "(,!) % "+,)+ % "+,)! % "),%# % "+,*" % "$"" "*,#) % "+,!! % "+,$( % "),(% % $#,(# % $$,#$ % $!,)( % $(,$& % $),++ % !#,++ % $+,(# % $(,** % "$"# $&,*& % $*,!& % $%,*) % $(,%$ % $),)% % !$,#( % !$,#) % !%,#* % &",)( % !+,)" % !+,)& % !*,!( % "$"% &&,$! % &+,*& % !*,*# % Stichtag: !".#!.$#$%; Quelle: Incrementum #–"" % ""–$" % $"–!" % !"–%# %
€URO 06|2540 Goldinvestments werden in Deutschland steuerlich weit- aus differenzierter behandelt als Aktien, Anleihen und Spar- guthaben. Der Fiskus unterscheidet beim gelben Edelmetall zwischen physi- schen Anlageformen sowie Finanzpro- dukten mit und ohne Auslieferungsan- sprüchen. Folgende !iskalische Beson- derheiten sollten Anleger beachten. Goldbarren und Goldmünzen. Gewin- ne aus dem Verkauf von physischem Gold bleiben steuerfrei, wenn Anleger sie als Sachwertanlagen mindestens ein Jahr gehalten haben. Werden Goldbar- ren oder -münzen innerhalb dieser Spe- kulationsfrist verkauft, gilt der Gewinn als privates Veräußerungsgeschäft und unterliegt dem persönlichen Einkom- mensteuersatz (14 bis 45 Prozent), sofern dieser über der Steuerfreigrenze !ür Sachwerte (1000 Euro pro Jahr) liegt. Gold-ETCs. Wer mit physischem Gold hinterlegte Goldanleihen (ETCs) im De- pot hat, kann Kursgewinne in vielen Fäl- len nach einem Jahr Haltedauer eben- falls steuerfrei kassieren. Dies hat der Bundes!inanzhof (BFH) !ür Xetra-Gold entschieden (Az. VIII R 4/15; VIII R 35/14). Das Bundes!inanzministerium (BMF) hat die BFH#Urteile durch Erlasse bestätigt. Biss für Biss steuerbar Gold ist nicht gleich Gold. Zumindest in puncto Steuern. Bei den Anlageformen des Edelmetalls gibt es relevante fiskalische Unterschiede Härtetest: Nicht nur Anleger, son- dern auch Finanz- ämter prüfen Gold- anlagen genau Titel Gold & Bitcoin
€URO 06|25 41 Demnach müssen Finanzämter Gewinne aus dem Verkauf von Gold-ETCs (Ex- change Traded Commodities), die einen Lieferanspruch auf physisches Gold grammgenau verbriefen, nach einem Jahr Haltedauer als steuerfrei behan- deln. Das trifft beispielsweise auch auf das bei Anlegern beliebte Produkt Eu- wax Gold II zu. Im Gegenzug sind hier außerhalb der Jahresfrist realisierte Ver- luste !ür diese Produkte nicht mehr steu- ermindernd verrechenbar (Gz. IV C 1 — S 2252/08/10004:017). Goldfonds. Gemanagte Investment- fonds und ETFs, die in Goldminenbetrei- ber und deren Zulieferer und Ausrüster investieren, bietet dagegen keinen Lie- feranspruch auf physisches Gold. Reali- sierte Gewinne gelten als Einkünfte aus Kapitalvermögen und sind unabhängig von der Haltedauer abgeltungsteuer- pflichtig, dazu kommen noch der Soli- Zuschlag und gegebenenfalls Kirchen- steuer (insgesamt bis zu 27,99 Prozent). Gold-Sammlermünzen. Für den Kauf und Verkauf von Goldmünzen gibt es eine weitere steuerliche Besonderheit: Haben sie einen „münzkundlichen Wert“, sind beim Kauf statt 19 nur sieben Prozent Umsatzsteuer !ällig. „Auf die steuerpflichtigen Umsätze mit Sammler- münzen aus Edelmetallen ist der ermä- ßigte Umsatzsteuersatz anzuwenden, wenn die Bemessungsgrundlage !ür die Umsätze dieser Gegenstände mehr als 250 Prozent des unter Zugrundelegung des Feingewichts berechneten Metall- werts ohne Umsatzsteuer beträgt“, wird in einem Schreiben des Bundes!inanzmi- nisteriums von Dezember 2024 erläutert (Gz. III C 2 — S 7246/19/10002:001). Für Anleger, die regelmäßig Silber- münzen erwerben, ist es schon länger ein Ärgernis: Auf Silberlinge, die keine Sammlerstücke von „münz- kundlichem Wert“ darstellen, sind fast immer 19 Prozent Umsatzsteuer fällig. Ausnahmeregelung. Bis Ende des Jahres 2013 galt hier der ermäßigte Satz von sieben Prozent. Seit 2014 werden regulär 19 Prozent erhoben. Damals wurde jedoch parallel eine Sonderregelung für Silbermünzen eingeführt, die aus Nicht-EU-Ländern importiert wurden, etwa aus Kanada, Australien und den USA. „Differenzbesteuerung“. Bei diesen Silbermünzen wendeten Edelmetall- händler seitdem die sogenannte Diffe- renzbesteuerung an – und berechneten die Umsatzsteuer nur auf ihre Marge. Dadurch blieb die Abgabe für derartige Silbermünzen bei rund sieben Prozent. Auch für importierte Münzbarren aus Silber galt der Steuervorteil. Auf nor- male Silberbarren ohne Münzprägung wird hingegen seit mehr als acht Jahren der reguläre Umsatzsteuersatz von 19 Prozent fällig. Ab diesem Jahr entfällt die Differenzbesteuerung für neu in die EU importierte Silbermünzen voll- ständig – sie unterliegen nun der Regel- besteuerung mit 19 Prozent Mehrwert- steuer auf den vollen Verkaufspreis. Neuregelung. Aus Sicht des BMF ist die vereinfachte Regelung in der Ver- gangenheit, die sich ausschließlich auf Sammlerstücke von hohem Wert be- ziehen sollte, oftmals falsch angewen- det worden. Dieser Steuervorteil gilt ab 2025 auch deshalb nur noch bei Sammlermünzen, deren Wert mehr als 250 Prozent über dem Materialpreis liegt. Bei der Ermittlung des Metall- werts von Silbermünzen kann man statt der jeweiligen Tagesnotierung aus Ver- einfachungsgründen den letzten im Monat November festgestellten Preis je Kilogramm Feinsilber für das gesamte folgende Kalenderjahr zugrunde legen. Für das Kalenderjahr 2025 ist die Wert- ermittlung dabei nach einem Silber- preis (ohne Umsatzsteuer) von 910 Euro je Kilogramm vorzunehmen. Übergangsregelung. Für Silbermün- zen, die bereits vor dem Jahr 2025 in die Europäische Union eingeführt wur- den und die der Differenzbesteuerung unterliegen, gilt eine Übergangsrege- lung: Sie können weiterhin „differenz- besteuert“ verkauft werden, solange sie sich im Lagerbestand des Händlers befinden. Darüber hinaus bleibt die Differenzbesteuerung für Silbermün- zen aus Privatankäufen bestehen. Bei diesen wird weiterhin nur die Differenz zwischen An- und Verkaufspreis mit 19 Prozent besteuert. SILBERMÜNZEN Auch wer in Silberlinge investiert, muss auf fiskalische Besonder- heiten achten. Das ist der Stand bei der „Differenzbesteuerung“ BILD: SIMON POTTER/IMAGE SOURCE/GETTY IMAGES, TEMMUZCAN/ISTOCK ➝
€URO 06|2544 Bitcoin bietet einen größeren Anlageschutz, als es Papierwäh- rungen bieten können“, sagt Hendrik Leber, Gründer der Fondsgesellschaft Acatis. Seit Jahren ist Leber ein Fan der Kryptowährung. Da ist die unglaubliche Performance des nach Börsenwert weltgrößten Coins. Seit dem Start durch einen Unbekannten mit dem Pseudonym Satoshi Nakamoto bescher- te der Bitcoin Besitzern im Schnitt weit über 100 Prozent Rendite pro Jahr. Der Star-Fondsmanager schätzt die !ührende Digitalwährung jedoch noch aus einem weiteren Grund. Für Leber ist die Kryptowährung auch ein Stück Frei- heit. „Bitcoin kann man als Code überall mit hinnehmen auf der Welt. Darum ist er beweglicher als Geld, Gold oder Dia- manten“, so der Finanzpro!i. Sieht man von den komplexen Details ab, ist das vielen Ländern seit der Finanzkrise 2009 wurde durch Corona und Energie- und Rohstoffmangel sowie andere Ver- sorgungsengpässe noch einmal be- schleunigt. Und Millionen von Europä- ern brauchen seit Ausbruch des Ukrai- ne-Kriegs wenig Fantasie, sich die Folgen militärischer Eskalationen auszumalen. Mit der zweiten Trump-Administra- tion ist ein weiterer Risikofaktor hinzu- gekommen: die Irrationalität des mäch- tigsten Mannes der Welt. Die rigide Zoll- politik des US"Präsidenten trieb nicht bloß die weltweiten Aktienmärkte in ei- nen Crash. Trumps erratische Wirt- schaftspolitik ließ US"Staatsanleihen einbrechen, das mit rund 30 Billionen Dollar Volumen größte Anlage-Asset überhaupt. „Trumps Team spielt mit flüssigem Nitroglyzerin“, kommentierte der renommierte Wall-Street-Stratege Ed BILD: MAROG-PIXCELLS/ISTOCK, LASZLO HANYECZ/TWITTER, CSÁK ISTVÁN/STOCK.ADOBE.COM Kurze Geschichte des Bitcoin Die Historie der wichtigsten Kryptowährung der Welt begann erst vor gut 16 Jahren Prinzip simpel: Smartphone plus Smart- card oder Speicherstick !ür einen per- sönlichen Schüssel genügen, um Millio- nenwerte im Notfall auch über nationa- le Grenzen zu bringen. Kryptowährun- gen werden überdies sieben Tage die Woche gehandelt. Wer will oder es aus einer Notsituation heraus muss, macht sie rund um die Uhr zu Geld. Multikrisen schaffen Nachfrage. Auch wenn manche Staaten Einzahlun- gen und Entnahmen von Digitalwährun- gen regulieren — viele möchten diese Op- tion nicht mehr missen. Denn selbst er- fahrene Anleger mussten zuletzt einiges lernen. In der Corona-Krise wurden per- sönliche Freiheiten eingeschränkt und Ausgehverbote erlassen. Preise stiegen danach erschreckend schnell. Eine ex- zessiv wachsende Staatsverschuldung in Titel Gold & Bitcoin
1 BTC = 1 US-$ €URO 06|25 45 Sein Algorithmus macht ihn knapp wie Gold. Finanzprofis schätzen die Sicherheit und Freiheit, die die Digitalwährung bietet. Und ihre erstaunliche Resilienz in Börsenkrisen Abseits katastrophaler Szenarien bietet die Digitalwährung Anlegern zudem eine Eigenschaft, die man ihr auf den ersten Blick nicht zutrauen würde. Ob nach dem Ausbruch der Pandemie, dem Beginn des Ukraine-Kriegs oder den Turbulenzen der US"Regionalbankenkrise im Frühjahr 2023 — das Muster der Kursreaktion wiederholte sich: Kurzfristig bewegte sich die Kryp- towährung mehr oder weniger synchron zu den Börsen, verlor teils stärker und schwang volatiler noch als Technologiewerte. Mittel- und langfristig aber zeigte der Coin erstaunliche Stehauf-Qualitäten: Bereits 60 Tage nach dem Covid-Crash etwa notierte die Digitalwährung gut 20 Prozent über ihrem Vorkrisenniveau. Zu diesem Zeitpunkt hatte der US"Index S & P 500 so eben erst sein Ausgangsni- veau erreicht (siehe Tabelle Seite 46 links unten). Einen ähnlichen Vorsprung 3. Januar 2009 Genesis-Block (Block 0) wird von einem Unbe- kannten mit Pseudonym Satoshi Nakamoto gemined, offizieller Start 22. Mai 2010 Bitcoin Pizza Day – Laszlo Hanyecz kauft zwei Pizzen für 10 000 BTC, erste dokumentierte Transaktion im echten Leben Februar 2011 Der Bitcoin erreicht erstmals die Parität mit dem US-Dollar, was seine Bekanntheit fördert Der Anti-Krisen-Coin Yardeni die Flucht aus US"Treasuries. Ein Einbruch am US"Bondmarkt könne das Welt!inanzsystem ins Wanken bringen, warnen Finanzpro!is. „Es wäre der größ- te anzunehmende Unfall, ein GAU“, so LBBW"Chefvolkswirt Moritz Kraemer gegenüber der „Börsen-Zeitung“. Wenn aber die globale Ankerwäh- rung US"Dollar nicht mehr sicher scheint, dann ist das Vertrauen in das sogenann- te „Fiatgeld“ der Notenbanken ernsthaft erschüttert. Im Prinzip ist es bloß Papier, was weltweite Zentralbanken seit vielen Jahrzehnten ausgeben. Physisch knappe Ressourcen wie Gold oder der per Algo- rithmus regelmäßig verknappte Bitcoin (siehe Seite 46) gewinnen da in den Augen vieler, die ihr Vermögen sichern wollen. Die 1869 gegründete US"Invest- mentbank Goldman Sachs, die Erfahrun- gen aus den Börsenkrisen der vergange- ➝ nen 156 Jahre sammelte, sieht in der Kryptowährung einen „ef!izienten Con- trarian-Hedge bei Überschuldungs- szenarien“. Auch der Vorstandschef des weltgrößten Vermögensverwalters lobt den Bitcoin ausdrücklich als vertrauens- würdiges neues Geld. „Verwenden Sie das Instrument, wenn Sie Angst vor der Entwertung Ihrer Währung oder Sorge um die Stabilität Ihres Landes haben“, riet Blackrock-Chef Larry Fink. Bitcoin-ETPs So lässt sich die größte Kryptowährung einfach handeln Emittent ISIN TER ! in % Bitwise DE !!! A"A ER# $ !,$! iShares (Blackrock) XS $%" !"# #&' # !,'( Wisdomtree GB !!B JYD H$) * !,'( Stichtag: !'.!(.$!$(; ! Total Expense Ratio (Gesamt- kostenquote); Quelle: JustETF
’10 ’11 ’12 ’13 ’14 ’15 ’16 ’17 ’18 ’19 ’20 ’21 ’22 ’23 ’24 ’25 100 000 10 000 1 000 100 10 1 0,1 ’22’20’18’16’14’12 ’21 ’23 ’24’17 ’19’13 ’15 1,0 0,8 0,6 0,4 0,2 0,0 -0,2 -0,4 -0,6 -0,8 -1,0 1 BTC = 20 000 US-$ €URO 06|2546 Null: keine Korrelation, unabhängig, ': bewegt sich wie Nasdaq; Quelle: Incrementum Stichtag: !'.!(.$!$(; Quelle: BO Data Kurs in logarithmischer Darstellung Verzehnfacht heißt konstanter Abstand Korrelation zu Techs Kurzfristig bewegt sich der Bitcoin ähnlich wie US-Techs, langfristig ist die Korrelation gering DAS BITCOIN-PRINZIP Basis des Bitcoin (BTC) ist wie bei allen Kryptowährungen die Blockchain, eine verkettete Liste von Datenblöcken, die dezentral auf vielen Computern gespeichert ist. Der Kon- sensmechanismus ist „Proof of Work“, ein mathematisches Rätsel muss gelöst werden. Wird ein Block beendet, gibt es eine Entlohnung in BTC, sie wird im Abstand von etwa vier Jahren halbiert. Seit dem vierten „Halving“ 2024 sind es 3,125 BTC. Durch den Algorithmus ist die Anzahl der Bitcoin auf 21 Millionen Stück begrenzt. Diese Verknappung schafft eine Parallele zum begrenzt verfügbaren physischen Gold. Ende 2017 Der Bitcoin erreicht gut sechs Jahre nach der Dollar-Parität erstmals einen Wert von rund 20 000 Dollar und weltweite Bekanntheit 11. November 2022 Insolvenz der Krypto- börse FTX, Gründer Sam Bankman-Fried tritt zurück und wird später wegen Betrugs verklagt und verurteilt – Vertrauenskrise Februar 2014 Mt.-Gox-Hack – 850 000 BTC werden aus der Krypto- börse Mt. Gox gestohlen, es folgen Insolvenz und Vertrauenskrise Krisen Nach Covid oder Ukraine-Krieg war der BTC kurz schwächer als US-Aktien, erholte sich dann aber schneller Nach !" Tagen Nach #" Tagen Ereignis Datum S & P $"" in % BTC in % S & P $"" in % BTC in % USA-Iran-Eskalation !&.!'.$!$! $ '$ -* $! Covid-Ausbruch ''.!&.$!$! -$! -$( $ $' Turbulenzen US-Wahl "#"# !&.''.$!$! * '% '$ '&' Russlands Überfall auf Ukraine $".!$.$!$$ ' -# & '( US-Regionalbankenkrise !%.!&.$!$& -$ $( " &$ Yen-Carry-Trade-Turbulenzen !(.!).$!$" $ ! * & Quelle: Blackrock Bitcoin in US-$ Rollierende 6-Monats-Korrelation BTC/Nasdaq 28. November 2012: Erste Halbie- rung der Miner-Entlohnung 9. Juli 2016: Zweites Halving 11. Mai 2020: Drittes Halving 20. April 2024: Viertes Halving
M J J A S O N D J F M A 500 450 400 350 300 250 200 150 €URO 06|25 47 ➝ WKN A2U RSJ Kurs 282,53 € Hoch/Tief 52 W. 497,63 €/172,00 € Stichtag: !(.!(.$!$(; Quelle: BO Data Im von unserem Schwestermagazin BÖRSE ONLINE entwickelten Index fin- den sich zehn der wichtigsten Kryptowäh- rungen. Neben der weltweit größten Digi- talwährung Bitcoin sind alternative Coins (Altcoins) wie XRP, Polkadot, Solana oder Ethereum (siehe Seite 48) im Korb ent- halten. Auch der Meme-Coin (eine Spaß- währung) des Tesla-Gründers Elon Musk hat es wegen des vergleichsweise hohen Marktgewichts in die Auswahl geschafft. €URO-EMPFEHLUNG 1BO BEST OF KRYPTO INDEX zugänglich machen“, sagt Ashley Oerth, globale Marktstrategin bei Invesco. Sparplan bringt’s. In Deutschland wer- den inzwischen etliche sogenannte Exchange Traded Products (ETPs) auf Kryptowährungen gehandelt. Der Ein- stieg ist damit auch abseits des Krypto- handels bei speziellen Plattformen (siehe Seite 50 bis 53) analog zu Aktien oder ETFs problemlos möglich. Sparern kommt die leichtere Handel- barkeit der Kryptos zugute. Manchen mag zwar die kurzfristig hohe Volatilität schre- cken. Bei unglücklichem Einstieg verloren Bitcoin-Anleger in der Spitze in der Histo- rie teils über 90 Prozent. Sparplanbesit- zer aber machten auch bei schlechtem Timing ihren Schnitt: Wer etwa auf dem Hoch am 9. November 2021 einen monat- lichen Sparplan mit 100 Euro gestartet und bis heute durchgezogen hat, holte aus 4200 Euro Einsatz in Bitcoin 9683 Euro — macht im Schnitt rund 130 Prozent Rendi- te. Wer seit zehn Jahren jeden Monat 100 Euro investiert hat, erzielte eine jährliche Rendite von im Schnitt fast 48 Prozent. Die Trump-Administration könnte !ür zusätzliche Nachfrage nach Bitcoin sor- gen. Noch sind die Signale aus dem Wei- ßen Haus zwar nebulös, dennoch deuten sie in eine Richtung: Der Bitcoin, wie auch die alternativen Kryptos Cardano, Ether, Solana und XRP (siehe Seite 48), haben durchaus Chancen, Teil einer US"Digital- reserve zu werden ähnlich den nationalen Ölvorräten — oder dem berühmten Gold- schatz in Fort Knox. gegenüber dem breiten US"Index fuhren Bitcoin-Anleger rund zwei Monate nach Russlands Februar-Attacke 2022 ein. Die Anziehungskraft des Bitcoin fußt somit auf Rendite, auf der Suche nach Freiheitsgraden — und auf einem hohen Maß an Resilienz in Börsenkrisen. Für professionelle Investoren ist die Krypto- währung überdies zu einer wertvollen Ergänzung zu den traditionellen Assets Aktien, Anleihen, Immobilien und Gold geworden. Wer den Bitcoin bloß als neues Risiko-Investment begreife, sei auf dem Holzweg, erklärt etwa Samara Cohen, Investmentche!in !ür ETFs und Index Investments bei Blackrock. „Lang- fristig ist der Bitcoin etwa mit US"Aktien kaum korreliert“, stellt Cohen fest. Mehr Sicherheit. Vielmehr handle es sich um eine eigene Assetklasse mit nied- riger Korrelation zu den anderen Ver- mögenswerten, so Cohen. Digitalwäh- rungen nutzt der US"Finanzriese, um sei- ne 11,5 Billionen Dollar an verwaltetem Vermögen zusätzlich zu diversi!izieren und das Risiko !ür die Kunden zu senken. Im Finanz-Establishment sind die Kryptos, und vor allen anderen der Bit- coin, angekommen. Im Januar 2024 gab die damals kryptokritische US"Börsen- aufsicht SEC ihren Widerstand auf Druck institutioneller Anleger auf und geneh- migte die ersten Spotpreis-ETFs auf Bit- coin. Die höhere Liquidität hat die Zu- gänglichkeit !ür institutionelle Anleger entscheidend verbessert. Viele US"Fonds und Vermögensver- walter legten seither Spot-Preis-ETFs auf. Bis Ende März kauften diese fast 1,2 Mil- lionen Bitcoin, bis Ende 2024 flossen net- to rund 35 Milliarden Dollar in den Coin. Der Kapitalstrom dürfte anhalten. „2025 könnten weitere Länder Spot-ETFs !ür ein breiteres Anlegerpublikum zulassen und weitere Kryptos über ETF"Produkte Der Preis der Finanzinstrumente wird von einem Index als Basiswert abgeleitet. Die Börsenmedien AG hat diesen Index entwickelt und hält die Rech- te hieran. Mit dem Emittenten der dargestellten Wertpapiere hat die Börsenmedien AG eine Ko- operationsvereinbarung geschlossen, wonach sie dem Emittenten eine Lizenz zur Verwendung des Index erteilt. Die Börsenmedien AG erhält inso- weit von dem Emittenten Vergütungen. 11. Januar 2024 SEC-Zulassung des ersten Spot-Preis-ETFs in den USA. Institutionelle Investoren etablieren BTC am traditionellen Kapitalmarkt 20. Januar 2025 Inauguration von US-Präsident Trump, der eine US- Kryptoreserve verspricht: bisheriges Allzeithoch bei über 109 000 Dollar Gerd Weger: Krypto-Kompendium Börsenbuch Verlag 736 Seiten, 79,00 € ISBN: 978-3-86470-957-9 Gerd Weger ist seit den 1980ern erfolgreich an den Märkten aktiv. Seine ganze Expertise zu den Be- wertungsfaktoren von Bitcoin und Co, den Ansätzen zur Fundamental- analyse und Steueroptimierung. Titel Gold & Bitcoin BILD: SETH WENIG/AP/PICTURE ALLIANCE, BLOOMBERG/GETTY IMAGES, CHIP SOMODEVILLA/AP/PICTURE ALLIANCE Kurs in €
0 300 600 900 1200 BNBRippleTetherEthereumBitcoin 1371 159 130 94 71 €URO 06|2550 Exotische Digitalmünzen wie der GoSleep ZZZ locken wohl vor- wiegend Schlafmützen an. Wa- che Krypto-Neueinsteiger set- zen eher auf eine der großen Digital- währungen mit hoher Marktkapitalisie- rung — Bitcoin, Ethereum und Co. Sobald sie ihr Anlageziel ausgemacht haben, sollten sie überprüfen, welche der vielen Handelsplattformen dieses zu möglichst günstigen Konditionen an- bietet. Die Möglichkeit eines Sparplans könnte ETF-erfahrenen Sparern helfen, an eine gute Gewohnheit anzuknüpfen. Auch ob Staking möglich ist, also der Ver- leih zur technischen Absicherung der jeweiligen Blockchain, zählt zu den Kri- terien. Denn darüber können sie Be- lohnungen, eine Art „Verzinsung“ ihrer Guthaben, generieren. Da Gewinne aus den Kryptogeschäf- ten steuerlich relevant sind (siehe auch Seite 56), bieten sich Plattformen mit Sitz in Deutschland an. Anders als etwa US-amerikanische liefern sie die Steuer- belege passgenau und oft kostenlos mit. Drei Schritte ins Kryptoversum Anleger haben die Wahl: Welches Digitalgeld sie ansparen wollen, wie sie Gewinne versteuern, welche Handelsplattform sie bevorzugen. Eine Bitcoin-Bedienungsanleitung Im Cybernetzwerk: Der Bitcoin ist auf dem Weg, zum Zahlungsmittel der Zukunft aufzusteigen. Viele Anleger suchen Zugang BILD: REDPHOTOGRAPHER/ISTOCK Stichtag: !!."#.!"!$; Quelle: Coin Market Cap Digitale Assets Mehr als 11 000 Kryptowährungen existieren bislang. Bitcoin ist die bei Weitem populärste Titel Gold & Bitcoin Kryptowährungen nach Marktkapitalisierung in Mrd. %
€URO 06|25 51 ➝ 1.Krypto aussuchen: Bitcoin ist populär, an- dere sind technisch avan- cierter. Die Tokenisierung in der Blockchain kann künftig den Wert treiben. 2.Steuer bedenken: Versteuern Anleger in Deutschland, müssen sie Gewinne/Verluste doku- mentieren. Manche Kryptoplattformen helfen. 3.Plattform wählen: Nach Vielfalt an Kryp- tos, Handelskosten und ihrer Transparenz aussu- chen. Depot eröffnen – und los kann’s gehen. Schritt für Schritt: Die Auswahl scheint klar – ist aber nicht trivial. Bitcoin ist aktuell die größte Digitaldevise, in die das meiste Geld fließt. Andere Währungen könnten jedoch in Zukunft relevanter werden, weil sie die Möglichkeiten der zugrunde liegenden Blockchain-Technologie klarer in einen Wert verwandeln Über die Plattform: Coinbase Global bietet seit 2015 den Handel mit Bitcoin, später auch mit vielen anderen Kryptos an. Im April 2021 ging das Unterneh- men an die Börse. Die Plattform bietet neben dem Handel auch die kostenlose Verwahrung in einer Cyberwallet. In diesem digitalen Geldbeutel bleiben Bitcoin, Ethereum und Co stets Vermö- genswerte, also Eigentum der Depot- besitzer. Außerdem bietet die Platt- form eine Programmiererschnittstelle für Entwickler und Verkäufer. Testsie- ger im Finanzmagazin BÖRSE ONLINE im Juli 2024: „Beste Krypto-Plattform“. Über die Plattform: Die Kryptobörse bietet seit 2013 den Handel mit Bitcoin und Litecoin an. Später kamen weitere Währungen und Margin-Handel dazu. Inzwischen verzeichnet Kraken neun Millionen Nutzer weltweit. In Deutsch- land hat Kraken den Handel an die Frankfurter DLT Finance ausgelagert, die von der Bafin beaufsichtigt wird. Seit 2023 bietet Kraken auch den Han- del mit NFTs, also digitalen Kunstwer- ken und Sammlerobjekten, an. Die Ver- wahrung digitaler Assets ist seit März über „Kraken Financial“, eine hauseige- ne digitale Bank, möglich. Hauptsitz San Francisco (Kalifornien) Zahl handelbarer Kryptowährungen 240 digitale Assets Kosten Wenig transparent. Kein Preis- und Leistungsverzeichnis auf der Website. Handelsgebühren und Spreads variieren. Staking Ja Kryptosparpläne Ja ETN Nein Jahressteuerbescheinigung Kompliziert. Coinbase empfiehlt eine „kryptofreundliche Steuersoftware“. Hauptsitz San Francisco (Kalifornien) Zahl handelbarer Kryptowährungen 381 Assets Kosten Wenig transparent. Handelsgebühren und Spreads variieren. Staking Ja Kryptosparpläne Ja ETN Nein Jahressteuerbescheinigung Nein, auch keine Gewinn- und Verlustaufstellung. Kraken empfiehlt, einen deutschen Steuerberater zu konsultieren.
€URO 06|2556 Zwei Verordnungen des Bundes- !inanzministeriums (BMF) sind die essenziellen „Steuer-Guide- lines“ !ür Krypto-Investoren. Bereits im Mai 2022 wurde ein Anwen- dungsschreiben veröffentlicht, das zu- vor offene Steuerfragen bei Krypto-In- vestments präzisiert hatte (Gz. IV C 1 — S2256/19/10003: 001). Grundsätzlich gilt seitdem !ür alle mit Kryptowährungen erzielten Gewinne verbindlich eine Spe- kulationsfrist von einem Jahr. Wer Coins erst nach Ablauf dieser Haltedauer ver- kauft, kassiert realisierte Gewinne „brut- to !ür netto“. Aber auch wer Bitcoins in andere Kryptowährungen wie Ethereum tauscht oder Waren und Dienstleistun- gen damit bezahlt, tätigt ein „privates Veräußerungsgeschäft“. Ein neues BMF"Schreiben von März 2025 liefert ein Steuer-Update !ür Kryp- towerte (Gz. IV C 1 — S2256/00042/064/ 043). Es soll Krypto-Investoren Hilfe- stellungen bei der Dokumentation und Deklaration ihrer Einkünfte geben. Auch Sachbearbeiter der Finanzämter erhal- ten Hinweise zur Prüfung entsprechen- der Angaben in den Steuererklärungen. Steuerliche Besonderheiten. Wer über Finanzprodukte in Kryptowerte in- vestiert, muss zudem auf !iskalische Eigenarten achten (siehe Kästen rechts). Zu beachten: Die in den USA erhältlichen Bitcoin-ETFs sind in Deutschland bisher nicht zugelassen. Nach den Fonds-Richt- linien müssen hierzulande ETFs mehre- re Basiswerte aufweisen und beziehen sich in der Regel auf Börsenindizes. Kryptowerte clever steuern Wer in Bitcoin und Co direkt oder über Finanzprodukte investiert, sollte mit den wichtigsten Steuerregeln vertraut sein. Diese fiskalischen Grundsätze sind zu beachten Physischer Bitcoin: One Bitcoin Cent BTC Bitcent Silver Plated Coin Token BILD: YURCHELLO108/ISTOCK Titel Gold & Bitcoin
€URO 06|25 57 ➝ Wer in Bitcoin, Ethereum und Co direkt investiert, kann von Steu- ervorteilen profitieren, sollte aber fiskalische Fallen kennen Grundsätzlich gilt für alle mit Kryptowährungen erzielten Ge- winne eine Spekulationsfrist von einem Jahr. Wer Coins nach Ablauf die- ser Haltedauer verkauft, kassiert Ge- winne steuerfrei. Die Kehrseite: Nach Ablauf der Jahresfrist realisierte Verlus- te sind nicht mehr steuermindernd mit anderweitigen Gewinnen verrechenbar. Steuerliche Behandlung. Werden Krypto-Direktanlagen innerhalb von zwölf Monaten veräußert, gilt für reali- sierte Gewinne die Steuerfreigrenze für private Veräußerungsgeschäfte (1000 Euro) – denn steuerrechtlich gelten Bitcoin und Co als „anderes Wirt- schaftsgut“. Fällt der Gewinn aber auch nur einen Euro höher aus, ist in dieser Konstellation auf den gesamten reali- sierten Wertzuwachs der persönliche Steuersatz fällig (14 bis 45 Prozent, ab- hängig vom individuell zu versteuern- den Einkommen). Bei der steuerlichen Gewinnermittlung wird der Anschaf- fungs- vom Veräußerungspreis abge- zogen. Anleger haben die Wahl zwi- schen zwei Berechnungsarten: Bei der FIFO-Methode („First in – first out“) gel- ten Coins, die zuerst gekauft wurden, auch als Erstes wieder als veräußert. Bei der Durchschnittsmethode wird der Gewinn anhand des Durchschnitts- preises, etwa von allen angeschafften Bitcoins, ermittelt. Eine Alternative zu Direktinvest- ments sind Krypto-ETPs. Diese fiskalischen Bestimmungen sollten Anleger dabei beachten Die meisten Onlinebroker haben inzwischen ETPs (Exchange Traded Products) in ihrer Pro- duktpalette. Die Krypto-Finanzproduk- te werden auch in der engeren Katego- rie „Exchange Traded Notes“ (ETNs) angeboten und sind für Krypto-Anleger auch aus steuerlicher Sicht interessant. Rechtlicher Status. ETPs und ETNs sind börsengehandelte Inhaberschuld- verschreibungen, die eine Forderung des Anlegers gegenüber dem Emitten- ten verbriefen. Den Vorteil von ETFs (Exchange Traded Funds), deren Kapi- tal als Sondervermögen vor Insolven- zen geschützt ist, bieten ETPs nicht. Steuerliche Behandlung. Bedingun- gen für die steuerliche Gleichbehand- lung mit Direktanlagen sind die Hinter- legung und eine physische Ausliefe- rungsoption für die ETP-Assets. Bei Krypto-Baskets muss klar sein, in wel- chem Umfang das Investment aufzu- teilen ist, etwa zwischen Bitcoin und Ethereum, sonst fällt die Zuordnung fis- kalisch schwer, und der Anspruch auf die Auslieferung läuft möglicherweise mangels einer Bestimmbarkeit ins Leere. Sind diese Voraussetzungen er- füllt, werden Krypto-ETPs steuerlich wie Direktinvestments in Kryptowäh- rungen behandelt: Verkaufsgewinne sind nach einer Haltedauer von mindes- tens zwölf Monaten steuerfrei, bei frü- herer Veräußerung werden sie mit dem persönlichen Einkommensteuersatz des Anlegers (14 bis 45 Prozent) belegt. KRYPTO-DIREKTANLAGEN KRYPTO-ETPS Inhaber von Kryptowährungen können auch Gratiszuteilungen erhalten. Bei „Airdrops“ gibt es steuerliche Besonderheiten Für Freude bei Anlegern können „Airdrops“ sorgen. Inhaber einer Kryptowährung erhalten weitere Einheiten via „Abwurf aus der Luft“ – kostenlos und ohne weiteres Zutun. Steuerliche Behandlung. Bei derarti- gen Gratiszuteilungen geht die Finanz- verwaltung bereits beim „Drop“ von ei- nem steuerlich relevanten Vorgang aus. Die Sachbearbeiter der Finanzämter sind angewiesen, eine Verknüpfung mit einer digitalen Brieftasche („Wallet“) bereits als ausreichende „Mitwirkung“ zu werten, um Airdrops als „sonstige Einkünfte“ einzuordnen. Der erhaltene Gratis-Coin ist dann mit dem Marktwert zu bestimmen. Auch Airdrops können erst nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei verkauft werden, wenn die 1000-Euro-Freigrenze beim Gewinn überschritten wird. Ein fiskalischer Fall- strick: Bricht der Kurs des Airdrops nach Zuteilung ein und wird binnen Jahresfrist verkauft, ist eine Verlust- verrechnung aufgrund der unterschied- lichen Einkunftsarten nicht möglich. GRATIS-KRYPTOS/„AIRDROPS“
€URO 01|2330 GELD IDEEN 2023Was auch immer das neue Jahr bringen wird – es dürfte turbulent werden. €uro stellt die Weichen für finanziellen Erfolg: Der große Überblick rund um Ihr Geld
31€URO 01|23 BILD: KESU01/ISTOCK 32 EINLEITUNG Was die Notenbanken planen und warum das die Kapitalmärkte beeinflussen wird 34 ROUNDTABLE Vier bedeutende Vermögensverwalter diskutieren die Anlageperspektiven 2023 56 GOLD Das krisenfeste Edelmetall macht sich als Sicherheit auch im Jahr 2023 gut 62 VORSORGE Mit welchen staatlichen Leistungen die Bürger 2023 rechnen können 44 AKTIEN Spannende Investment-Ideen rund um die Geldanlage in Aktien 58 KRYPTO Nach dem brutalen Absturz von Bitcoin und Co könnte es nun aufwärtsgehen 66 STEUERN Was für die Steuerzahler im neuen Jahr wichtig wird 50 ZINSEN Mit welchen Investments Zinsfans im neuen Jahr auf ihre Kosten kommen 60 IMMOBILIEN Mit welchen Änderungen sich Besitzer von Immobilien anfreunden müssen Titel Geldideen 2023
€URO 01|2332 4 4 AK TIEN3 4 RO U N DTA BLE3 2 EIN LEIT U N GTitel Geldideen 2023 BILD: CHIP SOMODEVILLA/GETTY IMAGES, THOMAS LOHNES/GETTY IMAGES Die Unwägbarkeiten der Zu- kunft sind den Investoren ein Graus. Am liebsten wäre es ih- nen, sie wüssten heute schon, was morgen passiert, und könnten sich entsprechend positionieren. Nur, diese Glaskugel haben sie nicht. Und auch alle Experten dieser Welt haben sie nicht. So hat etwa vor einem Jahr kaum je- mand vorausgesehen, dass Russland die Ukraine mit einem brutalen Angriffs- krieg überziehen würde. Und es hat auch niemand vorhergesagt, dass in Deutsch- land die Angst vor einem Blackout umge- hen könnte. Dennoch ist es !ür Anleger wichtig, nicht ohne einen Plan in das Jahr 2023 zu gehen. Auch wenn die Zukunft nicht vorhersehbar ist, bedeutet das ja nicht, dass man gar nichts über sie sagen kann. Die Volkswirte der Commerzbank bli- cken mit etwas Zuversicht auf das neue Jahr. „2023 könnte an den Finanzmärk- ten ein Jahr der Entspannung werden“, sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Er erwartet, dass sich die Ener- giepreise etwas beruhigen und so die ho- hen Inflationsraten des Jahres 2022 zu- rückgehen werden. Damit steht er auch im Einklang mit den Experten des €uro-Roundtable (siehe Seite 34). Sinkt die Inflation, hat das massive Auswirkungen. Denn dann stehen die Notenbanken nicht mehr so heftig wie bisher unter Druck, die Zinsen anzuhe- ben, um damit der Inflation Einhalt zu gebieten. Steigende Zinsen gelten als die Therapie der Wahl gegen steigende Prei- se. Aber sie haben dabei auch schwere Nebenwirkungen: Sie belasten die Kon- junktur. Denn höhere Zinsen machen Sparen attraktiver und das Aufnehmen von Krediten unattraktiver, was beides auf die Kaufneigung der Konsumenten drückt. Für die Zinsen in der Eurozone sagt Krämer voraus, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins von der- zeit 1,50 Prozent auf drei Prozent im Frühjahr 2023 anheben wird, dann aber erst einmal abwartet. Und auch in den USA dürfte die Phase der schnellen und großen Zinsschritte erst einmal ihrem Ende zugehen. Fed-Chef Jerome Powell höchstpersönlich hat kürzlich angedeu- tet, dass die Fed ihr Zinstempo drosseln könnte. Damit dürfte wohl ein Schre- ckensszenario wie in der 1980er-Jahren erst einmal passé sein: In dieser Epoche hatte der damalige Fed-Chef Paul Volcker die Leitzinsen drastisch angehoben (sie- he Chart rechts). Die Zinspolitik der Notenbanken hat natürlich massive Auswirkungen auf die Kapitalmärkte. So werden die Renditen der Anleihen nicht mehr weiter steigen, wenn das Zinsniveau stagniert. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass die An- leihekurse nicht weiter sinken, denn steigende Renditen gehen bei Bonds mit einem festen Zinskupon mit sinkenden Kursen einher. Bei den Aktien ist das Bild um einiges diffuser. Ziemlich sicher ist, dass die Börsen nervös bleiben werden, was an- gesichts der weltpolitischen Lage auch kein Wunder ist. Zudem schwächelt die Wirtschaft weltweit, und es ist noch un- klar, ob — und wenn ja wie stark — es in einzelnen Ländern und Regionen zu Re- zessionen kommen wird. Allerdings ist viel dieser Unsicherheit auch schon in den jetzigen Aktienkursen enthalten: „Rezessionen sind angesichts der nied- rigen Bewertung von Aktien häu!ig gute Einstiegszeitpunkte“, so Commerzbank- Chefvolkswirt Krämer. Ihr Geld 2023. €uro stellt nachfolgend alles Wichtige rund um das Thema Geld und Investieren im Jahr 2023 zusammen. Zuerst einmal diskutieren vier !ührende deutsche Fondsmanager ab Seite 34, wie sie das neue Jahr unter Investment-Ge- sichtspunkten sehen. Daran schließt sich ab Seite 44 an, mit welchen Aktienideen Anleger gut !ür das Jahr gerüstet sind. Etwa, wie man mit einem Zerti!ikat oder mit Aktien von einem steigenden CO#- Preis pro!itiert. Oder wie man mit einem ETF auf die US$Industrie zehn Prozent Rendite pro Jahr einfahren kann. Oder aber, welche Verlierer des Jahres 2022 nun ein großes Potenzial haben und Ge- Wir sind mit der Inflation noch nicht fertig und haben noch viel zu tun.“ Christine Lagarde, EZB-Chefin Trotz einiger vielverspre- chender Entwicklungen haben wir noch einen langen Weg vor uns, um die Preisstabilität wiederherzustellen.“ Jerome Powell, Fed-Chef
5 0 Z INSE N 5 6 GO LD 5 8 K RY P TO 6 0 IM M O BILIE N 6 2 VO RSO RG E 6 6 S TEU E R ➝ 1ILVIVJELVIR LEPTVMZEXFEROGSQ^IIHMR *VERO6MGLXIVWIPFWXWX¡RHMKIV7SJX[EVIIRX[MGOPIVMRHIV,EPFPIMXIVMRHYWXVMI YRHPERKN¡LVMKIV/YRHIFIM>IIHMRHIVHMKMXEPIR:IVQ³KIRWZIV[EPXYRKZSR ,EYGO%YJL¡YWIV0EQTI ŝ1IMR(ITSXQ¹WWIR4VSŵWJ¹VQMGLQEREKIR(EWKMFXQMVHMI>IMX YRHHMI1³KPMGLOIMXQIMRI*VIM^IMXEOXMZ^YIVPIFIR(IRRHERO >IIHMRMWXQIMR:IVQ³KIREYGLMQQIVHE[SMGLFMR-RHMIWIQ 7MRRIZMIPI+V¹IZSRHIV>YKWTMX^IEYW,³LIRQIXIVRś Digitales Zuhause für Vermögen ,31)>YLEYWIJ¹V:IVQ³KIR ANZEIGE winne bis zu 50 Prozent mit ihnen mög- lich sind. Aber !ür das Jahr 2023 gibt es auch at- traktive Zinsideen. Bei Anleihen dürften die Kursverluste infolge steigender Zin- sen ein Ende !inden. Mit auf Dollar lau- tenden Anleihen sind nun auch langfris- tig Renditen von vier Prozent und mehr pro Jahr drin. Und das mit Bonds von bo- nitätsstarken Emittenten, bei denen das Ausfallrisiko sehr gering ist. Weil es !ür 2023 aber auch viele Fra- gezeichen gibt, dürfte der Krisenklas- siker Gold ein Thema sein. Ab Seite 56 zeigt €uro, wie man sich mit Gold !ür 2023 aufstellen kann. Daran schließt sich !ür sehr spekulative Anleger an, wie sie sich !ür ein Comeback der Kryptowäh- rungen positionieren können. Die Bran- che hat 2022 massiv an Wert verloren, der Bitcoin etwa hat sich nahezu gedrit- Finanzen wichtig wird: Was Immobilien- eigentümer wissen müssen, steht dabei ebenso auf dem Programm wie, was sich bei staatlichen Leistungen tut und wel- che steuerlichen Änderungen im Jahr 2023 ein Thema werden. Quelle: Bloomberg Zinskurve In den 80er-Jahren sind die Leitzinsen in den USA massiv gestiegen telt. Das bietet schnell Verdopplungs- chancen — sowohl bei Währungen wie Bitcoin und Ethereum als auch bei Ak- tien von Krypto-Unternehmen. Und schließlich zeigt €uro ab Seite 60, was alles rund um das Thema private US-Leitzins in % ’55-’59 ’60-’64 ’65-’69 ’70-’74 ’75-’79 ’80-’84 ’85-’89 ’90-’94 ’95-’99 ’00-’04 ’05-’09 ’10-’14 ’15-’19 ’20-’24 20 15 10 5 0 -5
€URO 01|2344 Wenn es nach Goldman Sachs geht, sollten Anle- ger im Jahr 2023 erst ein- mal die Finger von Aktien lassen, dann aber zuschlagen. Die US!In- vestmentbank prognostiziert nämlich, dass es im ersten Quartal zu kräftigen Verlusten an der Börse kommen und der US!Leitindex S & P 500, wenn es schlecht läuft, von derzeit rund 4000 bis auf 3150 Punkte fallen kann. Grund sind die Zin- serhöhungen der US!Notenbank, die sich dann in der US!Wirtschaft deutlich be- merkbar machen. Zum Jahresende dage- gen sieht das Finanzinstitut mit Sitz in New York den S & P 500 bei 4000 Punk- ten stehen; damit würde der Leitindex vom Tief dann wieder deutlich zulegen. Auch wenn die Prognose nur #ür die USA gilt, hat sie doch auch Aussagekraft außerhalb des Landes: Nur selten gelingt es den europäischen Börsen, sich von der US!Börse abzukoppeln. Aber es gibt im Jahr 2023 auch spannende Invest- mentthemen, deren Perspektiven un- abhängig von der allgemeinen Gemenge- lage attraktiv sind. AKTIENIDEEN Das Jahr 2023 dürfte für Aktien wohl eher recht durchwachsen werden. Aber es gibt auch Investments, die gute Perspektiven haben VON RALF FERKEN, MATTHIAS FISCHER UND OLIVER RISTAU BILD: CERBER82/ISTOCK 3 4 RO U N DTA BLE 4 4 AK TIEN3 2 EIN LEIT U N GTitel Geldideen 2023
€URO 01|23 45 ➝ BILD: AERIAL-DRONE/STOCK.ADOBE.COM, LUKE SHARRETT/BLOOMBERG Weltweit steigt die Nachfrage nach LNG. Daran wird sich 2023 wenig ändern – und Wasserstoff steht schon bereit Der Ausbau der Kapazitäten für flüssiges Erdgas (LNG) kommt in Deutschland sehr schnell voran. Schon zum Jahreswechsel 2022/2023 soll das gerade fertiggestellte LNG-Terminal in Wilhelmshaven in Betrieb gehen – als erstes von insgesamt sechs. Und Deutschland steht damit nicht allein, auch weltweit wird LNG immer wichtiger. Bei dem Ausbau wird darauf geachtet, dass die Infrastruktur schon für die Post- LNG-Ära fit ist: „Der Aufbau der LNG- Infrastruktur ist die kurzfristige Lösung für alternative Importmöglichkeiten von Gas. Die Bundesregierung plant von Anfang an, diese Infrastruktur in Zukunft auch für Wasserstoff nutzen zu können“, so die Regierung in einer Pressemitteilung. Die Anlagenbauer Technip Energies aus Frankreich (WKN: A2Q NZT) und Técnicas Reunidas (A0J 3MX) aus Spanien profi- tieren vom weltweiten Ausbau der LNG- Infrastruktur. Der US-Öl- und Gasgigant Chevron (852 552) ist bei LNG sehr stark. Wer breit investieren will, setzt auf das Zertifikat auf den BO-Flüssiggas-Index (DA0 ABT). Das Zertifikat investiert in 20 Unternehmen aus der gesamten LNG- Wertschöpfungskette. Auf Sicht von fünf Jahren gab es mit einem ETF auf die US-Indus- trie rund zehn Prozent Rendite pro Jahr. Das dürfte so bleiben Die USA beheimaten nicht nur Technologie-, sondern auch Industrie- werte wie Boeing, Caterpillar und Deere. Boeing stellt Flugzeuge her, Caterpillar Baumaschinen und Deere Landmaschinen. Mit den Subven- tionen und Steuervorteilen aus dem „Inflation Reduction Act“ möchte die US-Regierung nun heimische und ausländische Firmen ermuntern, ihre Produkte in den USA herzustellen. Anleger können mit dem SPDR S & P US Industrials Select Sector ETF (ISIN: IE 00B WBX M72 4) davon profitieren. Der ETF enthält die drei genannten Industriewerte ebenso wie die Rüstungshersteller Lockheed Martin, Northrop Grumman und Raytheon Technologies. Im Schnitt der vergangenen fünf Jahre gab es eine Rendite von elf Prozent p. a. Pro Jahr kostet der ETF 0,15 Prozent. Britische Aktien haben zwei Vorteile: Sie sind derzeit ziemlich günstig und die Dividenden steuerfrei Britische Aktien bieten Anlegern aus dem Euroraum den Vorteil, dass ihre Dividen- den nicht besteuert werden. Damit entfällt das teils komplizierte Zurückholen der Steuern aus dem Ausland. Zudem haben sich die Papiere für Euro-Anleger verbilligt, weil der Euro gegenüber dem Pfund an Wert gewonnen hat. Das macht dividenden- starke Aktien von der Insel spannend. Attraktiv ist der Bergbauriese Anglo Ame- rican (WKN: A0M UKL, Dividendenrendite: 5,8 Prozent), dem anziehende Rohstoff- preise nutzen. Der Versorger National Grid (A2D QWX, Div.-Rend.: 5,0 %) profitiert da- von, dass Großbritannien seine Infrastruk- tur aufpeppen muss. Die Aktie des Mobil- funkgiganten Vodafone (A1X A83, Div.- Rend.: 8,7 %) ist nach einer langen Talfahrt nun mit einem KGV von neun günstig. Ohne LNG geht es nicht Dividenden von der Insel Comeback der US-Industrie LNG-Logistik: In riesigen Tankschiffen wird LNG über die Meere transportiert Bagger: Caterpillar ist der weltweit größte Her- steller von Baumaschinen 5 0 Z INSE N 5 8 K RY P TO5 6 GO LD 6 0 IM M O BILIE N 6 2 VO RSO RG E 6 6 S TEU E R
€URO 01|2346 Lyxor hat einen breit aufgestellten Emerging-Markets-ETF gebaut, der auf chinesische Aktien verzichtet An China scheiden sich die Geister. Für die einen ist es die kommende Weltmacht Nummer 1, die die USA wirtschaftlich überholen wird. Für die anderen ist es eine ineffiziente kommunistische Diktatur, die auf Dauer nicht mit den kapitalistischen Ländern mithalten kann. In jüngerer Zeit mehren sich die skeptischen Stimmen ge- genüber China – auch unter Anlegern. Sie befürchten, dass die kommunistischen Machthaber eher auf Wirtschaftswachs- tum als auf ihre Macht verzichten werden. Für China-kritische Anleger ist die Lage schwierig. Wer einen MSCI-Emerging- Markets-ETF kauft, hält darin automatisch rund 27 Prozent in chinesischen Aktien. China draußen. Anleger können aber eine passende Alternative finden – den Lyxor MSCI Emerging Markets Ex China ETF (ISIN: LU 200 920 210 7), der pro Jahr 0,15 Prozent kostet. Der ETF von Lyxor investiert so wie ein klassischer ETF auf den MSCI Emerging Markets Index, verzichtet aber auf chinesische Aktien. Da- durch steigt der Indien-Anteil von 16,2 auf 22,2 Prozent oder der Taiwan-Anteil von 13,5 auf 18,5 Prozent. Zugleich sinkt die Zahl der Einzelwerte von 1386 auf 665. In den vergangenen drei, fünf und zehn Jah- ren lag die Ex-China-Variante bereits vor dem klassischen Emerging-Markets-ETF. Ohne China geht es auch Spätestens seit dem Ukraine-Krieg steht für Europa fest: Der Weg ins All soll mit europäischen Unternehmen ausgebaut werden Europa im Weltall? Das waren bisher kaum mehr als hochfliegende Träume. Geht es um Raumfahrt und Satelliten, sind die USA Lichtjahre voraus. Ob Elon Musk mit SpaceX und dem Starlink-Programm oder Amazon: US-Investoren und Konzerne wollen in den nächsten Jahren Tausende erdnahe Satelliten in den Weltraum schießen, um Internet, Mobilfunk und Logistik voranzubringen und damit Milliarden zu verdie- nen. Europa sah dabei meist staunend zu – auch was Russland betraf. Doch mit dem Ukraine-Krieg haben sich die Russen als bisheriger Part- ner für Weltraumunternehmungen diskreditiert. Brüssel und große Mitgliedsstaaten wollen deshalb die Anstrengungen für ein eigenes Satellitennetz verstärken, um sich besser vor Hackerangriffen zu schüt- zen und das Internet auch in die abgelegenste Region bringen zu kön- nen. Die EU hofft so auch auf mehr Eigenständigkeit. Dafür soll die Euro- päische Weltraumbehörde ESA besser budgetiert werden. Deutschland ist als Geldgeber vorn dabei. Vier Milliarden Euro will sich Berlin den Ausflug in den Orbit in den kommenden Jahren kosten lassen – so viel wie noch nie. Neben Datensicherheit und der Erdbeobachtung im Zu- sammenhang mit dem Klimaschutz geht es dabei um die Stärkung pri- vater Raumfahrtaktivitäten (New Space). Brüssel und Berlin drängen darauf, dass im Zuge eines „Europa zuerst“-Ansatzes vor allem heimi- sche Unternehmen von den Milliarden für New Space profitieren sollen. Davon dürfte zuallererst Platzhirsch Airbus (WKN: 938 914) profitieren. Das deutsch-französische Unternehmen ist über seine Sparte Airbus Defence and Space der größte Weltraumkonzern in Europa. Dabei um- fasst de Palette sowohl zivile als auch militärische Raumfahrtsysteme. Zu den ambitionierten Kandidaten zählt aber auch das deutsche Raum- fahrt- und Technologieunternehmen OHB (593 612). Die Bremer planen zum Beispiel zusammen mit weiteren Partnern die Installation einer schwimmenden Startplattform in der Nordsee. Von dort will das Kon- sortium kleine Trägerraketen ins All schießen, die Satelliten für Europas Weltraumträume transportieren können. 2023 soll es losgehen. Die EU auf dem Weg ins All EU-Satelliten: Die Europäer nehmen jetzt viel Geld in die Hand, um ihr eigenes Raumfahrtprogramm auszubauen Indien 22,2 Taiwan 18,5 Südkorea 16,3 Brasilien 8,8 Saudi-Arabien 7,0 Andere 27,2 Stichtag: !"."#.$#$$; Quelle: MSCI Ohne China Im Lyxor-ETF liegen Titel aus Indien und Taiwan vorn Länder in % BILD: PIERRE CARRIL/ESA 3 4 RO U N DTA BLE 4 4 AK TIEN3 2 EIN LEIT U N GTitel Geldideen 2023
ANZEIGE -HW]WI±U(XURIL[H 2UGHUSURYLVLRQWUDGHQ )U1HXNXQGHQ0RQDWHRUGHUQ]XP9RUWHLOVSUHLV XQDEKlQJLJYRP9ROXPHQ =]JO$EZLFNOXQJVXQG+DQGHOVSODW]HQWJHOWVRZLHJJIIUHPGHU6SHVHQ (LQIDFKKDQGHOQ Die Verlierer eines Jahres sind nicht selten im nächsten Jahr die Sieger. Da sind Gewinne von 50 Prozent drin Zwar war das Jahr 2022 generell für Aktien nicht gerade berauschend, aber einige Bereiche hat es besonders arg getroffen – etwa Technologie, Sportartikel und Im- mobilien. Das eröffnet Anlegern Chancen, wenn sie auf Unternehmen aus diesen Branchen setzen, die ein gutes Potenzial haben. So wurde die Aktie des Sportaus- rüsters Puma neben der allgemeinen Marktschwäche zusätzlich davon belastet, dass Puma-Chef Bjørn Gulden zum Kon- kurrenten Adidas wechselt. Zudem litt die Aktie unter dem Abstieg aus dem DAX. Dabei sind die Perspektiven gut, die Pro- dukte des Unternehmens gefragt. Auch die Aktie des US-Bezahldienstleis- ters Paypal hat auf Jahressicht massiv ein- gebüßt, vor allem weil sich die Konsumen- ten wegen der trüben Wirtschaftslage mit Bestellungen im Internet zurückhalten. Paypal ist jedoch der Platzhirsch beim Bezahlen im Internet und gut positioniert, wenn die Bestellungen wieder anziehen. Die Aktie des deutschen Immobilienunter- nehmens Vonovia hat wegen der Ängste um einen rückläufigen Immobilienmarkt verloren. Dabei bleiben die Aussichten gut, weil es in Deutschland auf absehbare Zeit zu wenig Wohnraum gibt. Bereit für das Comeback Schwacher Kurs, starke Aktie Drei Unternehmen, deren Aktien im Jahr 2022 deutlich an Wert eingebüßt haben, die aber dennoch in ihren Branchen gut positioniert sind. Das bietet Perspektiven für eine Erholung im Jahr 2023 Name WKN Kurs in % !"-Wochen- Hoch in % !"-Wochen- Tief in % KGV ! $#$! KBV " Dividenden- rendite in % Börsenwert in Mrd. % Bemerkung Paypal A"& R'U '",$# "'&,() *&,)' "+,' &,$ #,# )#,( Platzhirsch beim Bezahlen im Internet Puma *(* (*# +#,&& ""#,"+ &",!" "),( $,* ",& ',+ Chef-Wechsel und DAX-Abstieg belasten, Produkte gefragt Vonovia A"M L'J $&,$* +",!# "),+( "#,& #,* *,) "(,! Deutscher Immobilienmarkt bleibt mittelfristig aussichtsreich Stichtag: #+."$.$#$$; # erwartetes Kurs-Gewinn-Verhältnis: Je niedriger der Wert, desto günstiger ist die Aktie bewertet; " Kurs-Buchwert-Verhältnis: Je niedriger der Wert, desto günstiger ist die Aktie bewertet; Quelle: Bloomberg, %uro ➝ 5 0 Z INSE N 5 8 K RY P TO5 6 GO LD 6 0 IM M O BILIE N 6 2 VO RSO RG E 6 6 S TEU E R
€URO 01|2348 Länder Der SPDR ACWI IMI ETF investiert in 47 Länder, wobei US-Titel dominieren Mit einem „MinVol“-ETF bekommen Anleger die beste Kombination aus Rendite und Risiko für 2023 Viele Anleger achten bei ihren Investments zuerst auf die Wertentwicklung. Das ist nicht verkehrt. Doch vernachlässigen sie dabei, mit welch einem Auf und Ab der Kurse sie ihre Rendite erzielt haben. Anle- ger können jedoch gezielt in ETFs inves- tieren, die das Verhältnis von Wertentwick- lung zu Kursschwankungen optimieren – beziehungsweise das Verhältnis von Ren- dite zu Risiko. Zu diesen ETFs gehört der iShares Edge MSCI EM Minimum Volatility ETF (ISIN: IE 00B 8KG V55 7), den der ETF-Marktführer iShares für laufende Kos- ten von 0,40 Prozent pro Jahr anbietet. Mit dem „MinVol“-ETF von iShares setzen Anleger auf 318 Aktien aus den Schwellen- ländern, die derzeit vor allem aus China, Taiwan, Indien sowie Saudi-Arabien stam- men. Der „MinVol“-ETF kauft dabei nicht nur die Aktien, die am wenigsten schwan- ken, sondern stellt seine 318 Titel auch so zusammen, dass das ganze Portfolio möglichst wenig schwankt. In der Praxis geht das Konzept auf. So hat sich der „MinVol“-ETF in den vergangenen fünf Jahren deutlich ruhiger entwickelt als ein klassischer ETF auf den MSCI Emerging Markets Index. Ein DAX-ETF enthält 40 Aktien, andere Aktien-ETFs investieren weltweit in Tausende Unternehmen Mit einem ETF auf den MSCI World Index können Anleger in rund 1500 Aktien aus 23 Industrieländern investieren. Im Ver- gleich zu den 40 hiesigen DAX-Titeln ist dies bereits eine sehr breite Streuung – aber noch nicht das Maximum. Dieses bie- tet der MSCI All Country World Investable Market Index – oder kurz MSCI ACWI IMI. Der MSCI-Index enthält 9235 Aktien aus 23 Industrie- und 24 Schwellenländern. Anleger können ihn mit dem SPDR MSCI ACWI IMI ETF (ISIN: IE 00B 3YL TY6 6) abbilden, der pro Jahr laufende Kosten von 0,40 Prozent erhebt. Allerdings hält der ETF von SPDR nicht 9235, sondern nur 1821 Aktien. Denn alle 9235 Aktien zu hal- ten, wäre laut SPDR aufwendig und teuer. Zudem würden die kleinsten ETF-Positio- nen womöglich nur 0,0001 Prozent vom Portfolio ausmachen und dessen Wertent- wicklung kaum beeinflussen. Allerdings stellt SPDR die 1821 ETF-Titel mit einem sogenannten Sampling so zusammen, dass sie den MSCI ACWI IMI möglichst exakt abbilden. Wer tatsächlich viele Ein- zelwerte im ETF besitzen möchte, kann zum Vanguard ESG Global All Cap ETF (IE 00B NG8 L27 8) greifen, der pro Jahr 0,24 Prozent kostet. Er bildet einen Index mit 8057 Aktien ab und hält daraus selbst 5861 Aktien – verzichtet aber auf Ölaktien wie Exxon Mobil oder Chevron. Der beste Rendite-Risiko-Mix Maximal gestreut ins Jahr 2023 Lyxor MSCI Emerging Markets ETF iShares Edge MSCI EM Minimum Volatility ETF 2018 2019 2020 2021 2022 40 30 20 10 0 -10 -20 -30 indexiert am 01.01.2018 = 0 Stichtag: !#."".$#$$; Quelle: Bloomberg Risiko Der Minimum-Volatility-ETF schwankt weniger als ein normaler ETF USA 60,7 Japan 5,8 Großbritannien 4,2 Kanada 3,2 China 2,8 Schweiz 2,6 Frankreich 2,6 Australien 2,3 Quelle: SPDR Länder in % BILD: YMGERMAN/ISTOCK 3 4 RO U N DTA BLE 4 4 AK TIEN3 2 EIN LEIT U N GTitel Geldideen 2023
€URO 01|23 49 Der CO2-Preis dürfte steigen, Anleger profitieren davon mit einem Zertifikat. Und es gibt auch clevere Aktienideen Trotz vieler Lippenbekenntnisse zur Re- duktion steigen unter dem Strich die Treib- hausgase kräftig an. Das soll sich ändern, Vorreiter ist Europa. Die EU will die Emissi- onen bis 2030 um 55 Prozent senken. Zentrales Instrument dafür ist der Handel mit CO2-Zertifikaten, die Brüssel einzelnen Sektoren zuweist und deren Anzahl be- grenzt ist. Diejenigen müssen CO2-Zertifi- kate zukaufen, die mehr ausstoßen, als ihnen vom Gesetzgeber zugebilligt wird. Aktuell sind die Energiewirtschaft, die Schwerindustrie und Teile des Verkehrs mit einbezogen. In Kürze wird eine neue EU-Klimaschutzverordnung auch Gebäu- de erfassen. Bei diesen ist jede Menge zu tun, um sie energiesparender zu machen. Das könnte den Preis für die Zertifikate Auf den steigenden CO2-Preis setzen Klimakiller: Alle reden von weniger CO2, aber weltweit steigen die Emissionen immer weiter an. Doch das soll sich ändern Ausgefiltert Vier Aktien und ein Zertifikat, die von steigenden Preisen beim CO2 profitieren Aktien Name WKN Kurs in % !"-Wochen- Hoch in % !"-Wochen- Tief in % KGV ! $#$! KBV " Dividenden- rendite in % Börsenwert in Mio. % Bemerkung Aker Carbon Capture A$Q BSN ","! !,#( ",#& negativ ',* #,# *'* Abscheideanlagen für Kohlendioxid Corticeira Amorim )'+ ")# ),)( "",&# ),*$ "&,* ",' $,! ""(# Kork als Material für Weinkorken und zum Bauen Hoffmann Green Cement A$P TXS ),(+ $*,)" *,++ negativ ",* #,# "!" Produktion von Zement mit deutlich weniger Energie Weyerhaeuser )+& !+' !#,)! &",*! $),"" $*,* $,$ $,$ $$*+# US-Holzgigant mit großen Wald,ächen Zertifikat Name WKN Kurs in % !"-Wochen- Hoch in % !"-Wochen- Tief in % Laufzeit bis Spread in % Volumen in % Währung Bemerkung SocGen CO"-Zertifikat CU! RPS '(,*+ ($,*& +!,#* open end #,#( ! Mio. Euro Bildet den Basiswert ECX EUA (CO$-Emission) ab Stichtag: #+."$.$#$$; # erwartetes Kurs-Gewinn-Verhältnis: Je niedriger der Wert, desto günstiger ist die Aktie bewertet; " Kurs-Buchwert-Verhältnis: Je niedriger der Wert, desto günstiger ist die Aktie bewertet.; Quelle: Bloomberg, %uro wieder in Richtung 100 Euro je Tonne CO2 bringen – ein Niveau, das im Zuge des Ukraine-Kriegs und der Renaissance der Kohle 2022 mehrfach erreicht wurde. Langfristig wird der Preis bei strengeren Klimaschutzauflagen wohl unausweich- lich steigen; Anleger können von dieser Entwicklung mit dem Open-End-Zertifikat von Société Générale profitieren, das dem CO2-Preis eins zu eins folgt. Saubere Aktien. Der von der EU bald er- fasste Gebäudebereich zählt zu den größ- ten Emittenten von Energie und CO2. Das betrifft insbesondere Bau und Sanierung und vor allem den Zement, dessen Pro- duktion sehr energieintensiv ist und viel CO2 ausstößt. Hoffmann Green Cement setzt dagegen auf Baustoffe, die es Ge- bäudeentwicklern erlaubt, ihre CO2-Emi- ssionen erheblich zu senken. Hoffmann hat als Alternative einen chemischen „kalten“ Aktivierungsprozess entwickelt, um die Rohstoffe zu verbinden. Außerdem bauen die Franzosen für ihren grünen Ze- ment auch auf Recyclingstoffe. Es gibt auch Unternehmen, deren Produk- te CO2 binden. Das gilt etwa für den US- Holzgiganten Weyerhäuser, der mit seinen riesigen Waldflächen große Mengen an CO2 wegsaugt. Seine Holzprodukte wer- den dann vor allem in der Bauindustrie verwendet. Aber es geht auch ein paar Nummern kleiner – mit Weinkorken. So binden die mikrogranulierten Korken des portugiesischen Korkriesen Corticeira Amorim pro Stück 3,54 Gramm CO2. Zu- dem bietet das Unternehmen Kork auch als Baumaterial und für industrielle Zwe- cke an. Aker Carbon Capture konstruiert CO2-Abscheideanlagen für verschiedene Industrien. Allerdings schreiben die Nor- weger derzeit Verluste, die Aktie eignet sich nur für risikobereite Anleger. BILD: ADYDYKA2780/STOCK.ADOBE.COM ➝ 5 0 Z INSE N 5 8 K RY P TO5 6 GO LD 6 0 IM M O BILIE N 6 2 VO RSO RG E 6 6 S TEU E R
50 €URO 01|23 W eltweit steigen die Zinsen. Die Notenbanken wollen damit die kletternden Preise in den Griff be- kommen. Höhere Zinsen gelten als die Standardtherapie gegen Inflation. Für Zinsanleger sind das eher gute Nachrichten. Wer nun etwa auf Anleihen setzt, der bekommt eine deutlich höhe- re Rendite als noch vor einem Jahr. Auch bei Tages- und Festgeldkonten heben die Anbieter die Konditionen derzeit an. Damit werden die sicheren Zinsanlagen attraktiver, weil sie bei der Rendite gegenüber riskanteren Investments wie etwa Aktien aufholen. Allerdings gilt es auch zu beachten, dass es bei Anleihen zu zwischenzeit- lichen Verlusten kommen kann, wenn die Zinsen noch weiter steigen sollten. €uro präsentiert attraktive Zinsinvest- ments #ür das Jahr 2023. ZINSIDEEN Wer Sicherheit und Rendite will, für den ist das aktuellen Umfeld genau richtig. Welche Zinsinvestments jetzt spannend für Anleger sind VON RALF FERKEN UND MATTHIAS FISCHER 3 4 RO U N DTA BLE 4 4 AK TIEN3 2 EIN LEIT U N GTitel Geldideen 2023
€URO 01|23 51 BILD: HENRY NICHOLLS/REUTERS Mit einem Renten-ETF von iShares können Anleger auf schwankungsarme Anleihen von Firmen setzen Mit einem Renten-ETF können Anleger mittlerweile sehr feingliedrig investieren. Dies zeigt zum Beispiel der iShares € Corp Bond ex-Financials 1-5yr ESG ETF (ISIN: IE 00B 4L5 ZY0 3), der pro Jahr 0,20 Prozent kostet. Mit dem Renten-ETF von iShares setzen Anleger auf 717 Anleihen, die Firmen wie Apple, BMW oder Vodafone begeben haben. Alle 717 Corporate Bonds besitzen eine gute Bonität mit Invest- ment-Grade-Status und notieren in Euro, auch wenn sie aus Großbritannien oder den USA stammen. Der „ex-Financials“- ETF verzichtet auf Anleihen von Banken und Versicherungen und hält aufgrund seines ESG-Ansatzes kaum Zinstitel von Öl- und Gasfirmen. Derzeit bieten die 717 ETF-Titel im Schnitt wieder eine attrak- tive Rendite von 3,3 Prozent, ohne dass der ETF-Kurs stark schwankt. Das hat mit den geringen Restlaufzeiten der Titel zu tun. Der „1–5yr“-ETF hält nur Anleihen, die die Unternehmen in ein bis fünf Jahren zurückzahlen müssen. Die Duration des ETFs liegt somit lediglich bei 2,8 Jahren. Das heißt: Steigen die Zinsen am Renten- markt um ein Prozent, verliert der ETF vorübergehend nur 2,8 Prozent. Das britische Pfund hat zuletzt gegenüber dem Euro abgewertet. Ist der neue Premier erfolgreich, kann sich das aber schnell ändern Der neue britische Premierminister Rishi Sunak weiß um seine Heraus- forderungen. Neben der weltweit schwierigen Wirtschaftslage hat Großbritannien zusätzlich mit den Auswirkungen des Brexit zu kämp- fen. Doch nicht wenige trauen dem früheren Finanzminister zu, zumin- dest einige der Probleme lösen zu können. Sollte Sunak erfolgreich sein, könnte es schon bald beim britischen Pfund aufwärts gehen. Mit einer auf das Pfund lautenden Anleihe profitieren Anleger, wenn das Pfund gegen den Euro aufwertet, und kassieren dazu noch regelmäßig Zinsen. Passend dafür ist etwa der bis Ende 2025 laufende Bond der KfW (WKN: A2L QL4), der aktuell eine Rendite von rund vier Prozent pro Jahr bietet. Bei der KfW (Rating: „AAA“) besteht so gut wie kein Ausfallrisiko. Wer Geld täglich verfügbar haben und auch Zinsen kassieren will, setzt auf Tagesgeld. Etwa von der Consorsbank Von der Consorsbank gibt es Tagesgeld mit attraktiven Konditionen: Der aktuelle Zins beträgt 1,65 Prozent per annum und ist für sechs Monate garantiert (Stichtag 06.12.2022). Auf dem Konto können bis zu einer Million Euro angelegt werden, die Zinsen werden vierteljährlich gutgeschrie- ben. Die Einlagen sind täglich verfügbar. Wer einen Sparplan anlegt oder Wert- papiere für mindestens 1000 Euro kauft, kann sich den Zinssatz auch für ein Jahr sichern. Die Consorsbank gehört zur fran- zösischen Großbank BNP Paribas, so sind bis zu 100 000 Euro über die französische Einlagensicherung abgesichert. Zudem ist das Institut freiwilliges Mitglied im deut- schen Einlagensicherungsfonds des Bun- desverbands deutscher Banken und si- chert darüber hinausgehende Einlagen ab. Hohe Renditen bei wenig Kursrisiko Tagesgeldzinsen fest für ein Jahr Anleihe in britischen Pfund Fokus: Premier Rishi Sunak hat die Zukunft des Landes fest im Blick Basiskonsum 25,2 Zyklischer Konsum 18,4 Kommunikation 16,0 Industrie 11,2 Technologie 8,6 Andere 20,6 Stichtag: $+."".$#$$; Quelle: iShares Ohne Finanzwerte Der Renten-ETF hält keine Banken und Versicherungen Branchen in % ➝ 5 0 Z INSE N 5 8 K RY P TO5 6 GO LD 6 0 IM M O BILIE N 6 2 VO RSO RG E 6 6 S TEU E R
€URO 01|2352 Mit Anleihen aus den Schwellenländern können Anleger wieder stolze Renditen von über sieben Prozent erzielen Anleihen aus Schwellenländern wie Chile, Indonesien oder Kasachstan sind nichts für schwache Gemüter. Dies hat ein Ren- ten-ETF wie der iShares JP Morgan $ EM Bond ETF (ISIN: IE 00B YXY YK4 0) erneut gezeigt, der seit Anfang 2022 in der Spitze um 15 Prozent verloren hat. Ohne den starken US-Dollar wären es sogar 26 Pro- zent gewesen. Aus heutiger Sicht sind Staatsanleihen aus den Emerging Markets aber wieder attraktiv. Das gilt auch für so- genannte Quasi-Staatsanleihen wie Qatar Energy oder die chinesische Sinopec, die sich mehrheitlich in Staatsbesitz befinden. So offerieren die 581 Staats- und Quasi- Staatsanleihen im iShares JP Morgan $ EM Bond ETF derzeit im Schnitt eine üppige Rendite von rund 7,5 Prozent, die sich aus den Zinskupons und den kalkulierbaren Kursgewinnen zusammensetzt. Grund: Die Kurse vieler Emerging-Markets-Anlei- hen sind in den vergangenen zwölf Mo- naten unter 100 Prozent gefallen, werden aber zum Nominalwert von 100 Prozent zurückgezahlt. Potenzielle Kursgewinne. Zudem win- ken weitere Kursgewinne, sollten die Ren- diten für Anleihen wieder fallen. Denn bie- ten neue Anleihen nur noch eine Rendite von 6,5 Prozent, kaufen Anleger zunächst die alten und höher rentierlichen Anleihen, deren Kurse dann steigen. Beim iShares JP Morgan $ EM Bond ETF heißt dies: Fallen die Anleiherenditen um einen Pro- zentpunkt, steigt der ETF-Kurs um über sieben Prozent. Dies liegt an der 7,3-jähri- gen Duration der Anleihen, die sich aus den Restlaufzeiten (12,5 Jahre) und den Zinskupons (4,6 %) der Anleihen ergibt. Anleger müssen beim iShares JP Morgan $ EM Bond ETF indes mit den Schwan- kungen des Dollar-Kurses leben, die sich positiv oder negativ auswirken können. Kalkulierbare Kursgewinne Der Genussschein von Bertelsmann bietet nach den jüngsten Kursverlusten nun eine Rendite von über fünf Prozent pro Jahr. Ende November hat Bertelsmann eine juristische Schlappe hinnehmen müssen. Der deutsche Mediengigant mit Sitz in Gütersloh wollte den US-Buchverlag Simon & Schuster kaufen, scheiterte aber damit wegen wettbewerbsrechtlicher Bedenken vor einem US-Gericht in Washington. Bertelsmann-Chef Thomas Rabe will den Plan nun nicht weiterverfolgen. Damit endet ein zweijähriges Tauziehen, denn Bertelsmann hatte be- reits im November 2020 angekündigt, den Verlag für knapp 2,2 Milliar- den Dollar (2,1 Milliarden Euro) übernehmen zu wollen. Dagegen hatte dann das US-Justizministerium eine Kartellklage erhoben, Bertelsmann ist in den USA mit seiner Verlagstochter Penguin Random House Marktführer. Operativ mag das Scheitern der Pläne schmerzlich sein, aber so spart sich der Konzern viel Geld und mindert sein finanzielles Risiko. Gut für die Genuss- scheine des Medienhauses. Genussscheine sind eine spezielle Wertpapiergattung und ähneln nach- rangigen Anleihen. Von Bertelsmann gibt es zwei Genussscheintranchen, eine aus dem Jahr 2001 (WKN: 522 994) und eine von 1992 (522 990). Allerdings weist nur der Schein aus dem Jahr 2001 eine ausreichende Liquidität auf. Bei dem anderen Papier müssen Anleger zum Teil hohe Unterschiede zwischen An- und Verkaufskurs tolerieren. Der 2001er-Schein hat einen Nominalbetrag von 10 Euro und kostet derzeit um die 28 Eu- ro. Pro Schein gibt es eine jährliche Ausschüt- tung von 1,50 Euro; damit liegt die Rendite aktuell bei 5,3 Prozent pro Jahr. Aber nur dann, wenn der Konzern einen ausreichenden Kon- zernjahresüberschuss ausweist, um alle Genussscheine zu bedienen. Reicht das Geld nicht, mindert sich die Ausschüttung pro Schein anteilig . Ein Ausgleich der verminderten Gewinnanteile in den Folgejahren gibt es nicht. Bisher ist dieses Szenario allerdings noch nicht eingetreten. Bertelsmann-Genüsse Wegweiser: Bertelsmann- Chef Thomas Rabe kann in den USA nicht zukaufen, spart sich dafür aber auch einen Milliardenbetrag BILD: JAN VOTH/BERTELSMANN 3 4 RO U N DTA BLE 4 4 AK TIEN3 2 EIN LEIT U N GTitel Geldideen 2023
€URO 01|23 53 Ob der Dollar weiter aufwerten kann, ist nicht sicher. Fest steht aber, dass es Renditen von über vier Prozent gibt Der US-Dollar konnte im Jahr 2022 gegen- über dem Euro stark aufwerten. Zwischen- zeitlich konnte der Greenback sogar die Parität nehmen, bei der dann ein Dollar mehr wert ist als ein Euro. Auch wenn sich die europäische Gemeinschaftswährung zunächst einmal von den zuletzt markier- ten Tiefs etwas erholen konnte, bleibt sie gegen den Dollar angeschlagen. Eine der Säulen für eine dauerhaft starke Währung ist eine robuste Wirtschaft – und da schei- nen die USA momentan die Nase vorn zu haben. Allerdings dürfte es den Euro stär- ken, wenn die EZB die Leitzinsen nachhal- tig kräftig anhebt. In der Summe könnten sich die beiden Effekte neutralisieren und der Euro-Dollar-Wechselkurs im Jahr 2023 nicht so schwanken wie 2022. Dollar trifft Zinsen. Aber auch wenn der Dollar nicht steigen sollte, ist er derzeit in- teressant, weil sich mit ihm attraktive Zin- sen einfahren lassen. Ein cleveres Papier ist die Anleihe des US-Mischkonzerns 3M (WKN: A2R RUK). Sie weist einen variablen Zinskupon auf, der sich aus dem Referenz- zins Libor für drei Monate plus eines Auf- schlags von 0,30 Prozentpunkten zusam- mensetzt. Aktuell liegen die Zinsen bei 4,95 Prozent. Wegen des variablen Zins- kupons verliert der Bond nicht an Wert, wenn das Zinsniveau weiter steigt. Wegen seiner kurzen Laufzeit ebenfalls ohne allzu großes Zinsrisiko ist die Dollar- Anleihe der spanischen Großbank San- tander. Sie notiert leicht unter ihrem Nenn- wert, wird aber im März 2024 zum Nenn- wert von 100 Prozent getilgt und bringt es so auf eine Rendite von knapp fünf Pro- zent – besser als jedes Festgeld. Wer sich das jetzige Zinsniveau für lange Zeit sichern will, kauft den Bond der Inter American Development Bank (IADB). Er läuft bis 2044 und bietet etwas mehr Ren- dite als eine in der Laufzeit vergleichbare US-Staatsanleihe, ist aber ebenso sicher. Die IADB ist eine multilaterale Entwick- lungsbank in Rechtsform einer Aktienge- sellschaft, sitzt in Washington und verfügt über das bestmögliche Rating überhaupt. Auf den Dollar setzen und kassieren Dollar-Schein: Der Greenback ist die Leitwährung der Welt und wird es auf ab- sehbare Zeit bleiben Dollarbonds Drei Anleihe-Ideen, mit denen Anleger vom derzeit attraktiven Zinsniveau in den USA profitieren. Alle Papiere sind für ihre Laufzeit sehr sicher, das Ausfallrisiko ist entsprechend gering Name WKN Kurs in % Kupon in % Rating S & P Laufzeit bis Rendite in % Mindest- anlage Zins- zahlung Bemerkung %M A$R RUK "##,"( &,(+# A+ "&.#$.$& &,(& $### $ vierteljährlich Floater des US-Mischkonzerns mit variablem Zinskupon IADB A"Z CLZ "#",+# &,!'+ AAA $&.#".&& &,$) "### $ halbjährlich Sichere, lang laufende Anleihe der supranationalen Bank Santander A") $MS (),$! &,### A "!.#!.$& &,(' "### $ halbjährlich Fast wie Dollar-Festgeld, nur mit mehr Rendite Stichtag: $)."".$#$$; Quelle: Bloomberg, Börse Stuttgart, %uro BILD: SAVUSHKIN/ISTOCK ➝ 5 0 Z INSE N 5 8 K RY P TO5 6 GO LD 6 0 IM M O BILIE N 6 2 VO RSO RG E 6 6 S TEU E R
€URO 01|2356 Sicherer Hafen Gold !ür Krisen- zeiten? Auf den ersten Blick kam das 2022 nicht hin. Denn trotz Ukraine-Krieg und sonstiger glo- baler Spannungen !iel der Goldpreis im Jahr 2022 deutlich (wenn sich auch das Minus !ür Anleger aus dem Euroraum in Grenzen hielt: Gold wird in US"Dollar ge- handelt, und der wertete gleichzeitig ge- genüber dem Euro auf). Die Verluste beim Gold sind vor allem den steigenden Zinsen und dem starken Dollar geschuldet — klassisches Gift !ür Gold. Denn beide Faktoren haben dazu ge!ührt, dass sich Finanzinvestoren vom Edelmetall trennten. Und keine anderen Marktteilnehmer prägen den Goldpreis stärker als die Pro!is, die über Rohstoff- fonds in Gold investieren. Grund war zum einen, dass ihnen Pa- piere wie Anleihen nach Jahren der Zins- losigkeit wieder höhere Renditen bieten konnten als Rohstoffe. Zum anderen notiert Gold in Dollar und verteuert sich somit mit steigender US"Währung gegen- über anderen Währungen. Ein sinken- der Goldpreis gleicht das aus. Privatanleger denken allerdings beim Gold anders als Finanzpro!is. Speziell in Indien und China nutzten sie die günsti- geren Preise und griffen bei Preziosen wie Goldschmuck zu. Das glänzende Me- tall eignet sich zudem als Statussymbol !ür die wachsende Zahl derer, die Luxus- güter gern zur Schau stellen. Zudem blieben Barren und Münzen bei vielen Konsumenten gefragt. Auch die deutlich uneitleren Zentral- banken waren 2022 scharf auf Gold. So kauften sie unterm Strich so viel wie noch nie. Angesichts ihrer durch jahre- lange Niedrigzinsen aufgeblähten Bi- lanzen macht das auch Sinn. Zumal die Preiskorrektur 2022 eine Chance dar- stellt. Denn die Notenbanken werden im Jahr 2023 nicht mehr so eifrig an der Zinsschraube drehen, und auch der Dol- lar dürfte nicht immer weiter aufwerten. GOLDIDEENGold glänzt immer – auch in Krisenzeiten – und eignet sich darum für 2023 zur Absicherung. Aber auch ein paar andere Ideen rund um das Edelmetall versprechen Gewinne VON OLIVER RISTAU BILD: STUDIO LX/STONE RF/GETTY IMAGES 3 4 RO U N DTA BLE 4 4 AK TIEN3 2 EIN LEIT U N GTitel Geldideen 2023
€URO 01|23 57 ➝ BILD: GRASSETTO/ISTOCK, ELECTRA KAY-SMITH - STOCK.ADOBE.COM Wer über ein Wertpapier in Gold investieren will, hat einige Optionen. Eine davon ist Xetra-Gold Wer sich gegen Krisen mit Gold absichern will, hat verschiedene Optionen. Neben dem Kauf von Barren und Münzen gibt es Rohstofffonds, die mit physischem Gold unterlegt sind (ETCs). Das heißt, dass der Emittent der Wertpapiere bei Kauf und Verkauf stets Edelmetall anschafft oder abgibt. So wie bei Xetra-Gold (A0S 9GB), das börsentäglich zu handeln ist. Das Gold wird in Frankfurt hinterlegt, und Anleger können sich „ihren“ Anteil unter Aufpreis sogar liefern lassen. Für turbulente Zeiten wichtig: das Emittentenrisiko. Sollte der Emittent des Xetra-Golds, ein Joint Ven- ture der Deutschen Börse und verschie- dener Geschäftsbanken, insolvent gehen, wäre auch das Goldinvestment bedroht. „Investoren von Xetra-Gold erwerben kein wirtschaftliches Eigentum, sondern die in den Schuldverschreibungen verbrieften Ansprüche. Hinsichtlich des für die Emit- tentin verwahrten Golds in physischer Steigt der Goldpreis, freuen sich die Minenbetreiber. Die Branche litt zuletzt unter hohen Energiepreisen, die Aktien sind günstig Neben dem Goldpreis ist für Minenbetreiber auch der Ölpreis wichtig, weil der Abbau des Edelmetalls viel Energie frisst. Dass die hohen Ener- giepreise 2023 zurückkommen könnten, ist für die Branche positiv. Ebenso wie für die Aktie von Barrick Gold (WKN: 870 450), einem der weltgrößten Goldgräber. Spannend: Barrick fördert auch das für die Energiewende wichtige Kupfer zutage. Der in Kanada ansässige Minen- wert unterhält weltweit ergiebige Abbaustätten mit Förderkosten beim Gold von nicht höher als 1150 Dollar je Unze. Das liegt deutlich unter dem aktuellen Preis und sorgt für hohen Cashzufluss. Barrick Gold hat noch nie so viel an seine Aktionäre über Dividenden und Aktienrückkäu- fe ausgeschüttet wie 2022. Das könnte 2023 fortgesetzt werden. Der kleine Bruder von Gold ist Silber. Der Preis schwankt kräftig, bietet aber 2023 auch reichlich Potenzial Im Jahr 2022 zeigte sich Silber von seiner unsteten Seite. Zwar war die Silbernach- frage so hoch wie noch nie. Industrie und Juweliere verarbeiteten Rekordmengen. Zugleich erreichte das Angebotsdefizit ei- nen Höchstwert. Dennoch gab der Preis nach, weil sich Investoren aus Silberfonds verabschiedeten. Doch mit nachlassen- dem Inflations- und Zinsdruck könnten die Abflüsse 2023 nachlassen. Außerdem könnte eine besser verlaufende Konjunk- tur als erwartet die Industrienachfrage steigen lassen. Besonders charmant sind die Chancen, die sich Silber als Schritt- macher moderner Technologien bieten. Das Edelmetall ist gefragt in allen Pro- zessen, in denen Energie fließt – etwa in Platinen, Mikrochips, aber auch in der Solarindustrie. Das könnte preissteigernd wirken. Für Anleger bietet sich ein physisch unterlegter ETC an (etwa: Wisdom Tree Physical Silver, WKN: A0N 62F). Goldenes Wertpapier Silber – kleiner Bruder von Gold Dividendenförderung Goldbarren: Kaum etwas symbolisiert mehr Sicherheit als reines Gold Goldmine: Der Abbau des Edelmetalls ist energieintensiv Form bzw. der der Emittentin zustehenden Buchgoldansprüche erwerben Investoren weder ein Eigentumsrecht/wirtschaftli- ches Eigentum noch ein Sicherungsrecht“, so der Anbieter auf seiner Website. 5 0 Z INSE N 5 8 K RY P TO5 6 GO LD 6 0 IM M O BILIE N 6 2 VO RSO RG E 6 6 S TEU E R
€URO 01|2358 KRYPTO IDEEN Das Jahr 2022 war !ür Krypto- währungen rabenschwarz. Gleich zwei heftige Pleiten er- schütterten das Vertrauen der Anleger bis tief ins Mark. Zuerst im Früh- jahr der Kollaps des Terra-Labs-Univer- sums, was den totalen Wertverlust der eigentlich als stabil gedachten und an den Dollar gekoppelten Währung Terra USD sowie der Währung Terra LUNA zur Folge hatte. Und dann vor wenigen Wochen die Insolvenz der bedeutenden Handelsplattform FTX. Das alles hat da!ür gesorgt, dass es querbeet in der Branche zum Teil horrende Verluste ge- hagelt hat. Nun schauen alle mit bangem Blick auf 2023. Allerdings haben sich jetzt auch viele Investoren aus dem Markt ver- abschiedet — da kann es schnell zu einer rasanten Gegenbewegung kommen. Eine Spekulation auf eine solche Kehrt- wende bei den Kryptos eignet sich aber nur !ür sehr risikofreudige Anleger. Für die Kryptowährungen hätte es kaum schlechter laufen können als im Jahr 2022. In der Vergangenheit gab es dann aber immer eine plötzliche Kehrtwende VON MATTHIAS FISCHER 3 4 RO U N DTA BLE 4 4 AK TIEN3 2 EIN LEIT U N GTitel Geldideen 2023
€URO 01|23 59 BILD: KESU01/ISTOCK, SKODONNELL/ISTOCK ➝ Der Bitcoin hat seit seiner Entstehung Höhen und Tiefen durchlaufen. Wie er sich entwickeln wird, ist ungewiss Der Bitcoin ist in der Welt der digitalen Währungen das Maß aller Dinge. Er gibt den Takt vor: Fällt er, dann zieht er in der Regel auch die meisten anderen Krypto- währungen nach unten – und umgekehrt. Deswegen gilt: Wer in den Kryptomarkt investieren will, kommt am Bitcoin eigent- lich nicht vorbei. Stellt sich nun die Frage, ob sich das im Jahr 2023 lohnt. 2022 war ein katastro- phales Jahr für den digitalen Leitwolf: Von Kursen über 60 000 Dollar ging es auf deutlich unter 20 000 Dollar. Seriöse Prognosen, wohin die Reise gehen könnte, gibt es nicht. Die einen sehen im Bitcoin sowieso nur ein wertloses Nichts, das frü- her oder später verschwinden wird. Die an- deren wiederum halten ihn für die künftige Weltwährung und prognostizieren ihm eine fantastische Zukunft mit Werten von über einer Million US-Dollar pro Bitcoin. In der Vergangenheit zumindest war es so, dass auf einen sogenannten Kryptowinter mit massiven Kursverlusten wie derzeit wieder ein schneller Aufstieg folgte. In den Bitcoin kann man leicht über Wertpapiere investieren, etwa über den Vaneck Bitcoin ETN (WKN: A28 M8D). Kryptowährungen gibt es unglaublich viele, aber nur wenige davon sind wirklich wichtig. Vor allem Ethereum könnte 2023 zünden Digitale Währungen gibt es wie Sand am Meer, aber nur wenige errei- chen ökonomische Relevanz. Weil sie stark schwanken, ändert sich die Rangfolge der wichtigsten Währungen (gemessen am Börsenwert) immer wieder. Aber unangefochten die Nummer 2 nach dem Bitcoin ist Ethereum. Ether hat vor wenigen Wochen erfolgreich ein wichtiges Up- date ausgeführt: Ether-Tansaktionen sind nun viel schneller und günsti- ger. Das hat dem Kurs gutgetan, Ether lief zuletzt besser als der Bitcoin. In Ethereum kann man leicht via Wertpapier investieren (etwa 21Shares Ether ETP, WKN: A2T 68Z). Für ein breites Investment in die Währungen eignet sich das Zertifikat auf den neuen BO-Index (siehe Seite 100). Die Aktie von Coinbase hat massiv an Wert verloren. Dreht 2023 der Krypto- wind, dürfte die Aktie explodieren Als Coinbase Mitte April 2021 an die Börse ging, war die Kryptowelt noch in Ordnung. So konnte der Betreiber von Krypto-Han- delsplattformen eine Bewertung von rund 100 Milliarden US-Dollar erzielen. Davon ist nicht mehr viel übrig: Aktuell bringt es das Unternehmen mit Sitz in San Fran- cisco noch auf einen Börsenwert von 7,5 Milliarden US-Dollar. Coinbase leidet, wenn es bei den digitalen Währungen abwärtsgeht, denn dann bricht das Inter- esse der Investoren ein und in der Folge sinken auch die Umsätze auf der Handels- plattform. Die US-Starinvestorin Cathie Wood ist allerdings ziemlich von der Aktie überzeugt. Sie war Investorin der ersten Stunde und hat während des Kursverfalls unbeirrt immer wieder nachgekauft. Wenn sich Bitcoin und Co erholen sollten, könnte sich die Aktie (WKN: A2Q P7J) schnell verdoppeln. Digitaler Leitwolf In Lauerstellung Auf die Großen kommt es an Schöner Schein: Der Bitcoin wird gern wie eine Gold- münze dargestellt, dabei gibt es ihn nur digital Rangliste Vor allem der Bitcoin und Ethereum dominieren beim Börsenwert die Kryptowelt derzeit Name Kurs in € Börsenwert in Mrd. € Bemerkung Bitcoin "# "$$,#% !"#,$ Krypto-Leitwährung Ethereum " "&$,#' "%&,' Eignet sich für Smart Contracts Tether %,&( &',' Stable Coin an Dollar gebunden BNB )'$,)* %!,( Coin der Kryptobörse Binance USD Coin %,&( %",# Stable Coin an Dollar gebunden Stichtag: %#.").)%)); Quelle: Coinmarketcap (Umrechnung der dort aufgeführten Kurse und Börsen- werte in US-Dollar auf Euro) 5 0 Z INSE N 5 8 K RY P TO5 6 GO LD 6 0 IM M O BILIE N 6 2 VO RSO RG E 6 6 S TEU E R
€URO 01|2360 Am Immobilienmarkt mehren sich die Anzeichen !ür eine Trendwende. Die Preise !ür Wohnimmobilien könnten bald auf breiter Front sinken. Der Ver- band deutscher Pfandbriefbanken hat ermittelt, dass sie im dritten Quartal im Vergleich zum Vorquartal bereits um 0,7 Prozent leicht gesunken sind. Das er- scheint relativ wenig, war aber der erste Preisrückgang seit zwölf Jahren. Ein weiterer Indikator !ür diesen Trend ist die derzeitige große Kluft zwi- schen gezahlten Kaufpreisen und Mie- ten. Nach einer neuen Studie des Deut- schen Instituts !ür Wirtschaftsforschung (DIW) sind die Preise !ür Eigenheime und Eigentumswohnungen in 97 unter- suchten Städte im vergangenen Jahr um durchschnittlich elf Prozent gestiegen, während sich die gezahlten Mieten par- allel nur um vier Prozent erhöhten. Dennoch dürfte der Immobilien- markt in Deutschland vergleichsweise stabil bleiben. Der anhaltend hohen Nachfrage vor allem in Metropolen steht ein weiter geringes Angebot gegenüber. In Großstädten wie Berlin, Düsseldorf und Köln ist die Zahl der fertiggestellten Wohnungen zuletzt gesunken. Das geho- bene und das Luxussegment ist zudem weniger abhängig von der Höhe der Bau- zinsen, da oft Eigenkapital genutzt wird. IMMOIDEENDie Preise für Eigentumswohnungen und Häuser könnten 2023 sinken. Aber nicht überall und in jedem Segment. Was bei Immobilienanlagen jetzt wichtig wird VON STEFAN RULLKÖTTER 3 4 RO U N DTA BLE 4 4 AK TIEN3 2 EIN LEIT U N GTitel Geldideen 2023
€URO 01|23 61 BILD: KITSANA PANKHUANOI/ISTOCK, HANS BLOSSEY/IMAGO Die Abgabefrist wurde verlängert und läuft noch bis zum 31. Januar 2023 Damit Finanzämter die Grundsteuer neu berechnen können, müssen rund 36 Mil- lionen Grundstücke in Deutschland neu bewertet werden. Die Frist zur Abgabe der Grundsteuererklärung wurde um drei Mo- nate bis zum 31. Januar 2023 verlängert. Die komplizierte und von vielen Seiten kri- tisierte Prozedur der Datenabgabe wol- len Musterkläger wie der Bund der Steuer- zahler abändern oder stoppen. Wer bereits abgegeben, einen Grundsteu- erwertbescheid erhalten und dabei Fehler entdeckt hat, kann innerhalb der einmo- natigen Frist Einspruch einlegen. Erfolgt dieser Rechtsbehelf nur vorsorglich, muss er zunächst nicht begründet werden. Grundsteuer- erklärung Ab 2023 sollen die steuerlich relevanten Grundstückswerte den realen Marktpreisen entsprechen. Das hat Folgen für Immobilien- erbschaften und Schenkungen Der Gesetzgeber möchte die Bewertungsverfahren für bebaute Grund- stücke an die geänderte „Immobilienwertermittlungsverordnung“ an- passen. Damit sollen die steuerlich relevanten Grundstückswerte ab dem kommenden Jahr möglichst den tatsächlichen, am Markt gehan- delten Verkehrswerten entsprechen. Von der steuerlichen Neueinord- nung wären potenziell zwei Drittel aller Immobilien hierzulande betrof- fen, die dadurch in den Augen des Fiskus durchschnittlich um 20 bis 30 Prozent steigen könnten. Dadurch soll primär erreicht werden, dass die gesetzlichen Bewertungsverfahren auch bei der Festsetzung von Erbschaft- und Schenkungsteuer Anwendung finden. Vor allem in Metropolregionen könnten dadurch die fiskalisch relevan- ten Grundbesitzwerte steigen. Nach derzeitigem Stand werden die Erb- schaft- und Schenkungsteuerfreibeträge für Begünstigte nicht parallel erhöht. Ob deshalb Immobilienübertragungen auf die nächste Genera- tion, vor allem bei Unternehmensnachfolgen, noch eilig vor dem Jahres- ende vollzogen werden sollten, ist im Einzelfall sorgfältig abzuwägen. Bewertung von Grundstücken Wohnimmobilien: Das Jahr 2023 bringt für Hauseigentümer und Mieter vor allem steuerliche Änderungen mit sich Ab 2023 gibt es neue steuerliche Anrei- ze für den Neubau von Mietwohnungen Für neu fertiggestellte Wohngebäude er- höht sich der lineare Abschreibungssatz von zwei auf drei Prozent. Damit würden künftig alle Gebäude grundsätzlich über einen Zeitraum von 33 Jahren abgeschrie- ben, obwohl sie regelmäßig mehr als 50 Jahre genutzt werden. Für Sonderabschreibung auf Wohnungen, die im Zeitraum von 2022 bis 2026 fertig- gestellt werden, gelten künftig bestimmte Effizienzvorgaben nach dem Kriterium „Effizienzgebäude – Stufe 40“. Zudem werden hier die einzuhaltende Baukosten- obergrenze und die maximal förderfähige Bemessungsgrundlage verändert. Höhere Abschreibungen 5 0 Z INSE N 5 8 K RY P TO5 6 GO LD 6 0 IM M O BILIE N 6 2 VO RSO RG E 6 6 S TEU E R ➝
Die Sparerpauschale steigt, das Kindergeld sicher, die Rente wohl auch. Bauen und Woh- nen wird 2023 ebenso weiter begünstigt wie der schonende Umgang mit Energie. Auch beim Bürgergeld scheint der Durchbruch geschafft. Zumindest im Kleinen gibt es viele gute Nachrichten. Auch wenn beispiels- weise die Förderung von E!Autos hinter der aus 2022 zurückbleibt. Gleichzeitig müssen wir mehr Geld "ür die Kranken- versicherung ausgeben und länger "ür Entgeltpunkte arbeiten, deren Anzahl die Höhe unserer Altersrente bestimmt. Und der gesetzliche Garantiezins bleibt auch 2023 bei 0,25 Prozent. Wer wirklich effektiv "ürs Alter vor- sorgen will, der kommt weiterhin um die Börse nicht herum. VORSORGE IDEEN Rente, Krankenkasse, Kindergeld: Was sich nächstes Jahr ändert und wie Sie dabei größere Spielräume für private Rücklagen gewinnen VON SABINE HILDEBRANDT-WOECKEL 3 4 RO U N DTA BLE 4 4 AK TIEN3 2 EIN LEIT U N GTitel Geldideen 2023
€URO 01|23 63 BILD: PAUL BRADBURY/OJO IMAGES RF/GETTY IMAGES, SQUAREDPIXELS/ISTOCK, PATTADIS WALARPUT/ISTOCK Krankenversicherungen werden teurer. Wer in die Private wechseln will, muss zudem mehr verdienen. Dafür entfällt der Corona-Zuschlag Auf gesetzlich Versicherte kommt eine Erhöhung des Zusatzbeitrags zu. Der vom Bundesgesundheitsministerium festgelegte Richtwert beträgt im Jahr 2023 1,6 Prozent, also 0,3 Prozent mehr. Ein Anstieg, den viele sicherlich im Geld- beutel spüren werden. Gleichzeitig ver- meldet aber der Branchenverband der Privaten Krankenversicherung, dass auch dort die Beiträge aufgrund gestiegener Kosten um durchschnittlich 3,7 Prozent in die Höhe klettern werden. Unser Tipp: Gesetzliche Kassen müssen den Zusatzbeitrag nicht erhöhen – und einige tun dies auch nicht. Und in der pri- vaten Krankenversicherung (PKV) sind ebenfalls nicht alle Tarife betroffen. Kommt aber eine Erhöhung, entsteht in beiden Systemen ein Sonderkündigungs- Für Kinder und junge Erwachsene gibt es 2023 mehr finanziellen Spielraum. Dafür sorgt auch das neue Bürgergeld Finanzexperten sagen, dass Kids und Teens schon frühzeitig über ange- messen viel Geld verfügen sollten, damit sie lernen vorzusorgen. Da trifft es sich gut, dass es 2023 gleich mehrere Ansätze gibt, die das unter- stützen. Erstens steht die größte Kindergelderhöhung der Geschichte an, sprich: Für die ersten drei Kinder gibt es ab Januar je 250 Euro pro Monat. Da bleibt dann leichter ein Sümmchen übrig für ein Juniordepot. Zweitens ermöglicht das neue Bürgergeld Schülern, Auszubildenden und Studierenden, ihr Einkommen aus Minijobs, also bis zu 520 Euro monatlich, in voller Höhe zu behalten. Auch Einkommen aus Ferienjobs werden nach den aktuellen Plänen nicht beim Bürgergeld berücksich- tigt – sogar in voller Höhe. Mehr finanzieller Spielraum! Wer Rücklagen fürs Alter gebildet hat und arbeitslos wird, darf künftig außerdem bis zu 40 000 Euro behalten – und für jedes weitere Haushaltsmitglied kom- men noch einmal 15 000 Euro Schonvermögen hinzu. Höhere Beiträge in die Kassen Futter für das Sparschwein Mein Freund, die Geldsau: Das erhöhte Kindergeld kön- nen Eltern in ein Junior-Aktiendepot für ihre Kids stecken Kostbare Gesundheit: Wer im Krankenhaus geheilt wird, kann sich freuen. Aller- dings steigen 2023 die Beiträge zur Krankenversiche- rung, ob privat oder gesetzlich recht. Durch einen Wechsel lässt sich auch im neuen Jahr deutlich sparen. In der PKV entfällt zudem zum Januar der zeitlich befristete Zuschlag zur Finanzie- rung der coronabedingten Mehrkosten. Für Beihilfeberechtigte wie etwa Beamte betrug er 7,30 Euro im Monat und 3,40 Eu- ro für alle anderen, die einen Beitrag in die Pflegepflichtversicherung bezahlen. Der Wechsel ins private System wird wei- ter erschwert. Die Jahresarbeitsentgelt- grenze (JAEG) steigt auf 66 600 Euro (2022: 64 350 Euro). Die Beitragsbemes- sungsgrenze, die bestimmt, bis zu welcher Höhe das Einkommen für Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung heran- gezogen wird, steigt auf 59 850 Euro (2022: 58 050 Euro). ➝ 5 0 Z INSE N 5 8 K RY P TO5 6 GO LD 6 0 IM M O BILIE N 6 2 VO RSO RG E 6 6 S TEU E R
€URO 01|2364 Die Gaspreisbremse ist in aller Munde. Sie ist aber nicht die einzige Maßnahme in Sachen Energie und Mobilität, die 2023 sparen hilft und Ressourcen für die Vorsorge freisetzt Der ermäßigte Umsatzsteuersatz für Gaslieferungen über das Erdgas- netz sowie auf Nah- und Fernwärme bleibt bis März 2024 bei sieben Prozent. Eine Erleichterung ergibt sich bei der CO!-Steuer: Um die Emissionen zu begrenzen, sollte sich die CO!-Bepreisung laut ursprüng- lichem Plan jährlich erhöhen. Für 2023 wurde dies ausgesetzt. Außerdem gibt es ab 2023 wieder mehr Geld für Photovoltaik-Anlagen. So wird die Einspeisung besser vergütet, und Solarmodule müssen nicht mehr auf dem Hausdach befestigt sein, um gefördert zu werden. Anlagen, die zur Eigenversorgung genutzt werden, erhalten im Schnitt 7,8 Cent pro Kilowattstunde, wer voll einspeist, bekommt im Durch- schnitt sogar 12,3 Cent. Zudem gibt es – zumindest für 2023 – keine Abzüge mehr, wenn sich der Anlagenbau verzögert. Tipp: Planen Sie Ihre Anlage rechtzeitig. Aufgrund der großen Nachfra- ge ist es derzeit schwierig, entsprechende PV-Fachleute zu bekommen. Die KfW-Bank unterstützt den Kauf mit zinsgünstigen Darlehen. Reisen mit Strom. Für die Anschaffung von reinen E-Autos gibt es weiterhin Förderungen, die allerdings geringer ausfallen als bisher. Fahrzeuge bis zum Nettopreis von 40 000 Euro bezuschusst der Staat nur noch mit 4500 Euro, bei Preisen bis 65 000 Euro gibt es 3000 Euro. Die Förderung für Plug-in-Hybride entfällt komplett. Viel Geld kann auch sparen, wer häufiger auf das Auto verzichtet und das neue Deutschlandticket nutzt, das bundesweit in allen Bussen und Bahnen gilt. Es ist für 49 Euro monatlich zwar nur im Abo erhältlich, aber auch monatlich kündbar. Ob es tatsächlich bereits zum 1. Januar in Kraft tritt oder erst zum 1. März, ist noch offen. Trotzdem kann es bei vielen Verkehrsverbünden bereits geordert werden. Rund ums Bauen und Wohnen gibt es staatliche Unterstützung. Allerdings läuft das Baukindergeld im März aus Eigentlich sollte die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) im Neubau Ende 2022 enden. Aber für das Effizienzhaus 40 NH wird es wohl eine Verlängerung geben. Der Neustart der BEG-Förderung erfolgt erst zum 1. März. Unser Tipp: Die Bundesländer vergeben weiterhin Fördermittel und günstige Kredite. Einen Überblick finden Sie auf foerderdatenbank.de Ebenfalls Aufschub gibt es für das Baukin- dergeld. Familien, die zwischen dem 1.1.2018 und dem 31.3.2021 ihren Kaufver- trag unterzeichnet haben oder denen in diesem Zeitraum die Baugenehmigung er- teilt wurde, können zumeist noch bis Ende 2023 pro Kind 12 000 Euro Baukindergeld beantragen. Ab April 2023 sollen vor allem Familien mit kleinem Einkommen von zins- günstigen KfW-Krediten profitieren. Als Einkommensgrenze für eine Familie mit ei- nem Kind sind 60 000 Euro im Gespräch. Hilfe für Mieter. Auch wer kein Eigentum und wenig Einkommen hat, kann 2023 mit Unterstützung rechnen. Das Wohngeld steigt erheblich, und zwar auf 370 Euro monatlich. Das sind dann 190 Euro mehr. Unser Tipp: Auf den Seiten des Bundes- ministeriums für Wohnen, Stadtentwick- lung und Bauwesen gibt es einen Wohn- geldrechner (bmwsb.bund.de). Elektrisch sparen Zuschüsse für Eigenheimer E-Förderung: Zwar sinkt 2023 der Kaufzuschuss vom Staat. Aber für kleine Elektroautos gibt es 4500 Euro dazu, für dickere Brummer nur 3000 Euro BILD: MASKOT/GETTY IMAGES, TOM MERTON/OJO IMAGES RF/ISTOCK 3 4 RO U N DTA BLE 4 4 AK TIEN3 2 EIN LEIT U N GTitel Geldideen 2023
Zwar steigen die Bezüge deutscher Ruheständler auch 2023. Die geplante Aktienrente bleibt aber stecken Die gesetzliche Altersrente soll weiter stei- gen, wenn auch nicht so stark wie 2022. Die konkrete Rentenanhebung wird vor- aussichtlich im März vorliegen. Gleich- zeitig steigen aber auch das sogenannte Durchschnittsentgelt und die Beitrags- bemessungsgrenze (BBG). Letztere klettert 2023 nach einer corona- bedingten Senkung in den alten Bundes- ländern auf monatlich 7300 Euro (87 600 Euro im Jahr), Beschäftigte im Osten Deutschlands müssen bis zu einem Betrag von 7100 Euro (85 200 Euro im Jahr) Bei- träge in die Rentenversicherung abführen. Erst darüber wird das Einkommen bei- tragsfrei. Das Durchschnittsentgelt sagt aus, wie viel Geld alle Rentenversicherten in Deutschland im Schnitt verdienen, und spiegelt gleichzeitig den Verdienst wider, den Arbeitnehmer erreichen müssen, um einen Entgeltpunkt für die Berechnung ihrer Rente zu erhalten. Dieser Betrag wird 2023 von bisher 38 901 auf 43 142 Euro angehoben, was in der Konsequenz be- deutet, dass Arbeitnehmer bei gleichblei- bendem Gehalt weniger Rentenpunkte bekommen. Betriebliche Altersvorsorge. Hier wirkt die steigende Beitragsbemessungsgrenze positiv. Arbeitnehmer können bundesweit bis zu 8,0 Prozent der BBG (West) steuer- frei und 4,0 Prozent sozialabgabenfrei in eine Direktversicherung, Pensionskasse oder einen Pensionsfonds einzahlen. Zudem steigt 2023 der steuerfreie Anteil um 20 Euro auf 584 Euro im Monat und der maximale sozialabgabenfreie Anteil durch Entgeltumwandlung um 10 auf 292 Euro. Der steuer- und sozialabgabenfreie Förderbetrag lässt sich noch erweitern, wenn der Arbeitgeber ergänzend eine Un- terstützungskasse oder Direktzusage anbietet, beide sind unbegrenzt steuerfrei. Auch für Bezieher von Betriebsrenten gibt es einen kleinen Vorteil: So erhöht sich der Freibetrag, bis zu dessen Grenze die Krankenkassenbeiträge auf Leistungen der betrieblichen Altersvorsoge entfallen. 2023 beträgt er 169,75 Euro. Pflichtver- sicherte Rentner zahlen nur Beiträge auf Leistungen, die diesen Freibetrag über- schreiten. Für freiwillig Versicherte gilt das aber nicht. Wenig Erfreuliches gibt es dagegen zur sogenannten Aktienrente. Denn anders als ursprünglich geplant gehen die Umset- zungspläne ab 2023 inzwischen von einer Aktienrücklage aus. Sprich: Es springt dabei nicht mehr Rente für den Einzelnen heraus. Stattdessen soll der Beitragssatz stabilisiert werden. Wer also vom Aktien- markt profitieren will, muss weiterhin selbst tätig werden. Die Rente ist sicher … zu wenig Ruhestand am Strand: Wie entspannt die Deut- schen im Alter tanzen, hängt weiterhin stark an ihrer privaten Vorsorge ➝ 5 0 Z INSE N 5 8 K RY P TO5 6 GO LD 6 0 IM M O BILIE N 6 2 VO RSO RG E 6 6 S TEU E R
€URO 01|2366 Bürger und Unternehmen im neuen Jahr vor steigender Steu- erlast infolge der dauerhaft ho- hen Inflation bewahren — unter diesem Leitmotiv hat der Gesetzgeber eine Vielzahl von Steueränderungen "ür 2023 auf den Weg gebracht. Den Schluss- punkt da"ür bildete die Verabschiedung des Jahressteuergesetzes im Bundesrat am 16. Dezember 2022. Steuerzahler sollen durch diese Maß- nahmen um insgesamt 45,1 Milliarden Euro entlastet werden. Wichtige Punkte sind Änderungen bei der Einkommen- steuer, um die sogenannte kalte Progres- sion auszugleichen. Diese kann infolge von Preiserhöhungen dazu "ühren, dass Berufstätige trotz Lohnerhöhungen we- niger netto vom Brutto haben, weil sie in einen höheren Steuertarif rutschen. Aber auch Steuererleichterungen "ür das Arbeiten von zu Hause, bei Photovol- taikanlagen und "ür Eltern mit Kindern sollen "ür mehr Geld in den Taschen von breiten Bevölkerungsschichten sorgen. Hier die Details zu den Neuregelungen: STEUER IDEENAnleger, Berufstätige, Familien und Ruheständler müssen sich 2023 auf Steueränderungen einstellen. Bereits beschlossene und geplante Neuregelungen im Überblick VON STEFAN RULLKÖTTER 3 4 RO U N DTA BLE 4 4 AK TIEN3 2 EIN LEIT U N GTitel Geldideen 2023
€URO 01|23 67 BILD: CERBER82/ISTOCK, ELENATHEWISE/ISTOCK Die Absetzbarkeit für ein häusliches Arbeitszimmer und Homeoffice wird im neue Jahr vereinfacht und erleichtert Aufwendungen für ein Arbeitszimmer, das den Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit bildet, sollen ab 2023 auch dann abziehbar sein, wenn ein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Wahlweise sind pauschal 1260 Euro für das Gesamtjahr absetzbar. Damit soll sichergestellt werden, dass Steuerpflichtige nicht schlechtergestellt werden als solche Berufstätige , die steu- errechtlich nur ein Heimbüro nutzen, für das auch eine Arbeitsecke in der Wohnung ausreicht. Die Homeoffice-Pauschale wird entfristet und von fünf auf sechs Euro pro Tag angehoben. Sie kann 2023 für bis zu 210 Tage in Anspruch genommen werden. Arbeiten von zu Hause Der Ausbau erneuerbarer Energien wird stärker gefördert. Für kleinere PV-Anlagen und Stromspeicher soll rückwirkend ab 2022 die Umsatzsteuerpflicht entfallen. Folgende Details sind wichtig: Betrieb. Einnahmen aus dem Betrieb von Photovoltaikanlagen an Ein- familienhäusern und Gewerbeimmobilien mit einer Gesamtleistung von bis zu 30 kW werden rückwirkend ab 2022 umsatzsteuerfrei gestellt. Die Steuerbefreiung gilt unabhängig davon, wie der Anlagenbetreiber den erzeugten Strom verwendet. Er muss somit die Einnahmen aus PV-Anlagen nicht in der Steuererklärung angeben, etwa wenn mit dem Strom private oder betriebliche E-Autos fahren, er den Strom an Mieter verkauft oder der Strom dem Eigenverbrauch dient. Die Steuerbefrei- ung ist jedoch auf maximal 100 kW (peak) pro Unternehmen begrenzt. Installation. Anlagenbetreiber müssen zudem beachten, dass für die Anwendung des Nullsteuersatzes das Lieferdatum 2023 entscheidend ist. Die Fertigstellung der PV-Anlage muss dafür zwingend im Lauf des neuen Jahres erfolgen. Deshalb sollten Unternehmen exakt prüfen, wel- che Art von Leistung oder Lieferung vertraglich geschuldet ist und für wann die Ausführung geplant ist. Privatpersonen, die Installationen von PV-Anlagen planen, können sich für die bürokratiearme Kleinunterneh- merregelung entscheiden, ohne auf den Anschaffungspreis zusätzliche Abgaben zu zahlen und eine ständige Umsatzsteueranmeldung vor- nehmen zu müssen. Photovoltaik-(PV-)Anlagen Energiequelle auf dem Hausdach: Wer bei Installation und Betrieb die neuen Spielregeln beachtet, wird von der Umsatzsteuer befreit Die Steuerfreibeträge für Eltern von Auszubildenden und Alleinerziehende werden im neuen Jahr erhöht Aufwendungen, die Eltern ihren Kindern zukommen lassen, sind in der Regel nicht steuerlich absetzbar, steigen aber parallel zu den Inflationsraten. Aus diesem Grund wird auch der Entlastungsbetrag für Allein- erziehende im neuen Jahr um 252 Euro angehoben. Im Jahr 2022 betrug dieser bei einem Kind 4008 Euro, für jeden weite- ren Sprössling kommen 240 Euro dazu. Auch der Ausbildungsfreibetrag für voll- jährige Kinder, die sich in Berufsausbil- dung befinden und auswärts unterge- bracht sind, steigt von derzeit 924 Euro auf 1200 Euro im Kalenderjahr 2023. Alleinerziehende & Auszubildende ➝ 5 0 Z INSE N 5 8 K RY P TO5 6 GO LD 6 0 IM M O BILIE N 6 2 VO RSO RG E 6 6 S TEU E R
DIE BESTE FONDWas Ihr Geld beeinflusst: Ob Politik, Zentral- banken, Klimawandel oder Abgasskandale. Ein guter Fondsmanager weiß damit umzugehen und sie für sich und seine Anleger zu nutzen
N S €URO 02|20 39 38 EINLEITUNG Wie Anleger mithilfe der €uro-FundAwards die besten Fonds und ETFs finden können 42 DEUTSCHLAND/EUROPA Welche Fonds und ETFs in der heimischen Region am meisten überzeugt haben 48 DIVIDENDEN Weshalb Dividenden bei Anlegern so beliebt sind und mit welchen Fonds und ETFs sie gut fahren 44 USA/GLOBAL Warum es sich weiterhin lohnt, in US-Aktienfonds zu investieren 50 BRANCHEN Warum Trends und Themen langfristig lohnen und welche die attraktivsten Investments sind 46 CHINA/SCHWELLENLÄNDER Wieso die Zukunft in China und den Schwellen- ländern spielt und wie Anleger davon profitieren 52 MISCHFONDS Wer mit einem Fonds die Aktien- und Rentenmärkte abdecken möchte, greift zu Mischfonds 54 RENTENFONDS Wo Anleger trotz niedriger Zinsen noch attraktive Renditen erwirtschaften können 56 20-JAHRES-BILANZ Welche Themen die Börse seit dem Jahr 2000 bewegt haben und was die nächste Dekade bringt 58 KAUFTIPPS In wenigen Schritten zu einem günstigen Depot mit günstigen Produkten 62 STEUERN Aus Sicht des Fiskus ist Fonds gleich Fonds. Dennoch gibt es Fallstricke für Anleger Titel Die besten Fonds Die €uro-Redaktion zeichnet mit den €uro-FundAwards erneut die besten Fonds und ETFs der vergangenen Jahre aus. Wer die begehrten Preise gewonnen hat und worauf Anleger achten sollten VON JÖRG BILLINA, RALF FERKEN, STEPHAN HABERER, JULIA PFANNER UND STEFAN RULLKÖTTER BILD: RUSSIAN LOOK/DPA PICTURE-ALLIANCE, MIKHAIL MISHCHENKO/ISTOCK, LOUIS VUITTON, AVALON_STUDIO/ISTOCK, YVES HERMAN/REUTERS, JUERGEN TAP/PORSCHE AG, LEONELLO/ISTOCK, SAXLERB/ISTOCK, ADIDAS
€URO 02|2042 BILD: STEFAN ROUSSEAU/POOL/REUTERS, LOUIS VUITTON E U R O P A In Deutschland und Europa ist die Lage paradox. Zwar legten die Indi- zes !ür deutsche und europäische Aktien im Jahr 2019 deutlich zu. Dennoch be!ürchten viele Anleger, dass dieser Aufschwung bald endet. Denn die deutsche Autobranche steht vor einem Umbruch, Großbritannien muss den Austritt aus der Europäischen Union ver- kraften, und in Frankreich streiken die Gewerkschaften gegen die geplante Rentenreform von Präsident Emmanuel Macron. Zudem glauben viele Anleger, dass China und die USA den Alten Konti- nent künftig abhängen werden. Doch ist die Lage wirklich so trist? Wohl nicht ganz. So kann der deutsche Softwarekonzern SAP beispielsweise mit seinen US"Konkurrenten mithalten. Im DWS Aktien Strategie Deutschland ge- wichtet Manager Hansjörg Pack SAP- Aktien daher mit zehn Prozent. Das gilt genauso !ür Christian von Engelbrech- ten, der den Fidelity Germany managt. Auf Titel, die sie nicht mögen, können beide Manager verzichten. So hält von Engelbrechten etwa keine Anteile an BMW, Daimler und VW. Auch Pack sieht die deutsche Autobranche kritisch, weil sie in den nächsten Jahren hohe Investi- tionen stemmen muss. Er folgt hier dem sportlichen Motto, dass der Sturm die Spiele gewinnt, die Abwehr aber die Meisterschaften. „Die großen Un!älle muss man im Fondsmanagement genau- so vermeiden“, sagt er. Europäischer Luxus. Auch europaweit gibt es etliche Aktienperlen. So steigen die Aktien des französischen Luxuskon- zerns LVMH immer weiter an. Mit Mar- ken wie Christian Dior, Louis Vuitton, Moët & Chandon und Tiffany erobern die Franzosen die Weltmärkte. Luxus kann niemand so gut wie die Europäer, wovon etwa der Blackrock Continental Euro- pean Flexible Fund pro!itiert. Die Aktien Besser als ihr Ruf Etliche Anleger bewerten Deutschland und Europa sehr kritisch. Einige Fonds- manager wissen, dass die Region ein guter Platz für talentierte Anleger ist Brexit: Boris Johnson führt Großbritannien aus der EU 4 2 D EU TSCH L AN D/EU RO PA 5 2 M ISCH FO N DS 4 4 USA /G LO BA L 5 4 RENTE N FO N DS 3 8 EIN LEIT U N G Titel Die besten Fonds DEUTSC
€URO 02|20 43 BILD: STEFAN BONESS/VISUM, JUERGEN TAP/PORSCHE AG des spanischen Blutplasmaherstellers Grifols wiederum steigen ebenfalls ra- sant und gehören beispielsweise zum Portfolio des Fidelity European Dynamic Growth. Grifols steht stellvertretend !ür viele kleinere europäische Firmen, die ihren Markt von unten aufrollen und die die Manager von Nebenwertefonds als Erste entdecken — in der Hoffnung, dass sie zu einem Bluechip aufsteigen. In den kommenden Jahren sollten An- leger im Auge behalten, ob sogenannte Quality-Growth-Aktien weiterhin so gut laufen werden. Also Aktien, die stark und pro!itabel wachsen, gering verschul- det, bisweilen aber schon hoch bewertet sind. Die FundAward-Gewinner !ür deut- sche und europäische Aktien setzen fast durchgehend auf solche Titel. Käme es zu einem Trendwechsel, etwa hin zu kaum verschuldeten Aktien, könnten sie ins Hintertreffen geraten. Bis dato ist ein solcher Trendwechsel aber nicht absehbar. ➝ Die besten Fonds für deutsche und europäische Aktien Aktiv gemanagte Fonds liegen in Deutschland und Europa vorn. Nur wenige ETFs konnten einen FundAward gewinnen. Herausragend war hier der Deka Stoxx Europe Strong Growth 20 ETF Name ISIN Wertentwicklung 1 in % FundAwards Bemerkung 1 Jahr 3 Jahre 5 Jahre 10 Jahre 20 Jahre Aktienfonds Deutschland DWS Aktien Strategie Deutschland 2 DE0009769869 31,9 24,6 62,2 238,6 384,7 1, 5, 10 und 20 Jahre Wachstumsorientiert, bis zu 40 % Fidelity Germany 3 LU0048580004 31,1 31,0 52,7 171,5 145,7 3, 5 und 10 Jahre Fokus auf Quality-Growth-Aktien Aktienfonds Deutschland/Nebenwerte Alpha Star Aktien 2 LU1070113235 39,2 49,0 99,9 – – 1 und 5 Jahre Wachstumstitel, die günstig bewertet sind DWS German Small/Mid Cap 3 DE0005152409 35,6 44,3 89,6 300,0 – 1, 5 und 10 Jahre Wachstumstitel, die günstig bewertet sind iShares TecDAX ETF 2 DE0005933972 22,4 64,1 115,5 257,2 – 3 und 5 Jahre Vier DAX-Werte und 26 Nebenwerte Aktienfonds Europa BGF Continental European Flexible Fund 2 LU0224105477 35,7 39,0 63,4 206,1 – 1, 3, 5 und 10 Jahre Europäische Aktien ohne Großbritannien Comgest Growth Europe Opportunities 2 IE00B4ZJ4188 29,9 46,8 85,0 251,7 – 5 und 10 Jahre Fokus auf Quality-Growth-Aktien Deka Stoxx Europe Strong Growth 20 ETF 3 DE000ETFL037 47,0 70,7 94,2 236,0 – 1, 3, 5 und 10 Jahre Europa-ETF mit 20 stark wachsenden Titeln Fidelity European Dynamic Growth 3 LU0119124781 39,7 52,9 88,6 230,6 – 3, 5 und 10 Jahre Fokus auf profitable und wachsende Aktien Prévoir Gestion Actions 2 FR0007035159 35,8 37,5 62,8 189,3 227,2 1, 3, 5, 10 und 20 J. Large und Mid Caps aus der Eurozone Aktienfonds Europa/Nebenwerte Comgest Growth Europe Smaller Companies 2 IE0004766014 38,3 64,7 106,6 316,7 – 3 und 5 Jahre Fokus auf Quality-Growth-Aktien Threadneedle Pan European Smaller Comp. 2 LU0282719219 37,0 48,2 88,4 329,8 – 10 Jahre Wachsende Unternehmen mit Marktmacht Stichtag: 31.12.2019; 1 auf Eurobasis; 2 thesaurierend; 3 ausschüttend; Quelle: Anbieter, vwd Vereinigte Wirtschaftsdienste Marktcheck Chancen Deutsche und euro- päische Unternehmen gelten als wenig innovativ und profitabel. Viele beweisen aber das Gegenteil. Risiken Deutschland und Europa sind besser als ihr Ruf. Solange finanzkräftige US-Investoren dies jedoch nicht glauben, könnte das die Aktienmärkte ausbremsen. 4 6 CH IN A /SCHWE LLE N L Ä N D E R 5 6 2 0 -JA H RE S - BIL A NZ 4 8 D IVID E N D E N 5 8 K AU F TIPPS 5 0 BR A N CH E N 6 2 S TEU ERN HLAND
€URO 02|2044 BILD: ERIC BARADAT/AFP/GETTY IMAGES [M], LEONELLO/ISTOCK Wählen die US"Bürger Do- nald Trump am 3. Novem- ber erneut zu ihrem Prä- sidenten? Zieht sein neu- er Wahlspruch „Keep America Great“ die Wähler genauso in den Bann wie sein bisheriges „Make America Great Again“- Mantra? Wohl keine andere politische Frage dürfte die Menschen in diesem Jahr stärker bewegen. Auch die Börsia- ner schauen gebannt auf den 3. Novem- ber. Für sie war Trump bislang ein guter Präsident. Zwar verhängte er trotzig neue Zölle, die das globale Wachstum bremsten. Gleichzeitig senkte er die US"Steuern und hob etliche Regulierun- gen auf, was die US"Wirtschaft anfachte. Für viele Anleger ist es dennoch egal, wer am 20. Januar 2021 ins Weiße Haus Schweizer Konzerne Nestlé und Roche können sich in diese Riege einreihen. Außerdem noch die Technologiewerte Samsung Electronics und Taiwan Semi- conductor aus Südkorea und Taiwan. Der saudische Ölkonzern Saudi Aramco ist an der Börse zwar noch mehr wert als Apple oder Microsoft, allerdings können Anleger bislang nur 1,5 Prozent der Ak- tien handeln. Wer auf US"Aktien setzte, fuhr in den vergangenen zehn Jahren gut. Am bes- ten wäre !ür Anleger ein ETF auf den Nas- daq-100"Index gewesen. Denn der tech- nologielastige US"Index hängte alle an- deren US"Indizes ab. Alphabet, Amazon, Apple, Facebook und Microsoft, die rund 43 Prozent vom Index ausmachen, zogen ihn nach oben. Noch mal Trump? Die besten Fonds für amerikanische und globale Aktien setzen auf die Technologieführer aus den USA. Ob Donald Trump wiedergewählt wird, ist da zweitrangig GL BAL U S Aeinziehen wird. Für sie zählen andere Faktoren. Etwa die Umsätze und Gewin- ne, die Amerikas Tech-Riesen Alphabet, Amazon, Apple, Facebook und Microsoft künftig einfahren werden. Auch viele Fondsmanager denken so. Aus guten Gründen. So sind Amazon-Aktien seit Beginn der Trump-Ära beispielsweise deutlich gestiegen, auch wenn Amazon- Chef Jeff Bezos und Donald Trump im Clinch liegen. Leitbörse. Ohnehin bleibt die New Yor- ker Wall Street unangefochten die welt- weite Leitbörse. Allein 24 der 30 weltweit größten Börsenkonzerne im MSCI All Country World Index (ACWI) stammen aus den USA. Nur die chinesischen Inter- netriesen Alibaba und Tencent sowie die Ganz vorn: Jeff Bezos hat mit Amazon einen Giganten geschaffen 4 2 D EU TSCH L AN D/EU RO PA 5 2 M ISCH FO N DS 4 4 USA /G LO BA L 5 4 RENTE N FO N DS 3 8 EIN LEIT U N G Titel Die besten Fonds
€URO 02|20 45 Nur wenige Fonds konnten sich gegen die Nasdaq-Übermacht behaupten. Zu ihnen zählt der MFS US Concentrated Growth Fund. Dort setzen die Manager auf 30 bis 40 Qualitätsaktien, die nicht zu hoch bewertet sind. Zu ihren Favo- riten zählen einige Technologiewerte, aber auch der Konsumgüterhersteller Colgate-Palmolive, die Ratingagentur Moody’s oder die Eisenbahngesellschaft Union Paci!ic Railroad. Mit ausgewählten Fonds !ür US"Ne- benwerte konnten Anleger in den ver- gangenen zehn Jahren ebenfalls hohe Zuwächse erzielen, ohne jedoch an die Nasdaq-Erfolge anknüpfen zu können. Globale Sicht. Globale Aktienfonds pro!itierten ebenfalls vom zehnjährigen Siegeszug der US"Aktien, da sie diese häu!ig mit 50 bis 60 Prozent gewichten. Hier ragt besonders der Morgan Stanley Global Opportunity Fund heraus, den Kristian Heugh von Hongkong aus ma- nagt. Heugh mag günstig bewerte Unter- nehmen, die eine hohe Qualität aufwei- sen. Eigenschaften, die auch der legen- däre US"Investor Warren Buffett beach- tet. Heugh mischt zudem Titel aus den Schwellenländern bei. Etwa den priva- ten chinesischen Bildungsanbieter Tal Education oder die indische HDFC Bank. Sehr erfolgreich war zuletzt auch der Seilern World Growth Fund. Das in Lon- don ansässige Seilern-Team investiert in lediglich 25 Quality-Growth-Aktien, die ihre Umsätze und Gewinne auch in Kri- senzeiten halten können. Zu ihren Favo- riten zählen unter anderem Alphabet, Coloplast, Mastercard und Nike. Der Threadneedle Global Extented Alpha Fund reüssierte wiederum mit einer 130/30"Strategie. Das bedeutet: Die beiden Fondsmanager Neil Robson und Ashish Kochar können ihr Portfolio mit Derivaten „hebeln“ und so bis zu 130 Pro- zent auf steigende Kurse sowie bis zu 30 Prozent auf fallende Kurse setzen. In der Theorie überzeugt dieses Konzept. Aber nur wenige Fondsmanager setzen es so erfolgreich in die Praxis um. Zu den Stammgästen unter den Fund- Awards-Gewinnern gehört mittlerweile der Siemens Global Growth. Der Sie- mens-Fonds investiert in innovative Un- ternehmen, deren Umsätze und Gewin- ne dynamisch wachsen. Seine Titel stam- men aus dem deutschen TecDAX, dem japanischen TSE Mothers Index sowie dem US-amerikanischen Nasdaq-100- Index Auf diese Weise hält der Siemens- Fonds US"Mega-Caps wie Amazon und Apple sowie deutsche und japanische Nebenwerte wie Bechtle und Itochu Techno-Solutions. Der Monega Innova- tion investiert dagegen überwiegend in Nebenwerte wie Lennox, Sanken oder Soitec, deren Patente eine hohe Qualität aufweisen. ➝ Die besten Fonds für US-Titel und globale Aktien Mit US-amerikanischen Technologiewerten, auf die die erfolgreichsten globalen Fonds ebenfalls gesetzt haben, konnten Anleger in den vergangenen Jahren abräumen Name ISIN Wertentwicklung 1 in % FundAwards Bemerkung 1 Jahr 3 Jahre 5 Jahre 10 Jahre 20 Jahre Aktienfonds USA Amundi NASDAQ 100 ETF 2 LU1681038243 41,4 72,3 127,7 – – 3 Jahre 100 Tech-Werte, synthetische Indexabbildung iShares NASDAQ-100 ETF 3 DE000A0F5UF5 42,4 70,2 125,0 525,3 – 1 und 10 Jahre 100 Tech-Werte, physische Indexabbildung MFS US Concentrated Growth Fund 2 LU0094555157 43,2 66,7 96,0 304,9 78,3 1 Jahr 27 Quality-Growth-Aktien Aktienfonds USA/Nebenwerte JPMorgan US Small Cap Growth Fund 3 LU0053671581 39,2 65,0 92,4 340,9 127,4 1, 3, 5 und 10 Jahre Wachstumslastige Qualitätsnebenwerte T. Rowe Price US Smaller Companies Equities 2 LU0133096635 39,7 40,9 80,9 378,0 – 1, 5 und 10 Jahre Fokus auf Industrie-, IT- und Finanzwerte UBS EF Mid Caps USA 2 LU0049842262 42,7 52,7 87,9 272,2 354,5 1, 3, 5 und 20 Jahre 20 bis 40 Marktführer Aktienfonds global Morgan Stanley Global Opportunity Fund 2 LU0552385295 37,9 73,9 136,1 – – 1, 3 und 5 Jahre 39 Einzelwerte, darunter 29 % IT-Aktien Seilern World Growth 2 IE00B2NXKV01 37,3 61,7 – – – 3 Jahre 25 Einzelwerte, die stabil und stark wachsen Threadneedle Global Extended Alpha Fund 2 LU1864956328 42,2 46,8 76,1 268,6 – 1 und 10 Jahre Mit 130/30-Ansatz, kann auch short gehen Aktienfonds global Nebenwerte Monega Innovation 3 DE0005321020 33,1 28,5 63,5 145,1 – 1, 3 und 5 Jahre Setzt auf Firmen mit hoher Patentqualität Siemens Global Growth 2 DE0009772657 31,2 40,6 89,9 277,8 – 1, 3, 5 und 10 Jahre Kauft Wachstumswerte aus Dtl., Japan & USA Stichtag: 31.12.2019; 1 auf Eurobasis; 2 thesaurierend; 3 ausschüttend; Quelle: Anbieter, vwd Vereinigte Wirtschaftsdienste Marktcheck Chancen Mit einem globalen Fonds investieren Anleger in die weltweiten Marktführer, darunter auch in die US-amerikanischen Tech-Giganten. Risiken Die meisten US-Aktien sind nicht mehr günstig bewertet. Bricht ihr langjähriger Aufwärtstrend, könnte dies global aufgestellte Fonds belasten. 4 6 CH IN A /SCHWE LLE N L Ä N D E R 5 6 2 0 -JA H RE S - BIL A NZ 4 8 D IVID E N D E N 5 8 K AU F TIPPS 5 0 BR A N CH E N 6 2 S TEU ERN
€URO 02|2046 BILD: BERND BIEDER/IMAGEBROKER/DDP, HUAWEI, RUSSIAN LOOK/DPA PICTURE-ALLIANCE dige strukturelle Reformen an, was ho- he Wachstumsraten zur Folge hat. Auch Indien wächst stark. Die Investmentbank Goldman Sachs traut dem Land im Jahr 2020 ein BIP"Plus von 6,4 Prozent zu. Die wirtschaftliche Dynamik sorgt in den Schwellenländern zudem !ür steigende Einkommen. So werden in drei Jahren schon 550 Millionen Chinesen einer kaufkräftigen und konsumfreudigen Mittelschicht angehören, schätzt die Unternehmensberatung McKinsey. Das entspricht dem 1,5"Fachen der gesamten US"Bevölkerung. Zudem gewinnen die Unternehmen aus den Schwellenländern nicht nur zu Hause, sondern auch weltweit Marktan- teile. Das gilt !ür Samsung Electronics aus Südkorea, aber ebenso !ür den nicht börsennotierten Konzern Huawei. Das chinesische Unternehmen ist binnen weniger Jahre zum Technologietreiber beim 5G"Mobilnetz geworden und strebt Platz 1 in der Rangliste der weltweiten Smartphone-Verkäufer an. Angst überwinden. Privatanleger, die bei der Titelauswahl oder Ländergewich- tung unsicher sind, können die Kompe- tenzen erfolgreicher Fondsmanager nut- Dynamik im Depot Die Börsen der Schwellenländer holen auf, bleiben jedoch anfällig für Korrekturen. Die besten Fondsmanager können diese Risiken beherrschen SCHWELLEC H I N A W irtschaft und Börse laufen nicht immer im Gleich- klang. Das zeigt sich bei Schwellenländern wie China oder Indien. Einerseits tragen die Schwellenländer inzwischen insgesamt 60 Prozent zum weltweiten Bruttoin- landsprodukt (BIP) bei. Im weltweiten MSCI All Countries World Index (ACWI) liegt ihr Anteil dennoch nur bei elf Pro- zent. Auch viele Anleger gewichten Ak- tien aus den sogenannten Emerging Markets nur selten entsprechend ihrer wirtschaftlichen Bedeutung. Die geringe Gewichtung und Absti- nenz der Anleger haben ihre Gründe: Meist schwanken die Börsenkurse in den Emerging Markets stärker als in den In- dustriestaaten. Besonders der russische und der türkische Aktienmarkt sind hochvolatil. Zudem sind diese Märkte an!älliger !ür politische Krisen. Beispiel Chile: Dort verlor die Börse allein im ver- gangenen November 14 Prozent, weil die Bürger massiv gegen den marktliberalen Kurs der Regierung protestieren. Andererseits bergen die Schwellen- länder erhebliche Chancen, weil sie stark aufholen. So packen die Regierungen Brasiliens und Indonesiens etwa notwen- 4 2 D EU TSCH L AN D/EU RO PA 5 2 M ISCH FO N DS 4 4 USA /G LO BA L 5 4 RENTE N FO N DS 3 8 EIN LEIT U N G Titel Die besten Fonds
€URO 02|20 47 zen. Leon Eidelman und Austin Forey sind !ür den über sieben Milliarden Euro schweren JP Morgan Emerging Markets Equity Fund verantwortlich, bei dem sie breit gestreut in rund 60 bis 70 Einzel- werte investieren. 38 Prozent des Port- folios haben sie in chinesische Titel wie Alibaba oder Tencent angelegt. Auf indi- sche Werte wie die HDFC Bank entfallen rund 19 Prozent. Aktien aus Brasilien gewichten sie mit 5,4 Prozent, russische Titel mit drei Prozent. Beim UBS China Opportunity inves- tiert Manager Bin Shi dagegen aus- schließlich in chinesische Aktien, die in Hongkong oder an den Börsen in Shang- hai oder Shenzen gelistet sind. Beim UBS Greater China hält er zudem Aktien aus Taiwan. Auch Shi gewichtet Alibaba und Tencent sehr hoch. Min Lan Tan, Chief Investment Of!icer bei UBS Global Wealth Management im asiatisch-pazi!i- schen Raum, ist !ür das laufende Jahr weiterhin optimistisch. Kursgewinne er- wartet die Anlageche!in in China insbe- sondere bei Technologie- und Konsum- werten. Luiz Ribeiro wiederum steuert seit November 2012 den DWS Latin America Equities. Derzeit favorisiert er Aktien aus Brasilien, die er mit 68 Prozent gewich- tet. Auf Mexiko entfallen etwa sieben Prozent, kleinere Positionen hält er zudem in Kolumbien, Peru, Chile und Argentinien. Mit insgesamt 40 Aktien ist sein Portfolio sehr konzentriert. Die aufstrebenden Märkte in Ost- und Südosteuropa haben Rollo Roscow und Mohsin Memon im Visier, die den Schro- der Emerging Europe managen. Sie pro- ➝ Die besten Schwellenländerfonds Die Fondsmanager investieren in die aussichtsreichsten Unternehmen der gesamten Anlageklasse oder konzentrieren sich auf die Titel eines Landes oder einer Region Name ISIN Wertentwicklung 1 in % FundAwards Bemerkung 1 Jahr 3 Jahre 5 Jahre 10 Jahre 20 Jahre Aktienfonds Schwellenländer JP Morgan Emerging Markets Equity Fund 2 LU0053685615 33,1 44,9 58,5 96,5 322,5 1 und 20 Jahre Breit in den Schwellenländern investiert Vontobel Emerging Markets Equity 3 LU0040507039 19,9 24,4 29,6 124,3 330,2 10 und 20 Jahre 19 Prozent Indien, 16 Prozent China Aktienfonds China und Indien UBS China Opportunity 3 LU0067412154 44,8 80,6 135,4 235,6 238,0 1, 3, 5 und 10 Jahre Abdeckung aller chinesischer Aktientypen UBS Greater China 3 LU0072913022 44,5 76,5 128,8 206,9 411,1 3, 5 und 10 Jahre China plus Hongkong und Taiwan Schroder Indian Opportunities 3 LU0959626531 13,3 41,3 46,9 – – 1, 3 und 5 Jahre Fokus auf indische Finanz- und Konsumwerte Aktienfonds Lateinamerika und Osteuropa DWS Latin American Equities 3 LU0813337184 37,1 61,3 67,1 – – 1, 3 und 5 Jahre Hoher Brasilien-Anteil Schroder Emerging Europe 3 LU0106817157 36,7 42,8 96,1 109,9 – 1, 3, 5 und 10 Jahre Russland hoch gewichtet Stichtag: 31.12.2019; 1 auf Eurobasis; 2 ausschüttend; 3 thesaurierend; Quelle: Anbieter, vwd Vereinigte Wirtschaftsdienste Marktcheck Chancen Für die Schwellenländer sprechen das Wachstum, markt- wirtschaftliche Reformen, niedrige Schulden, steigende Einkommen sowie starke Unternehmen. Risiken Gegen die Schwellenlän- der sprechen Korruption, volatile Börsen, Leistungsbilanzdefizite und die mitunter hohe Abhängig- keit von den Rohstoffpreisen LÄNDER !itierten im vergangenen Jahr insbeson- dere von den starken Kurszuwächsen der russischen und der griechischen Börse, die jeweils um rund 50 Prozent zulegten. Trotz der Rally sind viele Titel, die sie ausgewählt haben, aber immer noch günstig bewertet. Staatschefs (v. l.): Xi Jinping (China), Wladimir Putin (Russland), Jair Bolsonaro (Brasilien), Narendra Modi (Indien), Cyril Ramaphosa (Südafrika) 4 6 CH IN A /SCHWE LLE N L Ä N D E R 5 6 2 0 -JA H RE S - BIL A NZ 4 8 D IVID E N D E N 5 8 K AU F TIPPS 5 0 BR A N CH E N 6 2 S TEU ERN
€URO 02|2048 BILD: USCHI DODEL/FINANZENVERLAG 13 Prozent pro Jahr gesteigert, und wir gehen !ür die Zukunft von einem hohen einstelligen Wachstum aus.“ Anders gesagt: Skibeli und Witherow halten vorrangig Titel, die im Schnitt eine höhere Dividendenrendite aufwei- sen als ihr Vergleichsindex, der MSCI All Country World Index (ACWI). So liegt ihre Rendite etwa bei 3,2 Prozent, die des Index bei 2,6 Prozent. Die beiden Mana- ger achten aber vor allem darauf, dass ihre Titel die Dividende im Lauf der Zeit stetig erhöhen können. Denn gerade mit solchen Aktien könnten Anleger auf lan- ge Sicht hohe Gesamterträge aus Kurs- gewinnen und Dividenden erzielen, so das Kalkül dahinter. Weltweiter Fokus. Auch der Fidelity Global Dividend Fund war zuletzt recht erfolgreich. Manager Daniel Roberts setzt dort ebenfalls gern auf nachhaltige Dividendenzahler, die ihre Ausschüt- tung im Lauf der Zeit erhöhen können. „Zudem achten wir auf eine vernünftige Bewertung der Aktien“, sagt er. Nick Clay investiert beim BNY Mellon Global Equi- ty Income Fund wiederum am liebsten in erprobte Dividendenaktien, die ihr Kapital diszipliniert und ef!izient einset- zen beziehungsweise nicht sinnlos !ür Immer wieder Geld Regelmäßig gezahlte Dividenden beruhigen die Nerven vieler Anleger. €uro erklärt, welche Dividendenfonds und -ETFs besonders erfolgreich sind K ein Zweifel. Wer in Aktien in- vestiert, möchte hierzulande nicht auf seine Dividende ver- zichten. So ist Deutschlands populärster Aktienfonds beispielsweise ein Dividendenfonds, der 20 Milliarden Euro schwere DWS Top Dividende. Auch der vergleichbare Deka-DividendenStra- tegie ist stattliche acht Milliarden Euro groß. Beide Fonds investieren weltweit in Aktien, die verlässlich einen Teil ihrer Gewinne an die Aktionäre ausschütten. Ihre Manager agieren allerdings ver- gleichsweise vorsichtig und spielen ihre Stärken in schwierigen Börsenphasen aus. Im Börsenboom der vergangenen Jahre schnitten andere globale Dividen- denfonds besser ab. Dies gilt etwa !ür den JP Morgan Glo- bal Dividend Fund, den Helge Skibeli und Sam Witherow managen. „Wir kon- zentrieren uns auf Unternehmen, die ih- re Dividenden über einen Marktzyklus hinweg und vorzugsweise jedes Jahr nachhaltig steigern können“, erläutert Skibeli, der von New York aus überdies als Global Chief Investment Of!icer von JP Morgan Asset Management arbeitet. „Das durchschnittliche Unternehmen in unserem Portfolio hat seine Dividende in den letzten !ünf Jahren um beachtliche Aktienrückkäufe oder Übernahmen verpulvern. Eine Eigenschaft, die man Dividendenaktien eher zuschreibt als anderen. Auch in den Schwellenländern kön- nen Anleger gezielt in Dividendentitel in- vestieren. Möglich ist dies etwa mit dem Pictet Emerging Markets High Dividend, der eine stolze Dividendenrendite von fast sechs Prozent aufweist. Allerdings müssten Anleger da!ür nicht auf Wachs- tum verzichten, betont Pictet-Fonds- manager Mark Boulton. Denn mit dem High-Dividend-Fonds würden Anleger stärker in innovative Finanz- und Tech- nologiewerte investieren und nicht so sehr in schwächer wachsende Konsum- und Versorgertitel. Europäische Besonderheiten. In Eu- ropa seien die Aktienmärkte dagegen noch stärker auf traditionell dividen- denstarke Sektoren ausgerichtet, stellt Helge Skibeli von JP Morgan Asset Ma- nagement fest. Die besten Dividendenstrategien be- stätigen diesen Eindruck. Beim iShares Stoxx Europe Select Dividend 30 ETF !ür europäische Aktien entfallen etwa 23 Prozent auf Versorger. Zudem zählen Banken und Versicherungen mit je rund 4 2 D EU TSCH L AN D/EU RO PA 5 2 M ISCH FO N DS 4 4 USA /G LO BA L 5 4 RENTE N FO N DS 3 8 EIN LEIT U N G Titel Die besten Fonds
€URO 02|20 49 18 Prozent zu den größten Branchen. Bei Aktien aus der Eurozone ist dies ähnlich. Beim Amundi MSCI EMU High Dividend ETF dominieren Finanzwerte und Ver- sorger zusammen mit 47 Prozent, beim SPDR S & P Euro Dividend Aristocrats ETF machen beide Sektoren rund ein Drittel des Portfolios aus. Noch etwas !ällt bei den Dividen- denstrategien in Europa und der Euro- zone auf: Nicht Fonds, sondern ETFs wa- ren dort besonders erfolgreich. Denn die entsprechenden Fonds schnitten hier nicht so gut ab. Vergleichbare Ergebnis- se zugunsten der ETFs zeigen sich auch in den USA. Zinseszinseffekt. Anleger sollten bei den jeweiligen Fonds und ETFs zudem darauf achten, ob sie die Dividenden aus- schütten oder reinvestieren. Im ersten Fall bekommen sie das Geld direkt aus- gezahlt, im zweiten Fall können sie lang- fristig von einem Zinseszinseffekt pro!i- tieren. Einige Onlinebanken legen die ausgeschütteten Beträge auf Wunsch aber auch direkt wieder in die Fonds oder den ETF an. Die besten Dividendenstrategien In der Eurozone, Europa und den USA schneiden ETFs am besten ab, auf globaler Ebene und bei Schwellenländern liegen aktiv gemanagte Fonds vorn Name ISIN Wertentwicklung 1 in % FundAwards Bemerkung 1 Jahr 3 Jahre 5 Jahre 10 Jahre 20 Jahre Aktienfonds Eurozone Amundi MSCI EMU High Dividend ETF 2 FR0010717090 23,8 28,4 52,5 96,0 – 1, 3, 5 und 10 Jahre 24 % Deutschland, 25 % Versorger SPDR S & P Euro Dividend Aristocrats ETF 3 IE00B5M1WJ87 22,1 24,5 52,4 – – 3 und 5 Jahre 31 % Deutschland, 21 % Industrie Aktienfonds Europa iShares Stoxx Europe Select Dividend 30 ETF 3 DE0002635299 27,2 27,2 46,7 106,3 – 1, 3, 5 und 10 Jahre 25 % Großbritannien, 40 % Finanzwerte Aktienfonds USA iShares MSCI USA Quality Dividend ETF 3 IE00BKM4H312 24,2 31,0 73,5 – – 3 und 5 Jahre 19 % Gesundheit, 17 % Konsumgüter M & G North American Dividend 2 LU1670627923 31,7 39,0 74,5 255,7 – 1, 3 und 5 Jahre 22 % IT, 18 % Finanzwerte SPDR S & P US Dividend Aristocrats ETF 2 IE00B6YX5D40 25,6 28,9 75,1 – – 3 und 5 Jahre 19 % Industrie, 15 % Finanzwerte Aktienfonds global BNY Mellon Global Equity Income Fund 2 IE00B3SXRS86 27,1 27,4 61,0 – 5 Jahre 45 % USA, 25 % Konsumgüter Fidelity Global Dividend Fund 2 LU0772969993 26,4 28,1 51,5 – 3 Jahre 28 % USA, 20 % Finanzwerte JP Morgan Global Dividend Fund 2 LU0329201957 29,2 28,7 53,4 151,6 1, 3 und 5 Jahre 54 % USA, 10 % Industrie Aktienfonds Schwellenländer Pictet Emerging Markets High Dividend 2 LU0725970791 31,7 30,8 36,7 – – 1, 3 und 5 Jahre 22 % China, 31 % Finanzwerte Stichtag: 31.12.2019; 1 auf Eurobasis; 2 thesaurierend; 3 ausschüttend; Quelle: Anbieter, vwd Vereinigte Wirtschaftsdienste Marktcheck Chancen Nur profitable Unter- nehmen mit einem dauerhaften Geschäftsmodell können regel- mäßig eine Dividende zahlen oder diese fortlaufend erhöhen. Das macht große Enttäuschungen unwahrscheinlicher. Risiken Die Dividenden notieren heute zwar deutlich höher als die Zinsen. Aber auch Dividenden- aktien können bei einer Baisse stark einbüßen. Daher sollten An- leger hier langfristig investieren. 4 6 CH IN A /SCHWE LLE N L Ä N D E R 5 6 2 0 -JA H RE S - BIL A NZ 4 8 D IVID E N D E N 5 8 K AU F TIPPS 5 0 BR A N CH E N 6 2 S TEU ERN ➝
R A N C H E N€URO 02|2050 BILD: KOSTSOV/ISTOCK [M], SAXLERB/ISTOCK, ADIDAS, AVALON_STUDIO/ISTOCK W ie bewegen wir uns in Zu- kunft fort? Wie ernähren wir uns? Woher kommt unsere Energie, wie kau- fen wir ein und wie behandeln wir Krankheiten künftig besser? Alle diese Bereiche verändern sich stark. Anleger können mit speziellen Fonds und ETFs gezielt in solche Branchen und Themen investieren, die langfristig hohe Gewin- ne ermöglichen. Ernährung & Wasser. Für viele Men- schen wird es zum Beispiel immer wich- tiger, sich gesund zu ernähren. Oder sie fragen sich, wie viel Energie, Land und Wasser die Produktion von Nahrungs- mitteln verbraucht. Von diesen und weiteren Trends soll der Pictet Nutrition pro!itieren, deren Fondsmanager in Unternehmen rund um Lebensmittel investieren. Sie setzen besonders auf Firmen, die die Qualität sowie den Zugang zu Lebensmitteln ver- bessern. Zudem mögen sie Unterneh- men, die immer nachhaltiger wirtschaf- ten. Im Portfolio !inden Anleger ver- schiedene Unternehmen wie etwa den US"Konzern Deere & Co, der Landma- Megatrends Mit Branchenfonds und -ETFs fokussieren sich Anleger auf einzelne Sektoren und Themen, die hohe Gewinne bringen können. €uro stellt acht aussichtsreiche Produkte vor Marktcheck Chancen Viele langfristige Trends und Themen können sich unabhängig von der Konjunktur entfalten. Anlegern winken auf diese Weise hohe Gewinne. Risiken Anleger sind mit Bran- chenfonds oft nicht breit auf- gestellt. Sie eignen sich daher am besten als Beimischung zu einem klassischen Portfolio. schinen herstellt, oder den US"Wert Zoetis aus dem Bereich Tier- und Pflan- zengesundheit. Zudem setzt der Pictet Nutrition auf Bluechips wie Danone und Nestlé, die fertige Produkte oder Inhalts- stoffe anbieten. Das Portfolio umfasst auch den niederländischen Chemiewert Koninklijke DSM, der unter anderem In- haltsstoffe !ür Futter- und Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel produ- ziert. Dazu kommt der Schweizer Verpa- ckungsanbieter Sig Combibloc. Mit dem iShares S & P Global Water ETF setzen Anleger dagegen auf das The- ma Wasser. In den kommenden drei Jahr- zehnten soll der Bedarf danach laut OECD weltweit stark steigen, doch die lebenswichtige Ressource ist knapp. Der iShares-ETF bildet einen Index nach, der aus den 50 weltweit größten Wasser- unternehmen besteht. Die größte Posi- tion mit neun Prozent ist derzeit der US"Wasserversorger American Water Works, gefolgt von Xylem, einem US"Kon- zern !ür Wassertechnologie. Unter den Top-Ten-Werten be!indet sich auch die Schweizer Geberit, die Sa- nitärprodukte herstellt, darunter Bad- keramiken und Duschen sowie Spül- und Installationssysteme. Ebenso zum ETF- Portfolio gehört der US"Mischkonzern Danaher, unter dessen Dach sich mehr als 20 Firmen be!inden, etwa aus den Bereichen Umweltlösungen, Verpackun- gen und Wasserbehandlung. Zudem ist Danaher in der medizinischen Diagnos- tik oder den Biowissenschaften tätig. Energie. Um weltweit nachhaltiger zu wirtschaften, ist die Energiebranche ebenfalls ein wichtiger Faktor. Wer hier investieren will, kann zum Beispiel auf den Lyxor New Ener$y ETF setzen. Er bil- 4 2 D EU TSCH L AN D/EU RO PA 5 2 M ISCH FO N DS 4 4 USA /G LO BA L 5 4 RENTE N FO N DS 3 8 EIN LEIT U N G Titel Die besten Fonds
€URO 02|20 51 det die Entwicklung der 40 größten Fir- men ab, die auf erneuerbare und dezen- trale Energien sowie mehr Energieef!i- zienz setzen. Zwei Titel sind im zugrunde liegenden Index mit fast 16 Prozent besonders stark vertreten: der US"Konzern Nextera Ener- $y, der Wind- und Solarenergie produ- ziert, sowie der Elektrotechnikkonzern Schneider Electric mit Sitz bei Paris. Im Lyxor-ETF !inden Anleger aber auch Halbleiterhersteller wie ON Semiconduc- tor oder den Bildschirm- und Batterie- hersteller Samsung SDI, zudem den Autozulieferer BorgWarner sowie den Baustoffkonzern Kingspan. Infrastruktur & Gesundheit. Auch die Infrastruktur bietet viele Chancen. Denn die Weltbevölkerung wächst, und der Be- darf, die Infrastruktur aufzubauen oder zu verbessern, ist in vielen Ländern riesig. Die Fondsmanager des Partners Group Listed Infrastructure investieren weltweit in entsprechende Unterneh- men, die zumeist aus Nordamerika und Europa stammen. Die größte Position im Fonds ist momentan die französische Firma Vinci, die beispielsweise Autobah- nen, Eisenbahnstrecken oder Flughäfen plant, !inanziert, baut und betreibt. Zu- dem befasst sich Vinci mit der Technik von Gebäuden, der IT oder der Stromver- sorgung. Die Partners Group fasst den Bereich Infrastruktur aber noch weiter. So gehören zum Portfolio unter anderem der US-amerikanische Entsorger Repu- blic Services oder die britische National Grid, die Übertragungsnetze !ür Gas und Elektrizität betreibt. Zudem setzen die Fondsmanager auf die US"Eisenbahn- gesellschaft Union Paci!ic, den kanadi- schen Pipeline-Betreiber Enbridge oder den US"Wert Crown Castle, der mit Mo- bilfunkmasten oder Glasfasernetzen !ür eine bessere Kommunikation sorgt. Au- ßerdem gehört wie beim iShares-Was- ser-ETF der Wasserkonzern American Water Works zu den Top-Ten-Werten. Die Menschen werden nicht nur mehr, sondern auch immer älter. Davon pro!itieren Unternehmen, die Gesund- heitsprodukte und -dienstleistungen an- bieten. Manager Rudi Van den Eynde konzentriert sich beim Candriam Equi- ties Biotechnolo$y etwa auf US"Bio- tech-Firmen wie Vertex Pharmaceuti- cals, Gilead Sciences und Amgen. Insge- samt hält der Belgier über 80 Prozent des Fondsvermögens in US"Firmen. Einen starken Fokus auf Biotech legt auch der Fonds Medical BioHealth. Des- sen Manager investieren besonders in mittelgroße und kleine Firmen, die teil- weise zu einem Übernahmeziel werden können, was ihre Aktienkurse in die Hö- he treiben kann. Die Top-Titel sind hier drei Biotech!irmen: Seattle Genetics aus den USA, Genmab aus Dänemark sowie Neurocrine Biosciences aus den USA. Konsum & Finanzdienstleistung. Am Nächsten ist vielen Menschen wohl der Konsum. Darauf setzt der Robeco Global ➝ Die besten Branchenfonds und -ETFs Die acht Produkte decken unterschiedliche Bereiche ab, von Biotechnologie beim Candriam Equities Biotechnology bis zu Konsumtrends beim Robeco Global Consumer Trends Equities Name ISIN Wertentwicklung 1 in % FundAwards Bemerkung 1 Jahr 3 Jahre 5 Jahre 10 Jahre 20 Jahre Aktienfonds Branchen Candriam Equities Biotechnology 2 LU0108459040 38,0 42,4 42,6 526,2 – 1, 3, 5 und 10 Jahre ca. 75 % Biotech, ca. 15 % Pharmazeutika iShares S & P Global Water ETF 3 IE00B1TXK627 36,3 42,5 71,4 239,8 – 1, 3, 5 und 10 Jahre 45 % Versorger, 41 % Industrie iShares Stoxx Europe 600 Financial Services ETF 3 DE000A0H08G5 43,4 51,4 77,3 234,6 – 1, 3, 5 und 10 Jahre 100 % Finanzdienstleistungen Lyxor New Energy ETF 3 FR0010524777 47,5 57,0 92,7 51,0 – 1, 3 und 5 Jahre 37 % Versorger, 36 % Industrie Medical BioHealth 3 LU0119891520 44,1 64,4 92,6 420,3 – 1, 3, 5 und 10 Jahre 65 % Biotech, 14 % Emerging Pharma Partners Group Listed Infrastructure 2 LU0263855479 27,8 27,9 43,1 168,6 – 3, 5 und 10 Jahre 25 % Stromnetze, 13 % Flughäfen Pictet Nutrition 2 LU0366534344 21,5 24,2 33,3 91,5 – 1, 3, 5 und 10 Jahre 59 % Lebensmittel, 26 % Logistik Robeco Global Consumer Trends Equities 2 LU0187079347 36,7 66,6 91,6 361,2 295,1 1, 3, 5 und 10 Jahre 18 % IT-Dienste, 12 % Kleidung/Luxusgüter Stichtag: 31.12.2019; 1 auf Eurobasis; 2 thesaurierend; 3 ausschüttend; Quelle: Anbieter, vwd Vereinigte Wirtschaftsdienste Consumer Trends Equities und möchte dort von drei Trends pro!itieren: der Di- gitalisierung, starken Marken sowie vom Umstand, dass die Verbraucher in den Schwellenländern immer mehr Geld aus- geben. Die Robeco-Fondsmanager hal- ten Zahlungsdienstleister wie Master- card und Visa, klassische Tech-Riesen wie Microsoft, Apple, Amazon oder Ali- baba, aber auch den US"Medienkonzern Walt Disney sowie den kanadischen Ein- zelhändler !ür Sportbekleidung Lulule- mon Athletica. Um Finanzwerte geht es beim iShares Stoxx Europe 600 Financial Services ETF. Allerdings sind US-amerikanische Titel wie Visa oder Mastercard darin nicht vertreten, ebenso vergeblich su- chen Anleger nach klassischen Banken, die in den vergangenen Jahren arg ge- beutelt wurden. Im Portfolio sind ei- nerseits nur Firmen mit Sitz in Europa. Zudem konzentriert sich der
€URO 02|2052 aus 30 Prozent Aktien und 70 Prozent Anleihen, wenngleich sein Aktienanteil bis auf 15 Prozent sinken kann. Der Port- folio Income ETF investiert nicht in ein- zelne Aktien und Anleihen, sondern in die entsprechenden ETFs von Xtrackers. Welche Produkte ins Portfolio kommen, hängt davon ab, wie günstig die jeweili- gen Märkte bewertet sind und wie hoch die jeweiligen Dividenden- und Anleihe- renditen ausfallen. Auf der Bondseite hält der Portfolio Income ETF derzeit rund zehn Prozent im Xtrackers USD Emerging Markets Bond Quality Weigh- ted ETF, der in Emerging-Markets-Staats- anleihen investiert, die auf US"Dollar lau- ten. Auf der Aktienseite gehört der Xtra- ckers Euro Stoxx Quality Dividend mit zehn Prozent zum Portfolio, der aus- schüttungsstarke Aktien mit geringen Kursschwankungen enthält. Auf diese Weise investieren Anleger jeweils in über 5000 Aktien und Anleihen. Zu den FundAwards-Gewinnern mit einem 30-prozentigen Aktienanteil ge- hört zudem der Phaidros Conservative. Ernst Konrad und Georg von Wallwitz setzen dort auf sogenannte Schumpeter- Aktien wie Amazon, Novartis oder Walt Disney, die ihren Markt dominieren oder auch „zerstören“ können. Auf der Mal 20 Titel, mal über 5000 Die besten Mischfonds setzen auf völlig unterschiedliche Strategien. Anleger können aber so das passende Produkt für sich finden Viele Anleger entscheiden gern selbst, worin sie investieren. Andere wiederum zögern hier und kaufen lieber Mischfonds, weil der jeweilige Fondsmanager ent- scheidet, was ins Portfolio kommt. Oder weil von vornherein feststeht, worin der Fonds investiert. Anleger sollten jedoch genau hinschauen, welcher Mischfonds zu ihnen passt. Soll er beispielsweise eine hohe oder niedrige Aktienquote ha- ben? Soll dieser Anteil !ix oder flexibel sein? Oder soll der Fonds einem Konzept oder den besten Ideen eines Fondsmana- gers folgen? Beim Siemens Balanced wissen Anle- ger sehr genau, was sie bekommen. Der Fonds hält jeweils 15 Prozent in europäi- schen und US"Aktien und steckt die rest- lichen 70 Prozent in Unternehmensan- leihen, die auf Euro lauten. Die Titel wäh- len die Manager jeweils anhand von quantitativen Kriterien aus. Mit dieser Mixtur aus Aktien und Anleihen haben Anleger in den vergangenen Jahren be- ständig ordentliche Renditen erzielt. Da- zu beigetragen haben die niedrigen lau- fenden Kosten des Siemens Balanced, die pro Jahr lediglich 0,32 Prozent betragen. Auch der Xtrackers Portfolio Income ETF orientiert sich an einer Mischung Bondseite halten sie überwiegend Unternehmensanleihen. Darunter auch High-Yield-Bonds, die sich höher ver- zinsen, aber eine nicht so gute Bonität aufweisen. Ins Risiko gehen. Mit einer Mischung aus 30 Prozent Aktien und 70 Prozent Anleihen fuhren Anleger in den ver- gangenen Jahren sehr gut. Wer künftig höhere Wertzuwächse anstrebt, muss seine Aktienquote wegen der niedrigen Zinsen jedoch erhöhen und somit stär- ker ins Risiko gehen. Möglich wäre dies etwa mit den beiden Dachfonds Premi- umStars Wachstum und PremiumStars Chance von Allianz Global Investors, deren Aktienquote meist bei 60 bezie- hungsweise 80 Prozent liegt. Je nach Marktlage kann Manager René Gärtner aber von dieser Quote ab- weichen. Vor allem nach unten, um die Fonds vor Verlusten zu schützen. In den vergangenen Jahren lag seine Aktienquo- te jedoch am oberen Ende seiner Band- breite, was der Wertentwicklung zugute- kam. Zudem bewiesen er und sein Team ein gutes Gespür !ür Themen wie Bio- technologie, Finanztechnologie, Nach- haltigkeit sowie chinesische und japani- sche Aktien. 4 2 D EU TSCH L AN D/EU RO PA 5 2 M ISCH FO N DS 4 4 USA /G LO BA L 5 4 RENTE N FO N DS 3 8 EIN LEIT U N G Titel Die besten Fonds MISCH
€URO 02|20 53 Eckhard Sauren investiert beim Dach- fonds Sauren Global Growth meist voll in Aktien. Der Wahl-Kölner folgt bereits seit über 20 Jahren dem Motto „Wir investie- ren nicht in Fonds, wir investieren in Fondsmanager“ und baut deshalb auf Fondslenker, die er besonders gut kennt und einschätzen kann. Während Dachfonds generell breit streuen, setzen der Capital Growth Fund und der Seilern World Global Trust be- wusst auf wenige Einzelwerte. Der Sei- lern-Fonds hält knapp über 20 Aktien (siehe auch Seite 45), der Capital Growth Fund sogar nur knapp über zehn Titel, weil er als sogenannter alternativer In- vestmentfonds Einzelwerte höher ge- wichten kann als herkömmliche Fonds. Finden beide Fonds keine attraktiven Einzelwerte, halten sie so lange liquide Mittel. Beim Acatis Datini Valueflex wieder- um kann Hendrik Leber je zwischen null und 100 Prozent in Aktien und Anleihen investieren. In der Regel hält er aber mehr Aktien als Anleihen. Dabei agiert Leber situativ und setzt Ideen um, die in seine anderen Fonds nicht hineinpassen. „Hier zählt, welche Rendite am Ende herauskommt“, erklärt er. „Das Ziel ist nicht die Begrenzung von Verlusten.“ Entsprechend hohe Ausschläge nach oben und unten gehören beim Datini- Fonds deshalb dazu. ➝ Die besten Mischfonds Anleger können auf mehr oder weniger Aktien setzen oder sich für eine fixe oder flexible Aktienquote entscheiden. Je mehr Aktien im Portfolio, desto besser fällt langfristig die Rendite aus Name ISIN Wertentwicklung 1 in % FundAwards Bemerkung 1 Jahr 3 Jahre 5 Jahre 10 Jahre 20 Jahre Mischfonds überwiegend Aktien PremiumStars Chance 2 DE0009787077 30,5 31,0 54,3 159,2 – 1, 3, 5 und 10 Jahre Dachfonds mit ca. 80 % Aktien und 20 % Anleihen Sauren Global Growth 3 LU0095335757 28,1 31,7 54,4 160,1 151,6 3 und 5 Jahre Dachfonds mit ca. 100 % Aktien Seilern Global Trust 3 AT0000818000 28,5 48,0 68,5 173,3 – 1, 3, 5 und 10 Jahre Aktienlastiger Mischfonds mit Cash-Anteil Mischfonds Aktien und Anleihen Acatis Datini Valueflex 3 DE000A1H72F1 27,0 38,6 67,9 – – 3 und 5 Jahre Flexibler Mischfonds mit 0 bis 100 % Aktien Capital Growth Fund 2 DE000DWS0UY5 27,3 45,1 55,2 151,5 – 3, 5 und 10 Jahre Aktienlastiger Mischfonds mit Cash-Anteil PremiumStars Wachstum 3 DE0009787069 23,7 23,7 39,4 119,9 – 1, 3, 5 und 10 Jahre Dachfonds mit ca. 60 % Aktien und 40 % Anleihen Mischfonds überwiegend Anleihen Phaidros Conservative 3 LU0504448563 13,1 13,0 20,6 – – 1, 3 und 5 Jahre Flexibler Mischfonds mit bis zu 30 % Aktien Siemens Balanced 3 DE000A0KEXM6 12,1 13,5 25,4 70,6 – 3 und 5 Jahre Mischfonds mit 30 % Aktien und 70 % Anleihen Xtrackers Portfolio Income ETF 2 IE00B3Y8D011 14,0 12,1 19,8 – – 1, 3 und 5 Jahre ETF-Portfolio mit 30 % Aktien und 70 % Anleihen Stichtag: 31.12.2019; 1 auf Eurobasis; 2 ausschüttend; 3 thesaurierend; Quelle: Anbieter, vwd Vereinigte Wirtschaftsdienste Marktcheck Chancen Mischfonds folgen dem bewährten Prinzip, nicht alle Eier in einen Korb zu legen. Das sorgt langfristig für ordentliche Wert- zuwächse, ohne zwischenzeitlich allzu viel zu verlieren. Risiken In den vergangenen Jahren waren Aktien und Anleihen beide Renditetreiber für Misch- fonds. Wegen der niedrigen Zinsen fallen Anleihen hier künftig jedoch aus. Das stellt defensive Misch- fonds vor Herausforderungen, alte Erfolge zu wiederholen. F NDSAktien Anleihen Cash 4 6 CH IN A /SCHWE LLE N L Ä N D E R 5 6 2 0 -JA H RE S - BIL A NZ 4 8 D IVID E N D E N 5 8 K AU F TIPPS 5 0 BR A N CH E N 6 2 S TEU ERN
€URO 02|2054 BILD: MIKHAIL MISHCHENKO/ISTOCK, YVES HERMAN/REUTERS Findig bleiben Staatsanleihen verlieren ihre Rolle als stabiler Anker und Renditebringer. Mit Anleihen aus Schwellenländern und von Unternehmen bringen ordentliche Erträge im Zinstief F O N D S A nleihen sind !ür viele Anleger ein Fixpunkt ihrer Portfolios. Also Wertpapiere, die regel- mäßig Zinsen abwerfen und bisweilen auch Kursgewinne bringen. Seit beinahe 40 Jahren sind Anleger mit dieser Strategie gut gefahren — oft genug sogar besser als mit Aktien. Doch mitt- lerweile ist die Luft !ür verzinsliche Wertpapiere dünn geworden. Das gilt be- sonders !ür Euro-Staatsanleihen bester Bonität, wie sie Deutschland oder die Niederlande herausgeben. Ihre Anleihen verzinsen sich inzwischen negativ. Wer sie kauft und bis zum Rückzahlungster- min hält, !ährt garantiert Verluste ein. Dies schließt bisherige Erfolge mit Euro-Staatsanleihen nicht aus. So konn- ten Anleger mit dem Xtrackers Eurozone RENTENGovernment Bond 25+ ETF in den ver- gangenen zehn Jahren sehr hohe Erträ- ge einfahren. Mit dem Xtrackers-ETF set- zen Anleger auf Euro-Staatsanleihen aus Deutschland, Frankreich, Italien, den Niederlanden und Spanien, deren Rest- laufzeit mehr als 25 Jahre beträgt. Hier gilt die Regel: Je länger die Restlaufzeit der Anleihen, desto höher können die Kursgewinne ausfallen. Dies gilt, solan- ge die Zinsen fallen. Steigen sie jedoch, !ährt der Xtrackers-ETF überproportio- nal hohe Verluste ein. Insofern sollten Anleger die bisherigen Zuwächse des ETFs keinesfalls gedanklich in die Zu- kunft fortschreiben. Schwellenländer. Höhere laufende Zin- sen können Anleger in den Schwellen- Neue Chefin: Christine Lagarde leitet seit Kurzem die Europäische Zentralbank 4 2 D EU TSCH L AN D/EU RO PA 5 2 M ISCH FO N DS 4 4 USA /G LO BA L 5 4 RENTE N FO N DS 3 8 EIN LEIT U N G Titel Die besten Fonds
€URO 02|20 55 ländern erzielen. So bietet der iShares JP Morgan $ Emerging Markets Bond ETF beispielsweise eine laufende Rendite von rund !ünf Prozent. Anleger investieren mit dem iShares-ETF in Staatsanleihen aus Katar, Kolumbien oder Russland, die auf US"Dollar lauten, genauso wie auch der Vontobel Emerging Markets Debt. Allerdings müssen Anleger hier mit dem Auf und Ab des US"Dollar gegenüber dem Euro leben. Vergleichbare Renditen bieten soge- nannte lokale Staatsanleihen aus Indo- nesien, Mexiko oder Russland, die in den Landeswährungen Rupiah, Peso oder Rubel notieren. Mit dem DPAM Bonds Emerging Markets Sustainable oder dem MFS Emerging Debts Local Currency können Anleger in solche Anleihen in- vestieren. Dabei achtet der Fonds der belgischen Fondsgesellschaft Degroof Petercam Asset Management (DPAM) zu- sätzlich auf nachhaltige Kriterien, sodass diktatorisch ge!ührte Länder beispiels- weise nicht ins Depot kommen. Beim NN Frontier Markets Debt Hard Currency wiederum gehen Anleger aus dem Euroraum keine Währungsrisiken ein. Allerdings investieren die Manager dort in sogenannte Frontier Markets wie El Salvador, Nigeria oder Sri Lanka, die vergleichsweise gering entwickelt sind und keine guten Bonitäten aufweisen. Als Ausgleich !ür diese Risiken winkt bei den Anleihen aber eine laufende Rendi- te von über sieben Prozent. Unternehmensanleihen. Mit dem MainFirst Emerging Markets Credit Op- portunities Fund können Anleger zudem gezielt in Unternehmensanleihen aus den Schwellenländern investieren, die auf US"Dollar lauten. Möglich ist dies auch mit dem defensiveren NN Asian Debt Hard Currency, der in asiatische Unternehmen aus China, Südkorea oder Thailand investiert. Unternehmensan- leihen aus den Industrieländern halten dagegen die Produkte von Flossbach von Storch, iShares und Janus Henderson. Deutlich breiter aufgestellt ist der Ca- pital Group Global High Income Oppor- tunities. Der Fonds der Capital Group hält höher verzinsliche Staats- und Un- ➝ Die besten Rentenfonds Anleger können mit verzinslichen Wertpapieren weiterhin ordentliche Erträge einfahren, wenn sie in Anleihen von Unternehmen und aus den Schwellenländern investieren Name ISIN Wertentwicklung 1 in % FundAwards Bemerkung 1 Jahr 3 Jahre 5 Jahre 10 Jahre 20 Jahre Rentenfonds Staatsanleihen Eurozone Xtrackers Eurozone Gvt. Bond 25+ ETF 2 LU0290357846 20,8 22,2 37,5 139,2 – 1, 3, 5 und 10 Jahre Anleihen mit über 25 Jahren Restlaufzeit Rentenfonds Staatsanleihen Schwellenländer DPAM Bonds Emerging Markets Sustainable 2 LU0907927338 11,2 13,6 27,6 – – 3 und 5 Jahre Fokus auf nachhaltige Titel, lokale Währungen iShares JPM $ Emerging Markets Bond ETF 3 IE00B2NPKV68 18,4 12,8 43,0 138,0 – 1 und 10 Jahre Staatsanleihen, die auf US-Dollar lauten MFS Emerging Debts Local Currency 2 LU0406715952 17,8 14,1 18,1 45,7 – 1, 3 und 10 Jahre Staatsanleihen in Peso, Real, Zloty und Co NN Frontier Debt Hard Currency €-hdg 2 LU0990547605 13,9 15,3 25,4 – – 1, 3 und 5 Jahre Titel aus Ghana oder Sri Lanka, Euro-gesichert Vontobel Emerging Markets Debt USD 2 LU0926439562 16,7 15,7 47,9 – – 3 und 5 Jahre Staatsanleihen, die auf US-Dollar lauten Rentenfonds Unternehmensanleihen Flossbach von Storch Bond Opportunities 3 LU0399027613 11,8 13,0 26,5 63,6 – 3 und 5 Jahre Überwiegend Firmenbonds, flexibler Stil iShares Fallen Angels High Yield ETF 3 IE00BYM31M36 17,9 15,9 – – – 1 und 3 Jahre Titel, die auf High-Yield-Niveau gefallen sind Janus Henderson Euro High Yield 2 LU0828815570 11,6 14,7 31,4 – – 3 und 5 Jahre High-Yield-Bonds, die auf Euro lauten MainFirst EM Credit Opportunities 2 LU1061983901 14,2 13,8 51,4 – – 3 und 5 Jahre Dollar-Firmenbonds der Schwellenländer NN Asian Debt Hard Currency $ 2 LU0546914168 15,2 9,9 35,7 131,8 266,8 1, 5 und 10 Jahre Asiatische Firmenbonds, die auf Dollar lauten Rentenfonds flexibel Capital Group Global High Income Opport. 2 LU0110450813 14,3 10,9 35,4 106,7 252,2 1, 3, 5, 10 und 20 J. Staats- und Unternehmensanleihen, global Pimco Diversified Income $-hdg 2 IE00B1D7YK27 15,9 11,8 40,5 126,5 – 1, 3, 5 und 10 Jahre Breit gestreut, keine Staatstitel bester Bonität Rentenfonds Wandelanleihen Deka-Wandelanleihen CF 3 LU0158528447 15,9 16,7 33,4 74,3 – 1, 3, 5 und 10 Jahre Top-Fonds in seiner Kategorie Stichtag: 31.12.2019; 1 auf Eurobasis; 2 thesaurierend; 3 ausschüttend; Quelle: Anbieter, vwd Vereinigte Wirtschaftsdienste Marktcheck Chancen Mit ausgesuchten Fonds und ETFs für Schwellen- länder- oder Unternehmensanlei- hen können Anleger noch ordent- liche Renditen erwirtschaften. Risiken Inflation und Steuern fressen die niedrigen Renditen vieler Anleihen auf. Zudem drohen Kursverluste, falls die Zinsen steigen. ternehmensanleihen, die aus den Indus- trie- und Schwellenländern stammen. Auch der Pimco Diversi!ied Income ist breit diversi!iziert. Er hält beinahe sämt- liche Anleihearten aus den Industrie- und Schwellenländern, verzichtet aber auf Staatsanleihen bester Bonität. Wer eine Mischung aus Aktien und Anleihen sucht, ist bei
€URO 02|2056 BILD: STUARTBUR/ISTOCK [M] 20 JAHRE W ann notiert die Deut- sche-Telekom-Aktie über 100 Euro? Mit welchen Titeln aus dem Neuen Markt kann ich mein Kapital verdop- peln? Wer Anfang 2000 Aktien gekauft hat, wird diese Fragen noch kennen. Da- mals waren die Anleger euphorisch. „Wie reich kann ich werden?“, titelte die „Bild“-Zeitung am 3. April 2000, als der Börsengang von T!Online bevorstand. Dann folgte der Absturz. Bis März 2003 verlor der DAX fast 70 Prozent. Aus Eu- phorie wurde Ernüchterung. Die Deutsche Telekom notiert heute zwar deutlich unter 100 Euro. Mit den besten deutschen Aktienfonds konnten Anleger in den vergangenen 20 Jahren inklusive Dividenden dennoch fast 200 Prozent einfahren. Das entspricht einer jährlichen Rendite von 5,5 Prozent. Selbst die Finanzkrise von 2008 drückte die langfristige Bilanz nicht ins Minus. Für Aktien, Anleihen und Rohstoffe "iel die 20!Jahres-Bilanz dennoch gemischt aus. Anleihen liefen durchgehend gut, Rohstoffe nur die ersten zehn Jahre und Aktien nur die zweiten zehn Jahre. Bilanz & Blick voraus Die vergangenen 20 Jahre waren turbulent. Wir fragten Altmeister Jens Ehrhardt sowie Carmignac-Stratege Didier Saint-Georges, was die nächsten zehn Jahre für Anleger bringen könnten B I L A N Z 4 2 D EU TSCH L AN D/EU RO PA 5 2 M ISCH FO N DS 4 4 USA /G LO BA L 5 4 RENTE N FO N DS 3 8 EIN LEIT U N G Titel Die besten Fonds
€URO 02|20 57 Ausblick. Doch was bringt die neue Dekade "ür Anleger? „Die Weltwirtschaft wird in den nächsten zehn Jahren real nicht mehr so stark wachsen“, sagt Ver- mögensverwalter Jens Ehrhardt, der die Kapitalmärkte seit rund 50 Jahren ver- folgt. Mit Aktien und Anleihen könnten Anleger daher nur sehr niedrige Rendi- ten erzielen. „Im Vergleich zu Anleihen erscheinen solide Aktien aber immer noch haltenswert und unterbewertet“, erklärt der Chef der DJE Kapital AG. Für attraktiv hält er zum Beispiel Aktien von Versorgern. Sie könnten im Zuge des digitalen Zeitalters von der steigenden Nachfrage nach Elektrizität pro"itieren. Gold und Edelmetallaktien seien auf- grund der wachsenden weltweiten Unsi- cherheit ebenfalls attraktiv. Bei Zins- papieren ist der 77-jährige Vermögens- verwalter jedoch skeptisch. „Anleihen be"inden sich in der größten Blase der Wirtschaftsgeschichte“, erklärt er. „Be- sonders hart treffen könnte es die An- leihen von Unternehmen, wo relativ niedrige Zinsen und schlechte Bonitäten zusammenkommen.“ Didier Saint-Georges, Anlagestratege bei Carmignac in Paris, denkt nicht völ- lig anders: Seit 2009 hätten die Zentral- banken Aktien und Anleihen gegenüber Rohstoffen begünstigt. Daher spricht der Franzose von einer Dichotomie, einer zweigeteilten Welt. Die Vermögenspreise seien teurer geworden, die Güterpreise dagegen kaum. Was daraus folgt, scheint klar: „Wenn zumindest ein gewisses Gleichgewicht zwischen der Inflation der Vermögenspreise und der Güter erreicht wird, dann werden Rohstoffe, einschließlich Gold, pro"itieren“, sagt Saint-Georges. „Andere Anlageklassen, insbesondere Anleihen, dürften sich dann schlechter entwickeln.“ Der Franzose glaubt zudem, dass An- leger künftig mit Indexfonds "ür Aktien und Anleihen nur noch mittelmäßige Renditen erwirtschaften können. Ge- fragt seien künftig wieder Vermögens- verwalter, die die besten Aktien und Anleihen "inden. Jens Ehrhardt denkt hier genauso. ➝ Die besten Fonds seit 20 Jahren In der Rangliste tauchen drei Fonds von DJE-Chef Jens Ehrhardt sowie zwei Fonds vom Franzosen Édouard Carmignac Rang Name ISIN Anlagekategorie Wertentwicklung 1 20 Jahre in % 1 DWS Aktien Strategie Deutschland 2 DE0009769869 Aktienfonds Deutschland 384,7 2 UBAM Dr. Ehrhardt German Equity 2 LU0087798301 Aktienfonds Deutschland 192,4 3 Fondak 3 DE0008471012 Aktienfonds Deutschland 184,1 1 Echiquier Agressor 2 FR0010321802 Aktienfonds Europa 280,7 2 Fidelity European Growth 3 LU0048578792 Aktienfonds Europa 189,5 3 Nordea European Value 2 LU0064319337 Aktienfonds Europa 187,0 1 Vontobel US Equity 2 LU0035765741 Aktienfonds Nordamerika 368,4 2 Nordea North American Value 2 LU0076314649 Aktienfonds Nordamerika 181,3 3 JPM America Equity 3 LU0053666078 Aktienfonds Nordamerika 166,3 1 Janus H. Japan Opportunities 2 LU0011889929 Aktienfonds Japan 25,0 2 GAM Star Japan Leaders 2 IE0003012535 Aktienfonds Japan 22,3 3 Pictet-Japanese Eq. Opportunities 2 LU0095053426 Aktienfonds Japan 10,8 1 Carmignac Investissement 2 FR0010148981 Aktienfonds International 263,1 2 DWS Concept DJE Globale Aktien 2 DE0009777003 Aktienfonds International 219,5 3 Acatis Aktien Global Fonds 2 DE0009781740 Aktienfonds International 198,8 1 Comgest Magellan 2 FR0000292278 Aktienfonds Emerging Markets 417,9 2 Vontobel Emerging Markets Equity 2 LU0040507039 Aktienfonds Emerging Markets 330,2 3 JPM Emerging Markets Equity 2 LU0053685615 Aktienfonds Emerging Markets 322,5 1 Invesco Greater China Equity 2 LU0048816135 Aktienfonds Hongkong + China 668,7 2 Invesco PRC Equity 2 LU1775965582 Aktienfonds Hongkong + China 577,6 3 Baring Hong Kong China 2 IE0000829238 Aktienfonds Hongkong + China 556,0 1 JPM Europe Dynamic Technologies 3 LU0104030142 Aktienfonds Technologie 111,5 2 Fidelity Global Technology 3 LU0099574567 Aktienfonds Technologie 88,8 3 AB International Technology 2 LU0060230025 Aktienfonds Technologie 77,0 1 First Eagle Amundi International 2 LU0068578508 Mischfonds überwiegend Aktien 384,0 2 Rouvier Valeurs 2 LU1100076550 Mischfonds überwiegend Aktien 260,8 3 Allianz Strategiefonds Wachstum 3 DE0009797266 Mischfonds überwiegend Aktien 171,7 1 Carmignac Patrimoine 2 FR0010135103 Mischfonds Aktien + Anleihen 186,2 2 Franklin Income 3 LU0098860793 Mischfonds Aktien + Anleihen 175,8 3 BGF Global Allocation 2 LU0072462426 Mischfonds Aktien + Anleihen 175,0 1 Degussa Bank Universal Renten 3 DE0008490673 Mischfonds überwiegend Anleihen 160,0 2 Kapital Plus 3 DE0008476250 Mischfonds überwiegend Anleihen 148,9 3 DWS C. DJE Alpha Renten Global 2 LU0087412390 Mischfonds überwiegend Anleihen 137,8 1 Allianz Euro Rentenfonds 3 DE0008475047 Rentenfonds Euroland 151,0 2 DWS Euro-Bonds (Long) 2 LU0044387529 Rentenfonds Euroland 142,3 3 Allianz Rentenfonds 3 DE0008471400 Rentenfonds Euroland 136,2 1 Pictet-Global Emerging Debt USD 2 LU0128467544 Rentenfonds Emerging Markets USD 367,1 2 GAM Emerging Bond USD 2 LU0081406000 Rentenfonds Emerging Markets USD 314,2 3 HSBC Global EM Bond USD 3 LU0099919721 Ren
€URO 02|2062 Seit das Investmentsteuerreform- gesetz vor zwei Jahren in Kraft getreten ist, werden ETFs und gemanagte Fonds einheitlich be- steuert. Das soll Steuererklärungen ein- facher machen, sorgt aber auch "ür neue Probleme. Die wichtigsten Grundregeln: Steuern auf Anlegerebene. Auf Kurs- gewinne und Ausschüttungen von Invest- mentfonds müssen Anleger grundsätz- lich 25 Prozent Abgeltungsteuer zahlen. Dazu kommen noch 5,5 Prozent Solida- ritätszuschlag und gegebenenfalls Kir- chensteuer — je nach Bundesland sind das acht oder neun Prozent. Daraus er- rechnet sich "ür Fondserträge von Anle- gern eine Gesamtsteuerbelastung von maximal 27,99 Prozent. Depotbanken fungieren als Zahlstellen des Fiskus und "ühren alle Abgaben auf Kapitalerträge an die zuständigen Finanzämter ab. Steuern auf Fondsebene. Bei Invest- mentfonds werden seit 2018 auf Fonds- ebene 15 Prozent Körperschaftsteuer abgezogen, wenn sie deutsche Dividen- den kassieren. Bei Erträgen aus deut- schen Immobilien sind es 15,875 Prozent. Freistellungsaufträge. Bis zur Höhe des Sparerpauschbetrags (801 Euro Al- leinstehende, 1602 Euro Zusammenver- anlagte) können Fondserträge per Freistellungsauftrag von der Abgeltung- steuer befreit werden. Dieser ist auf meh- rere Institute aufteilbar, aber nur mit der Steueridenti"ikationsnummer gültig. Teilfreistellungen I. Um die Besteue- rung auf Fondsebene auszugleichen, werden Ausschüttungen und Verkaufs- gewinne auf Anlegerebene teilweise frei- gestellt. Bei reinen Aktienfonds sind es 30 Prozent. Anleger erhalten bei Misch- fonds, die mindestens 51 Prozent in Ak- tien anlegen, ebenfalls 30 Prozent der Der Fiskus greift zu Alle Investmentfonds sind gleich. Zumindest aus der Sicht von Finanzämtern. Dennoch gibt es für Fondsanleger steuerliche Fallstricke zu beachten. Die gefährlichsten im Überblick 4 4 USA /G LO BA L 5 4 RE NTE N FO N DS S T E U E R N
Mein Broker von Deutschlands größter Finanzcommunity. ANZEIGE Ausschüttungen steuerfrei. Bei Misch- fonds mit wenigstens 25 Prozent Aktien- anteil sind es 15 Prozent. Bei Immobi- lienfonds zahlen Anleger auf 60 Prozent der Erträge keine Abgeltungsteuer. Liegt der Anlageschwerpunkt im Ausland, werden 80 Prozent freigestellt. Teilfreistellungen II. Der Bonus der Teilfreistellung bei realisierten Kursge- winnen wird zum Malus, wenn Invest- mentfonds mit Verlust veräußert wer- den. Bei allen Miesen, die seit 2018 reali- siert werden, sind auch die steuerlich an- rechenbaren Verlustbeträge "ür Anleger parallel um 30 Prozent reduziert. Günstigerprüfung. Wer als Anleger zweifelt, ob "ür ihn die 25-prozentige Pauschale oder der Grenzsteuersatz auf Basis des Gesamteinkommens vorteil- hafter ist, kann eine „Günstigerprüfung“ beantragen. Das Finanzamt muss dann die bessere Alternative berücksichtigen. Altfondsanteile. Der rechtliche Be- standsschutz "ür alle vor 2009 gekauften Fonds ist seit zwei Jahren aufgehoben. Nur Gewinne aus Altfonds, die bis zum 31. Dezember 2017 realisiert wurden oder als Buchgewinne bis zu diesem Stichtag aufgelaufen sind, bleiben in jedem Fall steuerfrei. Zudem sind auch alle Verkaufsgewinne mit vor 2009 angeschaff ten Fondsanteilen, die seit Januar 2018 neu erzielt werden, bis zu ei- nem Betrag von 100 000 Euro steuerfrei. Auslandsfonds. Wer thesaurierende Auslandsfonds, die Dividenden und Zin- sen nicht ausschütten, sondern im Fondsvermögen anlegen, besitzt, muss die Daten nicht mehr händisch in die Steuererklärung (Anlage KAP) ein"ügen: Die deutsche Abgeltungsteuer wird seit dem Jahr 2018 auch auf Erträge thesau- rierender Auslandsfonds abge"ührt. Fondssparpläne I. Sie werden steuer- lich nicht als ein einheitliches Geschäft behandelt, sondern jede investierte Sparrate als einzelner Kauf. Wer Fondsanteile, die bereits vor Ein"ührung der Abgeltungsteuer 2009 erworben wurden, verkauft, streicht Kursgewinne, die bis 31.12.2017 aufgelaufen sind, noch steuerfrei ein. Für alle nach diesem Stichtag neu entstandenen und entste- henden Kursgewinne dieser Anteile gilt ebenfalls der Steuerfreibetrag von 100 000 Euro. Die laufenden Erträge ei- nes Investmentfonds, etwa Dividenden oder Zinsen, müssen Fondssparer jähr- lich versteuern — unabhängig davon, wann sie die Anteile erworben haben. Fondssparpläne II. Beim Verkauf von Fondsanteilen gilt die Fifo-Methode („First in, "irst out“). Wird ein Teil des Sparplans aufgelöst, gelten zunächst die zu Beginn des Sparplans gekauften An- teile als verkauft. Vorabpauschale. Zu Jahresbeginn wer- den Anleger von Investmentfonds, die im Vorjahr keine oder kaum Erträge aus- geschüttet haben, besteuert. Die soge- nannte Vorabpauschale ist ein "iktiver Mindestbetrag, der als Bemessungs- grundlage "ür die Kapitalertragsteuer von der Finanzverwaltung jährlich neu festgelegt wird. Die Höhe der Vorabpau- schale errechnet sich aus dem Wert des Fondsanteils zu Jahresbeginn, multi- pliziert mit 70 Prozent des Basiszinses. Sie beträgt nach neuestem Stand 0,364 (0,52 x 0,7) Prozent des Fondsrück- nahmepreises zu Beginn des Jahres. Die Abgabe "ällt aber nur an, wenn der Fonds eine positive Wertentwicklung hatte. Bei späterem Verkauf verrechnen Depot- bank Vorabpauschalen automatisch mit dem echten Veräußerungsgewinn. 4 6 CH IN A /SCHWE LLE N L Ä N D E R 5 6 2 0 -JA H RE S - BIL A NZ 4 8 D IVID E N D E N 5 8 K AU F TIPPS 5 0 BR A N CH E N 6 2 S TEU ERN
€URO 03|2130 Lohnt sich: Wer in die zehn Dividendentipps aus dem Vorjahresheft von €uro je 1000 Euro inves- tiert hat, kassierte 323,91 Eu- ro Dividenden. Ein Tagesgeld- konto mit 10 000 Euro hätte nur zwölf Euro Zinsen abgeworfen
€URO 03|21 31 BILD: JULIAN MEZGER FÜR €URO [M] 32 EINLEITUNG Warum sich Dividendenaktien lohnen und wie man die besten findet 34 – 43 ZEHN AKTIEN Unternehmen, die nachhaltig hohe Ausschüttungen zahlen 34 ALLIANZ 35 CONAGRA BRANDS 36 EDISON INTERNATIONAL 37 IBERDROLA 38 KEYCORP 39 MITSUBISHI CORP. 40 MUNICH RE 41 PFIZER 42 RIO TINTO 43 SNAM 50 QUELLENSTEUER Wie Anleger auf ihre Dividenden möglichst wenig Steuern zahlen müssen 44 TERMINE Der Hauptversammlungskalender zeigt, wann bei deutschen Firmen Zahltag ist 46 FONDS Mit welchen Dividendenfonds Anleger besonders gut fahren Titel Dividenden Richtig kassieren Im Gegensatz zu Sparkonten können Anleger mit Dividenden noch Geld verdienen. Welche Aktien und Fonds sich lohnen und was noch wichtig ist VON RALF FERKEN, MATTHIAS FISCHER, MARKUS HINTERBERGER, JULIA PFANNER, OLIVER RISTAU UND MICHAEL SCHREIBER
€URO 03|2132 Eigentlich verlief seit Jahren alles nach dem gleichen Muster: Re- gelmäßig erhöhten Unterneh- men rund um den Erdball die Dividenden, die Summe aller Ausschüt- tungen legte von Jahr zu Jahr zu. Dann kam Corona. Und Anleger mussten sich im Pandemiejahr 2020 mit weniger be- scheiden. Zwar spiegelt die Dividende immer die Geschäfte des Vorjahrs wider, und 2019 war die Pandemie noch nicht absehbar, aber die Unternehmen ver- suchten 2020 ihr Pulver trocken zu hal- ten, denn niemand wusste, wie schwer das Virus wüten würde. So schütteten Europas Unternehmen nur rund 290 Mil- liarden Euro an Dividenden aus, 2019 waren es noch 360 Milliarden Euro. In diesem Jahr zeichnet sich nun ab, dass es wieder mehr geben wird. Laut Be- rechnungen von Allianz Global Investors (Allianz GI) dürften 2021 die Ausschüt- tungen der Unternehmen europaweit um 15 Prozent auf rund 330 Milliarden Euro zunehmen. Dennoch wird es wohl noch dauern, bis die Dividenden wieder so hoch sind wie 2019. „Das Niveau von vor der Corona-Krise dürfte frühestens 2022 wieder erreicht werden“, sagt Jörg de Vries-Hippen, der bei Allianz GI das europäische Equity Portfolio Manage- ment verantwortet. Dennoch ist de Vries davon über- zeugt, dass Dividenden nach wie vor einen wichtigen Beitrag zur Rendite von Aktien leisten. Wie stark dieser Effekt vor allem bei einem langen Anlagehorizont ausgeprägt ist, zeigt etwa der Blick auf den deutschen Leitindex DAX. Der „nor- male“ DAX wird als ein Performance- Index berechnet, was bedeutet, dass ne- ben den Kursentwicklungen der in ihm enthaltenen 30 Aktien (ab September werden es 40 sein) auch die ausgeschüt- teten Dividenden berücksichtigt wer- den. Der DAX hat aber auch noch einen unbekannteren Bruder, den „DAX Kurs“. In ihm wird nur die Entwicklung der Ak- tien berücksichtigt, die Dividenden wer- den herausgerechnet. Beide Indizes star- teten bei 1000 Punkten. Während der DAX mittlerweile bei rund 13 500 Punk- ten notiert, bringt es der DAX Kurs nur auf 5900 Punkte. Das zeigt exempla- risch, was Investoren zusätzlich durch Dividenden im Lauf der Jahre kassieren können. Keine Frage der Rendite. Dies bedeu- tet aber nicht, dass es nun "ür Anleger zwangsläu"ig am besten ist, auf Aktien mit möglichst hoher Dividendenrendite zu setzen. Denn die höchste Ausschüt- tung bringt nichts, wenn die Aktie im Kurs kräftig "ällt. „Eine hohe Rendite ist kein automatisches Signal "ür Wert und ist oft ein Zeichen "ür ein Unternehmen in Not“, sagt Stuart Rhodes, Manager des Fonds M & G Global Dividend. So ist es wichtig, darauf zu achten, wie ein Unternehmen die Dividende "i- nanziert. Idealerweise wird dazu ein Teil des Gewinns verwendet. Es gibt aber auch Unternehmen, die den kompletten Gewinn ausschütten, dann bleibt nichts mehr übrig etwa "ür Abbau von Schulden oder "ür Investitionen. Und schließlich kommt es auch vor, dass mehr als der ge- samte Gewinn ausgeschüttet wird. Dann müssen Unternehmen Schulden aufneh- men oder Geschäftsteile verkaufen, um die Ausschüttung zu stemmen. Die sogenannte Ausschüttungsquote zeigt, wie viel vom Gewinn an die Aktio- näre geht. Sie ist eine wichtige Kennzahl, um zu beurteilen, wie nachhaltig Divi- denden gezahlt werden können. €uro hat darum in seinem Dividen- dencheck dieser Quote bei der Auswahl der Aktien eine hohe Bedeutung beige- messen. Um die besten Dividendenakti- en herauszu"iltern, hat €uro mehrere Indizes ausgewertet. Aus Deutschland waren in diesem Aktienuniversum die 30 DAX%Werte. In den europäischen In- dizes analysierte die Redaktion den Stoxx Europe 600, in dem neben Aktien aus dem Euroraum auch Papiere von au- ßerhalb der Eurozone gelistet sind. Akti- en aus der Schweiz wurden nicht berück- sichtigt, weil sie derzeit "ür Anleger aus dem Euroraum schwierig zu handeln sind. Für die USA wurde der marktbrei- te S & P mit seinen 500 Unternehmen be- rücksichtigt. Aus Japan kamen die 225 im Nikkei gelisteten Aktien hinzu. In einem ersten Schritt "ilterte die Re- daktion das Aktienuniversum in Bezug auf die Dividendenrendite. Diese prozen- tuale Kennzahl gibt an, wie hoch die Ren- dite der Dividende in Bezug auf den Ak- tienkurs ist. Mindestens drei Prozent mussten es sein, um die Hürde zu neh- men. Anschließend wurde als weiteres Testkriterium die Ausschüttungsquote angelegt. Zudem sollte ein Unternehmen maximal 100 Prozent des erwirtschafte- ten Jahresgewinns ausschütten. Um aber nicht nur auf Dividenden zu achten, legte die Redaktion ebenfalls Wert auf die durchschnittliche Gesamt- rendite pro Jahr in den vergangenen zehn Jahren. Die Gesamtrendite setzt sich aus der Kursentwicklung plus den ausgeschütteten Dividenden zusammen und musste bei mindestens "ünf Prozent pro Jahr liegen. Abgerundet wurde der Kriterienkatalog durch die Pro"itabilität, gemessen an Eigenkapitalrendite und der allgemeinen Bewertung der Aktie, "ür die auf die Kennzahlen Kurs-Gewinn- Verhältnis (KGV), Kurs-Umsatz-Verhält- nis (KUV) und Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) zurückgegriffen wurde. Aus all d
Setzen Sie Akzente für Ihre Geldanlage. 1,0 % p.a. Bei Kauf oder Übertrag von Wertpapieren ab 25.000 € für 6 Monate Festgeld in gleicher Höhe. Angebot freibleibend. www.merkur-privatbank.de089 59 99 80 ANZEIGE Für Anleger, die ihr Geld lieber breit über Dividendenaktien streuen, stellen wir zudem die besten Fonds und ETFs vor. Auch hier legte die Redaktion Wert auf eine nachhaltig positive Entwick- lung. Aufgrund der Corona-Pandemie gerieten etliche Dividendenfonds aller- dings in einen Abwärtssog, den sie bis heute zum Teil noch nicht wieder aufho- len konnten. Daher hebt die Redaktion jene Fonds und ETFs hervor, die in den vergangenen zwölf Monaten besonders gut abgeschnitten haben. Das galt etwa "ür Jan Ehrhardt, der seit 18 Jahren den DJE Dividende & Substanz managt. Ehr- hardt rechnet "ür 2021 wieder mit guten Chancen "ür Dividendenaktien. Denn Anleihen und Immobilien seien bereits hoch bewertet, während viele Dividen- denaktien noch günstig seien. Zudem könne man Immobilien leichter besteu- ern als Unternehmen. Gold und Krypto- währungen seien zwar in aller Munde, doch jeweils eine zu kleine sowie unaus- gereifte Anlageklasse, die keine Dividen- den oder Zinsen zahlen würden. ➝ 4 4 HV- K ALEN D ER 5 0 S TEU E RN4 6 TO P- FO N DS Anleger müssen aber auch beachten, dass auf Dividenden Steuern "ällig wer- den. Dabei unterscheiden sich die Regeln in den einzelnen Ländern. €uro hat die Infos zu den wichtigsten Ländern zusam- mengetragen. Abgerundet wird das Gan- ze durch einen Kalender, der die Termi- ne "ür die Hauptversammlungen der deutschen Unternehmen auflistet: Auf den Hauptversammlungen wird von den Aktionären die Höhe der Dividende be- schlossen. Anleger sollten sich die "ür sie wichtigen Daten merken. Europa Aktien von Unternehmen aus Europa mit hoher Dividendenrendite 1 Name ISIN Dividenden- rendite in % BAT GB 000 287 580 4 7,9 AXA FR 000 012 062 8 7,5 Total FR 000 012 027 1 7,4 Vodafone Group GB 00B H4H KS3 9 6,6 GlaxoSmithKline GB 000 925 288 2 5,9 National Grid GB 00B DR0 5C0 1 5,8 Rio Tinto GB 000 718 875 7 5,5 Eon DE 000 ENA G99 9 5,4 Zurich Insurance CH 001 107 539 4 5,4 Lloyds Banking Group GB 000 870 612 8 5,2 USA Aktien von Unternehmen aus den USA mit hoher Dividendenrendite 1 Name ISIN Dividenden- rendite in % Oneok US 682 680 103 6 8,9 Altria Group US 022 09S 103 3 8,2 Iron Mountain US 462 84V 101 7 7,8 Kinder Morgan US 494 56B 101 7 7,7 Williams Companies US 969 457 100 4 7,4 Coty US 222 070 203 7 7,3 AT & T US 002 06R 102 3 7,2 ExxonMobil US 302 31G 102 2 7,2 SL Green Realty US 784 40X 804 8 7,0 Valero Energy US 919 13Y 100 1 6,4 Japan Aktien von Unternehmen aus Japan mit hoher Dividendenrendite 1 Name ISIN Dividenden- rendite in % Japan Post Holdings JP 375 290 000 5 9,0 Konica Minolta JP 330 060 000 8 7,1 Aozora Bank JP 371 120 000 0 6,6 Sumitomi Mitsui JP 389 035 000 6 5,7 Showa Denko JP 336 800 000 0 5,6 Resona Holdings JP 350 061 000 5 5,6 Haseko JP 376 860 000 3 5,5 Mizuho Financial JP 388 578 000 1 5,3 DIC JP 349 340 000 0 5,2 Eneos Holdings JP 338 645 000 5 5,1 Stichtag: 05.02.2021; 1 erwartete Dividendenrendite laut Schätzungen beim Wirtschaftsdienst Bloomberg; Quelle: Bloomberg
-25 0 25 50 75 100 125 Wertentwicklung 5 Jahre in % 02/16 02/1802/17 02/19 02/20 02/21 MSCI World Allianz €URO 03|2134 BILD: STOCK4B/MAURITIUS IMAGES, JULIAN MEZGER FÜR €URO, ASAFTA/ISTOCK, GRAFNER/ISTOCK, WRANGEL/ISTOCK, DNDAVIS/GETTY IMAGES/ISTOCK tens eine Dividende auf dem Niveau des Vorjahres zu zahlen, infrage. Im Versi- cherungsgeschäft hinterließ Corona mit 1,3 Milliarden Euro Schäden bis Ende September, davon 900 Millionen Euro in der Sachversicherung, etwa durch Schließungen in der Hotellerie und in der Gastronomie, deutliche Spuren. In- zwischen hat die Allianz diese Risiken durch Vertragsänderungen und außer- gerichtliche Einigungen im Griff. In der Vermögensverwaltung, wo die Münch- ner mit 2,3 Billionen Euro Vermögen weltweit zu den größten gehören, läuft es gut. Die Sparte liefert knapp ein Vier- tel des Konzerngewinns. Auch bei der Dividende blieben die Münchner 2020, anders als einige euro- päische Wettbewerber, auf Kurs. Die Allianz überwies ihren Anteilseignern die in Aussicht gestellten 9,60 Euro pro Aktie und damit sogar etwas mehr als die neun Euro im Jahr zuvor. Auch im lau- fenden Jahr erwarten Analysten eine Dividende, die ähnlich hoch aus!ällt wie im Vorjahr — trotz der Belastungen. Der Primus Europas größter Versicherer Allianz meistert Folgen der Pandemie besser als erwartet. Bei der Dividende werden die Münchner wohl weiter großzügig sein ISIN DE 000 840 400 5 Kurs 196,04 € Kurs-Gewinn-Verhältnis 2021e 9,6 Kurs-Umsatz-Verhältnis 0,7 Kurs-Buch-Verhältnis 1,1 Dividendenrendite 2021e 4,9 % Ausschüttungsquote 50,5 % Dividendenplus 3 Jahre p. a. (e) 3,0 % Fremdkapital/Eigenkapital 52,3 % Eigenkapitalrendite (ROE) 11,0 % Gesamtrendite 10 Jahre p. a. 13,6 % Branche Versicherung Sitz München/Deutschland Stichtag: 05.02.21; e=erwartet; Quelle: Bloomberg €URO-EMPFEHLUNG 1ALLIANZ Drama im vergangenen Frühjahr: Als das Coronavirus plötzlich weltweit auftauchte und pani- sche Anleger die Börsenkurse abstürzen ließen, bekam das auch die Allianz deut- lich zu spüren. Wie bei vielen Versiche- rern geriet auch beim DAX"Konzern die Solvenzquote unter Druck. Sie ist Laien eher unbekannt, aber !ür Fachleute und Anleger eine wichtige Kennzahl, denn sie zeigt, wie gut eine Versicherung durch eine Finanzkrise kommen kann. Bei der Allianz sank sie im ersten Halb- jahr 2020 von 212 auf 187 Prozent. Härtetest bestanden. Finanzvorstand Giulio Terzariol nutzte die schnelle Erho- lung der Kurse, um im großen Stil Akti- en zu verkaufen. So erhöhte er die Sol- venzquote im September wieder auf 192 Prozent. Warum ist diese Zahl auch !ür Allianz-Aktionäre so wichtig? Konzern- intern gelten 180 Prozent als inakzepta- bel, unter 160 Prozent steht die freiwilli- ge Verpflichtung der Allianz, auch nach schwierigen Jahren pro Aktie mindes- Umsatz 142 Mrd. € Börsenwert 80,8 Mrd. € Mitarbeiter 147 000 Laut den Schät- zungen bei Bloom- berg wird die Allianz in diesem Jahr 9,60 Euro Dividende pro Aktie zahlen 3 2 EIN LEIT U N GTitel Dividenden 3 4 TO P-A K TIE N
-50 -25 0 25 50 75 100 Wertentwicklung 5 Jahre in % 02/16 02/1802/17 02/19 02/20 02/21 MSCI World Conagra €URO 03|21 35 BILD: DANIEL ACKER/BLOOMBERG Laut den Schät- zungen bei Bloom- berg wird Conagra in diesem Jahr 0,91 Euro Dividende pro Aktie zahlen angeboten werden). Zu den Kunden ge- hören neben dem Einzelhandel auch Restaurants und Institutionen. Konkurrent geschluckt. Conagra hat im vergangenen Jahr die Übernahme des auf Tiefkühlkost fokussierten US"Wett- bewerbers Pinnacle Foods erfolgreich abgeschlossen und damit seinen Markt- anteil kräftig ausgedehnt. Allerdings ist durch den milliardenschweren Kauf auch die Verschuldung gestiegen. In welchem Maß Conagra von der Pan- demie bislang pro!itieren konnte, hat sich in den letzten Quartalszahlen gezeigt. So stieg der Umsatz im Vergleich zum Vor- jahr um 6,2 Prozent auf drei Milliarden US"Dollar. Der bereinigte Gewinn pro Aktie legte sogar um 28,6 Prozent auf 0,81 Dollar zu. „Wir bleiben zuversicht- lich, dass Conagra Brands gut positio- niert ist, um die Vorteile des sich ändern- den Verbraucherverhaltens zu nutzen, von denen wir glauben, dass viele auch in Zukunft anhalten werden“, so die Hoff- nung von Chef Sean Connolly. Die Sattmacher Tiefkühlkost und Fertiggerichte boomen in Corona-Zeiten. Aber auch danach wird der Trend anhalten. Gut für Conagra Brands, die mit Produkten vor allem in den USA stark sind ➝ ISIN US 205 887 102 9 Kurs 28,62 € Kurs-Gewinn-Verhältnis 2021e 13,4 Kurs-Umsatz-Verhältnis 1,5 Kurs-Buch-Verhältnis 2,0 Dividendenrendite 2021e 3,2 % Ausschüttungsquote 49,3 % Dividendenplus 3 Jahre p.a. (e) 18,0 % Fremdkapital/Eigenkapital 126,9 % Eigenkapitalrendite (ROE) 8,9 % Gesamtrendite 10 Jahre p. a. 10,2 % Branche Nahrungsmittel Sitz Chicago/USA Stichtag: 05.02.21; e=erwartet; Quelle: Bloomberg €URO-EMPFEHLUNG 1CONAGRA BRANDS Auch in Zeiten von Pandemien müssen die Menschen essen. Und weil gerade viele Restaurants und Bars geschlossen sind, wird mehr zu Hause gegessen. Nicht immer aber wird dabei ein opulentes Mahl frisch gekocht, häu!ig wird zu Fertiggerichten und Tief- kühlkost gegriffen. Ein Trend, den es in den USA schon länger gibt und der nun durch Corona beflügelt wird. Mit seinen zahlreichen Marken ist das US"Unternehmen Conagra Brands in die- sem Bereich ein echtes Schwergewicht. Mögen Marken wie Birds Eye, Duncan Hines oder Healthy Choice in Europa bis- lang kaum ein Begriff sein, in den USA sind sie bekannt. Allerdings be!indet sich Conagra mit Marken wie der auf italieni- sches Essen ausgerichteten Linie Bertolli auf internationalem Expansionskurs und ist auch in Deutschland präsent. Gleichzeitig legt das Unternehmen bei seinen Produkten jedoch zunehmend einen Schwerpunkt darauf, dass sie dem Trend zu gesunder Kost entspre- chen (auch wenn nach wie vor Snacks Umsatz 9,2 Mrd. € Börsenwert 14,1 Mrd. € Mitarbeiter 18 000 4 4 HV- K ALEN D ER 5 0 S TEU E RN4 6 TO P- FO N DS
-20 0 20 40 60 80 100 Wertentwicklung 5 Jahre in % 02/16 02/1802/17 02/19 02/20 02/21 MSCI World Edison International €URO 03|2136 BILD: WOLTERKE - STOCK.ADOBE.COM Laut den Schät- zungen bei Bloom- berg wird Edison in diesem Jahr 2,18 Euro Dividende pro Aktie zahlen zentrale Stromnetz wegen Funkenflugs von Hochspannungsleitungen als ein Verursacher von Waldbränden gilt, die Kalifornien in der jüngeren Vergangen- heit stets aufs Neue heimgesucht haben. SCE hat deshalb immer wieder Schaden- ersatzansprüche zu befriedigen. Zuletzt musste das Unternehmen da!ür 1,7 Milli- arden Euro hinlegen. Gelingt der Schwenk in die neue mo- derne Ökostromwelt, könnte die Aktie Auftrieb bekommen. Denn der Bedarf an sauberer Energie ist in Kalifornien enorm, und bei Anlegern sind grüne Ti- tel beliebt. Der Bundesstaat ist !ür sich betrachtet einer der größten Energiever- braucher der Welt. Techgiganten wie Facebook und Alphabet unterhalten in Kalifornien ihre Firmenzentralen. Sie al- le bevorzugen Ökostrom. Gemessen an Kennzahlen wie KGV und Buchwert ist die Aktie günstig bewertet. Als Dividen- denzahler ist Edison jetzt schon eine Bank. 2020 hat die Firma die Dividende im 17. Jahr in Folge erhöht —in den letz- ten !ünf Jahren stieg sie um 8,3 Prozent. Das Energiebündel Gerade im US-Bundesstaat Kalifornien dreht sich viel um erneuerbare Energien. Die Holding Edison International ist gut positioniert, um davon zu profitieren ISIN US 281 020 107 7 Kurs 48,80 € Kurs-Gewinn-Verhältnis 2021e 12,9 Kurs-Umsatz-Verhältnis 1,6 Kurs-Buch-Verhältnis 1,6 Dividendenrendite 2021e 4,7 % Ausschüttungsquote 66,1 % Dividendenplus 3 Jahre p. a. (e) 5,9 % Fremdkapital/Eigenkapital 147,2 % Eigenkapitalrendite (ROE) 6,4 % Gesamtrendite 10 Jahre p. a. 8,2 % Branche Energieversorgung Sitz Rosemead/USA Stichtag: 05.02.21; e=erwartet; Quelle: Bloomberg €URO-EMPFEHLUNG 1EDISON INTERNATIONAL D ie kalifornische Energieholding ist mit der Tochter Southern Ca- lifornia Edison (SCE) einer der größten Stromproduzenten und -versor- ger der USA. Dazu kommt mit Edison Ener#y ein Energieberatungshaus. SCE unterhält nach der Schließung des Kern- kraftwerks San Onofre am Pazi!ik kaum eigene Kraftwerke, sondern kauft den Strom zu 85 Prozent bei unabhängigen Produzenten zu. Dabei handelt es sich insbesondere um Ökostrom aus Wind und Photovoltaik. Außerdem ist SCE ein Stromnetzbe- treiber. Die Firma plant in den nächsten Jahren, die grüne Stromversorgung im sonnen- und windreichen Kalifornien mit Milliardeninvestitionen massiv aus- zubauen. Dazu zählt neben weiteren Ab- schlüssen mit grünen Stromproduzen- ten im Gigawatt-Bereich auch ein Umbau des Netzes unter Einbeziehung von Bat- terien als große Speicher. So soll künftig mehr grün erzeugter Strom ohne langen Transport vor Ort verbraucht werden. Das ist auch deshalb wichtig, weil das Umsatz 10,3 Mrd. € Börsenwert 18,6 Mrd. € Mitarbeiter 13 000 3 2 EIN LEIT U N GTitel Dividenden 3 4 TO P-A K TIE N
-35 0 35 70 105 140 175 Wertentwicklung 5 Jahre in % 02/16 02/1802/17 02/19 02/20 02/21 MSCI World Iberdrola €URO 03|21 37 BILD: STEFAN SAUER/DPA Laut den Schät- zungen bei Bloom- berg wird Iberdrola in diesem Jahr 0,43 Euro Dividende pro Aktie zahlen ment und unserer !inanziellen Kapazität ein Modell !ür langfristiges, nachhaltiges Wirtschaftswachstum, das den aktuel- len Herausforderungen der Gesellschaft gerecht wird“, sagt Iberdrola-Chef Ignacio Galán. Spanien und noch viel mehr. Auch die internationale Expansion ist bei den Bas- ken schon länger Programm: Das Unter- nehmen übernahm 2007 den britischen Energieversorger ScottishPower und ein Jahr später den US"Versorger Ener#y East. So ist Iberdrola nicht mehr nur auf dem spanischen Heimatmarkt stark, sondern auch in Großbritannien, in den USA und in Brasilien. Größter Anteilseigner ist Qatar Invest- ment Authority (QIA), der Staatsfonds des Emirats Katar. Der freut sich über die regelmäßigen Ausschüttungen des Un- ternehmens, das im Jahr 1992 aus dem Zusammenschluss zweier privater Ener- gieversorger — Hidroeléctrica Española (Hidrola) und Hidroeléctrica Ibérica Iberduero — entstanden ist. Der Klimafreundliche Die weltweiten Klimaschutzziele sind nur zu erreichen, wenn erneuerbare Energien viel mehr an Bedeutung gewinnen. Für den spanischen Versorger Iberdrola ist das ein Segen ➝ ISIN ES 014 458 0Y1 4 Kurs 11,23 € Kurs-Gewinn-Verhältnis 2021e 19,4 Kurs-Umsatz-Verhältnis 2,0 Kurs-Buch-Verhältnis 2,1 Dividendenrendite 2021e 3,8 % Ausschüttungsquote 57,8 % Dividendenplus 3 Jahre p. a. (e) 6,9 % Fremdkapital/Eigenkapital 121,8% Eigenkapitalrendite (ROE) 7,7 % Gesamtrendite 10 Jahre p. a. 13,0 % Branche Energieversorgung Sitz Bilbao/Spanien Stichtag: 05.02.21; e=erwartet; Quelle: Bloomberg €URO-EMPFEHLUNG 1IBERDROLA W enn man eine Aktie mit einer Langfristperspektive sucht, stößt man früher oder später auf das Papier des spanischen Versorgers Iberdrola. Das Unternehmen mit Sitz in Bilbao setzt massiv auf Windenergie und auf Wasserkraft. Und der aus erneuerba- ren Energien stammende Strom ist un- abdingbar, wenn es um den Klimaschutz geht. Wie aussichtsreich da die langfris- tigen Perspektiven sind, zeigt sich etwa in dem Green Deal der Europäischen Union. Darin rufen die EU"Staaten unter anderem das Ziel aus, saubere Energien zu !ördern und bis zum Jahr 2050 klima- neutral zu sein. Der Versorger hat sich aber nicht erst seit der jüngsten Klimaschutzdebatte den erneuerbaren Energien zugewandt, sondern war einer der europäischen Pi- oniere. „Unser Geschäftsmodell, das seit 20 Jahren die Energiewende vorweg- nimmt, macht uns zu einer treibenden Kraft bei der Umgestaltung des industri- ellen Ge!üges. Wir !ördern mit unserer Erfahrung, unserem sozialen Engage- Umsatz 34,2 Mio. € Börsenwert 72,0 Mrd. € Mitarbeiter 35 800 4 4 HV- K ALEN D ER 5 0 S TEU E RN4 6 TO P- FO N DS
-25 0 25 50 75 100 125 Wertentwicklung 5 Jahre in % 02/16 02/1802/17 02/19 02/20 02/21 MSCI World Keycorp €URO 03|2138 BILD: TY WRIGHT/BLOOMBERG Laut den Schät- zungen bei Bloom- berg wird Keycorp in diesem Jahr 0,61 Euro Dividende pro Aktie zahlen Corona-bedingten Kosten sackte das Nettoergebnis 2020 um 22 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro ab. Insgesamt stehen bei Keycorp Anla- gen von 140 Milliarden Euro in den Bü- chern. Davon sind 60 Prozent Kredite, verteilt zu drei Vierteln auf Firmen- und einem Viertel auf Privatkunden. Positiv ist, dass dem eine solide Kapitaldecke ge- genübersteht. Die Kernkapitalquote liegt bei 9,8 Prozent und damit weit über dem, was die Finanzaufsicht fordert. Die Bank ist ein zuverlässiger Dividen- denzahler. Die vierteljährlichen Aus- schüttungen sind seit 2010 kontinuier- lich gestiegen, von einem US"Cent 2010 auf zuletzt 18,5 US"Cent je Aktie. Für die Aktie spricht außerdem ein verglichen mit dem Buchwert günstiger Kurs. Ein Risiko stellen mittelfristig mögliche stei- gende Kreditaus!älle im Zuge der Corona- Krise dar. Die Bank erwartet !ür 2021 allerdings keine ausgeprägte Kredit- klemme bei ihren Kunden, sondern im Gegenteil steigende Zinserträge und ein ertragreiches Investmentgeschäft. Die Geldgeberin In der Pandemie sind Aktien von Banken wenig gefragt, das gilt auch für das US-Finanzinstitut Keycorp. Nun bietet das Papier eine attraktive Dividende und eine niedrige Bewertung ISIN US4932671088 Kurs 14,80 € Kurs-Gewinn-Verhältnis 2021e 10,6 Kurs-Umsatz-Verhältnis 2,5 Kurs-Buch-Verhältnis 1,1 Dividendenrendite 2021e 4,1 % Ausschüttungsquote 58,6 % Dividendenplus 3 Jahre p. a. (e) 4,3 % Fremdkapital/Eigenkapital 91,3 % Eigenkapitalrendite (ROE) 9,0 % Gesamtrendite 10 Jahre p. a. 9,6 % Branche Finanzen Sitz Cleveland/USA Stichtag: 05.02.21; e=erwartet; Quelle: Bloomberg €URO-EMPFEHLUNG 1KEYCORP K eycorp ist eine der größten US-amerikanischen Privat- und Geschäftskundenbanken. Das Fi- nanzhaus aus Cleveland in Ohio ist in 15 Staaten im Norden der USA mit insge- samt mehr als 1000 Filialen präsent und beschäftigt rund 18 000 Mitarbeiter. Das klassische Bankhaus !inanziert kleine und mittlere Unternehmen bis zur Indus- trie und ist im Privatkundengeschäft vor allem auf die Eigenheim!inanzierung und auf Hypotheken fokussiert. Wichti- ge Ertragssäule ist außerdem das Invest- mentgeschäft, das Keycorp auf eigene und fremde Rechnung aus!ührt. Das war zuletzt auch ein entscheiden- der Gewinnbringer und ließ das Pro- visionsergebnis 2020 um acht Prozent gegenüber Vorjahr ansteigen. Die Bank pro!itierte damit klar vom Aufschwung an den US"Aktienmärkten. Die steigende Kreditnachfrage von Firmenkunden ließ zwar auch die Zinseinnahmen klettern. Weil aber zugleich die Kreditaus!älle zu- genommen haben, verringerte sich das Zinsergebnis. Zusammen mit steigenden Umsatz 5,6 Mrd. € Börsenwert 15,3 Mrd. € Mitarbeiter 17000 3 2 EIN LEIT U N GTitel Dividenden 3 4 TO P-A K TIE N
-25 0 25 50 75 100 125 Wertentwicklung 5 Jahre in % 02/16 02/1802/17 02/19 02/20 02/21 MSCI World Mitsubishi Corp €URO 03|21 39 BILD:KIYOSHI OTA/BLOOMBERG Laut den Schät- zungen bei Bloom- berg wird Mitsubishi in diesem Jahr 1,07 Eu- ro Dividende pro Ak- tie zahlen beitet. Im Kern legen die Japaner dabei den Fokus auf nachhaltiges Wachstum mit besonderer Rücksicht auf drei geo- politische Rahmenbedingungen: 1. die „America First“-Agenda der US"Regie- rung, 2. die „One Belt, One Road“- oder auch neue Seidenstraßenpolitik genann- te Strategie Chinas, mit der interkon- tinentale Handels- und Infrastruktur- netze zwischen der Volksrepublik und Ländern in Afrika, Asien und Europa geknüpft werden sollen, und 3. die soge- nannte „Vierte Industrielle Revolution“, die Fabriken immer stärker miteinander vernetzt. Das 1954 als Handelshaus gegründete Unternehmen setzt außerdem zuneh- mend auch auf Wasserstoff und hat im Oktober 2020 eine rund zehnprozentige Beteiligung an dem norwegischen Was- serstoffunternehmen Hydrogen Pro er- worben. Sinn der Beteiligung sei es, das „Portfolio weiter auszubauen und in Zu- kunft grüne Wasserstoffproduktionsan- lagen anzubieten“, schreibt Mitsubishi in einer Pressemitteilung. Der Universalist Der japanische Mischkonzern Mitsubishi produziert so ziemlich alles, was sich herstellen lässt. Zunehmend nimmt er nun auch das Trendthema Wasserstoff ins Visier ➝ ISIN JP 389 840 000 1 Kurs 21,60 € Kurs-Gewinn-Verhältnis 2021e 10,0 Kurs-Umsatz-Verhältnis 0,3 Kurs-Buch-Verhältnis 0,8 Dividendenrendite 2021e 4,9 % Ausschüttungsquote 37,2 % Dividendenplus 3 Jahre p. a. (e) 2,4 % Fremdkapital/Eigenkapital 139,0 % Eigenkapitalrendite (ROE) 7,6 % Gesamtrendite 10 Jahre p. a. 5,2 % Branche Mischkonzern Sitz Tokio/Japan Stichtag: 05.02.21; e=erwartet; Quelle: Bloomberg €URO-EMPFEHLUNG 1MITSUBISHI CORP. M itsubishi bedeutet übersetzt „Drei Diamanten“. Und ent- sprechend setzt sich auch das Logo des japanischen Mischkonzerns aus drei Diamanten zusammen — und dieses Logo prangt so ziemlich auf allem, was sich herstellen lässt: von Autos über Roboter und Raumfahrtprodukte (im Fo- to oben) sowie Turbinen und Leitungen !ür Strom und Gas bis hin zu Nahrungs- mitteln und Bekleidung. Das Unternehmen mit Sitz im Groß- raum Tokio bringt es auf insgesamt zehn unterschiedliche Geschäftsbereiche und gibt damit fast so etwas wie ein Spiegel- bild der japanischen Wirtschaft ab. Wo- bei sich Mitsubishi aber keineswegs nur auf den Heimatmarkt konzentriert, son- dern ein global ausgerichteter Konzern ist, der in 90 Ländern aktiv ist. Geopolitische Strategie. Vor rund zwei Jahren hat die Mitsubishi Corpora- tion ihren Managementplan mit dem Titel „Midterm Corporate Strate#y 2021“ ins Leben gerufen, den sie seitdem abar- Umsatz 84,7 Mrd. € Börsenwert 31,7 Mrd. € Mitarbeiter 86100 4 4 HV- K ALEN D ER 5 0 S TEU E RN4 6 TO P- FO N DS
-25 0 25 50 75 100 125 Wertentwicklung 5 Jahre in % 02/16 02/1802/17 02/19 02/20 02/21 MSCI World Munich Re €URO 03|2140 BILD: ANDREAS GEBERT/REUTERS Laut den Schät- zungen bei Bloom- berg wird Munich Re in diesem Jahr 9,80 Euro Dividende pro Aktie zahlen vor dem Hintergrund gestiegener Preise !ür Versicherungen in der Lage sein, höhere Prämien durchzusetzen. Das Un- ternehmen spricht von „ausgesprochen vorteilhaften Bedingungen !ür Ge- schäftswachstum“. Der Vorstand erwar- tet denn auch, dass der Gewinn 2021 auf das vor Ausbruch der Pandemie avisier- te Ziel von 2,8 Milliarden Euro ansteigen wird. Da stören auch die erwarteten Be- lastungen !ür die Tochter Ergo kaum. Der Erstversicherer hatte im vergange- nen Jahr sogar bessere Ergebnisse prä- sentiert. Grund war ein Rückgang bei den Un!ällen, insbesondere im Verkehr. Das sorgt !ür gute Aussichten. Der Konzern gilt als sehr solide — laufend wird Geld zur Seite gelegt. Das macht die Münchner zu einem der wenigen Divi- dendenzahler, die ihre Ausschüttung stetig steigern konnten. Auch wenn das Aktienrückkaufprogramm im vergange- nen Jahr gestoppt wurde — durch mög- liche Nachholeffekte könnten die im DAX"Vergleich günstig bewerteten Akti- en 2021 noch viel Luft nach oben haben. Die Grundsolide Hohe Dividendenrendite, solide Bilanz und Aufholpotenzial. Die Aktie des Rückversicherers Munich Re bietet Anlegern jetzt gute Aussichten ISIN DE0008430026 Kurs 234,20 € Kurs-Gewinn-Verhältnis 2021e 11,5 Kurs-Umsatz-Verhältnis 0,5 Kurs-Buch-Verhältnis 1,1 Dividendenrendite 2021e 4,2 % Ausschüttungsquote 50,4 % Dividendenplus 3 Jahre p. a. (e) 2,3 % Fremdkapital/Eigenkapital 16,6 % Eigenkapitalrendite (ROE) 7,6 % Gesamtrendite 10 Jahre p. a. 11,9 % Branche Rückversicherung Sitz München/Deutschland Stichtag: 05.02.21; e=erwartet; Quelle: Bloomberg €URO-EMPFEHLUNG 1MUNICH RE Wohl kaum eine Branche war seit Ausbruch der Corona-Kri- se am Aktienmarkt weniger gefragt als die Versicherer. Kein Wunder, kamen doch gewaltige Forderungen auf sie zu, etwa wegen ausgefallener Veran- staltungen und Firmenschließungen. Das zeigt sich an den Geschäftszahlen von Munich Re, auch bekannt als Mün- chener Rückversicherung, die 2020 deutlich unter den Erwartungen und dem 2019er-Ergebnis zurückblieben. Das erklärt die schwache Kursentwicklung des DAX"Werts am Aktienmarkt. Auch wenn durch die Pandemie in der Rück- versicherung weitere Schäden drohen, etwa wenn immer mehr versicherte Menschen sterben — das Schlimmste könnte nach Meinung von Analysten be- reits hinter der Branche liegen. Auch der Munich-Re-Vorstand rechnet !ür 2021 mit geringeren Kosten. Positiv könnte sich die anstehende Erneuerungsrunde zeigen, bei der die Branche mit großen Kunden Verträge neu verhandelt. Munich Re dürfte hier Umsatz 64,8 Mrd. € Börsenwert 32,7 Mrd. € Mitarbeiter 39700 3 2 EIN LEIT U N GTitel Dividenden 3 4 TO P-A K TIE N
-20 0 20 40 60 80 100 Wertentwicklung 5 Jahre in % 02/16 02/1802/17 02/19 02/20 02/21 MSCI World Pfizer €URO 03|21 41 BILD: SEDA SERVET - STOCK.ADOBE.COM Laut den Schät- zungen bei Bloom- berg wird Pfizer in diesem Jahr 1,29 Euro Dividende pro Aktie zahlen und Innovation fokussiertes Pharmaunter- nehmen. Rechtzeitig vor Beginn des Co- rona-Projekts hatte der New Yorker Kon- zern, der sich nun auch auf die Entwick- lung von Gentherapieverfahren fokus- siert, sein Geschäft mit Generika und älteren Originalpräparaten, auch das be- kannte Potenzmittel Viagra, in die selbst- ständige Firma Upjohn ausgelagert. Im November 2019 wurde Upjohn in den US"Generikakonzern Mylan integriert, der dann in Viatris umbenannt wurde. Läuft alles wie geplant, rechnet P!izer !ür 2021 mit 59,4 bis 61,4 Milliarden Dol- lar Erlös, vier Milliarden Dollar mehr, als Analysten erwartet hatten. Bis 2026 will der Konzern den Gesamtumsatz jährlich um sechs Prozent erhöhen. Da!ür sind allerdings weitere Erfolge wie jetzt mit dem Corona-Impfstoff notwendig. Für die Fortsetzung der aktionärsfreundli- chen Dividendenpolitik ist ausreichend Geld vorhanden. Das da!ür benötigte Geld aus dem Geschäft soll 2021 um mehr als drei Viertel auf 18,5 Milliarden Dollar zulegen. Der Pillendreher Das gemeinsam mit Biontech entwickelte Covid-19-Vakzin stärkt die Reputation des New Yorker Pharmakonzerns Pfizer. Die Fokussierung des Unternehmens zahlt sich aus ➝ ISIN US7170811035 Kurs 29,26 € Kurs-Gewinn-Verhältnis 2021e 11,1 Kurs-Umsatz-Verhältnis 4,3 Kurs-Buch-Verhältnis 3,0 Dividendenrendite 2021e 4,4 % Ausschüttungsquote 98,6 % Dividendenplus 3 Jahre p. a. (e) 5,9 % Fremdkapital/Eigenkapital 84,7 % Eigenkapitalrendite (ROE) 19,3 % Gesamtrendite 10 Jahre p. a. 11,8 % Branche Pharma Sitz New York/USA Stichtag: 05.02.21; e=erwartet; Quelle: Bloomberg €URO-EMPFEHLUNG 1PFIZER Es ist eine ermutigende Perspekti- ve. Zusammen mit der Mainzer Biontech hat der US"Pharmakon- zern P!izer einen Corona-Impfstoff auf Basis einer Boten-Ribonukleinsäure (mRNA) entwickelt, der dem Körper hilft, sich selbst gegen das Virus zu wapp- nen. Im laufenden Geschäftsjahr soll das Vakzin nun 15 Milliarden Dollar Umsatz einbringen. Analysten hatten im Schnitt 12,7 Milliarden Dollar geschätzt. Die Erträge mit anderen Medikamen- ten lieferten P!izer ausreichend Geld, um den Impfstoff entwickeln zu können und ihn in !ür Pharmazeutika ungewöhnlich kurzer Zeit en masse herstellen zu kön- nen. Neun Milliarden Dollar, gut ein Fünftel des Umsatzes, hat P!izer 2020 in Forschung und Entwicklung investiert. 2021 sollen nun zwei Milliarden Dosen des Vakzins geliefert werden. Auf dem Höhepunkt. Chef Albert Bour- la sieht das von P!izer und Biontech Er- reichte als einen „Höhepunkt des langen Wandels von P!izer in ein auf Forschung Umsatz 39,7 Mrd. € Börsenwert 162,1 Mrd. € Mitarbeiter 88 300 4 4 HV- K ALEN D ER 5 0 S TEU E RN4 6 TO P- FO N DS
-70 0 70 140 210 280 350 Wertentwicklung 5 Jahre in % 02/16 02/1802/17 02/19 02/20 02/21 MSCI World Rio Tinto €URO 03|2142 BILD: DENIS ZHITNIK/SHUTTERSTOCK Laut den Schät- zungen bei Bloom- berg wird Rio Tinto in diesem Jahr 2,20 Euro Dividende pro Aktie zahlen beim Reeder A. P. Møller-Mærsk, seien gute Voraussetzungen !ür den Job. Deut- lich weniger Sorgen hat der über zwei Me- ter große passionierte Läufer und Rad- fahrer bei den Finanzen. Chinas Bedarf an Kupfer oder Eisenerz beschert Rio Tinto üppige Einnahmen. Für 2021 schät- zen Analysten das frei ver!ügbare Kapi- tal, den sogenannten Cashflow, auf über zehn Milliarden Euro, 28 Prozent mehr als im abgeschlossenen Geschäftsjahr. Allerdings ist China !ür Rio Tinto bei Rohstoffen längst nicht mehr nur ein willkommener Abnehmer, sondern auch ein großer Rivale. Etwa beim größten noch nicht erschlossenen Eisenerzvor- kommen der Welt, das Rio Tinto vor Jah- ren in Simandou im westafrikanischen Guinea entdeckt hat. Mit diplomati- schem Geschick muss es Chef Stausholm gelingen, das Erz als Erster zu !ördern. Sonst könnten Firmen aus dem Reich der Mitte zum Zug kommen. China will sei- ne Stahlbranche von australischen Roh- stofflieferanten unbedingt unabhängi- ger machen. Der Erzriese Durch das Wachstum von Chinas Wirtschaft ziehen die Preise für Kupfer und Eisenerz stark an. Das beschert dem australisch-britischen Minenbetreiber Rio Tinto volle Kassen ISIN GB0007188757 Kurs 64,56 € Kurs-Gewinn-Verhältnis 2021e 9,1 Kurs-Umsatz-Verhältnis 3,1 Kurs-Buch-Verhältnis 3,3 Dividendenrendite 2021e 3,5 % Ausschüttungsquote 71,0 % Dividendenplus 3 Jahre p. a. (e) 3,2 % Fremdkapital/Eigenkapital 34,8 % Eigenkapitalrendite (ROE) 16,1 % Gesamtrendite 10 Jahre p. a. 7,5 % Branche Bergbau Sitz London/Großbritannien Stichtag: 05.02.21; e=erwartet; Quelle: Bloomberg €URO-EMPFEHLUNG 1RIO TINTO Seit Januar ist Jakob Stausholm, zu- vor Finanzvorstand des austra- lisch-britischen Unternehmens Rio Tinto, Chef eines der größten Rohstoff- konzerne der Welt, Betreiber riesiger Minen zum Abbau von Eisenerz und Kup- fer. Der Neue an der Spitze muss das arg ramponierte Ansehen des Konzerns bei Aktionären und in der Öffentlichkeit wiederherstellen. Zum Bruch kam es durch Rio Tintos Sprengung heiliger Kultstätten der Aborigines im Juukan Canyon im Westen Australiens trotz der Proteste von Ureinwohnern und deutli- cher Warnungen von Anthropologen. Gewaltige Herausforderungen. Die ruhige Art des Dänen in Verhandlungen, der anders als sein Vorgänger Jean-Sé- bastien Jacques nicht versucht, Ziele auf Biegen und Brechen zu erreichen, sehen Analysten als besondere Eignung !ür den Job, der jetzt noch härter werden dürfte. Auch Stausholms Zeit als Finanzchef bei Rio Tinto, davor 20 Jahre beim Ölmulti Royal Dutch Shell und mit Erfahrungen Umsatz 36,0 Mrd. € Börsenwert 80,0 Mrd. € Mitarbeiter 47000 3 2 EIN LEIT U N GTitel Dividenden 3 4 TO P-A K TIE N
-20 0 20 40 60 80 100 Wertentwicklung 5 Jahre in % 02/16 02/1802/17 02/19 02/20 02/21 MSCI World Snam €URO 03|21 43 BILD: SNAM/FLICKR Laut den Schät- zungen bei Bloom- berg wird Snam in diesem Jahr 0,26 Euro Dividende pro Aktie zahlen ausbauen, die auch !ür Biogas oder Was- serstoff ausgelegt ist. Das Thema Wasser- stoff ist !ür das Unternehmen, das 1941 gegründet wurde und von 1953 bis 2001 eine Tochtergesellschaft des italieni- schen Erdöl- und Energiekonzerns Eni war, schon länger wichtig: So war Snam nach eigenen Aussagen der erste europä- ische Anbieter, der testweise mit Erdgas gemischten Wasserstoff in seine Netze eingeleitet hat. Analysten raten zum Kauf. Für Bran- chenbeobachter ist die Snam-Aktie eine ziemlich eindeutige Sache: Von 20 beim Wirtschaftsdienst Bloomberg gelisteten Experten mit Fokus auf Snam empfehlen gleich 14, das Papier zu kaufen. Dazu ge- sellen sich nochmals !ünf, die zum Hal- ten raten, zum Verkauf rät nur ein Ana- lyst. Das durchschnittliche Kursziel auf Sicht von einem Jahr liegt bei 5,10 Euro, damit attestieren die Analysten der Ak- tie ein ordentliches Potenzial. Dazu ge- sellt sich dann noch eine Dividendenren- dite von über !ünf Prozent. Die Netzwerkerin Kein Unternehmen in Europa leitet mehr Erdgas durch seine Netze als Snam. Aber das Unternehmen aus Italien steht auch bei der anstehenden Energiewende nicht im Abseits ➝ ISIN IT 000 315 341 5 Kurs 4,49 € Kurs-Gewinn-Verhältnis 2021e 13,0 Kurs-Umsatz-Verhältnis 5,6 Kurs-Buch-Verhältnis 2,3 Dividendenrendite 2021e 5,7 % Ausschüttungsquote 71,7 % Dividendenplus 3 Jahre p. a. (e) 4,6 % Fremdkapital/Eigenkapital 236,2 % Eigenkapitalrendite (ROE) 15,3 % Gesamtrendite 10 Jahre p. a. 9,3 % Branche Erdgas Sitz Mailand/Italien Stichtag: 05.02.21; e=erwartet; Quelle: Bloomberg €URO-EMPFEHLUNG 1SNAM O hne Erdgas geht noch nichts in Sachen Energie. Auch wenn der Ausbau der erneuerbaren Ener- gien voranschreitet, ist Erdgas etwa zum Heizen noch nicht aus dem Energiemix wegzudenken. Snam aus Italien ver!ügt mit insge- samt 41 000 Kilometern nach eigenen Angaben über das umfangreichste Transportnetz unter den europäischen Mitbewerbern und hat mit rund 20 Mil- liarden Kubikmetern zudem die größte Erdgasspeicherkapazität. Aber das Un- ternehmen mit Sitz im Großraum Mai- land weiß auch um die Herausforderun- gen, die die Energiewende mit sich bringt. Entsprechend wird Snam bis zum Jahr 2023 gut 1,4 Milliarden Euro in das Projekt SnamTec investieren. Damit sol- len neue umweltfreundliche Techniken entwickelt werden und weniger Treib- hausgase ausgestoßen werden. Insgesamt plant das Unternehmen, 6,5 Milliarden Euro zu investieren, um sich !ür die Energiewende !it zu machen. Damit will Snam eine Gas-Infrastruktur Umsatz 2,7 Mrd. € Börsenwert 15,4 Mrd. € Mitarbeiter 3025 4 4 HV- K ALEN D ER 5 0 S TEU E RN4 6 TO P- FO N DS
3 4 TO P-A K TIE N €URO 03|2150 A uf dem Börsenparkett warten nicht nur Kursschwankungen und negative Unternehmens- meldungen, auch Finanzäm- ter und Depotbanken halten die eine oder andere Überraschung bereit. Zu- nächst gelten die allgemeinen steuer- lichen Spielregeln !ür Kapitalanlagen. Anleger mit Wohnsitz in Deutschland müssen auf all ihre rund um den Globus erzielten Kursgewinne und Dividenden- erträge in Deutschland Steuern zahlen, Fachleute nennen dies das Welteinkom- mensprinzip. Liegen die Wertpapiere in einem Depot bei einer deutschen Bank, kümmert diese sich um den meisten Steuerkram. Anleger mit einem Depot im Ausland müssen ihre Erträge in der jähr- lichen Steuererklärung nachmelden. Steuerfrei bleiben Erträge in Höhe des Sparerpauschbetrags von 801 Euro !ür Ledige und 1602 Euro !ür Verheiratete. Wer seiner inländischen Bank einen Freistellungsauftrag erteilt hat, muss auf Erträge bis zur Höhe des Sparerpausch- betrags keine deutschen Steuern zahlen. Wer es versäumt hat, einen Freistellungs- auftrag zu erteilen, kann das Formular nachreichen — die Bank muss dann be- reits vorgenommene Steuerabzüge noch mal durchrechnen und eventuell zu viel einbehaltene Steuern zurückerstatten. Ist der Sparerpauschbetrag ausgeschöpft, werden 25 Prozent Abgeltungsteuer !äl- lig, hinzu kommen noch mal 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag und je nach Bundes- land gegebenenfalls noch einmal acht oder neun Prozent Kirchensteuer. Wer nur deutsche Aktien und Wert- papiere besitzt, kann hier aufhören zu lesen. Alle mit einem etwas internationa- leren Portfolio sollten dranbleiben. Denn der Fiskus aus dem Herkunftsland einer Aktie will in aller Regel mit einer eigenen Quellensteuer an den Kursgewinnen und anderen Erträgen mitverdienen. Wehren kann man sich dagegen zunächst nicht — selbst ein rechtzeitig erteilter Freistel- lungsauftrag verhindert nicht, dass der ausländische Fiskus zugreift. Die Steuer wird automatisch abgezogen, wenn die Dividende ausgezahlt wird — dem Aktio- när wird nur der verbleibende Netto- ertrag auf dem Konto gutgeschrieben. Aber: Die Depotbank erteilt über die Steuerabzüge eine Bescheinigung. Diese Abrechnung ist bares Geld wert. Denn in der Regel werden ausländische Quellen- steuern bis zur Höhe von maximal 15 Pro- zent automatisch auf die in Deutschland !ällige Abgeltungsteuer von 25 Prozent angerechnet. Damit sind Länder im Vor- teil, die von Auslandsaktionären entwe- der gar keine oder nur Quellenstern bis zu diesem Satz erheben. Staaten ohne Quellensteuer. Keinen Stress gibt es bei Dividenden aus Groß- britannien und Singapur — diese Staaten verzichten auf einen Quellensteuerab- zug. Auch Dividenden aus den Niederlan- den, Luxemburg, Neuseeland, Japan, Griechenland und Thailand sind pro- blemlos — deren Quellensteuer wird in voller Höhe in Deutschland angerechnet. Die Depotbank zwackt zusätzlich ledig- lich die fehlenden Prozente ab — man zahlt also insgesamt immer nur die 25 Prozent, die im Inland !ällig werden. Steuern zurückholen. Einbehaltene Quellensteuern über 15 Prozent müssen sich Anleger von den ausländischen Fi- nanzbehörden in Eigenregie zurückho- len. Wie hoch in den einzelnen Staaten der Quellensteuerabzug auf Dividenden und Zinserträge aus!ällt und wie viel man per Erstattungsantrag zurückerhal- ten kann, kann man auf der Website des Bundeszentralamts !ür Steuern (BZSt) (bzst.de) unter dem Stichwort „Steuern International“ und „Ausländische Quel- lensteuern“ abrufen. Vorsicht: Die Behörde aus Bonn ist mit ihren Infos nicht immer auf dem aktuel- len Stand. Auf der gleichen Seite bietet das Bundeszentralamt auch den Link „Ausländische Antragsformulare“, unter dem Erstattungsformulare entweder di- rekt abrufbar sind oder sich wiederum Links auf die Websites der ausländischen Behörden !inden. Vorabbefreiung. In manchen Ländern besteht zumindest theoretisch die Mög- lichkeit, sich vorab als EU"Anleger regis- trieren zu lassen und so nur mit dem ver- minderten Quellensteuersatz belastet zu werden, der in Deutschland voll ange- rechnet werden kann. Das klingt zu- nächst gut, weil der mühsame Papier- kram ent!ällt. Denkbar ist so eine Vorab- befreiung beispielsweise !ür Frankreich, Italien, Schweden, Finnland, Norwegen, Australien und Kanada. In der Praxis funktioniert diese Vorabbefreiung aller- dings nicht reibungslos. Zahlreiche Ban- ken bieten den Service gar nicht erst an. Andere verlangen da!ür extra Gebühren, Fremdspesen zum Beispiel !ür den Datendienstleister Clearstream (bis zu 71,40 Euro) kommen hinzu. Tipp: Er- kundigen Sie sich deshalb vor dem Kauf von Aktien aus diesen Ländern, wie die Bank beim Quellensteuerabzug verfah- ren wird. Die Bank macht’s Auf der Jagd nach Dividenden stehen ausländische Aktien bei Anlegern hoch im Kurs. Doch oft sorgen hohe Quellensteuern und Bankgebühren für eine böse Überraschung 3 2 EIN LEIT U N GTitel Dividenden
€URO 03|21 51 ➝ BILD: WWW.WORBES-VERLAG.DE (2) Der US-Fiskus verlangt auf die Dividenden von Coca-Cola und Co eine Quellensteuer von 30 Pro- zent. Davon wird die Hälfte deutschen Anlegern auf die heimische Steuerschuld angerechnet. Sie zahlen dann in Deutschland zusätzlich nur noch die verbleibenden zehn Prozent, um auf die 25 Prozent Abgeltungsteuer zu kommen. Die in den USA abgezwackten 15 Prozent muss man durch Abgabe einer Steuererklärung bei den US-Behör- den zurückfordern. Entsprechende Formulare hält die US-Steuerbehörde IRS unter irs.gov be- reit. Hier sind in jedem Fall gute Englisch-Kennt- nisse erforderlich. Es gibt aber einen Trick, um diesen Aufwand zu vermeiden: die richtige De- potbank. Fast alle deutschen Onlinebroker und die meisten Banken haben sich gegenüber den US-Behörden als „Qualified Intermediary“ regis- triert. Fragen Sie vor einem Kauf von US-Aktien bei Ihrer Bank nach. Erfüllt sie diese Bedingung, werden von US-Dividenden nur noch 15 Prozent Quellensteuer einbehalten, die dann vom deut- schen Fiskus in voller Höhe auf die deutsche Steuerschuld angerechnet werden. Die Dividenden von Schweizer Unternehmen flie- ßen kontinuierlich und pünktlich wie ein Schweizer Uhrwerk. Allerdings behält der Schweizer Fiskus 35 Prozent Verrechnungssteuer von jeder Divi- dendengutschrift und jedem realisierten Kursge- winn als Quellensteuer ein. In Deutschland werden nur 15 Prozentpunkte angerechnet. Den Rest sollte man sich aus der Schweiz zurückholen. Das geht vergleichsweise einfach, doch geschenkt gibt es nichts: Seit Anfang 2020 können Rückerstat- tungsanträge nur noch digital über das Online- portal estv.admin.ch der Eidgenössischen Steuer- verwaltung gestellt werden. Dazu braucht man mit dem „Snapform Viewer“ ein kleines Zusatz- programm, das die Schweizer Behörden kosten- los zum Download anbieten. Das Online-Er- stattungsformular ist auch von steuerlichen Laien leicht auszufüllen – mehr oder weniger werden nur die Informationen aus der Dividendengut- schrift abgefragt und müssen übertragen werden. Alle zusätzlich benötigten Belege wie die Dividen- denabrechnung und der von der Depotbank aus- gestellte Tax-Voucher werden über das Online- portal der Schweizer als PDF hochgeladen und elektronisch abgelegt. Das Portal generiert ein Antragsformular für die Rückerstattung. Es wird ausgedruckt und dem heimischen Finanzamt vorgelegt. Nachdem das Finanzamt bestätigt hat, dass man hierzulande wohnt, wird der Antrag an die Schweizer Steuerverwaltung in 3003 Bern, Eigerstrasse 65, geschickt. Nach vier Wochen sollte das Geld erstattet sein. Achtung: Es kann aber sein, dass die Hausbank Gebühren für die Umrechnung von Franken in Eu- ro berechnet. Der Tax-Voucher ist nicht bei allen Depotbanken gebührenfrei. Während einige (ING, Postbank, Deutsche Bank, Maxblue, Consors- bank) den Tax-Voucher automatisch und kosten- frei mit dem Dividendenbeleg mitliefern, verlangt die Targobank zehn Euro je Ertragszahlung extra, Comdirect berechnet aktuell pro Voucher 17,28 Euro, Onvista sogar 20 Euro. Schweiz USA 4 4 HV- K ALEN D ER 5 0 S TEU E RN4 6 TO P- FO N DS
€URO 03|2152 BILD: WWW.WORBES-VERLAG.DE Die Alpenrepublik erhebt auf Dividenden eine Quellensteuer von 27,5 Prozent. Davon werden 15 Prozentpunkte auf die heimische Steuerschuld angerechnet. Den Rest muss man aus Österreich zurückfordern. Das geht aber nicht mehr unmittel- bar nach Dividendengutschrift. Man muss mit dem Antrag warten, bis das Auszah- lungsjahr abgelaufen ist. Doch damit nicht genug: Zunächst muss man auf einem speziellen Internetformular der Österreicher (www.formularservice.gv.at) eine sogenannte Vorausmeldung erstellen, ausdrucken, unterschreiben und mit einer Ansässigkeitsbescheinigung des heimischen Finanzamts versehen an das österrei- chische Finanzamt Bruck Eisenstadt Oberwart senden. Gebühren fallen keine an – bis das Geld überwiesen wird, kann es aber bis zu einem halben Jahr dauern. 2019 haben die beiden Länder die Steuererstattung schwieriger ge- macht, indem sie mehr persönliche Daten der Anleger wollten. Nicht alle deutschen Depotbanken waren bereit, den Steuerbehörden die gefor- derten Daten ihrer deutschen Kunden preiszugeben. Die ING etwa mach- te nicht mit und behielt seit Anfang 2019 die vollen 30 Prozent Quellen- steuer auf Dividenden aus dem hohen Norden ein. Also müssen Anleger selbst tätig werden. Besonders flott sind die Schweden bei der Rückzah- lung. Das auch auf Englisch erhältliche zweiseitige Rückerstattungsfor- mular (erhältlich auf der Website des Bundeszentralamts für Steuern) ist schnell ausgefüllt – knappe drei Wochen nach Postversand liegt der Rückerstattungsbescheid der schwedischen Steuerverwaltung Skatte- verket im Briefkasten. Die Finnen sind ähnlich unkompliziert, was das Erstattungsverfahren angeht – sie brauchen allerdings bis zu neun Mo- nate für die Bearbeitung. Dafür verzinsen sie die Rückerstattung auch. Schweden und Finnland Belgien Österreich Der Quellensteuerabzug fällt hier mit 30 Prozent üp- pig aus – davon wird die Hälfte von der heimischen Depotbank auf die Abgeltungsteuer angerechnet. Die andere Hälfte muss man in Brüssel zurückfor- dern. Dabei warten einige Besonderheiten auf Akti- ensparer. Das mehrsprachige Erstattungsformular gibt es über die Website des Bundeszentralamts für Steuern gratis zum ausfüllbaren Download – den Steuerberater kann man sich sparen. Allerdings ver- langen die Belgier für jede einzelne Dividendenzah- lung ein extra ausgefülltes Formular. Das macht bei Quartalszahlern im Depot unnötig viel Arbeit. Sind die Formulare einmal auf dem Postweg abgegeben, ist Geduld gefragt. Über zwei Jahre kann es dauern, bis die Belgier die Steuer erstatten. 3 2 EIN LEIT U N GTitel Dividenden 3 4 TO P-A K TIE N
4 4 HV- K ALEN D ER €URO 03|21 53 ➝ Man könnte auf den Gedanken kommen, dass Frankreich so hohe Hürden baut, um nur ja keinen Steuer-Euro wieder herausrücken zu müssen. Zwar hat Frankreich schon 2018 seine Quellensteuer auf Dividenden von bisher 30 Prozent auf 12,8 Prozent gesenkt. Das klingt gut, doch französische Dividen- dentitel sind damit für deutsche Anleger noch un- attraktiver geworden. Trotz der Steuersenkung gilt weiter: Liegen französische Aktien im Depot eines Privatanlegers bei einer inländischen Bank, zieht diese meist wie bisher den Quellensteuersatz von 30 Prozent ein. Der Grund: Der Steuersatz von 12,8 Prozent gilt nur für Nicht-Franzosen. Wert- papierlagerstellen wie Clearstream wissen aber nicht, in welchem Land der Anleger steuerpflichtig ist. Daher ziehen sie weiter 30 Prozent ab. Davon werden seit 1. Juli 2018 jedoch nur noch 12,8 und nicht mehr 15 Prozent auf die deutsche Abgeltung- steuer von 25 Prozent angerechnet. Anleger müs- sen also 17,2 Prozent statt wie früher nur 15 Prozent aus Frankreich zurückholen. Abhilfe kann nur ein Antrag auf Vorab-Ermäßigung schaffen. Dabei wird den französischen Behörden vor der Dividenden- auszahlung bescheinigt, dass ein in Deutschland ansässiger Investor die Dividende erhält und die Aktien im Inland verwahrt werden. Doch diesen Service bieten sehr viele deutsche Depotbanken gar nicht an. Das Verfahren ist ihnen zu aufwendig. Liebhabern bleibt also nur das nachträgliche Er- stattungsverfahren. Hierzu brauchen sie ihre De- potbank und den Datendienstleister Clearstream. Beide kassieren kräftig ab, sodass sich das Pro- zedere nur bei sehr hohen Erträgen lohnt. Wer es trotzdem versuchen will, geht wie folgt vor: Das Erstattungsformular gibt’s über das Bundeszen- tralamt als online ausfüllbare Variante direkt auf den heimischen Rechner. Danach muss das Formular vom deutschen Finanzamt mit einer Wohnsitz- bestätigung versehen werden. Und nun wird’s kom- pliziert: Denn Erstattungsanträge bearbeitet die französische Steuerbehörde nur, wenn diese über die Depotbank eingereicht werden und die deutsche Lagerstelle (in diesem Fall die deutsche Clear- stream AG in Frankfurt am Main) bestätigt, dass die Aktien in einem deutschen Depot verwahrt werden. Die Gebühren hierfür sind hoch: Die ING verlangt für jeden Antrag 50 Euro, die Targobank macht’s für 45,70 Euro. Die Volksbank Kassel-Göttingen nimmt pro Formular vergleichsweise bescheidene 15 Euro, bei Comdirect fallen laut aktuellem Preisverzeichnis „pro Zahlungsvorgang“ (das heißt für jede Dividen- dengutschrift) 23,20 Euro an – Fremdspesen kom- men noch dazu; nicht zu vergessen die Gebühren von Clearstream in Höhe 71,40 Euro pro Dividen- dengutschrift. Die ING ist wenigstens so fair und be- rechnet nach Erhalt eines Erstattungsantrags, ob nach Abzug der Gebühren überhaupt noch ein Euro Steuerrückzahlung für den Anleger herausspringt. Der spanische Fiskus kassiert 19 Prozent Quellensteuer auf Dividenden. Davon bekommen deutsche Aktionä- re die üblichen 15 Prozent in Deutschland als Gutschrift auf die eigene Abgeltungsteuerschuld angerechnet. Nur der Rest muss bei einer zentralen Erstattungsbehörde in Madrid zurückgefordert werden. Über die Web- site des BZSt kann man das notwendige Erstattungsformular „Modelo 210“ abrufen und online ausfüllen. Hier sind allerdings gute Englisch-Kenntnisse erforderlich, denn auf Deutsch gibt es das Formular nicht. Auch die aktuell vom BZSt bereitgestellte Ausfüllhilfe ist nur in Englisch erhältlich. Unter dem Suchbegriff „Spani- sche Botschaft und Modelo 210“ erhält man im Internet eine ältere deutschsprachige Version einer Ausfüllhil- fe der spanischen Botschaft in Berlin. Die Spanier überweisen den Betrag in der Regel innerhalb von sechs bis acht Monaten kostenfrei auf das im Antrag angegebene Konto des Anlegers zurück. Frankreich Spanien 5 0 S TEU E RN4 6 TO P- FO N DS
3 4 TO P-A K TIE N €URO 03|2154 BILD: WWW.WORBES-VERLAG.DE(2) Hier werden 25 Prozent Quellensteuer fäl- lig, die zunächst gar nicht auf die in Deutsch- land zu zahlende Abgeltungsteuer ange- rechnet werden. Von jedem Euro norwegi- scher Dividende gehen also zunächst 50 Cent an Steuern weg – 25 Cent an den nor- wegischen Fiskus, 25 Cent an den deut- schen. Die Depotbank darf die norwegische Quellensteuer aufgrund einer Besonderheit im norwegischen Steuersystem nicht als Gutschrift anrechnen. Ausländer können in Norwegen zwischen zwei Erstattungsvari- anten wählen, um Quellensteuern zurückzu- fordern. Bei der Variante eins, der soge- nannten „Shielding Deduction“, zahlen die Norweger Aktionären aus dem EU-Ausland die norwegische Quellensteuer nur anteilig zurück. Die Höhe der Rückzahlung schwankt und ist gekoppelt an die Durchschnittsver- zinsung norwegischer Staatsanleihen. Das Verfahren ist für deutsche Sparer nicht zu empfehlen, weil sie damit ihre Steuer nur zum Teil zurückbekommen. Die zweite Möglichkeit bringt mehr. Hierbei können Anleger die norwegische Quellen- steuer nachträglich von 25 auf 15 Prozent senken. Dann erhalten sie die überzahlten zehn Prozentpunkte vom norwegischen Staat zurückerstattet. Dieses Erstattungs- verfahren ist unkompliziert und kostenfrei. Das notwendige Formular der norwegi- schen Steuerbehörde gibt es frei Haus über die Website des Bundeszentralamts und ist online ausfüllbar. Da viele norwegische Unternehmen ihre Dividenden quartals- weise auszahlen, lohnt es sich, erst alle vier Zahlungen abzuwarten und dann für das Gesamtjahr einen Sammelantrag zu stellen. Die Rückerstattung erfolgt in norwegischen Kronen. Die heimische Bank wird also beim Rücktausch in Euro eine Wechselgebühr kassieren, die von Institut zu Institut unter- schiedlich hoch sein kann. Den anderen Teil der norwegischen Quellensteuer holen sich Anleger über die eigene Steuererklä- rung zurück. In der Anlage KAP für 2020 (Zeile 41 „Anrechenbare, noch nicht ange- rechnete Quellensteuer“) tragen sie 15 Pro- zentpunkte der norwegischen Quellen- steuer ein. Über den Steuerbescheid er- stattet dann das heimische Finanzamt den Betrag zurück. Norwegen 3 2 EIN LEIT U N GTitel Dividenden
Das Terminal mit Informationsvorsprung www.baha.com ANZEIGE Die reguläre Quellensteuer auf Dividenden von Firmen wie Ryanair und Co beträgt in Irland 20 Pro- zent. Für deutsche Aktionäre sollte diese Abgabe eigentlich komplett entfallen. Das klappt aber nur, wenn rechtzeitig vor dem Dividendentermin gegenüber den irischen Behörden oder dem Unternehmen der Wohnsitz innerhalb der EU sowie die Aktienbestände offengelegt werden. In Deutschland bietet leider so gut wie keine Depotbank diesen Service zur Vorabbefreiung an. Daher wird die Quellensteuer oft zu Unrecht erhoben. Anleger müssen also selbst sehen, wie sie ihr Geld zurückbekommen. Der Antrag muss binnen vier Jahren nach Ende des Ertragsjahres gestellt werden. Nächste Hürde: Rückvergütungsanträge bearbeiten die irischen Behörden nur, wenn ein Nachweis über die Quellensteuerzahlung beigebracht wird. Kopien der normalen Dividenden- abrechnungen akzeptieren sie leider nicht. Sie fordern eine Art „Tax-Voucher“ oder einen „Credit Advice“ – ähnlich wie die Schweizer Steuerbehörden, das heißt einen Originalbeleg darüber, dass die Quellensteuer tatsächlich bezahlt wurde. Betroffene sollten sich für diesen Beleg an ihre deut- sche Depotbank wenden. Doch leider stellt nicht jede Bank den geforderten Nachweis aus. Irland 4 4 HV- K ALEN D ER 5 0 S TEU E RN4 6 TO P- FO N DS
€URO 06|2132 Wie geht es der Lebensversicherung? Einst waren die Verträge Geldmaschinen, heute ist das Modell hinter ihnen sanierungs- bedürftig. Für wen sie sich noch lohnen, was neuartige Policen taugen – und wie Gegner und Befürworter argumentieren VON MARKUS HINTERBERGER UND MARTIN REIM Schaurig wie bei Hitchcock: Lebensversicherungen waren jahrzehntelang ein Liebling der Sparer. Nun scheinen sich die Zinsen schier aufzulösen
€URO 06|21 33 BILD: SERHII MUDREVSKYI/ISTOCK [M] 34 EINLEITUNG Die Lebensversicherung gibt es seit fast 200 Jahren – doch wie lange noch? 36 FRAGEN & ANTWORTEN Was rund um Lebensversicherungen wichtig ist – von Varianten und Garantien 42 STREITGESPRÄCH Zwei Branchenkenner über Fehler der Versicherer und gute Neuerungen 46 TEST Alternativen zu klassischen Policen: Deutschlands größter Vergleich Titel Lebensversicherungen
€URO 06|2134 Mitten in Deutschland steht eine riesige Geldmaschine. Sie wird ge!üttert von Spa- rern, die Monat !ür Monat drei Milliarden Euro hineinstecken. Aufs Jahr gerechnet entspricht dies dem Bun- desbudget !ür Verkehr. Die Rede ist von Kapitallebens- und privaten Rentenver- sicherungen mit gesetzlichem Garan- tiezins. Gut 50 Millionen dieser soge- nannten klassischen Policen gibt es in Deutschland. Jahrzehntelang produzierte diese Ma- schine regelmäßig gute Gewinne !ür die Einzahler. Man ahnte zwar, dass das In- nenleben der Maschine kompliziert ist. Man sah auch, dass andere in erhebli- chem Umfang pro!itierten — namentlich Versicherer und Vermittler. Doch all die- se Dinge waren so lange egal, wie !ür die Sparer genügend ab!iel. Doch mittlerweile wird der Strom der Auszahlungen immer dünner. Während es in den 90er-Jahren schon mal sieben Prozent Rendite gab, lag der Wert zuletzt bei knapp der Hälfte. Neu abgeschlosse- ne Policen werfen sogar erheblich weni- ger ab, mit weiter fallender Tendenz. Und bei all diesen Zahlen sind die Kosten noch nicht mal einberechnet. Was ist los mit dem einstigen Erfolgs- modell? Das wollen wir auf den nächsten Seiten klären. Wie auch Fragen, die sich viele Sparer stellen: Soll ich meine alte Lebensversicherung kündigen? Soll ich eine neue abschließen? Was ist dran an den viel!ältigen Alternativen zu den klas- sischen Policen, die viele Anbieter pro- pagieren? Muss ich mir Sorgen machen, dass mein Anbieter pleitegeht? Die Frage, warum es mit klassischen Policen abwärtsgeht, ist rasch beantwor- tet. Um den jährlichen Garantiezins plus eventuelle Überschüsse darzustellen, müssen die Anbieter eine jährliche Ren- dite sicherstellen. Das ging jahrzehnte- lang problemlos über Staatsanleihen. Seitdem deren Verzinsung teilweise un- ter die Nulllinie gerutscht ist, haben die Anbieter ein unlösbares Problem. Sie verdienen schlicht nicht genug, um die hohen Garantiezinsen bei laufenden Ver- trägen (mitunter bis zu vier Prozent) zu erwirtschaften, gleichzeitig neuen Ver- trägen kundenfreundliche Renditen zu ermöglichen und die staatlich ge!örder- te Rücklage namens Zinszusatzreserve !ür noch schlechtere Zeiten als die jetzi- gen zu bedienen. Ergebnis: Nur noch eine Minderheit von Anbietern offeriert Policen mit Ga- rantiezins. Und wer sie noch im Pro- gramm hat, liegt teilweise unter dem aktuellen gesetzlichen Höchstwert von 0,9 Prozent. Zugleich schwindet das In- teresse der Kunden. Im vergangenen Jahr wurde nicht einmal mehr eine Mil- lion dieser Policen abgesetzt. Zum Ver- gleich: Im Jahr 2005 waren es noch mehr als viermal so viele. Die drängendsten Fragen. Kündigen oder dabeibleiben? Gerade wenn der Vertrag hoch verzinst ist, auf keinen Fall aussteigen. Und es gibt Alternativen, bei- spielsweise keine Beiträge mehr einzu- zahlen (siehe Seite 38 und 39). Sollte man eine neue Lebensversiche- rung abschließen? Das hängt davon ab, ob man zu einem von sechs speziellen Anlegertypen gehört (Klassi!izierung auf den Seiten 37 bis 40). Wer sich bei seiner Altersvorsorge um nichts kümmern will, ist bei Lebensversicherungen möglicher- weise gut aufgehoben. Und wer sich staat- lich !ördern lassen will (über Riester, Rürup, betriebliche Altersvorsorge oder vermögenswirksame Leistungen), liegt auch nicht schlecht. Oder wer Steuern sparen will. Wer allerdings seinen Ver- mögensaufbau aktiv angeht, ist sicher nicht gut beraten. Da sind ETFs, aktiv ge- managte Fonds oder möglicherweise Ein- zelaktien empfehlenswerter. Und wer auf eine Immobilie setzt, hat sowieso andere Sorgen als eine Lebensversicherung. Was ist dran an den Alternativen aus den Entwicklungsabteilungen der Versi- cherer? Vor- und Nachteile !inden Sie auf den Seiten 36 bis 38. Ein Test der wich- tigsten Alternativen ist auf den Seiten 46 bis 59 zu !inden. Wie geht es mit der Lebensversiche- rung weiter? Sie wird vermutlich weiter- hin ihren Platz in der Altersvorsorge ha- ben — gerade wegen ihrer Garantie, bis ans Lebensende auszuzahlen. Das bietet kein anderes Finanzprodukt. Außerdem sorgt die staatliche Förderung !ür kon- tinuierlichen Absatz. Dieser Flanken- schutz durch die öffentliche Hand könnte noch ausgebaut werden, wenn eine Vorsorgepflicht !ür Selbstständige kommt, wie es Union und SPD planen. Bewegte Geschichte. Außerdem ist die Lebensversicherung enorm wand- lungs!ähig, wie sich in ihrer knapp 200-jährigen Historie gezeigt hat. Ernst Wilhelm Arnoldi, gebürtig im thüringi- schen Gotha und Gründer des deutschen Versicherungswesens, offerierte 1827 die ersten Policen. Es handelte sich um eine Absicherung der Hinterbliebenen, falls der Ernährer stirbt — also um eine soge- nannte Risikolebensversicherung. Eine Auszahlung an den Versicherungsneh- mer war nicht vorgesehen. Im Gründungsdokument schreibt Ar- noldi, es gehe darum, „die ihres Hauptes beraubte Familie gegen Mangel zu si- chern“. Und „das eigene Gemüt von der Qual zu befreien, welche der Gedanke an einen frühzeitigen Tod bei unerzogenen 3 6 FR AG E N & A NT WO
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€URO 06|2136 Lebensversicherungen — ein Buch mit sieben Siegeln? Das muss nicht sein! Hier die wich- tigsten Fragen und Antworten. Plus sechs Typen, !ür die diese Vorsor- geart trotz aller Kritik passen könnte. Welche Arten von Lebens- versicherungen gibt es? + Sichere Verzinsung. - Relativ geringe Renditeaussichten. Moderne Klassik. Es existiert ein Sam- melsurium neuartiger Konstruktionen, von denen die meisten nah an klassi- schen Policen sind. So ist der Anlagemix bei der Modernen und der Alten Klassik oft der gleiche, denn das Investment er- Wer bei Klassik nur an Musik denkt, liegt falsch. Auch in der Assekuranz gibt es so etwas. Hier ein Kompendium der Lebensversicherungen – über Varianten, Garantien und Kündigung Alte Klassik. Das Kundenguthaben (Einzahlungen minus Kosten) wird jähr- lich zumindest um den gesetzlich festge- legten Garantiezins gemehrt. Er beträgt derzeit !ür Neuverträge 0,9 Prozent und wird Anfang 2022 auf 0,25 Prozent sin- ken. Zusätzlich gibt es — je nachdem, wie gut der Versicherer das Geld anlegt — Überschüsse obendrauf. Fragen Antworten 3 6 FR AG E N & A NT WO R TE N3 4 EIN LEIT U N GTitel Lebensversicherungen
€URO 06|21 37 folgt in beiden Fällen im sogenannten Si- cherungsvermögen — also in Eigenregie des Anbieters. Eine höhere Rendite soll dadurch erzielt werden, dass der Versi- cherer durch die gekürzten Garantien weniger Kapital beiseitelegen muss. Ent- sprechend wird eine höhere Überschuss- beteiligung in Aussicht gestellt. All die- sen Angeboten ist gemeinsam, dass es keine Orientierung an einem Index gibt (siehe Test auf den Seiten 46 bis 59). + Etwas bessere Renditeaussichten als bei klassischen Policen, Verluste sind ausgeschlossen. - Exakte Konditionen der Verrentung werden erst bei Auszahlungsbeginn fest- gelegt. Geringere rechtliche Sicherheit bei der Überschussbeteiligung. Indexpolicen. Hier haben Kunden in je- dem Jahr der Laufzeit ihrer Police vorab die Wahl: Wollen sie sich eine feste Ver- zinsung sichern? Oder möchten sie mit der Überschussbeteiligung teilweise oder komplett an der Entwicklung eines oder mehrerer Indizes partizipieren? Dabei addieren die meisten Anbieter am Jahresende die monatlichen Wertent- wicklungen — jeweils bis zu einem pro- zentualen Höchstwert (dem sogenann- ten Cap) oder mit einer prozentualen Be- teiligung an den Gewinnen (der Partizi- pationsquote). Bei allen Produkten ist ausgeschlossen, dass der Versicherte (abgesehen von den Kosten) auf Jahres- sicht draufzahlt, denn Verluste werden nicht mitberechnet (siehe Test auf den Seiten 46 bis 59). + Der Kunde hat eine echte Wahl zwi- schen klassischer Überschussbeteili- gung und Partizipation an Indizes, ohne dass größere Verluste entstehen können. Beteiligt er sich am Index, ist die Ren- dite — zumindest in der Rückrechnung — meist höher als bei klassischen Policen. - Die Renditechancen sind durch Cap und Quote limitiert. Zudem schrumpft bei sinkenden Zinsen die Überschussbe- teiligung, die !ür die Indexpartizipation zur Ver!ügung steht. Auch arbeiten eini- ge Anbieter mit selbst gebauten, intrans- parenten Indizes statt mit bekannten und objektiv nachvollziehbaren Börsen- barometern wie DAX und Euro Stoxx 50. Britische Variante. Bei With-Pro!it-Po- licen (auf Deutsch: mit Überschussbetei- ligung) werden Prämien minus Kosten nicht kundenbezogen, sondern pauschal !ür die gesamte Versichertengemein- schaft investiert. So kann der Versiche- rer den Aktienanteil bei der Anlage der Prämien deutlich erhöhen. Damit Kurs- schwankungen nicht voll durchschla- gen, werden sie durch ein Glättungsver- fahren, das sogenannte Smoothing, ab- gemildert. Am Ende der vereinbarten Laufzeit erhöht eventuell ein Schlussbo- nus die garantierten Leistungen. + Das Glättungsverfahren sorgt während schlechter Börsenzeiten da!ür, dass es !ür Kunden ohne große Verluste möglich ist zu kündigen. - Die Garantie ist nicht so sicher wie bei klassischen Policen. Ohne Schlussbonus ist die Rendite gering. Das Smoothing ist intransparent. Fondspolicen. Auch hier sind Garan- tien ein wichtiges Thema. Es gibt die ver- schiedensten Spielarten — von null Ga- rantie bis nahezu Vollkaskoschutz. Die- se Policearten lassen sich unterscheiden: Bei Verträgen ohne Garantien werden Beiträge (minus Kosten) komplett in aus- gewählten Investmentfonds angelegt — in Aktien, Anleihen oder Immobilien, teilweise auch in kostengünstigen Index- fonds, also ETFs. + Hohe Renditechancen und oft eine gro- ße Auswahl von Fonds. - Enorme Verlustrisiken und teilweise undurchsichtige Fondskosten. Bei Zwei-Topf-Hybriden fließen die Prämien abzüglich Kosten in das Siche- rungsvermögen und in Fonds. In der sta- tischen Variante ist die Aufteilung der Zuflüsse !ix. Bei der dynamischen Vari- ante wechselt die Verteilung und hängt wesentlich von der Lage am Kapital- markt und vom Alter des Versicherten ab. Je näher die Rentenphase, desto we- niger Aktien. + Relativ hohe Sicherheit, geringe Ver- lustrisiken. - Niedrigere Gewinnchancen durch ei- ne grundsätzlich geringe Aktienquote. Sie bleibt insbesondere nach Kurseinbrü- chen häu!ig lange Zeit auf einem sehr niedrigen Niveau. Drei-Topf-Hybride. Hier werden Prä- mien (minus Kosten) gleich auf drei An- lagevehikel verteilt: das Sicherungsver- mögen, einen Garantiefonds und weite- re Fonds. Der Garantiefonds sorgt zum Ende der Vertragslaufzeit da!ür, dass der eingezahlte Anlagebetrag mindestens zu einem bestimmten Prozentsatz an den Kunden zurückfließt. Manchmal sind auch zwischenzeitliche Höchststände gesichert. + Bei günstigem Börsenverlauf ist eine hohe Aktienquote mit entsprechenden Gewinnchancen möglich. - Die Garantie hängt zum großen Teil nicht vom Versicherer, sondern von der Fondsgesellschaft ab, die hinter dem Garantiefonds steht. Viele Garantiefonds sind renditeschwach, worunter der Ge- samtertrag leidet. ➝ ILLUSTRATION: KLAUS SCHÜTT FÜR €URO Der Faule Die besten Aktien, Zer- tifikate, Anleihen und Fonds sind auf eigene Faust oft erst durch langwierige Vergleiche zu finden. Oder man nutzt Fachmedien, doch auch das kostet Zeit und Geld. Wer das zu anstrengend fin- det und trotzdem etwas für seine Altersvorsorge tun will, kann eine Rentenp
€URO 06|2138 Risikolebensversicherungen. Sie die- nen nicht der Kapitalanlage, sondern decken lediglich das Todesfallrisiko ab — und werden deshalb in diesem Artikel nicht berücksichtigt. Was zu tun ist. Welcher Kunde sollte nun zu welcher Police greifen? „Selten kann man ein Produkt als absolut gut oder schlecht einstufen“, sagt Alexander Kling vom Institut !ür Finanz-und Ak- tuarwissenschaften in Ulm. Vielmehr seien die Chance-Risiko-Pro!ile unter- schiedlich. „Die große Kunst liegt darin, dieses Pro!il mit der Risikoneigung des Kunden in Einklang zu bringen.“ Der unabhängige Versicherungsmakler Tho- mas Adolph aus Frankfurt stößt ins glei- che Horn: „Bestimmte Angebotsklassen per se abzulehnen, !inde ich nicht gut. Man sollte jede einzelne Variante einge- hend prüfen.“ Welche Arten von Garantien gibt es? Gesetzlicher Garantiezins. Er ist so- zusagen der Goldstandard unter den Ga- rantien (siehe „Alte Klassik“ auf Seite 36). Garantierte Ablaufleistung. Die ga- rantierte Ablaufleistung ist die einzige Leistung, auf die der Versicherte einen rechtlichen Anspruch hat. Sie !indet sich in der Police als vertraglich geregelte Versicherungssumme. Die Versiche- rungssumme berechnet sich aus der Ge- samtheit der eingezahlten Monatsbeiträ- ge (Sparanteil), der Laufzeit und dem zum Vertragsabschluss gültigen Garan- tiezins (Mindestverzinsung) abzüglich der Kosten des Versicherers wie Ver- triebs- und Verwaltungskosten oder ge- gebenenfalls versicherten Risiken zum Beispiel !ür den Todesfall. Komplette Beitragsgarantie. Zu Lauf- zeitende sind alle Einzahlungen (bei Riester-Verträgen inklusive Zulagen) nach Kosten zu 100 Prozent fest zuge- sagt. Verminderte Beitragsgarantie. Auch hier geht es um die Summe der Einzah- lungen nach Kosten zu Laufzeitende. Bei Fondspolicen sind Werte zwischen 100 und 0 Prozent üblich. Bei Indexpolicen sind es oft Werte zwischen 60 und 90 Prozent. Markt!ührer Allianz vergibt seit Anfang 2021 nur noch verminderte Bei- tragsgarantien (außer wenn gesetzliche Vorgaben etwas anderes nötig machen, beispielsweise bei Riester und betriebli- chen Direktversicherungen), andere An- bieter sind diesem Beispiel gefolgt. Überschussbeteiligung. Was den ge- setzlichen Garantiezins übersteigt. Sie ist zu Vertragsbeginn nicht zugesagt. Aber wenn sie !ür ein bestimmtes Jahr zuge- sagt ist, muss sie !ür dieses Jahr auch be- zahlt werden. Rentenfaktor. Er ist vor allem bei Fondspolicen ohne jede Beitragsgaran- tie relevant und de!iniert die Umrech- nung des zu Rentenbeginn angesparten Kapitals in eine monatliche Auszahlung. Je höher ein Rentenfaktor ist, desto mehr Startrente kann der Kunde aus seinem Vertrag erwarten. Kündigen – oder was? Kündigen. Hier gilt die Daumenregel: Je kürzer der bisherige Vertrag bislang gelaufen ist, desto mehr kann es sich lohnen, den Kontrakt zu kündigen. Wer ganz sichergehen will, sollte einen unab- hängigen Versicherungsberater auf die Police schauen lassen (eine Liste !inden Sie unter bvvb.de). Das kostet je Stunde rund 150 Euro Honorar plus Mehrwert- steuer. Gerade hoch verzinste Altverträ- ge sollte man jedoch besser weiterlaufen lassen. Beitragsfrei stellen. Sie zahlen keine Beiträge mehr, der Vertrag bleibt jedoch bestehen. Was angespart wurde, wird weiter verzinst. Vorsicht: Eine an den Vertrag gekoppelte Berufsun!ähigkeits- Zusatzversicherung ent!ällt in diesem Fall. Der Geförderte Vater Staat fördert die private Altersvorsorge via Riester, Rürup und betrieb- liche Altersvorsorge. Bei jedem dieser Wege sind Versicherungen dabei. Der fitte Senior Um Kapital fürs Alter anzusammeln, sind Versicherungen derzeit keine gu- te Idee. Doch haben die Policen einen unschlagbaren Vorteil: Sie garantieren eine Auszahlung bis zum Tod, egal wie lange man lebt. Deshalb kann, wer in seinen 50ern, 60ern oder 70ern ist und nennenswerte finanzielle Reser- ven hat, über eine solche Versi- cherungslösung nachdenken. Bei einer sogenannten Rente gegen Einmalbeitrag zahlt man das Gut- haben auf einen Schlag ein. Die Rente fließt sofort oder – wenn gewünscht – erst einige Jahre später. Besonders im Vorteil ist derjenige, dessen Vorfahren ein relativ langes Leben hatten. Denn das erhöht die statistische Wahr- scheinlichkeit, dass man selbst überdurchschnittlich lange lebt. 3 6 FR AG E N & A NT WO R TE N3 4 EIN LEIT U N GTitel Lebensversicherungen
€URO 06|2140 Versicherungsleistung und der Summe der gezahlten Beiträge ohne Zusatzbei- träge, grundsätzlich in vollem Umfang steuerpflichtig. Hat der Versicherte sein 62. Lebensjahr vollendet und den Ver- trag zwölf Jahre lang bespart, werden die Erträge nur zu 50 Prozent besteuert. Hierbei gilt der persönliche Steuersatz des Versicherten. Die Versicherung hat vorher stets die Abgeltungsteuer in Hö- he von 25 Prozent des Ertrags einzube- halten. Außerdem fallen zusätzlich noch Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer an. Sind nur 50 Prozent der Erträge der Police steuerpflichtig, bekommt der Ver- sicherte die Abgeltungsteuer des nun steuerfreien Ertrags über die Einkom- mensteuerveranlagung vom Finanzamt zurück. Geförderte Policen. Der Staat !ördert drei Wege der Altersvorsorge, die teilwei- se bis fast komplett über Lebensversiche- rungen statt!inden: Riester-Rente (of!i- ziell „Förderrente“ genannt), Rürup-Ren- te („Basisrente“) und Entgeltumwand- lung in der betrieblichen Altersvorsorge. Sparern winken dabei erhebliche Summen. Wer alle drei Förderwege nutzt (und das ist theoretisch !ür einige Perso- nengruppen möglich), kann rein rechne- risch mehr als 20 000 Euro pro Jahr steu- erfrei zur Seite legen und zusätzlich noch einiges an Sozialabgaben sparen. Und die prozentualen Renditen sind immens. So erzielt ein berufstätiges Ehepaar mit Sind Pleiten von Anbietern zu befürchten? Nein, meint Michael Klüttgens, Leiter der Versicherungsberatung !ür Nord-, Mittel- und Osteuropa beim Spezialisten Willis Towers Watson: „Die Branche ist robust unterwegs.“ Die Unternehmen könnten sämtliche Verpflichtungen er!üllen. Und Lars Heermann, Abteilungsleiter bei der Ratingagentur Assekurata, sagt: „Die grundsätzliche Lage ist im Moment nicht viel anders als in den vergangenen Jah- ren. Die Branche ist bereits seit Langem im Umbruch.“ Jedoch habe sich die Art des Umbruchs geändert. Wenn in den vergangenen Jahrzehn- ten ein Unternehmen nicht mehr aktiv sein konnte oder wollte, wurde es von einem Konkurrenten geschluckt, der die Geschäfte weiter!ührte. Heutzutage wer- den Vertragsbestände oft intern still- gelegt oder gleich komplett verkauft. Die Experten sind sich einig: Je besser es ei- nem Versicherer geht, desto wahrschein- licher wird er weitermachen. Wie es um die Anbieter steht, hat €uro in Ausgabe 3/2021 untersucht — das zehn- te Jahr in Folge. Ergebnis: Die Lage der Branche hat sich im Vergleich zur jüngs- ten Studie etwas gebessert. ➝ Der Steuerfuchs Versicherun- gen haben klare steuerliche Vor- teile gegenüber vielen anderen Investments. Der Zinsoptimist Wer glaubt, dass die aktuelle Zinsflaute in absehbarer Zeit endet, kann zu Lebensversicherungen greifen. Denn bei den meisten Policen- arten wachsen die Renditen mit steigenden Zinsen. einem Kind via Riester gut und gern pro eingezahltem Euro ein jährliches Plus von etwa 40 Cent — allein durch Zulagen und Steuervorteile. Für nicht berufstä- tige Elternteile kann die Rendite sogar noch weit höher liegen. Denn wer kein Einkommen hat, muss lediglich 60 Euro im Jahr bezahlen und kann Hunderte Eu- ro an Zulagen bekommen. Eine Verzin- sung des Kapitals ist da noch gar nicht mit eingerechnet. Wie meistens, wenn der Staat etwas gibt, stellt er Bedingungen. So muss man im Alter die Förderung zumindest teil- weise zurückzahlen. Das geschieht vor allem über die sogenannte nachgelager- te Besteuerung — was in den meisten Fäl- len das Plus schmälert, aber nicht kom- plett auffrisst. Denn im Normalfall liegt das derzeitige Einkommen über der spä- teren Rente. Angesichts der Steuerpro- gression zahlt man folglich als Erwerbs- tätiger meist einen höheren Steuersatz als später im Ruhestand. Somit sollte die staatliche Förderung per saldo ein gutes Geschäft sein. Das gilt vor allem !ür Gutverdiener, bei denen die Steuersätze heute und in der Rente übli- cherweise besonders stark auseinander- klaffen. Doch gibt es auch etliche Nachteile staatlicher Förderung: So sind Kunden jahrzehntelang gebunden. Während der Einzahlphase sind bei Rürup und be- trieblicher Altersversorgung keine Ent- nahmen möglich, bei Riester nur in Aus- nahme!ällen. Bei Rürup kommt man selbst in der Rentenphase nie an das an- gesparte Gesamtkapital heran — jedoch fließt die Rürup-Rente lebenslang. Ebenfalls unangenehm: Ruheständ- ler müssen Betriebsrenten sowie Einmal- oder Teilzahlungen aus diesen Altersein- künften im Grundsatz voll versteuern, !ür gesetzlich Krankenversicherte wer- den zusätzlich Kranken- und Pflege- beiträge !ällig. Allerdings wird, wer bei einer Kasse pflichtversichert ist, bis zu einem monatlichen Freibetrag von 164,50 Euro von den Krankenbeiträgen entlastet (nicht aber von den Pflege- beiträgen). 3 6 FR AG E N & A NT WO R TE N3 4 EIN LEIT U N GTitel Lebensversicherungen
€URO 06|2146 Das zeigt exemplarisch das Wohl und Wehe von Indexpolicen, die seit 2007 am Markt sind. Sie bieten mehr Sicherheit als eine direkte Aktienanlage, aber weniger Rendite. Um genau zu sein: Die prozen- tualen Gewinnchancen sind recht ge- ring, wenn man sie mit jenen direkter Aktieninvestments vergleicht. Deshalb ähneln Indexpolicen eher traditionellen Lebensversicherungen als Indexfonds (sogenannten ETFs), auch wenn sie mit Letzteren den Namen teilen. Warum gibt es sie dann überhaupt? Das versteht man am besten mit einer Pa- rallele aus der Automobilbranche. Auto- hersteller greifen gern zum Turbolader, wenn ein Motor leistungsschwach ist. Er verhilft zu mehr PS, ohne dass die gesam- te Konstruktion geändert werden muss. Denn das eingebaute Teil wird von den Abgasen des Motors angetrieben und Lebensversicherung 2.0 Wer eine Rentenpolice sucht, steht vor einer Fülle neuer Angebote. Sie versprechen mehr Rendite bei moderatem Risiko. Zu Recht? Lesen Sie Deutschlands größten Vergleichstest Für Aktienbesitzer war 2020 ner- venaufreibend. Bis Mitte März sauste der DAX um ein Drittel nach unten, holte dann die Ver- luste kontinuierlich auf und endete zu Jahresschluss sogar mit einem Ge- samtplus von 3,5 Prozent. Doch nicht jeder, der auf den DAX gesetzt hatte, musste die emotionale Achterbahnfahrt mitmachen. Für viele Besitzer sogenannter indexorientierter Lebensversicherungen — kurz: Index- policen — verlief das Jahr relativ ruhig. Minusjahre sind laut Vertrag ausge- schlossen, weshalb die Sparer die an- !ängliche Talfahrt ignorieren konnten. Doch gingen in die Endabrechnung die Verluste stärker ein als die späteren Zu- gewinne, sodass es per saldo plus/minus null aufging (die exakte Konstruktion !in- den Sie auf Seite 49). sorgt so !ür zusätzliche Power. Die Asse- kuranzbranche verfolgt derzeit ein ganz ähnliches Prinzip. Viele Anbieter bauen (über Index- policen und andere Neukonstruktionen) quasi einen Turbo in die klassischen Lebensversicherungen ein. Denn deren Renditen schrumpfen. Hauptgrund der Schwäche: Das Geld der Kunden muss überwiegend in Staatsanleihen inves- tiert sein, um in jedem Fall die garantier- te Verzinsung zu erwirtschaften — doch Euro-Staatsanleihen werfen derzeit kaum noch etwas ab, oft sind sogar Ne- gativzinsen !ällig. Die Lösung: Der Kunde kann die Überschussbeteiligung nutzen, um auf Umwegen die Chance auf mehr Rendite zu bekommen. Hier!ür haben die Versi- cherer in den vergangenen Jahren eine Fülle von neuen Produkten auf den 3 6 FR AG E N & A NT WO R TE N3 4 EIN LEIT U N GTitel Lebensversicherungen
€URO 06|21 47 ➝ BILD: PINGWIN/ISTOCK, SONJA CRISPINO [M] Markt gebracht, die sich unter dem Be- griff „Neue Garantiepolicen“ zusam- menfassen lassen. Ihre Gemeinsamkei- ten: Es existieren zwar Garantien auf das eingezahlte Kapital, doch liegen diese unterhalb des gesetzlichen Garantie- zinses von derzeit 0,9 Prozent pro Jahr. Und der Versicherer legt das Kundengeld zumindest teilweise in Eigenregie an, die Mittel fließen — anders als bei Fonds- policen — nicht in externe Fonds. Zwei Wege. Von diesen Neuen Garan- tiepolicen gibt es — grob gesagt — zwei Spielarten. Eine sind die Indexpolicen. Hier können sich Kunden an der Wertentwicklung eines Index beteiligen, zumeist am Aktienmarkt. Die zweite Spielart wird „Moderne Klassik“ ge- nannt. Es existiert hier ein Sammelsuri- um an Konstruktionen, von denen die meisten nah an klassischen Policen mit gesetzlichem Garantiezins sind. So ist der Anlagemix bei der Modernen und der Alten Klassik oft der gleiche, denn das Geld wird in beiden Fällen im soge- nannten Sicherungsvermögen des An- bieters angelegt. Die höhere Rendite soll allein da- durch erzielt werden, dass der Versiche- rer durch die gekürzten Garantien weni- ger Kapital beiseitelegen muss. Entspre- chend wird eine höhere Überschussbe- teiligung in Aussicht gestellt. All diesen Angeboten ist gemeinsam, dass es keine Orientierung an einem Index gibt (kon- kretes Beispiel auf den Seiten 49 und 50). Die Neuen Garantieprodukte verkau- fen sich wie geschnitten Brot. Nach Angaben des Versichererverbands GDV machten sie 2020 über die Hälfte des ge- samten Absatzes von Lebensversiche- rungen aus. Grund genug, die Angebote genau zu prüfen. €uro hat in Zusammen- arbeit mit der Ratingagentur Morgen & Morgen nun schon zum !ünften Mal den umfangreichsten Test am deutschen Markt ins Werk gesetzt (Ergebnisse auf den Seiten 49 bis 59). Und siehe da: Die Unterschiede sind gewaltig. Beispiel Indexpolicen: Beim Tarif „FlexRente index-safe“ der Stuttgarter ist unter bestimmten Rahmenbedingun- gen und bei zwölf Jahren Laufzeit gut ein Drittel mehr zu erwarten als bei der „DAX#Rente“ der Nürnberger. Bei 30 Jah- ren Laufzeit beträgt das Plus sogar über 100 Prozent. Zwar handelt es sich bei diesem Beispiel um einen Sonderfall, in den extreme Annahmen bezüglich der Wertentwicklung eingeflossen sind. Un- ter anderen Vorgaben fallen die Unter- schiede kleiner aus. Aber eines ist klar: Eine gute Police kann zu Vertragsende wesentlich mehr einbringen als eine schlechte. Die Kategorie „Performance“, also alles rund um die Wertentwicklung, floss denn auch mit einem Gewicht von 50 Prozent in die Endnote ein. Doch nicht nur die Auszahlungen zäh- len. Ist ein Vertrag unflexibel, wird er seinem Besitzer möglicherweise wenig Freude bereiten, selbst wenn er Rendite bringt. Beispiele: enge Grenzen !ür Zu- zahlungen während der Vertragslaufzeit oder keine Erhöhung der Rente, wenn die versicherte Person pflegebedürftig werden sollte. Andererseits sollte dem Kunden ein Höchstmaß an Kalkulierbarkeit geboten werden. Etwa: nach welchem Rechen- modus das angesammelte Kapital bei Vertragsende in eine Rente umgewan- delt wird. Diese Umwandlung kann durchaus unangenehme Folgen haben. Manche Versicherer wollen sich bei Ver- tragsabschluss nur beim sogenannten garantierten Kapital festlegen. Was auf- gelaufene Überschüsse betrifft, behalten sich einige Anbieter vor, wie sie später einmal die Rentenhöhe berechnen — ein Vabanquespiel !ür den Kunden. Solche Aspekte flossen in die Kategorie „Kun- denfreundlichkeit“ ein, die 40 Prozent des Endergebnisses ausmacht. Bei Indexpolicen ist die Nachvollzieh- barkeit der Indizes ebenfalls wichtig. Lei- der verwenden nicht alle Anbieter trans- parente Börsenbarometer, manche grei- fen zu selbst gebauten Produkten (siehe Kasten Seite 48). Die Kategorie „Transpa- renz“ machte im Test zehn Prozent der Gesamtwertung aus; sie ent!ällt bei der Modernen Klassik, weil Indizes hier kei- ne Rolle spielen. Aber selbst wenn ein Index trans- parent ist, sagt das noch nichts darüber aus, wie gut oder schlecht er sich ent- wickeln wird. Möglicherweise setzen die Versicherer bei ihren hausgemachten Indizes aufs richtige Pferd. Doch konnte Morgen & Morgen bei diesem Test nicht die historischen Wertentwicklungen der Indizes kalkulieren, weil in vielen Fällen die nötigen Informationen nicht vorlagen. Generell gilt: Es gibt zwei grundsätz- lich verschiedene Verfahren der Limitie- rung. Die meisten Anbieter greifen zu einem Cap (beispielsweise 2,5 Prozent). Das bedeutet: Von Kursgewinnen, die über dieser Grenze liegen, pro!itiert der Kunde nicht. Wenige andere Anbieter de- !inieren eine Partizipationsquote, also einen Prozentsatz, zu dem der Kunde an den Gewinnen beteiligt wird (beispiels- weise 60 Prozent). Vor allem der Cap ist von der Zinsent- wicklung an den Weltbörsen abhängig. Denn je niedriger die Überschüsse des Vorjahres sind, desto weniger können die Kunden im Folgejahr in die Index- beteiligung stecken. Diese Beteiligung !indet
€URO 06|2330 100ZINSIDEEN Das Ende der Zinswüste Mit Zins-Investments lassen sich wieder gute Renditen erwirtschaften. Aber wo am besten anlegen? €uro gibt 100 Tipps, wie Sie mit Zinsen ordentlich Geld verdienen VON RALF FERKEN, MATTHIAS FISCHER UND MICHELLE JURA
€URO 06|23 31 BILD: LUCKY-PHOTOGRAPHER/ISTOCK Zinswüste: Viele Jahre saßen Anleger bei Zinsen auf dem Trockenen. Nun aber gedeihen die Zinsen wieder und sorgen für Wachstum im Portfolio 32 EINLEITUNG Warum die Zinsen gestiegen sind – und wie es künftig weitergeht 34 EINLAGENZINSEN Tages- und Festgeldkonten bieten wieder Zinsen satt. Wo es am meisten gibt 36 FESTE ZINSEN Sie sind der Kern der Zinswelt: Anleihen mit einem festen Zinskupon 44 EXOTISCHE ZINSEN Mit ungewöhnlichen Zinspapieren lassen sich hohe Renditen erzielen Titel 100 Zinsideen 48 FLEXIBLE ZINSEN Egal ob die Zinsen steigen oder fallen: Diese Bonds bieten immer gute Gewinne
’14 ’15 ’16 ’17 ’18 ’19 ’20 ’21 ’22 ’23’13 5 4 3 2 1 0 -1 -2 Wasauchimmer in % Zehnjährige US-Staatsanleihen Zehnjährige Bundesanleihen €URO 06|2332 V iele €uro-Leser hätten uns wohl schräg angeschaut, wenn wir vor einem Jahr eine Titelgeschichte mit den „100 besten Zinsideen“ präsentiert hätten. Angesichts von Null- und Negativzinsen wäre dies kaum glaubwürdig gewesen. Zwölf Monate später hat sich die Lage komplett verändert. Die Banken speisen ihre Kunden beim Tagesgeld nicht mehr mit null Prozent Zinsen ab, sondern bie- ten ihnen wieder Zinsen von bis zu drei Prozent und mehr an. Und auch bei An- leihen gibt es wieder ansehnliche Zin- sen. Kurzum: Die Zinswüste ergrünt langsam wieder. Die Zinsen sind zurück. Institutionelle Anleger wie Pensions- kassen und Versicherungen freuen sich ebenso über die höheren Zinsen. Sie müssen gegenüber ehemaligen Mitarbei- tern und Kunden nominelle Zahlungs- verpflichtungen er"üllen. Dank der hö- heren Rendite "ür festverzinsliche Anlei- hen "ällt ihnen dies wieder leichter. In- stitutionelle Anleger achten vor allem auf die Rendite von zehnjährigen Staats- anleihen aus Deutschland und den USA (siehe Gra"ik). Die zehnjährigen „Bunds“ und „Treasuries“ sind am Rentenmarkt die beiden wichtigsten Eckpfeiler, an de- nen sich alle anderen Anleihen ausrich- ten. Steigen ihre Zinsen, steigen sie auch bei Anleihen, die risikoreicher sind. Es ist noch gar nicht so lange her, dass zehnjährige „Bunds“ eine Rendite von minus 0,8 Prozent abwarfen. Das war im März 2020, als die Corona-Krise vollends ausbrach. Der deutsche Staat bekam da- mals Geld dazu, als er Schulden mach- te — und Anleger, die Titel kauften, zahl- ten drauf. Das ist heute anders. Die zehn- jährige Bund-Rendite liegt heute fast drei Prozentpunkte höher bei über zwei Pro- zent. Euro-Unternehmensanleihen mit etwas schlechterer Bonität bieten Rendi- ten von drei bis über vier Prozent. Börsianer und Fondsmanager analy- sieren zudem genau, wie weit die Euro- päische Zentralbank und die US#Noten- bank ihre Leitzinsen noch erhöhen wer- den. Zuletzt waren EZB und Fed hier sehr rege. Die EZB hat die Leitzinsen binnen eines Jahres um rund drei Prozentpunk- te angehoben, die Fed um rund "ünf Pro- zentpunkte. „Die Notenbanken haben die Zinsen so schnell und so stark erhöht wie seit 40 Jahren nicht mehr“, betont der Kölner Vermögensverwalter Bert Flossbach. „Beide Zentralbanken zeigen sich kampfbereit und haben weitere Zinserhöhungen in Aussicht gestellt, falls sich die Inflation weiterhin als hartnä- ckig erweisen sollte“, "ügt Flossbach an. Ob dies allerdings reichen werde, der Inflation das Genick zu brechen, dürfe bezweifelt werden. Kunal Mehta vom US#Vermögensver- walter Vanguard pflichtet ihm bei. „Die Märkte erwarten, dass die Inflation län- gere Zeit anhält und die Zinsen stärker steigen werden als ursprünglich erwar- tet“, sagt der in London ansässige Bond- fachmann. Es sei daher unwahrschein- lich, dass die Notenbanken ihre Leit- zinsen rasch senken würden. Auch DWS#Fondsmanager Thomas Höfer sieht dies so. „Die USA sind der Eurozone bei den Zinserhöhungen zwar deutlich vor- aus“, sagt er. „Mit ersten Zinssenkungen rechnen wir dort aber erst im zweiten Quartal des kommenden Jahres.“ Das wäre ab April 2024. Ende der Nullzinsen. Anderswo schät- zen die Experten die Lage anders ein. „Wir erwarten "ür die USA eine leichte Rezession, die noch in diesem Jahr be- ginnen könnte“, erklärt Tiffany Wilding, US#Ökonomin beim Vermögensverwal- ter Pimco. Beim Fondshaus Bantleon sind die Experten noch skeptischer. „Der Ausblick "ür die US#Wirtschaft bleibt in unseren Augen sehr trüb. Es zeichnet sich immer deutlicher ab, dass die Inves- titionen der Unternehmen unter Druck kommen werden“, betont Bantleon-Chef- volkswirt Daniel Hartmann. „Wenn dies tatsächlich geschieht, dürfte das mit merklichen Entlassungen einhergehen, was wiederum den Konsum bremst“, "ügt er an. Was daraus folgt, ist klar. Schwächelt die US#Wirtschaft, könnte Die Notenbanken haben weitere Zinserhöhungen in Aussicht gestellt, falls sich die Inflation weiterhin als hartnäckig erweisen sollte.“ Bert Flossbach, Fondsmanager BILD: NATALIA MISINTSEVA/ISTOCK, SOFTULKA/ISTOCK Stichtag: !".#$.!#!%; Quelle: Bloomberg Rendite positiv Die Zeit der negati- ven Zinsen ist in Deutschland vorbei Rendite in % 3 2 EIN LEIT U N GTitel 100 Zinsideen 3 4 EIN L AG E NZ INSE N
Exklusiv für Wertpapier- anleger Angebot freibleibend.www.merkur-privatbank.de/exklusiv 4 % p.a. Nichtzyklischer Konsum 25,3 Zyklischer Konsum 18,1 Kommunikation 14,8 Technologie 9,0 Transport 7,2 Andere 25,6 dies die Inflation bremsen. Höhere Zin- sen wären dann nicht mehr nötig. Hart- mann rechnet sogar mit „umfangreichen geldpolitischen Lockerungen in der zweiten Jahreshälfte“. Demnach würde gerade die Fed ihre Leitzinsen wieder stark senken. Wie es mit Inflation und Zinsen exakt weitergeht, weiß heute indes niemand. Anleger sollten die aktuelle Lage daher in einen größeren Zusammenhang stel- len. „Ich bin schon lange am Kapital- markt unterwegs, und mein Eindruck ist, dass das, was gerade passiert, damit vergleichbar ist, was in den Jahren 2000 und 2001 passierte“, sagt zum Beispiel der Kölner Dachfondsmanager Eckhard Sauren. Und er "ügt an: „Wir reden hier über einen echten Regimewechsel und nicht nur über eine Korrektur. Dabei ver- lassen wir die alte Investmentwelt, die wir etwa zehn Jahre gehabt haben. Nied- rige Inflation, lockere Geldpolitik, Null- zinspolitik, Negativzins: Das gehört der Vergangenheit an.“ 100 Ideen. Sauren hatte Zinspapiere viele Jahre gemieden. Nun sieht er dort wieder Chancen. In diesem Geist hat €uro auch die „100 besten Zinsideen“ zusammengestellt, die wir auf den fol- genden Seiten vorstellen. Die Ideen 1 bis 20 befassen sich auf der nächsten Seite etwa mit den attraktivs- ten Angeboten "ür Tages- und Festgeld. Unter den Ideen 21 bis 23 werden €uro-Le- ser drei Renten-ETFs "ür Euro-Staatsan- leihen "inden, unter der Idee 24 eine ru- mänische Euro-Staatsanleihe, die sechs Prozent Rendite bietet (siehe Seite 37). Insgesamt haben wir das €uro-Titel- thema in vier Sektionen aufgeteilt: Geld parken sowie feste, exotische und flexi- ble Zinsen. Zu den flexiblen Zinsen zäh- len wir etwa Inflation Linked Bonds und Nachranganleihen, zu den exotischen Zinsen unter anderem Aktien- und Wandelanleihen, die beide eine unter- schiedliche Mischung aus Aktie und An- leihe verkörpern. Am aus"ührlichsten stellen wir klassi- sche Anleihen vor, die Anlegern einen festen Zins zahlen. Dabei präsentieren wir eine breite Auswahl, die sowohl sicherheitsorientierte Anleger als auch Risikofreudige bedient, und deren Ren- dite bis zu 75 Prozent p. a. reichen kann. Mittlerweile können Anleger zudem fast alle Rentenmärkte mit einem Fonds oder ETF abdecken. Gerade bei ETFs ist die Vielfalt groß. So können Anleger zum Beispiel einen iShares-ETF "ür Euro- Unternehmensanleihen kaufen, der ex- plizit auf Finanzwerte verzichtet und die Restlaufzeit der verbliebenen Anleihen auf ein bis "ünf Jahre beschränkt (siehe ebenso Ideen 29 bis 31). Auf diese Weise können Anleger den ETF zielgenau in ihrem Portfolio einsetzen. Wie viele der anderen 99 Ideen auch. ➝ [1–100] ANZEIGE Stichtag: %#.#$.!#!%; Quelle: iShares Zielgenaue Strategie Der Renten- ETF iShares € Corp Bond ex-Financials 1-5yr ESG ETF verzichtet explizit auf Finanzwerte Sektoren in % Lesebeispiel Auf den fol- genden 17 Seiten stellen wir 100 Zinsideen vor, die wir wie oben in Klammern durchnummeriert haben. 3 6 FE S TE Z INSE N 4 8 FLE XIBLE Z INSE N4 4 E XOTISCH E ZINSEN
€URO 06|2334 Spare nicht das, was nach dem Ausgeben übrig bleibt, sondern gib stattdessen aus, was nach dem Sparen übrig bleibt“, lautet einer der Tipps von US#Starinvestor War- ren Buffett. Lange Zeit waren Spareinla- gen aber ziemlich verpönt. Und das mit gutem Recht, gab es doch wegen der Nullzinspolitik der Europäischen Zen- tralbank (EZB) damit so gut wie nichts zu verdienen, die Zinsen "ür Tagesgelder lagen um die Marke von null Prozent. Mittlerweile aber hat die EZB in ihrem Kampf gegen die Inflation die Leitzinsen in der Eurozone deutlich erhöht. Im Ge- BLÜHENDE ZINSEN Mittlerweile gibt es bei Tagesgeld- und Festgeldkonten wieder attraktive Zinsen zu holen. Worauf Sparer dabei achten sollten und welche Anbieter die höchsten Zinsen zahlen satz "ür Festgeld ist in der Regel höher als der "ür Tagesgeld, da der Sparer das Geld "ür einen bestimmten Zeitraum anlegt. Während dieses Zeitraums ist die Einlage nicht ver"ügbar (es gibt aber Ausnah- men, bei denen der Anbieter die Option einräumt, auf das Geld auch während der Laufzeit zugreifen zu können, aller- dings nur gegen einen saftigen Zins- abschlag). Für die Bank bietet das den Vorteil, dass sie während dieser Laufzeit mit dem Geld kalkulieren kann. Da"ür ist sie dann eben im Gegenzug auch bereit, die Einlagen mit einem höheren Zinssatz zu versehen. folge sind auch die Zinsen "ür Guthaben bei den Banken und Sparkassen merk- lich gestiegen — und mit ihnen das Inte- resse an Tages- und Festgeldkonten. Aber was zeichnet die beiden Anlage- formen aus, wo unterscheiden sie sich? Beim Tagesgeld wird das Geld auf einem separaten Konto bei einer Bank oder einem Finanzinstitut angelegt. Das Geld ist jederzeit ver"ügbar und kann schnell auf ein Referenzkonto — meist ein Giro- konto — transferiert werden. Festgeld hingegen ist eine Anlage- form, bei der das Geld "ür einen festge- legten Zeitraum angelegt wird. Der Zins- 3 4 EIN L AG E NZ INSE N3 2 EIN LEIT U N GTitel 100 Zinsideen
€URO 06|23 35 Sparen Die besten Tages- und Festgeldangebote. Der Zins für die Festgelder ist für den jeweiligen Zeitraum fix, beim Tagesgeld kann er sich ändern Anbieter Zinssatz in % Ab ... in € Telefon / Internet Einlagensicherung Bemerkung Tagesgeld Bigbank !,"# ' #"##/### "% "! Estland Nur für Neukunden Barclays !,$$ ' #$#/"( #( (# Irland Nur für Neukunden Volkswagen Bank !,$# ' #)%'/!'! ") () #% Deutschland Nur für Neukunden Renault Bank direkt !,$# ' #!'%'/$# '# $# Frankreich Nur für Neukunden Anlagezeitraum 1 Jahr Aegan Baltic Bank !,%% ' ### #%#/**# '( '! (' Griechenland Über Portal „Weltsparen“ Rietumu Bank !,%% '# ### #%#/**# '( '! (' Lettland Über Portal „Weltsparen“ Haitong !,%" '# ### #$#/!' #% '% *% Portugal Über Portal „Zinspilot“ Banco BAI !,%# '# ### #%#/**# '( '! (' Portugal Über Portal „Weltsparen“ Anlagezeitraum 2 Jahre Banca Sistema &,## ) ### #$#/!' #% '% *% Italien Über Portal „Zinspilot“ Rietumu Bank !,'% '# ### #%#/**# '( '! (' Lettland Über Portal „Weltsparen“ Sant’Angelo !,'# '# ### #%#/**# '( '! (' Italien Über Portal „Weltsparen“ Crédit Agricole !,%# ) ### #+*!'/('# '" %+ Frankreich – Anlagezeitraum 3 Jahre Banca Sistema &,"# ) ### #$#/!' #% '% *% Italien Über Portal „Zinspilot“ Rietumu Bank !,(% '# ### #%#/**# '( '! (' Lettland Über Portal „Weltsparen“ Sant’Angelo !,(# '# ### #%#/**# '( '! (' Italien Über Portal „Weltsparen“ Aareal Bank !,)# ' ### #%#/**# '( '! (' Deutschland Über Portal „Weltsparen“ Anlagezeitraum 5 Jahre Banca Sistema &,"# ) ### #$#/!' #% '% *% Italien Über Portal „Zinspilot“ Rietumu Bank !,(% '# ### #%#/**# '( '! (' Lettland Über Portal „Weltsparen“ Finora Bank !,(# ) ### #$#/!' #% '% *% Litauen Über Portal „Zinspilot“ Crédit Agricole !,)# ) ### #+*!'/('# '" %+ Frankreich – Stichtag: #!.#).!#!%; für alle Institute gilt mindestens die Einlagensicherung der Europäischen Union: je Person '## ### €; Servicequalität der einzelnen Anbieter nicht berücksichtigt; alle Angaben ohne Gewähr; Quelle: Anbieter, €uro Tages- und Festgelder sind ein Geldparkplatz par excellence. Die Zinsen sind kräftig auf ein attraktives Niveau gestiegen Wer sein Geld auf ein Tagesgeldkon- to legt, bleibt flexibel, verzichtet dabei jedoch im Vergleich zu einer länger laufenden Festgeldanlage auf Zinser- träge. Genau umgekehrt ist es bei Festgeld: Es gibt mehr Zinsen, dafür ist man aber we- niger flexibel. Dabei gilt: Je länger die Lauf- zeit, desto höher in der Regel der Zins.Ent- sprechend sollten sich Sparer im Vorfeld überlegen, wie lange sie auf das Geld ver- zichten können. Zudem ist zu berücksichti- gen, wie sich das Zinsniveau entwickeln wird. Steigen die Zinsen, gibt es beim Fest- [1–20] Geld parken Blumenwiese: Nach langen kargen Jahren blühen nun die Zinsen bei Spareinlagen wieder auf geld dann auch mehr Zinsen. Wer sein Geld jedoch für lange Zeit gebunden hat, wird da- von dann nicht profitieren. Clevere Anleger diversifizieren deshalb ihre Einlagen: Ein Teil fließt auf das Tagesgeldkonto, um jederzeit agieren zu können, ein anderer Teil gene- riert über Festgelder mit unterschiedlichen Laufzeiten höhere Zinsen. Da die Zinsen eher steigen als fallen werden, sollten Fest- gelder mit einer sehr langen Laufzeit ver- mieden werden. Bei der Auswahl des Anbieters ist die Höhe der Zinsen zwar das bedeutendste Krite- rium, jedoch sollte es nicht das einzige sein. Darüber hinaus ist es auch wichtig, einen Anbieter zu wählen, der dem eigenen Risiko- bedürfnis entspricht. Am sichersten sind die Gelder bei Instituten mit deutscher Ein- lagensicherung aufgehoben. ➝ 3 6 FE S TE Z INSE N 4 8 FLE XIBLE Z INSE N4 4 E XOTISCH E ZINSEN
Wenn Deutsch- land oder der Schweizer Nah- rungsmittelher- steller Nestlé eine festverzinsliche Anleihe auflegen, müssen sie ihren Käu- fern regelmäßig den vorab festgelegten Zinskupon zahlen. Nach vielen Jahren mit mageren Zinsen lohnt das mittlerweile wieder, auch wenn die derzeit hohe Inflation die Bilanz trübt. Gerade mithilfe von ETFs können Anleger nun- mehr in fast sämtliche Rentenmärkte investieren. So können sie beispielsweise in Euro-Staatsanleihen einstei- gen, die bei einem Börsencrash häu!ig zulegen und somit ein gutes Gegengewicht zu Aktien bilden. Höhere Renditen bieten Anleihen aus den Schwellenländern, die besonders in guten Börsenzeiten reüssieren. Darüber hinaus können Investoren vielversprechende einzelne Anleihen kaufen. FESTE ZINSENAnleihen mit einem festen Zinskupon passen gut in jedes Portfolio – zumal das Angebot an passenden Anleihen und Renten-ETFs riesengroß ist Klar geordnet: In den Baumschulen gedeihen derzeit die jungen Bäume – ähnlich wie die Zinskupons der Anleihen 3 4 EIN L AG E NZ INSE N3 2 EIN LEIT U N GTitel 100 Zinsideen
€URO 06|23 37 BILD: SJOERD VAN DER WAL/ISTOCK, NATALIA MISINTSEVA/ISTOCK, SOFTULKA/ISTOCK, PIERRE SUU/GETTY IMAGES Wer auf eine Staatsanleihe von Rumänien setzt, kann über sechs Prozent Rendite einfah- ren. Pro Jahr, wohlgemerkt Wenn der Internationale Währungs- fonds (IWF) mit seinen Prognosen richtig liegt, dürfte Rumänien recht gut durch die derzeitige Wirtschafts- krise navigieren. Laut IWF soll die rumäni- sche Wirtschaft in diesem Jahr um 2,4 Pro- zent, 2024 um 3,7 und 2025 um 3,8 Prozent wachsen. Diese positiven Aussichten spie- geln sich auch in den Bewertungen der gro- ßen Ratingagenturen S & P, Moody’s und Fitch wider: Alle drei erteilen dem Land ein erstklassiges Investment-Grade-Rating für seine Kreditwürdigkeit. Allerdings befinden sich alle drei Ratings nur knapp in der obers- ten Kategorie, und bei einer Herabstufung würde Rumänien in die zweitklassige Junk- Bond-Liga rutschen. Eine solche Gefahr ist insbesondere bei Fitch gegeben, da deren Ausblick negativ ist, und somit bald eine Herabstufung erfolgen könnte. Diese Risiken sind allerdings bereits in den Kursen der rumänischen Staatsanleihen berücksichtigt. Die Anleihe, die bis zum 27. September 2029 läuft (WKN: A3K 9WT), notiert der- zeit bei einem Kurs von etwa 103 Prozent, was beim Zinskupon von 6,625 Prozent einer Jahresrendite von 6,1 Prozent ent- spricht. Die Anleihe hat eine Stückelung von 1000 Euro und ist dank des Volumens von 2,3 Milliarden Euro ziemlich liquide. [24] Renditewunder aus Osteuropa Mit dem iShares € Govt Bond 1-3yr ETF können Anleger auf kurz- fristige Staatsanleihen setzen, deren maximale Laufzeit drei Jah- re beträgt. Dabei beschränkt sich das ETF-Portfolio auf 15 Posi- tionen mit Anleihen aus Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien. Der Prime Euro Govies ETF von Amundi enthält dagegen auch längerfris- tige Schuldverschreibungen mit einer Laufzeit von bis zu 30 Jahren. Ebenfalls regional ist der ETF von Amundi, mit seinen rund 420 Positio- nen aber breiter gestreut. Er investiert beispielsweise auch in Anleihen aus Belgien, Österreich und Portugal. Ähnlich aufgebaut ist der Eurozone Government Bond ETF von Vanguard, der die laufenden Zinserträge wie- der reinvestiert und nicht ausschüttet wie der ETF von Amundi. Zinsrisiko beachten. Beim ETF-Kauf sollten Anleger beachten, dass sich die Kurse festverzinslicher Wertpapiere gegenläufig zu den Zins- sätzen bewegen. Daher kann der Kurs älterer festverzinslicher Wert- papiere bei einem aktuell steigenden Zinssatz sinken, da sie wegen der niedrigeren Zinsen für die Anleger nicht mehr so attraktiv sind. Für neu ausgegebene Anleihen steigen momentan die Zinskupons. Die bis- herigen Leitzinsanhebungen der Europäischen Zentralbank auf mitt- lerweile 3,75 Prozent lässt die Kupons für neu ausgegebene Anleihen und somit auch ihre Rendite in die Höhe schnellen. [21–23] Heimische Renditen Regententreffen: Olaf Scholz (l.) und Emmanuel Macron – ihre Politik beeinflusst auch die Staatsanleihen, die ihre Länder ausgeben 4,4 5,9 4,8 2,4 3,7 3,8 3,7 3,1 3,6 -3,9 ’18 ’19 ’20 ’21 ’22 ’23 ’24 ’25 ’26 ’27 ’28 2015: 3,9% · 2016: 4,8% · 2017: 7,0% · 2018: 4,4% · 2019: 4,1% · 2020: -3,9% 2021: 5,9% 2022: 4,8% 2023: 2,4% 2024: 3,7% 2025: 3,8% 2026: 3,7% 2027: 3,1% 2028: 3,6 % Stichtag: !".#$.!#!%; Quelle: IWF Zunahme Die rumänische Wirtschaft wächst in den nächsten Jahren kräftig BIP-Wachstum in % (ab 2023 Prognose) Sicherer Heimathafen Die drei ETFs setzen auf Staatsanleihen, die die Mitgliedsländer der Eurozone begeben haben ETF ISIN Laufende Kosten p. a. in % Laufende Rendite p. a. in % Amundi Prime€ Govies ETF " LU &'% &'( "&" ! #,#" %,#! iShares € Govt Bond "-#yr ETF $ IE ##B %VT MJ' & #,&" %,## Vanguard € Govt. Bond ETF $ IE ##B H#$ GL% ' #,#( %,## Stichtag: %#.#$.!#!%; ! ausschüttend; " thesaurierend; Quelle: Anbieter ➝ Dank Renten-ETFs können Anleger breit aufge- stellt in Euro-Staatsanleihen investieren, deren Renditen sich endlich wieder lohnen 3 6 FE S TE Z INSE N 4 8 FLE XIBLE Z INSE N4 4 E XOTISCH E ZINSEN
€URO 06|2338 BILD: HORST GERLACH/ISTOCK Die Zinsen sind deutlich gestiegen, aber bleibt das so? Mit einem ultralang laufenden NRW- Bond kann einem die Antwort ziemlich egal sein Wie sichert man sich das aktuelle hohe Zinsniveau für eine lange Zeit, sagen wir die nächsten 50 Jahre? Indem man eine Anleihe mit entsprechend langer Laufzeit kauft. Sie sollte jedoch folgende Bedingungen erfüllen: Sie muss sehr sicher sein, da während der langen Laufzeit viel passieren kann. Und um von den Zinsen zu profitieren, sollte sie einen relativ hohen Zins- kupon haben, damit Jahr für Jahr Geld auf das Konto fließt. Diese Bedingungen erfüllt die neu aufgelegte Anleihe des Bundes- lands Nordrhein-Westfalen. Weil sie erst im März 2023 emittiert wurde, hat sie einen recht hohen festen Zinskupon von 3,40 Pro- zent (WKN: NRW 0N2). Da der Kurs etwas über dem Nennwert liegt, beträgt die jährliche Rendite 3,2 Prozent. Die Anleihe läuft bis März 2073, die Stückelung liegt bei 1000 Euro. NRW ist das bevölkerungsreichste Bundesland Deutschlands. Seine Bonität wird von den großen Ratingagenturen als hervor- ragend eingestuft (S & P: „AA“, Fitch: „AAA“, Moody’s: „Aa1“). Strategisch denkende Anleger können mit einem Renten-ETF gezielt US-Staatsanleihen kaufen, die in US-Dollar notieren US-amerikanische Staatsanleihen werden vom Finanzmi- nisterium der USA ausgegeben und verfügen über ein „Aaa“-Rating, also die höchstmögliche Bonität der Rating- gesellschaft Moody’s. Unabhängig davon ist ein Zahlungsausfall der sogenannten US-Treasuries aber sehr unwahrscheinlich, da das Land die dafür nötigen US-Dollar selbst drucken kann. Auch der US-Kongress wird bei den aktuellen Verhandlungen zur Schuldenobergrenze kaum riskieren wollen, dass der wichtigste Schuldner der Welt seinen Zahlungen nicht nachkommt. Wäh- rend der Treasury Bond ETF von iShares nur in kurzfristige US- Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von bis zu drei Jahren inves- tiert, nehmen die Treasury-ETFs von Vanguard und Xtrackers auch langfristige Staatsanleihen mit einer maximalen Restlauf- zeit von 30 Jahren mit ins Portfolio. Somit liegt die durchschnitt- liche Restlaufzeit der Anleihen im Vanguard-ETF zum Beispiel bei 7,9 Jahren. Die Renten-ETFs von Vanguard und Xtrackers hal- ten jeweils rund 280 Anleihen, beim iShares-ETF sind es 62 Titel. [25] Zinsen für ein halbes Jahrhundert [26–28] Die sichere Burg Hauptstadt von NRW: Der Düsseldorfer Medienhafen ist ein umgebauter ehemaliger Industriehafen Identische Kosten Mit den drei ETFs können Anleger auf US-Staatsanleihen setzen, die in US-Dollar notieren ETF ISIN Laufende Kosten p. a. in % Laufende Rendite p. a. in % iShares $ Treasury "-#yr ETF " IE ##B &$X $S( & #,#( $,&$ Vanguard $ Treasury acc ETF $ IE ##B GYW FS) % #,#( %,*% Xtrackers US Treasuries ETF " LU #$! '$" '%" ) #,#( %,*$ Stichtag: %#.#$.!#!%; ! ausschüttend; " thesaurierend; Quelle: Anbieter Damit ist der Bond sehr sicher, die Zinszahlungen dürften Jahr für Jahr am 7. März anstandslos bezahlt werden. Zwar kann der Kurs der Anleihe während der Laufzeit stark schwanken, je nachdem, wie sich die Zinsen entwickeln. Auf die Zinszahlungen von 3,4 Pro- zent pro Jahr hat das aber keinen Einfluss. Währungsrisiken beachten. Da die drei Renten-ETFs jeweils in US-Dollar-Wertpapiere investieren, sollten Anleger aus der Euro- zone das Währungsrisiko bedenken. Wenn der US-Dollar im Ver- gleich zum Euro aufwertet, hat das positive Auswirkungen auf das Investment. Wenn der US-Dollar dagegen im Vergleich zum Euro abwertet, entsteht daraus ein Wechselkursverlust, der die Summe der Zinserträge übersteigen könnte. Anleger können die drei Renten-ETFs aber auch strategisch einsetzen. Denn bei einem Börsencrash fliehen Investoren meist in US-Staatsan- leihen, da viele Anleger sie als sicheren Hafen für ihr Kapital be- trachten. In einem solchen Fall steigen die Kurse der US-Trea- suries und des US-Dollar, sodass Anleger hier zweifach Gewinne einstreichen können. 3 4 EIN L AG E NZ INSE N3 2 EIN LEIT U N GTitel 100 Zinsideen
€URO 06|23 39 BILD: NATHAN LAINE/BLOOMBERG Pfandbriefe sind so ziemlich die sicherste Anlage überhaupt. Bei dem Papier der Crédit Agricole kommt eine gute Rendite dazu Wer sein Geld für drei Jahre absolut sicher anlegen möchte, setzt in der Regel auf Festgeld mit der entsprechenden Laufzeit (siehe Tabelle Seite 35). Es gibt jedoch auch Alternativen, die genauso sicher sind, wie zum Beispiel Pfandbriefe; neben solchen Papieren von deutschen Emittenten etwa Pfandbriefe von internationalen Emittenten. Diese haben aber in der Regel den Nachteil, dass sie hohe Stückelungen von 50 000 Euro oder mehr haben, was für die meisten privaten Anleger eher schwierig zu stemmen ist. Es gibt jedoch Ausnahmen wie das Papier der französischen Großbank Crédit Agri- cole. Der Covered Bond (WKN: A18 8CT) läuft bis Oktober 2026 und hat eine Min- deststückelung von 1000 Euro. Zwar sieht der Zinskupon von 0,25 Prozent per annum auf den ersten Blick sehr mickrig aus, aber weil der Kurs um den Wert von 90 Prozent pendelt und der Bond zum Laufzeitende zum Nennwert von 100 Prozent getilgt wird, ergibt sich eine Rendite von 3,2 Prozent per annum. Wie bei Pfandbriefen üblich, hat auch das Papier des Instituts mit Sitz in Paris das bestmögliche Rating überhaupt. [32] Wie Festgeld – nur anders Mit einem ETF auf Euro-Unternehmensanleihen gehen Anleger ein moderates Risiko ein, für das sie aber mit höheren Renditen entlohnt werden Nicht nur Staaten geben Anleihen heraus, wenn sie Geld benötigen, sondern auch Unternehmen. Dabei sollten Anleger allerdings be- achten, dass Unternehmensanleihen beziehungsweise Corporate Bonds ein höheres Ausfallrisiko aufweisen als Staatsanleihen aus dem gleichen Land, da die Staaten sich über steigende Steuern bei Bedarf leichter refinanzieren können. Daher bewerten die Ratingagenturen die Bonität der Unternehmen oft geringer als die der Staaten. Als Ausgleich für dieses Risiko bieten Unternehmensanleihen allerdings höhere Zinsku- pons und Renditen. Der Prime Euro Corporates ETF von Amundi kommt beispielsweise auf eine Rendite von ungefähr 4,3 Prozent pro Jahr, wäh- rend Euro-Staatsanleihen mit gleicher Laufzeit knapp unter drei Prozent Rendite bieten. Fast die Hälfte der Titel bewertet die Ratingagentur S & P Global Ratings (früher Standard and Poor’s) beim Amundi-ETF mit „BBB“, also der geringsten Bonität im sogenannten Investment-Grade-Bereich. Rund 35 Prozent der ETF-Titel stammen dabei aus dem Finanzsektor. Das macht sich auch bei den größten Positionen bemerkbar, zu denen die französische BNP Paribas oder die niederländische Rabobank gehören. Außerdem zählen Anleihen des Energieriesen TotalEnergies aus Frank- reich oder die Brauereigruppe Anheuser-Busch InBev aus Belgien zu den Top-Positionen des ETFs. Ähnlich aufgebaut ist der Corporate Bond ETF von Xtrackers. Bei beiden ETFs machen französische Unternehmens- anleihen mit rund 20 Prozent den größten Anteil vom Portfolio aus. Da- nach folgen unter anderem US-Firmen, die die betreffenden Anleihen in Euro emittiert haben. Banken ade! Wer bewusst auf den Finanzsektor verzichten möchte, kann auf den Corporate Bond ex-Financials ETF von iShares setzen. Dessen Fokus liegt mit circa 25 Prozent auf nichtzyklischen Konsum- gütern, also auf Produkten wie Nahrung, Getränke oder Hygieneartikel. Die größten Emittenten sind beim iShares-ETF die deutschen Auto- mobilhersteller Mercedes-Benz und BMW sowie das französische Tele- kom-Unternehmen Orange. Zudem begrenzt der iShares-ETF die Rest- laufzeit der ETF-Titel auf ein bis fünf Jahre, sodass sein Kurs weniger schwankt als bei den ETFs von Amundi und Xtrackers, die stärker auf längere Restlaufzeiten setzen. Außerdem möchte der iShares-ETF die sogenannten ESG-Richtlinien für Umwelt, Soziales und Unternehmens- führung einhalten und verfolgt einen Best-in-Class-Ansatz. [29–31] BMW, Mercedes und Co Crédit Agricole: Der Hauptsitz des französischen Bankenriesen in Paris Mehr Rendite als bei Staatsanleihen Diese ETFs setzen auf Euro-Unternehmensanleihen mit einer guten Bonität ETF ISIN Laufende Kosten p. a. in % Laufende Rendite p. a. in % Amundi Prime Euro Corporates ETF " LU &'% &'( "#( ' #,#" $,!) iShares € Corp ex-Fin. "-%yr ESG ETF " IE ##B $L" ZY# % #,!# %,)# Xtrackers € Corporate Bond ETF $ LU #$( *!# "%( ' #,&! $,!& Stichtag: %#.#$.!#!%; ! ausschüttend; " thesaurierend; Quelle: Anbieter ➝ 3 6 FE S TE Z INSE N 4 8 FLE XIBLE Z INSE N4 4 E XOTISCH E ZINSEN
€URO 06|2344 W arum einfach, wenn es auch kompliziert geht. So könnte man tatsächlich über die hier vorgestell- ten Wertpapiere denken. Denn Anleger müssen bei ihnen zunächst scharf nach- denken, um die diversen Regeln !ür die Zins- und Rückzahlung zu verstehen. Wer dies geschafft hat, kann die Papiere jedoch clever in seine Anlagestrategie einbauen. Wer zum Beispiel mit seit- wärts tendierenden Aktienkursen rech- net, kann zu Aktienanleihen greifen, die hohe Zinskupons bieten. Wer in den USA mit einer steileren Zinskurve rechnet, kann den dazu passenden Steepener-ETF von Ossiam kaufen. Bei Wandelanleihen wiederum können Anleger sich !ür ver- schiedene Fonds und ETFs entscheiden. Und wer sich bei Bertelsmann auskennt, !indet vielleicht auch den Genussschein des Unternehmens attraktiv. Von Aktienanleihen bis Wandelanleihen reicht die Klaviatur exotischer Wert- papiere, mit denen Anleger ebenfalls attraktive Erträge und Zinsen erzielen können EXOTISCHE ZINSEN Farbig: Exotische Pflanzen erfreuen uns durch ihre frischen Farben – genauso wie exoti- sche Zinspapiere mit ihrer ausgeklü- gelten Strategien 3 4 EIN L AG E NZ INSE N3 2 EIN LEIT U N GTitel 100 Zinsideen
€URO 06|23 45 Genussscheine spielen bei Zins- anlagen eine Nebenrolle. Aber nicht unbedingt zu Recht, wie der Bertelsmann-Schein zeigt Genussscheine sind eine spezielle Wertpapiergattung und ein Mittel- ding zwischen einer Aktie und einer Anleihe. Die Verzinsung erfolgt meist über einen Aufschlag auf den Kurs der Papiere: Erfolgt die Zinszahlung, vermindert sich der Kurs entsprechend (ähnlich wie bei dem Di- videndenabschlag bei Aktien). Von Bertels- mann gibt es zwei Genussschein-Tranchen, eine aus dem Jahr 2001 (WKN: 522 994) und eine von 1992 (522 990). Allerdings weist nur der Schein von 2001 eine ausrei- chende Liquidität auf. Bei dem anderen Pa- pier müssen Anleger zum Teil hohe Unter- schiede zwischen An- und Verkaufskurs to- lerieren. Der 2001er-Schein hat einen Nomi- nalbetrag von 10 Euro und kostet derzeit um die 28 Euro. Pro Schein gibt es eine jährliche Ausschüttung von 1,50 Euro; damit liegt die Rendite aktuell bei 5,3 Prozent pro Jahr. Aber nur dann, wenn der Konzern einen ausreichenden Jahresüberschuss ausweist, um alle Genussscheine zu bedienen. Reicht das Geld nicht, vermindert sich die Ausschüttung pro Schein anteilig, einen Ausgleich in den Folgejahren gibt es nicht. Bisher ist dieses Szenario aber noch nicht eingetreten. [65] Genussvolle fünf Prozent Wandelanleihen sind eine Mischung aus Bond und Aktie, in die Anleger am besten mit Fonds und ETFs investieren Bei einer Wandelanleihe müssen sich Anleger meist mit niedrigen Zinskupons begnügen. Denn für ihre klassischen Anleihen zahlen die Unternehmen stets höhere Zinsen. Dafür haben Wandelan- leihen eine Eigenschaft, die klassischen Anleihen fehlt. Denn sie können sich in eine Aktie umwandeln und höhere Kursgewinne bieten als klas- sische Anleihen. Wandelanleihen gelten daher als eine Mischung aus An- leihe und Aktie. Praktisch funktioniert dies bei einer Adidas-Wandel- anleihe (WKN: A2L QRW) zum Beispiel so: Steigen die Adidas-Aktien, legt der Adidas-Wandler ebenfalls zu, wenn auch nicht ganz so stark. Fallen die Adidas-Aktien dagegen, fällt der Wandler-Kurs auch – allerdings nur bis zu einer gewissen Grenze, dem sogenannten Bondfloor. Dann wird der Adidas-Wandler wieder zu einer normalen Anleihe, die weiterhin lau- fend einen niedrigen Zins von 0,05 Prozent zahlt. Fonds und ETFs. Anleger können nur schwer einschätzen, wie Wandler sich verhalten oder wann diese attraktiv bewertet sind. Sie können aber in etliche Wandler-Fonds investieren, bei denen die Fondsmanager ihnen diese Aufgabe abnehmen. Viele Fonds verwenden dabei den Be- griff Convertible Bond, das englische Wort für Wandelanleihen. Recht erfolgreich war in den vergangenen drei Jahren der Morgan Stanley Global Convertible Bond Fund, den die Fondsabteilung von Morgan Stanley als ungesicherte ($) sowie als währungsgesicherte Anteilklasse (€-hdg) anbietet. Das ist insofern wichtig, da der Morgan-Stanley- Fonds rund die Hälfte seiner Titel in US-Dollar-Papiere investiert hat. Analog dazu können Anleger seit einiger Zeit zwei globale Wandel- anleihe-ETFs von SPDR kaufen, die aber etwas stärker schwanken als die Fonds von Morgan Stanley. Andere Fonds legen regionale Schwer- punkte. Der BNPP Europe Small Cap Convertible investiert etwa in kleine europäische Unternehmen, der Schroder Asian Convertible Bond setzt derzeit zu 60 Prozent auf chinesische Titel. [55–64] Mal Anleihe, mal Aktie Bertelsmann: Der Medienriese bietet Sparern attraktive Zinsen Global oder regional Die meisten Produkte investieren global, doch es gibt auch regionale Varianten für Asien und Europa Fonds/ETF ISIN Laufende Kosten p. a. in % Wertentwicklung ! Jahre in % BNPP Europe Small Cap Convert. ! LU !"# $"% &## $ &,#' &",& DWS ESG Convertibles €-hdg # DE !!! (') '"# * !,($ *,$ Lazard Convertible Global ! FR !!& !($ ('% ( &,#% #," LiLux Convert ! LU !!# %$& '(& ) &,($ &*," Morgan Stanl. Global Conv. €-hdg ! LU !'& !&# ()# ( &,*' &&,# Morgan Stanl. Global Conv. $ ! LU !&' %!( '#* * &,*! &),# Schroder Asian Conv. Bond € hdg ! LU !*$ "!% ##" & &,#" #,) SPDR Global Convert. €-hdg ETF ! IE !!B DT# FP% & !,$$ &*,* SPDR Global Convertible Bond # IE !!B NH) "!( ( !,$! &)," UBS Convert Global $-hdg ! LU !#" %&$ '*% * &,%& &),! Stichtag: *!.!'."!"*; " thesaurierend; # ausschüttend; Quelle: Anbieter BILD: XPHIL FEYERABEND/ISTOCK ➝ 3 6 FE S TE Z INSE N 4 8 FLE XIBLE Z INSE N4 4 E XOTISCH E ZINSEN
€URO 06|2346 Mit zwei Steepener-ETFs können Anleger auf eine normalisierte Zinskurve setzen. Das könnte sich lohnen, wenn die Konjunktur wieder brummt W er eine zehnjährige Anleihe emittiert, muss dafür meist höhere Zinsen zahlen als für eine zweijährige. Denn Anleger wollen dafür entschädigt werden, dass sie einem Land oder einem Unternehmen das Geld für zehn statt für zwei Jahre anvertrauen. In diesem Fall sprechen Fachleute von einer steilen Zinskurve. Das gegenteilige Beispiel dazu ist die inverse Zinskurve, bei der die zehnjährigen Anleihen weniger Rendite bie- ten als die zweijährigen Papiere. Eine inverse Zinskurve entwickelt sich fast immer vor einer Rezession, sodass Anleger derzeit sor- genvoll nach Europa und in die USA schauen – denn dort hat sich bereits eine inverse Zinskurve entwickelt. Die Differenz zählt. Anleger können aber auch darauf setzen, dass die Zinskurve wieder steiler wird – etwa falls sich eine Besserung der Konjunktur abzeichnet. Möglich ist dies unter an- derem mit dem Ossiam US Steepener ETF. Dessen Kurs würde Mit Express-Zertifikaten können Anleger von seitwärts tendierenden Aktienkursen profitieren – und ordentliche Kupons einnehmen Mit einem Express-Zertifikat können Anleger bereits dann eine positive Rendite erzielen, wenn sich der Kurs einer Aktie oder eines Index seitwärts bewegt. Verluste entste- hen erst, wenn der Kurs des Basiswerts am Ende deutlich im Minus notiert und die sogenannte Barriere berührt oder unterschreitet. Die Emittenten statten ihre Express-Scheine mit einer festen Lauf- zeit aus, die sie unter Bedingungen aber vorzeitig beenden kön- nen – daher der Begriff. Zudem zahlen Express-Zertifikate an ihre Käufer einmal oder mehrmals einen Zins. Dazu prüft der Emittent, ob der Kurs der Aktie oder des Index am ersten Bewertungstag auf oder oberhalb einer bestimmten Kursschwelle liegt. Falls ja, er- halten Anleger das eingesetzte Kapital und den Zinskupon zurück. Falls nicht, verlängert sich die Laufzeit bis zum nächsten Bewer- tungstag. Der Zinskupon wird dann nicht sofort ausgezahlt, son- dern aufgeschoben. Sind die Bedingungen beim zweiten Bewer- tungstag erfüllt, erhält der Anleger neben dem eingesetzten Kapital einen zweifachen Kupon – den für die erste und für die zweite Lauf- [66–67] Bitte steiler werden [68–75] Einmal oder mehrmals Zinsen kassieren Bewertungstermine Diese acht Express-Zertifikate bieten Zinskupons zwischen knapp vier und fast acht Prozent. Express-Zertifikat ISIN Nächster Bewertungstag Zinskupon p. a. in % BASF (Emittent: HVB) DE !!! HVB )MU & !".&!."!"* #,"! Euro Stoxx $% (Vontobel) DE !!! VU# QZE ! "#.!'."!"' ),)# Siemens (HVB) DE !!! HVB )MZ ! "#.!*."!"' ),"$ Eon (Barclays) DE !!! BC! KZV # &#.&!."!"* ),#! Hugo Boss (Deka Bank) DE !!! DK! UPY ( &&.!%."!"* ',#$ RWE (HVB) DE !!! HVB )HU & !'.!%."!"* $,&! Thyssenkrupp (Vontobel) DE !!! VX% A#" ( !(.!'."!"' ',"$ VW (Vontobel) DE !!! VX% BFZ ! !#.&&."!"* *,#$ Stichtag: !*.!$."!"*; Quelle: Anbieter, Börse Frankfurt. Es besteht ein Emittentenrisiko Für Experten Hier geht es nicht um die Zinshöhe, sondern um den Zinsabstand zwischen den Laufzeiten ETF ISIN Laufende Kosten p. a. in % Wertentwicklung " Jahr in % Ossiam US Steepener ETF ! LU &% #$* !&& (' !,*! -#,* Tabula IG Credit Steep. ETF ! IE !!B MQ$ Y$$ ) !,'! ",* Stichtag: *!.!'."!"*; " thesaurierend; Quelle: Anbieter zulegen, falls der Zinsunterschied zwischen kurz und lang laufen- den US-Staatsanleihen wieder größer wird. Dazu betrachtet Ossiam einerseits Anleihen mit zwei bis fünf Jahren Restlaufzeit und andererseits Anleihen mit zehn bis 30 Jahren Restlaufzeit. Weil Ossiam diese Strategie nur mit Derivaten umsetzen kann, ist der US Steepener ETF Swap-basiert. Anleger sollten hier zudem beachten, dass der US Steepener ETF nicht währungsgesichert ist. Ein fallender US-Dollar könnte den Effekt einer steileren Zins- kurve daher wieder zunichtemachen, ein steigender US-Dollar ihn aber auch unterstützen. Ähnlich agiert der Tabula Global IG Credit Curve Steepener ETF. Dort geht es um eine steilere Zins- kurve bei Unternehmensanleihen mit guter Bonität, die je zur Hälfte auf Euro und US-Dollar lauten. zeitperiode. Oft sinkt dabei die Tilgungsschwelle von Stichtag zu Stichtag. Das Prozedere wiederholt sich bis zum finalen Bewer- tungstag am Ende der Laufzeit. Hier sichert eine Barriere deutlich unterhalb des Auflageniveaus den Nennbetrag zusätzlich ab. Je nach Variante kann es immer noch zur Maximalrückzahlung in- klusive der Expresskupons kommen. Erst bei Berührung oder Unterschreiten der Absicherungsschwelle richtet sich die Tilgung nur noch nach der Entwicklung des Basiswerts. 3 4 EIN L AG E NZ INSE N3 2 EIN LEIT U N GTitel 100 Zinsideen
€URO 06|23 47 Bei Aktienanleihen locken hohe Renditen, wenn die zugrunde liegenden Aktien nicht unter eine bestimmte Grenze fallen Wie Wandelanleihen sind Aktienanleihen ein Zwitter aus Aktie und Anleihe. Allerdings trennt beide Wertpapier- gattungen viel. In der Tabelle führt €uro unter anderem Aktienanleihen auf Allianz, BASF und BMW auf. Diese Wertpapiere haben aber nicht die drei DAX-Unternehmen selbst emittiert, sondern die drei Banken BNP Paribas, DZ Bank und HSBC. Für Anleger ist hier deshalb die Bonität der drei Banken entschei- dend. Sollten sie insolvent werden, würden die Aktienanleihen wertlos werden. Das dürfte zwar unwahrscheinlich sein, weil die Staaten dies bei derart großen Banken verhindern würden. Aber Investoren sollten dem eine kleine Restwahrscheinlichkeit zubilligen und Aktienanleihen lediglich als Beimischung nutzen. Für Anleger ist der Kauf einer passenden Aktienanleihe heraus- fordernd. An der Börse Stuttgart können sie zum Beispiel aus über 58 000 verschiedenen Aktienanleihen auswählen. Allein auf die Allianz-Aktie haben die Banken momentan rund 2000 ver- schiedene Aktienanleihen emittiert. Siehe: boerse-stuttgart.de/ de-de/tools/produktsuche/aktienanleihen-finder. Beispiel Allianz. €uro hat Aktienanleihen ausgewählt, die im Jahr 2024 fällig werden und nach jetzigem Stand eine maximale Rendite von rund sechs bis zehn Prozent bieten. Wie hoch die Rendite ausfällt, hängt jedoch davon ab, wie sich die Aktienkurse von Allianz, BASF und BMW entwickeln. Das funktioniert so: BNP Paribas zahlt für die Aktienanleihe auf die Allianz-Aktie einen festen Zinskupon von 7,0 Prozent. Wichtig ist bei Aktienanleihen im nächsten Schritt der sogenannte Basispreis. Diesen hat BNP Paribas beim Allianz-Papier auf 180 Euro festgesetzt. Notieren die Aktien der Allianz – der sogenannte Basiswert – bei Fälligkeit auf oder über 180 Euro, erhalten Anleger den Nennwert der [76–83] Ideal, wenn die Kurse seitwärts tendieren Schwäbisch: Die Börse Stuttgart bietet rund 8200 Aktienanleihen, die die Landesbank Baden-Württem- berg (LBBW) emit- tiert hat Fällig 2024 Diese acht Aktienanleihen laufen 2024 aus und bieten Renditechancen zwischen 6,2 und 9,6 Prozent Aktienanleihe ISIN Fälligkeit Maximale Rendite p. a. in % Allianz (Emittent: BNP) DE !!! PE! VZN " "&.!*."' #,% BASF (LBBW) DE !!! LB* L)E ! "*.!(."' ),' BMW (HBSC) DE !!! HG( *BL ( "(.!#."' %,' DAX (UBS) DE !!! UBS #DA " !'.!&."' #,# Deutsche Börse (HSBC) DE !!! HG( *CK ( "(.!#."' (,( Euro Stoxx $% (Vontobel) DE !!! VQ$ 'RX ! ").!%."' #," LVMH (DZ Bank) DE!!!DJ&BM*# "#.!#."' %,# Mercedes-Benz (UBS) DE !!! UBS (NP $ !(.!)."' ),% Stichtag: *!.!'."!"*; Quelle: Anbieter Aktienanleihe vollständig zurück. Liegt die Allianz-Aktie dann unter 180 Euro, werden Anlegern die Aktien angedient. Die Zins- zahlung erhalten sie in jedem Fall. Es wäre aber möglich, dass der siebenprozentige Zinskupon den entstandenen Kursverlust nicht ausgleichen kann und Anleger mit der Aktienanleihe in die roten Zahlen geraten. Bei der Auflage von Aktienanleihen of- ferieren diese aber meist einen gewissen Puffer. Das heißt für unser Beispiel: Die Allianz-Aktie notierte Ende April 2023 bei rund 227 Euro, während die relevante Kursschwelle der Aktienanleihe bei 180 Euro liegt. Die Allianz-Aktie könnte also um mehr als ein Fünftel bis auf 180 Euro fallen, ohne dass Anleger Aktien der Allianz angedient bekämen, sondern stattdessen ihr investiertes Kapital plus sieben Prozent Zinskupon zurückerhalten würden. Wer eine Aktienanleihe kauft, sollte während der Laufzeit deshalb mit einer seitwärts oder moderat steigenden Aktie rechnen. Denn fällt die Allianz-Aktie extrem stark, wäre der Kauf einer Allianz-Anleihe weniger risikoreich gewesen. Legt die Allianz-Aktie wiederum besonders stark zu, wäre der direkte Kauf der Aktie lohnender gewesen. Anleger können auch Aktienanleihen (Index- anleihen) auf Indizes wie den DAX, den Euro Stoxx 50, den Stoxx Europe 600 oder den S & P 500 kaufen. ➝ 3 6 FE S TE Z INSE N 4 8 FLE XIBLE Z INSE N4 4 E XOTISCH E ZINSEN BILD: FABIAN KIRCHBAUER/BMW GROUP
€URO 06|2348 Für eine klassische Anleihe be- kommen Anleger in jedem Jahr einen festen Zins ausgezahlt, den sie fest einplanen können. Am Bondmarkt haben sich aber auch Anleihen etabliert, die an ihre Besitzer nicht jedes Jahr drei oder vier Prozent Zinsen bezahlen. So passt sich der Zins bei inflationsgeschützten Anleihen je- derzeit an die Inflation an. Steigt diese um einen Prozentpunkt, erhöhen sich der Zinskupon und das zurückzuzah- lende Kapital der Anleihe ebenfalls um einen Prozentpunkt. Mit diesen Anlei- hen können Anleger daher ihre Kauf- kraft absichern. Mit Nachranganleihen können Anleger dagegen ihr Portfolio aufpeppen, weil deren Renditen oft bis an zehn Prozent heranreichen. Anleger können sie idealerweise als Beimischung einsetzen, weil naturgemäß auch ihre Kursrisiken hoch sind. FLEXIBLE ZINSENMit inflationsgeschützten Anleihen und anderen variabel verzinslichen Papieren können Anleger ihr Portfolio absichern oder aufpeppen Biegsam: So wie der Wind die Halme des Getreides hin und her wiegt, so bewe- gen die Stürme des Kapitalmarkts die variablen Zinsen bei vielen Anleihen 3 4 EIN L AG E NZ INSE N3 2 EIN LEIT U N GTitel 100 Zinsideen
BILD: ALEX KALINA/ISTOCK, GARY HERSHORN/CORBIS NEWS/GETTY IMAGES €URO 06|23 49 Stichtag: !".!$."!"*; Quelle: Bloomberg Ganz spezielle Bundesanleihen eignen sich für Anleger, die ihr Portfolio vor den steigenden Preisen schützen möchten Inflationsgeschützte Bundesanleihen sind eine spezielle Art von deutschen Staats- anleihen, die darauf ausgelegt sind, vor In- flation zu schützen. Im Gegensatz zu den herkömmlichen Bundespapieren, bei denen der Zinssatz während der Laufzeit der An- leihe konstant bleibt, werden die Zinszah- lungen auf inflationsgeschützte Bundesan- leihen an den Verbraucherpreisindex (VPI) gekoppelt. Dies bedeutet, dass der Zinssatz und der Rückzahlbetrag der Anleihe so angepasst werden, um die Inflation auszu- gleichen (siehe auch Tipps 89–97). Allerdings sollten Anleger eines beachten: In den Bundesanleihen mit einem festen Zins- kupon ist die erwartete Inflation ebenfalls weitgehend eingepreist, was sich im Kurs niederschlägt. Die inflationsgeschützten Bundesanleihen schützen Anleger darum in erster Linie vor einer unerwartet höheren Inflation. Sie lohnen sich deshalb nur dann und rentieren höher als normale Bundes- bonds, wenn die künftige Inflation über der aktuellen Break-even-Inflationsrate liegt (die für die inflationsgeschützte Bundesanleihe mit sieben Jahren Laufzeit aktuell 2,4 Pro- zent beträgt). Wer glaubt, dass die tatsächli- che Inflation bis 2030 darüber liegt, kauft sich die bis April 2030 laufende inflationsge- schützte Anleihe (WKN: 103 055). [88] Der Inflation den Zahn ziehen Je höher die Renditen, desto höher die Risiken. Diese Regel gilt auch für Anleihen – und ganz besonders für CoCo-Bonds, eine Unter- gruppe der Nachranganleihen. So können Anleger beim Wisdom- Tree AT1 CoCo Bond €-hdg ETF für das Jahr 2023 mit einer Ausschüt- tung von rund sieben Prozent rechnen. Allerdings mussten Anleger beim CoCo-Bond ETF von WisdomTree im vergangenen März vorübergehend einen Rückschlag von fast 20 Prozent hinnehmen. Denn der Wisdom- Tree-ETF hielt CoCo-Bonds der Credit Suisse, die beim Zwangsverkauf an die UBS wertlos geworden waren. Mittlerweile hat der WisdomTree- ETF aber wieder zehn Prozentpunkte vom Tief gutgemacht. Zwitter. Hintergrund: CoCo-Bonds sind eine Art Zwitter aus Anleihe und Aktie, die Banken zunächst als Anleihe herausgeben. Fällt das Eigenkapital einer Bank aber unter eine vorher definierte Schwelle, wer- den die CoCo-Bonds dem risikoreicheren Eigenkapital der Bank zuge- rechnet. Damit kann sie ihre Bilanz stabilisieren, Anleger müssen dann jedoch mit hohen Kursverlusten rechnen. Um Investoren für dieses Risiko zu entschädigen, müssen die Banken hohe Zinsen zahlen. Nach- ranganleihen sind weniger risikoreich als CoCo-Bonds. Bei der Insol- venz einer Firma werden sie aber erst nach anderen Anleihen bedient. [84–87] Zwitter-Eigenschaften Glanzvoller Nachbar: Der ETF-Anbieter WisdomTree hat seinen Hauptsitz in der Nähe vom New Yorker Madison Square Garden 2020 2021 2022 2023 130 125 120 115 110 105 100 Wasauchimmer in % Entwicklung Kurs der bis 2030 lau- fenden inflationsgeschützten Anleihe % Optimaler Zugang Anleger können am besten mit Fonds und ETFs in CoCo-Bonds und Nachranganleihen investieren Fonds/ETF ISIN Laufende Kosten p. a. in % Laufende Rendite p. a. in % Aramea Rendite Plus ! DE !!! A!N EKQ ( &,** – DWS Global Hybrid Bond ! DE !!! ('% !%( ( &,*# ),'! SWC BF CoCo €-hdg # LU !$% %&& %)! ) &,#& %,#! WisdomTree AT! CoCo Bond €-hdg ETF ! IE !!B FNN N"* # !,*% (,'& Stichtag: *!.!'."!"*; " ausschüttend, # thesaurierend; Quelle: Anbieter ➝ 3 6 FE S TE Z INSE N 4 8 FLE XIBLE Z INSE N4 4 E XOTISCH E ZINSEN Wer attraktive Zinsen einstreichen möchte, kann zu CoCo-Bonds und Nachranganleihen greifen. Anleger sollten die Risiken dieser Titel aber kennen
€URO 07|19 43 44 EINLEITUNG Welche Aktien 1000 Prozent Gewinn lieferten und was sie gemeinsam haben Starke Aktien für die Zukunft Aktien, die von Megatrends profitieren, können Gewinne von 1000 Prozent und mehr erzielen. Wir stellen Zukunftstitel vor und zeigen, wie man über Fonds in innovative Firmen investiert VON MATTHIAS FISCHER, ANDREAS HÖSS UND OLIVER RISTAU Lukrative Innovationen: In Bereichen wie Urbani- sierung, Raumfahrt, Robotik oder Gentechnik sind die Chancen auf hohe Kurs- gewinne besonders groß 48 INTERVIEW Investor Hendrik Leber erklärt, wie er Aktien innovativer Firmen findet 54 GESUNDHEIT Der demografische Wandel sorgt dafür, dass Medizin eine Boombranche bleibt 52 ERNÄHRUNG Um die steigende Weltbevölkerung zu ernähren, sind neue Ideen gefragt 50 URBANISIERUNG Wer schlaue Lösungen für wachsende Städte bietet, macht gute Geschäfte 60 DIGITALGELD Bargeld ist ein Auslaufmodell. Doch auch für Digitalgeld braucht es Infrastruktur 56 ROBOTIK Egal ob am Fließband oder im OP: Der Mensch wird von der Maschine ersetzt 62 DROHNEN Nach der militärischen wird auch die zivile Luftfahrt unbemannt werden 58 RAUMFAHRT Der Wettlauf ums All ist neu entbrannt. Das freut Konzerne und Investoren 64 TREND-FONDS Von Raumfahrt bis Robotik: Viele Aktien innovativer Firmen in einem Paket Titel 1000-Prozent-Aktien BILD: MANUEL SCHÜTT FÜR €URO, D3DAMON/ISTOCK, WIRECARD, PGIAM/ISTOCK, BEYOND MEAT, KOYA79/ISTOCK, ISTOCK, D3DAMON/ISTOCK [M]
€URO 07|1944 Noch vor zehn Jahren war die- ser Satz ein echtes Verspre- chen: „GeForce 3D Vision er- möglicht erstmals High De!i- nition 3D Entertainment zu Hause — PC"Spiele werden so realistisch, als wäre man mittendrin. Erlebe selbst auf der Cebit, wie Spielgegner, Mitspieler und Objekte aus dem Bildschirm Dir regel- recht entgegenkommen — und das bei den heißesten neuen Spielen.“ Mit diesen Worten lockte Gra!ikkar- tenhersteller Nvidia im Jahr 2009 Kun- den an seinen Stand auf der Cebit in Han- nover. Heute gibt es die einst weltgröß- ten Computermesse nicht mehr. Der Ver- anstalter stellte sie im November 2018 wegen stetig sinkender Besucherzahlen ein — was aber nicht einem sinkenden In- teresse an Digitalem geschuldet war, son- dern hausgemachten Problemen. Und HD 3D, damals der letzte Schrei, ist mitt- lerweile ein alter Hut. Die Aktie von Nvidia gibt es aber im- mer noch. Wer sie Anfang März 2009 ge- kauft hat, also zu dem Zeitpunkt, als Nvidia auf der Cebit ausgestellt hat, zahl- te !ür die Aktie knapp sieben Euro. Heu- te notiert das Papier bei fast 130 Euro. Macht ein Plus von etwa 1700 Prozent in- nerhalb von zehn Jahren. Und da ist die Dividende noch nicht mal berücksich- tigt, die allerdings auch ausgesprochen gering aus!ällt. Sie liegt derzeit gerade mal bei rund 0,4 Prozent. Doch hätte man zu der Zeit schon er- kennen können, welches Potenzial die Aktie hat? Gab es etwas, das Nvidia da- mals auszeichnete? Wie der Stand auf der Cebit zeigte, waren die Kalifornier gut positioniert, um in dem gerade richtig aufkommenden Markt der Videospiele ordentlich mitzumischen. Da die Spiele immer aufwendiger wurden (und weiter- hin werden), brauchten sie immer leis- tungs!ähigere Prozessoren. Nvidia war schon damals kein Unbe- kannter, sondern State of the Art bei Gra- !ikkarten, also alles andere als ein Start- up. Im Lauf der Jahre kamen dann im- mer weitere Anwendungsfelder hinzu, vor allem im Gefolge der künstlichen In- telligenz, etwa beim autonomen Fahren. Überall dort, wo es um die Verarbeitung von visuellen Daten geht, war Nvidia gut positioniert. Da scheint es alles andere als erstaunlich, dass sowohl Umsätze als auch Gewinne explodiert sind und im Ge- folge auch der Aktienkurs (siehe Seite 46). Ist Nvidia ein Einzelfall? Nein. Es gibt immer wieder Aktien, die in zehn Jahren ein Plus von 1000 Prozent oder mehr ma- chen. Klar, mit ausgesprochen spekula- tiven Aktien ist so etwas immer möglich, aber mit einer vernünftigen Geldanlage hat das dann wenig zu tun, eher mit Glücksspiel. Denn neben einem hohen Gewinn kann es genauso gut zu einem großen Verlust kommen. Schlimmsten- falls sogar zum Totalverlust. Was aber zeichnet Unternehmen aus, die ein seri- öses Geschäftsmodell haben und den- noch !ähig sind, rasant zu wachsen? Zurück zu Nvidia. Der Konzern war vor zehn Jahren mit seinen Produkten in einer Zukunftsbranche — der Verarbei- tung visueller Daten — gut aufgestellt. Die Dynamik der Branche zeichnete sich zwar bereits ab, war aber erst dabei, so richtig Fahrt aufzunehmen. Gibt es das nur in der Technologiebranche? Nicht unbedingt. Die Technologiebranche ist da!ür zwar ziemlich gut geeignet, aber dieses Muster ist längst nicht nur auf sie beschränkt. Das zeigt etwa der US"Kosmetikkon- zern Ulta Beauty. Das Unternehmen kon- zentriert sich auf den Kosmetikbereich. Der geht so richtig ab, weil in Zeiten von Social Media Fotos immer wichtiger wer- den. Auf Instagram, Facebook und Co lassen sich ganze Fotostorys erstellen, über jeden Schritt werden Familie und Freunde digital auf dem Laufenden ge- halten. Und wer möchte schon schlecht auf einem Foto aussehen? Dieser Trend war vor zehn Jahren zwar in Ansätzen vor- handen, aber es war nicht absehbar, wie prominent er werden würde. Die Platt- form Instagram etwa gab es vor zehn Jah- ren noch gar nicht, sie wurde erst im Ok- tober 2010 einge!ührt. Von diesem Trend aber pro!itiert Ul- ta Beauty. Der Konzern bietet sowohl in Geschäften als auch online eine reiche Kosmetikpalette an. Entsprechend kräf- tig hat die Aktie zugelegt: Wer vor zehn Jahren Ulta-Aktien im Wert von 1000 Eu- ro gekauft hat, ver!ügt mittlerweile über 41 430 Euro. Ein Investment in den deut- schen Leitindex DAX hat im gleichen Zeitraum deutlich weniger eingebracht, ganz zu schweigen von einem Tagesgeld- konto (siehe Gra!ik rechte Seite). 1000 Prozent made in Germany. Aber !inden sich Aktien, die um mehr als 1000 Prozent zugelegt haben, auch in Deutsch- land? In dem Land, in dem Aktien noch immer ein Schattendasein hinter Spar- produkten wie etwa Tages- und Festgeld- konten !ühren? Ja, es gibt durchaus auch 1000"Prozenter aus Deutschland, einer davon ist Sartorius. Das Unternehmen steht nicht !ür junges Unternehmertum, sondern eher !ür Tradition, wurde es doch bereits im Jahr 1870 gegründet. Die Aktie hat in den vergangenen zehn Jahren sage und schreibe um 8000 Prozent zugelegt, seit 2002 waren es sogar mehr als 10 000 Prozent — und das eben nicht mit superneuen Produkten, sondern mit G
€URO 07|19 45 ser Blick in die Vergangenheit zeigt, dass es durchaus möglich ist, mit Aktien in ei- nem Zeitraum von zehn Jahren ein pro- zentual vierstelliges Plus zu erzielen. Die nächste Generation. Welche aber sind die Papiere, die als Nächste ein sol- ches Plus erzielen können, sprich die nächste Generation der 1000"Prozenter? Diese Frage können nur Experten beant- worten, möchte man meinen. Gleich- wohl kann man durchaus in seinen eige- nen Interessengebieten nach Firmen su- chen, die besonders spannende Produk- te bieten oder stark positioniert sind. „Fast jeder kennt sich irgendwo aus, sei es bei Videospielen, im Sport, mit Tech- nik oder bei Bier“, sagt Hendrik Leber, Gründer der Fondsgesellschaft Acatis (siehe Seite 48). Pro!itiere so eine Firma dann auch noch von einem oder mehre- ren sogenannten Megatrends, sei ein In- vestment besonders lukrativ, so Leber. Für Martin Lück, Chefstratege !ür Deutschland, Österreich und Osteuropa beim weltgrößten Investmenthaus Black rock, zeichnen sich Megatrends da- durch aus, dass sie gesellschaftliche Ent- wicklungen auslösen und dabei durch- aus auch noch miteinander zusammen- hängen können. Das zeigt sich beispiel- haft an einem der von ihm identi!izierten globalen Megatrends: der Urbanisie- rung. Immer mehr Menschen ziehen in Städte. Allein in China gibt es 100, die mehr als !ünf Millionen Einwohner ha- ben. Und sie wachsen ständig weiter. Der Drang in die Metropolen hängt in China mit dem starken Wirtschaftswachstum zusammen, von dem vor allem die Städ- te pro!itieren. In den Ballungsräumen aber wird Mobilität zu einem wichtigen Thema und damit autonomes Fahren und künstliche Intelligenz. Und von hier ist es nur noch ein kleiner Schritt zu ei- nem weiteren Megatrend, den Lück iden- ti!iziert hat: dem Aufstieg Chinas und der Schwellenländer. Das zeigt eindrucksvoll, dass kein Megatrend völlig losgelöst von anderen Entwicklungen ist, Das gilt auch !ür die ➝ 5 4 G E SU N D H EIT 6 0 D I G ITA LG E LD5 8 R AU M FAH R T 6 4 TRE N D - FO N DS5 6 RO BOTIK 6 2 D RO H N E N von €uro gefundenen Megatrends. Die Redaktion hat sich auf die Suche nach Branchen gemacht, in denen künftig ein hohes Wachstum zu erwarten ist. Diese Auswahl ist aber keineswegs erschöp- fend, es gibt natürlich noch andere Trends, wie das autonome Fahren oder das Sammeln und Speichern nicht auf bestimmten Servern, sondern in Daten- wolken, neudeutsch der Cloud. Vielmehr berücksichtigte die Redak- tion bei der Auswahl der Trends auch die Investmentmöglichkeiten: Gibt es Unter- nehmen, die in dieser Branche gut posi- tioniert sind und zudem ein großes Po- tenzial aufweisen? Zu den von der Re- daktion herausge!ilterten Aktien stellt €uro noch, wo immer möglich, weitere Investmentvehikel wie Fonds, ETFs oder Zerti!ikate vor. Mit ihnen lässt sich das Kapital über mehrere Unternehmen streuen und dadurch das Risiko gegen- über einem Investment in eine einzelne Aktie teils deutlich mindern. Schließlich hat €uro auch noch über- prüft, welche Anlageprodukte ihr Geld über mehrere unterschiedliche Trends verteilen. Diese Diversi!ikation mindert das Risiko ebenfalls. Stellt sich etwa bei einem Trend heraus, dass er doch floppt, dann wirkt sich das viel weniger aus, als wenn alle Investments in diesen einen Trend platziert worden wären. Dahinter verbirgt sich die uralte Börsenregel, nicht alle Eier in einen Korb zu legen. Nachfolgend stellt €uro die einzelnen Trends sowie die entsprechenden Invest- ments (in tabellarischer Form) vor. Dar- an schließen sich die Fonds an, die das Kapital über mehrere Branchen streuen. Allerdings sollte sich jeder Anleger darüber im Klaren sein, dass nicht jedes von uns genannte Investment zwangs- läu!ig von einem Kursgewinn von 1000 Prozent und mehr gekrönt sein wird. Selbst vor Verlusten ist man nicht völlig gefeit. Auch Fondsmanager Leber gibt im Interview zu, schon mal danebengelegen zu haben. Daher ist es wichtig, nur einen Teil seines ver!ügbaren Anlagekapitals in solche Werte zu stecken. Stichtag: 06.06.2019; Quelle: eigene Berechnungen Himmelweiter Unterschied Das wäre aus 1000 Euro in zehn Jahren geworden Anmerkung: Ulta-Beauty-Aktie ohne Dividenden; Tagesgeld inklusive Zinseszins 41 430 € Ulta- Aktie DAX Tages- geld 1100 €
€URO 07|2042 Geschlossene Gesellschaft: Das Geld von der Bank zu holen und hinter Schloss und Riegel zu packen ist ein denkbar schlechter Rat
€URO 07|20 43 BILD: JAN HÅKAN DAHLSTRÖM/PLAINPICTURE 44 EINLEITUNG Warum das, was früher sicher war, heute vielleicht gar nicht so sicher ist 46 BARGELD Sicherheit zum Anfassen. Warum der Schein trügt 52 IMMOBILIEN Gewohnt wird immer, doch das richtige Objekt zu finden ist oft schwer 48 GOLD Die Krisenwährung schlechthin stellt ihre Besitzer vor Herausforderungen 54 IMMOBILIENFONDS Viel Immobilie für wenig Geld, das kann, muss aber nicht gut gehen 50 TAGESGELD Mit Minizinsen gegen die Angst, das ist selten ein guter Rat 56 STAATSANLEIHEN Noch ist Deutschland ein Schuldner mit allerbester Bonität. Noch ... 58 ABSOLUTE RETURN Immer Rendite, ganz gleich, was passiert. Klingt gut, einige Fonds schaffen es sogar 60 LEBENSVERSICHERUNG Bombensicher, solange kein großer Versicherer strauchelt Titel Sicherheit Was wirklich sicher ist In Krisen wollen Anleger vor allem eines: keine Verluste machen. Doch nicht alle Anlagen, die als sicher gelten, halten das, was sie versprechen VON BERNHARD BOMKE, MATTHIAS FISCHER, MARKUS HINTERBERGER, ANDREAS HÖSS UND MARTIN REIM
€URO 07|2046 BILD: THIRTEEN-FIFTY/ISTOCK, MARC DIETRICH/SHOTSHOP.COM [M] R und 100 Milliarden Euro mehr an Münzen und Scheinen ka- men im März in Europa zusätz- lich in Umlauf. Scheinbar ha- ben im Zuge der Ausgangsbeschränkun- gen in den verschiedenen Ländern Euro- pas viele Menschen etwas mehr Geld von ihrem Konto abgehoben als sonst. Her- untergebrochen auf die etwa 500 Mil- lionen Menschen, die auf diesem Konti- nent leben, sind das 200 Euro pro Kopf. Die Angst, dass auch Banken geschlossen und vor allem Geldautomaten nicht mehr be!üllt würden, war groß. Je größer die Unsicherheit, desto eher vertrauen Menschen auf Bargeld. Rahim Taghizadegan, Wirtschaftswissenschaft- ler von der privaten Hochschule Schola- rium in Wien, nennt es den „Reiz des Greifbaren“, wenn er über Bargeld spricht. Bargeld gebe vielen Menschen Sicherheit. Gerade in Deutschland ist dieses Ge!ühl sehr stark und gepaart mit dem Wunsch nach Datenschutz. Wobei dieser angesichts der Corona-Krise beim Thema Bargeld nur eine untergeordnete Rolle spielt. Nach Angaben der Bundesbank hat sich der Bargeldbestand in deutschen Privathaushalten seit 2013, als die Zinsen langsam, aber stetig auf das heutige Ni- veau zu sinken begannen, verdoppelt. Rein rechnerisch hat jeder der rund Gefährlicher Reiz Man kann es anfassen, es wird fast überall akzeptiert und es gibt Sicherheit. Bargeld hat viele Vorteile, doch die meisten entpuppen sich als Nachteile für den, der Sicherheit sucht Sicherheit in der Krise ........................----- Kurzfristige Rendite ............................----- Langfristige Rendite ...........................----- Flexibilität ............................................----- 4 6 BA RG E LD 5 0 TAG E SG E LD4 8 GO LD 5 2 IM M O BILIE N4 4 EIN LEIT U N GTitel Sicherheit
€URO 07|20 47 ... 246 82 Millionen Bundesbürger etwa 3000 Euro in bar zu Hause. Hochgerechnet wären das 246 Milliarden Euro. Mit dieser Summe könnte man alle Aktien der DAX"Konzerne Linde, Siemens und Volkswagen kaufen. Diese Zahlen stam- men von Anfang des Jahres. Es ist sicher, dass von den 100 Milliarden Euro an zu- sätzlichem Bargeld in Europa ein ordent- licher Batzen auf die Deutschen ent!ällt, und das nicht nur, weil knapp jeder sechste Europäer Deutscher ist. Historisch kaum begründbar. Dass ausgerechnet hierzulande die Liebe zum Bargeld so verbreitet ist und Münzen und Scheine als sicher gelten, erscheint bei einem Blick auf die jüngere deutsche Ge- schichte geradezu paradox. In den Zwan- zigern des vergangenen Jahrhunderts gab es eine Hyperinflation. Das Geld, !ür das man am Morgen eine Monatsmiete zahlen konnte, reichte am Abend viel- leicht noch !ür ein warmes Essen. Und auch wenn nur sehr wenige Hochbetag- te diese Zeit noch miterlebt haben, die Schwarz-Weiß-Fotogra!ien von Kindern, die mit Bündeln fast wertloser Bank- noten spielen, als wären es Bauklötze, kennen Millionen. Der nächste Währungsschnitt folgte nach dem Zweiten Weltkrieg. Seitdem ist, nicht zuletzt durch die D"Mark, die weltweit als Sinnbild einer harten, star- ken Währung galt, das Vertrauen ins Bar- geld wieder gewachsen. Ein Vertrauen, das kurz- wie langfristig herb enttäuscht werden kann. Je turbulenter die Zeiten, desto eher wird Bargeld, genauer ausge- drückt dessen Wert, leiden. In einer ech- ten Systemkrise wird Bargeld zwar nicht von heute auf morgen wertlos, aber wenn Lieferketten abreißen, zahlreiche Waren und Güter nicht mehr einge!ührt werden können und die einheimische Wirtschaft das Land komplett selbst ver- sorgen muss, werden viele Produkte teu- rer werden, die Kaufkraft jedes einzel- nen Euro wird sinken. Aber auch ohne eine Krise wird Bar- geld immer weniger wert. Die Inflation sorgt nämlich da!ür, dass Bargeld und auch Geld, das zu einem niedrigeren Zinssatz als die Inflationsrate angelegt ist (siehe „Tagesgeld und Festgeld ab Sei- te 50), immer weniger wert wird. Sie ist aber kein Zeichen irgendeiner Krise, sondern gehört zu einer funktionieren- den Wirtschaft dazu. Sie hat zudem !ür hoch verschuldete Staaten, die ihren Gläubigern nur niedrige Zinsen zahlen müssen, den positiven Nebeneffekt, dass sie sich praktisch ganz von allein ent- schulden. Für das Geld, das die Bundes- republik beispielsweise heute aufnimmt, kann sich der Anleger, der sein Geld dem Bund geliehen hat, etwa in zehn Jahren, wenn er es wiederbekommt, deutlich weniger leisten, wenn nicht der Zins dieser Anleihe den Verlust der Kaufkraft ausgleicht. Gleiches gilt !ür Bargeld, das in Portemonnaies, Schließ!ächern oder Tresoren liegt. Tag !ür Tag, Monat !ür Monat, Jahr !ür Jahr verliert es an Wert (siehe Gra!ik). Daher ist Bargeld gut, um kurzfristi- ge Anschaffungen zu machen und auf ab- sehbare Zeit flüssig zu sein. Doch um sich in einer Krise abzusichern, eignen sich Münzen und Scheine kaum. Große Bar- geldmengen zu Hause wecken zudem Begehrlichkeiten — zwar nicht vom Staat, aber von solchen, vor denen der Staat Bürger schützen sollte. ➝ INFLATION NICHT NUR SCHLECHT FÜR BARGELD 20182016201420122010 2020 5,0 4,5 4,0 3,5 3,0 2,5 2,0 1,5 1,0 0,5 0 -0,5 -1,0 EZB-Leitzins Inflation Tagesgeld laut Bundesbank Quelle: FMH-Finanzberatung Während in den 1990er-Jahren noch Inflationsraten von vier Prozent und mehr üblich wa- ren, hat sich die Teuerung in den vergangenen Jahren unter zwei Prozent eingependelt. Das mag wenig klingen, doch die Renditen, die Anleger mit sicheren Anlagen erzielen können, sind weitaus stärker gesunken als die Inflationsrate (siehe folgende Seiten). Euro Bargeld hortet jeder Deutsche im Schnitt zu Hause, insgesamt ...3000 Milliarden Euro stecken in deutschen Spar- strümpfen. Stand: Januar 2020; Quelle: Deutsche Bundesbank 3000 ... 246 5 4 IM M O BILIE N FO N DS 5 8 ABSO LU TE RE T U RN5 6 S TA ATSAN LEIH E N 6 0 LE BE NSV E RSI CH E RU N G in %
€URO 07|2048 BILD: SONJA CRISPINO, HANS J. SCHERRER/SHOTSHOP.COM [M] Es gilt als Angstwährung, Krisen- metall oder Währung der letz- ten Instanz: Gold hat den Ruf, immer dann Stabilität und Si- cherheit zu bieten, wenn Aktienkurse ab- stürzen, Staaten und Banken in Proble- me kommen und man in der Finanzwelt auf nichts mehr vertrauen kann. Diesen Nimbus bekam das Edelmetall in der Finanzkrise sowie in der Eurokrise und erst recht im Corona-Crash: Während der deutsche Aktienindex DAX von Mit- te Februar bis Mitte März binnen weni- ger Wochen um fast 40 Prozent abstürz- te, blieb Gold abgesehen von einem an- !änglichen harten Rücksetzer nicht nur stabil — es gewann sogar deutlich an Wert. Der Goldpreis, der üblicherweise in US"Dollar angegeben wird, hat seit Jah- resbeginn mehr als zehn Prozent auf et- wa 1750 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) zugelegt. In Europa kostete Gold Ende Mai mit fast 1550 Euro je Unze sogar so viel wie noch nie. Wegen dieser Werthaltigkeit in Kri- senzeiten rissen sich Anleger in den letz- ten Monaten !örmlich um Gold. Gold- fonds wie der amerikanische SPDR Gold Shares oder Xetra-Gold aus Deutschland kauften von Februar bis Mai zusammen die Rekordmenge von 561 Tonnen Gold. Mit insgesamt 3501 Tonnen gehört die- sen Investmentvehikeln nun so viel Gold Im Corona-Crash goldrichtig 2020 war Gold eine gute Krisenversicherung: Der Goldpreis stieg kräftig, als die Aktienkurse abstürzten. Doch Vorsicht: Auch das vermeintlich sichere Edelmetall birgt Gefahren Sicherheit in der Krise ........................----- Kurzfristige Rendite ............................----- Langfristige Rendite ...........................----- Flexibilität ............................................----- 4 6 BA RG E LD 5 0 TAG E SG E LD4 8 GO LD 5 2 IM M O BILIE N4 4 EIN LEIT U N GTitel Sicherheit
€URO 07|20 49 wie noch nie. Auch die Nachfrage nach Barren und Münzen war enorm. Bekann- te deutsche Goldhändler wie Degussa oder Pro Aurum wurden geradezu über- rannt. Selbst als ihre Regale wegen Lie- ferengpässen teilweise leer waren, ris- sen Kunden ihnen die noch ver!ügbaren Barren und Münzen trotz mitunter ho- her Preisaufschläge aus den Händen. Sinnvoll, aber nicht gefahrlos. Die durch die Corona-Pandemie nochmals gestiegenen Zukunftsängste haben den Ruf des in Deutschland ohnehin belieb- ten Edelmetalls also weiter aufpoliert. Laut einer von Pro Aurum in Auftrag gegebenen Forsa-Umfrage gaben im Mai mehr als zwei Drittel der befragten Bun- desbürger an, Gold sei eine sichere Geld- anlage. Fast ein Drittel glaubt mittlerwei- le sogar, dass Gold in den nächsten drei Jahren lukrativer als Aktien sein wird. Manche Analysten überbieten sich momentan tatsächlich mit ihren Preis- prognosen und verweisen dabei auf Preistreiber wie weltweite Niedrigzin- sen, ausufernde Staatsschulden, drohen- den Finanzmarktstress oder möglicher- weise mittelfristig wieder steigende In- flation. So erwartet die Bank of America, dass Gold bald 3000 US"Dollar kostet, die Saxo Bank geht von 4000 Dollar aus, und die notorischen Goldfans von Incremen- tum rechnen in ihrem millionenfach ge- lesenen jährlichen Branchenausblick „In Gold We Trust“ mit einem Anstieg auf fast 5000 Dollar bis zum Jahr 2030. Ob es aber wirklich so kommt, steht in den Sternen. Denn der Blick in die Ver- gangenheit zeigt, dass es am Goldmarkt auch schnell einmal abwärtsgehen kann, wenn es an den Börsen wieder aufwärts- geht. Schließlich sind dann weniger An- leger auf der Suche nach einer Krisenver- sicherung, weshalb die Nachfrage nach Gold nachlässt und der Preis sinkt. Das passierte zum Beispiel nach 2011. Zuvor hatten sich die Notierungen erst in der Finanzkrise und später in der Eurokrise vervielfacht. Als klar wurde, dass das Finanzsystem und der Euro überleben würden, brach der Goldpreis bis Ende 2015 um 40 Prozent ein. Auch 2016 und 2018 gab es Rücksetzer von 17 bezie- hungsweise 14 Prozent. Wegen solcher Schwankungen, die ähnlich stark wie bei Aktien ausfallen, warnen die Verbraucherzentralen davor, Gold als sichere Anlage zu betrachten. Sie weisen zudem auf weitere Risikofak- toren bei der Goldanlage hin, etwa dass Gold anders als Anleihen oder viele Ak- tien weder Zins noch Dividende zahlt, also kein stetiges Einkommen generiert. Oder dass Gold in Dollar gehandelt wird und die Erträge europäischer Anleger mitunter davon abhängen, wie sich der Euro zum Dollar entwickelt. Zudem sind am Goldmarkt viele Betrüger unterwegs. Die Betrugsmaschen reichen von Falsch- gold über Fake-Shops im Internet bis zu Schneeballsystemen mit Goldsparplä- nen, weshalb Anleger sich vor dem Gold- kauf genau über den jeweiligen Anbieter informieren sollten. Trotz dieser Risiken sind Goldinvest- ments eine sinnvolle Krisenversiche- rung, weil sie meist an Wert gewinnen, wenn andere Anlageklassen unter Druck sind. „In einem Anlagemix — etwa mit Zinspapieren und Aktienfonds — können Sie das Risiko insgesamt senken, bei der Geldanlage große Verluste zu erleiden“, heißt es in einem im März veröffentlich- ten Leitfaden der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Dabei soll der Gold- anteil allerdings maximal zehn Prozent des Portfolios betragen, raten die Ver- braucherschützer. Die Krisenversiche- rung Gold soll schließlich nicht selbst zum Risiko werden. ➝ ’10 ’11 ’12 ’13 ’14 ’15 ’16 ’17 ’18 ’19 ’20 140 120 100 80 60 40 20 0 -20 -40 Euro-Krise China-Crash Corona-Krise MSCI World Goldpreis Stichtag: 05.06.2020; Quelle: Bloomberg Gegenläufig Der Goldpreis fiel in ruhi- gen Börsenphasen und stieg in Crashs Wer Gold kaufen will, sollte sich zunächst klar werden, warum er das tut: um das Depot breiter aufzustellen? Oder um sich gegen einen Kollaps des Finanzsystems zu wappnen? Wer nur auf der Suche nach einer Anlageklasse ist, die seinem Depot etwas Stabilität verleiht, wenn die Aktien- kurse abstürzen, kann Finanzprodukte wie Xetra-Gold (ISIN: DE 000 A0S 9GB 0) oder Euwax Gold II (DE 000 EWG 2LD 7) kaufen. Diese Zertifikate bilden das Auf und Ab des Goldpreises ab, die komplette Anlagesumme ist physisch mit Gold hin- terlegt. Im größeren Xetra-Gold-ETC sind über elf Milliarden Euro investiert, mit denen bisher mehr als 200 Tonnen Gold gekauft wurden, die in den Tresoren des Anbieters lagern. Anleger können sich ih- ren Anteil theoretisch sogar grammgenau ausliefern lassen, was aber mit hohen Kos- ten verbunden ist, weshalb diese Möglich- keit kaum wahrgenommen wird. Wegen dieser Lieferoption sind die Produkte aber als physisches Gold klassifiziert, was steu- erliche Vorteile bringt. Wer hingegen be- fürchtet, dass Banken pleitegehen, der Eu- ro kollabiert oder sogar Staaten auseinan- derbrechen, der sollte das Gold in Form von Barren und Münzen kaufen. Schließ- lich sieht er das Edelmetall als Notnagel, mit dem er nicht nur Vermögen durch Sys- temkrisen retten will, sondern womöglic
€URO 07|2050 BILD: THIRTEEN-FIFTY/ISTOCK, JULIAN MEZGER FÜR €URO [M] Glaubt man einer Umfrage der Meinungsforscher von Yougov von Anfang Mai, hat fast jeder vierte Deutsche Geld auf ei- nem Tages- oder Festgeldkonto angelegt. Insgesamt liegen laut Bundesbank über 1,5 Billionen Euro auf solchen Konten. Das ist etwa das Doppelte des Aktienver- mögens der deutschen Privathaushalte. Der Grund !ür die Liebe zu klassi- schen Sparprodukten dürfte weniger mit der zu erwartenden Rendite als mit der Sicherheit zu tun haben. Denn mit Zin- sen von im Schnitt 0,02 Prozent verlie- ren Sparer angesichts einer Inflations- rate von 0,8 Prozent real Geld, und nur wenige Angebote liegen über dieser Mar- ke (siehe Seite 143). Doch wie sicher sind solche Termineinlagen, wie sie im Fach- jargon genannt werden, tatsächlich? Grundsätzlich gilt: Geht eine Bank in Europa pleite, haben alle Kontoinhaber einen Rechtsanspruch, ihr Geld bis zu 100 000 Euro (!ür Ehepaare mit Gemein- schaftskonto 200 000 Euro) zurückzu- bekommen. Dazu zählen Guthaben auf Giro-, Tages- und Termingeldkonten. Auch Zinsen, die zwar aufgelaufen, aber noch nicht gutgeschrieben wurden, wer- den erstattet. Derzeit darf es in Deutsch- land sieben Arbeitstage dauern, bis Kun- den entschädigt sind. EU-weit beträgt die Frist in vielen Ländern noch 20 Tage. Sicher keine Rendite Tagesgeld- und Festgeldkonten sind den Deutschen lieb und vor allem teuer. Denn die Zinsen sind nahe null, und die Inflation zehrt das Kapital langsam, aber stetig auf Sicherheit in der Krise ........................----- Kurzfristige Rendite ............................----- Langfristige Rendite ...........................----- Flexibilität ............................................----- 4 6 BA RG E LD 5 0 TAG E SG E LD4 8 GO LD 5 2 IM M O BILIE N4 4 EIN LEIT U N GTitel Sicherheit
€URO 07|20 51 Bankkunden erhalten ihr Geld automa- tisch zurück. Kunden, die zwischenzeit- lich mehr Geld auf dem Konto haben, etwa weil sie ihre Privatwohnung ver- kauft oder eine Ab!indung bekommen haben, sind hierzulande besonders ge- schützt. Wird ihre Bank zahlungsun- !ähig, gilt !ür sie sechs Monate lang eine Sicherungsgrenze von 500 000 Euro. Al- lerdings müssen sie in diesem Fall einen Antrag stellen und nachweisen, dass sie höher entschädigt werden müssen. Wenn Kunden einer Privatbank durch eine Bankpleite über 100 000 Euro ver- loren haben, steht die private Einlagen- sicherung des Bundesverbands deut- scher Banken (BdB) !ür den darüber hinausgehenden Betrag gerade. Welche Summe dieser freiwillige Fonds je Kun- de maximal absichert, richtet sich nach dem haftenden Eigenkapital der jeweili- gen Bank. Bis 2025 wird die Sicherungs- grenze schrittweise von derzeit 15 Pro- zent des haftenden Eigenkapitals auf 8,75 Prozent gesenkt. Selbst dann liegt die Obergrenze noch bei mindestens 437 500 Euro. Anders als die gesetzliche Ein- lagensicherung umfasst der Fonds des Bankenverbands auch Fremdwährungs- konten (mehr dazu unter www.bdb.de). Sparkassen und Genossenschafts- banken — dazu zählen etwa Raiffeisen-, Sparda und PSD"Banken — haben eine Institutssicherung: Geht es einem In- stitut !inanziell schlecht, wird es von den übrigen Verbandsmitgliedern unter- stützt, bis es wieder solvent ist. Mehr da- zu unter www.ds!v.de (Sparkassen) und www.bvr.de (Genossenschaftsbanken). Die 100 000"Euro-Grenze gilt in der gesamten Europäischen Union. In EU"Staaten, die eine andere Währung als den Euro haben, wie etwa Polen oder Tschechien, wird entsprechend umge- rechnet. Seit Juli 2015 erhalten Kunden von Banken aus dem Europäischen Wirt- schaftsraum, die hierzulande eine Zweig- stelle haben, im Ernstfall die Entschädi- gung von der deutschen Einlagensiche- rung (www.edb-banken.de). Sie müssen ihre Ansprüche nicht mehr im Ausland beantragen. Viele an sich ausländische Banken haben jedoch auch eine deut- sche Banklizenz, wie etwa die spanische Santander Bank oder die niederländi- sche ING. Sie werden rechtlich wie deut- sche Banken behandelt. Bis zum Jahr 2024 soll innerhalb der Europäischen Union ein Fonds geschaf- fen werden, der im Fall von Bankpleiten Sparern ihr Geld wiedergeben soll. Jede Bank innerhalb der EU muss in diesen einzahlen. 2024 soll er dann 45 Milliar- den Euro schwer sein. Staatlich garantiert. All diese Siche- rungsmechanismen gelten jedenfalls in Zeiten, in denen kein Ausnahmezustand herrscht und keine Finanzkrise die Welt- wirtschaft erschüttert wie im Herbst 2008, als die US"Investmentbank Leh- man Brothers pleiteging und sich plötz- lich nicht nur die Banken einander nicht mehr trauten, sondern auch Abermillio- nen Kunden ihr Geld von ihren Konten holten aus Furcht, dass es bei einer Ban- kenpleite weg sei. Damals trat Bundes- kanzlerin Angela Merkel gemeinsam mit ihrem damaligen Bundes!inanzminister Peer Steinbrück vor die Kameras und garantierte den Deutschen ihre Sparein- lagen. Mit anderen Worten: Wenn es wirklich brennt, wird der Bund alles da- !ür tun, dass Sparer kein Geld verlieren. Denn Schlangen an Geldautomaten wür- ➝ EINE SICHERE FALLE FÜR SPARER 20182016201420122010 2020 3,0 2,5 2,0 1,5 1,0 0,5 0 -0,5 Inflation Tagesgeld Stand: Juni 2020; Quelle: Bundesbank, FMH-Finanzberatung In den vergangenen zehn Jahren gab es nur wenige Monate, in denen Sparer mit einem durchschnittlich verzinsten Tagesgeldkonto tatsächlich Gewinne machen konnten. In der restlichen Zeit lag die Inflationsrate weit über dem Durchschnittszins. Aktuell werden aus 1000 Euro inflationsbereinigt 992,20 Euro den nicht nur das Vertrauen ins Finanz- system, sondern auch in den Staat als sol- chen beschädigen. Dass diese Beruhi- gungspille viel Geld kostet, das nach und nach von Sparern über Steuern wieder gezahlt werden wird, ist eine unbequeme Wahrheit, die viele in diesem Zusam- menhang ausblenden. Dennoch gibt es wohl wenige Anlage- formen, die sicherer sind — zumindest wenn es darum geht, den nominalen Wert des investierten Geldes zu erhalten. Echte Gewinne sollten Inhaber eines Ta- ges- oder Festgeldkontos nicht erwarten. Schuld daran ist die Inflation (siehe Gra- !ik), die zwar in den vergangenen Jahren viel niedriger war als etwa vor der Jahr- tausendwende, die aber das Geld schlei- chend entwertet. Sparer, die das vermeiden wollen, müssen entweder ihr Geld immer wieder neu zu den aktuell besten Konditionen anlegen oder ihr Konto auflösen. Beides funktioniert glücklicherweise einfach. Tagesgeldkonten können täglich gekün- digt werden, und in der Regel werden die bis dahin angelaufenen Zinsen gutge- schrieben. Bei Sparbüchern und Fest- geldkonten gibt es Kündigungsfristen von bis zu drei Monaten. Je nachdem, wie das Konto gestaltet ist, müssen Sparer auch auf einen Teil oder die gesamten Zinsen verzichten. 5 4 IM M O BILIE N FO N DS 5 8 ABSO LU TE RE T U RN5 6 S TA ATSAN LEIH E N 6 0 LE BE NSV E RSI CH E RU N G In
€URO 07|2052 BILD: TETIANA GARKUSHA/ISTOCK, JULIAN MEZGER FÜR €URO [M] A ndre Schmöller kommt gleich zur Sache. „Wer eine sichere Geldanlage will, kauft sich eine Wohnung in München“, sagt der Geschäfts!ührer des bundesweit aktiven Wohnungsprivatisierers Domicil Real Estate. „Das ist wie eine deutsche Staatsanleihe, nur ohne Negativzins.“ Zwar seien Wohnungen in der bayeri- schen Landeshauptstadt teuer (siehe Ta- belle auf Seite 53), aber immerhin sei dort kein Wertverlust zu be!ürchten. Die- se Sicherheit werde obendrein mit jähr- lich 1,75 bis 2,75 Prozent Mietrendite verzinst. Nichts zum Reichwerden, aber in Krisenzeiten geht es !ür viele Anleger, die etwa an der Börse Geld verloren ha- ben, primär um Werterhalt. Dieser kann hierzulande mit Eigen- tumswohnungen nicht nur in München gelingen, sondern auch an vielen ande- ren Standorten. Michael Voigtländer, Professor und Immobilienexperte beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW), sieht insbesondere in Teilen Ostdeutsch- lands großes Potenzial !ür steigende Mie- ten und Preise — mithin also !ür hohe An- lagesicherheit. Konkret nennt er das Berliner Umland (Havelland, Teltow-Flä- ming), das mittlere Thüringen (zum Bei- spiel die Räume Erfurt und Jena) sowie Westsachsen (unter anderem Leipzig und Chemnitz). Voigtländers Argument Langweilig, aber sicher Viele Kapitalanleger interessieren sich in diesen Wochen für Eigentumswohnungen. Die sind dann eine gute Idee, wenn der Standort stimmt und die Mieten noch steigen könnten Sicherheit in der Krise ........................----- Kurzfristige Rendite ............................----- Langfristige Rendite ...........................----- Flexibilität ............................................----- 4 6 BA RG E LD 5 0 TAG E SG E LD4 8 GO LD 5 2 IM M O BILIE N4 4 EIN LEIT U N GTitel Sicherheit
€URO 07|20 53 ➝ !ür diese Regionen: „Dort sind die Immo- bilienpreise noch nicht so stark gestiegen wie die Löhne.“ Mieten und Preise hät- ten dort also noch Luft nach oben. Zu- dem ver!ügten die Standorte über einen guten Branchenmix. Das schütze sie vor negativen wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie. Vorsicht in Süddeutschland. In zahl- reichen Gegenden Süddeutschlands sei das anders. Dort schlage die Krise im Tourismus und in Teilen der Industrie (Maschinenbau, Automobil) vielerorts besonders stark durch. Zudem sind dort die Mieten laut IW"Analyse vielerorts stärker gestiegen als die Löhne. „Das Rückschlagpotenzial ist dort also größer als in weiten Teilen West-, Nord- und Ost- deutschlands“, sagt Voigtländer. Zumin- dest müssten Kapitalanleger im Süden eher mit stagnierenden Mieten rechnen. Der Immobilienexperte rät generell dazu, vor dem Gang zum Notar zu prü- fen, ob es an dem betreffenden Ort eine langfristig stabile Nachfrage nach Woh- nungen und die Aussicht auf steigende Mieten gibt. Grundsätzlich hält Voigt- länder den deutschen Wohnungsmarkt !ür vergleichsweise krisenfest. Es gebe keine Überbewertungen. Daher sei auch nicht mit Preiseinbrüchen zu rechnen. 2020 erwartet er im bundesweiten Mit- tel nunmehr „eine rote Null“. Die Woh- nungspreise würden im Schnitt also na- hezu stagnieren. „Sobald die Wirtschaft anzieht, wird es eher wieder Preissteige- rungen geben.“ Günter Vornholz, Professor !ür Im- mobilienökonomie an der EBZ Business School in Bochum, hält sich mit Progno- sen zur Entwicklung der Wohnungsprei- se in Deutschland lieber noch zurück. „Wir wissen doch gar nicht, wie stark sich Corona auf die Wirtschaft noch aus- wirken wird“, sagt er. Kapitalanlegern, die sich vor der Pandemie !ür den Kauf einer Wohnung interessierten, rät er, ihr Vorhaben einfach weiterzuverfolgen. Ei- nes seiner Corona-resistenten Argumen- te: „Wohnimmobilien bieten relativ gute Renditen.“ Zu den Optimisten aus der Perspek- tive von Wohnungsvermietern gehört auch der Maklerverband IVD. Er erwar- tet 2020 !ür Bestandswohnungen Miet- steigerungen von durchschnittlich 2,5 bis drei Prozent (2019: plus 3,1 Prozent). Die Kaufpreise werden dieses Jahr laut IVD im Schnitt um vier bis !ünf Prozent stei- gen. 2019 waren es noch plus 8,3 Pro- zent. Der Verband argumentiert: „Die Nachfrage nach Wohnraum wird nach der Corona-Krise besonders in den Groß- städten das Angebot weiterhin überstei- gen.“ Allein in den 77 deutschen Städten ab 100 000 Einwohnern fehlten 1,9 Mil- lionen bezahlbare Wohnungen. Auf nach Kiel und Hannover. Das wis- sen auch die Experten des Analysehau- ses Empirica. Sie erwarten dennoch erst ab Ende 2021 wieder steigende oder zu- mindest stagnierende Preise. Davor ge- he es im Schnitt bergab. „Wir rechnen in den kommenden Monaten mit einer Del- le bei den Kaufpreisen, die bei minus zehn bis minus 25 Prozent liegen dürfte“, schreiben die Berliner in ihrem Bericht zum Wohnungspreis-Ranking !ür das erste Quartal 2020. „Je stärker und je länger die Rezession, desto schärfer der Preiseffekt.“ Die Einbrüche bei Preisen und Mieten wollen sich bislang jedoch noch nicht einstellen. Das Vermittlungsportal Im- mowelt berichtet, bei Wohnungsange- boten in Großstädten, die bis Ende April auf immowelt.de eingestellt wurden, sei- en zumeist merklich höhere Mieten ver- langt worden als Ende 2019. Das Ham- burger Analysehaus F + B stellte ebenfalls bis Ende April im Wesentlichen stabile Wohnungspreise fest und spricht von einer frappierenden Konstanz. Geschäfts!ührer Schmöller, dessen Domicil 2019 im Einzelverkauf 650 Woh- nungen vor allem an Privatpersonen ver- äußerte, gibt Kapitalanlegern noch ein paar Tipps. Thema Größe: „Eine Drei- Zimmer-Wohnung mit 70 oder 75 Qua- dratmetern wird immer gehen“, sagt er. Er selbst rät zu Bestandswohnungen, weil sie !ür Mieter nicht so teuer seien. Also gebe es potenziell mehr Nutzer da- !ür. So etwas schützt vor Leerstand. „Ich bin Anhänger des schönen, lang- weiligen Durchschnitts“, erklärt Schmöl- ler. Der Standort Hannover sei das beste Beispiel da!ür. „Selbst wenn die Welt den Bach runtergeht, kriegt man da !ür eine Bestandswohnung sieben oder acht Eu- ro Miete pro Quadratmeter“, sagt er. Und das bei Quadratmeterkaufpreisen im Be- stand von 2500 bis 3500 Euro. Auch Kiel sei so ein Standort, mit dem er Sicherheit verbindet. Die drückt sich in Mietrendi- ten von drei bis 3,75 Prozent aus. Zu Schmöllers Standorttipps gehören zudem Offenbach, Leipzig und Aachen. Auch beim merklich teureren Stuttgart hätte er keine Bauchschmerzen, wie er betont. Trotz der möglicherweise erhöh- ten Betroffenheit der Schwabenmetro- pole durch die Corona-Krise, Stichwort: Automobilindustrie. „Die ist dort ja nicht so dominant wie in Wolfsburg oder In- golstadt.“ Von solchen Standorten wür- de er derzeit eher abraten, wenn es eine sichere Geldanlage sein soll. WOHNUNGSPREISE 5 4 IM M O BILIE N FO N DS 5 8 ABSO LU TE RE T U RN5 6 S TA ATSAN LEIH E N 6 0 LE BE NSV E RSI CH E RU N G Kaufpreise und Mie
€URO 07|2054 BILD: TETIANA GARKUSHA/ISTOCK, JULIAN MEZGER FÜR €URO [M] Das Coronavirus Sars-CoV"2 kann Schrecken verbreiten, Ökonomien lahmlegen und Urlaubspläne durchkreuzen, aber eines scheint es nicht zu können: den Ruf von Immobilien als vergleichs- weise sichere Anlage zerstören. Ganz im Gegenteil: Das Statistische Bundesamt zählte hierzulande in der ersten Mai-Hälf- te gut 15 Prozent mehr neue Hypotheken- verträge als ein Jahr zuvor. Nach Krise klingt das ebenso wenig wie die Beob- achtung des Berliner Wohnungsprivati- sierers Accentro, private Anleger fragten in den vergangenen Wochen vermehrt nach Eigentumswohnungen. Doch nicht nur bei direkten Invest- ments in Gebäude suchen Kapitalanleger derzeit ihr Heil. Auch indirekte Immobi- lienanlagen etwa in Gestalt Offener oder Geschlossener Fonds sowie Crowdinvest- ments (Schwarm!inanzierungen) taugen etwa im Vergleich zu volatilen Aktien womöglich als Mittel !ür geruhsamen Schlaf. Sie bieten sich !ür Anleger an, die nicht gleich mehrere Hunderttausend Euro investieren wollen, sondern eher an Beträge von 100, 1000 oder 10 000 Eu- ro denken. Allerdings sollten sich Inter- essierte vor einem Investment gründlich darüber informieren, was die Anbieter der Beteiligungsangebote können, wie es um die Risiken bestellt ist und welche Nutzungsarten auch nach Corona am si- chersten !ür Rendite sorgen. Knackpunkt Nutzungsart. Experten wie Sonja Knorr, Analystin bei der Ra- tingagentur Scope, und Stefan Loip!in- ger vom Anlegerschutzportal invest- mentcheck.de gehen davon aus, dass Lo- gistikimmobilien, Pflegeheime, Nahver- sorgungszentren (Lebensmittelmärkte, Drogeriemärkte) sowie viele Wohnim- mobilien vergleichsweise gut durch die Ein Stück Gold aus Beton Wie sicher Immobilienfonds und -Crowdinvestments sind, hängt derzeit besonders stark von der Nutzungsart ab. Und davon, wann die Gebäude gekauft werden Sicherheit in der Krise ........................----- Kurzfristige Rendite ............................----- Langfristige Rendite ...........................----- Flexibilität ............................................----- 4 6 BA RG E LD 5 0 TAG E SG E LD4 8 GO LD 5 2 IM M O BILIE N4 4 EIN LEIT U N GTitel Sicherheit
€URO 07|20 55 ➝ Corona-Krise kommen. „Logistikimmo- bilien könnten sogar pro!itieren“, sagt Loip!inger — dem boomenden Online- handel sei Dank. Für Anleger heißt das: Bei Investitionen in diese Nutzungsarten müssen sie nicht be!ürchten, dass es we- gen der Pandemie zu größeren Einnah- meaus!ällen oder Wertverlusten kommt. Erhoffte Renditen wären hier also ver- gleichsweise sicher. Vorsicht bei Hotels. Hingegen spricht viel da!ür, dass vor allem Hotels, aber auch größere Einkaufszentren und wo- möglich auch manche Büroimmobilien im Zuge der Corona-Krise Probleme be- reiten werden. Wenn Umsätze in Shop- pingcentern oder Hotels ausbleiben oder wegen des Trends zu mehr Homeof!ice die Nachfrage nach Büroflächen zurück- geht, könnten die Miet- und Pachtein- nahmen wegbrechen und die Werte der Objekte sinken. Von Fonds oder Crowd- investments, die nur oder stark auf sol- che Nutzungsarten zielen, raten die Ex- perten ab, sofern Anleger eine halbwegs sichere Rendite erzielen möchten. Das gilt insbesondere dann, wenn die Immobilien noch vor der Corona-Krise erworben wurden. „Das ist wie an der Börse: Da kauft auch keiner zum Höchst- kurs, wenn er weiß, dass der Wert längst darunter liegt“, sagt Loip!inger. Er emp- !iehlt am ehesten einen Geschlossenen Immobilienfonds, „der noch nicht inves- tiert ist“. Der Grund: Ein Fonds, der erst noch kaufen muss (ein sogenannter Blindpool), pro!itiert womöglich von sin- kenden Immobilienpreisen. Im Umkehr- schluss rät Loip!inger bei allen anderen Beteiligungen zu erhöhter Vorsicht. Anders Sonja Knorr. Die Analystin betont: „Anleger können auch jetzt gute Angebote !inden.“ Damit meint sie aus- drücklich auch Offene Immobilienfonds, die häu!ig viele Milliarden Euro in eine Fülle von Immobilien investiert haben — und bei Anlegern auch im ersten Quar- tal dieses Jahres viel Geld einsammelten (siehe Gra!ik). „Der Vorteil dieser Fonds besteht darin, dass sie breit diversi!iziert sind“, sagt sie. Das heißt, wenn einige Im- mobilien nicht gut laufen, gebe es genug andere, die mögliche Verluste auffangen. Bei vielen Geschlossenen Fonds, die seit der Regulierung im Jahr 2013 etwas sperrig Alternative Investmentfonds (AIF) heißen, und bei Schwarm!inanzie- rungen hänge Wohl und Wehe dagegen oft an nur einem Objekt. Die Möglichkeit, Risiken zu streuen, sei da sehr begrenzt. Knorrs Tipp: Anleger sollten besser je- weils 10 000 Euro in drei verschiedene Geschlossene Fonds stecken statt 30 000 Euro in nur einen. Ganz generell warnt sie vor Projektentwicklungen, in die vor allem Crowdinvestoren Geld stecken: „Die sind am schwierigsten.“ Deren Er- lös hängt erfahrungsgemäß ganz we- sentlich von der erzielbaren Miete ab. Liegt diese infolge der Krise deutlich un- ter Plan, geht die Rechnung nicht mehr auf und Anlegern drohen Verluste. Was die Produkte unterscheidet. Ehe sich Privatanleger !ür ein indirektes Im- mobilieninvestment entscheiden, tun sie gut daran, sich mit den Unterschieden zwischen den Produktarten zu befassen. So können sie bei Crowdinvestments und Offenen Immobilienfonds im Regelfall schon mit weniger als 100 Euro einstei- gen, bei manchen Crowdinvestments so- gar schon mit zehn Euro. Geschlossene Immobilienfonds, bei denen Anleger zu Mitunternehmern werden, haben dage- gen eine hohe Einstiegshürde von meist 10 000 Euro. Ganz unterschiedlich sind zudem die Zeiträume, die das Kapital in den Anla- gen gebunden ist. Bei Offenen Immobi- lienfonds gilt eine Mindestanlagedauer von 24 Monaten. Obendrein beträgt die Kündigungsfrist !ür die Rückgabe von Anteilen ein Jahr. Scope prognostiziert !ür die Produkte einen jährlichen Wert- zuwachs von 1,5 bis zwei Prozent. Das wäre deutlich weniger als die 2,7 Pro- zent, die die Offenen Fonds zum Stichtag 31. März 2020 im Schnitt jährlich an Wert zugelegt hatten. Sollte die Corona-Krise noch gravierender ausfallen als derzeit vermutet, könnten die Renditen auch noch stärker nachgeben. Loip!inger rechnet bei manchen Fonds gar mit ne- gativen Renditen, also mit Verlusten. Schwarm!inanzierungen laufen im Schnitt etwa zweieinhalb Jahre. Die An- bieter prognostizieren meist vier bis sechs Prozent Rendite im Jahr. Loip!in- ger ist jedoch skeptisch: „Bei Crowdin- vestments habe ich derzeit allergrößte Bauchschmerzen“, sagt er. Der Grund: „Da hatten wir noch keine Krise.“ Bislang kannte die Branche immer nur eines: Wachstum. Lediglich in Ausnahme!ällen gab es Probleme, die in verspäteten oder reduzierten Auszahlungen mündeten. Nun muss sich also zeigen, wie sich die Anbieter in der Corona-Krise schlagen. Bei Geschlossenen Fonds wiederum ist das Anlegergeld meist !ür mindestens zehn Jahre gebunden. Die Anbieter, von denen es infolge der Regulierung kaum mehr als ein Dutzend gibt, kalkulieren oft mit jährlichen Ausschüttungen von 3,5 oder vier Prozent. Ob diese Werte zu halten sein werden, hängt davon ab, ob die Mieter der Fondsimmobilie(n) auch nach Corona ihre Miete bezahlen kön- nen. Ein Blick auf die Nutzungsart kann da eine erste Orientierung geben. 20
€URO 07|2056 BILD: SIMON KATZER/FINANZENVERLAG , THIRTEEN-FIFTY/ISTOCK, JULIAN MEZGER FÜR €URO [M] Wer vom sicheren Hafen Staatsanleihen spricht, der meint nur einen Aus- schnitt aus der Welt der Bonds. Denn gerade jetzt zeigt sich recht deutlich, dass zwischen den einzelnen Papieren erhebliche Differenzen beste- hen. Besonders anschaulich macht sich das bei den Bundesanleihen bemerkbar, wenn man sie mit Staatsbonds aus Argen- tinien vergleicht. Während die Papiere made in Germany dank der Finanzkraft der Bundesrepublik als sehr sicher gel- ten, rutschen jene aus dem südamerika- nischen Land in den Ausfallmodus, weil das Land seine Schulden samt Zinsen nicht mehr bedienen kann. So bietet ei- ne Anleihe aus Deutschland mit zehn Jahren Laufzeit derzeit eine Rendite von minus 0,40 Prozent, bei argentinischen Eurobonds liegt sie bei rund plus 25 Pro- zent (aber nur theoretisch unter der An- nahme, dass die Zinsen bezahlt und die Papiere zum Laufzeitende getilgt werden würden). Zwar ist dieses Beispiel besonders krass, aber es zeigt: Nicht alle Anleihen sind sicher. Und je höher die Investoren die Sicherheit eines Papiers einstufen, desto niedriger ist dessen Rendite. Des- wegen rentieren etwa auch italienische Staatsbonds höher als die deutschen. Risiko Teil zwei. Aber eines vergessen manche Investoren: Die Bonität des Emittenten ist nur ein Teil des Risikos ei- ner Anleihe. Maßgeblichen Einfluss auf den Kurs nimmt während der Laufzeit des Papiers auch das herrschende Zins- niveau. Dabei gilt grob gesagt: Je höher das Zinsniveau, desto höher auch die Rendite. Was aber passiert mit Bonds, bei denen sich das Niveau innerhalb der Laufzeit nach oben verändert? Riskant ist nur der Zins Bundesanleihen gelten als sicherer Hafen schlechthin. Das stimmt aber nur, wenn man das Risiko, unterm Strich Geld zu verlieren, ignoriert. Welche Alternativen sich anbieten Sicherheit in der Krise ........................----- Kurzfristige Rendite ............................----- Langfristige Rendite ...........................----- Flexibilität ............................................----- 4 6 BA RG E LD 5 0 TAG E SG E LD4 8 GO LD 5 2 IM M O BILIE N4 4 EIN LEIT U N GTitel Sicherheit
€URO 07|20 57 ➝ Vor allem bei lang laufenden Bonds ist das ja kein unwahrscheinliches Szena- rio. In der Regel reagieren solche Papie- re, wenn sie einen festen Zinskupon haben, darauf mit Verlusten. Durch den niedrigeren Kurs steigt die Rendite. Denn die setzt sich zusammen aus dem Kurs, dem Zinskupon und der Laufzeit des Papiers. Und dieser Verlust kann ziemlich hef- tig ausfallen — vor allem bei Bonds mit ei- ner sehr langen Laufzeit. Das zeigt sich etwa an der bis August 2050 laufenden Bundesanleihe (ISIN: DE 000 110 248 1). Die bietet einen Zinskupon von null Pro- zent und notiert derzeit rund um den Nennwert von 100 Prozent (der Kurs von Anleihen wird in Prozent angegeben), weshalb die Rendite pro Jahr ebenfalls bei rund null Prozent liegt. Sprich: Anle- ger, die jetzt das Papier kaufen, bekom- men in 30 Jahren genau den Betrag raus, den sie jetzt investiert haben. Zinserträ- ge gibt es während der gesamten Lauf- zeit nicht. Das ist der sichere Teil der deutschen Staatsanleihe. Kommen wir nun zu dem Teil, der die Papiere dennoch riskant macht. Nehmen wir einmal an, das Zinsniveau würde um zwei Prozentpunkte steigen — etwa weil die Europäische Zentralbank die Leitzin- sen entsprechend anhebt. Müsste diese Anleihe jetzt eine Rendite von zwei Pro- zent pro Jahr abbilden, dann müsste ihr Kurs auf 56 Prozent fallen. Der Anleger würde also zwischenzeitlich fast die Hälfte seines Kapitals einbüßen. Da ist es fast schon selbstverständlich, dass Klaus Kaldemorgen, einer der bekanntesten Fondsmanager bei der Fondsgesellschaft DWS, kürzlich gesagt hat: „Klar ist, dass Anleihen !ür die Vermögensbildung in Zukunft keine Rolle mehr spielen sollten. Es sei denn, es geht um den Teil der Ver- mögensanlage, der liquide und risiko- arm gehalten werden soll.“ Wohlgemerkt, je länger die Laufzeit, desto höher ist der Verlust. Bei einer Bun- desanleihe mit !ünf Jahren Laufzeit (zum Beispiel ISIN DE 000 110 238 2) würde das Minus „nur“ noch zwölf Prozentpunkte betragen. Und bei einem Papier mit ei- einmal kein Zinsanstieg und damit kein Kursrisiko ab. Solche Papiere von sehr si- cheren Emittenten bieten aber keinerlei Rendite mehr, im Gegenteil: Bei einjäh- rigen Bundesanleihen müssen Anleger eine Minusrendite von rund 0,60 Pro- zent hinnehmen, also noch draufzahlen. Alternativen. Wie die Tabelle unten zeigt, ist das Ausfallrisiko in den ersten beiden Jahren bei Anleihen mit einem „Baa“-Rating bei Moody’s (das entspricht bei den beiden anderen großen Rating- agenturen S & P und Fitch einem „BBB“) sehr gering. Im Vergleich zu einer Bun- desanleihe aber können hier Anleger noch Renditen erzielen. So bietet ein bis April 2022 laufendes Papier von der VW"Finanztochter Volkswagen Leasing (ISIN: XS 105 091 737 3) derzeit eine Ren- dite von rund einem Prozent pro Jahr. Das Institut bekommt von Moody’s das Rating „A3“, aber mit einem negativen Ausblick, weshalb es bald schon in den „Baa“-Bereich herabgestuft werden könnte. Diese Anleihe ist nur ein Beispiel da- !ür, wie Anleger in dieser Phase vorge- hen: Sie schauen nach Anleihen mit einem akzeptablen Rating und weniger langen Laufzeiten. So halten sie sowohl das Emittenten- als auch das Zinsrisiko gering und pro!itieren dennoch von ak- zeptablen Renditen. Anleihen sollten in Zukunft keine Rolle mehr für die Vermögensbildung spielen.“ Klaus Kaldemorgen, Fondsmanager bei DWS nem Jahr bis zur Fälligkeit (etwa ISIN DE 000 113 544 0) würde das Minus nur noch vier Prozentpunkte ausmachen. Damit würden sich als Anlage vor allem kurz- bis mittelfristige Bonds an- bieten. Denn auf absehbare Zeit zeichnet sich wegen der konjunkturellen Ein- trübung infolge der Corona-Krise erst DAS RISIKO VON STAATSANLEIHEN Je schlechter das Rating, desto höher die Ausfallwahrscheinlichkeit. Wie die Tabelle zeigt, steigt im Lauf der Jahre das Ausfallrisiko an. Beim bestmöglichen Rating „Aaa“ gibt es bei Staatsanleihen aber auch nach zehn Jahren noch keinen Ausfall. Bei Unternehmensbonds (nicht in der Tabelle) liegen die Werte etwas höher 5 4 IM M O BILIE N FO N DS 5 8 ABSO LU TE RE T U RN5 6 S TA ATSAN LEIH E N 6 0 LE BE NSV E RSI CH E RU N G Ausfall/ Rating 1. Jahr in % 2. Jahr in % 3. Jahr in % 4. Jahr in % 5. Jahr in % 6. Jahr in % 7. Jahr in % 8. Jahr in % 9. Jahr in % 10. Jahr in % Aaa 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 Aa 0,00 0,00 0,20 0,43 0,72 0,87 0,87 0,87 0,87 0,87 A 0,00 0,06 0,44 0,72 1,01 1,47 2,10 2,75 3,43 4,15 Baa 0,00 0,36 0,58 0,82 1,07 1,45 1,74 2,06 2,40 2,76 Ba 0,48 1,40 2,75 3,92 5,18 6,02 6,98 8,21 9,21 10,13 B 2,40 4,84 6,90 8,94 10,90 12,87 14,82 16,67 18,30 19,68 Caa–C 11,33 18,31 23,62 28,59 32,19 34,47 36,23 38,25 38,95 38,95 Zeitraum 1983–2019; Quelle: Moody’s
€URO 07|2058 BILD: GWENS GRAPHIC STUDIO/ISTOCK, LKPRO/PHOTOCASE [M] Immer Gewinne, egal ob es an der Börse gerade aufwärtsgeht oder ob die Kurse fallen — davon träumen al- le Anleger. Eine spezielle Fondsart will diesen Traum Wirklichkeit werden lassen: Absolute-Return-Fonds verspre- chen in jeder Marktphase Rendite. Wer ihre Prospekte genau studiert, merkt zwar schnell, dass das nicht bedeutet, dass sie niemals Verluste machen. Dort heißt es meist, dass über bestimmte Perioden wie etwa einen „rollierenden Dreijahreszeitraum“ ein positiver Ertrag angestrebt wird. Gleichwohl sollen die Fonds dabei unabhängig von der Groß- wetterlage an den Finanzmärkten sein. Das bringt Anlegern das gute Ge!ühl, vor Börsencrashs sicher zu sein. Ermöglicht wird das Ganze durch die großen Freiheiten, die die Fonds haben. Viele von ihnen können nicht nur zwi- schen Anlageklassen wie Aktien, Anlei- hen, Währungen oder Rohstoffe wech- seln, sondern ähnlich wie Hedgefonds über Long-Short-Strategien auch auf stei- gende und fallende Kurse setzen und so von Kursabstürzen pro!itieren. Manche investieren in exotische Nischen, ma- chen gehebelte Wetten oder nutzen Marktschwankungen, also die Volatili- tät, als Anlageklasse. Wieder andere kombinieren diese Strategien. Das alles geht nur durch den umfangreichen Ein- Im Blindflug durch die Krise Bei Absolute-Return-Fonds müssen Anleger den Managern oft blind vertrauen, dass diese ihr Geld schon sicher durch die Krise bringen werden. Doch das funktioniert nicht immer Sicherheit in der Krise ........................----- Kurzfristige Rendite ............................----- Langfristige Rendite ...........................----- Flexibilität ............................................----- 4 6 BA RG E LD 5 0 TAG E SG E LD4 8 GO LD 5 2 IM M O BILIE N4 4 EIN LEIT U N GTitel Sicherheit
€URO 07|20 59 satz von Derivaten. Mal trifft die Anlage- entscheidungen ein Computer, mal ein Fondsmanager oder ein Strategieteam. Doch wie haben sich die Alleskönner, die in jeder Börsenlage liefern wollen, im Corona-Crash geschlagen? Auf den ers- ten Blick ganz akzeptabel. Seit Jahresan- fang liegen die 177 Absolute-Return-Fonds in der Datenbank von €uro im Schnitt vier Prozent im Minus. Das ist zwar ein Verlust, aber ein vergleichsweise niedri- ger. Zum Stichtag Ende Mai war der glo- bale Aktienindex MSCI World zweistellig unter Wasser. So gesehen haben die Fonds ihr Stabilitätsversprechen einiger- maßen gehalten. Einige von ihnen haben im Crash sogar hohe Gewinne erzielt. Corona-Crash deckt Schwächen auf. Der zweite Blick ist weniger vorteilhaft. Denn die Spreizung der Wertentwick- lung ist enorm. Insgesamt machten seit Jahresbeginn 130 der 177 Fonds Verluste. Die höchsten gab es beim H20 Modera- to, der fast ein Drittel an Wert verlor. Zwi- schenzeitlich war er noch stärker im Mi- nus, wie die Kennzahl Maximum Draw- down zeigt, die den größten zusammen- hängenden Maximalverlust der letzten drei Jahre angibt. Bei den meisten Fonds kam dieser in der Corona-Krise zusam- men. Hier lag der Moderato wenig mo- derate 46,3 Prozent im Minus. Noch schlechter war nur der AQR Global Rela- tive Value, der 53,7 Prozent Verlust an- sammelte. Solche Werte wären sogar bei reinen Aktienfonds äußerst schlecht. Auch die Langfristperformance lässt häu!ig zu wünschen übrig. So ist der Amundi Volatility World — mit 26 Prozent Gewinn seit Januar der Spitzenreiter in diesem Jahr — auf !ünf Jahre gerechnet trotzdem vier Prozent im Minus. Damit liegt er im Vergleich mit der Konkurrenz aber nicht einmal schlecht. Im Schnitt machten die Absolute-Return-Fonds in den letzten !ünf Jahren fast drei Prozent Miese und hatten dabei Drawdowns von mehr als 15 Prozent. Sie schwankten al- so spürbar und lieferten statt der ver- sprochenen stetigen Erträge in vielen Fällen mittelfristig Verluste. Dennoch gibt es Absolute-Return-Pro- dukte, die sich bewährt haben. Zum Bei- spiel die Alpha-Fonds von Nordea, die über Risikomodelle gesteuert werden. Der Nordea Alpha 15 MA soll ähnliche Ge- winne wie Aktien erwirtschaften, dabei jedoch weniger schwanken, der Alpha 10 begrenzt Schwankungen noch stärker, bringt aber auch etwas weniger Rendite. Bisher funktionieren die Fonds gut. Auch der JP Morgan Global Macro Opportuni- ties, der PTR Agora und der Long-Short- Fonds von Carmignac boten in der Ver- gangenheit solide Renditen bei relativ ge- ringen Schwankungen (siehe Tabelle). Allerdings müssen Anleger den mit großen Freiheiten ausgestatteten Mana- gern vertrauen und ihnen fast im Blind- flug durch die Krise folgen. Am transpa- rentesten ist noch der Carmignac-Fonds, Long-Positionen hat er derzeit zum Bei- spiel bei Bayer oder Novartis, short ist er bei deutschen Industrieunternehmen. Weil er nur auf steigende und fallende Kurse bei europäischen Aktien setzt, hat er aber auch die einfachste Strategie. Bei den stärker an Hedgefonds erinnernden Produkten kann man hingegen nur beim Fonds von JP Morgan erahnen, welche komplizierten Wetten er eingeht. Die Fonds von Nordea und Pictet weisen auf den Factsheets Kunden gegenüber fast gar nicht aus, was sie im Detail machen. Dass sie den Corona-Crash gut über- standen haben, lässt hoffen, dass sie auch künftige Krisen meistern. Eine Ga- rantie da!ür gibt es aber nicht. Das zeigt nicht zuletzt das Beispiel des H20 Mode- rato. Der lief lange stark, verlor aber fast seine kompletten Gewinne aus zehn Jah- ren Fondsgeschichte in wenigen Tagen zu Beginn der Corona-Krise. Welche Wet- ten konkret schiefgingen, ist unklar. Die Computermodelle hätten die Schocks nicht antizipiert, entschuldigte sich das Management lediglich bei Anlegern, au- ßerdem hätten Absicherungen bei Wäh- rungsgeschäften nicht wie geplant ge- griffen. Nun ist fraglich, ob und wann der Fonds die Verluste wieder aufholt. ➝ GANZ OHNE VERLUSTE GEHT ES NICHT 5 4 IM M O BILIE N FO N DS 5 8 ABSO LU TE RE T U RN5 6 S TA ATSAN LEIH E N 6 0 LE BE NSV E RSI CH E RU N G Absolute-Return-Fonds sollen vor hohen Verlusten schützen und stabile Erträge bringen. Manche tun das auch, doch viele ließen im Corona-Crash richtig Federn Name ISIN Wertentwicklung 1 in % Maximalver- lust 2 in % Volumen 3 in Mio. € Strategie seit Jan. 5 Jahre Höchster Gewinn seit Jahresanfang Amundi Vola. World LU0319687124 26,3 -4,0 -17,4 418 Volatilitätsprämien Assenagon Alpha Vola. LU0575268312 20,7 18,8 -17,2 712 Volatilitätsprämien Amundi Vola. Euro LU0272941971 16,9 -9,6 -24,0 451 Volatilitätsprämien CS One Small & MC L/S LU0525285697 10,5 20,7 -17,0 213 Europa Aktien Long/Short Nordea Alpha 15 MA LU0607983896 8,7 43,9 -12,1 2146 Long/Short; Multi Asset Höchster Verlust seit Jahresanfang H20 Moderato FR0010923367 -30,7 -1,1 -46,3 1015 Long/Short; Multi Asset OAKS EM Frontier Opp. IE00B9F7NL01 -24,8 1,7 -38,4 209 EM Long/Short; Multi Asset AQR Global Relative Value LU0562189471 -24,6 -4
€URO 07|2060 BILD: SONJA CRISPINO, JULIAN MEZGER FÜR €URO [M] Es waren dramatische Tage im Sommer 2003. Die Mannhei- mer Lebensversicherung hatte sich mit Aktien verspekuliert und war in eine bedrohliche Schieflage geraten. Doch nicht die Schieflage an sich war das Problem. In früheren Jahr- zehnten hatte sich stets ein Konkurrent gefunden, der solch einen Pleitekandi- daten ohne viel Aufhebens übernahm. Doch diesmal steckte die gesamte Bran- che in Schwierigkeiten — das Platzen der Internetblase und der folgende weltwei- te Kurssturz hatten den Kapitalanlagen aller Akteure heftig zugesetzt. So fand sich trotz !ieberhafter Ver- handlungen niemand, der die angeschla- gene Mannheimer im Alleingang geret- tet hätte. Immerhin reichte die Solidari- tät (und die gemeinsame Furcht vor ei- nem irreparablen Imageschaden !ür das Produkt Lebensversicherung) so weit, dass eine gemeinsame Auffanggesell- schaft namens Protektor entstand. Sie übernahm das komplette Unternehmen und !ührte es weiter. Bis heute ist das der einzige Fall die- ser Art geblieben. Nimmt man ihn als Maßstab, sind die Versicherten relativ glimpflich davongekommen. Wenn Ver- träge ausliefen, bekamen sie die kom- plette vereinbarte Summe ausbezahlt — also inklusive jenem Garantiezins, der Leben und leben lassen Steht ein Lebensversicherer vor der Pleite, muss die Branche helfen − doch die Summen sind begrenzt. Im Extremfall drohen Kunden brachiale Eingriffe durch die Finanzaufsicht Sicherheit in der Krise ........................----- Kurzfristige Rendite ............................----- Langfristige Rendite ...........................----- Flexibilität ............................................----- 4 6 BA RG E LD 5 0 TAG E SG E LD4 8 GO LD 5 2 IM M O BILIE N4 4 EIN LEIT U N GTitel Sicherheit
€URO 07|20 61 bei Vertragsabschluss galt. Bei einer Rei- he von Kunden sind das immerhin vier Prozent pro Jahr abzüglich Kosten. In manchen Jahren gab es noch eine Über- schussbeteiligung obendrauf — je nach- dem, wie sich die festverzinslichen Kapi- talanlagen entwickelten (Protektor hat- te umgehend alle Aktien und Immobili- en verkauft). Der Garantiezins ist nach mensch- lichem Ermessen auch weiterhin gesi- chert. Protektor hat zwar inzwischen sämtliche Policen an einen spezialisier- ten Abwickler namens Viridium überge- ben, doch gelten !ür ihn ebenfalls die angestammten Regeln. Für darüber hin- ausgehende Überschussbeteiligungen gibt es allerdings angesichts der weltwei- ten Zinsflaute keinen Spielraum mehr. Was würde heute in einem Fall à la Mannheimer passieren? Inzwischen ist das Sicherungsnetz engmaschiger, hier die Regeln im Detail: — Seit 2005 ist Schluss mit der reinen Freiwilligkeit bei Rettungsaktionen. Stattdessen gibt es einen staatlich ver- ordneten Sicherungsfonds, den Protek- tor verwaltet. Hier haben alle Lebensver- sicherer eingezahlt. Die konkrete Sum- me bemisst sich nach den jeweiligen Verpflichtungen des Lebensversicherers gegenüber seinen Kunden und wird jähr- lich leicht angepasst. Nach letztver!üg- baren Zahlen sind gut eine Milliarde Eu- ro im Topf. Zum Vergleich: Protektor wurde !ür die Mannheimer-Rettung mit 240 Millionen Euro ausgestattet. — Kommt es zu einem Sanierungsfall und das Geld reicht nicht, muss die Branche nochmals maximal dieselbe Summe be- reitstellen, die aktuell eingezahlt ist. — Genügt auch das nicht, darf die Finanz- aufsicht Ba!in den Kunden die vertrag- lich garantierten Leistungen um bis zu !ünf Prozent kürzen. Gemeint sind sämt- liche Einzahlungen, die mit dem jeweili- gen Garantiezins verzinst wurden, ab- züglich Kosten. Wenn also die garantier- te Rente 1000 Euro beträgt, könnten im schlechtesten Fall 950 Euro daraus wer- den. Laut Protektor-Homepage darf die Ba!in auch die bis dato aufgelaufenen Überschussbeteiligungen im selben Um- fang reduzieren (im relevanten Versiche- rungsaufsichtsgesetz ist das nicht expli- zit erwähnt). — Ist auch das nicht genug, greift eine freiwillige Selbstverpflichtung der Bran- che, noch mehr einzuzahlen. Konkret: Existiert lediglich ein einziger Sanie- rungsfall, ist insgesamt maximal eine weitere Milliarde Euro !ällig. Sind meh- rere Schieflagen parallel zu verzeichnen, können sich weitere Sonderzahlungen auf acht Milliarden Euro summieren — al- lerdings gestreckt auf mehrere Jahre. Jährlich stehen maximal zusätzliche zwei Milliarden Euro zu Ver!ügung. Tropfen auf den heißen Stein. Ad- diert heißt das: Die Branche ist bereit, pro Sanierungsfall bis zu drei Milliarden Euro herzugeben. Demgegenüber steht die gewaltige Zahl von einer Billion Eu- ro, also mehr als das 300"Fache, an ver- sicherungstechnischen Rückstellungen aller deutschen Lebensversicherer. Ver- einfacht gesagt, sind das alle aktuellen und künftigen Ansprüche der Kunden gegenüber den Anbietern, wie sie sich !inanzmathematisch berechnen lassen. Allein bei der Allianz Leben geht es um gut 200 Milliarden Euro. Wenn der Markt!ührer pleiteginge, gäbe es zwar sicherlich Vermögenswer- te, die man gegenrechnen könnte. Doch auch dann wären die drei Milliarden Eu- ro wahrscheinlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Anzumerken ist: Laut Gesetz darf ein Versicherer sich selbst behelfen, schon bevor er in eine ernsthafte Schieflage gerät. Er kann die Prämien hochsetzen, wenn er sich — vereinfacht gesagt — oh- ne eigenes Verschulden verkalkuliert hat und ein unabhängiger Treuhänder das genauso sieht. So etwas geschieht bei pri- vaten Krankenversicherungen häu!ig, ist allerdings bei Kapitallebens- und pri- vaten Rentenversicherungen unwahr- scheinlich. Die Regel kam nicht einmal im Mannheimer-Fall zum Einsatz, denn hier geht es nicht um die Kapitalanlagen. Bei Tarifen, auf die sich das Gesetz be- zieht, sind kurzfristige negative Überra- schungen extrem selten. Neben den bisher aufge!ührten Eska- lationsstufen steht im Versicherungsauf- sichtsgesetz ein Paragraf, der alles toppt. Er erlaubt der Ba!in, den Vorschlagham- mer herauszuholen, wann immer es ihr sinnvoll erscheint (theoretisch sogar schon vor einem Eingreifen des Siche- rungsfonds). Im äußersten Fall kann sie einen Versicherer endgültig zumachen, den Kunden alle Auszahlungen !ür im- mer streichen und weiterhin von ihnen Prämien verlangen. Auch alle Zwischen- stufen sind möglich — zum Beispiel Aus- zahlungen nur vorübergehend und par- tiell zu reduzieren. Beruhigend: Der Vorschlaghammer kam zumindest in der Nachkriegszeit noch nie zum Einsatz. Diese brachiale Option existiert im Prinzip seit Ein!üh- rung des Gesetzes im Jahr 1901, damals noch in milderer Form: Die Auszahlun- gen durften laut Ursprungsfassung um lediglich ein Drittel gekürzt werden. Die Bundesregierung bestätigte 2016 sogar die Zeitgemäßheit der aktuellen Regeln. Bei einer Anfrage der Grü- nen-Fraktion im Bundestag vertrat sie die Auffassung,
DAS BESTE DER WELTDie Börsen sind auf Richtungssuche. Nun ist das Beste gerade gut genug: sichere Aktien, die stetig steigen. Verzehnfacher-Fonds. Raffinierte Zertifikate und ETF-Strategien mit Anti-Stress-Schutz. €uro stellt sie vor VON RALF FERKEN, MATTHIAS FISCHER, SINAN KRIEGER, FRANK MERTGEN UND FRANK PÖPSEL 34 €URO 07|23
BILD: BGBLUE/DIGITAL VISION VECTORS/GETTY IMAGES Titel Das Beste der Welt Welche Richtung darf es denn sein? Den Juni be- gannen die so gut ins Jahr gestarteten Aktienmärkte mit der Suche nach Orientierung. Mal 0,2 Prozent rauf, mal 0,3 Prozent runter. Anleger sollten einfach selbst die Rich- tung vorgeben — nach oben. So sind mit Discount- und Capped- Bonus-Zerti!ikaten mehr als 20 Prozent auf Sicht von genau einem Jahr drin, selbst wenn die Börsen weiter auf der Stelle treten — und sie bieten sogar Schutz gegen leichtere Kursverluste. Dauerläuferaktien mit stabilem Geschäft machen ihren Weg, auch wenn die Welt- wirtschaft nur verhalten expandiert. Langfrist-Sieger holen sich auch die Fondsmanager ins Depot, die schon be- wiesen haben, dass sie aus 10 000 Euro Anlegergeld 100 000 Euro machen kön- nen. Und das richtige Timing !ür den nächsten Kursschub !inden Investoren garantiert mit drei ausgefuchsten ETF- Strategien, die überdies Kursverluste weitgehend ausschließen. Treffen Sie al- so Ihre eigene Richtungsentscheidung — !ür die besten Investments der Welt. 36 DIE BESTEN AKTIEN Dividendenwerte, die so sicher sind, dass ihre Kurse ständig steigen 40 GENIALE ZERTIFIKATE Wie Warren Buffett – Aktien mit Rabatt kaufen. Oder: einen Zusatzbonus sichern 44 UNERREICHTE FONDS Welche Geldmanager aus 10 000 Euro Kapital langfristig 100 000 Euro machen 48 TOP-ETF-SYSTEME Um 50 Prozent besser als DAX und Dow mit überlegenen ETF-Timing-Strategien ➝ 35€URO 07|23
ww €URO 07|2336 Titel Das Beste der Welt Himmels- stürmer: Welche Giganten rund um den Globus bieten die größten Chancen bei überschau- barem Risiko? Wer wagt, gewinnt“, heißt es sprichwörtlich — aber idea- lerweise gewinnt man ohne allzu großes Risiko. Wie das bei Aktien geht? €uro hat die 500 größten Unternehmen der Welt durchleuchtet im Hinblick auf ihre durchschnittliche langjäh- rige Gesamtrendite, Analysteneinschätzun- gen und -kursziele — und auf die Kennzahl Price Earnings to Growth (kurz PEG): Im Grunde setzt sie das Kurs-Gewinn-Verhält- nis (KGV) ins Verhältnis zum Gewinnwachs- tum. Damit gilt das PEG als Ergänzung zum KGV. So sieht man noch besser, ob eine Aktie günstig ist. Am Ende standen sechs Top-Aktien, die wir nachfolgend vorstellen. Goldene Giganten €uro hat die 500 größten Unternehmen der Welt einem harten Test unterzogen und sechs Top-Aktien gefunden
-325 0 325 650 975 1300 1625Wertentwicklung 10 Jahre in % 06/13 06/1706/15 06/19 06/21 06/23 MSCI World Apple -200 0 200 400 600 800 1000Wertentwicklung 10 Jahre in % 06/13 06/1706/15 06/19 06/21 06/23 MSCI World Humana €URO 07|23 37 Die US-Investorenlegende Warren Buffett ist absoluter Apple-Fan: Mittlerweile hält er über sein Investmentvehikel Berkshire Hathaway 5,8 Prozent an dem kaliforni- schen Technologiegiganten. Für das Berk- shire-Portfolio bedeutet dies, dass die Apple-Aktien rund 46 Prozent am gesam- ten Wert einnehmen. Und Buffett steht damit längst nicht allein: Selbst die künst- liche Intelligenz ChatGTP beantwortete die kürzlich von BÖRSE ONLINE gestellte Frage nach der besten Aktie der Welt mit „Apple“. Im ersten Quartal 2023 hat das Unternehmen mit dem Apfel als Logo hohe iPhone-Verkäufe gemeldet – und das in einem rückläufigen Smartphone-Markt. Der Dienstleistungsbereich (App Store, Cloud, Streaming) erzielte einen neuen Quartalsrekord. Und die kürzlich vorge- stellte Datenbrille positioniert den Konzern auch für die Zukunft gut. APPLE WKN 865 985 Kurs 165,48 € Börsenwert 2,6 Bill. € KGV 2024 (erwartet) 27,1 PEG 1 2,2 Analysten Buy/Hold/Sell 34/11/2 Ertragspotenzial 12 Monate 3,8 % Gesamtrendite 10 Jahre p. a. 28,9 % Stichtag Daten: !".!#.$!$%; ! Erklärung siehe Seite %#; Quelle: Bloomberg Humana Inc. ist ein führender Anbieter für Gesundheit und Wohlbefinden in den USA. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Louis- ville im US-Bundesstaat Kentucky und bie- tet eine Vielzahl von Dienstleistungen an, darunter Krankenversicherung, häusliche Pflege, Wellnesslösungen und Datenanaly- se. Es betreibt auch Apotheken, Kranken- häuser und Pflegeheime. Im Jahr 2022 er- zielte Humana rund 90 Prozent seines Umsatzes von 93 Milliarden Dollar aus Ver- sicherungsprämien und ist ausschließlich in den USA tätig. Humana setzt regelmä- ßig auf Akquisitionen, um zu wachsen und sein Portfolio zu diversifizieren. Im Jahr 2007 wurde CompBenefits, ein Anbieter von Zahn- und Sehleistungen, übernom- men. Ein Jahr später folgte die Übernahme von KMG America, einem Lebens- und Krankenversicherer. Im Jahr 2010 wurde Concentra erworben, ein Anbieter für Arbeitsmedizin und Wellness. Das Unternehmen pflegt auch Kooperatio- nen, wie zum Beispiel mit der Supermarkt- kette Walmart zur Vermarktung von Ge- sundheitsprodukten. Von den 25 Analys- ten, die bei Bloomberg für die Humana- Aktie gelistet sind, empfehlen 20 den Kauf der Aktie, fünf raten, sie zu halten, und kein einziger rät zum Verkauf. Die Analys- ten prognostizieren im Schnitt auf Sicht von einem Jahr eine Kurssteigerung der Aktie von 18,8 Prozent. HUMANA WKN 856 584 Kurs 471,90 € Börsenwert 58,9 Mrd. € KGV 2024 (erwartet) 15,8 PEG 1 1,3 Analysten Buy/Hold/Sell 20/5/0 Ertragspotenzial 12 Monate 18,8 % Gesamtrendite 10 Jahre p. a. 20,9 % Stichtag Daten: !".!#.$!$%; ! Erklärung siehe Seite %#; Quelle: Bloomberg 4 0 Z E R TIFIK ATE 4 8 E TF-S TR ATEG IE N4 4 FO N DS3 6 A K TIE N ➝ Hinweis auf Interessenkonflikte: Der Vorstandsvorsitzende und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Apple. Der Vorstand der Börsenmedien AG, Herr Leon Müller, ist Positionen über folgende in der Publikation angesprochene Finanzinstrumente eingegangen: Apple. BILD: GREG PEASE/STONE RF/GETTY IMAGES, ZUMA WIRE/IMAGO IMAGES, 4KCLIPS/SHUTTERSTOCK
40 €URO 07|23 Globus im Safe: Ideale Investitionschancen für die aktuelle Anlagewelt bieten Zertifikate mit Teilschutz Raffinesse sichert Rendite Hohe Ertragschancen plus solider Schutz: Schlaue Zertifikate bringen schöne Gewinne, selbst wenn die Börsen nicht weiter steigen Wohl kein Zitat bringen An- hänger des werthaltigen Investierens lieber als dieses von Benjamin Gra- ham, Lehrmeister des legendären Value- Investors Warren Buffett: „Kaufe einen Dollar !ür 50 Cent.“ Das steht !ür das Prinzip, Anteile eines Unternehmens un- terhalb des Werts zu kaufen, der da!ür eigentlich gerechtfertigt wäre, und zu warten, bis dem Markt die unfaire Be- wertung auf!ällt und der Kurs steigt. Anleger müssen aber gar nicht über die unerreichten (und unerreichbaren) Titel Das Beste der Welt
€URO 07|23 41 maximal mögliche Rendite des Zerti!i- kats erzielt und der sogenannte Höchst- betrag wird ausgezahlt. Das sind besag- te 18 Euro, was einer schönen Rendite von 21 Prozent per annum entspricht. Das bedeutet aber auch: Steigt der Kurs des Basiswerts noch weiter über den Cap hinaus, partizipieren Anleger nicht an dieser Kursentwicklung. Die Rückzah- lung ist auf den Höchstbetrag limitiert. Ist Ihnen etwas aufgefallen? Die Mor- phosys-Aktie ist bereits auf rund 28 Eu- ro gestiegen und notiert damit ein Vier- tel über dem bei 18 Euro eingezogenen Cap. Damit Anleger den Höchstbetrag er- halten, reicht es aus, wenn die Morpho- sys-Aktie am 21. Juni 2024 über 18 Euro notiert. Das hier gewählte Zerti!ikat ist ein sogenannter Deep Discounter, mit dem Investoren eine defensive Anlage- strategie wählen. Mit Deep-Discount-Zer- ti!ikaten lässt sich sogar bei deutlichen Kursrückgängen des Basiswerts noch eine positive Rendite erzielen. Eine mitt- lere Strategie bestünde darin, den Cap auf aktueller Höhe des Basiswerts zu wählen, eine offensive Variante wäre es, einen Cap deutlich über dem aktuellen Aktienkurs zu nehmen. Der Rabatt oder Discount von 47 Pro- zent fungiert gleichzeitig als Sicherheits- puffer. Erst wenn der Basiswert am Lauf- zeitende um diesen Satz gefallen sein sollte, steht auch der Discountzerti!ikat- Käufer vor einem Verlust mit seinem In- vestment. Generell lässt sich festhalten, dass Discounter sowohl in seitwärts laufenden und gering!ügig steigenden Märkten als auch bei leicht fallenden No- tierungen ihre Stärken ausspielen. Wich- tige Ergänzungen: Dividenden werden nicht ausgeschüttet, diese vereinnahmt der Emittent. Und Zerti!ikate sind Schuldverschreibungen, sie unterliegen dem Emittentenrisiko. BONUS-CAP-ZERTIFIKATE Die bereits erwähnten Bonus-Cap-Zerti- !ikate passen ebenfalls hervorragend in das derzeitige Marktumfeld. Sie gewin- nen ebenfalls bereits, wenn die Kur- Bilanz- und Bewertungskenntnisse eines Warren Buffett ver!ügen, um Aktien mit etwa 47 Prozent Rabatt erwerben zu kön- nen. Das gelingt auch mit Discountzerti- !ikaten, die sich stets auf einen Basiswert beziehen, hier eben Aktien. Mit dem günstigen Einstieg verschaffen sich die Käufer der auch kurz „Discounter“ ge- nannten Papiere in der derzeit dif!izilen Marktlage einen hohen Sicherheitspuf- fer — und sie können oft schon 20 Pro- zent Rendite jährlich erzielen, wenn sich die Aktie, auf die sie mit Discounter set- zen, nur seitwärts entwickelt. Doch nicht nur diese Zerti!ikate- gattung gehört mit zum Besten, was Anleger in der aktuellen Anlagewelt wählen können. Eine ideale Kombina- tion von Renditechance und Risikokon- trolle bieten auch sogenannte Bonus- Cap-Zerti!ikate, mit denen Investoren gleichsam maßgeschneidert ihre indivi- duelle Markteinschätzung umsetzen können. €uro erklärt beide Investment- chancen und stellt jeweils !ünf Discount- und Bonus-Cap-Zerti!ikate genauer vor. DISCOUNTZERTIFIKATE Der Grundzug der Konstruktion eines Discountzerti!ikats klang schon an: Das Derivat bezieht sich auf einen Basiswert, zum Beispiel die Aktie des deutschen Biotechnologie-Unternehmens Morpho- sys. Die Aktie notiert bei 28 Euro. Den Discounter der BNP Paribas auf die Mor- phosys-Aktie (ISIN: DE 000 PE9 FX5 1), der bis 21. Juni 2024 läuft, können Anle- ger schon !ür 14,77 Euro kaufen, also mit einem satten Rabatt von 47 Prozent. Jetzt kommt die zweite wichtige Komponente eines Discountzerti!ikats ins Spiel: die Obergrenze (Cap). Der Cap ist der vorab festgelegte Wert der Aktie, bis zu dem Anleger an den Kursentwicklungen des Basiswerts partizipieren, in unserem Beispiel liegt der Cap der Morphosys-Ak- tie bei 18 Euro. Die Gewinnchancen sind somit begrenzt. Notiert die Aktie, auf die sich der Discounter bezieht, am Bewer- tungstag (im Beispiel der 21. Juni 2024) auf oder oberhalb des Caps, wird die ➝ BILD: DAVID MUIR/STONE RF/GETTY IMAGES Mit Bonus Diese Zertifikate bilden den Basiswert in der Regel 1 : 1 ab. Beispiel: Die Aktie notiert bei 100 Eu- ro, das abgeleitete Bonuszertifikat hat ein Bonusniveau von 140 Euro und eine Barriere bei 70 Euro. Steigt die Aktie zum Laufzeitende auf 120 oder sinkt auf 80 Euro, erhält der Zertifikate-Inhaber den Bonus von 140 Euro. Fällt die Aktie auf oder unter 70 Euro, ist der Bonus weg. Die Gewinne sind bei solchen Produkten teilweise begrenzt (Bonus Cap). Mit Rabatt Via Discounter kaufen Anleger eine Aktie günstiger ein. Kostet eine Aktie 100 und das Dis- countzertifikat auf die Aktie 80 Euro, beträgt der Rabatt 20 Euro oder 20 Prozent. Fällt die Aktie bis Lauf- zeitende auf 90 Euro, hat der Aktien- käufer zehn Prozent Verlust – der Zertifikatkäufer 12,5 Prozent Ren- dite, weil er billiger eingekauft hat. Clevere Konstruktionen STRUKTUREN -80 -40 0 40 80 80 60 20 -20 -60 -100 Zertifikatentwicklung in % Kursentwicklung des Basiswerts in % Basiswert Bonuslevel Bonusschwelle (Barriere) Quelle: eigene Darstellung 4 0 Z E R TIFIK ATE 4 8 E TF-S TR ATEG IE N4 4 FO N DS3 6 A K TIE N 400 80 120
44 €URO 07|23 Augenfällig: Mit den besten Fonds können Anleger jährliche Renditen von bis zu 13 Prozent erwirtschaften V iele Anleger schichten ihr De- pot häu!ig um, weil sie sich von den aktuellen Nachrich- ten beeinflussen lassen. Oft schmälern sie damit aber ihre Rendite, da sie zu teuer einsteigen oder beim Tief aussteigen. Wer geduldig an seinem Plan festhält, !ährt meist besser. Mit einer Kaufen-und-Halten-Strategie kann im Titel Das Beste der Welt besten Fall aus investierten 10 000 Euro so auch mal ein Betrag von 100 000 Eu- ro werden. Möglich war dies in den ver- gangenen 20 Jahren etwa mit den Fonds von Lupus alpha und GAM, die in deut- sche und Schweizer Nebenwerte inves- tieren. Genauso erfolgreich waren in den vergangenen 20 Jahren der Biotech- Fonds von Candriam und der Tech- Fonds von Fidelity. Zudem stellen wir drei Aktienfonds von AllianceBernstein, Comgest und der DWS vor, die langfris- tig ebenso überzeugt haben, auch wenn ihr Zuwachs etwas geringer war. Sie in- vestieren in stark wachsende Standard- werte aus den USA, Europa sowie in den weltweiten Aktienmarkt und eignen sich somit als Basisinvestment !ür ein Depot. Die Fonds-Elite Mit den besten Aktienfonds kann aus investierten 10 000 Euro binnen 20 Jahren ein Betrag von 100 000 Euro werden
€URO 07|23 45 BILD: ALEXIS84/ISTOCK, EQROY/STOCK.ADOBE.COM ➝ Schweizer Nebenwerte können sehr ertragreich sein. Das zeigt der GAM Swiss Small & Mid Cap Equity Fonds Beim Schweizer Aktienmarkt denken viele Anleger wohl zuerst an defensive Bluechips wie Nestlé, Novartis oder Roche. Deutlich erfolgreicher waren in den vergangenen 20 Jahren aber die Schweizer Nebenwerte im GAM Swiss Small & Mid Cap Equity Fonds (ISIN: LU 003 827 917 9), der in dieser Zeit um rund 1100 Prozent zulegen konnte. „Da der Heimatmarkt für Schweizer Firmen klein ist, sind sie gezwungen, in einem frühen Stadium der Unternehmens- entwicklung ins Ausland zu gehen“, sagt Thomas Funk, der den GAM-Fonds seit dem Jahr 2005 verantwortet. „Dadurch gewinnen sie wertvolle Erfahrungen für eine erfolgreiche geografische Expansion.“ Auf diese Weise können sie Werte für die Aktionäre schaffen, sodass die Gewinne und Dividenden langfristig steigen. 30 bis 50 Titel. Funk hält im Fonds meist 30 bis 50 Titel. Dabei bevorzugt er gut geführte Wachstumstitel mit einer starken Marktposition, die auch in puncto Nach- haltigkeit überzeugen. Derzeit zählen der Industriewert Interroll Holding und der Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli zu seinen größten Einzelwerten. Top-Mittelständler aus der Schweiz Seit Anfang 2009 managt Björn Glück den Lupus alpha Smaller German Champions, und nach wie vor trifft er am liebsten die Vorstandschefs von deutschen Mittelständlern wie Bechtle, Fuchs Petrolub oder Kro- nes. Auch als wir Glück interviewten, besuchte er gerade eine Konferenz, um dort binnen drei Tagen mit zwölf Vorstandschefs zu sprechen. Vor unserem Interview hatte er etwa direkt mit Claus Sauter gesprochen, dem Gründer und Vorstandschef von Verbio. „Bei diesen Gesprächen geht es auch um die Soft Skills des Managements, die man nur schwer quantifizieren kann“, sagt Glück. Zudem gleicht er ab, ob die kleinen und mittelgroßen Unternehmen das geliefert haben, was die Mitglieder des Managements ihm bei seinen regelmäßigen Treffen zuvor angekündigt hatten. Günstig bewertet. Derzeit seien deutsche Nebenwerte günstig bewertet, betont Glück. Das liege auch an den ausländischen Investoren, die deutsche Aktien meiden würden. Denn sie beurteilen die zunehmende Regulierung sowie die hohen Energie- und Stromkosten für die hiesigen Unternehmen skeptisch. Wenn ein Großteil der Anleger vorsichtig gestimmt ist, lohnt sich der Einstieg aber oft. „Zudem werden die kleinen und mittelgroßen Unter- nehmen in Deutschland weiter wachsen, zur Not im Ausland“, sagt Glück. Überdies ist er davon überzeugt, in jeder Börsenphase gute Unternehmen finden zu können. Die langfristige Bilanz des Lupus alpha Smaller German Champions stimmt zumindest. In den vergangenen 20 Jahren liefen der MDAX und SDAX besser als der DAX, und der Lupus-alpha-Fonds wieder- um besser als eine 50 : 50-Mischung aus MDAX und SDAX (siehe Chart). In den vergangenen 20 Jahren hat der Lupus alpha Smaller German Cham- pions sogar ein Plus von über 1000 Prozent erwirtschaftet. Pro Jahr ent- spricht dies einem Zuwachs von rund 12,7 Prozent. Aus investierten 10 000 Euro wären mit einer Kaufen-und-Halten-Strategie somit 110 000 Euro ge- worden. „Deutsche Nebenwerte sind wettbewerbsfähig und innovativ“, sagt Glück. „Daher können sie für das Portfolio eine sinnvolle Beimischung sein.“ In den nächsten fünf bis zehn Jahren könnte sich das Portfolio des Fonds weiter wandeln. „Wir werden dann wahrscheinlich weniger Industrie- und mehr wissensbasierte Technologiewerte halten“, erklärt Glück. Bei seinen Kaufkriterien wird es aber bleiben. „Wir mögen gut geführte Unternehmen mit langfristig tragfähigen Geschäftsmodellen, deren Aktien aufgrund ihrer Bewertung ein gutes Chance-Risiko-Verhältnis bieten“, sagt er. Best of deutsche Nebenwerte Exquisit: Die Lindor-Kugeln von Lindt & Sprüngli ISIN LU 012 923 309 3 Erträge ausschüttend Auflegung 03.08.2001 Vermögen 700,6 Mio. € Laufende Kosten p. a 1,68 % Wertentwickl. 10 Jahre 176,5 % Wertentwickl. 20 Jahre 1001,7% Mit einem Einstieg beim Lupus alpha Smaller German Champions lagen Anleger auf lange Sicht immer vor dem MDAX und SDAX Lupus alpha Smaller German Champions ’03 ’08 ’13 ’18 ’23 1400 1200 1000 800 600 400 200 100 in % 50 % MDAX + 50 % SDAX Stichtag: !".!#.$!$%; Quelle: Bloomberg 4 0 Z E R TIFIK ATE 4 8 E TF-S TR ATEG IE N4 4 FO N DS3 6 A K TIE N Wertentwicklung in %; indexiert am !".!#.$!!%="!!
48 €URO 07|23 Weltweite Strategie zusammensetzen: Einfaches Verfahren, simple Depots, geniale Renditen ohne Stress Wissenschaftlich getestet und über ein halbes Jahr- hundert mit Erfolg er- probt: Wen würde ein so bewährtes Anlagesystem nicht interes- sieren, mit dem er zehn Prozent Rendite jährlich erzielen kann bei minimalen Kursschwankungen? Ein System, bei dem der Investor überdies nur !ünf ETFs im Portfolio halten und im Schnitt nur einen ETF"Trade alle zwei Monate aus- !ühren muss? Wenn Sie diese Strategie kennenlernen wollen, können Sie gleich rechts weiterlesen. Und dann weiter auf Seite 51: Dort erfahren Sie alles über die Dual-Momentum-Strategie, die Ihnen 50 Prozent mehr Rendite einbringt — bei reduziertem Risiko. Für diese vollauto- matische Market-Timing-Strategie brau- chen Investoren sogar nur drei ETFs — und lediglich einen ETF bei der einfa- chen 200"Tage-Strategie (Seite 53). Wahre Weltklasse Mit drei ausgeklügelten ETF-Strategien erzielen Anleger überlegene Renditen – bei stark reduziertem Risiko Titel Das Beste der Welt
€URO 07|23 49 Mögen Sie Zeit(-Geschichte)? Wel- che Krise brach im Herbst vor 50 Jahren aus? Die erste Ölkrise. Zu solchen Krisen kommt es ständig, ge- rade durchleben wir wieder eine Ener- giekrise. Wäre eine Strategie etwas !ür Sie, die in den vergangenen 50 Jahren nur in !ünf Jahren „Einbußen“ hinneh- men musste (jedoch höchstens leicht verkraftbare minus 3,8 Prozent), in den 45 anderen Jahren aber stets Gewinne erzielte? Während der US"Leitindex S & P 500 in diesem halben Jahrhundert 13 Verlustjahre erlebte mit Abstürzen von bis zu 38 Prozent? Dann sollten Sie die GTAA"Methode (Global Tactical Asset Allocation) kennenlernen. Entwickelt hat sie Mebane Faber, Mitgründer und CIO des unabhängigen Vermögensbera- ters Cambria Investment Management. Was Sie da!ür brauchen? Internetzu- gang, !ünf ETFs und jeden Monat eine halbe Stunde Zeit. Faber hat zwar einen wissenschaft- lichen Aufsatz verfasst („A Quantitative Approach to Tactical Asset Allocation“), seine Strategie ist jedoch simpel. In der Forschung greift er auf Studien zurück, die ein Ergebnis eint: Nutzen Anleger die 200"Tage-Linie richtig, können sie „den Lärm an der Börse reduzieren“. Rangiert der Markt unter der 200"Tage-Linie, schneidet er historisch betrachtet schlechter ab und schwankt viel heftiger als in Phasen, in denen er über der 200"Tage-Linie notiert. Fabers Grundgedanke. Wenn Timing funktioniert und überdies Multi-Asset- Portfolios die Volatilität langfristig deut- lich senken — warum nicht beides kom- binieren? Wie lohnend das ist, hat der Stratege !ür die lange Zeitspanne von 1901 bis 2012 simuliert: Notiert der S & P 500 über seiner 200"Tage-Linie, hält der Anleger sein ganzes Kapital in Aktien. Be!indet sich der Index unter der 200"Ta- ge-Linie, schichtet er komplett in Cash um. Mit der Timing-Strategie erhöht der Investor die jährliche durchschnittliche Performance um 0,86 Prozentpunkte auf 10,18 Prozent und senkt zudem die Volatilität von 17,87 auf 11,97 Prozent. Der Anteil der Monate mit einer positiven Rendite springt von 61,6 auf 75,8 Pro- zent. Das Neue an Fabers Ansatz: Er stell- te das Phänomen der höheren Erträge bei niedrigerer Volatilität über der 200"Tage-Linie nicht nur bei US"Aktien fest, sondern auch bei internationalen Aktien und Immobilienwerten (siehe Gra!ik unten). Im Schnitt sind die Erträ- ge unter der 200"Tage-Linie um 60 Pro- zent niedriger und die Volatilität um 30 Prozent höher. Und jetzt kommt der geniale Schritt: Faber kombiniert das Timing via 200"Ta- ge-Linie in der GTAA"Methode mit einem gleichgewichteten Multi-Asset-Portfolio aus !ünf Assetklassen: US"Aktien, Aktien aus Industrienationen, zehnjährige US- Staatsanleihen, Rohstoffe und Immobi- lien. Am Ende jeden Monats prüft er !ür jede Klasse, ob sie über oder unter der 200"Tage-Linie steht. Über der 200"Tage- Linie wird in die Anlageklasse investiert, und ebenso konsequent fließt das Kapital in Cash, wenn sie unter der 200"Tage- Linie notiert. Das GTAA"Portfolio kann phasenweise in allen !ünf Anlageklassen investiert sein, in einer Krise kann auch einmal alles in Cash gehalten werden. Im Schnitt ist der Anleger zu 70 Prozent in- vestiert und erzielt mehr als zehn Pro- zent Rendite per annum bei einer Volati- lität unter sieben Prozent. Hätte ein Investor die !ünf Anlage- klassen die gesamte Untersuchungsdau- er bis 2012 gehalten („Buy and Hold“), wäre die Rendite nur etwas gerin- Dauergewinne mit System BILD: MARTIN BARRAUD/ISTOCK Quelle: S. Krieger, „Die besten ETF-Strategien der Welt“ Beweis der Wirksamkeit Wer nur über der 200-Tage-Linie investiert, profitiert bei Investments in allen Anlageklassen US-Aktien !",# !",$ #,# !%,% !",& !#,! #," '',' $,( $," %,) %,! !(,! '),* (,( '),' !&,( !",$ -),( '&," US-Anleihen US-ImmobilienRohstoffeInternationale Aktien ➝ 4 0 Z E R TIFIK ATE 4 8 E TF-S TR ATEG IE N4 4 FO N DS3 6 A K TIE N Gewinn und Volatilität in Phasen ober- und unterhalb der 200-Tage-Linie, Durchschnitt 1973 bis 2012 in % Gewinn/Verlust Volatilität Oberhalb der 200- Tage-Linie Unterhalb der 200- Tage-Linie
32 €URO 11|22 Ewig währt am längsten Nach dem Kurssturz an der Börse gibt es jetzt Aktien für die Ewigkeit mit einem Abschlag. Welche Papiere gerade besonders interessant sind. Und welche Fonds sich nun lohnen VON R. FERKEN, M. FISCHER, M. JURA UND O. RISTAU
€URO 11|22 33 BILD: SERGIO SYZONENKO/ADOBESTOCK Im Zeichen der Unendlichkeit: Manche Aktien haben das Potenzial, viele Jahre ordent- liche Gewinne abzuwerfen 34 EINLEITUNG Warum fallende Kurse nicht immer schlecht sind, um das Depot für die Ewigkeit abzusichern 50 INDEX Warum der Index Aktien für die Ewigkeit auf lange Sicht viel bietet 36 AKTIEN €uro präsentiert die aktuell zehn besten Aktien für die Ewigkeit. Mit dabei sind unter anderem der Technologie-Riese Apple, der Luxuskonzern LVMH und der Nahrungsmittelgigant Nestlé. Alle bieten kurz- und langfristig Potenzial 46 FONDS Drei empfehlenswerte Fonds, die eines gemeinsam haben: Sie eignen sich für die aktuelle Börsenphase: UniGlobal, Carmignac Emergent und BGF World Titel Aktien für die Ewigkeit
€URO 11|2234 Haben Sie sich in der letzten Zeit auch schon einmal beim Bä- cker gefragt, ob sich die Ver- käuferin an der Kasse vertippt und einen zu hohen Preise eingegeben hat? Backwaren haben sich in den vergan- genen Monaten stark verteuert, sind aber damit keine Ausnahme. Auch an der Tankstelle oder im Restaurant macht sich die Inflation immer stärker bemerkbar. Und das bildet sich in der Inflationsrate ab, die im September in Deutschland bei zehn Prozent gelegen hat. Der Preisanstieg hat auch etwas mit dem Krieg in der Ukraine zu tun. Die Energiekosten sind wegen des Konflikts massiv geklettert — und das dürfte sich kaum ändern, solange ein Ende des Kriegs nicht absehbar ist. Derzeit aber gibt es keine Hinweise darauf. Um die hohen Preise zu bekämpfen, setzen die beiden wichtigsten Notenbanken der Welt — die Federal Reserve (Fed) in den USA und die Europäische Zentralbank (EZB) in der Eurozone — die Leitzinsen deutlich herauf. Steigende Zinsen wiede- rum sind Gift !ür Aktien, darum geht es an den Börsen kräftig nach unten. Nicht wenige Investoren sprechen von einem Crash auf Raten. Die gefallenen Kurse haben jedoch auch einen Vorteil: Aktien sind im Gefol- ge der Talfahrt deutlich günstiger gewor- den. Schaut man sich fundamentale Kennzahlen wie das Kurs-Gewinn-Ver- hältnis (KGV) oder das Kurs-Buch-Verhält- nis (KBV) an, zeigt sich dieser Effekt: Das durchschnittliche KGV der 40 im deut- schen Leitindex DAX gelisteten Aktien liegt bei 11,9, das KBV im Schnitt bei 1,3 und die durchschnittliche Dividenden- rendite bei 3,8 Prozent. Qualität trifft Momentum. Wer jetzt längerfristig denkt, kann sich nun zu einem guten Preis mit echten Qualitäts- titeln eindecken. Aber welche Aktien sind solche ausdauernden Langläufer? €uro hat zusammen mit seiner Schwes- terpublikation BÖRSE ONLINE den In- dex Aktien !ür die Ewigkeit entwickelt, in dem sich 30 Qualitätspapiere tum- meln, die mit guten Perspektiven aus- gestattet sind (siehe Seite 50). Über ein Zerti!ikat können Anleger in den Index investieren und so ihr Geld breit über Qualitätstitel streuen. Aber natürlich gibt es auch innerhalb des Portfolios Aktien, die gerade jetzt be- sonders attraktiv sind. Um die gegenwär- tig „besten“ Ewigkeitsaktien aus!indig zu machen, hat €uro die 30 Werte nach mehreren Kriterien durchforstet. Dabei wertete die Redaktion das Momentum aus, um die Werte herauszu!iltern, die sich in der aktuellen Situation am besten schlagen. Gleichzeitig achtete €uro aber auch auf den Relative Stärke Index (RSI). Der zeigt an, wann eine Aktie als „über- kauft“ respektive „überverkauft“ ist. Weil zahlreiche Nahrungsmittelakti- en im Gefolge der Krise kräftig gestiegen sind, haben sie nun einen relativ hohen RSI und konnten sich darum trotz ihres starken Momentums nicht !ür die Aus- wahl quali!izieren. Schließlich checkte €uro noch die Analystenmeinungen beim Wirtschaftsdienst Bloomberg; da- bei musste die Zahl der Kaufempfehlun- gen die der Verkaufsempfehlungen deut- lich übersteigen. Am Ende standen zehn Ewigkeitsaktien fest, die gerade am viel- versprechendsten sind und nachfolgend vorgestellt werden. Zudem stellen wir in dieser Titelge- schichte drei Aktienfonds vor, die in den vergangenen 20 Jahren eine herausra- gende Performance von 460 bis 550 Pro- zent erzielt haben und !ür Anleger nach wie vor attraktiv sind. Ein Fonds deckt Aktien aus den Industrieländern ab, ein anderer Titel aus den Schwellenländern und der dritte den Sektor !ür Gesund- heitsaktien. 3 6 A K TIE N 4 6 FO N DS 5 0 IN D E X3 4 EIN LEIT U N GTitel Aktien für die Ewigkeit BILD: WOLFGANG MARIA WEBER/IMAGO, ANADOLU AGENCY/GETTY IMAGES, MICHAEL NAGLE/BLOOMBERG ➝ Zertrümmert: Der Krieg in der Ukraine bringt starke Zerstörungen mit sich und hat Auswirkungen auf die ganze Welt Verteuert: Die Preise beim Bäcker haben deutlich angezogen. Aber Backwaren sind keine Ausnahme, es herrscht Inflation Zermürbt: Die Aktienmärkte kennen derzeit fast nur eine Richtung: abwärts. Der Crash auf Raten belastet Anleger Hinweis auf Interessenkonflikte: Der Vorstands- vorsitzende und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittel- bar und mittelbar Positionen über die in der Publika- tion angesprochenen nachfolgenden Finanzinstru- mente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultieren- den Kursentwicklung profitieren können: Apple, Mercedes-Benz
€URO 11|2236 Das Ge!ühl, dass die Aktie auch einmal kräftig verlieren kann, kennen die Apple-Aktionäre kaum. Ende September aber kam es im ohnehin turbulenten Umfeld sogar !ür das Unternehmen mit Sitz in Cupertino dick, die Aktie von Apple büß- te an einem Tag über !ünf Prozent ein. Damit wurde an einem Tag ein Börsen- wert von 120 Milliarden US"Dollar ver- nichtet — das ist etwa so viel, wie die drei deutschen Autogiganten Mercedes-Benz, BMW und Porsche zusammen wert sind. Neben der schlechten Stimmung an der Börse, der sich auch Apple nicht ganz entziehen kann, sorgte eine Herabstu- fung der Bank of America (BofA) von „Kaufen“ auf „Halten“ !ür den Kurs- rutsch. Das Finanzinstitut begründet dies vor allem mit sinkender Kauflaune der Konsumenten in Zeiten hoher Infla- tion. Dieser Effekt zeige sich bereits bei Apple-Services wie etwa dem Musik- dienst iTunes oder dem Streamingportal Apple TV. Die BofA be!ürchtet nun, dass sich dies auch auf die neuen Produkte wie das iPhone 14 oder die neue Apple Watch auswirken werde. Sinken die Um- sätze, gehen in der Regel auch die Gewin- ne zurück — und dann der Aktienkurs. Alles eine Frage der Zeit. Insgesamt sind die Analysten jedoch ziemlich posi- tiv gegenüber den Aktien des kaliforni- schen Technologiegiganten eingestellt. Von 49 beim Wirtschaftsdienst Bloom- berg gelisteten Experten !ür Apple raten 37 zum Kauf und zehn zum Halten. Nur zwei sehen in der Aktie derzeit eine Ver- kaufsposition. Grund !ür die positiven Einschätzungen sind vor allem die guten mittel- bis langfristigen Aussichten. Das erkennt selbst die Bank of America an: „Die langfristigen Perspektiven bleiben günstig“, so das Institut. Und das liegt da- ran, dass es Apple gelungen ist, mit sei- ner Marke eine Ausnahmestellung er- reicht zu haben. Wer einmal im Apple- Universum ist, springt so schnell nicht auf Produkte der Dauerkonkurrenten Microsoft (bei Computern) oder auf An- droid-Produkte (bei Smartphones) um. Zudem nimmt der Konzern Zukunfts- themen ins Visier. Im Frühjahr könnte die erste Datenbrille vorgestellt werden. Sie hat großes Potenzial, der Bereich Augmented Reality gilt als milliarden- schwerer Zukunftsmarkt (Stichwort Me- taverse). Und auch im Bereich des auto- nomen Fahrens sowie bei digitalen me- dizinischen Diensten haben die Kalifor- nier mit ihren milliardenschweren Entwicklungsbudgets ebenfalls gute Per- spektiven. Apfel mit Biss Beim kalifornischen Technologiekonzern Apple hakt es derzeit etwas. Was aber Analysten nicht daran hindert, von den Perspektiven des iPhone-Herstellers überzeugt zu sein Gruß an die Zukunft: Auch wenn es kurzfristig nicht ganz so gut bei Apple läuft, bleibt Chef Tim Cook optimistisch, was die Aussichten des Technologieriesen betrifft BILD: DAVID PAUL MORRIS/BLOOMBERG, SKYACEDESIGN/ISTOCK [M] -100 0 100 200 300 400 500 Wertentwicklung 5 Jahre in % 10/17 10/1910/18 10/20 10/21 10/22 MSCI World Apple WKN 865 985 Kurs 144,02 € Börsenwert 2313,6 Mrd. € KGV 2023 (erwartet) 21,5 Kurs-Buchwert-Verhältnis 38,5 Dividendenrendite 0,7 % Operative Marge 42,1 % RSI 39,8 % Stichtag: 10.10.2022; Quelle:Bloomberg 3 6 A K TIE N 4 6 FO N DS 5 0 IN D E X3 4 EIN LEIT U N GTitel Aktien für die Ewigkeit
€URO 11|22 37 BILD: KEVIN DIETSCH/DPA PICTURE-ALLIANCE, MICEKING/ADOBESTOCK [M] Konsumfreude: In Nordamerika ist der Einzelhändler bei seinen rund 120 Millionen Mitgliedern vor allem für Discounterpreise beliebt Stichtag: 10.10.2022; Quelle: Bloomberg Costco Wholesale ist mit einem Jahresumsatz von zuletzt 225 Milliarden Euro einer der größ- ten Einzelhändler der Welt. Die Warenhäuser des im Jahr 1976 gegründe- ten Unternehmens sind zu 80 Prozent in Nordamerika angesiedelt. Der Rest be- !indet sich mit einem Schwerpunkt in Großbritannien weltweit verteilt. Exklusives Geschäftsmodell. Nur Mitglieder haben Zugang zu den Shops, die eine breite Palette an Produkten anbieten — von Lebensmitteln wie bei Metro über Elektronikartikel wie bei Mediamarkt bis zu Möbeln. Neben Mar- kenprodukten bietet Costco auch preis- günstigere Artikel unter der Eigenmarke Kirkland an. Eine Mitgliedschaft ist mit 60 Dollar Jahresgebühr relativ günstig und wirtschaftlich !ür Costco kaum be- deutend. Die Gebühren tragen weniger als zwei Prozent zum Konzernumsatz bei. Doch die Kundenbindung sorgt da- !ür, dass die Käufer Costco treu sind und bleiben. Da!ür lockt das Unternehmen seine rund 120 Millionen Mitglieder, die rund 66 Millionen Haushalte sowie Ge- werbekunden repräsentieren, mit Dis- counterpreisen. Anbieter, die die Preis- politik des Konzerns nicht mitspielen, werden auch mal ausgelistet wie in der Vergangenheit Coca-Cola. Der Getränke- riese hatte dem Händler einen zu gerin- gen Nachlass geboten. Über E"Commerce und eigene Logis- tik ist das Unternehmen auch im wach- senden Versandgeschäft erfolgreich tä- tig. Die Mitgliedsidee ermöglicht den Ab- satz weiterer Dienstleistungen wie zum Beispiel Reisen. Zusätzlicher Clou !ür die Costco-Kunden: Die Märkte sind !ür sie an sieben Tagen in der Woche geöffnet. Das Konzept geht auch !inanziell auf: Während es bei anderen Händlern im- mer wieder mal kriselt, sorgt die Costco- Einkaufsmacht zusammen mit der star- ken Nachfragebindung unter dem Strich !ür klingelnde Kassen. So stieg im letz- ten Geschäftsjahr, das am 30. August 2022 endete, nicht nur der Umsatz um 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch der Gewinn schoss in gleicher Größen- ordnung auf sechs Milliarden Euro in die Höhe. Dazu kommt ein üppiger Bestand an Cash. Einziger Kritikpunkt: Die kurz- -75 0 75 150 225 300 375 Wertentwicklung 5 Jahre in % 10/17 10/1910/18 10/20 10/21 10/22 MSCI World Costco Wholesale WKN 888 351 Kurs 477,90 € Börsenwert 212,1 Mrd. € KGV 2023 (erwartet) 31,9 Kurs-Buchwert-Verhältnis 10,0 Dividendenrendite 0,8 % Operative Marge 3,5 % RSI 33,1 % fristige Verschuldung ist relativ hoch, übersteigt beim Blick in die Bilanz das Eigenkapital deutlich und dürfte so mit steigenden Zinsen auch die Finanzie- rungskosten in die Höhe treiben. An- sonsten ist das Unternehmen im kon- sumfreudigen Nordamerika aussichts- reich !ür die Zukunft aufgestellt. Eintritt nur für Mitglieder Der Einzelhändler Costco Wholesale hat ein besonderes Geschäftsmodell – Haushalte müssen Mitglied sein, um dort einzukaufen. Das erhöht die Kundenbindung und den Gewinn ➝
€URO 11|2238 Das in Washington, D.C. ansäs- sige Unternehmen Danaher ist ein Mischkonzern, der über eine Vielzahl von Tochterge- sellschaften und Marken ver!ügt, die re- lativ eigenständig agieren und hohe Ge- winne erwirtschaften. In den letzten Jah- ren ist das Unternehmen vor allem durch aggressives Wachstum aufgefallen. In Deutschland etwa durch die Übernahme von Leica Microsystems, einem Spezia- listen !ür Mikroskope. Auch andere bis dato erfolgreich im Gesundheits- und Medizintechnikmarkt operierende Un- ternehmen wurden gekauft. Dazu zählt der Biotech-Spezialist Cytiva, der in 40 Ländern Labore, Kliniken und For- schungseinrichtungen versorgt, und zwar mit Zellkulturen, gereinigten Pro- teinen und bildgebenden Verfahren zur Analyse von Biomarkern. Eine hohe Marktmacht. Vielen dieser Danaher-Produkten ist eigen, dass sie sehr spezialisiert sind und deshalb dem Konzern eine hohe Marge liefern kön- nen. Zudem ist der Großteil davon !ür den Gesundheits- und Medizinmarkt ge- zeugen liefert, ebenso aber !ür die Chip- und Energie-Industrie. Starke Zahlen reflektieren das mar- genstarke Konzerngeschäft. Zwar sank die Nettogewinnmarge im ersten Halb- jahr 2022 wegen gestiegener Kosten und Wechselkursverlusten im Vergleich zum Vorjahr. Mit 21,6 (Vorjahr: 24,2) Prozent war sie aber immer noch üppig. Auch stark: die Kapitalverfassung des kaum verschuldeten Unternehmens. Die Kas- sen könnten sich auf Jahressicht weiter beträchtlich !üllen, da das Unternehmen die Abspaltung des Umweltgeschäfts an- gekündigt hat. Der Börsengang der Akti- vitäten zur Aufbereitung von Trinkwas- ser und anderen Prozessen soll im nächs- ten Jahr Milliarden einspielen. Die in dem neuen Unternehmen EAS gebündel- ten Aktivitäten erzielten 2021 einen Um- satz von 4,5 Milliarden Euro. Durch diese Konzentration wird Da- naher weiter versuchen, im Medizin- und Gesundheitssektor mit Spezialproduk- ten zu wachsen. Das sollte den !inanziell mehr als soliden Player langfristig weiter stärken und bietet der Aktie ein hohes Potenzial. Gemischte Medizin Der Mischkonzern Danaher ist in Deutschland vor allem für seine Übernahme des Medizin- unternehmens Leica Microsystems bekannt – an der Börse liegt er im Aufwärtstrend DNA-Modelle: In Forschungseinrichtungen greifen Wissenschaftler auch auf die Produkte von Danaher zurück BILD: JANIECBROS/ISTOCK -70 0 70 140 210 280 350 Wertentwicklung 5 Jahre in % 10/17 10/1910/18 10/20 10/21 10/22 MSCI World Danaher WKN 866 197 Kurs 269,55 € Börsenwert 199,8 Mrd. € KGV 2023 (erwartet) 24,4 Kurs-Buchwert-Verhältnis 4,2 Dividendenrendite 0,4 % Operative Marge 25,3 % RSI 32,9 % Stichtag: 10.10.2022; Bloomberg dacht — ein Wachstumsmarkt angesichts fortschreitender Alterung speziell in den Vereinigten Staaten. Ein anderer bedeutender Umsatz- bringer ist die seit 2015 zum Konzern zählende Pall Corporation, die spezia- lisierte Flüssigkeitskomponenten zum Schutz von Militärfahrzeugen und Flug- 3 6 A K TIE N 4 6 FO N DS 5 0 IN D E X3 4 EIN LEIT U N GTitel Aktien für die Ewigkeit
€URO 11|22 39 Der Land-, Forst- und Bauma- schinenproduzent Deere ist in einem der zentralen Wachs- tumsmärkte der Welt unter- wegs: Es geht um die Ernährung. Intelli- gente Bewirtschaftung von Ackerflächen ist ein elementarer Punkt, um die Pro- duktivität der Lebensmittelerzeugung zu steigern. Das betrifft vor allem Indus- trienationen, wo die Äcker einer wach- senden Flächenkonkurrenz ausgesetzt sind. Je präziser Setzlinge gepflanzt, Wasser und Dünger beigegeben werden, desto höher die Erträge und ef!izienter der Rohstoffeinsatz. Das ist wiederum gut !ür den CO#-Fußabdruck der Land- wirtschaft. Genau diese Anforderungen er!üllt der Maschinenpark von Deere. Der Fahr- zeugbauer aus Illinois entwickelt auch IT- und satellitengestützte Steuerungen. Dank dieser technologischen Kompe- tenz und entsprechender Öffentlich- keitsarbeit ist es Deere gelungen, eine starke Marke aufzubauen und damit zum im Westen wohl unumschränkten Markt- !ührer bei Landmaschinen aufzusteigen. Und das mit Traktoren, die eher der Oberklasse zuzurechnen sind. Schwere Fahrzeuge !ür den Forst sowie auf Bau- stellen runden das Portfolio ab. Dazu kommt noch ein umfangreiches und margenstarkes Ersatzteile- und Service- geschäft. Qualität hat ihren Preis. Deswegen ist der Maschinenpark von Deere auch alles andere als günstig. Er hat dank geringer Abhängigkeit von einzelnen Zulieferern eine relativ große Freiheit, Preise festset- zen zu können. Das sorgt beim Unterneh- men !ür !inanziell reiche Ernte, wie die jüngsten Geschäftszahlen zeigen. Zum einen stieg der Umsatz in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäfts- jahrs bis Ende Juni um 13 Prozent auf 37 Milliarden Euro. Zum anderen er- reichte der Nettogewinn 4,9 Milliarden Euro. Die operative Marge liegt bei 20 Prozent, beim Nettogewinn beträgt die Marge solide 13 Prozent. Aktionäre pro!itieren zudem von seit Jahren steigenden Dividenden. Allein die Eigenkapitalquote könnte !ür sicher- heitsorientierte Anleger gern etwas hö- her sein als die aktuellen 22 Prozent. Doch !ür einen Kauf der Aktie auf lange Sicht stimmen die Daten, auch weil die Papiere wegen der schlechten Markt- stimmung die jüngsten Geschäftszahlen bisher nicht haben widerspiegeln kön- nen. Und Maschinen von Deere werden auch langfristig wichtige Erntehelfer zur Ernährung weltweit bleiben. Reiche Ernte Das führende Unternehmen in der Agrartechnik, Deere, leistet mit seinen Maschinen einen wichtigen Beitrag zur Produktion von Lebensmitteln Erntehelfer: Deere-Maschinen werden in vielen Bereichen eingesetzt ➝ BILD: JOHN DEERE, BRADAI ABDERRAHMEN/ISTOCK [M] -60 0 60 120 180 240 300 Wertentwicklung 5 Jahre in % 10/17 10/1910/18 10/20 10/21 10/22 MSCI World Deere WKN 850 866 Kurs 367,35 € Börsenwert 110,4 Mrd. € KGV 2023 (erwartet) 13,8 Kurs-Buchwert-Verhältnis 5,7 Dividendenrendite 1,3 % Operative Marge 19,5 % RSI 29,0 % Stichtag: 10.10.2022; Quelle: Bloomberg
€URO 11|2240 BILD: SERGIO SYZONENKO/ADOBESTOCK, RAIMOND SPEKKING/LINDE [M] Gasspeicher: Der Industriegaskonzern Linde profitiert vom Boom bei grünem Wasserstoff und Flüssiggas Das Thema Wasserstoff ist in al- ler Munde, und Linde ganz vorn dabei. Der in den USA und Deutschland beheimate- te Konzern ist nicht nur einer der größ- ten Konzerne !ür ein breites Portfolio an technischen Gasen wie Kohlendioxid oder Sauerstoff. Das Unternehmen hat sich auch frühzeitig im Wachstums- markt !ür grünen Wasserstoff positio- niert, beliefert internationale Pilot- und Vorzeigeprojekte mit dem Gas der Energiewende. Grüner Wasserstoff ist wichtig, weil er die Industrie und den Verkehrssektor wie kein anderer Stoff klimaneutral machen kann. Und auch mit Sauerstoff !ür Atem- wegsbehandlungen und Gasen !ür Hoch- leistungs-Chipfabriken ist Linde in Wachstumssegmenten unterwegs und auf Erfolgskurs. Außerdem zählen die Chemie-, Energie- und Rohstoffbranche sowie die Lebensmittelindustrie zu den Abnehmern. Ein kleines Beispiel !ür das Potenzial, das Linde erschließt: Meer- wasserentsalzung mit CO# zur Bekämp- fung von Wasserknappheit — eine wach- sende Notwendigkeit weltweit. Dabei dern Europas wie in Norwegen Anlagen zur Verflüssigung von Erdgas gebaut hat. Jetzt entstehen überall in Europa LNG"Terminals, um unabhängig von rus- sischem Gas zu werden. Ebenfalls posi- tiv: die Beteiligung an aussichtsreichen Spezialisten, die das eigene Portfolio er- gänzen, wie dem britischen Elektroly- seur-Produzenten ITM Power. Die breite Positionierung federt Ein- zelrisiken ab und sorgt !ür steigende Um- sätze, ist aber auch kostenintensiv: Ge- winne und Liquidität schweben nicht gen Himmel. Wermutstropfen zuletzt war auch der Abschied vom bis dato at- traktiven Russland-Geschäft, der im ers- ten Halbjahr 2022 eine Milliarde Euro kostete. Die Verschuldung stieg im Zuge dessen ebenfalls an. Doch !ür Linde ist solcher Gegenwind auf lange Sicht kaum mehr als ein laues Lüftchen. Denn die Chancen im Bereich von Megatrends wie saubere Energie, Wasser, Modernisierung der Städte und Gesundheit überwiegen. Und die Basis !ür das Wachstum des Konzerns ist au- ßerdem eine solide Finanzierung mit viel Eigenkapital in der Bilanz. Der Wasserstoff-Pionier Durch seine Vorreiterrolle im Bereich LNG-Terminals könnte Linde in der Situation rund um die Bekämpfung der Abhängigkeit von russischem Gas einen Vorsprung haben -30 0 30 60 90 120 150 Wertentwicklung seit Fusion in % 10/18 04/2007/19 01/21 11/21 10/22 MSCI World Linde WKN A2D SYC Kurs 280,61 € Börsenwert 138,6 Mrd. € KGV 2023 (erwartet) 21,1 Kurs-Buchwert-Verhältnis 3,4 Dividendenrendite 1,7 % Operative Marge 16,2 % RSI 38,0 % Stichtag: 10.10.2022; Quelle: Bloomberg ab 29.10.2018 bietet der Konzern neben Gasen auch das nötige ingenieurtechnische Wissen, baut zum Beispiel Anlagen !ür die Verflüssi- gung von Erdgas (LNG) und die Versor- gung mit Wasserstoff an Tankstellen. Eine Vorreiterposition. Linde war ei- nes der ersten Unternehmen, das in Län- 3 6 A K TIE N 4 6 FO N DS 5 0 IN D E X3 4 EIN LEIT U N GTitel Aktien für die Ewigkeit
€URO 11|22 41 BILD: ISTOCKPHOTO Stichtag: 10.10.2022; Quelle: Bloomberg L uxus ist Trend und schon lange in der Mitte der Gesellschaft an- gekommen. Nicht erst, seit in der modernen Pop- und Hip- Hop-Musik Edelmarken gefeiert werden. Ob Mode von Christian Dior oder Louis Vuitton, Spitzen-Cognac von Hennessy oder Champagner von Moët sowie Lu- xus-Chronometer von TAG Heuer: Mar- ken des französischen Designerkonzerns LVMH zählen zum Zeitgeist. Ein Symbol für Freiheit. Dabei sind die Produkte heute nicht erschwinglicher als noch vor Jahrzehnten. Doch LVMH gelingt es, wie anderen Nobelanbietern auch, Luxus nicht als Dekadenz, sondern als Ausdruck von Freiheit, Selbstbe- stimmtheit und kulturellem Stil darzu- stellen. Es ist der wachsende Wohlstand weltweit sowie die Bereitschaft vieler Menschen selbst mit geringerem Ein- kommen, !ür Luxusmarken Geld auszu- geben, die das Geschäft von LVMH an- kurbeln. Insbesondere die neuen Rei- chen aus Asien, Russland und der arabi- schen Welt stellen ihr Luxusleben gern mit Edelmarken zur Schau. Die Pariser machen mittlerweile ein Drittel des Ge- schäfts in China und anderen Staaten Asiens ohne Japan. Das lässt Umsätze und Gewinne kon- tinuierlich steigen. Zwar !ührten Lock- downs im Jahr 2020 zu Rückgängen. Da- !ür war 2021 ein neues Rekordjahr. Mit einem Gewinn von zwölf Milliarden Euro wurde das Ergebnis des Jahres 2020 fast vervierfacht. Diese Entwicklung setzt sich 2022 fort. Im ersten Halbjahr glänz- ten die Franzosen mit einem Gewinn- sprung um 23 Prozent auf 6,5 Milliarden Euro. Sämtliche Kategorien legten dabei zweistellig zu: Luxuskollektionen spiel- ten ein Umsatzplus von 30 Prozent ein, Champagner und Spirituosen legten um 23 Prozent zu, Uhren um 22 Prozent, Par- !üm und Kosmetik um 20 Prozent. Das Geschäft mit dem Luxusimage ist hoch- pro!itabel und erwirtschaftete im letzten Jahr eine Nettomarge von 19 Prozent. An- leger können ferner eine Dividendenren- dite von 2,0 Prozent erwarten. Daneben punktet LVMH, das zu 48 Prozent im Be- sitz der Milliardärsfamilie Arnault ist, mit einer starken Eigenkapitalquote. Luxus geht immer Der Luxuskonzern LVMH schafft es, nicht nur unter den Reichen beliebt zu sein. Auch Kunden mit geringerem Einkommen schmücken sich mit seinen Produkten. Das lässt die Geschäftszahlen des Unternehmens glänzen Endlos schön: In Luxusprodukte wie Schmuck wird im- mer gern investiert -50 0 50 100 150 200 250 Wertentwicklung 5 Jahre in % 10/17 10/1910/18 10/20 10/21 10/22 MSCI World LVMH WKN 853 292 Kurs 612,20 € Börsenwert 308,7 Mrd. € KGV 2023 (erwartet) 21,1 Kurs-Buchwert-Verhältnis 6,1 Dividendenrendite 2,0 % Operative Marge 26,7 % RSI 34,9 % Es gibt wenig Grund zur Annahme, dass Luxus künftig seinen hohen Stellen- wert verlieren wird, zumal !ür vermö- gende Kreise potenziell bremsende Ef- fekte wie Inflation keine Rolle spielen. Und LVMHs Hauptabsatzmarkt Asien ist in Bezug auf die wirtschaftlichen Aus- sichten weiterhin attraktiv. ➝