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Kein schöner Land

Helmut Julius Seibert Kein schöner Land Eine lyrische Gedankenreise Julelyrik

Gedichte aus den Jahren 2013–2015 Ina, meiner Lebensgefährtin und Mutter unserer Kinder, gewidmet

Vorwort Wie schön, endlich halte ich meine Gedichte fein säuberlich zu einem Büchlein gebunden in den Händen! Sie waren mir es wert, auf dass sie nicht achtlos dem Vergessenwerden anheimfallen und in der hinteren Ecke einer Schublade verschwinden. „Die Lyrik ist das Poetische schlechthin. Sie rangiert im unendlichen Abstand von der übrigen Literatur. Sie ist die feinste und reizvollste Blüte der Dichtung. Sie ist Magie. Jedes Wort ist Beschwörung.“ (Novalis) Nun ja, wunderbare Worte eines begnadeten deutschen Dichters, an deren Zauberkraft ich die meiner lyrischen Werke wohl niemals messen werde. Sei’s drum, bei meinen Ambitionen fürs Gedichteschreiben verhält es sich so: In jenem Augenblick, wo ich mich in die Welt der Wortspielereien hineinbegebe, führe ich bei genauerer Betrachtung nichts weiter als einen inneren Dialog mit mir selbst. In ihm erörtere ich das Für und Wider meiner Beobachtungen, reflektiere dazu meine Gedanken und Gefühle und gebe ihnen mit meinen wohlgewählten Worten einen gebührlichen Rahmen. Wenn dann bei allem Wohlklang der Sprache auch der Kerngedanke meiner Erkenntnisse und Botschaften zutage tritt, dann stellt sich ein freudiges Gefühl von Dichterglück bei mir ein. Die Inspirationen für meine Schreibereien stellen sich auf recht unterschiedliche Weise ein. Das kann beim Grü- beln nächtens im Bett der Fall sein, beim Mittagessen ebenso wie bei einer Sitzung auf dem stillen Örtchen, oder zuweilen auch während der Arbeit. Dann werden im weiteren Verlauf und in geruhsamer Atmosphäre die losen Gedankensplitter geordnet, aus- formuliert und fein säuberlich niedergeschrieben, und fertig ist die Laube.

Denkste, ganz so einfach ist es dann meist auch wieder nicht! Denn in diesem Augenblick, wo es um die End- fassung der Dichtereien geht, beginnt unter Umständen erst ein zähes, mühseliges Ringen um die ultimativen Worte, die meinen Gedanken Flügel verleihen, und auch die Suche nach einer trefflichen Metrik, auf dass sich die Verslein später möglichst geschmeidig lesen lassen. Doch Schluss jetzt mit den einleitenden Worten; bilde sich doch ein jeder, der das Büchlein in die Hände be- kommt, zu der ganzen Chose einfach seine eigene Meinung. Mein Dank an dieser Stelle gilt Ansgar, seines Zeichens Märchenerzähler, Spielmann, Dulcimer- und Dreh- leierspieler. Er hat mir Mut gemacht, wenn Selbstzweifel aufkamen. Auch Martin, OStR a. D., sei an dieser Stelle herzlich gedankt. Ihm hatte ich die Bitte angetragen, ein prüfendes Auge auf diese Arbeit zu werfen. Und nicht zuletzt war für mich das Know-how von Werner, Verleger aus Heidelberg, für die Erstellung einer digitalen Druckvorlage und die Umschlaggestaltung von allergrößtem Wert. Helmut Julius Seibert Dielheim, Oberhof, im Januar 2016

Ich dichte Ich dichte, weil ich mit Worten munter schweben kann, in meinen Träumen bis zum Ende dieser Welt, zuweilen haben sie die Wirkung einer Lanzenspitze, die mit der Hand dahingeworfen das Ziele mittig trifft, so wie es mir gefällt! Ich dichte, weil nicht die Vielzahl schöner Worte und Redefluss allein Gedanken trefflich wiedergeben. Ich dichte, weil nur die wohlgewählten Worte, in wunderbare Reime eingebettet eben, den wahren Kern der Botschaft zutage fördern und belegen. Ich dichte, weil Worte wie ein Sommerregen die bunten Blüten meines Geistes nährt und nässt und mit der Harmonie der Worte, ein jedes dann an seinem vorbestimmten Orte, in deinem und in meinem Kopf zu einem Bilde werden lässt. Hm, warum dichte ich eigentlich?

Ich dichte, weil mich das Fügen und Taxieren, die Worte wägen und lancieren, entspannt und auch belebt sogleich. Ich dichte, weil ich dabei den Sinn der Worte nicht verliere, die ich bereits als Kind gelernt beim Vorwärtsgehn auf allen vieren, an denen unsre Muttersprache ist so reich. Ich dichte, weil oft im Eifer langer Diskussionen der Kern, um den die Worte ranken, im Trubel vieler Stimmen entgleitet und verloren geht und mit ihm alle Feinheit jener Worte, die eben von der guten Sorte, im lauten Stimmgewirr Herbstblättern gleich ins Nirgendwo verweht.

Ach, wir Poeten Während wir feinsinnig reimen und dichten, bemüht, exzeptionelle Gedanken zu lichten, uns ergeben im Wörterpfuhl wälzen und suhlen, unser Stilgefühl steigern, kultivieren und schulen. Wie Schöngeister halt und auch Phantasten die Metrik von Versen erfühlen, ertasten, um Wohlklang unserer Reime ringen, bis munter die Worte singen und springen. Ästhetisch besessen und auch galant, bisweilen betont arrogant, larmoyant, entfalten wir pure Innerlichkeit, zu der nur ein Schöngeist imstand und bereit. Wollen sprachlich Vollendung erringen, eitel den Olymp der Dichtkunst erklimmen. Im Mühen um Ansehen, Würden und Weihen wir Worten mächtige Flügel verleihen. Wollen klug und weise Fragen durchdringen, mit Sprache die Pein dieser Welt niederringen, im Guten und Schönen uns wohl und erhaben genüsslich dran freuen, drin baden und laben. Während wir also sitzen und schreiben, gedanklich im Tiefsinn versunken verweilen, verschwurbelt die Sprache und oft nicht zu fassen, hier und da auch für uns, geschweige die Massen. Derweilen im warmen Sonnenschein draußen vorm stillen Kämmerlein der Alltag mit all seinen Mühen und Plagen und Menschen ringsum, die nichts dazu sagen. Aber nein, auch wenn es sich manchmal so anhören mag: Wir Poeten tragen ganz sicher nicht die Last der Welt alleine auf unseren Schultern! „Man rettet gern aus trüber Gegenwart sich in das heitere Gebiet der Kunst, und für die Kränkungen der Wirklich- keit sucht man sich Heilung in des Dichters Träumen.“ (Ludwig Uhland, 1787–1862)

Ahoi! Was, wenn die Möwe schreit beim Schiffbruch in den Wogen? Was, wenn das Land zu weit für Crew an Seil und Schoten? Was, wenn nach kurzer Zeit draußen das Postschiff sinkt? Was, wenn kein Kahn bereit, der Menschen Rettung bringt? Was, wenn der Zyklon tobt und Schauer bricht herab? Was, wenn der Peilfunk tot und Kräfte werden knapp? Was, wenn das Rettungsboot im Wasser treibt kieloben? Was, wenn in dieser Not kein Flugzeug kommt geflogen? Was, wenn ein Ruf erschallt aus tiefem Meeresschlund? Was, wenn er fern verhallt, im Sturmeswind verstummt? Was, wenn in dieser Nacht nicht mal die Sterne leuchten? Was, wenn der Donner kracht, dazu nur Menschen keuchen? Was, wenn mit einem Mal Schatten so aus den Tiefen? Was, wenn der weiße Wal vernahm, dass Menschen riefen? Was, wenn die Möwe lacht Ahoi laut in den Morgen? Was keiner je gedacht, die Seelen sind geborgen. In Nebenbedeutungen dient ahoi als Gruß, Warnung oder Abschiedsformel. Im deutschen Brauchtum wird ahoi als regionaler Karnevals- beziehungsweise Fastnachtsgruß verwendet. (Wikipedia) Auf jeden Fall handelt es sich um ein Gedicht wahrlich mystischen Inhaltes. So sehe ich im Ablauf des tragischen Geschehens, mitsamt der mysteriösen Rettung aus der Tiefe, auch einen spirituellen Hintergrund.

Sehnsuchtsort Sehnsucht, das ist jener Ort, den auch du nicht findest. Kaum wähnst du dich wirklich dort, eiligst er entschwindet. Wollt mich auf die Reise machen, ziehen in die Welt, wandern auf des Schusters Rappen, gleichwie’s mir gefällt. Wollte raus aus meinem Haus, streben in die Fremde, mutig in die Welt hinaus, wo ich Neues fände. Wollte mir mein Ränzlein schnüren, Hosen, Strümpf und Schuh. Reisefieber wollt ich spüren, jetzt und immerzu. Ein Ort meiner Sehnsucht. Ist das eine Illusion, oder gibt es ihn vielleicht doch an irgendeiner Stelle, und wenn ja, wo finde ich ihn? Wollte über Stock und Stein durch die Lande streifen, wollte wie ein Vogel sein, frei in Himmelsweiten. Wollte über Berg und Tal, ohne Weh und Klagen, unermüdlich allemal, tapfer nie verzagen. Wollte unterm Himmelszelt weich im Grase liegen, ohne Geld, wo’s mir gefällt, mich im Schlafe wiegen. Wollte früh am Morgen dann munter auf den Beinen folgen meinem Wanderdrang, weiter vorwärtseilen.

Wollte auf des Berges Rücken ohne Seil und Haken, weil nur so wärs ein Vergnügen, mich hinaufzuwagen. Wollte weit hinaus aufs Meer, trotzen Wind und Wogen, bis die Segel nass und schwer auseinanderstoben. Wollte tauchen auf den Grund, tief hin zu den Kraken, runter bis zum Meeresschlund, wo Gefahren warten. Wollte gern gesellig sein, froh in großen Runden, dann auch wieder ganz allein kosten stille Stunden. Wollte suchen Gold und Geld, gar ein Mädel fein, das da draußen in der Welt liebt nur mich allein. Wollte all die Dinge tun, derer noch viel mehr, wollte auch nicht eher ruhn, bis die Glieder schwer. Wollte dann zurück nach Haus, wieder zu dem Ort, von dem meine Sehnsucht aus führte mich weit fort.

Vom Nichtstun Wenn früh der Tag nach einer kurzen Nacht ganz unerbittlich wieder soll beginnen, ein kurzes Augenblinzeln meiner Augenlider nur ganz sacht und leise Seufzer mir klagend über meine Lippen rinnen. Im Zustand elend faul und splitternackt, geb mich getrost der Unlust hin ganz unberührt vom Laufe dieser Welt, gleichwie es jeder kleine Faulpelz macht, dem Ruhe einfach mehr an Wert als schöne Güter, Gold und Geld. Ich dreh mich rum so auf die andre Seite nur und bleib getrost in meinem warmen Bette liegen. Zieh mir die Decke bis über Kopf und die Frisur, bis mich die Engel im tiefen Schlafe wieder wiegen. Was stören mich die Zeiger dieser kleinen Uhr, wenn mir das Liegenbleiben heute früh so gut gefällt. Der Müßiggang, der ist nun mal des Mensch’ Natur, wir sollten ihn doch hin und wieder pflegen, gerade auch in dieser ach so aufgeregten Welt. Eine häufige Empfehlung in sogenannten Lebensratgebern lautet: Einfach mal nichts tun! „Nichtstun ist die allerschwierigste Beschäftigung und zugleich diejenige, die am meisten Geist voraussetzt.“ (Oscar Wilde)

Eigentlich Eigentlich wollt ich schon lange mal die Welt bereisen, einfach mal weg von hier und endlich fremde Orte sehn. Wollt meine Koffer packen und auf den Weg mich machen, um andren Menschen zu begegnen und auch zu lernen, die Welt da draußen vielleicht ein bisschen besser zu verstehen. Eigentlich, so denk ich oft, gäb es in meiner freien Zeit doch weitaus Besseres zu tun, als mich bequem auf meiner alten Couch zu rekeln, um mich von meinem Nichtstun sattsam auszuruhn. Eigentlich wollt ich schon oft frühmorgens aus dem Bett und in den nahen Walde gehn, dort lauschen, riechen, hören, staunen, vielleicht mit etwas Glück ein scheues Reh in einer Lichtung stehen sehn. » Wer kennt dieses Szenario nicht: „Meine To-do-Liste liegt neben mir. Alle Punkte, die mir eingefallen sind, sind mit Prioritäten versehen. Jetzt wäre es nur noch ein kleiner Schritt, diese Liste abzuarbeiten. Bis es so weit ist, vergeht Zeit, Zeit mit kreisenden Gedanken, mit Hinterfragen, Selbstzweifel, Motivationslosigkeit. Darauf folgen: Schuldgefühle, denn eigentlich sollte ich doch… ich muss doch jetzt mal endlich… ich hätte doch…“ (Ulrike Bergmann, Die Mutmacherin)

Eigentlich, so wünsch ich mir schon lange, mit einem Flugzeug in der Luft zu sein. Ich flöge über Städte, Berge, Täler weg und bildete mir ein, ich hätt die Welt dort oben in diesem Augenblick so ganz für mich allein. Eigentlich gefiel es mir sogar, zu tanzen, zu turnen, vielleicht in einem Chor zu singen, nur aufzustehn und endlich auch mal hinzugehn: Es mag mir ob der Trägheit meines Willens einfach nicht gelingen. Eigentlich bin ich ein Mensch wie du mit Träumen und Ideen und Wünschen eben auch, die meine große Sehnsucht schüren. Ganz klar, es stört mich mittlerweilen an mir auch, nie aus dem Haus zu gehn und mich stetsfort im öden Einerlei des Nichtstuns zu verlieren. Denn eigentlich, so meine ich, wär es doch endlich an der Zeit, beherzt den kleinen Schritt zu wagen, der netten Nachbarin von nebenan ganz mutig und verwegen, vielleicht ein bisschen unbeholfen und wie ein Jüngling auch verlegen, endlich ein liebes Wort ins zarte Ohr zu sagen.

Eigentlich würd ich ja ach so gerne bei ihr liegen und inniglich in Zweisamkeit mit ihr verweilen, so lieb ich sie in meiner Fantasie nur aus der Fern; es ist ein wahrer Graus mit meinem „eigentlich würd ich ja gern“ zuweilen. Eigentlich hab ich in all den Lebensjahren den wahren Reiz, das Wünschenswerte eben auch zu tun, zu meinem großen Kummer leider nie erfahren. Zum Regen und Bewegen wär es doch wirklich an der Zeit, versprochen, ab morgen bin ich fest entschlossen zu einem Neuanfang bereit, es hat ein Ende mit meinem ewiglichen Selbstbedauern und Wehklagen.

Wen ständig Zweifel plagen, bei allem was er tut, beschleicht nur Unbehagen, wenn er Entscheidung sucht. Wer nur auf Schönheit zielt, bleibt allem Innern fern. Wer nur auf Äußres schielt, sieht nicht den Wesenskern. Wer sich blasiert erhebt, wird sicher auch mal fallen, weil er gefährlich steht, allein so über allen. Wer nur Gewohnheit kennt Wer nur Gewohnheit kennt, will nur in ihr verweilen. Wer nicht vor Neugier brennt, wird ihr auch nie enteilen. Wer nicht nach draußen sieht, dem bleibt das Leben fremd. Wer nicht dem Trott entflieht, ewig im Kreise rennt. Wer nur im Kreise rennt, kann niemals wissend sein. Wer nur Banales lernt, weiß halt nur das allein. Wer ohne Sonnenlicht, harrt in der Dunkelheit. Wer nur im Trüben fischt, dem schlicht der Zufall bleibt. Wer frei von Lebenslust, schaut oft betrüblich drein. Dem ist halt nicht bewusst, es könnt auch anders sein. Wer sich nur selbst belügt, gewahrt wohl irgendwann, dass nur die Wahrheit siegt in seinem Lebensplan. Gewohnheit als Grundfeste zur Lebensbewältigung einerseits und Entwicklungshemmnis andererseits. Und ja, es gibt nun mal Gewohnheiten des Fühlens, Denkens und Verhaltens, die uns dabei wunderbar helfen können, uns das Leben gemütlich einzurichten. Aber: „Machen Gewohnheiten uns zu Marionetten, die nur auf die Zuckungen in den Synapsen unseres Hirns reagieren? Wo bleibt der freie Wille, an den der aufgeklärte Mensch so unabdingbar glaubt?“ (William James, amerikanischer Philosoph und Psychologe)

Wer ohne Herzlichkeit, sucht Sympathie vergeblich. Wer ständig tobt und schreit, der scheitert meist ganz kläglich. Wer ohne Mitgefühl, kann schlecht auf Nachsicht hoffen, wird ihm die Last zu viel, machts niemanden betroffen. Wer nicht zum Dank bereit, erfährt der Hilfe spärlich, doch grad in schwerer Zeit ist die ganz unentbehrlich. Wer ohne Liebe gar, lebt meist für sich allein. Wem großes Leid geschah, kann schwer nur glücklich sein. Wer nur sich zugeneigt, kann keine Gunst verschenken. Wer nur auf andre zeigt, sucht auch nur abzulenken. Wer nur entgegennimmt, ohne auch selbst zu geben, dem ist gewiss bestimmt ein kümmerliches Leben. Wer nur nach Reichtum strebt, giert nicht nach Lebenssinn. Wer nur im Luxus lebt, dem ist nur Geld Gewinn. Wer Geld im Überfluss, will meist noch mehr davon. Wer frei von Überdruss, sieht nur in Dingen Lohn. Wem wenig ist genug, schätzt die Genügsamkeit. Wer nur nach Gütern sucht, vergeudet seine Zeit.

Larmoyanz Die Chose hört nicht auf, das kann ich euch wohl sagen, sie nimmt halt ihren Lauf, trotz meiner endlos’ Klagen. Denk oh du heile Welt, in die du reingeboren, mein Leben schien bestellt, nun geht mir meine Zuversicht verloren. Die Erde bricht entzwei, das ist gar keine Frage, steh fassungslos dabei, ganz aussichtslos erscheint mir meine Lage. Das Grauen dieser Welt, die Kriege und der Hass, der Kampf ums liebe Geld, die Gier nach Macht, wie krass. Schon lange ahnte ich, so einfach ist das nicht, zu denken lediglich, dass mich das nicht anficht. Ich bildete mir ein, mit meinen moralinen Klagen ein guter Mensch zu sein, wie konnt ich überhaupt so was zu denken wagen? Larmoyanz (von französisch larme, ‚Träne‘) ist ein bildungssprachliches und (heute) abschätziges Lehnwort für Rührseligkeit und sentimentale Überempfindlichkeit bis zur Wehleidigkeit, Weinerlichkeit und zu ausgeprägtem Selbstmitleid. Adjektiv: larmoyant (rührselig, sentimental, weinerlich). (Wikipedia)

Da war doch manche Hand, die ich hab übersehen, kein Groschen, den ich fand beim raschen Weitergehen! Da waren manche Tränen, die mir total egal! Untaten, die mich grämten? Vielleicht ein andermal! Erklang ein Hilfeschrei, hab ich den überhört. Die Not, mir einerlei, hat mich total gestört! Doch jäh kam die Caprice, dass mich spontan momentum der böse Spuk verließ, so groß war doch mein Irrtum. Mein selbstsüchtiges Klagen, so meine Kognition, ich würde fast mal sagen, flog einfach so davon.

Ich fass es einfach nicht Es ist ja nicht zu fassen, seh überall nur lachende Gesichter, die durch die Straßen gehen. Nur meines guckt verkniffen in neonblaue Lichter, ich kann es ja nicht lassen, in Ladenfensterscheiben mich ständig selber anzusehen. Ich schaff es einfach nicht, mein Ego gegenüber als jenen zu erkennen, als der ich ihm taxierend gegenüberstehe. Was ist das nur für eine refüsierte Sicht auf mich, ich könnte auf der Stelle einfach flennen, berapple mich, bevor ich meines Weges weitergehe. Was ist eigentlich bloß los mit mir? Bin in der Stadt unterwegs und sehe überall nur lachende Gesichter. Neulich im Kino gings mir ähnlich: Alle lachten plötzlich los und ich dachte so für mich: „Oh Mann, lachen die jetzt wieder mal alle über dich?“

Entscheidung Sternendeuter, sage mir, wie die Dinge stehen. Verweil an einer Kreuzung hier, muss doch weitergehen. Wohin führt der eine Weg, der sich aufwärtswindet, wohin führt der über’n Steg, der im Wald entschwindet? Soll ich nun das Bächlein queren zu dem Walde hinnen, soll ich meine Kräfte zehren auf zu Berges Zinnen? Wäge hin und wäge her, wäg das Für und Wider. Will den Weg, der nicht so schwer, müde meine Glieder. Gib mir deinen weisen Rat, muss mich doch entscheiden. Welches ist der beste Pfad, den es lohnt zu schreiten? Selbst am Abend wart ich noch hier auf dieser Wiese. Sternendeuter, hilf mir doch, führ mich aus der Krise. Google: Ent·schei·dung, Substantiv [die] das (auf der Basis von jmds. Autorität) erfolgende Festlegen des Willens, um eine Sache in eine bestimmte Richtung zu bringen.

Draußen im Garten Hör Schritte draußen vor dem Tor, die um das Haus herum, am Apfelbaum vorbei, hinter den Büschen sanft hervor leis in die Nacht entschwinden. Seh, wie die Schatten sich empor, vom Fenster aus, vielleicht sinds drei, die Tannen stehen noch davor, zum Wege hin sich ducken, drehen, winden. Hör Stimmen hauchend, wispernd, die zueinander raunen, verlieren sich im Dunkel dieser Nacht, ganz unvernehmlich flüsternd, enteilen aus dem Garten, durch Hecken weg, zurück bleibt nur mein stilles Staunen. Ich staune über mich und meine Ängstlichkeit, die mich in dieser Nacht so leicht befällt. Ich staune über meinen Argwohn, der meine Augen, Ohren weit, die Lippen aber fest verschlossen hält. Wie seltsam fühl ich mich zu dieser Stunde, um meine Ruhe, um meinen Seelenfrieden fühl ich mich gebracht durch leise Stimmen, durch Menschenschritte, die dreh’n in meinem Garten ihre Runde, in dieser wolkenschwer verhangenen Nacht. Gruseliges Gefühl zu später Nachtstunde. Allein zu Hause und merkwürdige Geräusche draußen vor dem Haus. Ich gucke durchs Fenster und sehe huschende Schatten. Will da jemand was von mir?

Lebensgeister Noch liegt die Welt in grauem Dunst verhangen und aus den Nebelschwaden dringt fahles Sonnenlicht. Die Strahlen zögerlich berühren zärtlich meine Wangen und kühler Morgentau benetzt mir wohlig mein Gesicht. Früh steh ich hier und blicke in die Ferne, doch durch das Dämmerlicht dringt noch kein Bild zu mir. Nein aber, über Felder weg, drüben am Rand der Strahl einer Laterne, erlaubt mir eine vage Sicht auf Häuser und auf Gärten, die neben und so hinter ihr. Und regsam jetzt die Geister, die in des Lebens Innern, sie schlummerten verborgen in Wiese, Wald und Flur, wie auch im Sonnenlicht und in des Nebels Grau, erheben ihre Stimmen froh und heiter, im Reigen die bunten Tanzgewänder schimmern, seh ihre Spuren nur, weiß aber um ihr Hiersein ganz genau. Tief in unseren Genen verankert ruht immer noch der schlichte Glaube unserer Ururahnen an Geister, die Bestimmer und Lenker allen Lebensgeschicks. Trotz neuzeitlicher Glaubensmodelle erleben auch heutzutage rational denkende Menschen manchmal kurze Momente, in denen sie sich dieser suspekten Geisterwesen erinnern und sich von ihnen auch Hilfe erhoffen.

wir abziehbilder wir sind nicht jener, den leute in uns sehen. wir sind nur abziehbilder die schräg im rahmen stehen. es ist viel schein, wie wir uns fortbewegen. nur wenn allein, ist unser selbst zugegen. wir tragen masken zum hintendran verbergen. wir ziehen fratzen, die unser ego stärken. zum beispiel ist was los, wenn wir den kasper geben, das wirkt total famos auf menschen derentwegen. obgleich die emotion, die tief in unsren herzen, würden gern auf, davon, weil uns gefühle schmerzen. das partyrumgetue, hier und mal da ein küsschen. was will denn diese kuh? mag sie kein kleines bisschen! Unsere zwischenmenschlichen Interaktionen wirken in bestimmten Situationen manchmal ziemlich maskenhaft. Die Übungen des konventionellen Umgangs miteinander sind hier aber gar nicht gemeint. Sie dienen auf sinnvolle Weise durchaus der reibungslosen Alltagsbewältigung. Aber mal ehrlich, erkennen wir uns nicht alle in dieser Überzeichnung irgendwie wieder? mir ist jetzt gar nicht wohl, mit jenem rumzuscherzen, es wirkt schon fast frivol, ihn dabei auch zu herzen! es ist ein teufelskreis, in dem wir uns bewegen, wir machen’s beste draus, auch wenn wir zweifel hegen. quält dich ein unbehagen, dann lass die maske fallen. das hat nur einen haken: nicht jedem wirds gefallen.

Fremdschämen Singst du laut, jeder schaut, ob die Töne wohl und eben. Du dich aber trotzdem traust, auch wenn du daneben haust, gucken manche ganz betreten. Oh Gott, was der da macht, wie peinlich! Wir fühlen mit und leiden. Soll aber auch heißen: Wir meinen besser zu sein als er.

Über die Wahrheit Wahrheit, welch ein großes Wort, schon seit Kindertagen mühen wir uns immerfort, sie tunlichst auch zu sagen. Zweifelsohne Wahrheit ehrt, fördert unsre Würde. Einem, der sich nicht drum schert, ist sie eine Bürde. Wahrheit ist des Menschen Zier, selbst wenn sie oft kärglich, Wahrheit, ja, das sag ich hier, ist manchmal auch gefährlich. Wahrheitsstreben allemal heißt die Direktive, oftmals ist sie zweite Wahl, je nach der Perspektive. Solls partout die Wahrheit sein und nicht die Legende? Schmeckt dir wirklich reiner Wein? Schreckt sie dich am Ende! Wahrheit je nach Faktenlage, aber jetzt mal ehrlich: Fördern Zeugen sie zutage? Wenn, dann oft nur spärlich! 73 Prozent aller Deutschen sind der Meinung, dass es Situationen gibt, in denen man lügen muss, beispielsweise aus Höflichkeit, Rücksicht, Mitleid, Liebe und um andere zu schützen. Im Widerspruch dazu steht, dass 74 Prozent sich tief verletzt fühlen, wenn sie herausfinden, dass sie belogen wurden. (Sonntagsblatt online)

Wahrheitsliebe, wie adrett, Wahrheit, wie erbaulich! Wahre Worte, gar nicht nett, oftmals nicht mehr traulich. Wahrheit, dieses Seelengut, edel, brav und rein. Manchmal braucht es etwas Mut, wahrhaftig auch zu sein. Unverblümte Ehrlichkeit, Wahrheit, die verletzt, Wahrheit, die ganz jäh entzweit, weil du sie so schätzt. Wahrheit macht, auch das ist wahr, einsam und allein. Viel gerühmt, das wird sie zwar, doch vielen ist sie Pein. Meistens liegt der Wahrheitskern tief in uns verborgen. Suchst du ihn aber in der Fern’, dann suchst du auch noch morgen. Wie geh ich jetzt mit Wahrheit um, lass ich sie lieber sein? Vielleicht gehts eher doch darum, zu leuchten nur im Schein! Wahrheit immer? – eher jein, oftmals die Legende. Zur rechten Zeit gibts reinen Wein, so scheints mir gut am Ende.

Vom Mythos Geld Prinzipiell ist Geld ein dürftig Tauschobjekt, nichtsdestotrotz die Welt sich feucht die Finger leckt nach diesem Stück Papier, das erst mal gar nichts wert. Bedruckte Zahlenzier, was aber niemand schert. Doch die Nigromantie, die eigen jedem Geld, befördert die Manie: „Ich kauf mir diese Welt.“ Woher der große Wert, der scheint in jedem Geld, das uns total verzehrt, den Blick auf uns verstellt? Jetzt sei mal unterstellt, die Theorie sei wahr, was Geld verspricht, auch hält, das wär ja wunderbar! Nämlich des Geldes Wert, der sei wie eine Sache, die These ist verkehrt, er ist nur pure Mache! Monopoly. Können Banken Geld „aus dem Nichts“ erschaffen? Manchmal scheint es mir so. Ich sehe das auf meine vielleicht einfältige Art folgendermaßen: Realer Wert stellt das tatsächlich Geschaffene dar, fiktional dagegen sind die Buchungswerte der Spekulanten an den Börsen.

Was krieg ich für mein Geld, das meiner Mühe Lohn, wenn dessen Wert verfällt, was hab ich dann davon? Vielmehr sind es nur Lügen der Täuscher und der Trickser, die skrupellos betrügen, weil Spekulantenfixer. Der Wunsch nach Sicherheit des Geldes ist Fiktion. Predigt von Sparsamkeit ist nichts als übler Hohn! Die Lüge ist entlarvt, der Mythos von dem Geld. Wir tun ganz unbedarft, weil Träumen uns gefällt. Du bist nichts als ein Popanz, ein Albtraum, das bist du, mit deinem Börsentanz stiehlst du mir meine Ruh! Zuletzt ein schlechter Witz, wenn auch Realität, bemerke hier ganz spitz: „Zur Umkehr ists zu spät.“ Geld frisst sich selber auf, es soll dir gar nicht dienen, weil Börsianer zuhauf, wie Kinder damit spielen.

Tratsch Quatsch mich doch bitte nicht mehr an, ich hab genug von deinen lächerlichen Klagen. Hör bitte auf, weil ich auf Dauer dein Gerede nicht mehr hören kann, ich bin es ja so leid mit dir nach all den vielen Jahren! Ja sicher ist auch hier und da ein Stückchen Wahrheit dran, doch will ich mir den ungetrübten Blick auf meine Nächsten wahren. Ich sehe mir die Welt und ebenso die Nachbarn aus meiner eignen Perspektive an und bin bisher, so wie ich mein’, ganz gut damit gefahren. Nimms mir nicht krumm, dass ich dir endlich einmal sage, wie mich dein ewigliches Zetern und Geschimpfe maßlos stört. Ich tue das ganz freiheraus, so gern ich dich auch habe, ich hoffe, du findest meine Offenheit nicht all zu unerhört! „Wenn alles sitzen bliebe, was wir in Haß und Liebe so voneinander schwatzen, wenn Lügen Haare wären, wir wären rauh wie Bären und hätten keine Glatzen.“ (Wilhelm Busch)

Die Schuld an deinem Unglück haben immer nur die andern, sie gönnen dir nicht einen Zipfel deines Glücks. Sie sind bestrebt, dein Wohlbefinden stets zu unterwandern und meucheln feige deinen guten Ruf so heimlich, still und leise hinterrücks. Ganz ehrlich, ich wollte niemals mit dir tauschen, viel lieber ist mir doch der Nachtigall Gesang im lauen Abendwind, anstatt dem Tratschen und Gerede immerzu zu lauschen, nur um zu hören, wie scheinbar schlimm doch alle andren Menschen sind.

Erkenntniswert Ich will jetzt nicht pathetisch sein, doch es ist allerhand, plötzlich scheints keinen mehr zu stör’n, wenn auch ein jeder fand: Dass wir die Nöte dieser Welt, und das als Konsumenten, verringern könnten mit dem Geld, das wir zuhauf verschwenden. Was mich am Ende manchmal stört, ist Apathie total. Was heute euch zu Recht empört, morgen schnurzpiepegal. Der Einigkeit wie lange nie herrscht in der Laberrunde, und heute nur noch Lethargie, Gleichgültigkeit im Grunde. Schon lange schafft es mir Verdruss, Moralinstanz zu sein. Wer was im Grunde tun muss, weiß jeder doch allein! Ich suche nach Erkenntniswert, der in die Praxis mündet, hier läuft doch irgendwas verkehrt, wenn jeder nur verkündet! So krude Thesen, Theorien, Beiwerk, Rechthaberei. Beschickert dann von dannen ziehen, welch eine Narretei! Für den Begriff Erkenntnis existiert keine einheitliche Definition. In einer ersten Annäherung kann man Erkenntnis als den Prozess und das Ergebnis eines durch Einsicht oder Erfahrung gewonnenen Wissens bezeichnen. (Wikipedia)

Illusion Nun hab ich dich verloren, du hast den Platz geräumt, den ich für dich erkoren, als ich von dir geträumt. Für dich in meinem Herzen, du schöne Illusion, dein Fehlen wird mich schmerzen, nun fliegst du mir davon. Hinweg über die Meere in dieses fremde Land, auf dass sie wiederkehre, die Kraft, die uns verband. Mit dir in aller Stille will mich getrost begnügen, es ist mein fester Wille, der frei von Trug und Lügen. Auf dass ich munter treibe dahin so ohne Sorgen, auf immer bei dir bleibe, nicht heute nur, auch morgen. Illusion, „beschönigende, dem Wunschbild entsprechende Selbsttäuschung über einen in Wirklichkeit weniger positiven Sachverhalt.“ (Duden) Ich jedenfalls lasse mich gerne von den raffinierten Kunststücken eines Illusionisten verzaubern, auch wenn sie vielleicht nur Schwindel sind!

Mannomann Du tust so cool blasiert, so übertrieben distanziert, du scheinst so souverän, fast arrogant, so schneidig und verwegen. Du machst den Wichtigtuer so unverschämt und dreist, ja völlig ungeniert, du bist in konvivalen Runden auch nie um einen guten Spruch verlegen. Dir folgen unentwegt die Menschen mit ihren scheelsüchtigen Blicken, dir wird zu jeder Zeit und überall ein neidvoll Augenmerk zuteil. Dir liegen sie zu Füßen, die Frauen mit der Schmacht in den Gesichtern und Entzücken, dir machen sie die allerschönsten Augen, ergeben deiner attraktiven Strahlkraft alleweil. Du hängst die Nächte über in angesagten Schuppen ab, du wachst am nächsten Morgen in fremden Betten wieder auf. Du hältst mit deinem Sexappeal die Frauen um dich rum so unentwegt in Trab, du nimmst dabei gebrochne Mädchenherzen ganz locker auch in Kauf. Dir ist Bescheidenheit nichts weiter als ein leeres Wort, dir scheinen Zweifel an dir selbst so völlig fremd zu sein. Dir ist Erfolg beschieden bei allem, was du tust, und machst in einem fort, dir stellt nicht mal der Teufel so ab und an ganz hinterrücks ein Bein. Macker, norddeutsch: Kamerad, der gleichzeitig Chef ist, so der Kapitän und Schiffseigner zum Beispiel auf einem Fischkutter, auch allgemeiner: jemand, der eine Chefposition innehat. Umgangssprachlich, abwertend: Mann; oftmals jemand, der mindestens etwas fremd ist und mit dem Beiklang Chauvi, Macho. (Wiktionary)

Du hockst die Tage über in schummerigen Kneipen, du hast dort Hauskredit mit deinem guten Renommee. Du würfelst, um dir die Langeweile zu vertreiben, du zockst um einen Aquavit, um Geld, und manchmal auch um eine Linie Schnee. Dir fehlte es noch nie an Komfort, Zaster und Moneten, dir standen immer schon die schönen Dinge dieses Lebens auch bereit. Dir sind sie zugeneigt, die schlauen Leute, wie auch Verlierer und Proleten, dir war das Glück schon immer hold, egal, wie auch die Zeichen standen zu der Zeit. Du ziehst nur die Klamotten von Designern an, du trägst ’ne Rolex an der Hand, gewonnen bei ’ner geilen Wette. Du gelst dein Haar so glatt zurück und duftest nach Chanel, oh Mann, du wirkst noch nicht mal peinlich rausgeputzt mit deinem Jesuskreuzchen an der Kette. Ganz ehrlich, in meinen Augen bist du ein echter Obermacker, dein Habitus wirkt mächtig aufgeblasen, so überzeugt von sich und einfach nonchalant. Ich sehe mich im Gegensatz zu dir als blässlicher Korinthenkacker, der immer nur recht kleine Schritte tut, besonnen, mit seinem Rücken zu der Wand.

Nach durchzechter Nacht Hab die Nacht zum Tag gemacht, will nach Haus und blick versonnen auf die Stadt, die aufgewacht, bin vom Feiern noch benommen. Überall herrscht reges Treiben, Menschen laufen, bleiben stehen, hier, um was zu unterschreiben, dort, um sich was anzusehen. Schlendere durch schmale Gassen, die zur Straße seitwärts liegen, hier sind nicht die Menschenmassen, die sonst rempeln, stoßen, schieben. Bröselige Hausfassaden, Filmplakate kleben bunt. Unten noch ein kleiner Laden, Billigwaren, nichts als Schund. Lass das Viertel hinter mir, kehre in den Lärm zurück, ein’ Espresso wünsch ich mir, fehlt mir jetzt zu meinem Glück. Seh dem Straßenmaler zu, Kreidebild, das mir zu Füßen, zeichnet er in aller Ruh, Leute, die mich kennen, grüßen. Ruhepause in der Sonne, auf der Bank am Stadtparksee. Ach, was ist das eine Wonne, wenn ich hier spazieren geh. Kinder, die am Bache spielen, mit dem Fahrrad Runden drehen. Leute, die im Grase liegen, Penner, die am Kiosk stehen. Nach einer feuchtfröhlich-unterhaltsamen Nacht in meiner Kneipe überkommt mich am frühen Morgen bei meinem Katerbummel durch die Stadt ein sehr angenehmes Gefühl schläfriger Zufriedenheit.

Traute Lieder in der Ferne, hör die Stimmen hell und klar. Heute noch hör ich sie gerne, Kinderzeit, die einmal war. Drüben aus dem Kirchturmbogen Glockenschlag zu jeder Stund. Über mir ein Regenbogen, seine Farben schimmernd bunt. Regenschauer geht danieder, mache mich nun endlich auf. Donnerschläge hallen wider, weit über die Stadt hinaus. Bunte Sonnenschirme fliegen, Wirbelwind trägt sie hinfort. Unter Bäumen, die sich biegen, such ich einen sich’ren Ort. Kleiner Abschluss für die Nacht, noch ein Gläschen bei Giuseppe. Ein Merlot, im Abgang sacht, danach schlaf ich, jede Wette!

betroffenheit deine betroffenheit, mein lieber, die anteilnahme an dem leid der menschen hier und da, ich bin sie einfach über. dein mitgefühl, mein guter, hier läuft was aus dem ruder, es ist so nervig penetrant, ich bleib da ganz entspannt. lass es mal wieder raus, dein unbeschwertes lachen, und denk doch einfach mal für stunden nur an dich. lass uns doch heut zusammen mal wieder einen schönen abend machen, zum kümmern dann, so nimm doch endlich auch mal wieder bitte mich. „Sei eine Rose statt eine Mimose.“ Menschen mit überzogenen Betroffenheitsanwandlungen können die schönen Seiten des Lebens oft nicht mehr genießen. Sie haben nur noch ein Auge und Ohr für die Nöte der anderen und vergessen dabei sich selbst, den Partner und gute Freunde.

Etliche später noch, bis ich dann weggezogen, heut noch die Kneipe roch wie damals, ungelogen! Ach, und die schöne Gerda stand immer hinterm Tresen, auch die war heute da, sie war mein Schwarm gewesen. Seh mich im Spiegel an und denk im Wirtshausklo: Bist auch nicht besser dran, dir geht es ebenso! Ist mal die Kneipe dicht, aus diesem Ort verschwunden, mein Herz mir zwar nicht bricht, doch bleiben kleine Wunden. Wehmut Nach ach so vielen Jahren bin ich mal wieder hier, such Neues zu erfahren bei einem kühlen Bier. Mach Sachen, du sagst, auf kurze Sicht machen die kurzerhand die kleine Kneipe dicht? Wie nebenan der kleine Krämerladen, der kam schon früher dran, wie hier die Nachbarn sagen. Als Kinder kauften wir von unsrem Taschengeld, was war das ein Plaisir, die Wundertütenwelt! Und überhaupt war klar, neben der Zuckerkringel die Prickelbrause war das höchste aller Dinge. Noch in den Jugendjahren gingen die Lichter aus, und in den Folgetagen sanierten sie das Haus. Die Leute munkelten und meinten obendrein, die Augen funkelten: „Da kommt was Besseres rein!“ Jetzt kommt die Kneipe dran, in der mein erstes Bier durch meine Kehle rann, mein Freund, das sag ich dir! Hannes Wader sang das Lied schon in den 80ern: „Dass nichts bleibt, dass nichts bleibt, wie es war.“ „Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird, wenn es anders wird; aber so viel kann ich sagen: Es muss anders werden, wenn es gut werden soll.“ (Georg Christoph Lichtenberg, Mathematiker und der erste deutsche Professor für Experimentalphysik)

Regentag Sitz an einem Regentage so allein im Stadtcafé. Angeknackst die Seelenlage, trink ich mein’ Zitronentee. Zeitungsrascheln in der Ecke, Wisperstimmen ringsherum. Sanfte Klänge von der Decke, Kaffeetantenpublikum. Zieh an meiner Zigarette, inhalier das Nikotin. Tiefe Züge, fast in Kette rauche ich so vor mich hin. Du kannst heutzutage bei deiner Partnersuche in einschlägigen Internetportalen und mit einem bequemen Mausklick dir deinen Wunschpartner in den Warenkorb legen. Dir kann aber auch das Schicksal freudig in die Hände spielen, gerade so, wie ich es hier mit lyrischen Worten geschildert habe. Ich jedenfalls bin vor mehr als vierzig Jahren meiner heutigen Frau, Partnerin und Mutter meiner Kinder im Weinloch in Heidelberg begegnet. Wie auch immer, eine Bestandsgarantie für eine Beziehung hast du aber weder so noch so. Regenprasseln an dem Fenster, Donnergrollen in der Ferne. Blitze, die als Schreckgespenster zucken wie Bengalosterne. Pudelnass zur Tür herein, Mantel an den Kleiderhaken. So stehst du hier, fast allein, deine Blicke schweifen, fragen. Setz ich mich an jenen Tisch oder doch zu Mitte hin? Unsre Blicke treffen sich, nein, das hat doch keinen Sinn! Hab doch erst die Frau verloren, gestern lief sie weinend fort. Die ich hatte auserkoren, die ich liebte ohne Wort. Schönste aller dieser Damen, so grazil und zart ihr Mund. Fragte sie nach ihrem Namen, gleichwohl auch nach dem vom Hund, der nun brav an meiner Seite müde mir zu Füßen lag. Sie war eine Augenweide, oh, wie schön war doch der Tag!

ob ich mich eben traute zu ihr hinzugehen, ihr sofort beizustehen, weil jetzt ihre tüte, ach du meine güte, die rutschte umher, war ihr einfach zu schwer. dieser blick hin zu mir, ganz in hilflosmanier, „ich pack das nicht mehr, komm doch bitte schnell her“, fiel dann plötzlich der plunder auf den boden hinunter. sah im bahnhof noch flüchtig sah im bahnhof noch flüchtig nach der tasche, die wichtig, als sie scheu rüberlachte, ich dann nicht mehr bedachte, dass allein meine tasche, nur weil sie jetzt mit der masche, die der hilflosigkeit, „ich als frau, tut mir leid, was soll ich nur machen, mir entfallen die sachen?“ nun gut, wie ich fand, will ihr helfen galant, sie gespannt rüberschaute, Wie bescheuert, so denke ich, jetzt mache ich da einen auf selbstloses Helferlein, und dann ist am Ende auch noch meine eigene Tasche weg! Wenigstens ein kleines Wort des Dankes, oder auch nur ein kurzer, freundlicher Blick zu mir hätte doch drin sein müssen! Pustekuchen, nix wars. ich eilte zu ihr, ganz in rittermanier, doch die diebe dann hastig, weil ich schlichtweg zu tapsig, meine tasche war fort, zu belebt war der ort, und ohne ein’ ton schwand auch sie jetzt davon.

Warten auf dich Das Treiben draußen auf der Straße, Lärm vom Verkehr da unten dringt leise rauf zu mir. Die Spuren auf der Fensterscheibe von meiner platt gedrückten Nase bleiben auf Glas zurück, der Ausschau wegen, für dich als sinnfällige Zier. Warte auf dich seit unzähligen Stunden, nipp immer wieder an einem Glas mit rotem Wein. Drehe im Zimmer so einsam meine Runden und frage mich in einem fort, wo könntest du zu dieser Stund denn nur geblieben sein? Lausche nach Schritten auf den Stufen von der Treppe, vergeblich auch nach einem Klingelzeichen an der Tür. Im Geiste schlag ich ein, riskier mit mir die einfältige Wette: „Ich bleib ab jetzt bestimmt allein“, verlass mich da getrost auf meine Ahnung und auf mein Gespür. Die Wette gilt, ich greife nach dem Weine und schenke mir noch manches Gläschen davon ein. Doch plötzlich draußen auf der Treppe, ich lausche an der Tür, und wie ich augenblicklich meine, kann eine jener Stimmen, die ich hör, doch eigentlich nur deine, die mit dem unverwechselbaren Timbre und darum mir so wohlvertraut geword’ne Frauenstimme sein. „Alles nimmt ein gutes Ende für den, der warten kann.“ (Leo N. Tolstoi) Und wenn dem nicht so ist? „Vielleicht hört man irgendwann auf zu warten und fängt an zu vergessen.“ (irgendwo mal gelesen)

als ich noch so jung an jahren bin so auf dich abgefahren liebte deine roten lippen deine augen deine titten meine hände ungebührlich eher fordernd als manierlich wollten deine haut berühren wollten deine liebe spüren wollten dich hinfort erregen wollten deiner schönheit wegen dich liebkosen und zart streicheln bis du stöhnst ganz herzergreifend wollten dich für immer haben als wir miteinander lagen auf dem bett und auf der wiese. keine liebe gabs wie diese. ach wie schön wars dich zu lieben doch was ist davon geblieben außer den begehrlichkeiten mir ein butterbrot zu streichen morgens wenn wir manchmal stumm sitzen an dem tisch herum gucken nur an uns vorbei bin ich dir denn einerlei nach so vielen tollen jahren muss ich jetzt von dir erfahren dass du einem andren mann der dein herz für sich gewann lieben willst für alle zeit nun, dann ist es wohl so weit dass wir auseinandergehen um die liebe ists geschehen. wenn doch nur die liebe bliebe will dich mal zu fragen wagen ob du in den letzten tagen schlechterdings mich wahrgenommen denn du guckst fürwahr beklommen weg von mir so in die lüfte wo aus unsrer küche düfte muffelig im raume wabern rüber zu uns wo wir labern über unsre alte liebe ob da noch was übrig bliebe wenn wir uns so selten sehen eher aus dem weg doch gehen kalte küsse kaltes lachen können kein gefühl entfachen deine haut und deine lippen deine angekauten kippen stinken übel vor sich hin gut dass ich so duldsam bin. Unspektakuläres Ende einer Beziehung.

gib zu gib zu dass du an sich doch gerne wärest ein held mit reichlich geld und schönen frauen in den armen die dir viel liebe schenken umgeben von den scharen an menschen die ihren kopf verrenken. nur um zu sehen wie du mit breiten schritten und breitem lachen im gesicht von fotografen wohlgelitten und leute flehentlich dich bitten um deine unterschrift. Ich geb es ja zu, auch ich wäre gerne ein Held!

Hundeliebe Es war ihm deutlich anzusehen, und zwar schon aus der Ferne, er hatte diese Hundedame ja ach so schrecklich gerne. Als er an einem Sommertag so faul auf einer Wiese lag, die Dame ihm entgegen kam, auf Anhieb ihm den Atem nahm. Sie war für ihn der Inbegriff von höchster Harmonie, bis irgendwo ein Herrchen pfiff, hinweg die Euphorie. Sie würdigte ihn keines Blicks, lief rasch an ihm vorbei, sie guckte auch nicht mehr zurück, er war ihr einerlei. So aus der Entfernung ein scheuer Blick hinüber zur Angebeteten, und weg ist sie. Sieh an, Hunden kann es scheinbar ebenso ergehen.

Ich hab den Mond gesehen Ich hab den Mond gesehen auf einer Autobahn. Der war so wunderschön, hielt an der Seite an. Wie herrlich diese Nacht, und auch das Himmelszelt, wer hätte das gedacht, dass jemand darum hält? Nur um den Mond zu sehen hier auf der Autobahn, wie kann so was geschehen, was ist in den gefahrn? In einem Lichtermeer Bewegt’ sich munter fort der starke Kraftverkehr zu einem fernen Ort. So stand ich nebenan an dieser Autobahn und guckte mir vergnügt den Hof des Mondes an. In Ferne sah ich schon die schnelle Polizei, laut mit Sirenenton kam sie im Nu herbei. Ich kann mich heute noch recht gut an das erinnern, was sich damals auf dem Seitenstreifen an der Autobahn zugetragen hat. Es war zur Zeit der Studentenbewegung in den 70ern in Heidelberg. Ich fuhr in meinem alten R4 aus der Altstadt kommend und ziemlich angeschickert Richtung Mannheim. Und plötzlich standen sie neben mir. Nix Papiere zeigen und so, nein, die waren, wie ich, gleich hin und weg von dem Anblick des roten Mondes! Seither sehe ich in Polizisten viel eher noch den Menschen als die Amtsperson. Die Bullen fragten mich, warum ich stehen bliebe. Ich sagte lediglich, weil ich den Mond so liebe. Sie blickten ganz erstaunt mit mir zum Monde hoch, sogleich der eine raunt’: Lasst mich ein Weilchen noch! So guckten wir vereint in stiller Harmonie. Der eine Bulle weint’, das Bild vergess ich nie.

Es ist nur so, sie wusste es von Anfang an, dass ich ja sowieso oft nicht bezahlen kann. Es war ihr sonnenklar, sofort beim ersten Date, dass ich ein Loser war so ohne Qualität. Du glaubst es kaum, trotzdem liebt mich die Süße. Sie ist mein Schatz, mein Traum, weil keine wie Luise. Luise Es ist nicht unerheblich, ob du nun Kohle hast, wenn du beim Zahlen nämlich in leere Taschen fasst. Es ist recht unerfreulich, wenn dir der Zaster fehlt, wie mit Luise neulich, weil ohne gar nichts geht. Es ist schon oberpeinlich, die Schuld nicht zu begleichen, nach einem Essen freilich sich hinten rauszuschleichen. Es kommt nicht wieder vor, versprach ich der Luise ganz zärtlich in ihr Ohr, ’ne Sache so wie diese. Folgendes habe ich neulich in einem Test gelesen: Finde heraus, was für ein Typ du bist! Bist du eher der Gewinner-Typ, den jeder mag, oder bist du der geborene Loser, wie man ihn aus amerikanischen Slapstick-Filmen kennt? Nein, ich habe da nicht mitgemacht.

Mein lieber Herr Gesangsverein 1 „Mensch Freundchen, bist du alt!“ Der Spruch erwischt mich kalt von einem Jüngelein, könnt vielleicht zwanzig sein. Steht lachend neben mir, hält sich an seinem Bier. Genau gesehen, Mann, ist da ja auch was dran an seiner Diagnose aus seinem Mundwerk lose. Ich lass die Antwort sein, bestell noch einen Wein. Der Typ sagt nur mit Klarheit nichts andres als die Wahrheit. 2 Die Leute irgendwann sehn dir dein Alter an. Auch wenn’s dir nicht gefällt, dein Körper, der zerfällt. Von Jahr zu Jahr allmählich das Haar wirkt kraftlos, spärlich, verliert an Wuchs und Dichte, und hinten rum wird’s lichte. So sind die Furchen, Falten, recht typisch für uns Alten am Körper, im Gesicht, mag sie beileibe nicht. 3 Zur Kinderzeit saß Opa wehklagend auf dem Sofa, wo er hinfort erzählte, was ihn so täglich quälte. Ein Spruch ganz nebenbei, recht locker, frank und frei: „Bist du erst einmal älter, dann wird dein Arsch auch kälter.“ „Jeder will alt werden, aber niemand will alt sein.“ Jonathan Swift (1667–1745) Eine in bissigem Ton gereimte Überzeichnung eines Menschen, der dem Jugendwahn verfallen zu sein scheint.

5 Die Älterwerderei, die sei mir einerlei. Lasse die Weisheit denen, die sich im Alter wähnen, die plötzlich philosophisch, vielleicht anthroposophisch, den Sinn des Lebens deuten, entsagen allen Freuden. Sie mögen despektierlich, im Ton wohl nicht manierlich, wenn sie mich observieren, manch böses Wort verlieren, seh’n sie mich aus der Ferne, egal, ihr könnt mich gerne! 4 Es läuft schon ziemlich dumm mit meiner Wahrnehmung der eigenen Erscheinung, verlier da leicht die Peilung. Ich kann halt nicht verwinden, dass meine Kräfte schwinden, kann es nicht akzeptieren die Schönheit zu verlieren. Doch will ich, bitte, nein, kein Jammerlappen sein! So ist’s mir ein Vergnügen mich selber zu belügen. Lüg’ mir so in die Tasche, das ist halt meine Masche. Muss gar nicht groß betonen: „Ich lieb die Illusionen!“ Mein Traum von hundert Jahr’, der ist doch wunderbar! Vielleicht werden sie schimpfen, schmählich die Nase rümpfen. Selbst wenn sie drüber lachen, ich will noch Dinge machen, auch Dinge, die mal peinlich, nur jungen Leuten, freilich. Bieder mich ihnen an, tu obercool, „hey Mann“. Getuschel und Gekicher, ihr Mitleid ist mir sicher. »

6 Kleide mich gerne stylisch, sodass die Leute neulich beim näheren Betrachten sich ihren Teil schon dachten wegen der Föhnfrisur, die aus fünf Haaren nur gewellt und hingelegt, wo sich jetzt keins mehr regt. Ich bin mir aber sicher, dass hinter dem Gekicher für sie die Frage lauert, wie lange es noch dauert, bis sie ihr Leid beklagen, sie sich mit Fragen plagen 7 Die Häme in den Augen, was die sich nur erlauben! Doch mir ist’s stille Freude, die Blicke anderer Leute genüsslich zu erheischen, dem Spott nicht auszuweichen. Mögen die Leute glotzen, so mancher gern auch motzen, ich trag des Alters Bürde auf meine Art von Würde. ob ihrem Älterwerden samt Alterungsbeschwerden. Wie’s einem dann so ergeht, wenn Unklarheit besteht wegen der Widrigkeiten mit den Gebrechlichkeiten. Wie lang bleib ich noch jung, läuft’s dann genauso dumm, sollt ich mal älter sein? „Mein lieber Herr Gesangsverein!“

8 Die haben keine Ahnung, sind bar jeder Erfahrung! Du weißt doch erst, wie’s ist, wenn du’s geworden bist. Sie werden wie wir Alten beklagen ihre Falten beim Blick in einen Spiegel, geb darauf Brief und Siegel. Sie werden lamentieren, die Fassung schier verlieren, wenn Leute kommentieren: Wer geht denn hier spazieren? Das Kleid nicht adäquat, die Hosen eng, gewagt, das Hemd so schickert, bunt, gespritzt die Lippen rund. Die Blicke ernst, entrüstet: „Die Haut scheint auch geliftet!“ Arsch wie ein junger Spund, das Fett wohl abgepumpt? So kann’s dann schon mal sein, wenn sie mit einem Wein am Wirtshaustresen stehen, kann’s ihnen ähnlich gehen wie mir in letzten Jahren, hab’s hinlänglich erfahren: Steht einer keck daneben, so könnt es sich ergeben, ein Spruch dann nüchtern, kalt, „Mensch Freundchen, bist du alt!“

Von Steinen und Menschen Wär ich ein Stein, ich läge einfach da ganz ohne Worte, beklagte nicht mein Dasein, vom Grübeln über Sinn und Zwecke des Lebens wär ich frei. Und frei auch von der Frage, warum ich ausgerechnet läge hier an diesem Orte, das wäre mir, du kannst mir’s ruhig glauben, so ziemlich einerlei. Und auch als Baum und ebenso als bunte Blume in diese Welt hineingestellt, mich grämte nicht des Schicksals Lauf, ich wäre einfach da so unter diesem Himmelszelt, denn mit der Neugier auf den Gang der Dinge und mit den Fragen nach Gottesmacht und Übersinn, da halten sich nur Menschen auf. Steter Tropfen höhlt den Stein. (Sinnspruch) Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen. (Sinnspruch) Verletzende Worte sollten auf Sand geschrieben werden, lobende in Stein gehauen. (Aus Arabien) Ein gutes Wort kann Steine brechen. (Aus dem Kaukasus) Gott schläft im Stein, atmet in der Pflanze, träumt im Tier und erwacht im Menschen. (Rabīndranāth Tagore)

Ganz unbestritten ist im Rang der Schöpfung dem Homo sapiens die Rolle zugeschrieben, zu denken, tun und walten, so wie es ihm gefällt, und auch zu hinterfragen, wer, wie und was den Lauf der Welt, welch rätselhafte Kraft den Kosmos seit Urzeit denn zusammenhält. Wär ich ein Stein, ich fühlte mich niemals allein, blieb einfach stumm und reglos auf einer Stelle liegen. Ob über oder unter Wasser, im Wald, vielleicht auch zwischen Sand und rundem Kieselstein, in hunderttausend Jahren noch, so nehm ich doch mal an, würd ich so ziemlich noch das Gleiche wiegen.

Muttersöhnchen Paul war ein Mann so voller Emotionen, doch dann mal, irgendwann, ging ihm der Lebensmut verloren in einem Augenblick, als Schlimmes ihm geschah, es liegt schon lang zurück, viel länger als ein Jahr. Es war ganz justament, als er im Herzen spürte, es war ein Scheißmoment, der ihm die Luft abschnürte. Ihm stand zuvor der Sinn nach Kunst und gutem Wein. Die Frauen ein Gewinn, konnt gar nicht besser sein. „Das Muttersöhnchen bezeichnet einen Mann, der nicht über genügend Mut und Durch- setzungsvermögen verfügt, um Problemlagen des Lebens eigenständig zu bewältigen. Wenn er auf unüberwindbare Schwierigkeiten stößt oder sich nicht wie gewünscht durch- setzen kann, flüchtet er unter die Fittiche der Glucke. Die Glucke ist oftmals die Mutter.“ (WikiMANNia) Bei einem Wiedersehen mit seiner Frau Mama, da ist es wohl geschehen, nun war sie wieder da. Die Zeit der Unterweisung, die Mahnung vor Entgleisung. „Bemühe dich um Reichtum!“ Auch das war ihre Meinung. Zuhaus musst er sich bücken, sie wusch ihm seinen Rücken, obgleich adult nach Datum, fast bis zur Schambehaarung. War er auch mal verliebt, was sich ja so ergibt, dann schalt sie: „Hör mal, Guter, das Mädchen ist ein Luder.“ Sie putzte und sie kochte, auch wenn er es nicht mochte, kramte in seinen Sachen, er hatte nichts zu lachen. Paul packte seine Sachen, wollt endlich Pläne machen, wollt endlich ganz allein, wollt frei von Muttern sein. Nun saß sie gegenüber, nach langen Jahren wieder. Sogleich ihr strenger Blick: „Mein Freund, du bist zu dick!“ In ihm kochte die Kacke, klar hatte er die Macke der schrägen Mutterbindung, braucht’ keine Überwindung. Tot war sie auf der Stelle, zurück blieb eine Delle in ihrem feinen Hütchen, von ihrem kleinen Bübchen.

Liebesschwur Das mit dem Liebesschwur, das ist so eine Sache, gehaucht im Rausch der Euphorie, vom Göttertrunk des Eros halb benommen. Immer die gleiche Tour ist es, zumindest wie ich’s mache, bemüh die Fantasie doch mit dem Ziele nur, dich in mein Bettlein zu bekommen. Dem Liebesrausch entronnen, mein Schwur, der war doch recht gewagt, erkenne ich beklommen. Nichts gegen dich, ich liebe halt nur mich, weil ich mir selber bin genug; dir hab ich was genommen. Dieses Gedicht ist nicht als sexualmoralisches Statement gemeint. Es geht hier vielmehr um die Instrumentalisierung von Gefühlen und die Möglichkeit der seelischen Verletzung dabei. Steht hinter deinem Liebesschwur vielleicht irgendein anderer Zweck, oder meinst du damit auch wirklich MICH?

zuversicht sah ich doch neulich im gewühle einer innenstadt ein männlein stehn, das sah so traurig aus mit seinen tüten in der hand, und menschen, die vorübergehn. nicht weit in einem schmucken stadtcafé die leute fröhlich lachten und dösten in der sommerluft. wie könnte ich ihm eine kleine freude machen? gedanken, die so einfach hingetupft. geb ich ihm eine münze in die hand, so denk ich schon beim weitergehen, was ich in meinem leben fand, vielleicht kannst du den zwiespalt meines seelenlebens gut verstehen. mein kleines lebensglück, denk ich für mich, wie fühl ich mich darin zufrieden und geborgen. doch sieh dich um, ganz unversehens deine lebenslage ändert sich, so hoff ich nur, es bleibe mir auch morgen noch ein guter freund, der stets verlässlich und meinem wohlergehen auch künftig wohl gewogen. Zu diesen Versen inspirierte mich die Wirkung der Kraft positiven Denkens. „Hoffnung mobilisiert nachweislich die Selbstheilungskräfte unseres Körpers. Das heißt, eine positive Erwartungshaltung – und nichts anderes ist die Hoffnung – führt zu realen und messbaren Veränderungen im Körper.“ (Psychotipps.com)

Scham, die ein Leben lang quält, niemals heilen kann. Weil kindliches Vertrauen missbraucht durch geile Klauen. Wie schrecklich dieses Leid, das hier zum Himmel schreit, legt sich, fast wie ich ahne, darüber die Soutane. Tabu Der liebe Herr Pastor singt mit dem Knabenchor Lieder von Herrlichkeit, auf dass die Herzen weit. Kann ob der klaren Stimmen dem Reize nicht entrinnen, die Knaben ihn erregen, der zarten Körper wegen, wo noch die Herzen rein, die Haut noch zart und fein, unschuldig ihre Liebe, frei noch vom Drang der Triebe. Dann in der Sakristei, „ach lieber Gott, verzeih“, das Knäblein so vertraut ihm in die Augen schaut. Er gibt ihm einen Kuss, das Knäblein weinen muss, greift ihm in seine Hose, lässt trotz der Wehr nicht lose. Ach du mein Knäbelein, wir beide hier allein. Dein Leib so appetitlich, dein Hintern ja so niedlich. Mit rüder Zärtlichkeit, der Knabe lautlos schreit. Küsst ihn auf Haut und Mund, reibt Körperstellen wund. Das Büblein voller Scham, „Was ich hier jetzt getan, sind das nun diese Sünden, von denen Pfarrer künden?“ Ich fass es einfach nicht: Über viele Jahre hinweg findet reihenweise sexueller Missbrauch von Kindern in der römisch-katholischen Kirche statt, und die Oberen legen über diesen Scheußlichkeiten einen Schleier des Wegguckens und Schweigens. Ja, aus der drastischen Wortwahl in diesen Zeilen spricht klar und deutlich meine Empörung darüber.

Apokalypse Es zogen Menschen übers Land, sie hielten Bündel mit losen Dingen in den Händen. Nur hier und da ein Haus in jedem Ort noch stand, bemalt mit Worten und mit Zeichen an den Wänden. Mit Blut und Asche waren sie geschrieben von dunklen Boten, die zogen in Windeseile durch das Land. So hastig, als seien sie von fremden Mächten angetrieben, so schrieben sie die Worte und die Zeichen ihrer Botschaft in groben Zügen in jedem Ort, der noch vorhanden, mit Eifer dort an jede Wand. Im Grunde waren diese Boten in jenem Lande immer schon zugegen, doch blieb ihr Mahnen und Verkünden dunkler Zeiten im Volke unerkannt. Wer öffnete die Augen und die Ohren schon alleine ihrer unliebsamen Botschaft wegen, die jetzt in großen Lettern hingeschrieben, mit Blut und Asche in Eile dort in jedem Orte an die Wand? Das Ende der Welt. Mit dichterischer Hingabe ausformuliertes Fanal eines beginnenden Weltuntergangs.

Ein großer Sturm war über dieses Land gekommen, in dem die Menschen mit letzter Kraft heroisch kämpften ums nackte Überleben und um die kargen Überreste ihrer Hab und Gut. Und eiligst suchten, den Folgen dieses Sturmes zu entkommen, vorbei an jenen eindringlichen Worten, geschrieben von den Boten, die heute Nacht selbst dieser Not mit Mühe nur entronnen, im Schein der wilden Feuer leuchtend heller Glut. Die Boten eilten weiter durchs sturmgepeitschte Land, vernahmen nicht der Menschen Grauen, das jeder trug so maskenhaft versteinert im Gesicht. Sie scherte nicht das grenzenlose Leid, das diese armen Kreaturen nach diesem Feuersturm verband, ihr Auf trag war alleine nur, zu schreiben an all die aufrecht stehend’ Häuserwände noch das harsche Urteil des himmlischen Gericht’.

da fehlt mir schlicht der mut steh in der straßenbahn, guck mir die leute an, da steigt ein fahrgast ein. hab mirs doch gleich gedacht, dass der hier ärger macht, wie könnts auch anders sein. wahrscheinlich ist es besser, dem fiesen, kleinen stresser schlicht aus dem weg zu gehen. er wirkt gar nicht sympathisch, scheint eher problematisch, das ist ihm anzusehen. er geht zu dem da drüben, dem mann mit einkaufstüten, und schnappt sich seinen hut. der sieht recht hilflos aus, schaut schräg zum fenster raus, ihm fehlt halt schlicht der mut. ich halte mich da raus, mach mich klein wie ’ne maus und seh die leute an. die leute um mich rum, die gucken auch bloß dumm, da traut sich keiner ran. lass mich doch nicht erdolchen von solchen kleinen strolchen, die ohne skrupel sind. das hier ist brandgefährlich, das sag ich dir ganz ehrlich, das weiß heut jedes kind. würd ich dazwischengehen und fragen, was geschehen, bekäm der eine wut. so bleib ich hinten stehen, versuch nicht hinzusehen, was er jetzt sonst noch tut. Mut, auch Wagemut oder Beherztheit, bedeutet, dass man sich traut und fähig ist, etwas zu wagen, das heißt, sich in eine gefahren- haltige, mit Unsicherheiten verbundene Situation zu begeben. (Gerhard Wahrig, Deutsches Wörterbuch, Gütersloh 1970, Spalte 2500.

was hab ich dem getan, dass der in seinem wahn auf einmal mich bedroht? das ist ja voll bescheuert, dass der mir eine scheuert, der riesenvollidiot. urplötzlich kam er rüber, mit tempo fast kopfüber, und holte kräftig aus. ich ducke mich hinunter, er haut mir eine runter, und niemand hält ihn auf. ich hatte keine ahnung, der schlag kam ohne warnung, warum, das weiß kein schwein. es zeigt halt die erfahrung, den typen geht es darum, ein toller hecht zu sein. weil solche psychopathen, sich an den ängsten laben, das ist halt ihr kalkül. die leute gucken weg, die kümmerts einen dreck, was für ein scheißgefühl. der schlag in meine fresse, bevor ich es vergesse, der tat schon ziemlich weh. der typ geht einfach weiter, wirkt dabei auch noch heiter, wenn ich das richtig seh.

Böse Geister Lauernd sind sie heut zugegen, böse Geister, die da schweben durch die Welt meiner Gedanken, wo sie toben, wo sie zanken. Willst du wirklich alles wissen, auch wie’s steht um mein Gewissen? Willst du jene Wahrheit kennen, soll ich sie beim Namen nennen? Lass das Fragen bitte sein, diese Antwort, die ist mein. Alkoholsucht extrem. Ein Trinker im Delirium. Trugbilder tun sich in ihm auf. Beschreibung eines tragischen menschlichen Verfalls. Schau mich nicht so seltsam an, hab dir doch kein Leid getan, musst um meine Liebe wissen, lege dir mein Herz zu Füßen. Will dich auf den Händen tragen, will dir aber jetzt nicht sagen, was mich an der Seele rührt, an ihr nagt und mich entführt in die Unterwelt der Geister, derer bin ich oft der Meister.

Sag es dir ganz unumwunden, habe oft nur schöne Stunden, wenn auch Weine ist im Krug, wenn ich auch vom Schnaps genug. Wenn ich liege auf dem Bette, starre an die Zimmerdecke, ist mir nicht mehr schwer ums Herz, weggezaubert jeder Schmerz, bis der Schlaf in seiner Güte mich befreit von Trug und Lüge. Hör, die Eule hat gerufen, kündet von den sieben Stufen, die ins Reich der Geister führen, wollen ihren Meister küren. Haben mich heut auserkoren, einen von den armen Toren, die betrübt durchs Leben gehen, so ihr Wille soll geschehen. In des Rausches schönen Stunden hab ich jetzt mein Glück gefunden.

Freiherr von Schütze Freiherr von Schütze aß seine Grütze. Manchmal auch Haferbrei, das war ihm einerlei. Hauptsache Brei, von Grobstücken frei. Er liebte zu speisen ohne zu beißen. Schon früh am Morgen macht’ er sich Sorgen, ob wohl Frau Hampe gelänge die Pampe? Doch schon seit Jahren, seit ihm widerfahren ein Sturze vom Pferd, lief alles verkehrt. Denn ohne die Beißer sprach er deutlich leiser. Es war eher ein Nuscheln, so ein Flüstern und Tuscheln. Frau Hampe, die kochte, was er gern mochte. Sie wusch ihm den Hintern wie früher den Kindern. Ein zeitlebens strenger und unnahbarer Freiherr, seines Zeichens Kommiskopp a. D., entdeckt an sich als Pflegefall durch die Nähe und liebevolle Fürsorge seiner Betreuerin seine bislang unterdrückten menschlichen Gefühle. Sie pflegte die Sachen und putzte die Lachen, so auch jede Pfütze, unter Freiherr von Schütze. Nicht mal die Lampe konnt er ohne Frau Hampe am Knöpfelein schalten, geschweige denn halten. Und diese Lampe polierte Frau Hampe, auch ohne Geheiß, bis triefte der Schweiß.

Er setzte sie auf, auch in seinem Haus, auf dass jeder auch sehe, wer da vor ihm stehe. Freiherr von Schütze aß brav seine Grütze, die Frau Hampe ihm kochte, die er gerne mochte. Sie mochte ihn auch, und so wurd es Brauch, dass er sie mal sachte berührt’, bis sie lachte. Das Silberbesteck ebenso, die Reitstiefel sowieso, die er nicht mehr brauchte, seit er mal strauchelte. Doch ohne den Degen, es klingt fast verwegen, ging er nicht mehr raus, nicht mal um das Haus. Freiherr von Schütze war stolz auf die Mütze, die zeigte den Rang, zu dem er gelang. Sie berührte ihn auch, ganz so wie es Brauch. Nie in seinem Leben hat es Schön’res gegeben. All seine Strenge, die Ängste und Zwänge, fielen einfach so ab, seit Frau Hampe es gab.

Begrenztes Urlaubserlebnis Geh über weichen Sand an einem fernen Strand, lausche den Brandungswogen. Ein Ort, den ich endlich hier fand, fast schon am Weltenrand, hier kam ich hergeflogen. Weil’ in der Einsamkeit, fühl mich von Lasten befreit, lass die Gedanken schweifen. Hoch eine Möwe, die schreit, seh draußen ein Boot, das ganz weit, fang an ein Liedlein zu pfeifen. Durch die Dünen weiter am Strand, barfuß durch körnigen Sand, setz ich mein Streifzug fort. Wo einst ein Leuchtturm stand, hier und da noch der Rest einer Wand, scheint mir ein günstiger Ort. All-inclusive. Wie nahe liegen die komfortablen und hochumzäunten Urlaubsresorts in Teilen der ärmeren Welt oft am Lebensalltag der Leute dort, und wie fern wiederum bleiben ihnen die Touristen trotzdem. Lass meine Kleider liegen, lass mich vom Wellengang wiegen, zähl nicht den Fortlauf der Zeit. Fühl mich dem Alltag entstiegen, Palmen am Strande sich biegen, scheinen wie Diener bereit. Weit drüben hinter dem Zaune vernehme ich Winken, Geraune, Kinder, die kauern im Sand. Fraglos, sie betteln, ich staune, sind gar nicht in Ferienlaune, durch die Maschen hindurch ihre Hand. Ihre Augen sehnen und flehen, fast unwirklich, dieses Geschehen, erfüllt mich ihr Anblick mit Scham. Nehm meine Kleider, will gehen, will auch nicht mehr rübersehen, such ein’ Platz, der am Pool nicht so warm.

Vom Glück Wenn das Glück dir scheint abhold, so gar nicht wohlgesonnen, dann lehne dich entspannt in weiche Kissen sanft zurück, oft fühlt es sich nur ungewollt, im Augenblick von dir so gar nicht recht willkommen. Vielleicht bist du nur zu bequem, suchst immer nur am falschen Platze, vielleicht zu krampfhaft auch, zu weit entfernt von dir und auch zu sehr mit dir allein? Du findest leichter ein Härchen auf einer nassrasierten Glatze, das Glück hingegen, das will mit Augenmerk in deiner Lebenswelt gefunden sein. Es liegt zuweilen direkt zu deinen Füßen, du stolperst täglich drüber in deinem Trott so ohne Blick und Acht. Der kleinen Mühe, der es nur bedarf, ist offenkundig: Du brauchtest dich bloß hinabzubücken, das Glück mit deinen Händen aufzunehmen ganz bedacht und mit Gespür ins Wirrwarr deines leicht vertrackten Seelenlebens rücken. Viele Menschen versäumen das kleine Glück, während sie auf das große vergebens warten. (Pearl S. Buck) Wer ständig glücklich sein möchte, muss sich oft verändern. (Konfuzius) Die höchste Form des Glücks ist ein Leben mit einem gewissen Grad an Verrücktheit. (Erasmus von Rotterdam)

Ziemlich schamlos Sah ihren schönen Beinen nach, die Waden glatt und straff, das Hinterteil so wohlgerundet prätentiös und über schmale Schultern fallend weich das blondgelockte Haar. Vorbei an mir, entgegen meiner Richtung, schritt sie, es war die Aura dieser holden Dame irgendwie, die mich von ihrer puren Schönheit eingenommen selten wie, war ich total verzaubert von ihrem ungeheuren Charme fürwahr. Ein kurzes Intermezzo, ein Zwinkern nur so beim Vorübergehen, besahen uns für einen Atemzug lang ganz frei von jeder Scheu und Scham. Dem Glücke nah, so fühlt ich mich beim zögerlichen Weitergehen, der unerhörten Blicke wegen mir ungestüme Sinnlichkeit so ziemlich die Klarheit meines sonst gewohnten Denkvermögens nahm. Erotische Fantasien, von denen Sie eigentlich nicht zu träumen wagen, schummeln sich dennoch ab und an in Ihr nächtliches Kopfkino. (gelesen im Internet)

Ich würde für mein Leben gern, so dachte ich, mit ihr wohlan und zarte Küsse tauschend des Weges gehen dahin mit dieser schönen Deern. Mit sanften Gesten wollte ich sie ganz verwegen lenken an einen süßen kleinen Ort und dabei, liebevolle Worte hauchend, vor unerwünschtem Blicke fliehen zu einem Plätzchen hin, das etwas abgelegen, doch meiner Absicht wegen nicht so fern. Mit ihr gebettet tief im weichen Gras, so wollte ich ein wohlig Bettlein uns bereiten, begierig lesen in ihren blauen Augen die Worte, die ich fast vergaß. Wollt mit der aufgeregten Hand den schönen Leib hinuntergleiten, im Schatten dieser knorrig-grünen Weiden, erwacht aus meinem selig tiefen Traum, das wars.

Vom inneren und äußeren Gleichgewicht Hochseilakt im Zirkuszelt, Spannung, die auch mir gefällt. Mächtig ist das Seil gespannt, darauf tänzelst du galant, deine Füße vorwärtsschiebend, rasch das Wackeln austarierend, auf dem ach so dünnen Seile, über das du ohne Eile Schritt für Schritt, ich schau gebannt, suchst besonnen festen Stand. Gähnend still ist es im Zelt, weil dich auch kein Fixseil hält, wenn du strauchelst, Gott bewahre, tot wohl lägst du auf der Bahre. Auch kein Netz ist aufgespannt, das dich fing’ wie eine Hand. Diese Eventualität gibt dem Tun gar Qualität. Wie fatal auch die Option, ist Applaus dein karger Lohn. Schon seit deiner frühsten Jugend bist du eins mit einer Tugend, die der strikten Disziplin, mit dem Stolze ohnehin. Und das Üben wie im Trott, täglich und in einem fort. Ohne Klagen und Verzagen, nur so kannst du’s heute wagen, zu lavieren auf dem Seile, ohne eine Sicherungsleine. Bange Blicke hoch zu dir, Totenstille reihum hier. Wenn dein Fuß am zitternd’ Seile sucht den Ausgleich im Verweilen. Dann ein leises Raunen unten, wenn er wieder Halt gefunden. Körper, Geist in Harmonie, Akrobatik selten wie. Atemlos das Publikum, mir dreht sich der Magen um. Thema ist hier die Wirkkraft von Autosuggestion. Die innere Balance zu finden heißt in diesem Fall, sich nicht einzureden, gleich in die gedachte Tiefe zu stürzen.

Alle, die wir fiebern unten, laufen wir doch erdverbunden täglich und meist ohne Acht kreuz und quer, recht unbedacht. Auf dem Boden sind wir frei, Ausfallschritte einerlei, Was gibts da zu kontrollieren, selbst wenn wir auf allen vieren unsre Wege weitergehen, Schlimmes kann uns nicht geschehen. Als ich auf dem Heimweg bin, kommt mir plötzlich in den Sinn, denk mir eine Schnurgerade, schmal, auf der ich mich nun wage, ganz wie du darauf zu gehen, ohne seitlich runtersehen. Bilde mir im Geiste ein, würde auf dem Hochseil sein. Und in diesem Augenblick erfolgt sogleich das Missgeschick, dass ich stürze in die Tiefe, anstatt dass ich gradaus liefe. Konstatier ich augenblicklich, explizit der Kopf ist wichtig und mit ihm die Fantasie, ist sie düster, schaffst du’s nie.

Morgenstunde Es ist nun viele Jahre her, so kommts mir plötzlich wieder in den Sinn, da hörte ich in aller Früh die Hähne krähen, stand hurtig auf, denn nach dem stillen Reiz des neu erwachten Tages sehnte ich mich ach so sehr und summte frohgemut ein kleines Liedlein vor mich hin. Zog Hosen, Strümpfe, Schuhe an und machte mich sogleich zu Fuß hinfort den kleinen Trampelpfad entlang, zum nahen Walde hin, wo mich ein feuchter Hauch von dichten Nebelschwaden schaurig kühl empfing und mein Gesicht benetzt’ so herzerfrischend, wohlig, samt und weich. Als Rauchgebilde, so in der Schwebe noch, erschien der Walde mir ganz wolkig, undurchdringlich, dunkelgrau, und trübe, schwer beladen, den feuchten Dunste noch als Zier, mit Ahnungen und Trugesbildern reich versehen lag er hier, entsinne ich mich heute noch des imposanten Bildes ganz genau. Dazu muss ich sagen: Die sinnlichen Erfahrungen eines Katerbummels durch die Stadt kenne ich aus früheren Jahren. Der hier geschilderte Morgenspaziergang widerum ist rein fiktionaler Natur. Ich habe beim Abfassen dieser Zeilen versucht, mich mit geschlossenen Augen in dieses romantische Naturerlebnis stimmungsvoll hineinzuversetzen.

Vom Rausch des tiefen Schlafes immer noch ein wenig trunken, so lag der Wald für mich, und Schattenwesen tanzten leicht und überall. Im Schleier dichten Nebels wie verwunschen, so innig und berauschend erlebte ich den stillen Wald an diesem frühen Morgen und überhaupt in meinem Leben nur dies eine Mal. Der kühle Tau das satte Gras mit Wasserperlen dicht benetzte und meine Tritte sanft darin dem Gang auf einem Teppich gleich. Im Ziele unbeirrt ein’ Fuß ich vor den andren setzte, ging ich dahin durch dieses rätselhafte Schattenreich. Schon oft zuvor war ich denselben Weg gelaufen, verschnaufte immer nur für eine kurze Weil an einem immer gleichen, lauschig stillen Ort. Und setzte heftig schnaufend dann, durch schweren Boden stapfend und über Steine, Stämme, dichte Laubeshaufen weg, entlang des moosgesäumten Waldespfades, den Fußmarsch im Dunkel dieses frühen Tages munter fort. »

Mein Ziele war, die Zinnen des alten Turmes zu erklimmen, bevor der erste warme Sonnenstrahl die Lebensgeister dieses Waldes sanft berührt und Nebelschwaden dampfend dem nassen Blattwerk suchten zu entrinnen, hinweg auch über mich und meines Turmes Zinnen, von unsichtbarer Hand gehoben, dem Himmel wie eine Opfergabe so feierlich erhaben in Demut zugeführt. Zu dieser frühen Morgenstund fürwahr, zu meiner Freude und zu meinem Glück, da war es wohl nur mir beschieden, mit mir alleine durch die Waldesflur, des Weges hinauf zum alten Turme mit der Sonnenuhr, der Zauberkraft des Tages Neubeginn mit froher Stimmung in Eintracht zu erliegen.

Vom Hören und Sehen Wie schön singt doch die Nachtigall die abendlichen Weisen, und mit dem letzten Widerhall will ich willkommen heißen: dich, dunkle Nacht, die du in aller Stille mir Ruh und Frieden schenkst. Gedanken schweifen – liegt über alledem ein göttlich’ Plan und Wille? – vergeblich, wenn du die Frage unablässig weiterdenkst. In Dunkelheit erwacht der Ohren Sinn, entsteht ein Laut, verharren wir, weil uns der Anlass für den Hörreiz bleibt verborgen. Bei Lichte aber sind uns die Augen ein Gewinn, doch streifen sie nur drüber weg und schauen oftmals einfach dumm; dann fühl ich mich am Ende in meiner Wahrnehmung von jener Oberflächlichkeit geradezu betrogen. Die Schönheit allen Scheins ich gar nicht leugnen will, erhaben sind die Formen, im Lichte gar, da leuchten Farben hell und bunt. Beim Hören aber schließ ich die Augen und bleibe einfach still, so spüre ich der Sinnesfreude eigentlichen Grund. Seh’n wir nur hin, so täuschen Bilder oftmals über Wirklichkeit hinweg mit all der seichten Schönheit, Flitterglanz und inhaltsloser Pracht. Doch lasse dich durch deine Blicke alleine nicht betören, im Hören liegt die Wahrheit eher noch als in des trügerischen Blendwerks Macht. Eine fast schon exegetisch geratene Betrachtung über die menschlichen Sinneswahrnehmungen: Welche Außenreize wirken tiefer auf uns, die durch das Auge oder jene über das Ohr? Mit geradezu pathetischer Dichterlust protokolliere ich hier ein lebensphilosophisches Selbstgespräch.

Himmelsreise Wie ach so schnell die Zeit vergeht und mit ihr auch die schönen Dinge dieser Welt, die Zeiger unsrer Lebensuhr rätselhaft im Kreis gedreht bewegen sich nicht immer so, wie’s uns beliebt und wirklich auch gefällt. Was haben viele kluge Köpfe schon ergründet und gedacht, erpicht darauf, den Ursprung allen Seins zu deuten und zu kennen und all die wundersamen Zeichen auch richtig zu verstehen. Es ist und bleibt ein Traum von uns, ein aussichtsloses Greifen nach den Sternen, die unerreichbar weit von uns wir nur beim Namen nennen und nur bei dunkler Nacht am Himmel oben hell erleuchtet sehen. Schon mit dem ersten Atemzug ist es den Menschen auf ihrem Wege mitgegeben, die Neugier, der Wissenseifer, geradezu die Leidenschaft des Forschenwollens nach diesem Wesenskern, dem Sinn und Zwecke dieser Welt, und Antwort suchen auf viele und oft gestellte Fragen, die uns von Anbeginn bewegen, was wohl die Erde, den Kosmos überhaupt, in seiner Gänze so unbeirrt zusammenhält? An einem lauen Sommerabend mit einem kühlen Bierchen in der Hand ganz relaxt hoch ins Sternezelt gucken und über das unendliche Weltall sinnieren – da tauchen manchmal tiefschürfende Gedanken auf, wie zum Beispiel der: Puh, was habe ich als kleiner Wicht hier auf Erden überhaupt verloren? Eine meiner beliebten Übungen als Dichterlein, mit einem leisen Unterton von Weltschmerz die große Frage des Seins in pathetische Worte zu fassen.

Steh ich am offenen Fenster in einer wolkenlosen Nacht und schau zum Sternenzelt, das glitzert, funkelt, lang empor, die schönsten Lieder, die sei’n den Sternen hier ganz einfach angedacht, so kommts mir jedenfalls in dieser Nacht ganz schlicht ergreifend, in meinem Geiste, ganz unbefangen weltverloren vor. Dem Chorgesange gleich erklingen ihre Melodien sanft und leise, dem Taktstock nach, der unsichtbar in einer Hand. Vernehme ich mit meinem Herzen mir bisher gänzlich unbekannte Weisen, bedenk sogleich der weiten Himmelsreisen von dir, du kleiner Stern da oben, was Wunder doch, dass ich in dieser Nacht dich endlich fand.

Vom Ausgleich Im Eiltempo bin ich nun hier, aus einer Raumstation heraus das Weltall zu erkunden, und blick mit Staunen weit hinaus auf einen wundersamen, blauen Ball, der vor mir schwebt, so federleicht, als sei er aller Last entbunden, und Stille nur, nicht mal das leise Ticken meiner Uhr ist hier vernehmlich, geschweige denn, der vor mich hingesagten Worte Widerhall. Wie grenzenlos scheint doch die Himmelsweite hoch da oben, zum Greifen nah das Tor zum Eingang in die Ewigkeit. Und angesichts des Weltenraums bewegt mich hier die zweifelsohne ach so große Frage nach Göttlichkeit und Himmelsboten, und ebenso und obendrein gerade die von allergrößter Wichtigkeit, die schicksalhaft mit uns auf Erden unten tief verwoben, die nämlich von der Endlichkeit, von Leben, Sterben, Raum und Zeit. Wortspielerisch wage ich mich hier an die Herleitung einer Analogie zwischen den Ereignissen im Weltall und denen auf der Erde. Dazu kam mir die Idee, in meiner Fantasie einfach ein Raumschiff zu besteigen.

Unendlichkeit ist ein so geistreich großes Wort, das trotz der Mühe tiefen Grübelns sich dem Verstehen und Erkennen seines wahren Sinnes allmählich mir entzieht, und auch was im Zusammenwirken aller Himmelskräfte dort, die wir auch Gottes Schöpfung nennen, was in dem Kosmos seit ewig langen Zeiten so ohne Innehalten aus bisher unbekannten Gründen in großem Umfang beharrlich dort geschieht. Klar ist, dass Regeln von Ursache und Wirkung den Ablauf dieser Sternenwelt bestimmen und als Entsprechung Großes immer Kleinem und unten immer oben gegenübersteht. Ich frage mich, ob wir am Ende als Menschen dieser Erde den Überlebenskampf gewinnen, wenn ungeachtet dieser kosmischen Gesetze ein jeder nur den Weg des reinen Eigennutzes geht? Denn nichts als steter Ausgleich schafft Balance in allen Dingen, im Kosmos, in der Natur, so überhaupt im Ablauf dieser Welt. Auf dass es uns mit Achtung und Respekt vor dieser Überlebensregel auch gelinge, dass dieser Sonn’trabant nicht eines Tages, der Habgier von uns Menschen wegen, abrupt die orbitale Bahn verlässt und einfach so vom Himmel fällt.

Himmlische Ruh Der alte Mann scheint müd zu sein, er sitzt auf seiner Wolke im Kreise seiner Engelein, dem himmlischen Gefolge. Er murmelt in den Rauschebart der unverständlich’ Worte. Der Englein Ohren lauschen zart, an diesem heilig’ Orte. Der liebe Gott schaut mürrisch drein, schon wieder Lärm da unten, die sollen doch mal ruhig sein, wenn ich in Schlaf versunken! Ein Engelein ganz zart und fein reicht ihm devot, manierlich, ein wohlgefülltes Becherlein mit Schlafestrunk gebührlich. Warum sollte es IHM da oben auch besser gehen als uns Menschen da unten: „Ihr lieben Menschenkinder, so gerne ich euch auch hab, so gebt doch einfach mal ein bisschen Ruhe, damit ich endlich schlafen kann!“ Der alte Mann recht lange schon liebt wohl ein Schlücklein Wein, wenn reizbar er, doch auch obschon, es sollte hier nicht sein! Ihm fallen bald die Augen zu, derweilen die da unten, die geben einfach keine Ruh, so geht das nun seit Stunden. Nein, eher doch schon jahrelang, der Krach von Menschen drunten, dem lieben Gott ist nicht mehr bang, hat in den Schlaf gefunden.

Stimmung in Dur oder Moll In Dur sing ich die Lieder, die mich tragen beim Gang in diese Welt hinaus, mit Singstimme in Moll und tiefer in den Lagen drücke ich eher meinen desolaten Seelenzustand aus. Die Lieder, die in Dur so wohl erklingen, sie tönen immer fröhlich, hell und klar. Mit ihnen kann ich mutig über Lebenshürden springen, mit Leichtigkeit so drüber weg, die einfach wunderbar. Wenn ich in Moll dagegen meine Lieder singe, Melancholie in warmen Klängen, zuweilen auch dem Weltschmerz nah, dann muss ich beinah um die Fassung ringen, bin tief betrübt, verzweifle an der Last des Lebens gar. Hier versuche ich den emotionalen Charakter in den Harmonien der Musik darzustellen. Oder anders gesagt, von den unterschiedlichen Gefühlen zu schreiben, die Musik in uns auslösen kann.

Melancholie Bleib im Winde stehn, will nicht weitergehn. Und dann hebe ich die Hand, drüben ist das ferne Land. Seh mich um mit scharfem Blick. Regen, der vom Himmel fällt, wäscht mein Haar, benetzt die Bläue meiner Augen. Schleierhaft der Mond dort oben, Nachtlaternen spiegeln im Asphalt zurück. Niemand ist zu sehen, außer geisterhafte Wesen, treiben in der Dämmerung, wollen zu mir gehn, mir mein Schicksal lesen. Ganz leise meine Lippen nun ein stilles Lied vom Abschied singen. Gedanken kehren jetzt zurück, die meine Sehnsucht niederringen. Aus Melancholie kann eine verhängnisvolle Depression entstehen. Erst neuerdings wächst in der Öffentlichkeit die Bereitschaft, dieses Thema nicht weiter zu tabuisieren und endlich offen damit umzugehen. Hier versuche ich mit meinen dichterischen Worten das Stimmungsbild eines Betroffenen zu zeichnen.

alte liebe komm mit und teil mit mir die schönheit dieses augenblicks und lass ganz mutig die zweifel hinter dir, den schritt mit mir zu wagen zu diesem uns vertrauten ort, komm, gib mir deine hand, hab dir nach all den jahren noch immer viel zu sagen. wir holen ihn noch mal zurück, den zauber schöner stunden. wir haben unser liebesglück an diesem ort gefunden. Diese Verse hören sich etwas schnulzig an, ich weiß. Hier aber blüht die Liebe auch nach vielen Jahren noch fast wie am ersten Tag! Es geht dabei, ganz schlicht und ergreifend, um das immer noch anhaltende Gefühl von gegenseitiger Vertrautheit und Verbundenheit. Andere Paare haben sich bis zu diesem Zeitpunkt vielleicht schon längst schleichend auseinandergelebt.

Mir stand so oft der Sinn nach Streben und Gewinn der schnöden Dinge wegen. Sie waren mir am Ende, und dieser Fakt spricht Bände, doch eher Fluch als Segen. Nun frag ich mich hinfort, wo ist denn dieser Ort, an dem ich glücklich bin? Es kann mir keiner sagen, ich muss es selber wagen, da komm ich nicht umhin. Jetzt hör mir doch mal zu, ich glaub genau wie du, dass nur die Liebe eint. Sie ist die Kraft zum Leben, gerade wenn wir sterben, auch wenn es oft nur scheint. Eine Frage nur Wenn morgen uns nichts bliebe als nur noch unsre Liebe und große Einsamkeit? Wenn diese letzte Stunde, die selten wir im Munde, uns ewiglich entzweit? Sie ist doch stets zugegen, die Frage nach dem Leben, worin sein tiefer Sinn? Wir müssen erst begreifen, dass wir zu Menschen reifen auf unsrem Weg dahin. In all den Lebensjahren hab ich so viel erfahren, was meine Seele rührt. Im Guten wie im Bösen versuchte ich zu lesen, wohin der Weg mich führt. In manchen dunklen Stunden hab ich herausgefunden aus meiner Einsamkeit. Weil mich die Hoffnung lehrte zu folgen dieser Fährte, die der Zufriedenheit. Hier wirds dramatisch, weil auch vom Sterben die Rede ist. Im Mittelpunkt steht aber aber nicht der Tod, sondern die Liebe! Gemeint ist beileibe nicht diese abgegriffene Floskel, wie wir sie aus Werbung, Film und Gazetten kennen. Mit diesem Gedicht versuche ich, den ureigentlichen Sinn und universellen menschlichen Wert dieses besonderen Wortes, bzw. Zustandes, herauszustellen.

Waidmannsheil Auf einer Jagdsafari, im Sand der Kalahari, traf ich das Tier ins Herz. Das Gnu stand vis-à-vis, der Schuss traf selten wie, es spürte keinen Schmerz. Bei meinem Jagdbestreben zielte ich fast daneben im fahlen Abendlicht. Gleichwohl so ist es eben, das Gnu verlor sein Leben, durch meine Jägerlist. Im Wald und der Savanne schieß ich das Wild schon lange, doch gestern, was geschah: Biss mich doch eine Schlange direkt in meine Wange, ich war dem Tode nah. Vorbei wars mit dem Jagen, vielmehr stellten sich Fragen, die eine, die war klar: Kann ich darüber klagen, weil nicht das Tier nahm Schaden, sondern ich Opfer war? Bei der Jagd in der afrikanischen Savanne hatte ich ein Schlüsselerlebnis der besonderen Art. Eigentlich, so dachte ich abends, zurückgelehnt auf meinem Klappstuhl sitzend und durch dieses Ereignis recht nachdenklich gestimmt: Eigentlich sollte ich es doch endlich lassen, Tiere nur der Trophäe wegen einfach totzuschießen! Mit dieser Erkenntnis endete dann auch meine letzte Safari in der Kalahari.

Kleine Sozialkunde Da guckt der Reiche auf den Armen und er lacht, hey Freundchen, wer hätte das denn von uns beiden je gedacht, dass wir vor Zeiten noch im Kindergarten miteinander spielten, zusammen Mittag aßen, ins Töpfchen machten und in das umgehängte Lätzchen trielten? Jetzt steh ich hier und gucke auf dich nieder, erkannte dich sogleich an deiner altgewohnten Stimme selbst aus der Entfernung wieder, auch wenn du sichtbar abgebrannt, um Münzen bettelnd und wohl auch ohne feste Bleibe, hier frierend auf dem warmen Luftschacht sitzt an einer Ladenfensterscheibe. Schicksal. Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Ich lad dich gerne ein auf eine Bratwurst und ein schönes Bier, doch deine Pennerfreunde nebenan, die lässt du besser hier. Hab nicht viel Zeit, weil ich Termine hab mit einem lukrativen Kunden, doch das mit einem Freundestrunk muss sein, nach dem ich dich so en passant an diesem Orte hab gefunden. Der Arme guckt am Reichen hoch und lacht, Mensch Georg, wer hätte damals je daran gedacht, dass ausgerechnet du, der in der Schule immer mit den Noten hintenan und trickreich über Bande spielte,

der bei den Prüfungsfragen ganz unverschämt zu meinem Blatte hin und auch zu meinem flüsternd’ Munde heimlich rüberschielte? Dass eben du, so wie mir’s heute scheint, gut sichtbar satt und reich und bieder, kanns fast nicht glauben, gerade du, der selbst in Jugendjahren schon und später immer wieder, statt zu studieren und zu schaffen, viel lieber durch die Bars und Discotheken zogst, bedenkenlos sein Geld verprasste und manchmal auch den einen und den andren gerissen um sein Geld betrogst. Dass ausgerechnet du, ich kanns ja gar nicht fassen, sag ich dir, viel eher dachte ich so insgeheim, dir ging’ es heute eher ähnlich so wie eben mir, dass du dich wiederfindest so wie ich, zerzaust und abgebrannt als Wohnsitzloser auf der Straße, doch eins ist klar, wie ich jetzt seh, mir fehlte wohl im Leben etwas Glück, doch unbestritten ist, zum guten Geldverdienen ganz sicher auch der Feinsinn deiner ausgemachten Spürhundnase.

In der Hitze des Tages In der Hitze des Tages lagen sie friedlich, weilten im Schatten, die Jungen so niedlich, tobten, jagten einander einher, tollten im Gras, doch die Alten so schwer, dösten im Schutze von Felsen und Bäumen, schienen von fetter Beute zu träumen. Jetzt aber streifen sie durch die Savanne, war doch das letzte Fressen schon lange, schleichen durch Büsche und Gras höchst gewandt, geschmeidig die Schritte hinfort über Sand. Vorbei an dornengespickten Kakteen, in der Nähe des Tümpels bleiben sie stehen. Beäugen das Treiben der rastenden Tiere, schleichen geduckt dann auf allen vieren bedächtig heran an die trinkenden Herden, dürfen das Jagdglück jetzt nicht gefährden. Die Tiere am seichten Wasser da unten haben seit Stunden nichts mehr getrunken. Sie stellen die Ohren, wittern die Fährten, die Blicke reihum, nervös die Gebärden, wagen erneut, doch nur für Sekunden, zu schlürfen, die Schnauze ins Nass einzutunken, wähnen die Räuber im Gras der Savanne, die Macht der Gefahr hält sie im Banne. Derweil die Löwen mit lauerndem Blick pirschen heran mit Geduld und Geschick, wie schon seit je jagt die hungrige Meute mit List und Bedacht die gemeinsame Beute, taxieren den Zustand eines der Tiere, auf dass es den Kampf mit den Jägern verliere. Blutiges Szenarium in freier Wildbahn.

Gebote des Rudels, Jahrtausende schon, die der genetischen Selektion, ist es den Löwen von selbst auch zu eigen, strategisch nur eine Jagd einzuleiten, nicht ohne der anderen Tun und Acht, so ist es im Rudel klar ausgemacht. Im Hunger vereint, die Beute zu schlagen, nur gemeinsam die Hatz auf das Opfer zu wagen, das von der Löwin ist auserkoren, ein Kalb in der Mitte, noch nicht lang geboren, stakst in der Herde auf wackligen Beinen, fühlt sich geborgen im Schutze der Seinen. Rituale der Jagd, ein Jungtier zum Lohn, bar jeden Mitleids, weil frei sie davon, weil nur die Achtung eigenen Lebens Gesetz und Maxime ist tierischen Strebens beim Leben im Busch und in den Savannen, nach gelungener Jagd sie friedlich entspannen. Im Schatten der Bäume bleiben sie liegen, lästig sind nur die summenden Fliegen, und das Treiben der quirligen Kleinen, die nicht schlafend auf Felsen verweilen, die aber satt nach dem Fressen der Beute, gut war der Tag für die Löwen heute.

Wie wutentbrannt, ganz außer Rand und Band, im stetigen Fließen über Felsen und Wiesen, über all diesem Toben fliegt ein Vogel dort oben. Im Gleichmaß der Zeit, frei von Kummer und Leid, immerfort Tag und Nacht, kein Bewusstsein für Pracht, ohne Fühlen von Glück, einfach weil es ihn gibt. Flug des Adlers Drunten im Tale strömt wild und verwegen ein reißender Bach seinem Ziele entgegen. Unbändig die Flut, als wärs nicht genug, durch Schluchten und Rinnen, will alles bezwingen. Mäandernd in Schleifen, ein Bild ohnegleichen, mahlt Steine zu Sand, Geröllschutt am Rand. Als hätt er gelitten, der Berg so zerschnitten, von Furten durchzogen, durch Wildwasserwogen, vom Winde zerklüftet, zersaust und geliftet, bis zum Grund erodiert, das Gestein wie seziert, gezeichnete Spuren in prägnanten Konturen bis zum kantigen Rand, so urwüchsig das Land. Für epische Ausflüge wie diese habe ich als Poet schon ein besonderes Faible, wohl wahr! Hier beschreibe ich die gedanklich nachempfundene Flugreise eines stolzen Adlers über den Canyons der Cedar Mountains bei Utah in den USA. Dabei vernehme ich mit meinem geistigen Ohr die zauberhaften Töne einer indianischen Flöte, gespielt von A.J.-Split River, einem Halbblutindianer, der auch eine Drehleier aus meiner Werkstatt spielt. Sei aus der Ferne gegrüßt, du Hüter der traditionellen Flöte amerikanischer Ureinwohner!

Ganz egal der Sturmwinde, die fegen und wüten, ganz egal wie gelinde milder Tau auf den Blüten. Ganz egal auch ob Regen weder Fluch ist noch Segen. Auch das Brennen der Sonne weder Plage noch Wonne. Ganz gleich. Hoch hinweg über Wälder, die an steilen Klippen, über Fels, Lehm und Felder, die abrupt abgeschnitten, die wild und verwegen an den Hängen kleben, vom Sturm abgeschwemmt, weil die Fluten nichts hemmt. Die ächzenden Tannen und die Büsche sich krallen, sich neigen und legen, der Reißfluten wegen, sich furchtlos verbiegen, im Winde sich wiegen. Seit so langer Zeit. Und über dem Tale erhaben im Winde der Greif souverän, steigt in Himmelsgefilde. In thermischen Kreisen aus schwindelnden Höhen hinab in die Tiefe, welch kühnes Geschehen. Und auf einer Wiese die Beute in Fängen, eine Rast nur, dann weiter, weil Instinkte ihn drängen. Wie drohlich das Schreien, nur weil sie ihn sehen, couragiert jetzt dreien der wütenden Krähen, schießen gleich Pfeile, die flitzend vom Bogen, sind diesem Räuber gar nicht gewogen. In gewohnter Manier, wenn Feinde sind hier, stoßen sie schier das erhabene Tier. Vom Soge der Schwingen gehoben, getragen, die Attacken gelingen, wie dreist diese Raben, empor bis zum Ende des Himmels da oben und im Sturzflug hinab, doch der Greif fliegt im Bogen des Weges dann weiter, weder traurig noch heiter. Immer vorwärts die Reise, ein rastloses Streben, es ist seine Weise, nicht zu fragen, nur leben. Erklimmt des Himmels Weiten und Räume, ihm helfen nur Taten und keine Träume. Ist bar jeder Hoffnung, dergleich’ Illusionen, kennt auch keine Ideen, Gedanken, Visionen. »

Im Wasser da unten verweilen die Stunden. Im Strömungsschatten Forellen warten auf surrende Fliegen, zu schnappen, zu kriegen, auch Larven und Krebse, auch mal eine Wespe. Die Tafel ist reich. In des Stromes Schnellen die Lachse springen entgegen der Wellen, sie treiben und ringen. Mit kräftigen Flossen, im Kampf unverdrossen, vom Meere hinauf, im Schwarme zuhauf, dem Oberlauf zu, ohne Rast, ohne Ruh. Sie tummeln und eilen, es gibt kein Verweilen, sie tauchen und springen, ihr Plan wird gelingen. Da scheint eine Kraft, wohl in ihren Kiemen, die niemals erschlafft, soll dem Ziele treu dienen, sich zu paaren, zu laichen in den Tümpeln und Teichen. Beharrlich und suchend am Platz ihrer Jugend. Und Bären mit Tatzen Lachse fangen und schmatzen, welch ein Jagdglück heute, in den Krallen die Beute. Und mit kräftigen Hieben, bis die Fische fliegen auf kiesigen Strand, so die Bären gewandt. Die lauern und schlagen die zu nahe sich wagen, an Felsen und Pfützen, wo sie warten und spitzen. Immer weiter im Flug, nur der Nächte genug, bis zum Morgen wieder tief gehüllt ins Gefieder. Auch wenn früh noch der Tag, keine Kraft nun vermag seine Sehnsucht zu lindern, ihn am Fluge zu hindern. Den ein Schimmer verkündet, weit im Osten ein Glühen, auf Rhythmus sich gründet, will die Geister bemühen. Die Geister, die auch Menschen rütteln und rufen, ohne die keine Kraft in Flügeln und Hufen, ohne die der Tod die Obhand gewinnt, ohne die alles Leben zum Stillstand gerinnt.

So erwacht die Sonne mit der Kraft ihrer Strahlen, der Natur ist sie Wonne, weil zum Wärmen und Aalen, ist Quelle des Lebens, Impuls allen Strebens. Zerfließendes Blau, zerschnitten das Grau. Sacht die Federn gelegt, das Gefieder gepflegt. Die thermischen Lüfte, sie blasen und tragen und heben den Aar in himmlische Lagen. Schier ohne viel Kraft, bis über die Wolken, bald ist es geschafft, dem Wege zu folgen. Und im Morgenwind lau seine Ohren genau hören trauliche Schreie einer balzenden Weihe. Erholt für die Reise, das Bachrauschen jetzt leise, hoch am Himmel der Aar, der sich nicht ist gewahr, mit welch Stolze und Würde meistert er jede Hürde. Er fliegt ohne Sorgen beschwingt in den Morgen, strebt im Rhythmus so weiter, weder traurig noch heiter. Nur der Mensch nennt es Bürde, zu leben, sich regen, nur er weiß um Würde, die nur ihm ist gegeben. Nur der Mensch neigt dazu, der Dinge zu lauschen, zu hinterfragen, zu verklären, gegen Trug einzutauschen. Im Geschehen der Dinge, mit Kraft in der Schwinge, der erwachsene Greif, zum Paaren gereift. Und in luftigen Höhen jene Dinge geschehen, gleich dem Leben im Fluss, ohne Ach und Verdruss. Mit ihm fliegt die Klarheit, die einer nur kennt, der Freiheit ganz lebt, nicht beim Namen nur nennt. Er trotzt den Gefahren, geschärft jeder Sinn, vielleicht mag er’s ahnen, wenn er zieht seine Bahnen, doch der Mensch würde prahlen: Schaut her, ja ich bin!

wie zum geier, rief frau meier, konnte es bloß sein, alle glotzten nach dem reiher und mir half kein schwein? sakrament, und am end warst du pudelnass, jeder, der die fluten kennt, weiß, das war kein spass. aber hallo, hemd und sakko futsch und wohl hinüber, gibts gelegentlich bei Takko, laden gegenüber. heijajei, wie’s auch sei, geh nach haus in die vier wände, die chose ist zum glück vorbei, jetzt ist ende im gelände. papperlapapp sapperlot, auf ein wort, warst das gestern du, der dort stand an der wand ohne strümpf und schuh? donnerwetter, welch ein retter, ohne deinen mut wären menschen bei dem wetter opfer dieser flut. kruzitürk und kruzifix, ist es wirklich wahr? denn passiert ist einfach nix, du warst ja gleich da! eididaus, aus dem haus flussseits gegenüber glotzten sie zum fenster raus, kamen nicht mal rüber. ohne frage war die lage richtiggehend krass, regen fiel die letzten tage ohne unterlass. papperlapapp, das war knapp, als du mutig aus den fluten zogst den buben mit der kapp, musstest dich doch ziemlich sputen! himmel auch, wie halt brauch, schulze wirds dir danken, seine eltern aber auch, opas, omas, tanten. was zum henker trieb der lenker von dem gummiboot? hing am fender im geländer, dieser vollidiot. „Wenn ein vermeintlich sinnloser Gedankengang vom Tisch geräumt werden soll, bietet die Redewendung „Papperlapapp“ eine umgangssprachliche Möglichkeit an, dies auszudrücken.“ (Irgendwo gelesen) Aber wird hier in dieser von mir geschaffenen Sprachkomik nicht auch eine kleine, inhaltsvolle Geschichte mit geradezu dramatischem Verlauf erzählt?

wg „in pleno“ die teller in der spüle sie liegen ungewaschen in ihrem dreck und überall nur reste von verklebten speisen seit Tagen schon im Wasser gräulich aufgeweicht müffeln so vor sich hin weil niemand wirklich anstoß nimmt und mancher vielleicht denkt wer ist denn hier das schwein und jeder meint der dreck der ist nicht mein einfach mal aufgepasst und hingehört ab morgen gibt’s ne liste und jeder hält sich dran so richtig ordnung mann durchdacht und gut geplant wie man’s halt so macht mit allem pipapo schön akurat und so dann siehts hier besser aus und alle schreien: ja ’ne superschnapsidee! und rätseln wie benommen, was für ein oberheini ist denn in seinem wahn auf so ’nen blöden küchenplan gekommen? Der normalen WG wird oft zur Last gelegt, dass sie schmutzig sei. Nach einer neueren Studie erreichen ca. 46 % ein durchaus post-barbarisches Niveau an Sauberkeit. (sinngemäß aus stupidedia)

Wählen Gereimter Nonsens Wählen ist eine Qual, so gern wäre ich ein Wal mit Haut aus dickem Blubber, die Barteln voller Futter. Erfragt’ man meine Meinung, die Richtung und die Peilung, ich tauchte ganz schnell unter zu Hummer, Aal und Flunder. Ich bräuchte dort nicht wählen, nicht rechnen und nicht zählen, auch nicht argumentieren, in Kleinkram mich verlieren. Die würden mich verstehen und mich im Handumdrehen und ohne große Worte begrüßen an dem Orte. Und gäbe es mal Streit, riss’ auf mein Maul ganz weit, sie würden erst mal lachen und dann die Fliege machen, weil hinterrücks der Hai, nicht wählerisch dabei, wenn ihm nach einer Beute, er sich gewiss nicht scheute. Wählen: stimmen, abstimmen, seine Stimme abgeben, seine Wahl treffen, durch Wahl bestimmen, sich entscheiden für, plädieren für, beschließen, an die Urne gehen; geh.: votieren, optieren Anlässlich meiner Unschlüssigkeit bei der Bundestagswahl 2013 ist mir in folgender Nonsens eingefallen:

Mit den Möwen im Winde Hab neulich gesehen, wie Möwen im Winde in luftigen Höhen ihre Runden drehen. Hab auch gesehen den Vater mit Kinde im stürmischen Winde am Ufer stehen. Die Möwen verwegen in Kurven und Bögen, mit lautem Geschrei umkreisten die zwei. Es ist ja in höchstem Maße faszinierend, Möwen bei ihren akrobatischen Flugmanövern zu beobachten. Ihnen kleine Brotstücke zuzuwerfen und sie dann wetteifernd um die Brotstücke im Fluge rangeln zu sehen, das macht nicht nur Kindern, sondern auch uns Erwachsenen einen Heidenspaß. Sie sahen die Tüte und wurden nicht müde zu fordern und klagen, die Nähe zu wagen. Das Kind warf das Brot den Möwen entgegen, die schnappten die Brocken, wild und verwegen. Was für ein Lachen, was für ein Kreischen, als die Möwen versuchten das Brot zu erheischen. In großem Bogen die Brotstücke flogen, immer höher und weiter, und das Kind froh und heiter. Mit Blick aus der Ferne sah ich zu ach so gerne, wie so selig das Kinde mit den Möwen im Winde.

Wenn Leute Zweifel haben, Bedenken schnippt er fort. Will einer auch Recht haben, dann fällt er ihm ins Wort. Er weiß es einfach besser, ist überzeugt von sich. Ist wohl ein Bücherfresser, liest eben mehr als ich. Ich fragte ihn mal neulich, er guckte ganz abscheulich, nach seinen andren Gaben, die er wohl glaubt zu haben? Der Schlauberger Der Schlauberger ist da, er hat uns was zu sagen, und was er sagt, ist wahr, Einwand will keiner wagen, zu zweifeln an den Worten, an deren tiefen Sinn. Verteilt sie allerorten zu unserem Gewinn. Er duldet keine Meinung, die wider seine Haltung, gibt einzig Unterweisung, sucht nicht der Worte Reibung, Wer kennt in seinem Umfeld nicht auch so einen Schlauberger, beziehungsweise Besserwisser, der in seiner Selbstüberhebung zu jeder sich bietenden Gelegenheit rechthaberisch seine Meinung vertreten muss? Er sah mich spöttisch an, wie ich bloß fragen kann nach Trivialitäten, die nichts zur Sache täten? Erklärte mir die Welt, so wie’s ihm halt gefällt. Mit voller Überzeugung beschwor er seine Meinung.

Kindermund Vom Wiedehopf und anderen Tieren Seh gern den Tieren zu, ob Ente, Hund, ob Kuh. Den großen und den kleinen, mit Flügel, Flossen, Beinen. Neulich beim Blumentopf sah ich den Wiedehopf. Saß drüben bei der Laube mit seiner Federhaube. Frühmorgens um halb sieben, mir schien das übertrieben, so zeitig aufzustehen, um ihn mir anzusehen. Ich weiß ja aus der Schule von Oberlehrer Thule, gerad den Wiedehopf erkennst du an dem Schopf. Kinder haben einen einzigartigen Blick auf die Welt. Und wenn sie ihre Welt beschreiben, kommt oft Lustiges, aber auch manch versteckte Wahrheit ans Licht. (Irgendwo gelesen) Auch weiß ich ganz genau, der Wiedehopf ist schlau, er frisst nicht nur Insekten, sondern auch kleine Echsen. Der Wiedehopf legt Eier, viel kleiner als die Reiher, in Höhlen und in Mauern, wo Salamander kauern. Die flinken Salamander geraten aneinander, wegen der fetten Fliegen, ein jeder will sie kriegen. Die Fliegen summen leise, weil auch beliebt als Speise bei Schwalben auch und Meisen, die sich um jede reißen. Die Schwalben, Meisen, Spatzen fürchten sich vor den Katzen, weil die sie gerne jagen, meist vor dem Fressen plagen. Die Katzen hassen Hunde, verachten sie im Grunde, wenn Hunde träg und schwer hinter ihnen her. Kam mir so in den Sinn, auch wenn ich müde bin. Zu dieser frühen Stunde schlaf ich noch eine Runde.

Von Katzen und Mäusen Katzen sind, das ist belegt, immer wieder aufgeregt, wenn sie hinter Stroh und Möhren kleine Mäuse krabbeln hören. Mäuse finden Katzen doof, die da auf dem Bauernhof in den Ställen und den Scheunen Mäuse suchen, die da streunen. Kater Alf will eine fangen, allzu groß ist sein Verlangen, mit Genuss sich heut zu laben an einem feinen Mäusebraten. Mäuse zähl’n auf ihre Weise als der Katzen Lieblingsspeise. Weil sie lecker, delikat, zart im Fleisch sind, in der Tat. Doch die Mäuse, dideldum, krabbeln hinterm Stroh herum, hinter Rüben, hinter Möhren, lassen sich von ihm nicht stören. Wissen sie doch längst genau, sind nicht dumm, sind eher schlau, bleiben meist in ihr’m Versteck, bis die Katze wieder weg. Fressen also putz und munter, nagen an den Möhren runter. Weil die herrlich saftig frisch, wohlgedeckt der Mittagstisch. Katzen aber, das ist wahr, die sind oftmals sonderbar. Legen sich meist auf die Lauer, was schon mal von langer Dauer. Jagdszenario auf einem Bauernhof.

Klein gemacht und tief geduckt, schauen sie, ob sich was tut, ob vielleicht doch eine Maus kommt aus ihrem Mäusehaus? So der Kater still und leise wartet auf die Lieblingsspeise. Kommt ein Mäuslein aus dem Haus, ists mit seinem Leben aus. Schon der Hieb mit einer Pfote führt bei Mäusen meist zum Tode. Vorne an der Pfoten Ballen sitzen nämlich scharfen Krallen. Doch nach Stunden Warterei ist es mit der Acht vorbei. Kater Alf, der auch schon alt, fällt in tiefen Schlafe bald. Gucken will ein Mäuslein doch durch das kleine Eingangsloch. Streckt frech aus dem Mäusehaus, schwuppdiwupp, sein Köpflein raus. Kater Alf schläft tief davor, manchmal nur, da zuckt sein Ohr, träumt von einer kleinen Maus, die da kommt aus ihrem Haus.

Die Fabel vom Wolf und dem Schäflein Der Wolf der sah dem Schäflein zu, das etwas von der Herde fern, es hätt ja für sein Leben gern vom kühlen Nass getrunken. So schlürfte es in Seelenruh das kühle Wasser immerzu, löscht seinen Durst in einem Nu, sah nicht den Wolf im Dunklen. Der Wolf im Wald, der dachte sich, das Schäflein will ich kriegen, so nah hatte ich lange nicht die Beute vor mir liegen. Er streckte sich und reckte sich, hinter dem Busch verborgen, das Schäflein aber ahnte nicht und macht’ sich keine Sorgen. Wie soll ich bloß, dachte der Wolf, dem Schäflein an den Kragen, ich könnte doch vom Hügel aus den Beutezug jetzt wagen? Er sprang behände aus dem Wald und schlich auf leisen Sohlen durchs hohe Gras, so würd er bald das kleine Schäflein holen. Das Schäflein, arglos an dem Bach, zufrieden satt getrunken, es ahnte nicht das Ungemach, in seinen Traum versunken. Doch plötzlich stand der Isegrim dem Schäflein gegenüber, das starrte zu der Herde hin und wollte schnell hinüber Eine zauberhafte Geschichte mit einem geheimnisvollen Ende.

zur Mutter, die im grünen Gras im Trott mit ihresgleichen beim Äsen doch ihr Kind vergaß, so konnte es entweichen. Da unten an dem kleinen Bach, dem Wolf nun vis-à-vis, das Schäflein zu dem Wolfe sprach, der jählings von ihm ließ. Was hatte bloß das kleine Schaf dem Wolf ins Ohr gesagt, dass dieser plötzlich innehielt, er hätt es nicht gewagt, zu fressen dieses kleine Tier, das einsam an dem Bache, zu reißen an der Stelle hier, nur übrig eine Lache. Es waren Worte flüsternd leis, die an den Wolf gerichtet, tief aus dem Herzen, klug und weis, bedacht und wohl gewichtet. Du findest sie in keinem Buch, sie wurden nie geschrieben, weil selten wie sie hier gedacht sind sie uns nicht geblieben. Das Bächlein plätschert vor sich hin, nur es hat still vernommen des Schäflein Worte tiefen Sinn, als es dem Wolf entronnen.

Ein Spatz fing einen Regenwurm Ein Spatz fing einen Regenwurm, der schnurstracks und manierlich zur Liebsten, die dort unterm Turm, war doch sein Drang natürlich. Im Schnabel hing das Würmlein jetzt, war nicht mehr froh und heiter, wenn er die Dame jetzt versetzt’, wie ging die Liebe weiter? Er wandte sich, er krümmte sich, wollt diesem Spatz entkommen. Wie wär es wohl, dacht er für sich ganz bang und recht beklommen: Wenn ich dem Spatz erzähle nun die Absicht meiner Reise? Der Wurmfrau eine Freude tun wollt ich auf meine Weise! Hätt nicht gedacht, zu dieser Stund dass Spatzen munter fliegen und Würmer suchen, fett und rund, so musst er mich ja kriegen! Dem Armen war nicht wohl dabei in Anbetracht der Lage. Gar jämmerlich sein Wehgeschrei, das steht hier außer Frage. „Genau genommen ist ein Regenwurm nur ein Strich in der Landschaft. Aber was für einer! Zum Beispiel produziert er Dünger, der zu den besten der Welt gehört.“ (zit. nach NABU)

Der Spatz, der hörte achtsam zu, ihm war nicht wohl zumute. Ist es denn gut, was ich hier tu? Das kam dem Wurm zugute! So eurer zarten Liebe wegen verzichte ich einmal, werd dich hier sacht ins Grase legen, mir ist das nicht egal! Der kleine Wurm kroch froh zurück, ihr Ruf klang aus der Ferne. Jetzt kam er doch, was für ein Glück, sie hatt ihn ja so gerne!

Mal sind es Opernchöre, die hört er ja so gerne. Sie dröhnen laut, ich schwöre, noch in geraumer Ferne. Mal liebt er es, zu hören, wenn Baritone singen, mal lässt er sich betören von Sopranistenstimmen. Und dann die Arien, weil die so hoch erklingen, so schrill, dass fast Aquarien in Scherben jäh zerspringen. Ich mache keine Witze, neulich am Grammophon piekst’ er sich an der Spitze, heulte in höchstem Ton. Denn diese Nadelspitze, die tat ihm höllisch weh. Sie lief nicht in der Ritze, sie stach ihm in den Zeh. Balu, das ist ein Bär, kenn ihn seit Jahren schon. Ich schätzte ihn noch mehr, wär nicht sein Grammophon. Balu Balu ist klein, behände, und liebt das Grammophon. Es schallt durch Tür und Wände, manchmal lauf ich davon. Die Kurbel rum ganz heftig, damit sich was bewegt, er leiert ziemlich kräftig, wie’s eben nur so geht. Ihm macht es mächtig Spaß, wenn sich die Platte dreht. Die Leute finden’s krass, so gehts von früh bis spät. Die Töne aus dem Trichter, die liebt er wirklich sehr, je lauter und je dichter, dann aber um so mehr. Probiers mal mit Gemütlichkeit. Gar nicht so einfach, wenn Balu ständig das Grammophon so laut laufen lässt.

Kinder lieben Gute-Nacht-Geschichten. Sie wirken beruhigend, machen das Einschlafen leichter und gehören bei vielen Familien zum täglichen Zu-Bett-geh-Ritual. Wir erinnern uns hier in der Familie auf dem Oberhof immer mal wieder dieser schönen Momente. Gute Nacht Sitze am Bett und lese den Kindern von Mythen und Märchen zur guten Nacht. Sie lauschen Geschichten von Räubern und Wichten, von Hexen, die mixen den Zauberkraftsaft. Töpfe im Feuer in züngelnden Flammen, Rauchungeheuer ziehn weg über Tannen. Am Häuschen im Wald, die Mondnacht so kalt, tanzen sie fröhlich, die Kräuter allmählich köcheln im Sud, noch ein Tröpfelein Blut von Ratten und Mäusen bedächtig sie träufeln. Murmelnde Stimmen beschwören und singen, bis dem Sud in der Glut ist die Hitze genug. Hinfort die Essenzen, nach närrischen Tänzen reiten die Wesen auf Hexenbesen. Wollen Menschen bezirzen, kurieren die Schmerzen, zaubern Liebe und Glück, holen Jugend zurück. Kinder im Schlummer, hinweg all ihr Kummer, und am Ende schließlich, schlafen sie friedlich.

Selbsterfahrung eines Poeten Manchmal fällt mir gar nichts ein, weder Flausen noch Geschichten, keine Worte, die beim Dichten mich ermuntern, inspirieren, in die Fantasie entführen. Fühl mich dann gedankenleer, Konzentrieren fällt mir schwer. Fragmentarisch fallen Worte, schreib sie auf, sortier und ordne. Suche nach dem roten Faden, wäge ab und wälze Fragen. Was zum Beispiel will ich sagen, kann ich es denn wirklich wagen, von der Liebe zu erzählen, Leuten gar, die Kinder quälen, von den menschlichen Gelüsten, von Verliebten, die sich küssten? Soll ich doch von mir berichten, wie so schwer ich oft beim Dichten einen Vers gradieren kann? Dass so manche schönen Worte, aufgehübscht wie eine Torte, nur mit Mühe mir ersann? Carl Spitzweg zeigt mit seinem Werk „Der arme Poet“ einen Dichter in seiner bescheidenen Dachstube. Den scheinen die erbärmlichen Lebensbedingungen dort nicht weiters zu stören. Das Geistige hat einfach Vorrang! So sieht es zumindest aus. Und irgendwie stelle ich mir so auch einen „wahren“ Poeten vor. Ich ahne, dass auch heutzutage unzählige „Kreative“ ihrer Kunst zuliebe bereit sind, in großer materieller Bescheidenheit zu leben. Oder davon, dass sie fliegen, mühe mich, dann sie zu kriegen, manchmal weil sie so in Eile, schreib sie auf dann Zeil um Zeile hurtig auf ein Blatt Papier, tipp sie in die Tasten hier. Neulich fiel mir wieder ein, als ich war nicht ganz allein – mit dem Laptop in dem Bette, neben mir lag so ’ne Nette, die mit ihren Bein’ und Armen, lieber Gott, oh hab Erbarmen –, dass jeden Plot, den ich ersann, nur Selbsterfahrung toppen kann.

Erdenleben Solang ich hier verweile im menschlichen Getriebe, wenn mich der Tod ereilte, fürwahr mein Abdruck bliebe. Im Sand der Lebenszeit blieb eine Spur zurück, nicht nur von Traurigkeit, nein, auch von Lebensglück.

Der Oberhof auf einer alten Postkarte. Rechts unten das ehemalige Wohnhaus und zugleich „Wirtshaus zur Jägerlust“ der Familie Weigel ist heute unser Zuhause.

Epilog Der Oberhof – kein schöner Land? Wer weiß, vielleicht hatte der Verfasser beim Dichten dieses Textes doch den idyllischen Oberhof hier im Kraichgau vor Augen? Der Oberhof, heute kleinster Ortsteil Dielheims, wurde 1341 als „superiore curia“ erstmals urkundlich erwähnt. Er zeichnet sich durch seine abseitige Lage zur Gemeinde selbst und zu den übrigen Ortsteilen aus, wie auch durch seine in den letzten Jahrzehnten recht überschaubar gebliebene geringe Einwohnerzahl. Ein ange- schlossenes Neubaugebiet gibt es bis heute nicht, sodass ihm zuweilen der Anschein anhaftet, bis zum heutigen Tag im Wesentlichen ziemlich unverändert geblieben zu sein. Wir waren damals eine kleine Gruppe von Idealisten, die des trubeligen Stadtlebens überdrüssig geworden waren, und erwarben 1978 von Otto Waigel das kleine Wohnhaus mit Scheune und einem gegenüberliegenden Garten. Endlich hatten wir Gelegenheit, unsere Sehnsucht nach einem Leben auf dem Lande praktisch aus- zuleben. So einfach war das. Als Stadtmenschen schien uns schon bei unserem ersten Besuch des Oberhofes das Leben wie aus der Zeit ge- fallen zu sein. Die recht kleinen landwirtschaftlichen Strukturen mit einfachem technischen Gerät waren noch lebendig. In einem der letzten noch betriebenen Viehställe wurde sogar noch eine Kuh von Hand gemolken und gleich darauf Butter aus der Milch geschöpft. Diese Bilder haben uns mächtig beeindruckt und unsere Träume von einem Leben auf dem Lande vollauf bestätigt. Als wir dann mit Otto handelseinig waren und sesshaft wurden, waren wir von da an alljährlich

immer dabei, im Herbst das Mostobst mit aufzulesen und auszupressen, auf dass wir uns dann das nächste Jahr über beim abendlichen Zusammensitzen in der Küche von Bauer Hans an diesem köstliche Trunke aus- giebig laben konnten. Aber auch das Helfen beim winterlichen Holzmachen im Wald, bei der spätsommerlichen Getreideernte, beim Heuballen aufgabeln und Kartoffeln mit dem gebrechlichen Vollernter aus dem Ackerboden buddeln gehörte zu dem Programm unserer bäuerlichen und hochgeschätzten Mitarbeit. Bei allem Eifer, den wir dabei an den Tag legten, waren und blieben wir aber in den Augen mancher Bauersleute lange noch die milde belächelten Stadtmenschen. Das lag vielleicht auch daran, dass wir anfangs mit dem Buch „Leben auf dem Lande“ in der Hand bemüht, aber eben doch nicht kenntnisreich und ausdauernd genug waren, unser Gärtelein in einen Garten Eden zu verwandeln. Auf jeden Fall aber fühlten wir uns als Zugezogene von Anfang an von allen Einheimischen absolut freundlich in die dörfliche Gemeinschaft aufgenommen. Gerade mit der Bauernfamilie Zahn, insbesondere mit dem liebenswerten Familienpatriarchen Hans Zahn, verband uns ein ausgesprochen herzliches und auf gegenseitige Hilfe bauendes nachbarschaftliches Verhältnis. Noch heute erinnern wir uns hin und wieder dieser schönen und ereignisreichen Zeit. Gerade die gemeinsamen Arbeitseinsätze und die darauffolgenden abendlichen Vesper im Kreise der Familie mit reichlich Hausmacher Wurst und kühlem Apfelmost verliefen immer ausgesprochen unterhaltsam und oftmals in einem für uns manchmal etwas gewöhnungsbedürftig rauen, aber nichtsdestotrotz herzlich gemeinten Tonfall.

Doch dieser Rückblick auf meine bald vierzigjährige Oberhofgeschichte bliebe unvollständig, würde ich an dieser Stelle nicht auch unseren unmittelbaren Nachbarn Dieter Jung erwähnen. Er war Mitinitiator der legendären Oberhofkommune, einer in einschlägigen Kreisen bedeutsamen Institution, die sich der Erprobung alternativer Lebensmodelle verschrieben hatte. Auch er ruhe in Frieden. Wenn ich heutzutage das Geschehen hier im Oberhof auch rückblickend näher betrachte und auf mich wirken lasse, beschleicht mich manchmal das unbestimmte Gefühl, der Oberhof könnte über sein äußeres Erscheinen hinaus vielleicht noch weitaus mehr sein als nur ein einfacher kleiner Weiler in landschaftlich reizvoller Lage. Vielmehr ahne und vermute ich in seinem Innern einen Kraftquell, der Menschen in ihrem Tun immer wieder beflügelt. Welch andere Wirkkräfte als eben jene hätte mich sonst auch zum Schreiben dieses Büchleins überhaupt bewegen können? Hier schlummern scheinbar unsichtbare Energien, die immer dann auf Menschen übergehen, wenn sie den festen Willen haben, Dinge in Angriff zu nehmen, und auch mal den Mut aufbringen, etwas Un- gewöhnliches zu tun.

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